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Die Faelschung der Geschichte des Urchristentums

senhafte Probleme

senhafte Probleme stellen, soll ihnen unser Dank nicht vorenthalten werden.« 6 Die offiziell erlaubte Evangelienkritik darf Abstriche an der Geschichte des Lebens Jesu machen so viel, wie sie will, wenn sie nur die Geschichtlichkeit als solche nicht antastet. Auch theologischerseits wird ja unumwunden zugegeben, daß sehr viel Unhistorisches in den Evangelien enthalten ist; schon bald nach Jesu Tode habe man in der christlichen Urgemeinde die wirkliche Geschichte ihres Stifters mit allerlei Legenden ausgeschmückt, also verfälscht. Die Legendenmasse lagerte sich immer höher auf die »tatsächlichen Ereignisse«, so daß schließlich der historische Kern völlig unter dem Schutt verschwand. Aber vorhanden ist der echte Kern noch immer, versichern die Theologen; und um die wahre Geschichte wieder ans Tageslicht zu rücken, brauche man nur die legendären Schuttschichten hinwegzuräumen. Mit dieser so plausibel klingenden Kern- und Schutt-Theorie werden wir uns später noch gründlich beschäftigen. Denn besonders seit dem Erscheinen der »Christusmythe« von Arthur Drews, der die Geschichtlichkeit Jesu leugnet, begaben sich Theologen und Nichttheologen daran, den »echten Kern« von der sogenannten Gemeindelegende zu säubern. Um es hier schon zu vermerken: alle Versuche, das vermutete reine Urgestein der Jesusgeschichte auszugraben, sind gescheitert. * Wenn ich auch mit Arthur Drews in dem Generalergebnis seiner Kritik - daß Jesus keine Gestalt der Geschichte ist - übereinstimme, so entbindet mich das nicht von der Pflicht, auch einem konsequenten Denker unvoreingenommen und kritisch gegenüberzutreten. Wo Mängel und Irrtümer in der Beweisführung zu spüren sind, da müssen sie aufgedeckt werden. Auch Arthur Drews und etwa Bruno Bauer haben nicht mit allen Behauptungen recht. Wichtige Probleme haben diese Kritiker übersehen, in ihrer Bedeutung nicht richtig eingeschätzt und vor allem falsch gelöst. ** Im Folgenden will ich zeigen, daß bisher auch alle konsequenten Kriti- * Wir werden den ganzen 3. Teil dieser Forschungsreihe der Untersuchung und Feststellung widmen, daß und warum ein historischer Kern in der Evangelienmasse niemals gefunden werden kann. ** Seien wir jedoch nicht ungerecht; es muß diesen Männern zugute gehalten werden, daß sie mit einem methodischen Werkzeug arbeiteten, dessen Schneide an kritischer Schärfe noch viel zu wünschen übrig ließ. Sie mußten noch die alte, schartige »relative« Methode handhaben. Erst als die neue »absolute« Methode historischer Kritik erfunden war, konnten endgültige Ergebnisse auch hinsichtlich der christlichen Urgeschichte erzielt werden. 20

ker in einem der allerwichtigsten Punkte des Leben-Jesu-Problems geirrt haben. Mit der von ihnen verkündeten Geschichtlichkeit des Stifters wird nämlich das Rätsel der Entstehung des Christentums riesengroß. Wie und vor allem wann soll denn das Christentum ohne Jesus entstanden sein? Über das Problem der Zeit sind sowohl Drews als auch Bauer und andere gestolpert. Ungemein geschickt hat das Christentum Zeit und Umstände seiner wahren Geburt und Herkunft zu verbergen verstanden. Wirklich gegeben als Schrifterzeugnisse über den Ursprung der christlichen Religion sind uns die Evangelien und die Apostelgeschichte. Hiermit liegt objektives Untersuchungsmaterial vor, an das die Kritik anknüpfen kann. Die Entstehung des Christentums ergründen, bedeutet also, zunächst einmal die Entstehung der neutestamentlichen »historischen« Schriften klarlegen. Nach Bruno Bauer und Arthur Drews kommt als Entstehungszeit der in den Evangelien historisierten Christuslegende etwa die Mitte des 2. Jahrhunderts in Frage. Drews hat die Problematik dieser zeitlichen Ansetzung selbst deutlich gefühlt, denn ein solch früher Entstehungstermin bietet unüberwindliche »praktische« Schwierigkeiten, die beiseite zu schaffen, er sich vergeblich abmüht. Er versichert zwar: »Der hiermit zur Verfügung stehende Zeitraum genügte aber völlig, um eine erdichtete Persönlichkeit für geschichtlich auszugeben, die um das Jahr 30 des ersten Jahrhunderts gestorben sein sollte, ohne besorgen zu müssen, daß der wahre Charakter dieser Persönlichkeit mit geschichtlichen Einwänden angefochten werden konnte.« 7 Wie man sieht, handelt es sich um folgende »praktische« Schwierigkeit: Wie war es denn nur möglich, daß um das Jahr 150 irgendeine religiöse Sektierergruppe - in Jerusalem oder in Rom - bei den ihnen feindlich gesinnten, argwöhnischen Zeitgenossen mit einer total erdichteten Jesusgeschichte, die kaum mehr als 100 Jahre zurückdatiert war, unbeanstandet durchgekommen ist? Wie war es nur möglich, daß alle Welt um das Jahr 150 prompt auf den vorgesetzten plumpen Schwindel hereinfiel? Man stelle sich doch die Situation einmal kritisch in der Praxis vor. Die Evangeliendichter haben nicht etwa ein sorgfältig durchdachtes Erzählungswerk geliefert und für wahre Geschichte ausgegeben; von der »historischen« Seite betrachtet, stellt der Evangelien-Roman ein stümperhaftes Machwerk ohnegleichen dar. Auch Drews muß das zugeben: » Wie sorglos die Sektierer hierbei mit der wirklichen Geschichte umgesprungen sind, und wie wenig ihnen daran gelegen war, eine Übereinstimmung mit den tatsächlichen Geschehnissen herzustellen, die einer etwaigen Nachprüfung auch nur einigermaßen standhalten könnte, darüber sind sich alle Forscher einig«. 8 Ist das nicht unerhörter Leichtsinn? Mit solcher erbärmlichen 21

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