Erfolg Magazin, Ausgabe 2/2017

erfolgmagazin

DANIELA KATZENBERGER: Interview über Erfolg und Leben, SO DENKEN ERFOLGREICHE: Wie die erfolgreichsten Menschen der Welt denken und handeln, BODO SCHÄFER: Lerne reich zu denken, TIM FERRIS: Im Interview mit Peter Thiel, STEVE JOBS: Hartnäckigkeit, GERHARD SCHRÖDER: Sympathie, STEPHEN COVEY: Disziplin, FRAUKE LUDOWIG: Im Rampenlicht, RALF DÜMMEL UND BRIAN TRACY im Interview

SOCIAL MEDIA STAR GARY VAYNERCHUK ÜBER ERFOLG UND INTERNET

D A S L E S E N E R F O L G R E I C H E

magazin

2 / 2017












STEVE JOBS

HARTNÄCKIGKEIT

GERHARD

SCHRÖDER

SYMPATHIE

STEPHEN COVEY

DISZIPLIN

FRAUKE LUDOWIG

IM RAMPENLICHT

+ Ralf Dümmel

Brian Tracy

im Interview



Erfahren Sie, wie die erfolgreichsten

Menschen der Welt denken und handeln

BACKHAUS VERLAG 5 EUR

BILDER: MANFRED ESSER, ANDRÉ KOWALSKI, FRANK EIDEL

CHRISTIAN HOLTHAUSEN, VAYNERMEDIA, DS-PRODUKTE, BRIAN TRACY


Editorial

Bild: Ismail Gök

Julien Backhaus

Verleger und

Herausgeber

„Geh da raus und setz‘ den Scheiß um“

Keiner kommt hier lebend raus

Jeder von uns hat Dinge auf dem Zettel stehen, die er gerne machen

möchte. Wobei einige es noch immer nicht zu Papier gebracht

haben. Schade, denn erfolgreiche Menschen denken schriftlich. Ein

beschriebenes Stück Papier ist ein Stück Materie und damit Realität.

Es gab einmal ein Universitätsexperiment, bei dem Studenten kurz

vor dem Abschluss gefragt wurden, ob sie ihre Ziele schriftlich notiert

hätten. Nur rund drei Prozent bejahten das. Lange Zeit später

wollte man herausfinden, was aus den Studenten geworden war.

Die, die Ziele hatten, sie aber nicht schriftlich formuliert hatten, verdienten

schon um einiges mehr, als der Rest. Beeindruckt war man

jedoch von den drei Prozent, die sich Ziele notiert hatten. Sie verdienten

so viel, wie die anderen 97 Prozent zusammengenommen.

Etwas zu erreichen hat einerseits etwas mit Zielen zu tun. Andererseits

natürlich mit der Bereitschaft, etwas umzusetzen. Diese Bereitschaft

ist bei den meisten von uns gehemmt, durch Faulheit, aber

besonders durch Angst. Angst vor, naja, wo vor eigentlich? In der

Regel denken wir das nicht zu ende. Wenn wir das täten, würde uns

auffallen, dass eigentlich gar nichts Schlimmes passieren kann. Im

Gegenteil, je mehr Dinge wir in Angriff nehmen, desto höher ist die

Chance, dass vieles davon klappt.

Freunde, dieses Leben ist keine Generalprobe. Es ist die einzige Aufführung,

es gibt keine Wiederholung. Niemand kommt hier lebend

raus. Wo vor sollten Sie also Angst haben? Sie sind nicht geboren

worden, um uns anderen die Luft weg zu atmen. Sie sollen das tun,

was in Ihrem Herzen ist. Sie können noch Tausend Jahre faul rumliegen,

aber jetzt laufen die paar Jahrzehnte, in denen Sie was bewegen

können.

Die Garantie, ob Sie morgen wieder aufwachen, wird Ihnen keiner

geben. Darum dürfen wir auch nicht alles auf morgen verschieben.

Morgen wird nichts besser sein, außer wir verändern heute etwas.

Logisch ja?

Gary Vaynerchuk würde jetzt sagen „Geh da raus und setz‘ den

Scheiß um“. Und nichts anderes werden wir vom ERFOLG Magazin

tun. Wir werden unser Bestes geben, Ihnen die Nummer eins Quelle

für Erfolgswissen und Motivation zu sein. Schreiben Sie uns auf

facebook und Instagram, was bei Ihnen läuft.

Alles Gute und maximale Erfolge

Ihr Julien Backhaus

Impressum

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Erfolg Magazin ISSN 25057342

Redaktion/Verlag Backhaus Verlag

EMail: info@backhausverlag.de

Chefredakteur (V.i.S.d.P.) Julien D. Backhaus

Redakteurin und Satz Martina Schäfer

Projektmanagerin EvaMaria Backhaus

EMail: info@backhausverlag.de

Herausgeber, Verleger Julien D. Backhaus

Bremer Straße 24, D31608 Marklohe

Anschrift:

Waffensener Dorfstr. 54, 27356 Rotenburg

Telefon (0 42 68) 9 53 04 91

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Internet: www.backhausverlag.de

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Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de


Inhalt 2/2017

Bilder: Luepertz/Depositphotos, Vaynermedia, Christian Holthausen, Tracy, Wilkens, Ken Shipp-Doe

Erfolg

Psychologie der Superreichen ..................... 6

Ralf Dümmel im Interview............................ 8

Scooter Braun:

Entdecker Justin Biebers.............................10

Gerhard Schröder:

Sympathie-Stratege....................................12

Tim Ferris:

Peter Thiel..................................................14

Manager-Ernährung...................................17

Steve Jobs:

Harnäckigkeit.............................................18

Roger Rankel:

Via Negativa...............................................20

Story

Christian LIndner:

Gründergeist..............................................22

Bill Gates:

Führungsstil................................................24

Claudia Enkelmann:

Charisma gewinnt......................................26

Die Samwer-Brüder....................................28

Jacky Chan.................................................30

Der Wassermillionär....................................32

Vom Obdachlosen

zum Facebook-Star.....................................33

Menderes:

Never give up.............................................34

Daniela Katzenberger

im Interview...............................................36

Leben

Diemar Hopp..............................................39

Nina Ruge im Interview...............................40

Frauke Ludowig im Interview......................42

Einstellung

Jürgen Höller:

Ziele erreichen............................................44

Stephen Covey:

Disziplin befreit...........................................46

Bodo Schäfer:

Liebe das Geld............................................48

Scheiß drauf!..............................................50

Udo Jürgens:

Nur dieser Weg!.........................................52

Gerhard

Schröder

Sympathie-

Stratege

12

Gary Vaynerchuk

Ins Handeln

kommen

62


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Wissen

Leon Windscheid:

Gegen die Spirale der Angst.......................54

Maxwell:

So denken Erfolgsmenschen.......................58

Oliver Kerner:

Strategie gegen die Firmenpleite.................60

Wolf of Wall Street gibt‘s bei uns nicht.......61

Gary Vaynerchuk

Komm ins Handeln.....................................62

Brian Tracy:

Ziele setzen................................................64

Warum wir Stress brauchen........................66

Warren Buffett:

Investmentgeheimnisse...............................68

Frauke

Ludowig

Im

Rampenlicht

42

Brian Tracy

Ziele setzen

64

Bill Gates

Führungsstil

Daniela

Katzenberger

Im Interview

36

24

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de


Erfolg

Bild: Depositphotos/DmBaker

Es gibt kaum eine

Eigenschaft, die

allen Hochvermögenden

gemeinsam

ist, aber

es gibt viele

Muster, die

immer wieder

auftauchen –

darunter

diese

sechs.

Dr. Rainer Zitelmann

Superreiche

ticken anders


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Erfolg

1

Viele Hochvermögende hätten

in großen Unternehmen keine

Karriere gemacht, weil sie dafür

zu schwierig sind. Sie sind nicht

selten unangepasst, hatten oft

schon in ihrer Schulzeit harte Auseinandersetzungen

mit den Lehrern. Weil sie sich

nicht vorstellen konnten, als Angestellte zu

arbeiten, wurden sie Unternehmer.

„Ich meine, ich bin ein schwieriger Mensch

und früher war ich noch viel schwieriger, als

ich es heute bin. … Ich musste mir meine

Hörner abstoßen. Ich musste die Erfahrung

sammeln, die ich heute gesammelt habe. Und

ich wäre nie zum Erfolg gekommen, hätte

man mich irgendwo versucht … Da hätte man

mir Tabletten geben müssen.“

„Ich hätte nie als Angestellter arbeiten

können. Ich hätte auch sicherlich nie Karriere

gemacht. Glaube ich nicht…. Nur in der

idealen Welt sind alle Vorgesetzten toll und

hervorragende Leute, zu denen man hochblicken

kann, und wenn dann Leute da sind und

man sich fragt, was ist das denn für ein Dödel

und dann sich zu verkrümmen, tolle Idee, Herr

Meyer, was Sie da wieder ...“

2

Viele Hochvermögende haben

sich schriftliche Ziele gesetzt,

was sie finanziell erreichen wollen

– und mit mentalen Methoden

(wie etwa Visualisierung)

gearbeitet. Das trifft nicht für alle zu, aber

erstaunlich viele berichteten in den Interviews,

das sie so ähnlich vorgegangen sind,

wie es etwa in dem Klassiker von Napoleon

Hill „Denke nach und werde reich“

empfohlen wird.

„Und dann habe ich mir aufgeschrieben, mit

40 möchte ich also mehr als zehn Millionen

Mark – Mark waren es damals ja noch – haben.

Das habe ich auch hingekriegt. Also

ziemlich genau als Punktladung sogar… Ich

hatte mein Haus damals von einer Feng-

Shui-Beraterin umstellen lassen. Muss auch

sagen, dass das mir sehr viel gebracht hat.

Also sehr viele Blockaden, wo dann das nicht

geklappt hat und das nicht geklappt und

das nicht geklappt hat, und nach Feng Shui

hat es auf einmal geklappt. Jetzt kann man

sagen, Self-Fulfilling-Prophecy. […] Das ist mir

auch scheißegal. Also das Ergebnis zählt und

das hat dann funktioniert. Und die hat mir

eine „Reichtumsecke“ gemacht. Wo ich also

jeden Tag so eine Minute irgendwo hingehen

soll sozusagen zum Beten und da hing ein

entsprechendes Bild. Und es war hinter das

Bild geklebt. Also hinter das Bild geklebt. Ist

auch alles mit, können Sie sagen, mit tödlicher

Präzision eingetreten.“

3Die meisten Hochvermögenden

betonen, dass sie sich mehr auf

ihr Bauchgefühl als auf Analysen

verlassen. Das Bauchgefühl

ist aber nichts Angeborenes.

Es ist das Ergebnis von Lernprozessen,

die Psychologen als „implizites Lernen“

bezeichnen, das zu „implizitem Wissen“

führt. Man könnte auch sagen: Die Schule

des Lebens ist wichtiger als die akademische

Bildung – und das Bauchgefühl

ist wichtiger als die Analysen, wie man sie

etwa im BWL-Studium lernt.

„Also fast alle meine Entscheidungen hängen ja

mit Menschen zusammen. Wenn ich in eine Firma

investiere, tolle Zahlen, aber ich sage immer

nur: „Traue ich denen? Traue ich denen das

zu?“ Sagen wir so, die Menscheneinschätzung,

die können Sie ja nicht wiegen, messen, zählen.

Da können Sie nicht sagen, wo ist der Stempel?

Kann der Wirtschaftsprüfer noch mal den

Charakter durchrechnen, ja? Man kann den

Charakter nicht durchrechnen. Und also immer

da, wo hinter einer Unternehmung oder einem

Investment vor allem es auf die Menschen

ankommt, ist das eine Gefühlsentscheidung,

nehmen sie Bauchentscheidung.“

4Viele Hochvermögende sind

nicht besonders verträglich und

ausgesprochen konfliktbereit.

Sie haben keine Angst vor Auseinandersetzungen,

manche lieben

sogar den Konflikt.

„Ich mag das einfach, die Rauferei. Ich mag

das. Ich streite mich mit jedem, also im Positiven.

Ich sehe das eher sportlich, muss ich

sagen, ne? Also ich will mich durchsetzen, ne?

Und ob es meine Meinung ist, oder ob es im

Markt ist, oder ob es beim Fahrradfahren ist.“

Die Zitate sind dem Buch „Psychologie

der Superreichen. Das verborgene Wissen

der Vermögenselite“ entnommen. In dem

Buch werden die auf Band aufgenommenen

Aussagen der Interviewpartner 1:1

wiedergegeben und nicht

sprachlich geglättet.

Dr. Rainer Zitelmann,

Psychologie der Superreichen.

Das verborgene

Wissen der Vermögenselite,

FinanzBuch

Verlag, München 2017.

http://psychologie-der-superreichen.de/

5Viele Hochvermögende sind

ausgesprochene Nonkonformisten,

die ihren Erfolg darauf

zurückführen, dass sie oft gegen

den Strom geschwommen sind.

Manchen macht es sogar ausgesprochen

Freude, sich gegen die Mehrheitsmeinung

zu stellen – anderen ist sie schlicht egal.

Wer immer nur das tut, was alle tun und

das denkt, was alle denken, bekommt auch

nur das, was alle bekommen – und wird

bestimmt nicht reich.

„Es gibt also das schöne Beispiel, wenn eine

Kuhherde sozusagen auf eine Weggabelung

kommt und auf der linken Seite ist die grüne

Wiese und da gibt es eine Kuh, die auf die

weniger grüne Wiese, auf die fast vielleicht

ein bisschen abgegraste Wiese geht, gell? Und

auf der anderen sind natürlich, sagen wir, 100

Kühe, die diese schöne Wiese abgrasen im Nu

und die andere hat die Wiese, wo weniger

drauf ist sozusagen, weniger Gras, aber kann

in Ruhe und gemächlich da ihrem Graskonsum

da nachgehen.“

6Hochvermögende übernehmen

selbst die Verantwortung für Krisen

und Rückschläge, statt andere

Menschen oder äußere Bedingungen

dafür verantwortlich zu

machen. Dass sie selbst die Verantwortung

übernehmen, gibt ihnen ein Gefühl von

Macht. Sie sehen sich nicht als Opfer, sondern

als Herren ihres eigenen Schicksals.

„Ich bin einmal in die Insolvenz geraten. Und

wissen Sie, das Schlimme ist, ich wusste ja,

dass es so kommt. […] Wenn man dann hinterher

sich selber analysiert und die Kraft hat,

zu sagen: „Was hast du falsch gemacht? Und

wieso ist das passiert?“ Und da unterscheiden

sich, glaube ich, zwei Menschengruppen.

Die einen sagen dann: „Ich habe zu wenig

Geld bekommen und der hat nicht pünktlich

bezahlt und sonst etwas.“ Und die anderen sagen:

„Was habe ich falsch gemacht? Was war

mein Fehler?“ Und die, die sagen: „Was war

mein Fehler und das war meine Chance“, die

haben eine ganz gute Chance, die haben eine

ganz gute Möglichkeit, das im zweiten Schritt

besser zu machen…. Wir sind ja der Fehler.

Alles was passiert, außer schwere Krankheiten

und sonst etwas, und da könnte man sich

noch drüber unterhalten, hat man sich ja selber

eingebrockt, ja? Ich habe große Probleme

in der Erziehung meines Sohnes gehabt und

dann überlegt: „Was hast du falsch gemacht“.

Nicht: „Was hat der Sohn falsch gemacht?“

Und an dem Tag, wo ich das geändert habe,

was ich falsch gemacht habe, ist mein Sohn

toll geworden.“

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de


Erfolg

Ralf Dümmel

Unternehmer aus

Überzeugung

Bild: Tony Robbins; Cover: FBV

Herr Dümmel, Sie sind ja ein

richtiger Vollbluthändler.

Seit den 80ern sind Sie

Verkäufer und dies merkt

man heute noch bei „Die

Höhle der Löwen“. Wie ist denn der Weg

vom Verkäufer zum Unternehmer? Denn

daran scheitern viele, oder?

Ich habe nie geplant: „Oh, ich will Unternehmer

werden“, sondern ich wollte Spaß

bei der Arbeit und Erfolg haben. Ich hatte

durch meinen damaligen Ziehvater, der

DS Produkte gegründet hat, eine Möglichkeit

bekommen. Aber ich müsste in einem

tollen Unternehmen nicht zwingend der

Unternehmer oder der zweite oder dritte

Mann sein. Wenn man im Team arbeitet

und Spaß hat, würde mir das auch reichen.

Dieses auf Zwang: „Ich muss Unternehmer

werden und jetzt muss ich eine Idee

haben“, ist der falsche Ansatz. Vielleicht

scheitern einige Start-Ups deshalb. Man

muss ein gutes Team haben. Das besteht

auch nicht aus Platz Eins, Zwei und Drei

oder der Visitenkarte, auf der ein Titel

steht. Deswegen ist es ja ein Team. Jeder

hat seine Aufgabe, die muss ihn ausfüllen

und ihm Spaß machen und man erarbeitet

gemeinsam etwas. Wenn ich mit zwei verantwortlichen

Mitarbeitern bei einer Entscheidung

mal unterschiedlicher Meinung

sind, dann machen wir auch das, was die

anderen wollen, da wird einfach im Team

diskutiert und entschieden.

Hat sich denn schon vor „Die Höhle der

Löwen“ bemerkbar gemacht, dass Sie nicht

nur Produkte verkaufen, sondern sich auch

an Unternehmen beteiligen wollen?

Ja, wir haben immer schon mal branchefremde

Themen aufgenommen und

auch in Unternehmungen investiert, die

nicht in DS waren. Wir haben mit Tri Top

damals ein Getränkesirup gemacht, obwohl

wir bis zu dem Zeitpunkt nichts mit

Getränken zu tun hatten. Innerhalb eines

Jahres haben wir die Marke zum Marktführer

in Deutschland gemacht. Wir haben

Interesse und diesen Geschäftssinn,

links und rechts zu gucken, wo Bedarf ist,

wo der Kunde schreit und wo er kauft.

Was treibt Sie als Unternehmer an? Geld

kann es ja nicht sein.

Erfolg zu haben ist etwas Schönes. Aber

Erfolg mit einem Team von 400 tollen Mitarbeitern

zu haben und gemeinsam feiern,

Misserfolge und Probleme gemeinsam lösen

- das macht dem Team einen enormen

Spaß. Ich könnte ohne diese ganzen tollen

Mitarbeiter, die für mich den ganzen Tag

DS-Geschäftsführer Ralf Dümmel und

Verleger Julien Backhaus im Gespräch.

durchs Feuer gehen, nicht so erfolgreich

sein. Da geht es nicht immer nur um Geld.

Unternehmerisch muss man Geld verdienen.

Wir investieren viel und gehen Risiken

ein, auch im normalen geschäftlichen Ablauf.

Das geht mal gut, aber auch mal nicht

gut und das gehört dazu. 400 Mitarbeiter

haben das Recht ein Gehalt zu bekommen

und das möchten Sie pünktlich am Ende

des Monates haben. Aber wenn Geld der

alleinige Antrieb ist, dann hat das wenig

Aussicht auf Erfolg.

Jetzt haben sie schon gesagt, dass Sie eine

große Mannschaft haben. Fällt es ihnen

denn leicht Aufgaben zu delegieren?

Es fällt mir insofern leicht, da wirklich die

richtigen, vertrauenswürdigen Menschen

an den richtigen Positionen sitzen. Nichts

desto trotz geht, wenn du größer wirst und

wächst, ein bisschen Familiäres verloren.

Ich kenne das Unternehmen noch, als du

von jedem Mitarbeiter wusstest, ob er ein

Haustier hat und wie das heißt, wie die

Freundin heißt usw. Da war das sehr familiär.

Wir versuchen, das immer wieder

aufzubauen, aber wir haben in unserem

Laden auch Musik und Action, dann geht

manchmal das Familiäre verloren. Das ist

schade, lässt sich aber leider nicht ändern.

Größer werden, an Bedeutung gewinnen,

im Handel eine gewisse Marktmacht oder

auch als Lieferant eine große Anerkennung

zu kriegen, ist auch etwas Tolles.

Wie finden Sie denn die richtigen Leute

für ihr Team?

Also wenn Sie Gute haben, immer her zu

uns. Wir suchen ständig und überall, da

wir am Wachsen sind. Wir sind stolz darauf,

mit 85 % eine unglaublich hohe Quote

an Auszubildenden nicht nur angestellt

zu haben, sondern auch zu behalten und

zu übernehmen. Leute, die drei Jahre im

Unternehmen gelernt haben, verstehen

eher, wenn der Kunde anruft und sagt: „Ich

brauch heute 5000 Stück“ und ob ich die

in einer Stunde packen kann oder nicht.

Wenn andere, die noch nie am Packtisch

standen, vielleicht sagen würden: „Wir

haben ja genug Leute da, die werden das

schon machen“. Insofern haben die Auszubildenden

nochmal ein anderes Verständnis

für jede Abteilung, weil sie im Zweifel

die Person und auch die Abläufe in den

einzelnen Abteilungen kennen. Wir haben

ganz viele, die hier gelernt haben und

schon 18 Jahre im Unternehmen sind. Das

macht viel für die Teamfähigkeit aus. Die

gehören dann wirklich auch zur Familie.

Dürfen die Leute bei ihnen Fehler machen?

Ja Fehler sind erlaubt, ich finde es menschlich.

„Der macht zwar nur Fehler, aber der

ist halt nett“, geht in einem Unternehmen


www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Erfolg

ljklöj

aber auch nicht. Natürlich dürfen Menschen

Fehler machen. Und lieber entscheidet

man mal etwas, als sich immer nur auf

andere zu verlassen oder andere zu fragen.

