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Die Existenz des Spekulativen

Die

Die Spitze des Neuplatonismus“ 287 des metaphysischen Systems des Proklos ist hier also zutreffender als die entsprechende Einordnung der absoluten Grundlagen der plotinischen Metaphysik. Eine angemessene Proklos-Deutung ist in der vorliegenden Passage auch dem Einschub zu entnehmen, in dem Hegel die Einheitsbeziehung des Seelischen erwähnt. Die Seelen sind gerade nicht direkt auf die absolute Einheit bezogen, sondern stehen in einem Vermittlungszusammenhang über die Henaden und die geistig-einheitlichen Bestimmungen. Durch diese differenzierte Vermittlungsstruktur ist die Seele gegenüber dem Absoluten metaphysisch weitaus abständiger als dies in Hegels Plotin-Deutung zum Ausdruck kam. Während dort die Seele vermittels der Seelenspitze in die, laut Hegel, absolute Reflexionsbewegung des Geistes eingebettet ist und damit immer an der konkreten Totalität und am reinen Sein teilhat, ist die gänzlich abgestiegene Seele des Proklos in ihrer denkenden Erhebung auf die Vermittlung durch den Geist und die Henaden angewiesen. Hegel erkennt sehrdeutlich, dass bei Plotin das innerste Selbst der Seele der Geist ist,während das Selbst des seelischenIndividuums bei Proklos in der Vermittlung auf das Eine hin vollkommen aufgehoben wird. Die Rolle der Seele ist bei Proklos laut Hegel auch nicht diejenige der denkenden Selbstvermittlung indas Absolute, sondern die Seele vermittelt geistige Bestimmtheit an die vom Geist und vom Einen noch weiter abständigen „Dinge“: Die Dingeselbst sind in ihrer synthetischenNatur Ganze (Seelen das Verbindende derselben), unähnlich der ersten Einheit, und können nicht unmittelbar mit ihr vereinigt sein. Die abstrakt gedachteVielheit ist also ihreMitte; die Vielheit ist der absoluten Einheit ähnlich und ist das, was die Einheit mit dem ganzen Universum verknüpft.²⁸⁶ Die verknappte Form, in der Hegel hier wiederum die Seele nur parenthetisch erwähnt,kann nicht den Blick aufdie grundsätzlich richtigeEinsicht Hegels in die Rolle der Seele auf den ontologisch niedrigeren Systemebenen des Proklos verstellen. Die Seelen vermitteln die synthetischen Bestimmungen der Dinge, das heißt sie sind selbst in ihrer Denkbewegung Prinzip einer einheitlichen Bestimmtheit. Einheit wird wiederum als die absolute Grundlage des proklischen Denkens erkannt, das als Prinzip auch abstrakteren Denk-Bestimmungen zukommt und damit für die Seele die Bedingung der Möglichkeit von Denkbarkeit überhaupt darstellt.Dassdie Seelen zwar Verbindungenherstellen, selbstjedoch nicht in einer direkten Verbindung mit dem Prinzip stehen, wird von Hegel nicht weiter kommentiert. Jedoch lässt sich eine gewisse Kritik ander geschilderten proklischen Systemform ausmachen, wenn Hegel der Triade des πέρας, ἄπειρον und μικτόν und deren Bedeutung für die Selbstvermittlung der Bestimmungsto- TWA , S..

288 4 „Rückkehr zu Gott“ –Hegels Deutung der neuplatonischen Seelenlehre talität einen Mangel an Konkretheit und, was nicht unbedeutend ist, anSubjektivität nachweist: Die Hauptsache sind aber die Grundbestimmungendes πέρας, ἄπειρον und μικτόν.Der letzte Ausdruck, ein Platonischer Ausdruck, ist nicht sehr passend, ist schlecht, da die Mischung zunächst nur eine äußerliche Verbindung ausdrückt, da hier doch das Konkrete und noch mehr das Subjektive sein sollte […].²⁸⁷ Zwar gilt der Einwand in erster Linie der vonProklos aufgegriffenen Terminologie Platons aus dem Philebos,²⁸⁸ doch ist zu vermuten, dass Hegel bei Platon wie bei Proklos tatsächlichnicht die konkreteGeist-Beziehungdes Subjektivenausmacht, die seine Plotin-Deutung streckenweise dominierte. Im Mittelpunkt von Hegels Aufmerksamkeit steht eben die Systemform des Proklos,das heißt dessen Triadik und die Selbstbestimmung des Geistes als Differenzierung aus der Einheit und Rückkehr in die Einheit. Demgegenüber misst er der Geistbeziehung des bestimmten und einzelnen Denkens hier keine große Bedeutung zu. Den systematischen Ort der Subjektivität erkennt Hegel inder Seins- und Geistlehre des Proklos, wobei die Seelenlehre außenvor gelassen zu werden scheint. Hegel ist es um die Darstellung der Bestimmungen der νοῦς-Hierarchie des Proklos zu tun, bei der die Selbstvermittlung des Denkens in der triadischen Reflexionsbewegung wiederum großes Lob erfährt. Ähnlich wie bei der oben dargestellten Schilderung der plotinischenGnosis-Kritik hebt HegelimFolgenden die starke Betonung des Intelligiblen als des wahren Seins hervor: „Nur die intelligible Welt ist das Wahrhafte, sie enthält selbst drei Ordnungen; diese Trias von Triaden aber macht die wahre, die intelligible Welt aus.“²⁸⁹ Eine Welt- und Wirklichkeitsverbindungdes Wahren, wie sie Hegelbei Plotin in der spekulativen Seelenlehre durchaus ins Spiel brachte, ist hier wie in den folgendenAbschnitten nicht nachzuweisen. Anders als in der Philosophie des subjektivenGeistes und in Hegels Schilderung des Aufstiegs der Seele in den reinen Geist bei Plotin verortet Hegel die individuelle Bestimmtheit und damit bezeichnenderweise die Subjektivität bei Proklos im νοῦς und in dessen reinem Sein: „Denn darin ist die Substanz, das Leben und der νοῦς und die Spitze des Seienden“ (ἀκρότης τῶν ὄντων,summitas).²⁹⁰ Das ist das Selbstische,Fürsichseiende, Subjektive,der Punkt der TWA ,S.;vgl. Theol. Plat. III,f. Vgl. zur Trias πέρας – ἄπειρον – μικτόν bei Proklos: Beierwaltes: Proklos, S.ff. Vgl. etwa Phil. d. TWA , S.. In einer FußnotedeutetHegel das „und“ wohlganz richtig als explikatives καί und damit den Geist selbst als die Spitze und den eigentlichen Ausdruck des Seienden; vgl. TWA , S. FN.

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