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Die Existenz des Spekulativen

1.1 Überblick 21 das

1.1 Überblick 21 das Seelische schlechthin sind dasselbe, wenn die Seele einfach (ἁπλοῦν) ist und nicht etwas Anderem gemäß, und der Mensch ist dasselbe wie das Menschliche schlechthin.“⁵⁷ Um mit sich selbst undmit ihrem innersten Sein identisch zu werden, vollzieht die Seele des Menschen eine prozessuale Entwicklung: Die Aufstiegsbewegung in den Geist fällt mit der Rückzugsbewegung der Seele in ihr Innerstes zusammen. Indem die Seele zu sich selbst,das heißtzuihrem höheren geistigenSein, zurückkehrt, erreicht sie einMaß an Einfachheit und Einheitmit dem νοῦς,das ihre Bestimmung, Mittleres zwischen den Seinsebenen des Geistes und der Sinnenwelt zu sein, gleichsam aufhebt. Die ursprünglich geistige Verfassung der Seele wird von Plotin an vielen Stellen zum Ausdruck gebracht.Dabei besteht das grundlegende Argument darin, dass nur ein der Geistigkeit zugängliches und folglich selbstgeistiges Wesen den Aufstieg in den Geist bewältigen und noetische Erkenntnis erlangen kann: „Welche Erkenntnis [sc. der Ewigkeit] könnte bestehen, wenn wir nicht [mit ihr, M.L.] in Verbindung wären?“⁵⁸ Durch den Ausgriff auf die Ewigkeit, die nach Plotins Ausführungen in Enn. III 7⁵⁹ die ungetrübte Vollbestimmtheit der geistigen Seins- und Denkfülle,mithin die Seinsweise des Geistes, bezeichnet,hat die Seele selbst teil an dieser höheren Bestimmtheit und damit amgeistigen Sein. Darum erfolgt auch alles Denken in der Seele nur aufder Grundlagedes Geistes.Der νοῦς als das seiende Eine im Sinne des platonischen Parmenides ist das ontologische Prinzip des Seelischen, welches nur vondiesem her überhaupt Bestimmtheit hat: „Der λόγος in der Seele ist vom Geist her (ἀπὸ νοῦ) […].“⁶⁰ Und an anderer Stelle heißt es: „Die Seele ist mit dem Geist und hat ihre Existenz vom Geist und ist mit λόγοι erfüllt worden […].“⁶¹ Die Seele besitztmithin das Vermögen, das Denken des Geistes nach- und mitzuvollziehen und auf diese Weise selbst der geistigen Anschauung teilhaftig zuwerden: „Die Geistseele (λογιζόμενον) ist auf diese Weise mit dem Geist verwandt und schaut (ὁρᾷ)und das ist das Denkvermögen (δύναμις τοῦ νοεῖν) […].“⁶² Die hier gebrauchte Verwandtschaftsmetapher wird von Plotin Enn. VI ,,ff.: Ψυχὴ δὲ καὶ τὸ ψυχῇ εἶναι ταὐτόν, εἰ ἁπλοῦν ψυχὴ καὶ μὴ κατ᾽ ἄλλου, καὶ ἄνθρωπος αὐτὸ καὶ τὸ ἀνθρώπῷ εἶναι. – Vgl. hierzu Aristoteles: Metaph. b –. Enn. III ,,: Τίς γὰρἂνσύνεσις γένοιτο μὴ ἐφαπτομένοις; Für die Deutung der „Ewigkeit“ bei Plotin ist grundlegend Beierwaltes: Plotin. Über Ewigkeit und Zeit. Vgl. hierzu des Weiteren Smith: „Eternity and time“, in: Gerson (Hg.): The Cambridge Companion to Plotinus, S.–; Halfwassen: Plotin und der Neuplatonismus, S.–; sowie Mesch: Reflektierte Gegenwart, bes. S. –. Enn. III ,,f.: Ἐν οὖντῇψυχῇ ἀπὸνοῦ ὁλόγος οὗτος […]. Enn. III ,,f.: ψυχὴ νῷ συνοῦσα καὶ παρὰ νοῦ ὑποστᾶσα καὶ αὖ λόγων πληρωθεῖσα […]. Enn. III ,,f.: […] τὸ λογιζόμενον οὕτω πρὸςτὸννοῦνἔχει καὶὁρᾷ,καὶἡδύναμις τοῦ νοεῖν τοῦτο […].