Dass das mal schief geht ist völlig menschlich

und das gehört auch zur Ehrlichkeit

dazu. Ich habe früher mal gesagt: „Wenn

ihr am Wochenende einen über den Durst

trinkt, dann ruft nicht montags an und

sagt, ihr seid erkältet. Ruft an und sagt

ihr seid voll und habt 2,4 °% und kommt

Dienstag zur Arbeit“. Das finde ich ehrlich.

Und wenn das nicht jeden Montag der Fall

ist, dann finde ich das auch absolut ok. Damit

leben wir ganz gut und ich glaube das

wissen die Mitarbeiter auch.

Entscheiden Sie nach Bauchgefühl oder

sind Sie eher Kopfmensch?

Mehr Bauch. Wenn aber einer nur nach

dem Bauch entscheidet, dann wird es irgendwann

schwierig. Oft ist es im Leben

eine Frage der Sympathie. Wenn man sich

ein paar Minuten kennen gelernt hat, dann

hat schon so ein Gefühl, ob man mit der

Person mal ein Bier trinken gehen würde

oder nicht, dieses: „Oh, sympathischer

Mensch, der kann was und mit dem will

ich was erreichen“ und das gleiche zählt

auch beim Produkt. Nachdem das Bauchgefühl

ein positives Signal gesendet hat,

muss der Kopf auch wirtschaftlich durchdenken,

ob es passt und der Markt dafür

da ist, der Preis stimmt und der Verkaufspreis

für den Handel der Richtige ist.

Sie haben mal gesagt, das Unternehmen ist

ihr Leben. Das ist eine große Schwierigkeit

in vielen Unternehmer-Familien. Müssen

ihre Lieben sich damit abfinden oder haben

sie da ein Arrangement?

Nein, die kennen mich und ich hoffe, die

mögen mich so, wie ich bin. Ich fahre seit

fast 29 Jahren jeden Tag gerne her und

freue mich auf die Leute, auf die Arbeit,

auf die Herausforderung. Ich habe noch

nie gedacht, dass ich zur Arbeit muss. Das

mag sich für einige blöd anhören, aber

wenn du dann irgendwann zum Unternehmer

wirst, hat man auch eine gewisse

Verantwortung für Mitarbeiter und dahinterstehende

Familien. In so einem großen

Unternehmen gibt es auch nicht nur gute

Dinge, sondern auch mal negative Dinge.

Aber das sind Aufgaben, die man sich stellen

muss und auch gerne stellt.

Es gibt ja viele Menschen, die gerne ein

erfolgreiches Unternehmen aufbauen

würden. Sie geben diese Ratschläge sogar

weiter z.B. auf Veranstaltungen wie

dem „Start Up Camp“ in Berlin. Was

geben Sie den Leuten als Wichtigstes mit

auf den Weg?

Das ist schwer so pauschal zu beantworten.

Es gibt erstmal gewisse menschliche

Voraussetzungen. Immer auf dem Boden

bleiben, nie abheben und nie denken, man

sei etwas Besseres oder man kann irgendwas

Besseres. Es gibt so viele Menschen die

toll sind, die Gutes können. Und da muss

man sich selbst nicht überschätzen.

Risikofreudig! Ehrlich! Fleißig! Gerade

wenn man ein Unternehmen gründen

will, was heute schwieriger ist, weil in der

gesamten Handelsszene, von großen Konzernen

dominiert ist. Du sagst: „ich habe

eine gute Idee“. Rufst du irgendwo an, zum

Beispiel beim Großkonzern? Wenn du es

schaffst in die richtige Abteilung durchgestellt

zu werden und sagst: „Mensch, Hallo

hier bin ich, habe eine gute Idee“, bist du

nur einer von 300 Leuten am Tag und jeder

hat eine gute Idee. Das ist heute nicht

mehr ganz so einfach.

Dann mit dem Risiko, Vorfinanzierung,

Ware einzukaufen. Wo kaufe ich sie ein,

kommt sie vernünftig an, stimmt die Qualität

und solche Sachen. Läuft es? Habe ich

zu viel Ware, zu wenig Ware usw. Und da

gehört unwahrscheinlich viel Fleiß zu. Das

bedeutet Verzicht. Verzicht auf einen Tag

Urlaub im Jahr, vielleicht auch mal auf den

Feierabend und auch mal eine Stunde länger

arbeiten. Das gehört dann dazu, dem

muss man sich aber stellen.

Es ist toll Unternehmer zu sein. Aber es ist

auch toll leitender Angestellter oder Mitarbeiter

zu sein. Da kommen wir wieder

zum Anfang zurück. Spaß bei der Arbeit.

Das muss mich auch ausfüllen. Es gibt

Menschen, die sagen: „Freizeit ist für mich

wichtig. 15:00 Uhr Feierabend.“ Das ist

legitim und toll. Und dann gibt es Menschen,

die sagen: „Ja, ich mag es zu arbeiten,

ich mag es noch ein bisschen erfolgreicher

zu sein“ und das ist auch legitim.

Jeder muss seinen Weg finden. Aber wenn

man ein Unternehmen gründen will, sind

die Grundvoraussetzungen verzichten,

fleißig sein, Risikobereitschaft und ein

unglaublicher Wille. Überzeugt sein ohne

abzuheben, aber von sich überzeugt sein.

Von seinem Thema oder Produkt oder von

seiner Produktidee überzeugt sein.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de


Erfolg

Scooter Braun

Der Erfolgsmach

Der Unternehmer

hinter Justin Bieber

Bild: fotowerft, Cover: FBV

Es war nicht allzu lange her, dass Scott

„Scooter“ Braun, der Mann, der Justin

Bieber in die Musikbranche einführen

würde, seinen Unterhalt als Party-Promoter

in Atlanta verdiente. Heute ist der

32-jährige Besitzer von SB Projects, die

mehr als 10 weltberühmte Musikkünstler

verwalten, eigene Filme produzieren

und in verschiedene Tech-Unternehmen

investieren, auf dem Vormarsch.

Braun, Sohn eines Ärztepaares, wuchs

behütet in Greenwich auf, der Millionärsstadt

in Connecticut. Während

des Studiums an dem Greenwich High-

School in Connecticut, trat er einem Video-Dokumentarfilm

Wettbewerb für

den National History Day bei. Der Film

trug den Titel: „The Hungarian Conflict“

und handelte über die Juden in Ungarn,

während und nach dem Holocaust. Der

Film gewann in regionalen und staatlichen

Wettbewerben und Braun platzierte

damit den dritten Platz. Ein Mitglied

von Brauns Familie schickte den Film

an Steven Spielbergs Büro, der seinerseits

Brauns Video dem Holocaust Memorial

Museum in den USA überreichte. Braun

hat gesagt, dass Spielbergs Antwort einer

der inspirierendsten Momente in seinem

Leben war.

Er bewies schon früh sein Organisationstalent:

Während der Schulzeit war er Klas-

Scooter Braun kennen wenige,

seine Entdeckungen jeder:

Stars wie Justin Bieber verdanken

ihm ihren Erfolg. Auch

mit seiner Fernsehserie „Scorpion“

bewies er einen guten

Riecher für den Geschmack

des Publikums.

sensprecher und neben seinem

BWL-Studium an der Emory

University in Atlanta, richtete

er Partys am College aus. 2002

gründete er seinen eigenen Partyservice,

Promis wie Britney

Spears und Eminem wurden

darauf aufmerksam. Braun

leckte Blut und wollte mehr.

Gemeinsam mit R‘n‘B-Star

Usher gründete er das Label

„RBMG“ und suchte

dafür einen jungen Künstler.

Gefunden hat er 2008

schließlich Justin Bieber.

Der kanadische Sänger

war damals 13 Jahre alt

und fiel durch seine

YouTube-Videos auf.

In kurzer Zeit machte

Braun aus ihm einen

Te e n i e - S c h w a r m ,

verkaufte nicht nur

seine Songs, sondern

auch Parfums, Bettwäsche

und zahlreiche weitere

Merchandise-Artikel.

Braun setzte auf das Internet

und benutzte dafür die Social-

Media-Kanäle. Der Erfolg war

gigantisch, trotzdem sagt er: „Am

Ende des Tages kann man ein noch so

10 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Erfolg

er

Vom Studienabbrecher zum respektierten

Musik-Insider - nun ist er einer der erfolgreichsten

Entrepreneure in den USA.

guter Vermarkter sein, doch du bist immer

nur so gut wie das Produkt oder die Person,

die du vermarktest.“

Braun kontaktierte Biebers Mutter Pattie

Mallette, die sich bereit erklärte, ihren

Sohn nach Atlanta zu bringen. Irgendwann

überzeugte Braun sie, dauerhaft von

Kanada in die Vereinigten Staaten zu ziehen.

Schließlich unterschrieb Ushers Mentor,

Musikchef L. A. Reid, Bieber zu einem

Deal mit Island Def Jam.

Im Jahr 2007 gründete Braun SB Projects

(kurz für Scooter Braun Projects LLC),

eine Full-Service-Unterhaltungs- und Vermarktungsgesellschaft,

die eine Reihe von

Ventures wie Schoolboy Records, SB Management

und Sheba Publishing umfasst.

Die Gruppe umfasst auch RBMG, ein

Joint Venture zwischen Braun und Usher.

School Boy Records hatte eine spezielle

Vereinbarung mit Universal Music Group

und später mit Republic Records für den

Vertrieb.

Auch in schwierigen Zeiten hält er konsequent

zu seinen Schützlingen. „Man muss

sie die Fehler machen lassen und dann da

sein, um ihnen zu

helfen, wenn sie abstürzen“,

erklärte er

kürzlich. Stets dem

Künstler zur Seite

stehen, das ist Brauns

Philosophie und Erfolgsrezept.

Ist man

einmal in seinem

Team gelandet, gehört man fortan zur Familie,

einer Großfamilie aus Social-Media-

Managern, Marketing-Profis, Produktmanagern,

Rechtsanwälten, persönlichen

Assistenten und einer Designerin.

Braun bleibt in verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen

beteiligt, die darauf

bestehen, bestimmte Erträge aus seinem

Geschäft zu spenden. Viele der Künstler

die er unterzeichnet, nehmen auch an verschiedenen

Wohltätigkeitsorganisationen

teil. Braun und Bieber haben zur Unterstützung

der Organisation zusammengearbeitet.

Die Wohltätigkeit hat dazu beigetragen,

mehr als 200 Schulen in Asien,

Afrika und Lateinamerika zu bauen.

Scooter Brauns Vermögenswert wird derzeit

auf 40 Millionen Dollar geschätzt.

Mittlerweile hat Braun ein weitverzweigtes

Imperium aufgebaut und ist Inhaber der

Firmen School Boy Records (Plattenlabel),

SB Consulting (Beratung) und SB Management

(Betreuung). Auch die Liste der Künstler,

die er betreut, ist gewachsen. Zu seinen

Talenten gehören Stars wie die Singer/Songwriterin

Carly Rae Jepsen, das koreanische

YouTube-Wunder Psy und Nickelodeon-

Sternchen Ariana Grande, die gerade zwei

MTV Europe Music Awards gewonnen hat.

Sich bei Scooter Braun zu bewerben ist allerdings

zwecklos - er sucht alle zukünftigen

Familienmitglieder selber aus.

Bilder: Depositphotos, S. Bukley, CBS

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

11


Erfolg

Gerhard

Schröder

Sympatie-Stratege

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Erfolg

Bild links: Depositphotos/360ber, Bild oben: Roland Magunia Krafft Angerer

In meinen Trainings oder nach

meinen Vorträgen werde ich immer

wieder gefragt, ob Sympathiegewinnung

für Politiker und

Politikerinnen wichtig sei. Meine

Antwort darauf ist immer dieselbe: Ja, natürlich.

Vielleicht sogar mehr als in vielen

anderen Bereichen.

Menschen, die sich politisch engagieren,

haben große Herausforderung. Sie müssen

sowohl die Herzen ihrer Parteimitglieder erobern

als auch das Vertrauen ihrer potentiellen

Wählerschaft gewinnen. Kein einfaches

Unterfangen, welches nur den wenigsten

Menschen auch tatsächlich gelingt.

Die Sympathie-Bilanz

Sie müssen sich Sympathiegewinnung wie

eine Bilanz vorstellen. Fließt Ihnen Sympathie

auf der einen Seite zu, dann kostet Sie

das auf der anderen Seite Pluspunkte. Sie

dürfen, egal in welchem Bereich, keine Scheu

davor haben, Ihr Profil „scharf“ genug darzustellen.

Traditionelle Sympathiestrategien

wollen dafür sorgen, jedem Menschen in

jedem Augenblick zu gefallen. Trennen Sie

sich bitte von dieser Vorstellung, denn sie

ist eine Illusion. Wenn Sie danach trachten,

möglichst vielen zu gefallen, erodiert Ihre

Position nachhaltig. Viel wichtiger ist, dass

Sie wissen, wofür Sie stehen und wie Sie Ihre

Zielgruppe sympathisch aktivieren und ausbauen.

Die Sympathie-Strategie

Sympathie bei der eigenen Zielgruppe kostet

Sie Sympathien bei einer anderen Zielgruppe.

Das alles Entscheidende ist, wie Sie Ihre

Kernzielgruppe Schritt für Schritt erweitern.

Dazu müssen Sie jedoch provozieren und

eine andere Gruppe angreifen. Das kostet Sie

Sympathien bei der „angegriffenen“ Gruppe,

hebt Ihren Sympathiegrad jedoch bei der anvisierten

Zielgruppe.

Jemand, dem dies sehr gut gelungen ist, ist

der ehemalige deutsche Bundeskanzler Dr.

Gerhard Schröder. Ihm gelang es als einem

der Wenigen, Sympathien zu erzeugen und

gleichzeitig unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen

(Agenda 2010). Dies nämlich ist die

wahre Kunst der Sympathie. Den Menschen

nach dem Mund zu reden und so Sympathie

zu erzeugen, ist auf Dauer alles andere als

zielführend. Wie wir wissen, ist „everybody`s

darling, everybody´s Depp“. Viel eher geht es

darum, Vertrautheit und Vertrauen aufzubauen.

Nett ist zwar nett, entwickelt jedoch

nicht die Durchschlagskraft, die man sich

erwartet.

Aufbau von Nähe

Um Sympathien bei der eigenen Zielgruppe

aufzubauen und auf weitere Zielgruppen zu

übertragen, eignen sich zwei kommunikative

Strategien besonders gut:

Die „Ich bin einer von euch-Strategie“ und

die „Ich bin keiner von denen-Strategie“. Wie

Einende Sympathie schafft Schröder auch heute noch auf internationalen

Konferenzen, wie hier auf dem Hamburg Summit - China meets Europe.

werden diese nun von Gerhard Schröder

umgesetzt? Hier ein paar Beispiele:

• „Man kann es so oder so machen. Ich bin

für so.“

• „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer

Gesellschaft!“

• „Wer unser Gastrecht missbraucht,

für den gibt es nur eins: Raus, und zwar

schnell.“

• „Frauenpolitik und so Gedöns.“

• „Hol‘ mir mal ‚ne Flasche Bier, sonst

streik ich hier, und schreibe nicht weiter!“

Das letzte Zitat hat es sogar durch die musikalische

Untermalung von Stefan Raab in

Michael Jagersbacher

ist Doktor der Erwachsenenbildung und

Magister der Philosophie. Als Verhaltens

und Wirtschaftstrainer mit den Kerngebieten

Motovation, Kommunikation, Verkaufsgespräche

und Selbstpräsentation.

»Ich bin einer

von Euch!«

die Charts gebracht. Es signalisiert, dass Gerhard

Schröder ein Mensch mit alltäglichen

Bedürfnissen ist. Diese Aussage bringt ihn

uns näher. Zumindest dem biertrinkenden

Teil der Gesellschaft. Dieses Zitat ist somit

in der Kategorie „Ich bin einer von euch!“

einzuordnen.

Eine andere Strategie ist es, eine Gruppe – indirekt

– anzugreifen oder sich über sie lustig

zu machen. „Frauenpolitik und Gedöns“

würde in die Strategie: „Ich bin keiner von

denen!“ fallen. Natürlich brachte ihm diese

Aussage massiv Kritik. Doch je größer die

Kritik auf der einen Seite wird, desto mehr

Befürworter gibt es auf der anderen Seite.

Wir erinnern uns, dass Sympathie wie eine

Bilanz funktioniert.

Jemand, der diese Strategie bis zum „Exzess“

auslebt und Erfolg damit hat, ist der amerikanische

Präsident Donald Trump. Auch bei

ihm kommt es immer wieder zum Wechsel

zwischen diesen beiden grundlegenden Strategien.

Um Ihren Sympathiegrad nach oben zu

schrauben, überlegen Sie sich bitte, wem Sie

eigentlich sympathisch sein wollen und weshalb.

Lernen Sie Ihre potentielle Zielgruppe

besser zu verstehen und versuchen Sie Sympathien

über Antipathien zu gewinnen.

Agieren Sie jedoch nicht nach dem Motto:

„Koste es, was es wolle!“. Dies könnte Ihnen

bei Ihrer Zielgruppe auch wichtige Sympathiepunkte

kosten. Verdeutlichen Sie lediglich

Ihre Standpunkte auf einem möglichst

hohen Niveau. Viel Erfolg dabei!

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Erfolg

Peter

Thiel

Gegen

Bild: Göker, Cover FBV

den Trend

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Erfolg

Bild:Fortune Brainstorm Tech, Stuart Isett

Peter ist bekanntermaßen Meister

des Debattierens. In meinen

Podcasts beantwortete

er Fragen von meinen Fans,

die auf Facebook hochgevotet

wurden. Beachten Sie, wie oft er Fragen

umformuliert (also prüft, ob auch die

richtige Frage gestellt wurde), bevor er sie

beantwortet. Wie er Formulierungen dabei

in ihre Einzelteile zerlegt ist oft ebenso interessant

wie seine Antwort.

Die »Tools« in diesem Profil geben Peters

Denke wieder – und seine übergreifenden

Überzeugungen, an denen sich Tausende

kleinerer Entscheidungen orientieren. Seine

Antworten sollten Sie ruhig alle mehr

als einmal lesen und sich danach fragen:

»Wenn ich das glaube, wie wirkt sich das

dann auf meine Entscheidungen in der

nächsten Woche aus? Und in den nächsten

sechs bis zwölf Monaten?«

Was hättest du gern schon vor 20 Jahren

über die Wirtschaft gewusst?

»Wenn ich zwanzig oder fünfundzwanzig

Jahre zurückgehen könnte, dann gern

in dem Wissen, dass man nicht abwarten

muss. Ich ging aufs College, ich studierte

Jura. Ich arbeitete als Jurist und als Banker,

wenn auch nicht sehr lange. Doch erst

mit der Gründung von PayPal wurde mir

so richtig klar, dass man nicht abwarten

muss, um etwas Neues anzufangen. Wenn

Sie also in Ihrem Leben irgendetwas vorhaben

und Ihr Ziel mit einem Zehnjahresplan

erreichen möchten, sollten Sie sich

fragen: Warum geht das nicht in sechs Monaten?

Manchmal ist es tatsächlich nötig,

die ganze, komplexe, zehnjährige Laufbahn

zu durchlaufen. Doch man sollte sich

zumindest gefragt haben, ob das wirklich

so ist – oder ob man sich das nur selbst

vormacht.«

Wie wichtig sind Misserfolge im

Geschäftsleben?

»Ich glaube, Misserfolge werden total

überbewertet. Die meisten Unternehmen

scheitern aus mehr als einem Grund. Geht

eine Firma pleite, kann man daraus oft

gar nichts lernen, weil das Scheitern überdeterminiert

war: Sie denken vielleicht, die

Sache ging aus Grund eins schief, doch in

Wirklichkeit waren es die Gründe eins bis

fünf. Ihr nächstes Unterfangen scheitert

womöglich aus Grund zwei, das übernächste

aus Grund drei und so weiter.

Deshalb meine ich, dass die Menschen aus

Misserfolgen gar nicht so viel lernen. Ich

glaube, sie sind langfristig eher schädlich

und demoralisierend. Für mich ist jeder

Niedergang eines Unternehmens tragisch.

»Der nächste Bill Gates würde

kein Betriebssystem entwickeln,

und der nächste Larry Page

oder Sergey Brin

keine Suchmaschine.

Der nächste Mark Zuckerberg

würde kein soziales

Netzwerk aufbauen.

Wer diese Leute kopiert,

hat nichts von ihnen gelernt.«

Peter Thiel

Ich sehe darin keine ansprechende Ästhetik,

sondern ein Blutbad. Doch so funktioniert

Fortschritt. Ein lehrreicher Imperativ ist das

aber nicht. Ich halte Pleiten daher weder für

darwinistisch noch für einen solchen lehrreichen

Imperativ. Sie sind schlicht und ergreifend

stets eine Tragödie.«

Welche großen Tech-Trends werden

Ihrer Ansicht nach die Zukunft prägen?

»Den Begriff ›Trend‹ höre ich gar nicht

gern, denn sobald ein Trend vorhanden

ist, gehen viele in dieselbe Richtung. Und

sobald viele in dieselbe Richtung gehen,

gibt es viel Konkurrenz und wenig Differenzierung.

