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Die Existenz des Spekulativen

1.1 Überblick 25 wenn

1.1 Überblick 25 wenn der Geist aufuns einwirkt (νοῦς ἐνεργῇ εἰς ἡμᾶς): Denn der Geist selbst ist ein Teil von uns und zu ihm steigen wir auf.⁷⁵ In dieser Passage zeigt sich, dass der Aufstieg der Seele in den Geist vor allen Dingen als Rückkehr des Denkens in sich selbst zu begreifen ist.Die Seele zieht sich in ihren innersten Denkgrund zurück, der sich zugleich in all ihren Denkakten durchhält. Wir, also die individuierten Geistseelen, besitzen die νόησις als höchstes Denkvermögen, ohne jedoch dieses Vermögen beständig zu aktualisieren. Erst im bewusstenAusgriff aufden geistigen Grund kommt die Seele zu ihrer eigentlichen Bestimmung in einem Akt ontologischer Selbstverwirklichung: „Die Seele, die die Idee der wahrhaft Seienden besitzt, ist selbst eine Idee und besitzt selbst alles in eins (ὁμοῦ πάντα)und die Ideen, wobei jede [sc. Idee] in sich selbst in eins (ὁμοῦ)ist […].“⁷⁶ Das nur unzureichend übersetzbare ὁμοῦ πάντα verweist auf die Fülle und Totalität der geistigen Bestimmtheit, die die Seele in ihrer größtmöglichen Einheit mit dem Geist selbst schaut, indem sie dessen triadische Denkbewegung der Einheit von Denken, Denkendem und Gedachtem mittvollzieht. Durch die vollkommene Abstraktion ihrer leiblich-sinnenweltlichen Verfassung und die Hinwendung auf ihre innerste geistige Bestimmung gelangt die Seele selbst in das Sein des Geistes,das hier vor allem als dessenselbstreflexives Denken zu verstehen ist: „Ohne den Körper ist die ganze Seele im Intelligiblen.“⁷⁷ Damit ist die Seele ein Teil der höheren Wirklichkeit und reiner Vollzug des geistigen Denkens und Seins: „[…] und das Wesen (φύσις) der Seele ist in jenem Intelligiblen und passt nicht in die Ordnung dessen, was wir hier unten ‚Sein‘ (οὐσία) nennen […].“⁷⁸ Durch diesen identifizierenden Ausgriff auf die Fülle des Seins ist die Seele lebendig im Sinne geistiger Lebendigkeit. Darin gründet auch das Leben des Menschen, der durch seine in der Seele realisierte Teilhabe am Leben des vollkommenen geistigen Lebewesens selbst zum intelligiblen Wesen wird: Enn. I ,: Τὸ δὲἐπισκεψάμενον περὶ τούτων ἡμεῖς ἢἡψυχή; Ἢἡμεῖς, ἀλλὰ τῇ ψυχῇ. Τὸ δὲ τῇ ψυχῇ πῶς; Ἆρα τῷ ἔχειν ἐπεσκέψατο; Ἢᾗψυχή. Οὐκοῦν κινήσεται; Ἢ κίνησιν τὴν τοιαύτην δοτέον αὐτῇ, ἣ μὴ σωμάτων, ἀλλ᾽ ἔστιν αὐτῆς ζωή.Καὶ ἡνόησις δὲ ἡμῶνοὕτω, ὅτι καὶ νοερὰ ἡ ψυχὴ καὶ ζωὴ κρείττων ἡ νόησις, καὶὅταν ψυχὴ νοῇ, καὶὅταν νοῦς ἐνεργῇ εἰς ἡμᾶς· μέρος γὰρκαὶ οὗτος ἡμῶν καὶπρὸς τοῦτον ἄνιμεν. Enn. III ,,ff.: Ἡ μένγεψυχὴ τὰ τῶν ὄντων εἴδη ἔχουσα εἶδος οὖσα καὶ αὐτὴὁμοῦ πάντα ἔχει καὶ τοῦ εἴδους ἑκάστου ὁμοῦ ὄντος αὐτῷ […]. Enn. IV ,,f.: ἄνευ μὲν γὰρσώματος πάντη ἐν τῷνοητῷ τὴν ψυχὴν εἶναι. Enn.VI ,,ff.: ἡ δὲ ψυχῆςφύσις ἐν ἐκείνῳ τῷ νοητῷ καὶ οὐδ᾽ἁρμόσει οὐδ᾽ εἰςοὐσίας τῆς ἐν ταῦθα λεγομένης σύνταξιν […].

