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Die Existenz des Spekulativen

1.1 Überblick 33 Seele

1.1 Überblick 33 Seele zunächst präsente diskursiv-rationale Denken gemeint ist, sondern die vollkommene Fülle des Seins selbst, auf das die Seele sich immer bezieht: Wieaber sind wir aufden Geist bezogen? „Geist“ aber nenne ich nicht den Zustand, den die Seele hat und der vom Geist her stammt, sondern den Geist selbst.Wir besitzen aber auch diesen uns transzendenten [sc. Geist].Wirbesitzen ihn entweder als gemeinsamen oder aber jeder für sich, oder sowohl als gemeinsamen als auch jeder für sich: als gemeinsamen,weil er ohne Teile ist und einer und überall derselbe, jeder für sich aber,dajeder einzelne ihn ganz im ersten Teil der Seele besitzt.Wir besitzen also auch die Ideen in einer doppelten Weise: in der Seele entfaltet und getrennt, imGeist aber alles in eins (ἐν δὲνῷὁμοῦ τὰ πάντα).¹⁰⁴ Plotin unterscheidet hier sehr deutlich zwischen der seelischen und der rein geistigen Zugriffsweiseauf die Ideen, was belegt,dass er keinesfalls, wie es später Jamblich behaupten wird, das seelische und das geistigeDenken zusammenwirft. Vielmehr sieht er das dianoetische Denken der Seele in einer Abbild-Urbild-Beziehung mit dem noetischen Denken des Geistes: „So wie das ausgesprochene Wort (λόγος) ein Abbild des Wortes in der Seele ist, soist auch dasjenige inder Seele ein Abbild dessen inetwas Anderem.“¹⁰⁵ Plotin schildert die λόγοι in der Seele folglich in ihrer Abbildhaftigkeit gegenüber den reineren Gedanken des Geistes. Als Abbild der höheren Denkbestimmtheit des Geistes kommt das spezifische Sein der Seele zum Ausdruck und damit auch ihre spezifische Aktivität und Produktivität. Plotin bestimmt neben der Seele selbst auch deren Denkbewegung als eine: „Eine einzigeist die Seele und ihr Akt ist einer.“¹⁰⁶ Der eine Aktder Abbildungder geistigen Ideenbeziehungen, der als seelische Produktion die eine Außenwelt hervorbringt,steht in der systematischen Beziehungder Harmonie zum einen Sein der Seelen als Abbild des Geistes: „Die Seelen und ihre Akte sind alsoinHarmonie miteinander;und zwar harmonieren sie in der Weise, dass eine Einheit ausihnen hervorgeht, wenn auch aus Entgegengesetztem.“¹⁰⁷ Die vielen Seelen gewährleisten die Einheit der Welt, indem sie die einzelnen und unverbundenen Be- Enn. I ,, ff.: Πρὸςδὲτὸννοῦνπῶς; Νοῦνδὲλέγω οὐχ ἣν ἡ ψυχὴἔχει ἕξιν οὖσαν τῶνπαρὰ τοῦ νοῦ, ἀλλ᾽ αὐτὸντὸννοῦν.Ἢἔχομεν καὶ τοῦτον ὑπεράνω ἡμῶν. Ἔχομεν δὲἢκοινὸν ἢἴδιον, ἢ καὶ κοινὸνπάντων καὶἴδιον· κοινὸνμέν,ὅτι ἀμέριστος καὶ εἷςκαὶπανταχοῦὁαὐτός,ἴδιον δέ, ὅτι ἔχει καὶἕκαστος αὐτὸν ὅλον ἐνψυχῇ τῇ πρώτῇ. Ἔχομεν οὖνκαὶτὰεἴδη διχῶς, ἐνμὲνψυχῇ οἷον ἀνειλιγμένα καὶ οἷον κεχωρισμένα, ἐν δὲνῷὁμοῦ τὰ πάντα. – Vgl. hierzu auch Enn. I ,. Enn. I ,,ff.: Ὡςγὰρὁἐνφωνῇ λόγος μίμημα τοῦἐνψυχῇ, οὕτω καὶὁἐνψυχῇ μίμημα τοῦ ἐν ἑτέρῳ. – Ausführlicher kommt derselbe Gedanke inEnn. V ,,ff. zum Ausdruck; vgl. dazu unten, Kap. ... Enn. IV ,,: μία γὰρψυχὴ καὶ ἓνἔργον. Enn. III ,,f.: Σύμφωνοι δὲ αἵ τε ψυχαὶ πρὸς ἀλλήλας τά τε ἔργα· σύμφωνα δὲ οὕτως, ὡς ἓν ἐξ αὐτῶν,καὶ εἰ ἐξἐναντίων.