Ende der neunziger Jahre hätte

wohl niemand gern den vierten Onlineshop

für Tiernahrung aufgemacht. Und in

den letzten zehn Jahren hätte keiner gern

Peter Thiel

Peter Thiel ist als Unternehmensgründer

ein Serientäter (PayPal, Palantir), als

Investor schon Milliardär (erster externer

Investor in Facebook und über hundert

weitere Unternehmen) und hat als Autor

Zero to One geschrieben. Seine Ausführungen

zu Differenzierung, Wertschöpfung

und Wettbewerb allein haben mir

zu manchen der besten Anlageentscheidungen

meines Lebens verholfen (etwa

bei Uber, Alibaba und anderen).

als zwölfter Anbieter Dünnschicht-Solarmodule

vertrieben. Man möchte nicht das

x-te Unternehmen in einem bestimmten

Trend sein. Trends sollte man meiner Ansicht

nach daher eher meiden. Mir ist ein

gewisses Sendungsbewusstsein viel lieber

als ein Trend. Ich möchte hören, dass Sie

an einer einzigartigen Lösung arbeiten, die

sonst keiner bieten kann.

Als Elon Musk SpaceX gründete, verfolgten

er und sein Team die Mission, zum

Mars zu fliegen. Dieses Leitbild mag Ihnen

zusagen oder nicht, doch SpaceX strebte

eine Lösung für ein Problem an, an dem

sonst keiner arbeitete. Das wussten alle,

die dort arbeiteten, und es motivierte sie

ungeheuer.«

Was sagst du, wenn dir zu deiner Einstellung

zum Studieren Heuchelei unterstellt

wird, weil du ja selbst zwei Abschlüsse

aus Stanford hast? Du hast ja jungen

Menschen 100.000 Dollar angeboten, die

etwas Neues entwickeln wollen, statt im

Hörsaal zu sitzen«.

»Wie ich es sehe, finden die Leute immer

Einwände. Wäre ich nicht in Stanford

gewesen oder hätte nicht Jura studiert,

würden sie sagen, ich wüsste ja gar nicht,

was mir entgangen sei. Irgendwer findet

immer ein Haar in der Suppe. Ich finde

meine Haltung nicht scheinheilig, weil ich

nie behauptet habe, dass ein Weg allein

selig macht. Würde ich sagen, dass keiner

aufs College gehen sollte, dann wäre das

heuchlerisch. Ich habe aber nur gesagt,

dass nicht jeder den gleichen Weg gehen

muss. An einer Gesellschaft kann doch etwas

nicht stimmen, wenn die begabtesten

jungen Leute alle dieselben Eliteunis besuchen

und am Ende alle eines von wenigen

Fächern studieren und eine von wenigen

Laufbahnen einschlagen.

Das ist meiner Ansicht nach eine sehr engstirnige

Herangehensweise an die Frage,

was Menschen mit ihrem Leben anfangen

sollten. Das engt unsere Gesellschaft und

auch die Studenten selbst enorm ein. Das

gilt durchaus auch für mich selbst, wenn

ich auf meine Jahre in Stanford und an der

juristischen Fakultät zurückblicke. Vielleicht

würde ich das wieder so machen.

Doch wenn ich noch einmal vor der Entscheidung

stünde, würde ich mir mehr Gedanken

darüber machen. Ich würde Fragen

stellen wie: Warum mache ich das? Nur,

weil ich gute Noten und Testergebnisse

habe und mir davon ein gewisses Prestige

verspreche? Oder weil ich leidenschaftlich

gern Anwalt werden möchte? Darauf gibt

es meines Erachtens richtige und falsche

Antworten. Und rückblickend war ich mit

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Erfolg

Anfang zwanzig viel zu sehr auf die falschen

Antworten fokussiert.«

Wie sieht deiner Ansicht die Zukunft der

Bildung aus?

»Das Wort ›Bildung‹ mag ich gar nicht,

denn es ist so außerordentlich abstrakt.

Ich spreche viel lieber vom Lernen. Qualifikationsnachweise

oder die Abstraktion

namens ›Bildung‹ beurteile ich sehr skeptisch.

Dann sind da all die granularen Fragen

wie: Was lernen wir eigentlich? Warum

lernen wir es? Geht einer aufs College, weil

er vier Jahre Party feiern will? Ist es eine

Konsumentscheidung? Oder eine Anlageentscheidung,

mit der man in die Zukunft

investiert? Ist es eine Versicherung? Oder

ist es ein Wettbewerb, in dem man andere

schlagen möchte? Und sind Eliteunis wirklich

so eine Art Studio 54, wo es zugeht wie

in einem exklusiven Nachtklub? Ich glaube,

wenn wir von der Bildungsblase wegkommen,

in der wir heute leben, liegt vor

uns eine Zukunft, in der sich Menschen

klarer dazu äußern können.«

Was würdest du an dir am liebsten verändern

oder verbessern?

»Das ist immer schwer zu beantworten,

denn es zieht ja unwillkürlich die Frage nach

sich, warum ich das noch nicht getan habe.

Mit Blick auf meine jüngeren Jahre würde

ich sagen, ich war auf einem ungesunden

Kurs und ungesund wettbewerbsorientiert.

Wer so ist, erreicht auf dem Gebiet, auf dem

er gegen andere antritt, gute Leistungen

– doch auf Kosten vieler anderer Dinge.

Wer ein ehrgeiziger Schachspieler ist, spielt

womöglich irgendwann richtig gut, vernachlässigt

aber andere Entwicklungen,

weil er sich so darauf konzentriert, seine

Gegner zu schlagen, statt etwas Wichtiges

oder Wertvolles zu tun. Starken Konkurrenzkampf

sehe ich, glaube ich, heute viel

bewusster und kritischer. Wir werden dabei

Tim Ferris ist internationaler

Bestseller und hat

mit der Tim Ferris Show

einen der erfolgreichsten

Potcasts der Welt.

Dieses Interview ist ein

Auszug aus

„Tools der Titanen“, FBV

in Rivalitäten verstrickt. Und ich möchte

nicht behaupten, dass ich mich heute davon

vollkommen freigemacht habe. Das ist

daher etwas, worüber ich jeden Tag nachdenken

und mir überlegen sollte: ›Wie

kann ich weniger wettbewerbsorientiert

und dadurch erfolgreicher werden?‹«

Du hast im Bachelor Philosophie studiert.

Was hat das mit der Geschäftswelt

zu tun? Und inwiefern hat dich das

Philosophiestudium bei der Kapitalanlage

und im Beruf weitergebracht?

»Ich bin nicht sicher, wie bedeutsam ein

formelles Philosophiestudium ist, doch

die grundlegende philosophische Frage ist

eine, die für uns alle Bedeutung hat – und

stets dieselbe: ›Was glauben die Menschen

aus rein konventionellen Gründen, und

was ist die Wahrheit?‹ Es herrscht ein

gewisser Konsens darüber, was die Menschen

für wahr halten. Vielleicht trifft die

gängige Meinung ja zu, vielleicht aber auch

nicht. Und wir sollten nie zulassen, dass

eine Konvention an die Stelle der Wahrheit

tritt. Wir müssen uns stets fragen: Stimmt

das? Und darauf zielt grundsätzlich meine

indirekte Frage ab: ›Erzähl mir etwas,

das wahr ist, doch worin nur sehr wenige

Menschen deiner Meinung sind.‹«

3 Fragen von 7

Sieben Fragen empfiehlt Peter allen

Unternehmensgründern. Hier die drei,

die ich mir am häufigsten stelle:

Die Monopolfrage: Fangen Sie mit

einem großen Anteil an einem kleinen

Markt an?

Die Geheimnisfrage: Haben Sie eine

einzigartige Chance entdeckt, die andere

nicht erkennen?

Die Vertriebsfrage: Können Sie Ihr Produkt

nicht nur herstellen, sondern auch

an den Mann bringen?

Bild: Tim Ferris, Bild Thiel: TechCrunch50

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Erfolg

Futter für Macher – Was Manager

nachts am Flughafen essen

Ein stressiger Lebensstil bedeutet oft schlechte Ernährung. Benedikt Fleig hatte die

Nase voll und gründete ein Startup für dieses Problem

Nachts um eins am O’Hare

International Airport in

Chicago. Der Tag war lang

und stressig. Und natürlich:

Am Flughafen hat

kaum noch etwas offen. Ein Burger vielleicht,

aber gesund ist was anderes. Ein

Ernährungsexperte würde wohl eher empfehlen:

Rührei zum Frühstück, frischer

Lachs mit Reis zum Mittag und abends

150g Rinderfilet mit Salatbeilage. Aber die

Realität ist leider doch oft eine andere. Fast

zwei Millionen Kilometer hat Benedikt

Fleig in den letzten fünf Jahren mit dem

Flieger zurückgelegt. Und kennt das Problem

mit der mangelnden Ernährung unterwegs

nur zu gut. „Ich bin Partner einer

internationalen Unternehmensberatung.

Ein Meeting nach dem anderen. Weder im

Besprechungsraum noch unterwegs kann

ich mir einen gesunden Salat zubereiten.

Und 10-Liter-Pulverfässer Protein will ich

auch nicht schleppen. Ich wollte immer

etwas Kleines, Nahrhaftes und natürlich

Leckeres finden, was auf meinen Lebensstil

zugeschnitten ist. Ich bin kein Bodybuilder,

daher kamen auch die klassischen

Energieriegel nicht in Frage. Irgendwann

hatte ich die Nase voll“, sagt Fleig.

Wie in so vielen Erfolgsgeschichten begann

es auch bei Fleig mit einem beherzten

„dann mache ich es eben selbst“.

Er gründete zusammen mit einem Anwalt

und einem Unternehmer – die ebenfalls

etwas suchten – das Startup „Macher“,

das sich um das Ernährungsproblem von

Managern kümmern sollte. Was schnell

klar wurde: Es sollte schwierig werden,

die hohen Erwartungen von Fleig zu erfüllen.

„Ich habe schon von meiner Mutter

gelernt, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung

ist. Daher sollten unsere Snack-

Produkte hochwertig sein. Kein Aspartam

zur Süßung, keine genmanipulierte Molke,

Macher-Gründer

Benedikt Fleig

keine künstlichen Farbstoffe, vorwiegend

deutsche Qualitätsproduktion. Sie sollten

in gewissem Maße „gesund“, praktisch

verpackt und natürlich lecker sein. Genuss

gehört für mich zum Essen dazu.“ Fleig

war nicht bereit, Abstriche zu machen,

sondern wollte das Optimum bekommen

für seine Kunden.

Dabei herausgekommen ist ein perfekter

Mahlzeitenersatz in Form von Shakes und

Riegeln, die unter der „Macher“-Flagge

angeboten werden.. Top-Seller ist ein Riegel,

der gleichzeitig ein bisschen Sünde

ist. Vanille-Karamell-Protein-Kern, dicke

Erdnussschicht und überzogen mit weißer

Schokolade bei nur 350 Kcal. Der Kommentar

eines Managers: „Es macht mich

richtig glücklich, wenn ich den unterwegs

esse und für die nächsten 6 Stunden bin

ich perfekt satt.“ Neben Glücksgefühlen

haben die Produkte des Startups aber

noch andere Nebeneffekte. Im Gegensatz

zu Kohlenhydraten werden Proteine nicht

als Fett eingelagert.

„Macher“ ist im Sommer 2016 gestartet

und versammelt bereits eine riesige

Fangemeinde hinter sich. Mit Produkten

wie dem Green Smoothie, Soja-Protein-

Shakes, einem besonders verträglichen

Reisprotein, Molke-Proteine in verschiedenen

Geschmacksrichtungen - dazu passendes

Equipement für Unterwegs – und

den Riegeln, hat „Macher“ genau das

Richtige für Macher entwickelt.

Und typisch Manager: Fleig und seine

Kollegen verbessern die Palette stetig. Und

zwar im direkten Austausch mit den Kunden.

So wurden schon gesunde Kekse und

Pralinen getestet. „Wir wollen perfekt angepasst

an den Bedarf unserer anspruchsvollen

Kunden produzieren. Weil wir immer

viel Wert auf die Details gelegt haben,

haben wir aus unserer Sicht passende Produkte

und zufriedene Kunden“, sagt Fleig.

Na dann, guten Appetit.

Alle Produkte sind im Onlineshop erhältlich:

www.macher-performance.de

Bild: Macher

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Erfolg

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Erfolg

Jetzt rief der junge Mann jeden Tag beim

obersten Chef der Werbeagentur an. Drei

bis viermal pro Tag. Irgendwann war die

Sekretärin so genervt, dass sie ihren Chef

überredete, mit dem Anrufer zu sprechen.

Der junge Mann schaffte es tatsächlich einen

persönlichen Termin mit dem Chef

zu vereinbaren. Doch auch bei diesem

persönlichen Treffen auf Entscheiderebene

wurde seine Anfrage abgelehnt. Die

Reaktion des Unternehmers: Die gleiche

Taktik, die ihm auch auch seinen Job bei

der Videospielefirma vor ein paar Jahren

eingebracht hatte: Er weigerte sich zu gehen.

Zusammenarbeit oder Polizei.

Der Werber stimmte einer Zusammenarbeit

zu. Happy End? Oh nein, jetzt

brauchte der Unternehmer noch das Geld

für die teure Werbeaktion. Er suchte sich

einen Investor. Der wollte ihm aber nur

dann das Kapital zur Verfügung stellen,

wenn der Unternehmer einen richtigen

MarketingProfi in seinem Unternehmen

beschäftigt. Nur wen?

Nun rief der junge Mann seinen Kapitalgeber

jeden Tag drei bis viermal an, bis ihm

dieser den Kontakt zu drei passenden Kansteve

jobs

eine lektion in

hartnäckigkeit

haben da diesen

merkwürdigen Typen.

Er sagt, er geht nicht,

bevor wir ihm einen

Job geben. Also müssen

wir entweder die Polizei rufen oder

„Wir

ihn wohl oder übel einstellen,“ sagt der

Personalchef eines Unternehmens, das Videospiele

entwickelt, über einen Bewerber.

Er wird eingestellt.

Ein junger Mann benötigt einen Kredit für

das weitere Wachstum seines Unternehmens.

Ein Investor ist bereit darüber nachzudenken

und möchte noch eine Referenz

einholen. Jeder weniger entschlossene

Mensch hätte gesagt: „In Ordnung, ich

frage dann in ein paar Tagen noch einmal

nach“ und wäre gegangen. Der Unternehmer

aber weigerte sich, das Büro zu verlassen,

ehe der Investor den Anruf getätigt

hatte. Er erhielt den Kredit.

Ein Unternehmer war beeindruckt von

der Werbekampagne eines Wettbewerbers.

So etwas wollte er auch. Also kontaktierte

er den Chef der verantwortlichen Werbeagentur.

Der verwies ihn dann aber sofort

an den zuständigen Sachbearbeiter für das

Neugeschäft. Der erklärte dem Anrufer,

dass sein Unternehmen viel zu kein sei

und er sich die Agenturhonorare überhaupt

nicht leisten könne. Seine Anfrage

wurde abgelehnt.

Der Unternehmer akzeptiere das „Nein“

des Sachbearbeiters nicht und rief jeden

Tag bei ihm an, bis dieser sich bereit erklärte,

sich das Unternehmen persönlich

anzuschauen. „Als ich zu dieser Garage

hinüber fuhr, dachte ich bei mir: Heiliger

Himmel, was mag das bloß für ein Typ

sein? Wie stelle ich es wohl an, so wenig

Zeit wie möglich mit diesem Clown zu verbringen,

dabei nicht ausfallend zu werden

und dann auf dem schnellsten Weg wieder

zu einträglicheren Dingen zurückzukehren“

waren die Gedanken des Sachbearbeiters.

Die Anfrage des Unternehmers wurde

wieder abgelehnt.

Bild: flickr, Charlie Wollborg, CC BY-SA 2.0 Ausschnitt, Bilder Kreuter: Kreuter

Dirk Kreuter

ist vielfach ausgezeichneter Redner und hat als

Autor schon über 50 Bücher, Hörbücher und

DVDs produziert.

didaten gab. Er stellte den richtigen MarketingMann

ein und erhielt das Kapital für

seine Werbeaktion.

Dieses Verhaltensmuster zieht sich durch

die Biografie dieses Mannes. Lesen Sie seine

Geschichte. Für mich ist sie sehr inspirierend!

Doch ich lese seine Story durch

die Verkäuferbrille und entdecke dann diese

Anekdoten in seiner Vita. Nun fragen

Sie sich, wer dieser Verkäufer ist? Und... ja!

Er ist ein VollblutVerkäufer! Die Geschichte

handelt von Steve Jobs und Apple Computer

in den Jahren 1974 bis 1977.

Die älteren Leser unter uns verbinden mit

Jobs den Erfinder des Macintosh. Die Jüngeren

denken an iPod, iPhone und iPad.

Alle denken an einen Kreativen, an einen

Visionär. Ich denke an einen sensationellen

Verkäufer!

Fazit: Wie hartnäckig sind Sie als Verkäufer?

Wie sehr wollen Sie den Erfolg wirklich?

Bleiben Sie an Ihren Zielen und Kunden

wirklich dran? Ohne den Verkäufer

Steve Jobs gäbe es Apple heute nicht. Und

es wäre nicht das wertvollste Unternehmen

auf diesem Planeten. Steve sagt: „Stay

hungry, stay foolish.“

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Leben Erfolg

Bild: Depositphotos, NadaK2Via Negativa

Die Kunst des Weglassens

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Erfolg

Seien wir ehrlich. Jeder strebt auf

irgendeine Weise nach Glück,

Ruhm und Erfolg. Manche

Menschen insgeheim, andere

ganz offensichtlich. Doch was

ist eigentlich der Schlüssel zum Erfolg?

Was macht mich, mein Produkt, meine

Company, meine Marke erstklassig? Und

vor allem: Wie werde ich zum absoluten

Spitzenreiter? Die Antwort ist so simpel

wie erhellend. Und, die Antwort ist die

Grundlage aller Erfolgsstorys:

Lassen Sie erst mal alles weg, was Sie

nicht zum Erfolg führt.

Streichen Sie alle Dinge, die Sie nicht brauchen.

Sie denken, dass ist banal und einfach?

Ist es aber nicht. Das wussten schon

die großen Meister: Michelangelo wurde

bei der Enthüllung seiner Davidstatue

1504 gefragt: Wie hast du es geschafft, aus

einem Marmorblock dieses Kunstwerk

zu meißeln? Seine überlieferte Antwort:

„Ich habe alles, was nicht zu David gehört,

weggelassen, also weggeschlagen.“ Ähnlich

sah das auch Mark Twain. Über seine

Schriftstellerkunst sagte er: „Schreiben ist

leicht. Man muss nur die falschen Wörter

weglassen.“ Recht hatte er. Denken Sie immer

noch „banal und einfach“?

Doch Achtung: Weglassen ist schwerer

als ergänzen

Sie lesen einen guten Artikel, besuchen einen

Kongress, sprechen mit einem High-

Performer oder bekommen sonst wie gute

Ideen und Impulse. Was machen Sie? Die

besten Ideen in Ihr Leben, in Ihren Alltag

zu integrieren. Soweit so gut.

Doch wir sind ja eh schon alle „Land unter“.

Machen eher zu viel als zu wenig. Tanzen

auf zu vielen Hochzeiten, verzetteln

uns. Das kann nicht gut gehen. Oft ist es

nur blinder Aktionismus und der innere

Hamster im Laufrad, der sagt: Leg‘ noch

eine Schippe drauf!

STOPP: Das muss nicht sein!

Es geht auch anders!

Weg mit dem Ballast. Das ist der Knackpunkt.

Obwohl wir alle wissen „Wer aufsteigen

will, muss Ballast abwerfen“, fällt

es uns so schwer. Obwohl wir alle wissen

„weniger ist mehr“, wollen wir stets noch

dies, das und jenes dazunehmen, statt erst

mal im konstruktiven Sinne das Unnötige

wegzulassen.

»Schreiben ist

leicht. Man muss

nur die falschen

Wörter

weglassen.«

Mark Twain

Roger Rankel

ist der Rockstar unter den Marketingexperten.

Seine Bücher werden

Bestseller, seine Unternehmensgründungen

schreiben Erfolgsgeschichten

mit seiner mehrfach

ausgezeichneten Methode der

Kundengewinnung.

Genau das trennt die Spreu vom Weizen.

Den Erfolgsmenschen von der Arbeitsbiene.

„Via Negativa“ – die Kunst des

Weglassens. Bedeutet für Sie: Radikale

Inventur.

In der Natur wäre es der regelmäßige

Häutungsprozess

Nehmen Sie sich dafür die Zeit. Prüfen Sie

Ihre täglichen Aufgaben. Drehen Sie jeden

Stein um. Hinterfragen Sie Ihre Routine:

„Muss das wirklich sein?“ Entrümpeln Sie

Ihr Handlungsfeld. Lassen Sie alles fallen,

das Sie aufhält. So schwer es ist, liebgewonnene

Gewohnheiten noch die nächsten zehn

Jahre zu machen. Auch wenn sie schon längst

nichts mehr bringen. Also, sind Sie mit sich

selbst gnadenlos, rigoros! Geben Sie auf und

lassen konsequent alles weg, was nicht zum

Erfolg führt. Es lohnt sich!

Das ist das größte und wichtigste

Geheimnis der Big Player

Schauen wir uns moderne Erfolgsstorys

an. Mark Zuckerberg. Sie ahnen was? Er

startete mit einer einzigen Idee. Ein digitales

Jahrbuch. Und blieb dabei. Die ersten

Jahre von „the facebook“ standen unter

einer klaren Devise: Keine Ablenkung!

Spot auf das Produkt. Ohne Anzeigen.

Keine Nutzerbeiträge. Purer Dateninhalt.

