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Die Existenz des Spekulativen

„Der Gedanke schwingt

„Der Gedanke schwingt sich auf zu Gott“ 247 die damit verbundene Bestimmung des „Begriffs“ der Seele¹⁸⁹ immer wieder eine entscheidendeRolle für Hegels Betrachtung des Wesens derSeele alsder natürlichen Bestimmtheit und damit des Herab-gesetzt-Seins des subjektiven Geistes. Auch die Erörterungdes seelischen Individuumsals „Moment“ derExistenz des Absoluten, das jedochnicht dessenTotalitätund geistige Vollbestimmtheit,mithin seineGöttlichkeit, ausmacht, lässt sich bei Hegel finden.¹⁹⁰ Hegels an die zitierte Plotinparaphrase anschließende Ausführungen zur Existenzweise der vereinzelten Seele gegenüber dem reinen Sein Gottes lassen sich also mit entsprechenden Abschnitten aus der Enzyklopädie parallelisieren: „Es muß von der Existenz des Wesens als Wesens übergegangen werden zur Existenz, als realer Existenz als solcher; und als solche ist Gott ein Jenseits des einzelnenSelbstbewußtseins […].“¹⁹¹ An dieser Stelle klingt die Notwendigkeit der Entwicklung des „einzelnen Selbstbewußtseins“ über sich selbst hinaus an,¹⁹² was Hegelals grundlegend für den Aufstieg des Selbstbewusstseins in den „Geist“ Vernünftige zum Gehalte und Zweck hat,also die Tätigkeit des Übersetzens rein nur der formelle Übergang indie Manifestation und darin Rückkehr in sich ist.“ Vgl. etwa Enz.³ § ,Zus.: „Indem das Seelenhaftesich vomGeistetrennt, sich für sich setzt, gibt dasselbe sich den Schein, das zu sein,was der Geist in Wahrheit ist, – nämlich die in der Form der Allgemeinheit für sich selbst seiende Seele.“ Vgl. etwa Enz.³ § , Zus.: „Was wir daher […] zubetrachten haben, das ist der Befreiungskampf, welchen die Seele gegen die Unmittelbarkeit ihres substantiellen Inhalts durchzufechten hat,umihrerselbst vollkommen mächtigund ihrem Begriff entsprechend zu werden, – um sich zu dem zu machen, was sie an sich oder ihrem Begriffe nach ist, nämlich zu der im Ich existierenden sich auf sich beziehenden einfachen Subjektivität.“ Vgl. auch Enz.³ § , Zus.: „Dennoch kann die Seele bei dieser unmittelbaren Einheit mit ihrem Leibe nicht stehenbleiben. Die Form der Unmittelbarkeit jener Harmonie widerspricht dem Begriff der Seele, – ihrer Bestimmung, sich auf sich selber beziehende Idealität zu sein.“ Vgl. Enz.³ § , Zus.: „Die Seele ist das Allesdurchdringende, nicht bloß in einem besonderen Individuum Existierende; denn wie wir bereits früher gesagt haben, muß dieselbe als die Wahrheit,als die Idealität alles Materiellen, als das ganze Allgemeine gefaßtwerden, in welchem alle Unterschiede nur als ideelle sind und welches nicht einseitigdem Anderen gegenübersteht, sondern über das Andereübergreift.Zugleich aber ist die Seele individuelle, besonders bestimmte Seele, sie hat daher mannigfache Bestimmungen oder Besonderungen in sich […]“; sowie Enz.³ § ,Anm.: „Dieses abstrakte Fürsichseinder Seele in ihrer Leiblichkeit ist noch nicht Ich,nicht die Existenz des für das Allgemeine seienden Allgemeinen.“ TWA , S.. Vgl. Enz.³ § , Zus.: „Die erste dieser Stufen stellt uns das unmittelbare, einfach mit sich identische und zugleich, im Widerspruch hiermit, auf ein äußerliches Objekt bezogene einzelne Selbstbewußtsein dar. Sobestimmt ist das Selbstbewußtsein die Gewißheit seiner als des Seienden, gegenwelches der Gegenstand die Bestimmung eines nur scheinbar selbständigen, in der Tat aber Nichtigen hat, – das begehrende Selbstbewußtsein.“

