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Die Faelschung der Geschichte des Urchristentums

lichkeit, nie

lichkeit, nie hingeschrieben! Derartige dogmatische Reflexionen können selbstverständlich nur einem zweiten Autor zugetraut werden. Fragt man nun aber Hirsch nach dem wisssenschaftlich, d.h. literarkritisch begrün– deten Warum, so muß er verlegen stammeln: »Es ist ein mehr gefühlsmä– ßiges Urteil, das zwingender Begründung entbehrt.« 197 Zur Not scheint ihm folgende Erklärung einigermaßen zwingend, den »Satan« und die »Engel« doch auf das Konto eines zweiten Verfassers überschreiben zu können. Hirsch meint: Nehmen wir als ursprünglich die Angabe an, Jesus sei während des ganzen Wüstenaufenthaltes von Engeln wunderbar ge– speist worden, dann hätte »aus einer solchen Anfangsvorstellung . . . nie die Legende vom vierzigtägigen Fasten, (wie Matthäus und Lukas berich– ten) erwachsen können.« Sehr richtig. Ebenso wenig hatte aber im wirkli– chen Leben der Urchristenheit die Gemeindelegende sich in ihren Phanta– sieresultaten so kraß widersprechen können, daß sie einerseits erdichtete, Jesus sei die ganzen vierzig Tage hindurch von Engeln gespeist worden und andererseits, daß er vierzig Tage gefastet habe und dann erst von En– geln bedient wurde. (Denn Legende soll ja auch nach Hirsch das Hinein– spielen des Teufels und der Engel ganz fraglos sein.) Vorstehendes Lehrbeispiel hat uns die Augen darüber geöffnet, daß die von Hirsch gehandhabte literarkritische Methode weitgehend auf Willkür und sachlich nicht begründeter Intuition beruht. VIII Niederlage der Schichtenscheider im Kampfe um einen historischen Kern in der Evangelienmasse Über die kritische Schärfe der von Hirsch angewendeten Schichten– scheidungs–Methode können wir keine hohe Meinung mehr hegen, nach– dem wir erkennen mußten, daß Willkür und sachlich nicht begründete In– tuition hervorstechende Merkmale dieser Arbeitsweise sind. Zwingende Beweise für einen Aufbau des Markus–Evangeliums aus drei Schichten hat Hirsch bisher so wenig beigebracht, wie vorher Thiel. Es ist notwendig, Hirsch noch weiter bei seinen Anstrengungen zu beobachten. Wir setzen die Prüfung fort, indem wir den Arbeitsergebnissen des lite– rarischen Markscheiders Hirsch eine zweite Stichprobe entnehmen. Es geht diesmal um die wichtige Messiasfrage (nicht Messiasgeheimnis!). Hat 280

Jesus sich wirklich für den jüdischen Messias gehalten? Wann hat er sich als solcher seinen Jüngern und dem Volke offenbart? Unser ganzes Inter– esse ist bei dieser Fragestellung auf den Evangelisten Markus gerichtet; denn wir haben mit Hirsch zu untersuchen, wie der Verfasser des Evange– liums die Sachlage darstellt. Daß die Angelegenheit im Evangelium ge– heimnisvoll behandelt wird, haben wir schon an früheren Stellen angedeu– tet, 109 ebenso, daß dabei allerlei Widersprüche auftauchen. Wie seine Vorgänger glaubt auch Hirsch die auffälligen Widersprüche in der Messiasdarstellung im Sinne seiner Schichtenhypothese erklären zu können. Und zwar will er das wissenschaftlich, durch literarkritische Analyse des Textes besorgen. Wie steht es nun in diesem Punkte mit seiner Wissenschaft? Für Hirsch ist die berühmte Szene bei Cäsaräa Philippi (Markus 8,27) in ihrem Kern historisch und ursprünglich; nur einige Kleinigkeiten scheidet er als später hinzugefügt aus. In dieser Szene erklärt Petrus Jesus auf des– sen Frage, wer er sei, für den Christus d.h. für den von Gott gesandten jü– dischen Messias–König. Jesus akzeptiert nach Hirsch zwar dies Bekennt– nis und widerspricht nicht, aber modifiziert den Inhalt der Messiasvor– stellung in bedeutsamer Weise. Er gibt nämlich – so ist die Meinung von Hirsch – nunmehr den Jüngern zu verstehen, daß er nicht, wie sie bisher fälschlich voraussetzten, als der glor– und siegreiche, sondern als leiden– der Messias (als Menschensohn) nach Jerusalem ziehen müsse. Petrus will diese leidende Rolle des Messias Jesus durchaus nicht einsehen und zuge– ben und wird deshalb von seinem Meister als »Satan« gescholten. Seit jeher haben die Bibelkritiker in dieser harten Anrede und Zurecht– weisung des nachmaligen Säulenapostels einen eklatanten Beweis dafür erblickt, daß dieser Vorfall geschichtlich sei, sich wirklich ereignet haben müsse. Auch Hirsch schließt sich dieser Meinung an und betont, daß die Geschichte nur vom ersten Erzähler, nämlich von Markus I–Petrus her– rühren könne. Das Argument für die angebliche Geschichtlichkeit der Szene lautet: Es ist unmöglich, daß die Gemeindelegende diese Szene, in der Petrus von Jesus »Satan« gescholten wird, erdichtet haben sollte. Ge– wiß, im wirklichen Leben der Urchristen wäre es wohl nahezu unmöglich gewesen, dem Apostel Petrus nachträglich eine für sein Ansehen so un– günstige Anrede durch Jesus anzudichten. Sicher unmöglich wäre gewe– sen, daß diese Verleumdung bereitwillig Eingang in die Christengemein– den gefunden hätte. Sie steht aber sogar im anerkannten Markus–Evange– lium. Folglich kann die Anrede nicht erfunden, sie muß »historisch« sein– so argumentiert man. Und tatsächlich haben die Christen der zweiten Ge– neration – statt derartiges zu erdichten – Anstoß genommen an der ominö– 281

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Die Evangelien nach Markus und Lukas - Offenbarung.ch
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