Sogar den Namen verschlankte er schließlich

– „facebook“. Klare Ansage, cleanes

Logo, schlichtes Design. Und der Laden

brummt.

Die Kraft der kreativen Zerstörung

Denken Sie an Steve Jobs und das Apple-

Unternehmen. Alle Produkte konzentrieren

sich aufs Wesentliche: Bedienung &

Design. Die Marke ist absoluter Entschlackungsprofi.

Das ist ihr Erfolgsrezept. Und

macht sie zum Vorreiter. Jobs Präsentationen

in Jeans und Rollkragenpulli rückten

Neuheiten zusätzlich in Szene. Und schon

bemerkt? Auch Zuckerberg tritt als Person

mit einem dezenten Stil zu jeder Zeit hinter

sein Produkt zurück.

Das ist deren Definition von „Via

Negativa“. Was ist Ihre?

Nun. Nutzen Sie diese Erkenntnis und

überlegen erst konsequent, was Sie weglassen

können. Im zweiten Schritt treiben

Sie voran, was Sie zum gewünschten Erfolg

führt. Machen Sie aus dem Weniger mehr.

Endkonsequent!

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Erfolg

Gründergeist und

Christian Lindner

Rückkehr der FDP mit 20 %?

Bild:FDP

Herr Lindner, die FDP war

fast immer eine Nischenpartei,

bei der letzten Bundestagswahl

sind sie dann

sogar untergegangen. Sie

brauchen doch jetzt diesen Gründergeist

par excellence. Ein Comeback mit 20 Prozent,

das wäre doch mal was.

Gründergeist ist das richtige Stichwort.

Für uns ist Freiheit wichtiger als Gleichheit

und das sieht nicht jeder so. So what? Es ist

in der Demokratie ja auch notwendig, dass

es Unterschiede gibt. Gründergeist zum

einen, weil wir selbst ja eine Art Start-Up

sind. Die FDP hat sich neu erfunden, mit

klassischen Werten, aber eben doch neuen

Methoden. Wir haben auch die Dosis an

Liberalität im Programm erhöht, Bildung

ganz vorne als wichtigste Voraussetzung

für ein selbstbestimmtes Leben. Zudem

Erneuerung der Marktwirtschaft mit weniger

Bürokratie für den Mittelstand, jedoch

mit klaren Regeln für Banken und Silicon-

Valley-Unternehmen. Unser Gründergeist

steht auch dafür, dass wir denen, die etwas

eigenes gründen möchten, die Hürden aus

dem Weg räumen wollen.

Warum sind die etablierten Parteien so

zögerlich und leise, ihre Programme zu

verkaufen?

Ich bin überhaupt nicht zögerlich und leise.

Ich halte es für falsch, dass wir in Deutschland

eine Erbschaftssteuer bekommen, wie

die große Koalition sie vorschlägt. Diese

führt dazu, dass ein Milliardär mit Betriebsvermögen

überhaupt keine Steuern

zahlt, aber enorm bürokratisch belastet

wird. Hier ist mein Deal: Du zahlst 10 Prozent

auf die Erbschaft, hast aber dafür keinerlei

Bürokratie. Sie können handeln und

sich auf andere Zeiten einstellen. Gleichzeitig

gibt es keine Privilegien mehr für

den, der privat ein Haus vererbt oder ein

Unternehmen eine Generation weitergibt.

Wo ist das Problem mit klaren Positionen?

Ich habe keins.

Die FDP will den Bildungsföderalismus

in Deutschland reformieren. In 16 Ländern

muss jedes Mal das Rad der Bildungspolitik

neu erfunden werden. Die Wahl ist

doch, dass Deutschland im Wettbewerb

zu Nordamerika und China steht. Wir

brauchen mehr Mobilität, mehr Vergleichbarkeit

und auch den Bund mit seinen finanziellen

Möglichkeiten, um Bildung zu

modernisieren, dass digitale Lernmethoden

endlich in den Schulen ankommen.

Nicht nur in den privaten, auch in den öffentlichen

Schulen.

Haben Sie denn noch irgendwas für die

Gründer, für die Unternehmer?

Ein bürokratiefreies erstes Jahr für die

Gründer und generell eine Reduktion.

Fragen Sie doch mal Gründer, ob sie damit

zufrieden sind, dass sie Umsatzsteuervoranmeldungen

machen müssen, obwohl

sie noch gar nicht am Markt sind.

Nein, generell ist das Problem Bürokratie

in Deutschland eine Gefahr für unseren

Wohlstand. Warum nicht mal anders herum

denken? Konkret: Wir schaffen das

deutsche Arbeitszeitgesetz ab und übernehmen

die europäische Regelung. Unser

deutsches Arbeitszeitgesetz sagt ja,

dass ein Arbeitnehmer nur acht Stunden

am Stück arbeiten darf und dann

muss er 11 Stunden warten, bis der

nächste Arbeitstag beginnt. Warum

gehen wir nicht auf eine Wochenarbeitszeit,

wie die europäische Richtlinie sie vorsieht?

Dann können die Beschäftigten selber entscheiden,

ob sie vielleicht einmal 14 Stunden

ranklotzen und dafür am nächsten Tag

ganz frei machen oder nur am Nachmittag

arbeiten. Also mehr Freiheit, insbesondere

Freiheit von lästiger Bürokratie.

22 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Erfolg

Muss ein Politiker 100 Prozent transparent

sein?

Nein. Ich bin es nicht und ich will es auch

nicht. Ein Politiker darf auch Fehler haben.

Ein Politiker darf Fehler machen, private

Leidenschaften und Privatsphäre haben.

Aber wenn Sie jetzt als Vertreter Ihrer

Wähler, einen Fehler machen und

diesen vertuschen oder transparent

damit umgehen, das ist schon ein Unterschied.

Ja, wenn Sie das unter Transparenz zu verstehen,

klar. Aber wenn Transparenz heißt,

dass man keine Privatsphäre mehr hat,

dann würde ich davor warnen. Auch Politiker

haben ein Recht darauf, nicht alles

geht die Öffentlichkeit etwas an.

Was für Menschen werden überhaupt

Politiker?

Ich kann mit der Verallgemeinerung „die

Politiker“ nicht viel anfangen, aber ich kann

Ihnen sagen, wie es bei mir war. Mit 18

wollte ich zu Hause ausziehen, mein eigenes

Auto haben und ich wollte bei niemandem

Danke dafür sagen, dass er es bezahlt,

sondern das Geld selbst verdienen. Deshalb

habe ich ein Gewerbe angemeldet. Das war

mein Lebensgefühl, diese Freude darauf,

auf eigenen Beinen zu stehen. Und weil ich

mich politisch engagieren wollte, war ich

Schulsprecher meiner Schule. Bei übergeordneten

Fragen ist man sofort in der Kommunal-

oder Landespolitik. Da habe ich mir

die Parteien angeschaut und zu meinem

Lebensgefühl, also anpacken, Neugier auf

die Zukunft, zu diesem Lebensgefühl passte

nur die FDP. Und weil ich dieses Lebensgefühl

schätze, möchte ich es auch für viele

Menschen verteidigen, die es teilen. Wir

leben in einer Zeit, in der die Politik oder

die Regierung den einzelnen doch zu oft

bürokratisieren, bevormunden, bespitzeln

und vor allen Dingen abkassieren will. Das

kostet uns sehr viele Freiheiten, sehr viele

Möglichkeiten, das eigene Leben selbstbestimmt

zu führen.

Sie sind ja auch nur ein Mensch wie jeder

andere auch. Was ist denn das Nervigste

am Politikerdasein?

Das Nervigste ist so eine Situation, wie ich

sie neulich in Höxter bei einer Rede hatte.

Da waren 600 Leute, zu denen ich gesprochen

habe, Rekord-Besucherzahl bei

diesem Wirtschaftstag. Heute war man

offensichtlich neugierig auf die Position

der FDP. Es gab auch guten Zuspruch und

dann bin ich auf dem Weg aus dem Saal

heraus von mindestens einem Dutzend

Leuten angesprochen worden. Der Tenor

war: Was Sie gesagt haben, war gut, warum

sagen Sie das nicht auch einmal öffentlich?

Sie hätten das Gefühl,

wir würden

schweigen und sind

deshalb nicht so oft

im Fernsehen. Leider

ist es so, dass

die uns die parlamentarische

Bühne

Bundestag fehlt,

deshalb sind wir nicht so oft im Fernsehen.

Wir müssen immer wieder erklären, dass

wir uns nicht zurückhalten, nicht schweigen,

sondern dass so

vielleicht die Regeln

des Spiels in der Mediendemokratie

sind,

dass man nicht so oft

im Fernsehen zum

Zuge kommt. Ich

Freiheit

glaube, das ist kaum

zu kompensieren.

Das zerrt im Moment an meinen Nerven.

Was war es, was die Leute an Ihrer Rede

toll fanden?

Glasklare marktwirtschaftliche Positionen.

Einsatz für individuelle Freiheit.

Das gibt es heute in der Form nicht mehr.

Die Politik von Ludwig Erhard hätte im

Deutschen Bundestag noch nicht einmal

mehr auf dem CDU-Bundesparteitag

eine Mehrheit und trotzdem gibt es Leute,

die gerne Positionen hören wie, dass

Kaisers, Tengelmann

und Edeka

nicht fusionieren

sollten, weil das

den Wettbewerb

im Lebensmittelbereich

einschränkt.

Leute

hören gerne Positionen,

dass Banken

auf Kosten

von Eigentümern

und Gläubigern

abgewickelt werden

müssen, wenn

sei scheitern und

nicht auf Kosten

des Steuerzahlers.

Die Leute hören

gerne, dass man

sagt, wir können zeitweilig Hilfskredite

in Europa geben, aber das Ziel muss

wieder die finanzpolitische Eigenständigkeit

sein. Die Leute sind die Bürokratie

leid und freuen sich, dass es eine

Partei gibt, die ihnen vertraut, dass sie in

eigener Verantwortung Dinge klug und

vielleicht sogar besser regeln können als

Regierungen.

Was ist Ihre langfristige Vision?

Wir wollen wieder eine starke, respektierte,

auch parlamentarische Kraft werden. Und

»Für uns ist

Freiheit wichtiger

als Gleichheit«

damit auch

das politische

Gespräch in

Deutschland

bereichern.

Ich bin der

M e i n u n g ,

dass selbst

diejenigen,

die nicht alles, was wir sagen, teilen, ein Interesse

daran haben müssten, dass die FDP

wieder in Parlamenten vertreten ist, weil es

ja gar keine wirksame Opposition gibt.

Was ist Ihr Elevator Pitch? Was ist die

langfristige Vision, wenn Sie mit Ihren

Mitarbeitern über die nächsten fünf Jahre

sprechen?

Um ihr Bild aufzunehmen ist beim

Elevator Pitch ja zunächst mal eine Frage:

Was ist das Produkt? Das Produkt ist Politik,

die den einzelnen groß macht, durch

beste Bildung, moderne, digitale Bildung

ohne Reibungsverluste des Föderalismus,

mehr Autonomie in der einzelnen Schule

und auf der anderen Seite Schutz vor

Bevormundung, Bespitzelung, Bürokratisierung,

Abkassieren. Also den einzelnen

groß machen. Klare Marktregeln, das

Wettbewerbsprinzip ist unangenehm für

den Anbieter. Für den Verbraucher ist es

großartig. Das muss geschützt werden indem

wir uns zum Beispiel auch mit den

Christian Lindner, FDP Bundesvorsitzender, im Gespräch mit

Verleger Julien Backhaus.

Googles, Apples, Amazons, Starbucks und

Ikeas dieser Welt beschäftigen. Also die

klassisch liberale Position, an der muss

man nichts ändern, das ist ein attraktives

Produkt.

Vielen Dank, Herr Lindner.

Bild: Ismail Gök

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

23


Erfolg

Bild: Ken Ship Doe, Zitelmann: Privat, Cover: Redline-Verlag

Bill Gates ist in mancher Hinsicht

das genaue Gegenteil

dessen, was in der Managementliteratur

propagiert

wird. Er war dafür bekannt,

den Mitarbeitern (die oftmals bis spät in

die Nacht arbeiteten) mitten in der Nacht

Mails zu schicken, die beispielsweise so

begannen: „Das ist aber das blödeste Stück

Code, das mir je unter die Augen gekommen

ist.“ Die Mitarbeiter sprachen von

„Flammenpost“ – seine Botschaften waren

„oft grob und sarkastisch“.

Schon vor der Gründung von Microsoft

war er für seine Tobsuchtsanfälle bekannt,

so heißt es in seiner Biografie. Als er noch

mit dem Unternehmen MITS zusammenarbeitete,

so erinnert sich dessen Chef, gab

es ständig Szenen wie etwa diese: „Er kam

in mein Büro und schrie aus Leibeskräften,

dass ihm seine Software rechts und links

nur geklaut und dass er selbst nie was dran

verdienen würde und dass er keinen Finger

mehr krumm machen würde, wenn

ich ihm nicht ab sofort ein festes Gehalt

zahlte.“

So wie viele Chefs war Gates sehr ungeduldig,

und dies formulierte er oftmals so, dass

es von anderen als verletzend empfunden

werden musste. Ein ehemaliger Microsoft-

Manager erinnert sich, dass Gates gleich

während seiner ersten Woche zu ihm ins

Büro gestürzt gekommen sei und ihn angeschrien

habe: „Wie können Sie bloß so

lange für diesen Vertrag brauchen? Machen

Sie ihn endlich fertig!“ In Diskussionen, so

berichten seine Biografen, „setzte er seine

überlegene Intelligenz wie eine Schlagwaffe

ein. Er konnte grob und sarkastisch, ja

beleidigend sein, wenn er seine Meinung

durchsetzen wollte ... Hatte er dann den

Finger auf einen solchen wunden Punkt

gelegt, ließ er es nicht dabei bewenden, sondern

machte seinen Gesprächspartner verbal

fertig.“ Gates, so berichten sie, schaukelte

oft in seinem Stuhl hin und her, starrte

dabei ins Leere, als ob er mit seinen Gedanken

woanders sei. „Dann plötzlich, wenn

er etwas hörte, das ihm nicht passte oder

das ihn ärgerte, hörte er auf zu schaukeln,

setzte sich gerade hin und wurde sichtlich

wütend, wobei er manchmal seinen Bleistift

hinwarf. Um seinen Worten Nachdruck

zu verleihen, schrie er und schlug mit der

Faust auf den Tisch.“

Ein Produktmanager von Microsoft erinnert

sich: „Er tyrannisierte die Leute.

Wenn man einen Menschen mit seiner

intellektuellen Überlegenheit plattmacht,

hat man die Schlacht noch lange nicht

gewonnen, aber das wusste er nicht.“

Als ihm eine Führungskraft erklärte, er

könne nicht gleichzeitig ein Projekt managen

und den Code dafür schreiben,

explodierte Gates, haute mit der Faust auf

den Tisch und schrie aus Leibeskräften.

Eine Mitarbeiterin berichtet, Gates habe

ständig eine aggressive Grundhaltung ge-

»(Bill Gates)

kam in mein

Büro und

schrie aus

Leibeskräften

. . .«

Auszug aus dem

Buch „Setze dir

größere Ziele“

Bill Gates:

Sein wahrer

Führungsstil

24 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Erfolg

habt. „Ich habe ihn immer erst mal schreien

lassen, so lange er wollte, und wenn er

dann aufhörte, haben wir geredet. Gelegentlich

schickte er mir wütende E-Mails.“

Schwer hatten es auch die Assistentinnen

bei Bill Gates, er behandelte sie „oft mit

verletzender Herablassung, wenn er sie

nicht gerade anblaffte, was auf alle, die sich

nicht an die bei Microsoft herrschende

Streitkultur gewöhnt hatten, befremdlich

wirkte“. Eine Mitarbeiterin erinnert sich,

alle wären „immer richtig erleichtert (gewesen),

wenn Bill außerhalb zu tun hatte“.

Gates hatte einen eigenartigen Humor. Ein

Besucher von Microsoft erinnert sich: „Wir

verließen das Gebäude gegen acht Uhr

abends, als auch ein Programmierer gerade

ging. Er sagte: ‚Hey, Bill, ich bin zwölf

Stunden hier gewesen.‘ Bill sah ihn an und

sagte: ‚Aha, also wieder Halbtagsarbeit,

was?‘ Es war komisch, aber man merkte,

dass er es halb ernst meinte.“

Obwohl es also nicht immer einfach war,

mit Gates auszukommen, schätzten es

seine Mitarbeiter, dass man bei ihm stets

wusste, woran man war. Ein Mitarbeiter

berichtet: „Viele Leute sind mit ihren

Jobs unzufrieden, weil sie kein Feedback

Dr. Dr. Rainer Zitelmann

ist ein erfolgreicher Immobilieninvestor und

mehrfacher Buchautor.

kriegen. Da gab’s bei Microsoft keine Probleme.

Man wusste immer genau, was Bill

von der Arbeit hielt, die man machte.“

Und selbstverständlich sind die Berichte

über die cholerischen Ausbrüche von

Gates nur die eine Seite der Medaille. Auf

der anderen Seite verstand er es wie kaum

ein anderer Unternehmer, seine Mitarbeiter

für ein gemeinsames Ziel zu begeistern

und zu motivieren. Kein Mensch kann nur

mit Druck Spitzenleistungen bei seinen

Mitarbeitern erzeugen. Bill Gates, auch

wenn er für seine oftmals aggressive Haltung

bekannt war, verstand es ebenso sehr,

Mitarbeiter anzuspornen, gab ihnen einen

großen Freiraum zur Entwicklung ihrer

Kreativität und erzeugte eine inspirierende

Arbeitsatmosphäre, einen Pioniergeist

und eine Aufbruchsstimmung bei Microsoft,

die auf viele intelligente und ambitionierte

junge Menschen äußerst anziehend

wirkte.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

25


Erfolg

Gegen Worte

kann man sich

wehren, nicht

aber gegen die

persönliche

Ausstrahlung!

Barbara Schöneberger, Barack

Obama, Joachim Gauck und

Helene Fischer: Sie alle haben

es – das gewisse Etwas. Sie

alle sind faszinierende Persönlichkeiten.

Charismatische Menschen

verzaubern uns, und das liegt nicht daran,

dass sie klüger wären oder bessere Argumente

hätten! Charismatische Menschen

überzeugen eben nicht nur mit wohlgesetzten

Worten, sondern vor allem mit ihrer

Persönlichkeit, mit ihrer Ausstrahlung:

Charisma lebt vom Vergleich mit anderen.

Wenn Sie die Wahl zwischen zwei Kandidaten

haben, dann wählen Sie immer die

charismatischere Person.

schen ein Versprechen. Das Versprechen,

das die Zukunft für alle besser wird, wenn

man nur bereit ist, sie zu unterstützen und

ihnen zu folgen. Sich der ansteckenden

Lebensfreude dieser Menschen zu entziehen

ist fast unmöglich. Schlechte Laune

und Herumgejammere sind daher echte

Charisma-Killer. Zuversichtlich, zukunftsorientiert

und leidenschaftlich bei dem,

was Sie tun – in den Situationen, die wirklich

wichtig sind –, das hilft, damit Sie auch

von innen strahlen können.

Ein Mensch mit einem starken positiven

Charisma reagiert nicht aggressiv, sondern

behält in allen Lebenslagen die Fassung. Er

versteht es, Menschen durch Lebensfreude,

Ruhe und Humor ein starkes Gefühl

von Sicherheit zu vermitteln.

Hektik und Nervosität sind große Feinde

von Charisma. Deshalb sind Gelassenheit

und der Ausdruck innerer Ruhe unverzichtbare

Grundvoraussetzungen

für eine gewinnende

Ausstrahlung. Ein hektischer

Mensch mag sehr unterhaltsam

sein, doch wirklich charismatisch

ist so ein Mensch nicht.

Bekanntheit und der Glanz großer Namen

können ebenso eine Quelle für Charisma

sein wie das Amt, die Position oder ein

Titel. Darüber hinaus beeindrucken uns

bewiesene Leistungen und Ausdauer ganz

automatisch. Alles Einflussquellen, die neben

der persönlichen Ausstrahlung einer

faszinierenden Vision das gewisse Etwas

verleihen. Ein kluger Kopf wird all diese

Quellen nutzen, um sich unvergesslich

zu machen, schließlich ist Charisma eine

machtvolle Eigenschaft, die Türen und

Herzen öffnet.

Charisma zu besitzen bedeutet jedoch

nicht, dass alle Menschen einen bewundern,

sondern vielmehr den Mut zu haben,

anders zu sein und zu polarisieren.

Charismatische Menschen sind begeistert

von einer ldee und schenken den Men-

Dr. Claudia E. Enkelmann

aus Königstein/Taunus ist Autorin, Trainerin

und Expertin für Charisma, Selbstvertrauen

und Erfolg.

Entscheidend ist, zu begreifen,

dass jeder Mensch sein persönliches

Charisma stärken kann.

Charisma ist kein Zufall! Es ist

keine angeborene Gabe – Charisma speist

sich aus einer unaufdringlichen Begeisterungsfähigkeit

kombiniert mit ganz speziellen

Eigenschaften, die sich erlernen und

trainieren lassen!

Ihr einzigartiges Charisma zu entwickeln

macht glücklich! Plötzlich bekommen Sie

von den Menschen ein positiveres Echo

und man traut Ihnen immer mehr zu. Man

übersieht Sie nicht mehr und Sie werden

unvergesslich. Vor allem aber ist Charisma

ein Karriereturbo, der Ihnen Chancen eröffnet,

die Herzen der Menschen im Sturm

zu erobern und die Welt positiv zu beeinflussen.