26 1Die Seelenlehre des Plotin Der Mensch ist nämlich im Intelligiblen und alle Lebewesen, dadurch dass sie sind,und jenes [das Intelligible, M.L.] ist das vollkommene Lebewesen. Denn auch der Mensch hier untenist ein Teil des Alls,indem er ein Lebewesen ist; und jedes Lebewesen als Lebewesen ist dort Teil des [vollkommenen, M.L.] Lebewesens.⁷⁹ Nachdem nun das Verhältnis der Seele zum Geist vor allem als dasjenige einer Identität dargestellt wurde, die die Seele im bewussten Ausgriff auf ihre geistige Innerlichkeit erreicht, gilt esnun danach zu fragen, was den spezifischen ontologischen Status des Seelischen ausmacht,was die Seele also, obwohl sie doch ein zunächstgeistiges Wesen ist,von ihrem Denk-und Seinsgrund unterscheidet.Wie oben bereits erwähnt wurde, geht Plotin voneinem hinsichtlich ihrer Produktivität prinzipiell gleichen Status aller Seelen aus, sodass für ihn in ontologischer Hinsicht „alle [sc. Seelen] eine sind“.⁸⁰ Die Seelen besitzen eine einheitliche, ursprünglich noetische Bestimmtheit und streben auch als Individuen nach der Rückkehr in das seiende Eine Platons, das heißt in den Geist als Einheit der vollbestimmten Fülle des Seins. Abbildhaft wiederholen die Seelen dabei zunächst durch den Fortgang aus ihrem einheitlichen Sein in die Vielheit der von ihnen selbst gesetzten Welt die Entfaltung des Geistes in die Fülle der idealen Bestimmungen, jedoch bleiben die Seelenals denkende Wesen zugleich eine,das heißt auf die Einheit und Totalität des Geistes bezogen: [Alle Seelen] bewahren Identität und Differenz, und jede Seele bleibt eine und alle bleiben zusammeneine (ὁμοῦἓν). Wirlieferten also die Zusammenfassung des Arguments,dass die Seelen aus einer entstammen, und dass die Seelen, die aus einer entstammen, viele sind in derselben Weise wie der Geist, geteilt und ungeteilt, und die Seele, die verharrt, ist ein einziger λόγος des Geistes, und von diesem entspringen die einzelnen λόγοι, die auch immateriell sind, so wie dort [sc. im Intelligiblen].⁸¹ „[D]ie Seele,die verharrt“ bezeichnet die nicht-abgestiegene Seelenspitze, die als gemeinsames rein geistiges Moment aller Seelen im Denken des Geistesbleibt und dort ewig intellektuelle Anschauung vollzieht. Die diskursiv-rationalen Seelen- Enn. VI ,,ff.: Ὁ μὲν δὴἄνθρωπος ἐν τῷνοητῷ καὶ τὰ ἄλλα ζῷα καθό ἐστι, καὶ ᾗζῷον παντελές ἐστιν ἐκεῖνο. Καὶ γὰρ καὶὁἐνταῦθα ἄνθρωπος, ᾗ ζῷον, [τὸπᾶν]μέρος αὐτοῦ· καὶ ἕκαστον, ᾗ ζῷον, ἐκεῖ ἐνζῷῳ ἐστίν. Enn. III ,,:[…]ὡςεἶναι πάσας μίαν […]. – Ähnlich auch in Enn. IV , und V ,. – Vgl. zur Einheit der Seelen durch Teilhabe am einen Geist und dessen Bezogenheit auf das absolute Eine Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, S.f. Enn. IV ,,ff.: […] τὸ ταὐτὸν καὶἕτερον σῴζουσαι, μένει τε ἑκάστη ἓν καὶὁμοῦ ἓνπᾶσαι. Εἴρηται δὴ κεφάλαιον τοῦ λόγου, ὅτι ἐκ μιᾶς,καὶ αἱ ἐκμιᾶςπολλαὶ κατὰ τὰ αὐτὰ τῷ νῷ, κατὰ τὰ αὐτὰ μερισθεῖσαι καὶ οὐ μερισθεῖσαι, καὶ λόγος εἷςτοῦνοῦἡμένουσα καὶἀπ᾽αὐτῆςλόγοι μερικοὶ καὶ ἄυλοι, ὥσπερ ἐκεῖ.

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