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Die Existenz des Spekulativen

Die

Die Spitze des Neuplatonismus“ 283 Hegel hier durchaus richtig deutet, auf der dialektischen Grundlage reinerer Denkbestimmungen. Die Triadik erscheint hier nicht als die formale Struktur der Selbstvergewisserungder Seeleinder Einheit vonDenken, Denkendem undGedachtem, die zunehmend als der Geist selbst gewusst wird. Vielmehr erfolgt das „bestimmtere[…] Fortschreiten und Unterscheiden der Sphären in der Idee“ selbst und damit auf der höheren Ebene einer dialektischenBestimmtheit,die, wenn mansowill, losgelöst ist von der bei Plotin auszumachenden besonderen seelischen Existenzweise. Hegel erhebt Proklos auf die Ebene der Logik, was einer Überwindung der bei Plotin durchaus kritisierten Bildhaftigkeit gerade im Hinblick auf die seelische Durchdringung der Welt gleichkommt: Proklos unterscheidet sich von Plotin darin, daß er nicht das aus der Einheit unmittelbar Hervorgehende Verstand nennt. Proklos ist logischer; der Verstand ist ein Reicheres, jenes unmittelbar aus der Einheit Hervorgegangene hat die Bestimmungen nicht entwickelt. […] Proklos unterscheidet sich dadurch von Plotin, daß er Platon genauer folgt, und durch ein reineres, ausgebildeteres Unterscheiden der Momente.²⁷⁶ Dadurch, dass Hegel aufdiese Weise immer wieder Proklos gerade mit Plotin und dessen noch nicht zur reineren logischen Bestimmtheit fortgeschrittenen Intellektualismus kontrastiert, macht er deutlich, dass sich sein Interesse bei Proklos ganz klar nicht auf die Bewegung in den Geist hinein und damit auf die Entwicklungsgeschichte der Seele und des menschlichen Denkens richtet, sondern auf die selbstreflexive Bewegung des Geistes. Während seine Plotin-Deutung gleichsam die Selbsterhebung des subjektiven Geistes zum Ausdruck bringt, der darin überhaupt erst ein Bewusstsein und ein Wissen seiner eigenen geistigen Verfasstheit erreicht, kommt Hegels Proklos-Interpretation einer Schilderung der Beziehung des Geistes zu sich selbstgleich, das heißt vorallem einer Schilderung der reinen Logik und Dialektik des proklischen Intellektualsystems. Im Gegensatz dazufällt die proklische Seelenlehre,die,wie Hegel klar erkannt hat, eine Abstiegs- und nicht, wie diejenige Plotins, eine Aufstiegsmetaphysik darstellt, nicht unter die höhere Bestimmtheit einer reinen Geistlehre. Explizit gemacht wird dies an derjenigen Stelle, wo Hegel den vermitteltenHervorgangder Vielheit aus dem Absoluten²⁷⁷ bei Proklos und an dessen Ende in verknappter Form die Entstehung der Seele schildert: TWA , S.. Gerade dieser nicht unmittelbare Hervorgang des Geistes aus dem Einen (wie es sich für Hegel bei Plotin darstellte) provoziert Hegels Lob: Inder Vermittlung durch logische Bestimmungenwie Einheit, Zweiheit,Bestimmtheit,Substanz, Existenz, Leben usw. erscheint Hegelder Hervorgang der einheitlich bestimmten Vielheit des Geistes als Akt einer logischen Selbstvermittlung und nicht als der vonihm bei Plotin letztlich bildhaftgedeutete Hervorgang der geistigen

284 4 „Rückkehr zu Gott“ –Hegels Deutung der neuplatonischen Seelenlehre Die absolute Einheit, die sich vervielfältigt inviele Eins, hat damit die Vielheit,wie sie an diesem Eins ist,erzeugt.Vielheit,der Begriff, nicht Viele, ist selbst Einheit; sie ist die Zweiheit überhaupt oder die Bestimmtheit,welcher die Unbestimmtheitgegenübersteht.Das Dritte ist nun ein Ganzes,die Einheit des Bestimmten und Unbestimmten oder Gemischtes, – erst das Seiende, Substantielle, Eins-Vieles (ἓν πολλά). An diesem wahrhaft Existierenden ist die Schönheit, Wahrheit und die Symmetrie. Das wahrhaft Existierende, aus sich selbst herausgehend, ist das Leben. Ausder Absonderung, Entwicklung der Momente,welche im Leben sind, quillt erst der Verstand hervor,und aus diesem die Seele.²⁷⁸ Diese gegenüber Plotin mehrfach ausdifferenzierte und absteigende Reihenfolge von Hypostasen verdeutlicht den ontologisch wesentlich niedrigeren Rang der Seele bei Proklos. Diese ist selbst dem Leben und dem Verstand abständig, das heißt reineren Geistbestimmungen entrückt, die bei Plotin noch die Grundlagen der seelischen Existenzweise ausmachten. Die begriffliche Ausdifferenzierung der absoluten Einheit in die Vielheithineinwird vonHegel also bei Proklos nicht nur wie bei Plotin als Selbstentfaltung des Geistes in seiner absoluten Reflexionsbewegung begriffen, sondern auch und gerade als logische Selbstbestimmung des Absoluten. Der genaue Rang der Seele in diesem Entfaltungssystem des Proklos spielt dann für Hegel keine große Rolle mehr. Die Seele wird zwar erwähnt, sie wird aber nichtweiter in ihrer dialektisch-logischen Bedeutung erörtert.Für Hegel ist es klar, dass die Psychologie in einer untergeordneten Weise Teil dieser logischen Ausdifferenzierung der geistigen Vollbestimmtheit ist, doch fragt er nicht nach den daraus resultierenden Folgen für die Bedeutung des besonderen menschlichen Denkens in diesem System einer sich zur begrifflichen Bestimmtheit ausdifferenzierendenEinheit.Esist klar ersichtlich, dass Hegels Interesse hier wie überall der Systemgestalt des Proklos gilt und nicht deren Konkretion am systematischen Ort der Seele. Gerade vor dem Hintergrund seiner großen Wertschätzung der präzisen und konsequenten Logik und Dialektik des Proklos kann HegelPlotin nun genauso wie Bestimmungstotalität ausdem abstrakten Sein,welches Hegelzum erstenPrinzip der plotinischen Metaphysik erklärt.Vgl. hierzu Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.f. TWA , S.. – Hegels Verständnis von Produktivität bei Proklos gründet auf seiner eigenen Dialektik und trifft dessen Konzept der negatio negationis nur sehr bedingt.Vgl. hierzu Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.: „[Die] Hegelsche Umdeutung der negativen Theologie des Proklos ist nur dadurch möglich, daß Hegel bei Proklos selbst in dessen Lehre von der produktiven Bedeutung der transzendierenden Negation und von der Negation der Negation eine Überwindung der radikalenund uneingeschränkten negativen Theologie zu finden glaubt,die er ganz vonseiner eigenen spekulativenDialektik her deutet.“ Demgegenüber bedeutet die Negation der Negation bei Proklos eigentlich „die Selbstaufhebung des dialektischen Denkens in die Undenkbarkeit des Einen selbst,das in seiner Transzendenz über alle Denkbarkeit hinaus ist und darum auch in der Negation nicht gedacht werden kann.“ (a.a.O., S.)

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