Charisma

26 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Erfolg

Barbara Schöneberger,

eine Frau mit Charisma

Tipps für mehr

Charisma

Charismatische Menschen wissen,

wie wichtig die persönliche Begegnung

ist. Sie tragen das leise

Lächeln eines Siegers (nicht zu

verwechseln mit einem Dauergrinsen),

schenken dem Gegenüber

einen längeren, wohlwollenden

Blick, besitzen ein unglaubliches

Namensgedächtnis und sind sehr

interessierte Zuhörer. Sie haben

keine Angst andere Menschen

um Hilfe zu bitten, zu loben oder

gar zu ermutigen. Charismatische

Menschen versuchen nicht perfekt

zu sein, sondern lassen ihr

Gegenüber glänzen. Bei all ihrer

öffentlichen Präsenz sind sie in der

persönlichen Begegnung unglaublich

warmherzig und doch entblößen

sie nie all ihre Gedanken und

Gefühle. Charismatische Menschen

haben einfach eine wunderbare

„anti-depressive“ Wirkung auf uns!

Bild: Enkelmann, Cover: Linde

gewinnt!

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

27


Story

Bereits seit einigen Jahrzehnten

blickt Deutschland auf eine

Historie aus vielen erfolgreichen

Einzelhandelsunternehmen

wie Aldi, Lidl, Tengelmann,

Rewe, Otto, dm oder Rossmann

zurück Firmendynastien, hinter denen

erfolgreiche Unternehmer stecken, die das

Antlitz der deutschen Wirtschaft prägten,

den Aufschwung der Bundesrepublik begleiteten,

sich aber trotzdem mit dem digitalen

Geschäft nach wie vor schwertun.

Wie kommt es, dass drei Brüder aus Köln

all diesen Superreichen, diesen Urgesteinen

des Handels, vormachen, wie das Verkaufen

zur Zeit des Internets funktioniert?

Denn die Samwers mauserten sich als Macher

hinter Deutschlands erfolgreichstem

ECommerceUnternehmen Zalando zu

waschechten Händlern und passen inzwischen

in diese Reihe prominenter Einzelhändler.

Sie sind es, die mittlerweile die

Zukunft des Handels gestalten und damit

zu einer Art »AldiBrüder der Gegenwart«

avancieren.

Mit Zalando erbrachten sie den Beweis,

dass sie zu den ersten deutschen Unternehmern

zählen, die auch mit den veränderten

Marktmechanismen des Internets

in der Lage sind, einen relevanten Einzelhandel

zu etablieren. Alexander, Marc und

Oliver Samwer sind nichts Geringeres als

die ersten relevanten Gründerpersönlichkeiten

seit der Entstehung von SAP.

Sie gehören in eine Reihe erfolgreicher Unternehmerdynastien,

zu denen Konzerne

wie die OttoGruppe, der SpringerVerlag,

das Familienunternehmen Tengelmann,

das AlbrechtImperium, der SiemensKonzern

oder eben SAP und einige andere

zählen.

Und dabei haben sie nicht nur im Technologiesegment

Erfolg, sie treten gleichzeitig

das Erbe erfolgreicher Händlerdynastien

an. Der Themenkomplex Samwer

ist durch deren unternehmerische Vision

und die damit verbundene inhaltliche Brisanz

nicht nur spannend und kontrovers,

sondern auch mysteriös.

Paten Die

Zalando, Jamba, Groupon: wie die Samwer

Gleichzeitig sind

die Samwers der

breiten Bevölkerung

bisher kaum

bekannt, obwohl

ein Großteil der

Bundesbürger bereits

Kontakt mit

ihren Produkten hatte.

Immer wieder ist in den Medien zu hören,

dass die Deutschen, sonst das Volk der

Dichter und Denker, im Internet und Technologiebereich

keine Rolle spielten. Dabei

haben die Samwers mit ihrem Großprojekt

Rocket Internet längst einen Weltmarktführer

etabliert, der wirtschaftliche Erfolge

feiert und weltweit das Gründungsgeschehen

systematisch dominiert.

»Ich bin der aggressivste Mann im Internet

ich würde sterben, um zu gewinnen,

und von euch erwarte ich das Gleiche!« Oliver Samwer

Gleichzeitig drängen sich unterschiedliche

Fragen auf: Was genau ist das Erfolgsgeheimnis

der Samwers und ist es replizierbar?

Bedarf es bestimmter negativer Charakterzüge,

um derart erfolgreich zu sein?

Wie sähe ihre Schaffenskraft aus, wenn sie

ohne diese destruktiven Komponenten

agierten?

Um es vorwegzunehmen: Das System

Samwer funktioniert nach bestimmten

Gesetzen, die einander bedingen und deren

Funktionieren nicht mehr gewährleistet

wäre, würde ein Element fehlen. Auch

andere Erfolgsgründer der letzten 100

Jahre waren sicherlich keine Engel. Aber

im Gegensatz zu vielen von ihnen scheren

sich die Samwers herzlich wenig um ihr

Bild in der Öffentlichkeit,

was ihnen

ein wenig den

typisch deutschen

Un t e r n e h m e r -

schliff verleiht.

Es ist daher auch

so schwer, sie für

ein Interview zu

gewinnen, geschweige

denn ein

Buchprojekt zu ihnen zu starten.

Oliver Samwer ist es, dem in diesem Konstrukt

die Anführerrolle über zwei nicht

minder hochbegabte Brüder zukommt.

Er ist jener grandiose Umsetzer, der es vermag,

tiefgehende Analysen mit gekonnter

28 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Story

Bild: Rocket Internet, Cover: FBV

Oliver Samwer

des Internets

-Brüder das größte Internet-Imperium der Welt aufbauen

und messbarer MarketingPower zu verbinden,

dessen Intelligenz und operatives Geschick

weit über den Durchschnitt hinausgehen

und der nicht nur schnell im Kopf,

sondern auch schnell in der Umsetzung ist.

Ein Mann, der sich körperlich bis an die

Grenzen der Belastbarkeit tastet und einen

gewissen Masochismus zeigt, wenn es darum

geht, (über andere) zu triumphieren.

Dem es gleichzeitig aber auch an einem

moralischen Kompass oder einer für Unternehmer

üblichen Wirtschaftsethik fehlt.

Der unbedingte Wille zu gewinnen ist es,

der ihn antreibt und ihn oftmals zu einer

gewissen Kurzfristigkeit drängt.

Stellen Sie sich Oliver Samwer und seine

Brüder auf einem dreidimensionalen

Kontinuum aus Umsetzungsstärke, strategischanalytischer

Intelligenz und überbordendem

Verkaufstalent vor. Während

Alexander Samwer den höchsten Grad an

Intelligenz und Strategiegespür aufweist

und Marc Samwer insbesondere durch

sein Verkaufsgeschick zu überzeugen weiß,

füllt Oliver Samwer alle drei Dimensionen

aus und arbeitet wie eine menschgewordene

Umsetzungsmaschine.

Fragt man Mitstreiter des Clans, ist er es,

dem die meisten eine ähnlich erfolgreiche

Karriere zutrauten, auch ohne seine Brüder.

Die Kehrseite von Oliver Samwers

operativer Exzellenz liegt allerdings darin,

dass sein unbedingter Siegeswille bei ihm

jene Kurzfristigkeit des Handelns hervorruft,

die dem eher besonnenen Alexander

Samwer dagegen weitestgehend fremd ist.

So erklärt sich auch, warum dem unglaublichen

Erfolg auf wirtschaftlicher Ebene

nicht selten ein moralischer Verfall auf

gesellschaftlicher Ebene gegenübersteht.

Als Brüder sind sich die Samwers dennoch

weitgehend ähnlich.

Sie alle sind bestens ausgebildete Gewinnertypen,

die es durch ihr einnehmendes

Wesen und eine gute Erziehung vermögen,

jeden Menschen für sich zu gewinnen. Die

Samwers sind so etwas wie die Paten einer

Branche, und der Wille zu gewinnen zählt

zu ihren wesentlichen Antriebsmotoren.

Sie alle verbindet ihre hohe Intelligenz, ein

charismatisches Wesen und ein trotz ihrer

analytischen Fähigkeiten ausgeprägter Opportunismus

sowie ein nicht zu verachtender

Hang zum Pragmatismus. Jeder Samwer

bringt seine eigene Vorgehensweise

mit, zusammen aber bilden sie eine kompakte,

fein abgestimmte Einheit, die jede

Angelegenheit mit sich selbst ausmacht

und niemanden zwischen sich lässt.

Auszug aus dem Buch

„Die Paten des Internets“

von Joel Kaczmarek, FBV

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

29


Story

Vom Schulabbrecher

zum Wasser-Millionär

Die Geschichte eines Einwanderers, der sich

vorgenommen hatte, das Trinkwasser für Menschen in

Deutschland zu verbessern

Begonnen hat alles 1992. Paul

Burhof wanderte mit seiner

Familie aus Kasachstan

nach Deutschland aus, als er

zwölf war. Russlanddeutsche,

so nannte man die Einwanderer aus dem

Ostblock. Dass aus ihm einmal ein Großunternehmer

und Millionär wird, hatte

damals keiner erwartet. Die Schule in

Deutschland hätte kaum schlimmer sein

können. Mit dem Hauptschulabschluss in

der Hand, hatte er wenige Möglichkeiten.

Alles, was ihm angeboten

wurde, war als Produktionshelfer

in einer

Möbelfabrik zu arbeiten.

Durch Engagement und

Zielstrebigkeit hat er

sich in knapp zwei Jahren

bis zum Produktionsleiter hochgearbeitet.

Der Wunsch nach Unabhängigkeit

und finanzieller Freiheit war so groß, dass

er sich als Handelsvertreter in die Selbständigkeit

wagte. In einem Unternehmen,

das sich mit sauberem Wasser befasste.

In Deutschland wuchs das Bewusstsein

damals, dass das Leitungswasser im Haushalt

nicht so rein ankommt, wie es die

Wasserwerke verlässt. Die kilometerlangen

Rohrleitungen und Hausanschlüsse,

aber auch die Schadstoffe, die im Wasserwerk

nicht gefiltert werden, verunreinigen

das Wasser teilweise so stark, dass es

gar nicht mehr als Trinkwasser bezeichnet

werden darf. Trotzdem benutzen die

Menschen das Wasser für die Zubereitung

von Essen, Kaffee und Tee. Und sogar für

Babynahrung.

Das Kochen des Wassers kann jedoch

höchstens Bakterien abtöten. Aber Schadstoffe

wie Schwermetalle oder Medikamentenrückstände

werden dabei noch konzentriert,

denn sie können nicht verdampfen.

Die Wasserqualität in Deutschland ließ

also auch damals schon zu wünschen übrig.

Die Bundesrepublik belegt im internationalen

Vergleich einer UNESCO-Studie

nicht mal die Top 10 oder 20. Tatsächlich

belegt Deutschland Platz 57, noch hinter

Bangladesch.

Wie sind Sie auf das Thema Wasserfiltration

gekommen, Herr Burhof?

„Ich fand es zukunftsweisend, mich mit

der Veredelung des Wassers zu beschäftigen.

Ich habe das als riesigen Markt begriffen.

Menschen trinken das Leitungswasser

sogar pur, nur weil sie gar nicht wissen,

was sich darin alles befindet. Denn kaum

jemand lässt sein Wasser auf Schwermetale

»Glückliche Kunden und motivierte Mitarbeiter

sind das Geheimnis unseres Erfolges«

Paul Burhof (WALUTEC)

Alle Produkte im Shop unter Walutec.eu

Paul Burhof

oder chemische Substanzen prüfen.“

Sauberes Wasser – ein Geschäft mit Zukunft,

dachte Paul Burhof. „Von Anfang

an hatte ich das Ziel, ein Team aufzubauen

und eine eigene Filiale im Unternehmen

zu leiten. Doch es kam anders. Die

Firma zerbrach. Also entschloss ich mich

nach drei Jahren mein

eigenes Unternehmen

namens WALUTEC zu

gründen. “

Der Familienvater ließ

ein Wassersystem entwickeln,

das durch sogenannte

Umkehrosmose und Schungit-Filtration

Keime, Bakterien und Schwebstoffe

wie Medikamentenrückstände aus dem

Wasser entfernt. Zudem liefert es ausgezeichnetes

Trinkwasser, was den Wasserkauf

überflüssig macht und viel Geld einspart.

Das kleine Gerät steht mittlerweile in

Tausenden Haushalten und hat nicht nur

Paul Burhof reich gemacht.

Worauf haben Sie bei der Unternehmensgründung

besonders Wert gelegt,

Herr Burhof?

„Meine Leidenschaft ist es, Menschen die

Möglichkeit zu geben, erfolgreich zu werden,

ihnen zu helfen, Sie zu fördern und

Sie beim Wachsen zu unterstützen. Ich

habe damals einen Karriereplan und ein

System entwickelt, das es jedem ermöglicht,

unser Partner zu werden und sich

mit dem Vertrieb von WALUTEC-Produkten

in einer zukunftssicheren Branche

ein hohes Einkommen aufzubauen.“

Das Wachstum ist ihm aber nicht nur

auf Kundenseite wichtig. „Wir entwickeln

ständig neue Produkte, wie den eL-Café,

der unseren Kunden nicht nur reines Wasser

bietet, sondern leckeren Kaffee automatisch

mit gefiltertem Wasser zubereitet.“

Bilder: Walutec

32 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Story

Vom Obdachlosen

zum

facebook

Star

Er war ein hoffnungsloser

Fall und war obdachlos.

Heute ist er Unternehmenslenker

und Social

Media Star. Die Geschichte

von Samer Mohamad

begann vor rund 20 Jahren

in einem Asylbewerberheim

in Hannover.

Bilder: Mhamad, Salih Usta Photography

Sein Weg sollte eigentlich in die

Gosse führen. Der junge Syrer

flüchtete mit seiner Familie nach

Deutschland. Von Schlaraffenland

keine Rede. Wer die Mülleimer

nach Pfandflaschen durchsuchen

muss, hat keine Zeit für Bildung. Eines hat

er aber früh gemerkt: Wer sich anstrengt,

kann auch was bewegen. Er begann, Zeitungen

auszutragen und Parfüm an seine

Mitschüler zu verkaufen. Später klotzte er

auf Baustellen ran, heuerte im Call-Center

an. Später kam der erste Versuch, selbstständig

zu sein. Aber er fiel tief. Schulden,

Frust, erloschene Aufenthaltsgenehmigung.

Er floh ins Ausland, ohne Dach über

dem Kopf und ohne Hoffnung.

„Ich bin irgendwann aufgewacht und habe

mich erinnert: Egal, ob du ein schlechtes

»Bildung ist einer

meiner wichtigsten

Werte geworden.«

Blatt auf der Hand hast, nimm was du hast

und mach was draus“, sagt der heute 34-

jährige. Er kam zurück nach Deutschland

und fing von vorne an. Er spürte die Aufbruchstimmung

in den sozialen Medien

und nahm die Gelegenheit beim Schopf.

Er wurde zu Mister Promotion. „Aus dem

Nichts konnte ich beginnen, mir etwas aufzubauen.

Mit meinem markanten Gesicht

und meiner Stimme. Und natürlich meiner

Story. Bei facebook und Co. hat jeder eine

Chance. Es ist im besten Sinne sozial.“

Mit seinem Unternehmen berät er heute

große Konzerne und Stars, sich online erfolgreich

zu platzieren. Auch seinen Fans

liefert er täglich wertvollen Content. Und

er selbst entwickelt sich laufend weiter.

„Bildung ist einer meiner wichtigsten Werte

geworden. Ich lerne ständig mehr. Lese

jeden Tag Bücher, besuche Seminare und

ziehe mir Podcasts der großen Stars rein.“

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

33


Story

DSDS Dauerkandidat

Menderes Bagci (32) ist ein

Beispiel für außergewöhnliches

Durchhaltevermögen.

Menderes:

»Never give up«

Du bist einer der bekanntesten

DSDS-Teilnehmer

überhaupt. Mit

welchen Gedanken bist

du damals in die erste

Staffel gegangen?

Ich habe mir damals nicht so viele Gedanken

darüber gemacht. Ich habe das als

große Plattform gesehen und meine große

Chance, die ich nutzen wollte. Es war nämlich

schwierig, sich im Internet selber zu

präsentieren. Damals gab es kein YouTube

oder Facebook. Ich wollte immer Musik

machen. Schon in der ersten Klasse habe

ich immer gesungen und wollte erfolgreich

werden mit der Musik. Ich wollte wissen,

wie man in die Charts kommt und einfach

ins Musikgeschäft eintreten.

Weißt du noch warum? Möchtest du gerne

Leute unterhalten oder möchtest du

dich gerne selber in der Öffentlichkeit sehen?

Gibt es dafür irgendeinen Grund?

Ich bin eigentlich eher zurückhaltend

und habe mich nicht getraut, vor anderen

Leuten zu singen. Der Lehrer damals in

der neunten Klasse hat mich gebeten, ich

solle jetzt mal singen. So auf Knopfdruck

konnte ich das aber nicht. Ich habe gesungen,

wenn ich es wollte. Weil es mir

Spaß macht und vielleicht auch, weil ich

sehen wollte, wie andere Leute darauf reagieren.

Seit dem bist du in jeder Staffel gewesen

und musstest mit herber Kritik umgehen.

Warst du darauf vorbereitet?

Belanglose Kritik, wie wenn so jemand

sagt: „Du kannst gar nichts, lass es sein“,

das bringt mich nicht weiter. Solange es

konstruktive Kritik ist kann ich damit arbeiten.

Die bringt mich vorwärts, ich kann

mich weiterentwickeln und an meinen Defiziten

arbeiten. Ich nehme gerne Tipps an

und bin offen dafür.

34 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Story

Bilder: Jessica Wilkens/Erfolg Magazin

Dieter Bohlen ist ein harter Kritiker. Kann

man durch seine Kritik etwas lernen?

Nicht immer. Dieter Bohlen hat halt diese

lustigen Sprüche, mit denen man nicht immer

etwas anfangen kann. Aber als er mir

zum Beispiel gesagt hat, dass ich mir einfachere

Songs aussuchen soll, war das ein

guter Tipp. Er hat mir den Rat gegeben,

dass ich „You are not alone“ von Michael

Jackson singen soll, das hat mir schon weitergeholfen,

weil ich gemerkt habe, dass

das besser zu mir passt. Aber ich habe auch

selber hinter den Kulissen geguckt, welche

Defizite ich habe und daran habe ich gearbeitet.

Bist du schon immer jemand gewesen,

der sich nicht entmutigen lässt?

Ja, ich bin vom Sternzeichen Skorpion und

das sind Hartnäckige, die geben nicht so

schnell auf. Schon in der Ausbildungszeit

gab es Phasen, in denen sie gar keinen

Spaß machte. Aber wenn ich etwas angefangen

habe, dann will ich es auch bis zum

Ende durchziehen. Ich bin sehr zielstrebig

und ausdauernd und lasse mich nicht unterkriegen.

Ich mich schon als sehr hartnäckig

bezeichen.

Gab es bestimmte Momente, die dein Leben

beeinflusst haben?

Meine Krankheit zum Beispiel. Das hat

Ende 2004 angefangen und hat mein Leben

gewissermaßen verändert. (Menderes

leidet an einer chronischen, unheilbaren

Darmentzündung, Anm. d. Red.) Als

Mensch habe ich mich im Laufe der Jahre

charakterlich verändert und das war

auch keine einfache Zeit. Auch mein erster

Recall bei DSDS hat vieles verändert. Da

habe ich dann allen gezeigt, dass, wenn

ihr etwas erreichen wollt, es auch schaffen

könnt. Keiner hat an mich geglaubt. Und

dann, nach zehn Jahren, hat es plötzlich

geklappt. Mittlerweile habe ich fünf Recall-Zettel.

Ich mache meine eigene Musik,

die auch noch gut klingt und den Leuten

gefällt es. Dafür bin ich dankbar. Aber ich

bin nicht zufrieden, denn wenn man zufrieden

ist, wird man sich auch nicht weiterentwickeln.

Das gehört dazu.

erkennen, wie weit ich gehen kann und

natürlich gibt es auch gewisse Grenzen

im Leben.

Braucht man Menschen, die Ratschläge

von außen geben?

Es tut schon gut, wenn mal einer sagt: „Hey

mach das mal lieber so.“ Aber letztendlich

bin ich immer gut damit gefahren, meine

eigenen Entscheidungen zu treffen. Damit

bin ich am weitesten gekommen und hatte

den meisten Erfolg.

Karriere im Showbiz zu machen ist sehr

viel anstrengender, als viele glauben. Wie

es auch so, dass ich verschiedene Sachen

ausprobiert habe. Ich habe auch deutsche

und nicht nur englische Musik gemacht.

Wenn man einfach am Ball bleibt und gewisse

Dinge unbedingt machen möchte,

kannst du damit irgendwann erfolgreich

werden. Manchmal ist es Glück, es kann

sich spontan zu etwas ganz Großem entwickeln.

Manchmal hast du einen Masterplan

und denkst dir: „Das mache ich so und

so, das ist perfekt.“ Und das klappt dann

nicht. Es gibt Leute, die studieren Musik

und es klappt einfach nicht. Dann gibt es

aber Leute, die zum Beispiel Schauspieler

bei „GZSZ“ sind, covern einen Song und

sind damit extrem erfolgreich. Obwohl die

nie Musik gemacht haben. Ich habe keinen

Masterplan. Ich würde nur sagen, mach

das, was du für richtig hältst und mach das,

was dir Spaß macht. Mach aber keine Dinge,

die du nur um erfolgreich zu werden

machst. Wenn du etwas machst, was dir

Spaß macht, dann ist es auch nicht mehr

mit einer normalen Arbeit vergleichbar.

