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Die Faelschung der Geschichte des Urchristentums

lich–psychologischen

lich–psychologischen Gründen als Evangelienschreiber unmöglich; sie erweisen sich alle drei als spekulative Ausgeburten des Literarkritikers Hirsch. In dem anschließenden zweiten Teil wird dasselbe Resultat von einer ganz anderen Seite her gewonnen und bestätigt. VII. Ein Lehrbeispiel, wie man Schichten konstruiert Alle Anstrengungen des Literarkritikers Hirsch dienen dem Zweck, zu beweisen, daß das Markus–Evangelium aus in– und übereinander gelager– ten Schichten (Erzählungsquellen) zusammengesetzt sei. Man braucht dann nur die Massen der mythischen Legendenschichten abzutragen, um einen historischen Kern der Jesustradition ans Licht treten zu lassen. Es kann nicht geleugnet werden, daß Hirsch sich redlich bemüht, wissen– schaftlich, nämlich methodisch vorzugehen. Es fragt sich nur, ob die an– gewandte Methode einwandfrei ist, ob sie etwas taugt. Um diese Frage besser beantworten zu können, wollen wir an einigen Musterbeispielen zeigen, wie Hirsch verfährt, wenn er Schichten konstruiert. Ein volles Verständnis der nachfolgenden Operationen wird dem Leser erst dann ermöglicht, wenn er nicht versäumt, die besprochenen Mar– kus–Stellen in einer der zahlreich vorhandenen modernen Übersetzungen des Neuen Testamentes nachzulesen. (Ein Studium des griechischen Tex– tes kann für unsere Zwecke unterbleiben.) Am besten nimmt man die von Hirsch im 1. Bande seines Werkes selbst gebotene Verdeutschung zur Hand, da in ihr der ganze Stoff übersichtlich nach den gefundenen Schich– ten geordnet ist. Um über die Tauglichkeit und über den Wert der von Hirsch gehand– habten Methode der Schichtenscheidung ins reine zu kommen, ist es nicht erforderlich, dem Gange seiner literarkritischen Analyse Schritt für Schritt zu folgen; wie die Qualität des Weines, so erkennt man auch die Güte der Methode schon an einigen Stichproben. Da stieß also unser Analytiker im 1. Kapitel auf Vers 21 b, mit dem die bis Vers 27 reichende Szene anhebt, wie Jesus in der Synagoge zu Kaper– naum einen vom unreinen Geist Besessenen heilt. Als passionierten Schichtenscheider interessierte Hirsch vor allem der Zusammenhang die– ser Szene mit dem Vorhergehenden und Nachfolgenden. Unmittelbar 274

vorher wird erzählt (Vers 16–20), wie Jesus beim Fischfang tätige Männer als erste Jünger gewinnt und mit ihnen nach Kapernaum hineingeht. An– schließend an die Synagogengeschichte erfahren wir, daß der Meister mit den ersten Jüngern aus der Synagoge in das Haus des Simon und Andreas geht, dort zuerst des Simons Schwiegermutter und dann nach Sonnenun– tergang noch viele aus der Stadt herbeigeströmte Kranke heilt. Wer das Ganze (d.h. alle drei Partien) hintereinander aufmerksam liest und von ei– nem »urchristlichen« Evangelienverfasser nicht unbedingt einen moder– nen, fließenden Erzählungsstil verlangt, wird das Berichtete wohl hier und da etwas unbeholfen und holperig, aber nichtsdestoweniger in guter, wohlverständlicher Aufeinanderfolge vorgetragen finden. Gewiß, der Zusammenhang (der drei Szenen miteinander) könnte »eleganter« ge– knüpft sein; aber die Hautpsache bleibt doch, daß eine logische Verknüp– fung überhaupt vorhanden ist, und das trifft hier zu. Will man Markus als Schriftsteller beurteilen, so darf man nie außer acht lassen, daß dieser »Ur– christ« sein ganzes Evangelium in der Erzählmanier des einfachen Mannes aus dem Volke niedergeschrieben hat. Markus ist kein feingebildeter Salon– erzähler. Bezeichnend für die volkstümliche Schwerfälligkeit des Autors ist der Umstand, daß fast jeder Satz mit »und» eingeleitet wird. Im Mar– kus–Evangelium berichtet eben unverkennbar der »Mann von der Straße« über die Ereignisse des Lebens Jesu. Wer nun, wie es sich gebührt, solche mit monotoner Gleichförmigkeit wiederkehrenden Markus–Anfänge (Verknüpfungen) mit »alsbald«, »und bald darauf«, »und gleich darauf« sowie ähnliche sozusagen prinzipielle Unbeholfenheiten als wesenhafte Eigentümlichkeiten des einfachen Verfassers berücksichtig, findet keine Ursache, an der (beabsichtigten) volkstümlichen Holperigkeit der Über– gänge und Zusammenhänge besonderen Anstoß zu nehmen. Aber Hirsch sucht nun einmal Schichten, und so entbindet er sich von jeder notwendi– gen Rücksichtnahme auf den »einfachen« Erzähler. Uns wundert nur, daß der Kritiker nicht einfach ebenso viele »Bruchstellen« konstatiert wie bei– spielsweise unbeholfene »Und«–Satzanfänge vorkommen. Doch Hirsch fand wirklich, was er suchte. Beim mehrmaligen Lesen hatte er es entdeckt: »Die Geschichte von der Heilung des Dämonischen (Kap. 1,21–28) . . . sprengt den natürlichen Erzählungszusammen– hang. « 195 Das will nach Hirsch besagen: diese Dämonengeschichte (in der Synagoge zu Kapernaum) rührt nicht vom »ersten« Verfasser (Markus I) her, sondern ist nachträglich von zweiter Hand (Markus II) recht unge– schickt in den ursprünglichen Text eingeklemmt worden. Diese einge– klemmte Szene hat nach Hirsch den ursprünglichen Zusammenhang ge– sprengt. Folgende Holprigkeiten »zwingen« Hirsch zu dieser Annahme. 275

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