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Die Existenz des Spekulativen

Die

Die Spitze des Neuplatonismus“ 281 Plotins gegen dessen neuzeitliche Kritiker spielt Hegel auch an dieser Stelle die Notwendigkeit einer Vernunftphilosophie und damit einer spekulativen νοῦς-Lehre gegendie bloße Verstandesphilosophie seiner eigenen Zeitgenossen aus. Implizit wird also auch bei der Betrachtung des proklischen Systems die Erhebung des Denkens über die bloßen Verstandeskategorien vorausgesetzt. Trotz dieses verwandten Ansatzes und der auf ähnlichen Voraussetzungen beruhenden Grundhaltung gegenüber den Geistlehren des Plotin und des Proklos benutzt Hegel Plotin geradezu als Kontrastfolie, anhand derer er die besonderen Kennzeichen der proklischen Metaphysik ausweist. Sobenennt Hegel gleich zu Beginn des Proklos-Abschnitts die in seinen Augenentscheidenden Unterschiede zwischen den Denksystemen der beiden Neuplatoniker: Dadurch unterscheidet er sich ganz besonders von Plotin, dass bei ihm die neuplatonische Philosophie wenigstens schon zu einer systematischeren Anordnung imganzen und ausgebildeteren Form gekommen ist.Was ihn auszeichnet, ist sein tieferes Studieren der Platonischen Dialektik. Er ist interessant, weil, in seiner Platonischen Theologie besonders, mehr (sosehr das Werk auch dialektisch ist) ein bestimmteres Fortschreiten und Unterscheiden der Sphären in der Idee sich findet […].²⁷⁰ In einem gewissen Sinne ist also die Grundlage von Hegels emphatischer Proklosrezeption methodischer Natur: Die „ausgebildetere […]Form“ der proklischen Philosophie besteht in deren gegenüber der vermeintlichen Bildhaftigkeit Plotins begrifflicheren – da „bestimmtere[n]“ –Dialektik. „Fortschreiten und Unterscheiden“ auf der Ebene der spekulativen Geistlehre bezeichnen die Selbstvermittlung des Geistes auf einer höheren Ebene als der, von Hegel durchaus wahrgenommenen, Einsicht Plotins in die triadische Selbstbeziehungdes Geistes.Der Ausgriffdes Geistes aufsich selbst erscheint Hegelbei Proklos dialektisch ausdifferenzierter zu seinund vor allem ist dieser Ausgriff in die philosophische Systemform gebracht worden.²⁷¹Gerade diese Systemform,wie sieinder Stoicheiosistheologike in knapper und TWA , S.. Vgl. Halfwassen: Hegel und der spätantikeNeuplatonismus,S.: „Proklos [läßt] den Nous als die sich selbst zu sich selbst vermittelnde Einheit aus den ursprünglicheren Stufen des Seins und des Lebens erst hervorgehen […], in denen Hegel offenbar eine systematische Analogie zu seinen eigenen Seins-und Wesenskategorien sieht.Hegel sieht daher in der Art und Weise, in der Proklos die Selbstvermittlung des Denkens schrittweise in einander wechselseitig durchdringenden Triaden entfaltet, eine über die Nouslehre Plotins noch hinausgehende Verwandtschaft mit seiner eigenen Metaphysik der absoluten Subjektivität.“ Vgl. hierzu auch a.a.O.,S.: „Hegel erkennt in [der] ‚Hypostasenvermehrung‘ bei Proklos, die er durchaus positivwertet, eine Affinität zu seiner eigenen spekulativen Logik, nämlich ein System universaler Vermittlung, das einerseits die verschiedenen Seinsstufen inihrer kategorialen Differenzierung durch einen dynamischen Entfaltungsprozeß kontinuierlich auseinander hervorgehen läßt, sie andererseits aber durch die

282 4 „Rückkehr zu Gott“ –Hegels Deutung der neuplatonischen Seelenlehre in der Platonischen Theologie in ausgebreiteter Form inErscheinungtritt,findetHegels Wohlgefallen: „Seine Philosophie hat,wie die plotinische,die Form, Kommentation desPlaton zu sein – Über die TheologiePlatons istsein interessantestesWerk in dieser Rücksicht; sie ist ein Intellektualsystem.“²⁷² Dieses System der Vermittlung zum Geist stellt zwar,wie Hegel mit Nachdruck mitteilt, formal den intellektuellen Nachvollzug der platonischen Metaphysik dar, bezeichnet aber seinem dialektischen Gehaltnach einen entscheidenden Fortschritt des Denkens insich selbst und indie Erkenntnis seiner eigenen Verfasstheit. Aufgrund dessen gewährt ihm Hegel auch den Vorzug gegenüber dem „Intellektualismus“ Plotins:²⁷³ Zwar erkennt Hegel inbeiden spekulativen Noologien die Totalität der geistigen Reflexionsbewegung wieder, die der Entwicklung des Denkens in der enzyklopädischen Geistlehre und der Selbstbestimmung des Denkens in der Begriffslogik entspricht. Jedoch äußert sich für Hegel inder triadischen Gestalt des denkenden Voranschreitens bei Proklos die reinere Form der dialektischen Selbstvermittlung einer einheitlichen Denkbewegung: „Die Einheit ist Denken, das nicht eine Abnahme durch Erzeugung eines bestimmten Gedankens erleidet, sondern dasselbe bleibt und das Hervorgebrachte auch in sich erhält.“²⁷⁴ Besonderes Lob findetdabei bekanntermaßen dieproklische Triadik, in welcher Hegels Dreischritt des intellektuellen Fortschreitens in die einheitliche Bestimmungstotalität geradezu idealtypisch vorbereitet zu sein scheint.²⁷⁵ Wie bei Plotin, wenn auch unter anderen Vorzeichen, steht also der Fortschritt des Geistes in sich selbst im Mittelpunkt von Hegels Aufmerksamkeit. Doch während in seiner Plotin-Deutung der Eintritt in den Geist vermittels der aufsteigenden Seele erfolgt, diese selbst also das Moment der geistigenSelbstbestimmungausmacht,operiert die proklische Philosophie, wie dies vermittelnden Zwischenstufen und die vielfältigen Verbindungen der Stufen untereinander zur höchsten möglichen Einheit und Ganzheit verbindet.“–Vgl. hierzu auch Beierwaltes: Denken des Einen, S.ff. TWA , S.. TWA , S.. TWA , S.. TWA , S.f.: „Es ist nun besonders herauszuheben, wie er die Trinität bestimmt hat. Diese Trinität ist überhaupt bei den Neuplatonikern interessant; besonders aber ist sie es bei Proklos,weil er sie nicht in ihren abstrakteren Momenten gelassen. Sondern diese drei abstrakteren Bestimmungendes Absolutenbetrachtet er dann wieder jede für sich als eine solche Totalität der Dreieinigkeit,wodurch er eine reale Trinität erhält; so daß es drei Bestimmungensind, die die Totalität ausmachen,aber so, daß jede wieder als in sich erfülltund konkretzubetrachten ist.“– Vgl. hierzu Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.: „Diese Proklische Erkenntnis der Triplizität der Ideen in ihrerkonkreten Totalität ist für Hegelder höchstePunkt,den die antike Philosophie überhaupt erreicht hat; man kann sogar sagen, daß für Hegel kein Philosoph vorihm selbst so tief in das in sich konkrete Wesen der Idee eingedrungenist wie Proklos.“

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