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Die Faelschung der Geschichte des Urchristentums

tisch besteht die Arbeit

tisch besteht die Arbeit eines kritischen Schichten–Scheiders in der Haupt– sache darin, zu ermitteln, ob ein Evangelium etwa aus einem einheitlichen Guß herrührt (wobei Einheitlichkeit der Tendenz eine Rolle spielt) oder ob ihm eine »Vorform« zugrunde liegt, die von einem oder mehreren »Be– arbeitern« erweitert und vollendet wurde, oder ob ein Evangelium sich als eine Mischmasch–Schrift erweist, als mehr oder weniger lose zusammen– gefügte Kompilation aus verschiedenartigen Vorlagen (Quellen), sodaß von Einheitlichkeit der Tendenz keine Rede sein kann. Fraglos hat es gar keine wissenschaftliche Bedeutung, beliebige und beliebig viele Vorfor– men und Quellen willkürlich vorauszusetzen. Man muß schon irgendwel– che Anhaltspunkte in den gegebenen Evangelien selbst besitzen, um be– rechtigt zu sein, von Schichten (die auf Quellen und Vorformen hinwei– sen) eines Evangeliums zu reden. Es gab und gibt noch heute viele Kriti– ker, die der Überzeugung sind, die erforderlichen objektiven Anhalts– punkte in allen vier Evangelien aufgefunden zu haben. Fleißig hat man seit Jahrzehnten die literarische Architektur der Evangelien studiert und glaubt zahlreiche Beobachtungen gemacht zu haben, die das Vorhanden– sein von Schichten (Quellen) einwandfrei erweisen sollen. Laßt uns prü– fen, ob jene Forscher mit ihrer Behauptung Recht behalten. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit zuerst dem Markus–Evangelium zu und stellen die Frage: Gibt es Schichten im Markus–Evangelium? Mit bemerkenswerter Einmütigkeit wird diese Frage von den Vertre– tern der kritischen (liberalen) Theologie bejaht. Wenigstens zwei Schich– ten im Markus–Evangelium nehmen ja auch die Anhänger der Zweiquel– lentheorie an, einerlei, ob sie einen Ur–Markus oder eine synoptische Grundschrift als die angeblich erste Schicht gelten lassen. Im folgenden will ich dem Leser die interessante Bekanntschaft mit einigen Schichten– Scheidern vermitteln, soweit ihre Arbeit sich auf das Markus–Evangelium erstreckt. 1. Die Schichten–Hypothese von E. Wendling Wendling – übrigens kein Theologe, sondern Philologe – unterscheidet in einem 1908 erschienenen Werk 153 drei nacheinander aufgelagerte Schichten des kanonischen Markus–Evangeliums. Die erste (früheste) Schicht (Markus 1) rührt nach Wendling von einem Urchristen her, den er den »älteren Erzähler« nennt. Neugierig fragen wir Wendling, wie er denn diesem Erzähler auf die Spur gekommen sei? Es muß doch nicht leicht sein, so denken wir uns, im Markus–Evangelium drei »Erzähler« aufzu– stöbern und auseinanderzuhalten. Wie macht man das bloß? Man muß nur suchen und immer wieder suchen. Wer suchet, der findet (eben weil 250

man etwas finden will)! Als nun Wendung so verbissen suchte, fand er da nicht im Markus–Evangelium gewisse Partien, die sich durch eine auffal– lend klaren und einfachen Stil auszeichneten? Tatsächlich! Und solche klaren Stücke ließen sich auch für Wendlings Empfinden deutlich aus der Masse aussondern. Siehe da: Schon war, auf eine leichte Art sogar, der »äl– tere Erzähler« entdeckt! Denn alle diese Stücke rühren von einem be– stimmten Verfasser her – sagt Wendling. Dieser entdeckte urchristliche Autor muß als ein Mann von ausgeprägter schriftstellerischer Individuali– tät gepriesen werden. »Grundzug der Darstellung ist klare Einfachheit und prägnante Kürze.« Der ältere Erzähler bietet »schlichte, anspruchslose Erzählungskunst« und handhabt einen »einfachen Stil«. 154 Es braucht uns nun nicht zu kümmern, welche Partien Wendling diesem ersten Autor im einzelnen zuschreibt, es genügt die einfache Tatsache, daß eine älteste Schichte »wirklich« gefunden ist. Da wir uns von der Verblüffung noch nicht ganz wieder erholt haben, enthalten wir uns vorläufig der Kritik. Von neuem überprüfte Wendling den Markus–Text, suchte und richtig: Eine zweite schriftstellerische Individualität trat ans Licht, der sogenannte Dramatiker. Dieser Autor machte zu dem schon vorhandenen (vom älte– ren Erzähler herrührenden) Stoff allerlei Zusätze, die er aber in charakteristischer Art immer so gestaltete, »daß sie die Vorlage in drama– tischer Weise, als Vorspiel und Nachspiel ergänzen.« 155 Anschaulichkeit und »frischer Natursinn« bilden die hervorstechendsten Darstellungs– momente dieses Erzählers (Markus 2). Geschickt versteht er es auch, »Spannung zu erwecken.« l56 Aber er ist nicht frei von bestimmten Marot– ten. Lebhaft interessiert sich Markus 2 beispielsweise für die Kleidung der handelnden Personen. So entstammt seiner Phantasie das Kopfkissen im Nachen (in der Erzählung von der Stillung des Sturmes) und das Polster (im Zimmer, in welchem das letzte Mahl stattfand). »Wegen seiner Lieb– haberei für Gewandmotive hat Markus 2 auch als Verfasser der Notiz über die Kleiderverlosung zu gelten. 157 Eine andere Schrulle dieses »Dramati– kers« besteht nach Wendling darin, daß er einige, vom ersten Erzähler be– richtete Geschehnisse willkürlich verdoppelt! 156 Fürwahr, es ist ein recht eigenartiger »Evangelist«, den uns da Wendling präsentiert und dem wir angeblich die zweite Schicht im Markus–Evangelium verdanken. Und wie hat Wendling die dritte Schicht gefunden? Sehr einfach und mühelos: Alles, was nicht vom ersten und zweiten Erzähler stammen kann, was also noch übrigbleibt, das bildet die dritte und letzte Schicht. Wendling nennt den dritten Autor, der sich über das von seinen Vorgän– gern Geschriebene noch einmal hermachte, den »Redaktor« und identifi– ziert ihn mit dem kanonischen Markus–Evangelisten. Wir lernen nun in 251

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    Teil 1 Die handschriftliche Überli

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    läufig« mit seiner Verkündigung

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