248 4 „Rückkehr zu Gott“ –Hegels Deutung der neuplatonischen Seelenlehre der Psychologie ansieht.¹⁹³ Der Übergang von der „Existenz des Wesens als Wesens“ zur „reale[n] Existenzdes Geistes entspricht bei Hegel selbst dem Gegensatz zwischen dem „abstrakte[n] Fürsichsein der Seele in ihrer Leiblichkeit“ und dem „Ich, [der] Existenz des für das Allgemeine seiendenAllgemeinen“.¹⁹⁴ In der Überwindung dieser Entgegensetzung „[macht sich] die Seele […] zum abstrakten allgemeinen Sein“.¹⁹⁵ Das in der „reale[n] Existenz“ Gottes, das heißt in der natürlichen Vereinzelung der Sinnenwelt, verortete einzelne Selbstbewusstsein hat „jenseits“ seiner selbstdas reine Denken. Aufdieses muss es sich als auf sich selbstbeziehen, um den Gegensatz zwischender individuellen Besonderung und der geistigen Allgemeinheit zu überwinden. Dieser Gegensatz und die für die Entwicklungder Seele zum Geist bestehende Notwendigkeit seiner Überwindung werden von Hegel also ebenfalls in der spekulativen Seelenlehre des Plotin erkannt. Auch wenn in der gerade zitierten Passage die Jenseitigkeit Gottes gegenüber dem Selbstbewusstsein der Begrifflichkeit nach eher auf das transzendente und absolut jenseitige Eine Plotins zu verweisen scheint, soist doch klar, dass Hegel hier die Jenseitigkeit des reinen Geistes gegenüber dem noch auf die Sinnenwelt bezogenen und mit seinem Denken noch nicht auf sein eigentliches Wesen ausgreifenden Individuum meint. Hier ist also keine Transzendenz des Absoluten vorauszusetzen, sondern der höhere Grad an Innerlichkeit und Selbstbeziehung, der bei Hegel den Geist der Psychologie gegenüber dem Selbstbewusstsein und dem Bewusstsein der Phänomenologie und der Seele der Anthropologie auszeichnet. Ganz in diesem Sinne fährt Hegel fort, indem er das vermeintlich plotinische „Jenseits“ genauer bestimmt: „Jenseits des einzelnen Selbstbewußtseins Wesen, reines Denken – die gegenständliche Weise wird überwunden.“¹⁹⁶ Hier wird das reine Geistdenken der Weltzugewandtheit der Seele gegenübergestellt. Indem die Seele diese von Hegel auch Plotin zugeschriebene Entgegensetzung hinter sich lässt und in den Geist aufsteigt,vollzieht sie eine Entwicklungmit,die Hegel selbst als das „höhere Erwachen der Seele zum Ich“ bestimmt hat: Die Überwindung der seelischen Existenzweise auf dem Wege des Ausgriffs auf ihr eigentliches, ursprüngliches Selbst und aufihr geistiges Sein, mithin die „unendliche Beziehung Diese Notwendigkeit äußert sich in dem „Trieb“ des Ich, „das zu setzen, was es an sich ist, – d. i. dem abstrakten Wissen von sich Inhalt und Objektivität zu geben und umgekehrt sich von seiner Sinnlichkeit zu befreien, die gegebene Objektivität aufzuheben und mit sich identisch zu setzen; beides ist ein und dasselbe; – die Identifizierung seines Bewußtseins und Selbstbewußtseins.“ (Enz.³ § ) Enz.³ § , Anm. Enz.³ § . TWA , S..

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