Was willst du unbedingt noch erleben?

- Die Fantasie ist grenzenlos. Ich stelle

mir oft vor, dass es schön wäre, wenn ich

irgendwann mal auf der Bühne stehe, wo

Leute nur wegen mir da sind. Meine eigenen

Konzerte und kein normaler Clubauftritt.

Und mein ganz großer Traum ist

natürlich irgendwann mal in den Charts

zu sein. Ein eigenes Album in den Top

10 oder sogar Nummer eins. Es ist aber

nicht mein größtes Ziel im Leben. Es wäre

Dein Motto ist „Never give up“. Wie sehr

bist du trotzdem Realist?

Man muss ehrlich zu sich selbst und realistisch

sein. Ich mir natürlich bewusst,

dass ich nicht die beste Stimme und nicht

die idealen Voraussetzungen fürs Musikgeschäft

habe. Aber man muss auch groß

träumen. Man muss zu sich selbst ehrlich

sein, aber auch sein Glück versuchen. Sei

optimistisch, es gibt immer eine Nische,

wo du reinpasst. Und man braucht Publikum.

Ich bin realistisch genug, um zu

kann man langfristig erfolgreich sein?

- Man muss nicht, aber man kann sich

immer wieder neu erfinden. Ich würde sagen,

wenn man eine bestimmte Zielgruppe

hat, dann kann man bei einer Stilrichtung

bleiben. Aber es gibt auch Leute, die haben

ein kleines Publikum und wenn sie ihr Publikum

vergrößern wollen, dann müssen

die etwas Neues ausprobieren. Bei mir war

Menderes Bagci im Gespräch mit Verleger

Julien Backhaus.

schön, wenn ich das mal schaffe, aber mein

Ziel ist, einfach glücklich zu sein. Das

wichtigste im Leben ist Gesundheit. Wenn

du nicht gesund bist, dann kannst du alles

andere vergessen.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

35


Story

Daniela

Katzenberger

Die bekannte TV-Blondine spricht über Karriereziele,

Selbstvermarktung und ihren Respekt vor Angela Merkel.

36 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Story

Ich hatte keinen

„Plan B“

Das Interview führte Julien Backhaus

Bilder: Christian Holthausen Photography

Daniela, du bist die bekannteste Blondine

Deutschlands. Kannst du dich noch

daran erinnern, wann in dir der Wunsch

gewachsen ist, vor der Kamera zu arbeiten?

Die Kamera war eigentlich nur Mittel zum

Zweck. Ich hatte damals keine Kohle, nur

einen Job als Kellnerin und wollte unbedingt

Hugh Heffener kennenlernen! Die

Flüge nach Amerika hätten mich 1200

Euro gekostet und ich dachte, wenn ich

beim Fernsehen bin, bezahlen die das alles.

Vor der Kamera zu stehen, das habe

ich dann einfach gemacht. Ich habe nie

darüber nachgedacht, weil ich nichts zu

verlieren hatte.

Also hattest du auch keinen Plan B?

Nein, einen Plan B hatte ich nie.

Die meisten erfolgreichen Leute haben

nur einen Plan A.

Ist das so? Ich dachte, nur ich sei so leichtsinnig

und naiv. Ich wusste, dass ich immer

zu meiner Mama kann. Falls irgendwas

sein sollte, könnte ich wieder anfangen

zu kellnern. Denn meine Mutter ist meine

Mutter und nicht meine Chefin, die würde

mich wieder auffangen.

Um über Jahre und Jahrzehnte erfolgreich

zu sein, egal wo, braucht man Disziplin

und Arbeitseinstellung. Du bist

BestsellerAutorin, Schauspielerin, Sängerin,

Moderatorin, Werbeikone, Gastronomin,

du hast eine Schuhkollektion,

verkaufst Wohnaccessoires, Parfüm, bist

Markenbotschafterin, vermarktest ein

Haarpflegeprodukt und hast eine

App entwickelt.

Vergiss nicht zu erwähnen, dass ich

Mutter bin, das ist der härteste Job.

Fiel dir das schon immer leicht, viele

Bälle in der Luft zu halten?

Ja. Stell dir vor, du stehst in einer Kneipe

und hast 20 Leute vor dir an der Theke

sitzen und musst versuchen, dich mit jedem

zu unterhalten. Du musst so reden,

dass sich jeder angesprochen fühlt. Das

konnte auch Marilyn Monroe. Man erzählt,

dass alle immer das Gefühl hatten,

sie spricht mit einem persönlich obwohl

ganz viele Menschen im Raum waren. Dafür

war die Gastronomie die beste Schule,

weil ich schon früh meine Bühne hatte mit

Leuten, die mir zugehört haben. Je mehr

du dich mit den Leuten unterhalten hast,

desto mehr Trinkgeld gab es, desto tiefer

der Ausschnitt, desto größer die Klappe.

(lacht) Es war alles offenherzig und immer

ehrlich. Vielleicht sah es so aus, als wäre

ich schnell zu haben, aber ich war es nie.

Dieses Gefühl zu vermitteln, hat mir meine

Mutter in der Gastronomie beigebracht.

Gab es Vorbilder, von denen du lernen

konntest?

Von jedem ein bisschen. Heidi Klum ist für

mich ein ganz bodenständiger Mensch aus

Bergisch Gladbach und sie hat das Beste

draus gemacht. Michelle Hunziker ist immer

so positiv. Alles blonde Powerfrauen.

Natürlich gehören auch Marilyn Monroe

und Angela Merkel dazu, obwohl die eher

dunkelbiond ist. Die stehen ihren Mann,

besonders Angela Merkel. Und mein größtes

Vorbild in Sachen Power war natürlich

immer meine eigene Mutter. Drei Kinder,

mit 17 Jahren das erste, mit 19 kam ich

und mit 25 meine Schwester. Alleinerziehend,

wenig Geld und versuchen, sich eine

eigene Existenz aufzubauen. Sie musste

sich durchboxen, mit Dekolleté und einer

Riesenklappe.

Wie entwickelt man sich als Persönlichkeit

weiter in einem so krassen Umfeld

wie das, in dem du arbeitest?

Ich habe mit 21 Jahren relativ jung angefangen

für das Fernsehen zu drehen und

hatte nur den Wunsch, nach Amerika zu

gehen. Kein Geld, kein Plan B, aber Träume.

Ich wusste nie, was draus wird, nur,

dass ich da drüben eine Chance hätte. Und

die Chance hat man mir gegeben. Aber

egal wie viel Kohle du hast, du kannst mit

keinem Geld der Welt die Sympathie der

Menschen kaufen. Ich musste mir alles

selbst erarbeiten.

Aber du hattest schon immer eine Wirkung

auf Menschen.

Am Anfang war die eher so: „Was soll das

jetzt?“ oder „Was macht die denn hier?“,

also bestimmt viel negativer als jetzt, aber

die Wirkung war da (lacht). Ich war den

Menschen nie egal.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

37


Story

Deine Karriere lief eigentlich wie am

Schnürchen in den letzten Jahren, von 20

auf 30 hast du richtig Vollgas gegeben.

Du hast jung viel Geld verdient und hast

erst jetzt eine Familie gegründet. War

das geplant?

Ja, ich wollte aber eigentlich noch viel später

ein Kind bekommen. Lukas kam dazwischen.

Mein Traumalter für

ein Baby wäre 33 gewesen

eine schöne Schnapszahl und

schon was erreicht im Leben.

Nun kam es dann doch anders.

Und es ist das Schönste,

was es gibt.

Du bist in Deutschland eine

echte, erfolgreiche Unternehmerin

geworden. Davon

gibt es recht wenige. Fehlt

den Frauen der Mut?

Ich unterhalte mich manchmal

mit Frauen, die gerade auf

dem Weg sind und sagen: „Ich

möchte es auch so haben wie

du“.

Und was sagst du denen? Hast du da

so einen generellen Tipp?

Versucht euch nicht zu verstellen und

versucht nicht, mich nachzumachen.

Die sagen: „Oh, ich mache mir jetzt

die Haare blond“ oder „ich schminke

mich mehr, mache mir die Wimpern

die du hast, ich kaufe mir den

selben Lippenstift, ich lasse mir auch

die Brüste machen, dann bin ich wie

du und es klappt schon“. Denen sage

ich, dass das doch bekloppt ist, denn

mich gibt es ja schon. (lacht) Wir

sind hier nicht bei „I, Robot“, wo alle

maßgefertigt vor die Kamera gestellt

werden. Wie gesagt, die Sympathie der

Menschen fliegt dir nicht zu. Die musst

du erst überzeugen. Und das geht nur,

wenn Du Du selbst bist.

Kannst du dir vorstellen, als Unternehmerin

noch mehr aufzubauen?

Ja, noch einiges. Aber ich glaube, wenn

man das öffentlich sagt, wirkt das schnell

gierig. Aber Erfolg schmeckt einfach gut

und viele Sachen, die ich mache, mache

ich auch für meine Fans, wie meine App

Love&Style zum Beispiel, die freuen sich

darüber. Als ich als junge Frau den Wunsch

hatte, zum Playboy zu gehen, bekam ich

viel Gespött und einige haben mich ausgelacht.

Erfolg ist ja auch eine süße Rache.

(lacht) Trotzdem weiß ich, dass es sehr

schnell wieder vorbei sein kann, gerade in

meiner Branche. Aber bis dahin habe ich

noch viele Pläne.

Aber deswegen hast du solche unabhängigen

Unternehmen wie deine App gegründet,

oder? Das sind doch Dinge für

die Zukunft.

Ja, aber das ist nicht so wie bei C&A, Adidas

oder Puma, die auch ohne ein Gesicht

funktionieren. Bei mir muss man das Gesicht

zum Produkt kennen und auch

Das ansteckende Lachen ist eins der Markenzeichen

von Daniela Katzenberger, hier im

Gespräch mit Verleger Julien Backhaus.

mögen. Es ist abhängig von der Präsenz,

der Sympathie und dass die Leute einfach

gerne hingucken. Mit der Präsenz kommt

eben auch das Interesse für die App oder

dass die Leute mich einfach gerne im Fernsehen

sehen. Wenn ich ein Lied rausbringe

und mich kann kein Arsch mehr sehen,

dann willst du auch kein Lied von mir hören.

Deswegen versuche ich authentisch

zu sein und nur die Dinge zu machen, von

denen ich überzeugt bin.

Könntest du dir also auch vorstellen,

noch andere Dinge aufzubauen, die unabhängig

von deinem Gesicht sind?

Ja, so etwas wie jetzt meine App Love&Style.

Ich bin manchmal erschrocken über meine

eigene Courage und meinen Mut. Aber

ich denke nie darüber nach. Außer, wenn

ich schwarz auf weiß die Download oder

Verkaufszahlen sehe oder wenn ich extrem

viel Resonanz bekomme, wenn sich

beispielsweise Leute beschweren, dass etwas

ausverkauft ist. Das macht mir wirklich

Gänsehaut, denn das betrifft mich als

Unternehmerin. Und hier bieten sich

natürlich auch Möglichkeiten, die

nicht unbedingt mit meinem Gesicht

zusammenhängen. Ich möchte jetzt

zum Beispiel junge Designer und

kreative Menschen fördern. Ich bekomme

oft so tolle Sachen geschickt

und denke, das muss man doch bekannt

machen.

Fühlt es sich dann wie Druck an,

dass du permanent weiterliefern

musst?

Nein, das tue ich sowieso. Ich bin

niemand, der sich lange ausruhen

kann. Ich bin automatisch um 7

Uhr wach und denke: „Okay, wann

kommt das Kamerateam?“.

(lacht) Ich mache gerne was.

Die App muss laufen und Facebook

mit meinen 2,6 Millionen

FacebookFreunden

wird mit Livevideos bedient.

Ich glaube, in Deutschland hat

niemand so viele Freunde wie

ich (lacht). Und trotzdem sind

nur mein Mann und meine

Tochter an meiner Seite. Aber

natürlich nehme ich mir Zeit

für meine Familie. Meine kleine

Tochter ist das Wichtigste in

meinem Leben.

Du gibst dich aber auch sehr

nahbar.

Ich bin ja auch nahbar.

Jeder Erfolgreiche hat irgendwann sein

Talent erkannt und alles andere angefangen

zu delegieren. Fällt dir so was leicht?

Nein, ich habe gerne die Kontrolle. Was

das betrifft, bin ich ein bisschen Freak,

dass ich mir manchmal sogar das Bild bei

einem Interview zeigen lasse. Ich glaube,

mein großes Talent ist, dass es locker und

leicht aussieht und deswegen sagen auch

viele: „Och Gott, was die kann, das kann

ich ja sowieso.“ Aber es ist alles andere als

leicht und es ist mir nicht in den Schoß

gefallen. Wenn ich sage, dass ich vor der

Kamera arbeite, dann muss ich mir viele

dumme Sprüche anhören. Ich weiß auch,

was Arbeit ist und habe Kisten geschleppt

und gekellnert bis nachts um 3 Uhr. Man

muss auch wissen, was diese Art der Arbeit

bedeutet, um da mitreden zu können.

38 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Leben Story

Dietmar Hopp

Herr Hopp, Sie haben eine

der bekanntesten Stiftungen

in Deutschland

gegründet. Erinnern Sie

sich noch an den „Moment“,

wo Ihnen der Gedanke kam, eine

Stiftung zu gründen?

Es war kein konkretes Ereignis, sondern

eine Entwicklung führte zur Stiftungsgründung.

Was ist wichtig im Leben? Meine Antwort

auf diese Frage lautet: Die Gesundheit.

Diese führte dazu, dass ich bereits während

meiner aktiven SAPZeit gespendet habe.

Mit Gründung der Stiftung im Jahr 1995

konnte ich dann mehrere Vorhaben bündeln:

die Umsetzung gemeinnütziger Projekte

in den von mir festgelegten Bereichen

und gleichzeitig Sicherung des SAP Aktienpakets,

das ich der Stiftung als Kapital zur

Verfügung gestellt habe.

Sie gehören zu den sehr aktiven Stiftern in

Deutschland. Woher nehmen Sie die Zeit?

Meine Engagements als Investor, Sportförderer

und Stifter halten mich schon sehr auf

Trab, so dass ich jeden Tag viele Stunden am

Schreibtisch und in Gesprächen verbringe.

Ich habe mir aber vorgenommen, mir mehr

Zeit für meine Hobbies zu nehmen.

Sie fördern viele Bildungsprojekte. Ist

der „Rohstoff Wissen“ wichtiger als Öl?

Meine Stiftung hat vier Förderbereiche:

Sport, Medizin, Bildung und Soziales. Bil-

Mit Stiftung

gezielt fördern

dung hat dabei einen hohen Stellenwert

und ist zum Teil integraler Bestandteil, z. B.

im Sport oder im Sozialen. Um nur einige

Beispiele zu nennen: „Anpfiff ins Leben“,

die „Ballschule Heidelberg“ und das „Haus

der kleinen Forscher“. Ich würde mir wünschen,

dass viele Institutionen der Förderung

von jungen Menschen verschreiben

und hier insbesondere die Kinder und Jugendlichen

im Blick haben, die von der öffentlichen

Hand nicht die notwendige und

mögliche Förderung erhalten.

Sehen Sie noch Potenzial nach oben, was

die Anzahl deutscher Stiftungen angeht?

Nach Angaben des Bundesverbandes

Deutscher Stiftung boomt das Stiftungswesen

seit den 90er Jahren, was erfreulich

ist. Und ich wünsche mir noch viele weitere

Mitstreiter für die „gute Sache“; Für

mich gilt: „Eigentum verpflichtet – Reichtum

noch mehr“. Aber nicht jedem ist es

möglich, hohe Summen zu spenden. Ne-

ben dem finanziellen zählt auch bürgerschaftliches

Engagement, welches in anderer

Weise zum Tragen kommt. Gerade im

Förderbereich Sport meiner Stiftung sehen

wir, mit welch großem Engagement in Vereinen

in hervorragender Weise ehrenamtliche

Jugendarbeit leisten. Dies rechne ich

mindestens ebenso hoch an, wie ein finanzielles

Engagement.

Es ist erstaunlich, was Sie schon alles erreichen

konnten im Leben. Gibt es etwas,

das Sie gern noch erreichen möchten?

Das Wichtigste für mich ist, Frieden in

der Welt und dass es meiner Familie gut

geht und wir uns an unseren Enkelkindern

erfreuen dürfen. Es gibt natürlich darüber

hinaus noch Wünsche, deren Erfüllung

mir aber nicht allein obliegt, wie z. B. den

sportlichen Erfolg der TSG 1899 Hoffenheim

und der tollen jungen Golfspieler in

dem von mir gegründeten und gebauten

Golfclub St. LeonRot.

Bild: Dietmar Hopp Stiftung

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

39


Leben

Sie haben „Der unbesiegbare

Sommer in uns“ geschrieben

und Sie sind eine der

bekanntesten TVModeratorinnen

in Deutschland. Sie

kennen Hollywood und sind mit den

Stars dieser Welt per Du. Man erwartet

ja nicht unbedingt ein spirituelles Buch

von einem Kopfmenschen wie Ihnen.

Oder sind Sie keiner?

Ich bin ein Kopfmensch und ein Mensch,

der auf der Suche ist. Und das auch schon

Zeit meines Lebens, zumindest, seit ich

einigermaßen bewusst denken kann. Ich

habe schon ganz früh als Kind, und das

beschreibe ich auch in dem Buch, ange-

»Ist alles nur kopfgesteuert?«

fangen zu leiden. So ein bisschen Sehnsucht

zu entwickeln nach einem Leben,

das so voll, so rund ist, in dem ich mich

ohne Angst gut fühle. Und so hat mich diese

Suche ein Leben lang begleitet und ich

habe jetzt erst im zweiten Lebensabschnitt

gewagt, das aufzuschreiben. Ein bisschen

autobiografisch, weil ich kein spiritueller

Lehrer sein kann. Sondern nur von dem,

was ich an eigener Lebenserfahrung reflektiere,

nicht nur im Kopf, sondern auch im

Herzen und im Bauch, berichte. Eine kleine

Anmerkung zu Hollywood: Es gibt relativ

viele der großen Stars, die sehr spirituell

sind. Nur sie hängen es nicht an die große

Glocke. Denken Sie an Richard Gere beispielsweise.

Aber es gibt noch viele mehr.

Gerade dann, wenn man sehr viel arbeitet,

vielleicht auch von Ruhm und Erfolg

und Geld sehr viel hat, umso

mehr schaut man, was ist wirklich

wichtig im Leben oder aber, man

verflacht.

Viele Angehörige Ihrer Generation

setzen sich ja mittlerweile

intensiv mit ihrem Inneren auseinander.

Woran liegt das?

Ich habe den Eindruck, wie Sie

sagen, es gibt immer mehr Menschen, die

sagen, es kann nicht alles sein. Geld und

Erfolg kann nicht alles sein, aber auch vor

allem, ich denke, also bin ich. Dieser Satz,

ist der wirklich wahr? Ist alles nur kopfgesteuert?

Gibt es da nicht eine Welt, die viel

tiefer ist? Ich habe nichts Neues erfunden,

ich klaue ja nur, beim Buddhismus, beim

Christentum in der Bibel. Früher wurde

man intensiv an Glaubensfragen herangeführt.

Ob man das dann lebte und spürte,

das war natürlich die Frage der Persönlichkeit.

Aber heute haben wir fast keine Lebensschule.

Es gibt zwar Religionsunterricht,

aber es gibt so vieles, was Kinder und

Jugendliche ablenkt, und auch so viel, was

man tun muss, um erfolgreich zu sein. Lernen

und Sport machen und all diese tollen

Sachen, aber da verliert man sehr schnell

einen vielleicht ursprünglichen Bezug zur

Spiritualität, den Kinder natürlich auch

haben. Und wir sind jetzt eine Generation

und vielleicht sind auch viele der Jüngeren

genauso drauf, die beginnen zu suchen

und zu sagen, ich möchte diese Sehnsucht,

die ich in mir spüre, nach einem erfüllten

Leben, einem farbigeren Leben, vielleicht

sogar mit weniger Thrill, ich möchte der

nachgehen.

Sie schreiben in Ihrem Buch auch über

Stress und sog. Gedankenmoskitos.

Stress und Burnout sind ja gerade in der

Wirtschaft heute Reizthemen.

Haben Sie Ansätze

gefunden, wie man mit

diesem Stress klarkommen

kann?

Wenn man das Buch liest, wird man feststellen,

dass es sich letztlich um einen sehr

individuellen Instrumentenkasten handelt.

Ich denke, heute gibt es keine Pauschalreisen

mehr, die Leute wollen Individualreisen.

Das heißt, jeder muss seinen eigenen

Instrumentenkasten zusammenbauen, um

dahin zu kommen. Um es sehr einfach zu

formulieren, den unbesiegbaren Sommer

in sich zu erkennen und die Tore nach innen

aufzumachen, sodass man sich verbinden

kann mit dieser Kraft, die in uns allen

Nina Ruge

Geld ist nicht

Im Interview spricht die Moderatorin über Spiritualität,

Charity und die Medienwelt. Außerdem erklärt sie, warum

Wirtschaft und Ruhe sich nicht ausschließen müssen.

