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Die Faelschung der Geschichte des Urchristentums

1,13: die Engel dienen

1,13: die Engel dienen Jesus während der ganzen vierzig Tage. Markus 6,12: die ausgesandten Apostel sollen Buße predigen; Matthäus 10,8: sie sollen Kranke heilen. Markus 14,18: Voraussagungen des Verrates vor dem Abendmahl; Lukas 22,21: Voraussage nach dem Mahl. Markus 4,8: Saat trägt Frucht dreißig–, sechzig– und hundertfach; Matthäus 13,8: um– gekehrte Reihenfolge; Lukas 8,8: nur hundertfältig. Markus 15,21: Simon von Kyrene trägt das Kreuz (ebenso bei Matthäus und Lukas), Johannes 19,16: Jesus trägt selbst das Kreuz. 5. In rein formal–stilistischer und sprachlicher Hinsicht macht sich der absichtliche Widerspruch innerhalb der Evangelienmasse gleichfalls sehr auffällig bemerkbar. W. Larfeld hat die synoptischen Evangelien auf Spra– che und Stil hin miteinander verglichen; er kommt dabei zu dem interes– santen Ergebnis, die »späteren« Evangelisten Matthäus und Lukas hätten ihre Vorlage, nämlich den Markus–Text absichtlich in sprachlich–stilisti– scher Hinsicht differenziert. Vertritt Larfeld auch nicht unsere These der Ungeschichtlichkeit Jesu – er hält die Evangelien für sukzessiv entstan– dene Schriften »urchristlicher« Verfasser – so ist doch auch seine Entdek– kung, die »Urchristen« Matthäus und Lukas hätten aus reinen Differen– zierungstrieb ihre Markus–Quelle sprachlich umgestaltet, durchaus eine Bekräftigung unserer Generalthese von der künstlichen Fabrikation (Er– dichtung) der Evangelienmasse. Sehen wir uns also den Larfeldschen Be– fund genauer an. Dann könnte man allerdings begreiflich finden, daß Mat– thäus und Lukas ihre angebliche Vorlage, das »in sprachlicher und stilisti– scher Hinsicht auf einer weniger entwickelten Stufe stehende« Mar– kus–Evangelium formal glätteten und dem griechisch gebildeten Leser– kreis in einem schöneren griechischen Gewande darboten. »Matthäus hat die lateinischen Wörter des Markus oft ausgelassen, durch griechische Aus– drücke ersetzt oder umschrieben.« »Lukas hat das lateinische Vokabular des Markus noch stärker vermindert oder durch griechische Ausdrücke er– setzt.« 236 Wie gesagt: man könnte dies Verfahren auch bei »Urchristen« begreiflich finden, denn dadurch wäre ja die eigentliche »historische« Sub– stanz der Vorlage nicht verändert worden. Doch schon mit der angebli– chen Glättung und Verbesserung des Markus–Griechisch durch Matthäus und Lukas stimmt schlecht überein, was Larfeld selbst zugeben muß, daß Lukas, wenn auch selten, »gute Ausdrücke seiner Vorgänger durch min– derwertige wiedergibt.« 237 Und was J. Schmid vorbringt, will ebensowe– nig zu der angeblichen sprachlichen Verbesserung und Höherentwicklung passen. Danach haben die »Verbesserer« des schlechten Markus–Grie– chisch ihrerseits eine Sprache aufzuweisen, die »ein ausgesprochen semit– 328

isches Kolorit« trägt. Sogar der dritte Evangelist schreibt noch eine Menge Hebraismen! Dieser sonderbare »Verbesserer« Lukas, der tatsächlich im Vorwort seines Evangeliums einen nach Form und Inhalt hellenisch gut gedachten Satz geschrieben hat, verleugnet also im Evangelium selbst sei– nen schönen griechischen Stil und verschlechtert ihn absichtlich durch Hebraisierung! Wenn wir nun aber noch folgendes hören, wird sonnen– klar, daß hier nicht »Urchristen« am Werk gewesen sind, sondern daß die spätmittelalterlichen Evangeliendichter ihre Taktik des absichtlichen Wi– derspruches und Variierens haben spielen lassen. »Auf Änderungen am Markus–Text, wo die späteren Evangelisten Ausdrücke ihrer Vorlage, die ihnen selbst nachweislich sehr geläufig waren oder gar zu den bevorzugten Redewendungen gehörten, trotzdem durch andere ersetzten.« 238 Markus verwendet z.B. ein bestimmtes Wort 28mal. Auch Matthäus liebt sonst gerade dies Wort; er gebraucht es 16mal, davon 11 mal unabhängig von Markus. »Um so mehr fällt es auf, daß Matthäus nur an 5 Parallelstellen zu Markus es aufweist, hingegen an 19 Stellen dies Wort streicht. «»Noch mehr in die Augen springt der Differenzierungstrieb des Lukas«. 239 Als Ergebnis stellen wir fest, daß die »urchristlichen« Verfasser »aus reiner Differenzierungssucht« sprachliche Änderungen an ihren »Vorlagen« vornahmen und zwar auch dann, wenn gar keine Ursache zur Variierung gegeben war; rein aus Vergnügen am Widerspruch! Das semitische Kolorit des evangelistischen Griechisch wird von den Theologen gern als Merkmal der »urchristlichen« Echtheit gewertet, d.h. als ein Beweis, daß die Evangelien wirklich in urchristlicher Zeit aus der Tradition der semitischen Jüngerschaft Jesu herausgewachsen seien. Dies Argument trieft von Naivität des »kritischen« Denkens. Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, daß die spätmittelalterlichen Fälscher, die ja keine Strohköpfe waren, vom ersten Augenblick an die Notwendigkeit einsa– hen, ihre erdichtete Jesusgeschichte auch sprachlich zeitgemäß und lokal– gemäß, also »semitisch« auszustaffieren, denn auf diese Weise konnten sie ihrer Dichtung auf eine bequeme und höchst wirkungsvolle Art den Erd– geruch der Echtheit verleihen. 329

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    Wilhelm Kammeier DIE FÄLSCHUNG DER

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