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Die Faelschung der Geschichte des Urchristentums

gelehrt haben! Es gibt

gelehrt haben! Es gibt genug Theologen, die über dergleichen Kleinigkei– ten erhaben stehen und nichts daran finden, nach Bedarf das linke oder das rechte kritische Auge zu schließen, um dann jeweils »die andere Seite« zu übersehen. Andere winden sich mit der Erklärung heraus, Jesus habe zwar gesetzestreu gelehrt, aber gesetzesfrei gelebt. Theologen, die das Be– dürfnis empfinden, sich zu entscheiden, befreien sich auf einem nicht mehr ungewöhnlichen Wege aus dieser dialektischen Falle: Sie erklären einfach die eine Seite – meist die gesetzestreue Verkündigung Jesu – für spätere dogmatische Fälschung und Unterschiebung. Auch Winkel steht auf Seiten dieser Erklärer. Da es sich um christliche Theologen handelt, so versteht es sich von selbst, daß sich ihr kritisches Empfinden gegen Geset– zesgerechtigkeit und für Gesetzesfreiheit entscheidet. Die Willkür solcher Entscheidung springt in die Augen. Das Schwergewicht der psychologi– schen Gegengründe – daß der proklamierte totale Umschwung in der Seele der Jünger psychologisch unmöglich ist – wird keiner weiteren Be– achtung für wert gehalten. Das trifft auch bei Winkel zu: Auch seine Ent– scheidung im Gesetzes–Dilemma entspringt der Willkür. Damit erweist sich aber schon die Voraussetzung seiner ganzen kritischen Aktion als ver– fehlt. Trotzdem wollen wir jetzt Winkel auch als Varianten–Spezialisten bei der Arbeit betrachten. Warum unternimmt er doch eigentlich diese be– schwerliche Reise in den Urwald der Varianten? Er will mit Hilfe der »ur– sprünglichen« Lesarten die »ursprüngliche« Jesusverkündigung wieder– herstellen. Seine Forschungsaufgabe besteht also darin, herauszufinden, welches unter dem Gewimmel von Varianten die ursprünglichen Lesarten sind. Eine schwere und gefahrvolle Aufgabe, so denkt sich wohl mancher Leser. Wie wird es Winkel nur fertigbringen zu unterscheiden, was unter den Lesarten gut und schlecht, ursprünglich und sekundär ist? Aber keine Sorge, Winkel ist für seine Aufgabe in hervorragender Weise ausgerüstet. Er sagt es selbst, was ihn zur Lösung des Variantenproblems prädestiniert: Sein 'Fingerspitzengefühl für echte und unechte Münze.« 209 Nun, wer »Fingerspitzengefühl« besitzt, für den bedeutet die schwerste Wissen– schaft eine kinderleichte Angelegenheit. Leider erweist sich bei Winkel der Ursprung seines Gefühls als bedenklich: Das Fingerspitzengefühl fließt nämlich her aus dem trüben Komplex der Winkeischen Vorausset– zung von der angeblichen Gesetzes–Gegnerschaft Jesu. Es handelt sich also um Willkür–Fluidum. Zuerst befühlt Winkel die Codizes des NT als Ganzes. Er gelangt bei dieser Prozedur zu dem Ergebnis, daß man als Textkritiker den schönen Glauben aufgeben muß, in irgendeiner der »alten« Handschriften bzw. 298