34 1 Die Seelenlehre des Plotin stimmungen dianoetisch-diskursiv durchgehen und dadurch in Beziehung zueinander und zu dem allen Bestimmungen gemeinsamengeistigen Prinzip setzen. Diese Aktivität der Seele als Vermittlerin einerhöheren Bestimmtheit geht aufihr eigenes geistiges Prinzip zurück: „[…]und dies ist unser eigener Akt,der nicht von woanders herkommt, sondern von innen aus der reinen Seele, von einer ersten Ursache, die uns leitet und beherrscht,die auch keinen Fehler aus Unwissenheit begeht oder besiegt wird durch die Gewaltder Triebe […].“¹⁰⁸ Durch diese seelische Aktivität kommt überhaupt erst Sein in die Welt: „Das Beseelte hat am Sein teil […].“¹⁰⁹ Die seelische Produktion der Welt erfolgt also durch ihr gegenüber der vollkommenen Selbstbezüglichkeit und Ruhe des Geistes nachrangiges Denken: Unddiese Aktivität,die ausdem Sein stammt,ist die Seele, die dieses geworden ist,während jener [sc. der Geist] als dasselbe verharrt. Denn auch der Geist entstand,während dasjenige vorihm verharrte. Aber die Seele ist nicht produktiv, indem sie verharrte, sondern, indem sie bewegt wird, schafft sie ein Abbild [des reinen Seins, M.L.].¹¹⁰ Die Seele ist bewegt, indem sie immer versucht, auf die statischen Seins- und Denkgehalte des Geistes auszugreifen, was ihr, zumindest im Modus ihres durch Räumlichkeit und Zeitlichkeit determinierten diskursivenDenkens, nicht gelingt. Abbildhaft schafft sie dabei jedoch die Welt. Somit hat die Welt auch ihren systematischen Ort in der Seele, bzw.inderenDenken, außerhalb dessen ihr kein Sein zukommt: „Aber die Seele ist nicht in jener [sc. der materiellenWelt], sondern jene in ihr: Denn der Körper ist nicht der Ort für die Seele, sondern die Seele ist im Geist, der Körper in der Seele, der Geist aber in etwas Anderem […].“¹¹¹ Neben ihrem diskursiv-rationalen Denken, das zugleich die Außenwelt produziert,besitzt die Seele aber – ihrer doppelten Seinsweise entsprechend – auch eine höhere Aktivität, nämlich diejenige des immerwährenden Ausgriffs auf den Geist vermittels der Seelenspitze. Durch die Seelenspitze, die immer geistige Anschauung vollzieht, kann Plotin die Aktivität der Seele auch in die intelligible Denkbewegung des Geistes integrieren: „[D]ie Handlungen der Seele sind aber Enn. III ,,ff.: […] καὶ τοῦτο εἶναι τὸ ἡμέτερον ἔργον, ὃ μὴ ἄλλοθεν ἦλθεν, ἀλλ᾽ ἔνδοθεν ἀπὸ καθαρᾶς τῆςψυχῆς, ἀπ᾽ ἀρχῆς πρώτης ἡγουμένης καὶ κυρίας, ἀλλ᾽ οὐ πλάνην ἐξ ἀγνοίας παθούσης ἢἧτταν ἐκ βίας ἐπιθυμιῶν […]. Enn. III ,,.: τὰ δ᾽ ἔμψυχα μετέχοντα τοῦ ὄντος […]. Enn.V ,,ff.: καὶ αὕτη ἐκ τῆςοὐσίας ἐνέργεια ψυχῆς τοῦτο μένοντος ἐκείνου γενομένη· καὶ γὰρ ὁ νοῦς μένοντος τοῦ πρὸ αὐτοῦ ἐγένετο. Ἡ δὲ οὐ μένουσα ποιεῖ, ἀλλὰ κινηθεῖσα ἐγέννα εἴδωλον. Enn. V ,,ff.: Ψυχὴ δὲ οὐκ ἐν ἐκείνῳ, ἀλλ᾽ ἐκεῖνος ἐν αὐτῇ·οὐδὲγὰρτόπος τὸ σῶματῇ ψυχῇ, ἀλλὰ ψυχὴ μὲν ἐν νῷ,σῶμα δὲ ἐνψυχῇ, νοῦς δὲἐνἄλλῳ […].

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Arbeit schaffen, Existenzen sichern
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