Das Interview führte Julien Backhaus.

wohnt. Von der wir auch alle spüren, dass

sie da ist, aber die meistens in irgendeiner

Ecke liegt und nicht wirklich wahrgenommen

wird und nicht ins Leben geholt wird

als Kraftquelle. Und das Buch beschäftigt

sich mit genau dem, was ich für mich gefunden

habe, an Methoden. Wie ich in

einer Welt, die immer unsicherer wird,

immer weniger vorhersehbar und immer

schneller, wie ich durch die Konzentration

auf die große heilige Kraft, die in uns ist,

wie ich da gut bestehen kann.

Ihre heimliche Leidenschaft ist ja die

Wirtschaft, Innovation, Technik, solche

Dinge. Passt dieses Innehalten und diese

innere Ruhe überhaupt zusammen?

Ich liebe Kopfarbeit, ich finde es total spannend,

die Welt zu verstehen. Ich finde es als

Journalistin total spannend, zum Beispiel

40 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Leben

»Ich liebe Kopfarbeit!«

Unicef weitet den Horizont. Auf unserer

Homepage, der Unicef Homepage, kann

man schon wirklich wahnsinnig viel erleben,

über die Krisenregionen dieser Welt

und die Situation der Kinder dort. Allein die

Lager mit syrischen Flüchtlingen im Irak.

Wir haben ganz großartige Mitarbeiter, die

dort sind, und die unglaublich intensiv berichten

von dort. Auch die zum Teil in Syrien

sind, wenn das überhaupt noch von der

Sicherheitslage her möglich ist. Aber das ist

natürlich nicht das einzige. Kongo, die Situation

der Menschen und der Kinder in

diesem vom Bürgerkrieg absolut zerstörten

Land. Für mich waren die Projektreisen in

diese Länder auch persönlich wahnsinnig

wichtig, wobei meine Aufgabe natürlich ist,

dann darüber hier bei uns in Deutschland

zu sprechen und zu informieren, wie Unicef

arbeitet. Wie intelligent Unicef arbeitet und

es macht Sinn, diese Organisation zu unterstützen.

Ich habe jetzt gesagt, ich würde gerne

wieder Projektreisen machen und würde

das gerne so organisieren, dass wir wirklich

einen Medienpartner dabei haben, der ganz

intensiv berichtet. Das ist nicht einfach, weil

gerade die öffentlichrechtlichen Sender sich

nicht festlegen dürfen, sich nicht verheiraten

dürfen mit einer Spendenorganisation.

Und so müssen

wir schauen, wie

wir es hinkriegen

können, dass wir

Medienpartner

mitnehmen, berichten

und das Ganze wirklich sehr effizient

für alle Seiten möglich ist.

alles

Industrie 4.0, also die neue Generation digitalisierter

Produktion, zu verstehen und

das auch politisch zu werten. Auch unsere

Zukunftschancen, die Zukunft des Euro,

viele andere Themen zu begreifen, finde

ich wahnsinnig spannend. Das ist die eine

Seite. Und die andere Seite ist die, erfüllt

zu leben. Meine Haltung der Dankbarkeit,

diesen Job machen zu dürfen, diese spannenden

Aufgaben leisten zu dürfen, die

fließt ganz unterschwellig auch in meine

Arbeit ein. Auch in meine Interviews, in die

Podiumsdiskussionen, die ich mache, oder

auch in die Moderationen. Weil ich Wertschätzung,

Respekt, nüchterne und sachliche

Auseinandersetzung ohne Häme, all

diese Werte, außerordentlich wichtig finde.

Gerade im Journalismus, weil ich sie vom

Herzen lebe. Und das spüren auch viele.

Sie sind viel mit Unicef unterwegs. Wie

sind da Ihre Erfahrungen in den letzten

Jahren gewesen und was konnten Sie für

sich mitnehmen?

Nina Ruge

im Gespäch

mit Verleger

Julien

Backhaus.

Verändern sich die Medien denn gerade

stark? Auf der einen Seite die Öffentlich-

Rechtlichen und die Privatsender im linearen

Fernsehen, auf der anderen Seite

die neuen Online-Konzepte. Was halten

Sie davon?

Das ist nicht aufzuhalten. Man weiß auch

gar nicht, wie lange es das terrestrische

Fernsehen überhaupt noch geben wird. Was

hoffentlich in irgendeiner Form dann noch

gegeben sein wird, ist die Qualität, die wir an

ÖffentlichRechtlichen haben und ich glaube

die auch weltweit Maßstäbe setzt. Die ist

teuer. Wer will dann bezahlen? Bezahlfernsehen

funktioniert bisher noch nicht so gut.

Klar, es gibt Sky, das funktioniert langsam.

Aber im Internet wird es schwierig. Das

brauchen wir aber, um gute Dokumentationen

liefern zu können. Ich bin ein Riesenfan

von Dokumentationen. Ich bin Fan

von arte, von 3-Sat, von den dritten Programmen,

von Phoenix. Wenn ich fernsehe,

dann schaue ich die Dokumentationen

dort. Und das ist eine so unglaublich wertvolle

Information für Bauch und Herz und

Kopf, das finde ich einfach unersetzlich und

ein hervorragender Journalismus, wie die

ÖffentlichRechtlichen ihn liefern, den hätte

ich gerne auch noch in 30 Jahren.

Bilder: Ismail Gök

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

41


Leben

Frauke, du bist die wohl bekannteste

High Society

Moderatorin im deutschen

Fernsehen. Sah das dein Karriereplan

gleich von Anfang

an schon so vor?

Ich habe Menschen immer bewundert, die

einen Karriereplan haben. Ich hatte das

nie. Ich war erst auf ganz anderen Wegen

unterwegs. Nach dem Abitur machte ich

eine Banklehre, da ich erstmal kaufmännisch

ein Fundament haben wollte, was mir

auch jetzt in meinem Beruf immer noch

dienlich ist. Ich leite eine Redaktion, bin

verantwortlich für ein Budget und muss

jeden Tag mit Geld umgehen. Insofern war

es für mich keine verlorene Zeit, ganz im

Gegenteil. Rückblickend war es der genau

richtige Weg für mich. Was ich bislang gemacht

habe, hat wahnsinnig Spaß gemacht

und ich glaube auch das, was noch kommt,

wird immer noch gut.

Wie war denn das bei deinen ersten

hochkarätigen Interviews. Wie hast du

dich da gefühlt und vorbereitet?

Ich war schon ein bisschen nervös, natürlich.

Ich würde jetzt lügen, wenn ich sagen

würde, dass mich das alles kalt gelassen

hat. Aber ich habe mir auch als Jugendliche

nie die bravo-Starschnitte übers Bett

gehängt und ich hatte auch nie ein Idol. So

gehe ich heute noch ohne eine große Erwartungshaltung

an Interviews ran. Eine

»Ich habe Menschen

immer bewundert, die einen

Karriereplan haben.«

Während der Fashion Week in Berlin trafen sich Star-Moderatorin

Frauke Ludowig und Julien Backhaus zum Gespräch.

gewisse Vorstellung kann man natürlich

nicht ganz abschalten. Aber es ist ganz gut,

relativ offen in Interviews zu gehen.

In jedem Beruf versucht man ja auch

besser zu werden. Wie läuft denn das ab,

wenn man wie Frauke Ludowig werden

will. Was muss man da beachten, wo

muss man da besser werden, wie kann

man da überhaupt an sich arbeiten? Man

ist ja erstmal, wer man ist.

Egal in welchem Alter sollte man prinzipiell

einfach immer an sich arbeiten. Ich

würde nie sagen: „Ich mache diesen Beruf

jetzt schon einige Jahre und ich bin jetzt

fertig“, sondern ich versuche, jeden

Tag ein Stück dazuzulernen. Ich probiere,

mich immer wieder auf neue

Situationen einzulassen, auch wenn

es manchmal hart ist, wenn ich eine

riesen Veranstaltung moderiere zu

einem Thema, das ich in meinem Leben

noch nicht moderiert habe. Da

kommt schon mal der Gedanke hoch:

„Och, du könntest jetzt auch daheim

bei deiner Familie auf dem Sofa sitzen

und dich ein bisschen vom Fernseher

berieseln lassen“. Wenn es dann

aber fertig ist, stelle ich fest, dass ich

jetzt wieder etwas dazu gelernt und

vielleicht wieder eine neue Branche

kennengelernt habe. Man darf einfach

nicht stillstehen. Ich für mich

kann nur sagen, dass mich das auch

frisch und jung hält und ich kann es

jedem nur raten, egal ob man 17 ist

oder 70.

Gibt es vielleicht ein oder zwei Dinge,

die du dir in den letzten Jahren

neu angeeignet hast, die du vielleicht

vorher noch nicht konntest?

Ich bin jetzt hier auf der Fashion Week von

Marc Cain und ich begleite heute diese

Produktion von morgens bis abends. Das

habe ich zum Beispiel vor 20 Jahren noch

nicht gemacht. Als meine Kinder auf die

Welt kamen, war für mich der Zeitpunkt,

dass ich nochmal was Neues machen muss,

dass ich wieder mehr vor Ort machen will.

Viele machen es ja genau umgekehrt, arbeiten

erst als Reporter und gehen dann in

die Moderation. Ich war relativ früh in der

Moderation. Ich habe dann erkannt, dass

ich noch mehr machen möchte. Und ich

werde eben auch für Event Moderation angefragt.

Neulich hatte ich eine Anfrage von

einer Chemie Firma. Das ist eine Branche,

mit der ich sonst nicht so viel zu tun habe.

Aber das war spannend, weil ich mich einlesen

musste, und das ist interessant.

Fragen stellen ist ja auch eine wahre

Kunst. War das denn auch bei der jungen

Frauke schon so, dass sie lieber Fragen

gestellt hat und Dinge rausfinden

wollte?

Ich weiß gar nicht, ob ich so ein neugieriges

Kind war und viele Fragen gestellt

habe. Ich weiß nur, dass ich das heute total

in mein Privatleben übertrage und meine

Familie manchmal mit mir schimpft, wenn

zum Beispiel Klassenkameraden meiner

Kinder kommen und ich die erstmal total

ausquetsche. Meine Kinder sagen dann

immer: „Mama, du bist aber jetzt nicht im

Büros, sondern Zuhause, also frag nicht so

viel“. Neugierig zu sein ist irgendwie negativ

behaftet. Ich bin wissbegierig, das ist

für mich etwas Frisches und das sollte man

sich beibehalten.

Kannst du dich an zwei, drei Begegnungen

oder Persönlichkeiten erinnern, die dich

nachhaltig beeindruckt haben oder vielleicht

sogar etwas verändert haben?

Ich habe viele große Interviews mit sicherlich

tollen Leuten geführt. Ich glaube, von

ihnen hat mich niemand verändert, aber

vielleicht haben Situationen mich verändert.

Ich habe häufig große Stars und vermögende

Menschen interviewt, bin aber

eben nicht zu dem Punkt gekommen, zu

denken: „Mit denen möchte ich jetzt tauschen“.

Eigentlich habe ich eher immer

umgekehrt gedacht: „Mensch ist es schön,

dass du wieder nach Hause fährst, in deine

kleine heile Welt“. Das hat mich eigentlich

immer viel glücklicher gemacht. Ganz zu

Anfang, in einem Interview mit Prinzessin

Stéphanie, im Fürstenhaus von Monaco,

habe ich so für mich gedacht: „Ja, das ist

irgendwie schön, das gemacht zu haben“.

Allerdings war ich wirklich froh, dass ich

hinterher nicht mit ihr tauschen musste,

sondern wieder nach Hause konnte.

Bilder: Wilkens

42 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Leben

Frauke Ludowig

»Ich bin

wissbegierig«

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

43


Einstellung

Jürgen Höller

„Warum Du

nicht erfolgreich

sein wirst“

Erfolg – ein großes Wort. Die einen eifern

diesem Gedanken krampfhaft nach,

andere glauben, dass sie nie erfolgreich

sein können. Zwar gibt es kein allgemeingültiges

Rezept oder eine Erfolgs-Formel.

Die Basis bildet aber immer ein Zusammenspiel

verschiedener Komponenten aus

Persönlichkeit und fachlicher Kompetenz.

Und genau hier musst du ansetzen und an

dir arbeiten. Alle erfolgreichen Menschen,

die ich je in meinem Leben kennengelernt

habe, hatten und haben eines gemeinsam:

ein klares Ziel vor Augen, gepaart mit dem

felsenfesten Glauben an sich selbst und an

die eigene Idee. Außerdem haben sie immer

auf ihr Bauchgefühl gehört und nie

aufgehört zu lernen oder sich stetig zu verbessern.

Viele Menschen stehen sich oft auf

dem Weg an die Spitze selbst im Weg und

machen die klassischen Fehler, die sie daran

hindern so richtig erfolgreich zu sein.

Du hast keine großen Ziele

Ziele zu haben, die es zu erreichen gilt,

sind wohl die stärksten Antriebskräfte, die

Erfolgreiche

Menschen

setzen sich

richtig große

Ziele

es gibt. Allerdings müssen alle Beteiligten

Personen auch in die Festlegung mit einbezogen

werden. Wenn du deinem Team

Zielvorgaben einfach nur „aufdrückst“,

musst du dich nicht wundern, wenn einzelne

Teammitglieder nicht richtig mitziehen.

Denn nur, wenn bei einer Kutsche

die einzelnen Rösser gemeinsam in eine

Richtung ziehen, gewinnt die Kutsche

schnell an Fahrt. Ziehen alle Pferde in unterschiedliche

Richtungen, bleibt die Kutsche

entweder stehen, zerreißt oder wird

vom stärksten Ross mit viel Anstrengung

in eine Richtung gezogen. Viele Menschen

haben sicherheitshalber erst keine Ziele, da

sie Angst haben, diese ohnehin nicht zu erreichen.

So werden sie auch nie erfolgreich

sein! Erfolgreiche Menschen setzen sich die

richtig großen Ziele! Es hilft aber durchaus,

diese in kleine, messbare Einheiten

aufzuteilen und schriftlich festzuhalten. So

kannst du überprüfen, ob du deine Zwischenetappen

auch erreicht hast. Je mehr

dieser kleinen Ziele erreicht werden, desto

stärker wird auch dein Selbstbewusstsein.

44 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Einstellung

Du konzentrierst dich nur auf die

negativen Dinge

Statt zu resignieren und zu jammern, dass

die Umsätze zu niedrig ausfallen oder die

Auftragslage schlecht aussieht, solltest du

lieber proaktiv und konzentriert handeln.

Hier geht es um das bisschen ‚Mehr‘, das

Nur eine gute Idee

allein reicht nicht!

du deinem Unternehmen oder auch Kunden

gibst. Angefangen bei Veränderungen

bei Kundenprojekten oder Produktionsabläufen

bis hin zu deiner persönlichen

Mehrleistung in einem Arbeitsprozess.

Du handelst nicht

Nur eine gute Idee allein reicht nicht! Eine

Untersuchung in den USA hat gezeigt,

dass nach 72 Stunden die Motivation zur

Umsetzung einer Idee oder Handlungsabsicht

schwindet und die Quote dann bei

1:99 liegt, das Vorhaben noch zu beginnen.

Um einer Idee auch Taten folgen zu

lassen, muss nur der erste Stein ins Rollen

gebracht werden. Wie beim Laufen über

heiße Kohlen, eine Übung, die ich auch in

meinen Seminaren durchführe, kostet der

erste Schritt Überwindung und man kann

den Gang auch verweigern, wird dann aber

nie von der Erfahrung profitieren können.

Traut man sich, den ersten Schritt zu gehen,

gibt es kein Zurück mehr.

Bilder: Jürgen Höller Akademie

Du wandelst Angst nicht in Mut um

Angst lähmt, blockiert und raubt wertvolle

Energie und Zeit. Je größer die Angst, desto

kleiner wird die Persönlichkeit. Erfolgreiche

Menschen stellen sich ihren Ängsten,

nehmen sie an und handeln trotzdem.

Das beweist Mut. Wer an sich glaubt, strahlt

dies auch aus. Durch das tägliche Vorsprechen

aufbauender positiver Sätze vor dem

Spiegel, wie „Im Jahr 2025 haben wir die

Auszeichnung als Unternehmen des Jahres

erzielt!“, manifestiert sich das Selbstbewusstsein

auch im Unterbewusstsein. Die

positive Wirkung dieser von Wissenschaftlern

als Autosuggestion bezeichneten Methode,

ist mittlerweile von zahlreichen wissenschaftlichen

Studien bestätigt worden.

Bereits Muhammad Ali brachte diese Technik

Michael Jackson bei, als dieser noch ein

Kind war. Auch dieser Methode verdankt

der Popstar seinen späteren Erfolg.

Jürgen Höller

gilt als einer der führenden Erfolgsund

Motivationstrainer Europas

und brachte über 60 Bücher, DVDs

und Audioprodukte heraus. Bereits

mit 19 Jahren eröffnete er sein erstes

Unternehmen und gründete

in der Folgezeit 12 weitere erfolgreiche

Firmen. Nachdem er alles

verlor, startete er 2004 ein fulminantes

Comeback. Die 6,6 Millionen

Schulden, tilgte er innerhalb

von nur 3,5 Jahren komplett.

Weitere Informationen unter

www.juergenhoeller.com

Die letzten 5 Prozent Perfektion kosten

dich 95 Prozent Anstrengung

Perfektion ist manchmal unabdingbar, allerdings

lähmt sie zeitlich. Vor allem verbrauchen

wir oft für die letzten paar Prozent

zur Perfektion viel mehr Energie und

Zeit, als wir letztendlich anschließend an

Output zurückerhalten. Achte also nicht

unbedingt immer auf Perfektion, wenn sie

nicht zwingend notwendig ist.

Du strebst nicht immer den Sieg an

Im Sport geht es nie darum, Mittelmaß

oder gut zu sein. Wettstreiter treten immer

mit dem Ziel an zu siegen. Dass es nicht

immer klappt, ist dabei selbstverständlich,

wer es aber gar nicht erst anstrebt,

hat bereits den letzten Platz belegt. Wie

im Sport solltest du immer versuchen, die

Nummer eins zu werden und zu bleiben.

Dafür musst du dich und dein Unternehmen

regelmäßig selbst in Frage stellen und

darüber nachdenken, welche neuen Ideen,

Wege oder Maßnahmen helfen können,

noch erfolgreicher zu werden.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

45


Einstellung

Bild: Stephen Covey privat

Stephen R. Covey

ist Autor des Weltbestsellers

„Sieben Wege zur Effektivität“,

der 25 Millionen mal verkauft

wurde. Er zählte laut Time Magazine

zu den 25 einflussreichsten

Amerikanern und war sowohl

Berater für Unternehmen als auch

für die US-Regierung.

Nur mit

Disziplin

bist du frei

46 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Einstellung

Einmal trainierte ich im Fitnessstudio

gemeinsam mit einem

Freund, der einen Doktor in

Leistungsphysiologie besaß.

Ihn interessierte besonders das

Krafttraining. Er bat mich, ihm zu assistieren,

während er seine Übungen im Bankdrücken

machte, und ihm auf ein Zeichen

hin das Gewicht abzunehmen. »Aber nicht,

bevor ich es sage«, ermahnte er mich. Ich

schaute also zu und wartete, während ich

mich darauf vorbereitete, das Gewicht zu

übernehmen. Das Gewicht ging rauf und

runter, rauf und runter. Und ich konnte sehen,

wie es ihn immer mehr Mühe kostete.

Aber er ließ nicht locker. Er setzte mit der

nächsten Aufwärtsbewegung an, und ich

dachte: »Keine Chance.« Aber er schaffte

es. Dann senkte er das Gewicht langsam

wieder und begann von Neuem. Auf und

ab, auf und ab. Als ich sein Gesicht sah,

wie er sich abmühte und ihm die Adern

beinahe aus der Haut sprangen, dachte

ich: »Diesmal wird es fallen und ihm die

Brust zerdrücken. Vielleicht sollte ich das

Gewicht übernehmen. Vielleicht hat er die

Kontrolle verloren und weiß nicht einmal,

was er tut.« Aber er brachte das Gewicht

heil herunter. Dann fing er wieder an. Ich

konnte es nicht glauben. Als er mich

schließlich anwies, das Gewicht zu übernehmen,

fragte ich: »Warum hast du so

lange gewartet?« Und mein Freund erwiderte:

»Fast der ganze Nutzen der Übung

stammt aus der allerletzten Phase, Stephen.

Ich versuche, mir Kraft anzutrainieren.

Und dazu ist es erforderlich, dass die Muskelfasern

kleine Risse bekommen und die

Nervenfasern den Schmerz registrieren.

Die Natur macht den Schaden anschließend

mehr als wieder gut, und binnen

achtundvierzig Stunden sind die Muskeln

stärker als zuvor.«

Dasselbe Prinzip gilt auch für unsere emotionalen

Muskeln wie beispielsweise die

Geduld. Indem wir unsere Geduld über

ihre Grenzen hinaus beanspruchen, erreichen

wir, dass die emotionale Faser reißt.

Nachdem die Natur das mehr als wieder

gut gemacht hat, ist die Faser anschließend

stärker als zuvor.

Disziplin kommt von lateinisch discipulus,

der Schüler, auch im Sinne von Jünger, Anhänger

– Anhänger einer Philosophie, Anhänger

bestimmter Prinzipien, Anhänger

bestimmter Werte, Anhänger eines übergreifenden

Ziels oder eines Menschen, der

dieses Ziel verkörpert.

Ich strenge mich jeden Morgen an, einen,

wie ich es nenne, »privaten Sieg« zu erringen.

