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Die Existenz des Spekulativen

Die

Die Spitze des Neuplatonismus“ 285 dem Magier-Theurgen Jamblich „Trübheit“²⁷⁹ unterstellen, also eine metaphysische Bildhaftigkeit ohne die Prägnanz des proklischen Intellektualsystems: „Und in der Tat sehen wir mehr Unterscheidung und Klarheit bei Proklos als in der plotinischen Trübheit; es ist ganz richtig, daß er den νοῦς als das Dritte erkennt, als das Umkehrende.“²⁸⁰ Indem Hegelhier den Blick aufden νοῦς richtet,der sich aus der begrifflichen Ausdifferenzierung wieder zurück auf die absolute Einheit richtet, die Entfaltung in die Vielheit also auf die höchste Denkbestimmung der Einheitumkehrt,schließt er zugleich die abgestiegene Seele vondieser Bewegung aus. Überhaupt ist es für den Zusammenhang der Seelenlehre bedeutsam, dass Proklos die Individualität als geistige Bestimmung in den νοῦς legt und diese Bestimmung aufs Engste mit der Rückkehr des Denkens in sein Prinzip in Verbindungbringt.DiesenSachverhalt betont auch Hegel, indem er paraphrasierend ausführt: „Der Verstand aber ist die Grenze (Individualität), welche wieder das Leben zu den Prinzipien zurückführt (ἐπιστρέφον), und es immer dem Prinzip (der οὐσία) gemäß macht und einen intellektuellen Kreis vollbringt.“²⁸¹ Diese Gleichsetzung der Individualität mit dem „Verstand“, das heißt hier mit dem reinen Geist, korrespondiert mit Hegels eigener Bestimmung des lebendigen Individuums in seiner Begriffslogik²⁸² und mit der Struktur der konkreten Allgemeinheit: Hier wie dort ist das Individuum als „subjektive Einzelheit“ dasjenige logische Moment, das in sich selbst und in seiner selbstreflexiven Denktätigkeit die Rückkehr in eine höhere Allgemeinheit logischer Bestimmungen leistet, sodass Proklos für Hegel andieser Stelle geradezu die logische Bedeutung von „Trübheit“ ist bei Hegelwohl nicht durchgängig als einfache philosophische Abwertungzu begreifen. So ist „Trübheit“ einerseits in Bezug auf Plotin ein Kennzeichen „dessen, was die Ekstase erzeugte“ (Phänomenologie des Geistes: GW , S.) und somit durchaus philosophisch produktiv, andererseits aber ist auch der „Mysticismus oder vielmehr die Orientalischen eben so sehr als die Jacob-Böhmischen Versuche, die Idee darzustellen [, …] ein trübes Mittelding zwischen dem Gefühl und der Wissenschaft“. (Rosenkranz: Hegels Leben, S.) TWA , S.. TWA , S.. – Zum intellektuellen Kreisgang bei Proklos vgl. Beierwaltes: Proklos, S. –. Vgl.TWA ,S..: „Der Begriffdes Lebens oder dasallgemeine Leben istdie unmittelbareIdee, der Begriff, dem seine Objektivität angemessen ist; aber sie ist ihm nur angemessen, insofern er die negative Einheit dieserÄußerlichkeitist,d.h.sie sich angemessen setzt. Dieunendliche Beziehungdes Begriffes auf sich selbst ist als die Negativität das Selbstbestimmen, die Diremtion seiner in sich als subjektive Einzelheit und in sich als gleichgültige Allgemeinheit. Die Idee des Lebens in ihrer Unmittelbarkeit istnur erst dieschöpferische allgemeineSeele.UmdieserUnmittelbarkeit willen istihreerste negative Beziehung der Idee in sich selbst Selbstbestimmung ihrer als Begriff, – das Setzen an sich, welches erst als Rückkehr in sich Fürsichsein ist, das schöpferische Voraussetzen. Durch dies Selbstbestimmen ist das allgemeine Leben ein Besonderes […].“

286 4 „Rückkehr zu Gott“ –Hegels Deutung der neuplatonischen Seelenlehre Einzelheit und Individuum vorweg zu nehmen scheint, die er selbst inprominenten Passagen der Wissenschaft der Logik entwickelt hat.²⁸³ Dass die Seele in der oben zitierten Proklosstelle so weit von der höheren Bestimmtheit der Individualität entrückt auftaucht und erst aus dem Verstand hervorquillt, demonstriert noch einmal ihre ontologisch geringere Bedeutung bei Proklos, die von Hegel klar erkannt wird. Ganz richtig wird an dieser Stelle die proklische Seele, die nicht indauerhafter Verbindung mit der reineren geistigen Bestimmungstotalität steht, von der absoluten und auf das Eine ausgerichteten Bewegung des Geistes getrennt.Während die Seele sich bei Plotin,wasHegel auch gewürdigt hat,selbst als Geist begreifen muss, steht beiProklos die Aufhebung der seelischen Existenzweise im Vordergrund, inwelcher jedoch gerade nicht die besondere Einheit des Seelenwesens gewahrt bleibt. Hegel scheint hier die Wiederaufstiegsbewegung der gänzlich abgestiegenen Seele des Proklos bewusst außenvor zulassen. Dies ist vermutlich seiner Fokussierung auf die logische Ausdifferenzierung der Hypostasen und den Zusammenfall der Rückkehrbewegung und des Hervorgangs intellektueller Bestimmungen geschuldet. Wichtig für die Bewertungvon Hegels Proklos-Interpretation ist die Betonung der Einheit als des logischenPrinzipsder proklischen Metaphysik, die sich gerade vonHegels Fehldeutung des plotinischen Einenals des reinen Seins und somit als ursprünglichster Bestimmung des Geistes abhebt: „Alsdann weicht Proklos von Plotin darin ab,daß er nicht das Sein zum Prinzip oder rein abstrakten Momente macht, sondern die Einheit – oder daß er das Erste nicht als Sein, sondern als Einheit bestimmt und das Sein, Subsistieren erst als das Dritte begreift.“²⁸⁴ An diese Interpretation schließt die folgende Passage an, in der Hegel das Übersein der absoluten Einheit des Proklos hervorhebt: Diese Einheit ist über dem Sein (ὑπερούσιον,superessentiale); ihre erste Produktion sind die vielen Eins (ἑνάδες) der Dinge, die reinen Zahlen. Die sind die denkenden Prinzipien der Dinge, durch welche sie an der absoluten Einheit teilhaben; aber jedes hat an ihr nur teil durch eine individuelle, einzelne Einheit, Eins, – die Seele aber durch die gedachten, allgemeinen Einheiten.²⁸⁵ Ganz richtig wird die proklische Philosophie folglich als sich in ihrer Systematik über die bloße Ontologie erhebende Metaphysik geschildert. Hegels Bewertung Vgl. zur Stelle auch Halfwassen: Hegel und der spätantike Neuplatonismus, S.: „Hegel erkennt hierin – durchaus zu Recht – die Struktur der konkreten Allgemeinheit und deutet den Nous als ‚Individualität‘, nämlich als die im Einzelnen aus ihrer Besonderung insich zurückkehrende Allgemeinheit, die in sich erfüllt und konkret ist […].“ TWA , S.. TWA , S..

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