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Die Faelschung der Geschichte des Urchristentums

stalten; aber auch sie

stalten; aber auch sie mußten um das Jahr 150 von den Fälschern für wirklich geschichtliche Menschen ausgegeben werden. Man erwäge, was das bedeutet. Diese erdichteten Jünger hätten doch in der Wirklichkeit ihren Meister überleben müssen! Damit rückt aber - bei Annahme der Entstehung des Christentums um das Jahr 150 - die Epoche jener erdichteten Ereignisse und Personen noch näher, gefährlich nahe an die damalige Gegenwart heran. Das bedeutet nämlich: manche Eltern der Gegner um das Jahr 150 mußten sogar Augenzeugen des behaupteten öffentlichen Wirkens der Jünger und Urapostel gewesen sein. Doch wie sonderbar: fragte man die Eltern nach den Lebensschicksalen der Jesusjünger, so hatte wieder niemand je etwas von ihnen vernommen. Nichtsdestoweniger fand die blanke Phantasiegeschichte der Sektierer bei allen Lesern und Hörern gläubig Zustimmung - meint Drews. Damit sind wir zu folgendem Endergebnis gelangt: ein um das Jahr 150 oder auch um das Jahr 200 unternommener Versuch, erdichtete Gestalten (Jesus und die Apostel) für geschichtliche Personen auszugeben, die erst vor etwa 50 bzw. lOOJahren gestorben seien, wäre infolge des Argwohnes der Gegner unweigerlich in kürzester Zeit zum Scheitern verurteilt gewesen. Das hätten sich die Fälscher - einerlei, ob sie zu Rom oder Alexandria, in Palästina oder Syrien lebten - als schlaue Leute vorher auch selbst gesagt. Mit der Entstehung des Christentums ohne historischen Jesus bereits um das Jahr 150 ist es also nichts. Die Konzeption der Jesusdichtung und damit die Entstehung des Christentums muß später, viel später angesetzt werden. Halt! rufen jetzt die Theologen, und nicht nur Theologen; und sie ziehen nun aus vorstehender Beweisführung einen ganz anderen Schluß. Sie folgern nämlich, und das anscheinend mit vollem Recht: wenn die Evangelienverfasser unmöglich um das Jahr 150 ihre mißtrauischen Zeitgenossen mit einer plump erdichteten Jesusgestalt hätten täuschen können, dann muß also die in den Evangelien berichtete Geschichte des christlichen Religionsstifters wahr sein, wahr wenigstens in ihren Grundzügen. Jesus von Nazareth und seine Jünger und Apostel müssen folglich wirklich gelebt haben und öffentlich gewirkt haben. Diese, wie gesagt, anscheinend untadelige Schlußfolgerung erfährt noch von einer anderen Seite her, von der Archäologie, eine starke Bekräftigung. Als Drews seine Theorie aufstellte, konnte er nicht ahnen, daß ein kleines Papyrusbruchstück genügte, um seinen zeitlichen Ansatz über den Haufen zu werfen. Die Handschriftenkunde trat gegen ihn auf. Bis dahin hatte der allgemeine Befund der erhaltenen Handschriften des NT wohl erlaubt, die Abfassung der Evangelien, insonderheit des Johannes- 24

evangeliums als des zuletzt geschriebenen, um die Mitte des 2. Jahrhunderts anzusetzen, da die wichtigsten Kodizes erst aus dem 3. und 4. Jahrhundert stammen sollen. Das Jahr 1935 brachte aber eine gewaltige Überraschung. Ein glücklicher Zufall schaffte zur rechten Zeit in Ägypten ein uraltes Papyrusblatt ans Tageslicht, auf dem einige Verse aus dem 18. Kapitel des Johannesevangeliums verzeichnet stehen. »Seine Veröffentlichung im Jahre 1935 bedeutete eine Sensation; denn damit war allen Spekulationen endgültig das Lebenslicht ausgeblasen, welche das Joh-Ev. um das Jahr 150 oder noch später entstanden sein lassen wollten. « 11 Die Sensation liegt darin, daß das Papyrusblatt bereits »um das Jahr 125« beschrieben ist, wie die Sachverständigen verkündigten, und zwar soll »ohne Zweifel« die Niederschrift in Ägypten erfolgt sein. Da jedoch das Johannes-Evangelium selbst »bestimmt« nicht in Ägypten, sondern entweder in Kleinasien oder in Syrien-Palästina verfaßt worden ist, so muß es einige Jahrzehnte gedauert haben, bis es sich bis nach Ägypten verbreitet hatte. Das bedeutet letzten Endes: unser Johannes-Evangelium ist eine geraume Zeit vor 125, wie man annehmen darf, bereits um das Jahr 90 entstanden! So die Argumentation der Sachverständigen. Wir erkennen klar: wer kritische Evangelienforschung betreiben will, muß es als allererste Aufgabe betrachten, über die handschriftliche Überlieferung des NT Untersuchungen anzustellen. Wir werden uns daher in den folgenden Kapiteln sehr gründlich mit dem Zustand der neutestamentlichen Handschriften beschäftigen. II. Sensation um einen gefälschten Papyrus Der am Ende des vorherigen Kapitels besprochene ägyptische Papyrus - er trägt in der offiziellen Liste der griechischen Handschriften des NT die Signatur P 52 - bietet uns eine willkommene Gelegenheit, sogleich eins der wichtigsten Probleme der handschriftlichen Überlieferung der Evangelien kennenzulernen. Von der Sensation, die der Fund dieses Papyrusbruchstückes mit den Versen aus dem Johannes-Evangelium erregte, hörten wir schon und auch von der Genugtuung der Theologen darüber, daß nunmehr die leidige Frage nach der Entstehung des vierten Evangeliums endgültig gelöst sei. Mit P 52 liege der Beweis vor, daß das Johan- 25

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