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Die Existenz des Spekulativen

Fazit und Ausblick 297

Fazit und Ausblick 297 Denkens vom Geist bemüht ist. Die Seele ist eben laut Proklos in Gänze abgestiegen, sodass ihr Wieder-Aufstieg keine Rückkehr des menschlichenDenkens zu einem in ihm eigentlich immer bewahrtengeistigen Selbst darstellt,sondern eine vollkommene Selbstaufhebung der seelischen Existenzweise.Der Geist als Prinzip wird als das Andere der Seele gewusst, die auch in ihrer Spitze und höchsten „Blüte“² nicht mit dem Geist identisch ist. Auf dieser Grundlage ist auch der ontologischeStatus der Seele ein niedrigerer als bei Plotin; die Außenweltproduktion findet nicht im Denken der Seele selbst statt und diese wird gegenüber Plotin wieder auf ihre klassische Rolle als Mittlerin zwischen den verschiedenen ontologisch differenzierten Seinsbereichen der erfahrbaren Welt und der höheren Wirklichkeit des Geistes zurückgeworfen. Ihr Denken verharrt auf der Ebene des Verstandes, aus dem sie als Seele nicht herauskommt. Hegels Philosophie des subjektiven Geistes hat ebenfalls die Beziehung des menschlichen bzw. seelischen Denkens zum reinen Sich-selbst-Denken des Geistes zum Thema. Das Denken der Seele ist zunächst ein unentwickeltes und unvollendetes, mithin vorläufiges Denken, das in der Erhebung in den Geist versucht, sich selbst ineiner reineren Seins- und Denkweise zu finden. Dabei schildert nicht nur der Abschnitt über Anthropologie die Entwicklung der Seele von ihrer natürlichen Unmittelbarkeit zur reineren Reflexion des Bewusstseins sondern vielmehr die Philosophie des subjektivenGeistesinihrer Gesamtheit das sich beständig aktualisierende Geistdenken, das in seiner intellektuellen Selbstvermittlungden Ausgriff aufsich selbst thematisiert und als höhere Wahrheit des Geistes bestimmt. Wie die Seelenlehre des Plotin leistet Hegels spekulative Psychologie einen Aufstieg des unvollkommenen Denkens zur reinen intellektuellen Bestimmtheit, die doch zugleich als das eigentliche Wesen der Seele und als die Grundlage all ihrer Tätigkeit erkannt wird. Diese grundsätzliche Affinität zwischen der Philosophie des subjektiven Geistes und der Seelen- und Geistlehre Plotins wird von Hegel klar erkannt,wie seine philosophiehistorischen Vorlesungen eindeutig beweisen. So wurde im zweiten Teil dieser Arbeit gezeigt,wie Hegel in seiner historischen Deutung des Neuplatonismus zunächst vor allem die Erhebung des Denkens in die reine Intellektualwelt zum Hauptpunkt der neuplatonischen Philosophie erklärt. Hegel greift dazu auf Plotins Terminologie zurück und kann gerade in der Ausbildung der intelligiblen Welt im seelischen Individuum einen Hauptanknüpfungspunkt an seine eigene spekulative Geist-und Seelenlehre erkennen. AlsStandpunkt der philosophischen Entwicklung des Geistes zu sich selbst scheint der Neuplatonismus in Hegels Ausführungen geradezu die intelligible Vollendung des sub- Phil. chald. ,.

298 Fazit und Ausblick jektivenGeistes zu vollziehen, der sich aufseine eigene höhere Wirklichkeit richtet und darin die Objektivierung des Denkens vollzieht. In Hegels Auseinandersetzung mit Plotin wird diese Bewegung einer Rückkehr des Denkens in sich selbst noch deutlicher herausgearbeitet als in den einleitenden Ausführungen zum Neuplatonismus. Gerade Plotins Seelenlehre wird dabei immer wieder in den Mittelpunkt gerückt, da in ihr das Streben des Denkens nach seiner intelligiblen Innerlichkeit und nach der Einheit vonDenken, Denkendem und Gedachtem zum Tragen kommt.Weil Hegel die henologischen und transzendenzphilosophischen Grundlagen des Systems des Plotin fehldeutet, kann er den Aufstieg der Seele zum reinen Denken und Sein, den er vor allem in der plotinischen Mystik vollendet sieht, als Hauptbewegung der plotinischen Metaphysik verabsolutieren und diese somit als eine dem eigenen Standpunkt adäquate, ja fast schon identische Metaphysik des absoluten Geistes interpretieren, der sich am systematischen Ort der Seele selbst begreifen muss, um in den vollkommenen Selbstvollzug der noetischen Triadik einzutreten. Diese Vereinnahmung Plotins geht so weit, dass die Verteidigung des Neuplatonikers gegen den Vorwurf der Schwärmerei geradezu als Selbstrechtfertigung Hegels gelesen werden kann: Er lehnt jede bloße Verstandesphilosophie und jede empirische Psychologie ab und sieht in Plotins Denken einen Standpunktverwirklicht,der im Hinblick auf die spekulative Selbstbeziehung der Seele erst in der höchsten Vollendungsgestalt der neuzeitlichen Subjektivitätsphilosophie, das heißt in Hegels eigenem Denken, wieder eingeholt und übertroffen werden kann. Diese Aneignung und nachdrückliche Rechtfertigung Plotins wird auch nicht durch Hegels Auszeichnung des Proklos als „Spitze“ des Neuplatonismus getrübt,³ den er in gewisser Weise Plotin durchaus intellektuell vorzuziehen scheint. Hegel identifiziert sich zwar weithin mit Proklos und seiner systematischen Selbstdifferenzierung des Geistes in der spekulativen Logik und Dialektik. Der Wegindieses absolut selbstreferenzielle Denken hinein spielt jedoch in Hegels Proklos-Deutung keine Rolle. Dieser Wegwurde vielmehr anhandvon Plotin nachgezeichnet,dessen spekulative Metaphysik gerade in dieser Hinsicht ja auch eine viel umfangreichere Würdigung erfuhr alsdie entsprechenden Systemabschnittebei Proklos. Hegelgreift sich eben aus den Systemen seiner neuplatonischen Vorläufer gerade diejenigen Abschnitte heraus,die seinem eigenenDenkenweithin entsprechen, undsomit kann gerade die besonders intensive Beschäftigung mit der Seelenlehre des Plotin, die er richtig alsintegralen Bestandteil vondessen Noologie schildert,mehrbelegen alsnur Hegels historisch-systematisches Interesse: Vielmehr begreift Hegelden Aufstiegder Seele in die reine Geistigkeit beiPlotin alseineBewegung, die die Seele als „Existenz TWA , S.f.

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