22 1Die Seelenlehre des Plotin oftmals herangezogen; systematisch kommt darin eine gewisse Identität des geistigen und des seelischen Denkens zum Ausdruck, die doch zugleich die Differenz vonPrinzip und Prinzipiat in sich trägt.Die Seele stammt vomGeist ab,folgt ihm nach und hat all ihre intellektuelle Bestimmtheit direkt von ihm: Es verhält sich nämlich so, dass der Geist ewig dasselbe ist: in Ruhe in einer verharrenden Aktualität.Bewegung aufihn zu und um ihn herum ist schon die Tätigkeit der Seele, und ein λόγος, der von ihm zur Seele dringt, macht die Seele geistig und schafft nicht etwa ein anderes Wesen zwischen Geist und Seele.⁶³ Auch wenn die Seele aufdie geistige Vollbestimmtheit ausgreifen kann und in ihrem innersten Selbst sogar Geist ist, soist sie in ihrer nachgeordneten Denk- und Erkenntnisstufe docherst vom Geist her und vondiesemmit der apriorischen Struktur geistigerErkenntnis ausgestattet worden. Gleichwohl spricht Plotin in Anlehnungan Aristoteles⁶⁴ oftmals vom νοῦς der Seele⁶⁵ und meint damit offenkundig das diskursive seelische Denkvermögen, das andernorts als διανοητικόν oder λογιζόμενον bezeichnet, bzw. dem λογιστικόν als dem höchsten Seelenteil der platonischen Seelentrichotomie zugeschrieben wird.⁶⁶ Indem eine alltagssprachlichere Wortbedeutungvon νοῦς⁶⁷ als ‚Denken‘ und ‚Nachdenken‘ des Menschen jedoch vom „Geist selbst“ (αὐτὸς ὁ νοῦς),⁶⁸ dem philosophischen Geistbegriff, unterschieden wird,⁶⁹ macht Plotin deutlich, dass trotz der immerwährenden Teilhabe des seelischen Enn. II ,,ff.: Ἔστι γὰρ ὡς ἔστι νοῦς ἀεὶ ὡσαύτως ἐνεργείᾳ κείμενος ἑστώσῃ· κίνησις δὲ πρὸςαὐτὸνκαὶπερὶ αὐτὸνψυχῆς ἤδη ἔργον καὶ λόγος ἀπ᾽ αὐτοῦ εἰςψυχὴνψυχὴννοερὰνποιῶν, οὐ κἄλλην τινὰ μετα ξὺνοῦ καὶ ψυχῆς φύσιν. Vgl. De an. a. Vgl. Enn. V ,, und V ,,. Vgl. etwa Enn.V ,,;I,,und V ,,.Beierwaltes (Selbsterkenntnis und Erfahrung der Einheit, S.) schildert (mit Bezugauf die genannte Stelle in Enn.V ) das Verhältnis zwischen Seelen-νοῦς und dem eigentlichen νοῦς so, dass sich auf der Grundlage des νοῦς der Seele der Aufstieg in den reinen Geist abspielt: „Geist […] ist zugleich ‚Geist der Seele‘, deren höchste denkende Kraft, die die spezifisch seelischen Fähigkeiten mit ihr selbst als deren Grund und Bedingung verbindet,zuihr hin als dem Ziel ihrer eigenen Denkbewegung öffnet.Der Geist in der Seele wird also zum anfangenden, Impuls gebenden und zielhaften Vermittler eines Selbstüberstiegs der Seele, in dem sie selbst Geist ‚wird‘.“ Zur Entwicklung und Bedeutung des νοῦς-Begriffs in der griechischen Antike und der philosophischen Reflexion über dessen Bedeutungsspektrum sind grundlegend vor allem von Fritz: „Die Rolle des ΝΟΥΣ“, in: Gadamer (Hg.): Um die Begriffswelt der Vorsokratiker, S.–; Stenzel: „ZurEntwicklungdes Geistbegriffs in der griechischen Philosophie“,a.a.O.,S.–; Snell: Die Entdeckung des Geistes; sowie Jäger: „Nus“ in Platons Dialogen. Enn. I ,,f. Vgl. Enn.V ,,f.; VI ,, und V ,, und hierzu Szlezák: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins, S.f.

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Jahrgang 2 · Ausgabe 2002 - Existenz Gastronomie
Informationen für Betriebsgründer - Existenz Gastronomie
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GASTRONOMIE Informationen für Betriebsgründer - Existenz ...
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