Handschriftengruppen den Urtext aufzufinden. Winkel dürfte also auch keine Handschrift oder Gruppe bevorzugen. Trotzdem gewahren wir ihn als Parteimann für D, Syrer und Altlateiner gegen S und B. Wie geht das zu? Wie kommt es bloß, daß Winkel gegen die Bevorzuger von S und B loswettert: »Man sollte diese Leute mit der Geißel von ihren Kathedern heruntertreiben . . .« Und woher bloß seine Vorliebe für D, Syrer und Altlateiner? Des Rätsels Lösung verbirgt sich in Winkels »Fingerspitzen– gefühl« für das Ursprüngliche! Die Handschriften wie D, Syrer und Altla– teiner werden deshalb bevorzugt, weil sie den Winkelschen Vorausset– zungen entgegenkommen, d.h., weil sie gesetzesablehnende und sonstige undogmatische Varianten aufweisen. Dergleichen Lesarten sind Winkel als der Situation der Zeit entsprechend hochwillkommen. Sie herauszu– finden ist natürlich keine große Kunst, es gehört nur Geduld, viel Geduld dazu, Hunderte von Handschriften auf solche undogmatischen Lesarten hin durchzublättern. Denn Winkel beläßt es keineswegs bei den genann– ten Handschriften, er zieht auch noch viele andere heran, um sie dann als Zeugen des Urtextes zu würdigen, wenn sie zufällig dogmenfreie Varian– ten beherbergen. Letztlich ist und bleibt immer die religiöse Situation un– serer Zeit (so wie Winkel sie begreift) der Zauberstab, mit dem aus dem Versteck der handschriftlichen Überlieferung die »ursprünglichen« Le– sarten hervorgeholt werden. Die religiöse Situation erfordert beispielsweise, daß in der ursprüngli– chen Verkündigung Jesu dem »Reiche Gottes« kein eschatologischer Cha– rakter anhaften darf. (Das eschatologische Reich Gottes ist als eine Got– tesherrschaft gedacht, die zukünftig, erst in einer ungewissen Endzeit her– einbricht.) Es ist Winkel sehr peinlich, daß gemäß den evangelischen Be– richten Jesus sich selbst für den erwarteten Juden–Messias der Endzeit ge– halten haben sollte. Solche eschatologisch klingende Herrenworte müssen entweder für Winkel später ganz unterschoben, oder aus echten, anders lautenden Worten Jesu umkorrigiert worden sein. Schon das Fingerspit– zengefühl sagt einem das. Die Verfälschung der »echten« Worte sei früh geschehen, konstatiert Winkel, und zwar sei es im Jüngerkreis unter Oberleitung des »gerechten« Herrenbruders Jakobus geschehen, der sich infolge dunkler Machenschaften an die Spitze der Jerusalemer Urge– meinde zu stellen verstanden hatte. 210 Wir wollen nunmehr an einem Beispiel das geübte textkritische Verfah– ren im einzelnen studieren. Winkel will aus dem Bericht Markus 10,32–45 nachweisen, daß dieser in dem uns überlieferten Wortlaut der zu Unrecht bevorzugten Hand– 299

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    Vorwort Hiermit legt der Verlag den

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    Teil 1 Die handschriftliche Überli

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    Zur Einführung Die Bedeutung des G

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    unendlich interessiert, und seine W

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    genländischen Geistes, zu meinen,

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    könnte nun leicht die Reihe solche

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    Besonders die Vertreter der histori

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    vieler alter Papyri erklärt sich a

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    Bevorzugung Ägyptens und damit die

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    ßerhalb Ägyptens auf Papyrus vern

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    (römischer) und kirchlicher Werke

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    men, deren Familien bald christlich

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    und in allen Klöstern des Karoling

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    Wir erinnern uns, daß die Niedersc

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    wann derart, daß eine »späte Han

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    Wir konzentrieren unsere Aufmerksam

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    voller Absicht im Text untergebrach

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    Das große Vertrauen, das Westcott

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    Sorte Handschriften ein genealogisc

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    das Abendmahl, nicht von »Korrektu

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    das Gebet bewußt verkürzt, dann i

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    4. Jahrhundert, ging nicht so weit;

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    Strebens, die Einheit zu bewahren,

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    Teil 3 Der Kampf um einen geschicht

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    Lukas) untereinander merkwürdige

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    Fülle der unbedingt nötigen Wider

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