Ich trete mindestens dreißig Minuten

lang in die Pedale meines Trimmdichrads,

während ich gleichzeitig in der Heiligen

Schrift lese. Dann schwimme ich stramme

fünfzehn Minuten im Pool und mache

weitere fünfzehn Minuten lang im flachen

Teil des Pools Yoga. Anschließend bete ich

mit der inneren Einstellung des Zuhörens;

ich lausche meinem Gewissen, während

ich mir den Rest des Tages durch den Kopf

gehen lasse: was es Berufliches zu tun gibt,

wie sich meine Beziehungen zu meinen

Familienangehörigen, Arbeitskollegen

und Kunden gestalten werden. Ich lebe

nach korrekten Prinzipien und verfolge

wertvolle Ziele.

Als Stephen R.

Covey im Juli 2012

starb, hinterließ er

ein reiches Erbe in

Form von

Gedanken und

Lehren zu Themen

wie Führung,

Zeitmanagement,

Effektivität, Erfolg bis hin zu Liebe

und Familie.

Jetzt erscheint posthum die Sammlung

„Seine Weisheiten und Prinzipien“,

welche gewissermaßen seine

komprimierte Weisheit enthält.

Diesem Buch ist der Auszug auf

dieser Seite entnommen.

Hören Sie in einer Sache, von der Sie wissen,

dass Sie sie tun sollten, auf Ihr Gewissen.

Beginnen Sie klein – geben Sie sich ein

Versprechen und halten Sie es. Geben Sie

sich dann ein etwas größeres Versprechen

und halten Sie es ebenfalls. Irgendwann

werden Sie feststellen, dass Ihr Ehrgefühl

stärker ist als Ihr innerer Schweinehund,

und das verschafft Ihnen die Zuversicht

und den Antrieb, mit anderen Bereichen

fortzufahren, in denen Ihnen Verbesserungen

wünschenswert erscheinen oder in

denen Sie sich nützlich machen möchten.

Viele Leute setzen Disziplin mit fehlender

Freiheit gleich. Tatsächlich aber trifft das

Gegenteil zu: Nur disziplinierte Menschen

sind wirklich frei. Die undisziplinierten

hingegen sind Sklaven ihrer Stimmungen,

Gelüste und Leidenschaften.

Die meisten Menschen sagen, ihr Hauptfehler

sei ein Mangel an Disziplin. Bei

genauerer Betrachtung halte ich das für

falsch. Ihr Grundproblem liegt darin, dass

ihre Prioritäten noch nicht tief in ihrem

Hirn und Herz verwurzelt sind.

Die Organisation auf wöchentlicher Basis

liefert wesentlich mehr Ausgewogenheit

und Rücksicht auf den Kontext als tägliche

Planung. Es scheint eine implizite

kulturelle Anerkennung der Woche als

einzelner, vollständiger Zeiteinheit zu geben.

Das Wirtschaftsleben, Erziehung und

Ausbildung und viele andere Facetten der

Gesellschaft operieren innerhalb des wöchentlichen

Rahmens und setzen gewisse

Tage für gezieltes Engagement und andere

für Entspannung oder Inspiration fest.

Privater Erfolg kommt vor öffentlichem

Erfolg. Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin

sind das Fundament für gute Beziehungen

mit anderen.

Treiben Sie sich die Angewohnheit des

ständigen Aufschiebens und all die vielen

Undiszipliniertheiten aus. Tun Sie das,

wenn Sie für sich sind – und ich sage Ihnen,

Sie werden schwitzen; das ist kein einfaches

Unterfangen – es gehört sogar zum

Schwierigsten überhaupt – aber Sie sollten

sich wirklich die Zeit dafür nehmen, und

dann werden Sie feststellen, wie allmählich

die Heiterkeit und die Kraft wieder Einzug

halten in Ihr Leben.

Vor Jahren waren wir alle fasziniert von

den Mondreisen. Superlative wie »fantastisch«

und »unglaublich« reichen nicht

aus, um diese ereignisreichen Tage zu beschreiben.

Was an diesen Himmelsreisen

erforderte die meiste Kraft, die meiste Energie?

Der etwa eine viertel Million Meilen

lange Flug bis zum Mond? Die Rückkehr

zur Erde? Die Umkreisung des Mondes?

Das Abheben vom Mond? Nein, das war

es nicht – nicht einmal alles zusammen.

Es war das erste Abheben von der Erde.

Die ersten Minuten nach dem Start, die

ersten Flugmeilen, kosteten mehr Energie

als eine halbe Million Meilen in den folgenden

Tagen.

Von Gewohnheiten geht ebenfalls eine

gewaltige Gravitationskraft aus. Um tief

verwurzelte Gewohnheiten wie ständiges

Aufschieben, Ungeduld, Kritiksucht, ein

Leben in Exzessen oder Selbstsucht zu

durchbrechen, braucht es mehr als ein bisschen

Willenskraft und ein paar kleinere

Veränderungen im Leben.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

47


Einstellung

Bodo Schäfer

Herr Schäfer, Sie sind

Europas bester Geldcoach.

Immer noch

ist Geld ein Tabuthema.

Was haben wir

eigentlich gegen das Geld?

Wir haben etwas gegen Geld, da wir

glauben, es korrumpiert uns und verdirbt

den Charakter. Religiöse Menschen

denken, man kommt dann nicht

in den Himmel, um es in der religiösen

Sprache zu sagen. Ich bin religiös aufgezogen

worden und ich war mit 26 Jahren

pleite, weil ich diese ganzen Vorurteile

und Glaubenssätze hatte. Diese Dinge

sind also durchaus ernst zu nehmen.

Es ist nicht so, dass irgendjemand

irgendetwas erfindet, sondern das

sind gewachsene Glaubenssätze, die

durch Elternhäuser, Schulen, unsere

Gesellschaft und auch durch die

Medien genährt werden. Die Medien

zeichnen fragwürdige Bilder von Reichen,

die Geissens als Stichwort. Dann

denkst du: „Naja, will ich wirklich so werden?“.

Und so hat sich ein Gedanke verfestigt,

dass Geld tatsächlich etwas ist, wofür

ich einen Preis zahle und der Preis ist, dass

Liebe

Bodo Schäfer

ist Money Coach und Bestsellerautor. An

seinem 7-Jahres-Kurs zur finanziellen

Freiheit haben bereits über 10.000

Menschen teilgenommen. Bodo Schäfer

hat schon vor über 800.000 Menschen

Seminare gehalten.

Melden Sie sich jetzt zum gratis Video-

Coaching von Bodo Schäfer an und

erfahren Sie, ob es wirklich möglich

ist, finanziell frei zu werden!

>> www.bit.ly/bserfolg

ich kein guter Mensch mehr bin und

keine Freunde mehr habe. Ich glaube

es ist wichtig, dass wir den Menschen

etwas ganz Einfaches an die Hand

geben. Damit wir verstehen, dass es

gar nicht um Geld geht, denn jeder,

der dem Geld hinterherjagt, hat es

schwer. Sondern dass wir einen

Wert schaffen, wie zum Beispiel

Ihr Magazin, das hoffentlich den

Menschen hilft, sich mit dem

Thema Erfolg besser auseinander

zu setzen, es tiefer zu verstehen,

Vorurteile abzubauen und

durch andere Glaubenssätze zu

ersetzen. Also, Sie schaffen einen

Wert und dann ist es auch

richtig und wichtig, wenn

dem Wert Geld folgt und das

Geld verwandeln wir dann

wieder in Werte. Und Werte

sind einmal Beziehungen mit

Menschen, sind Investitionen in

uns selbst, dass wir stärker werden, und

48 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Einstellung

sind natürlich auch Assets, also Investments,

die uns einen Return bringen.

Eine persönliche Frage: Wie war das denn

bei dem kleinen Bodo? Hat man schon

immer gesagt: „Der wird mal irgendwas

mit Geld machen“?

Da hat man gesagt: „Der spinnt.“ Ich habe

ab dem sechsten Lebensjahr gesagt, dass

ich mal reich werden

will und anderen zeigen

will, wie man auch

reich wird und das in

einer religiösen Familie.

Meine Mutter hat davor

wirklich Angst gehabt. Als ich dann später

mein Studium geschmissen habe, hat meine

Mutter den Pfarrer ins Haus geholt. Der

sollte mit mir sprechen und mir vor allem

ins Gewissen reden. Er hat mich gefragt,

was ich machen will und ich habe ihm

geantwortet, dass ich etwas mit Geld machen

und reich werden will. Er wollte mir

Ratschläge geben, ich habe ihn aber unterbrochen

und gefragt: „Herr Pfarrer, können

Sie mir sagen, wie viel Sie verdienen?“.

Da fing er an mir zu sagen, dass es darum

gar nicht ginge. „Doch“ sagte ich, „darum

geht’s, denn wir reden schließlich um meinen

Job und da ist Einkommen wichtig.

Also sagen Sie mir, wie viel Sie verdienen.“

Da sagte er nur, dass er nicht viel verdiene.

Ich habe ihm vorgeschlagen, dass wir

das wie folgt machen: „Als Vorbild für

Einkommensfragen möchte ich Sie nicht

hinzuziehen aber wenn ich in spirituellen

Dingen Rat haben möchte, dann komme

ich wieder zu Ihnen“. Da fing er zu lachen

an, was mich überrascht hat, und sagte

„Da haben Sie eigentlich recht“.

Sie haben das wohl erfolgreichste deutsche

Buch über Vermögensaufbau geschrieben.

Sind Ihnen viele Menschen

begegnet, die Ihnen nachher bestätigt

haben, dass die Methode tatsächlich

funktioniert?

Ich habe jedenfalls 36.000 Briefe bekommen

von Menschen, die mir Feedback geben,

dass sie entweder finanziell frei geworden

oder auf einem guten Weg dahin sind. Das

ist natürlich ein gigantisches Feedback.

Was kann man denn unmittelbar tun,

um besser mit Geld zu werden?

Wenn Sie jetzt erwarten, dass ich einfach

schnipse und dann fällt der Goldstaub über

Sie, das ist natürlich Unsinn und das wissen

wir alle. Das wäre auch nicht seriös. Es

gibt sechs Schritte und die brauchen Zeit.

Also, der erste Schritt besteht darin, reich

zu denken und seine Gedanken, also die

»Ich nehme mir ein Ziel und das

nehme ich einfach mal zehn.«

Glaubenssätze, zu ändern. Das ist das Erste

und gleichzeitig das Schwierigste, denn wir

müssen eigentlich denken wie ein Reicher,

obwohl wir gar nicht reich sind. Aber wenn

uns das nicht gelingt, dann wird es auch

nicht funktionieren. Nehmen wir nur mal

die Ziele. Normale Menschen machen gar

keine großartigen Ziele. Die Mittelschicht

hat realistische Ziele und die Reichen, die

setzen sich Ziele mit dem Faktor zehn. Die

sagen: „Ich nehme mir ein Ziel und das

nehme ich einfach mal zehn.“ Und dann

ist es riesig groß. Das ist entsetzlich für die

Das Geld

Das Interview führte

Julien Backhaus

Lerne »reich« zu denken

meisten Menschen, dieses „reich denken“.

Dann müssen wir schon lernen zu sparen,

ohne dass es weh tut, also den Gürtel nicht

enger schnallen. Da habe ich Systeme, die

automatisch zum Millionär machen. Und

dann müssen wir natürlich planen, denn

wir müssen auch mehr verdienen. Wir

müssen investieren und es auch genießen,

es ausgeben. Und das braucht Zeit. Seriös

kann ich sagen, in sieben Jahren kann

jemand finanziell frei sein. Bei mir waren

es viereinhalb Jahre, vielleicht kann es ein

anderer in drei schaffen, aber seriös wäre

zu sagen, dass man es in sieben Jahren

schaffen kann.

Definieren Sie persönlich Erfolg auch

über Geld, darf man sowas an erster Stelle

schreiben?

Ich glaube wir müssen das sogar an erster

Stelle schreiben, zumindest, wenn wir mit

einem Money Coach

reden. Und das hat einen

ganz einfachen

Grund. Alles, was wir

sonst als Erfolg beziffern

könnten, wäre

nicht messbar. Wenn Sie also sagen, dass

Sie ein glücklicher Mensch sind, dann

freut mich das für Sie. Aber woher weiß

ich, dass Ihre Aussage stimmt. Wie kann

das irgend jemand nachprüfen? Bei Geld

ist das ganz einfach. Du guckst auf deinen

Kontoauszug und dann weißt du Bescheid.

Wobei ich nochmal sagen kann: Geld ist

nicht wichtig, wichtig ist der Wert, den wir

damit schaffen. Und der Wert, den wir vorher

schaffen. Denn wenn wir am Ende wieder

Wert investieren, dann sind wir wieder

wertvoller, verdienen also auch wieder

mehr Geld. Das ist also eine

Positivspirale. Aber ja, lassen

Sie es mich noch deutlicher

sagen. Würden Sie

sagen, dass es okay ist, Geld

zu lieben? Viele Menschen

sagen dazu klar „nein“. Und

jetzt kommt meine Frage:

Wenn Liebe die stärkste

Kraft im Universum ist und

ich sage nicht klar: „Ich liebe

Geld“. Ja was mache ich

denn dann? Dann sage ich,

dass Geld nicht so wichtig

ist oder ich sogar ein misstrauisches

Verhältnis zu Geld habe. Ich

habe damit erstmal nicht die wichtigste

Kraft des Universums auf meiner Seite, um

meine Vermögensziele zu erreichen, frei zu

sein, meine Träume zu verwirklichen und

anderen zu helfen, denn dafür brauche ich

Geld. Immer wenn ich einen positiven

Glaubenssatz nicht habe, dann habe ich

möglicherweise sogar einen anderen

negativen, der mich auch noch stärker

hemmt. Also ja, Geld kann man lieben

und all das, was es erreicht. Der zweite

wichtige Glaubenssatz ist, dass Geld

nicht alleine das Wichtigste ist. Fünf

Bereiche sind wichtig und Geld ist einer

davon. Aber die Leute, die sagen, dass

Geld nicht wichtig ist, sind meistens die

gleichen, die damit in Wahrheit ausdrücken,

dass Geld für sie überhaupt nichts

ist und sie damit nicht zurechtkommen.

Und das ist gefährlich, deswegen sage ich:

„Nimm Geld nicht als das Wichtigste, aber

als so wichtig, dass es zu einer unterstützenden

Kraft in deinem Leben wird.“

Bild: Bodo Schäfer Akademie, Jan.con

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

49


Einstellung

Scheiß darauf, wenn‘s

nicht funktioniert

Wenn man mich heute fragt: „Katja, wie

werde ich erfolgreicher?“ ist meine Antwort:

„Mach mehr Fehler.“ Dummerweise wird

uns genau das Gegenteil beigebracht. Wir

leben in Deutschland in einer „Nullfehlerkultur“,

nach dem Motto: „Mach lieber gar

nichts, ehe was schief geht.“ Schon in der

Schule kriegen wir beigebracht:

Wer Fehler macht,

wird bestraft. Später im Job

heißt es dann: Wer Fehler

macht, fliegt raus. Ob in der

Schule oder später im Beruf, wir lernen: Du

darfst nichts falsch machen. Und das ist der

Beginn des Misserfolgs.

Stell dir doch mal vor, du wärst mit diesem

Fehlervermeidungsverhalten auf die Welt

gekommen. Du wärst heute noch im Krabbel-und

Kriechmodus unterwegs. Beim

ersten gescheiterten Gehversuch hättest du

das Handtuch geschmissen. Du hättest es

versucht, hättest mutig ein Bein vor das andere

gesetzt, irgendwas wäre schief gegangen

und du: „Autsch, Fehler! So ein Mist.

Das funktioniert nicht mit dem Laufen! Ich

lass das, das sollen mal schön die anderen

machen. Ich bleib liegen, das ist sicherer.“

Laufen lernen wir aber nur durch laufen.

»Mach mehr Fehler.«

Und das gilt für alles andere im Leben auch.

Wir lernen nur, in dem wir es tun. Und hinfallen

gehört nun mal zum Tun dazu. Dummerweise

sind wir immer weniger bereit

auf die Klappe zu fallen, je älter wir werden.

Wir sind weniger bereit etwas zu riskieren

und wir werden immer vorsichtiger. Das

Ganze nennen wir dann Vernunft. Die

Folge unserer Vernunft? Wir versuchen es

nicht einmal. Vor lauter Angst, es könnte

schief gehen. Oder wir versuchen es und

sobald etwas schief geht, geben wir auf! Wir

werfen das Handtuch und

dann kommt einer meiner

Lieblingssätze: „Es hat halt

nicht geklappt. Es sollte

wohl nicht sein.“ Hallo?

Wer sagt das? Und wie wäre es mit: Einfach

noch mal probieren?

Scheitern ist nicht schlimm

Ich fuhr mit 25 Jahren den ersten Porsche

und war eine der abschlussstärksten Immobilienverkäuferinnen.

Auf meinem Konto

stehen über 50.000 geführte Cold Calls

aus dem Berliner Telefonbuch und mehr

Bilder: Hour Of Power

50 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Einstellung

als 7000 Verkaufsgespräche. Ich weiß, wie

man sich in einem hart umkämpften Markt

durchsetzt und sich den Erfolg holt, den

man haben will. Aber ich kenne nicht nur

Erfolg. Ich kenne auch das Gegenteil. Mit

30 Jahren war ich das erste Mal pleite. Ich

habe mein Geld nicht mehr bekommen,

meine Auftraggeber haben mich nicht

mehr bezahlt. Von einem Tag auf den anderen.

Peng! Das ist mir insgesamt zweimal in

meinem Leben passiert.

Jetzt kann man sagen: „Oh wie blöd.“, oder:

„Was für Arschlöcher.“ oder „Das war aber

Pech, da hat dir das Schicksal aber böse mitgespielt.“,

was auch immer einem dazu einfällt.

Aber darum geht es nicht. Wen interessiert

es, wie ich da rein gekommen bin? Und

was ändert es, dass ich wusste, wer mich in

diese Situation gebracht hat? Fakt ist: Ich

war pleite, den Umstand konnte ich nicht

ändern. Nur weil ich die Schuldigen kannte,

hat es an den Folgen nichts geändert. Ich

war ich immer noch pleite. Ich hatte nur eine

einzige Chance: Die Umstände zu akzeptieren

und das Beste aus ihnen zu machen.

In dieser Zeit habe ich die für mich wichtigste

Lektion in meinem Leben gelernt:

Scheitern ist nicht schlimm. Es geht immer

irgendwie weiter. Egal wie ausweglos eine

Situation auch scheint. Das einzige was

zählt ist, das du wieder aufstehst. Fehler und

vermeintliches Scheitern sind immer nur

eine Momentaufnahme. Beides gehört zum

Leben dazu wie die Luft zum atmen. Für

mich sind Fehler sind nichts anderes als ein

notwendiger Schritt auf dem Weg zum Ziel.

Hätte ich meine „Fehler“ nicht gemacht,

wäre ich heute nicht da wo ich bin. Und das

wäre verdammt schade.

Scheiß auch aufs Talent

Genauso wenig wie Fehler verantwortlich

für Misserfolge sind, sind Talent, Begabung,

Glück verantwortlich für Erfolg. Erfolg

ist auch kein Geburtsrecht und schon

gar nicht das Ergebnis günstiger Umstände.

Jeder Mensch hat die Chance in seinem Leben

erfolgreich zu sein- immer und zu jeder

Zeit. Die beiden einzigen Voraussetzungen

hierfür sind:

1. das du es wirklich willst und

2. das du es zulässt.

Und hier steht uns wieder unsere Angst vor

Fehlern im Weg. Wenn wir Angst haben,

ob etwas funktioniert oder nicht, wenn wir

keine Fehler machen wollen, dann lassen

wir es eben nicht zu. Vor lauter Angst sehen

wir nur das was schief gehen könnte.

Wir sehen die Probleme und nicht die Lösungen.

Wir sehen die Hindernisse und

nicht die Chancen. Erfolg funktioniert weder

im Problemfokus noch im daraus resultierenden

Angstmodus. Erfolg funktioniert

aber auch nicht, wenn wir nicht wissen,

was wir wirklich wollen, was uns antreibt.

Frage ich meine Teilnehmern nach ihren

Katja Porsch ist Motivational Speaker, Verkaufsexpertin

und Autorin. Sie war eine der abschlussstärksten

Immobilienverkäuferinnen Deutschlands

und kämpfte sich erfolgreich aus zwei Pleiten

zurück zum Erfolg.

Zielen kommen oft so Wischiwaschi-Aussagen

wie: „Na ja, über die Runden kommen.“

„Sich was leisten können.“, „Zufrieden

sein.“ usw. Was genau bedeutet das? Je

unklarer unser Bild von dem ist, was wir

haben wollen, umso unklarer ist, ob wir es

jemals erreichen. Das Gegenteil von Angst

ist Freude. Nur keine Angst zu haben hilft

nicht. Wir müssen im Gegenzug auch wissen,

was uns im Leben wirklich antreibt,

was unser Traum bzw unsere Vision ist.

Ohne Traum kein Motor und ohne Motor

kein Antrieb, so einfach ist das.

Achte auf Deinen Fokus

Der einzige Unterschied zwischen erfolgreichen

Menschen und denen, die es gerne

wären, sind ihre Gedanken- nicht mehr

und nicht weniger. Erfolg ist in erster Linie

eine Frage des richtigen Fokus.

Ich habe letztens eine Studie gelesen, in der

Deutsche gefragt wurden, wie glücklich sie

mit ihrem Leben sind. 59 % sagten, sie seien

„ziemlich zufrieden“. Hallo, was bitte ist

„ziemlich zufrieden“? Was heißt das? Was

genau ist das für ein Zustand? Klar kannst

du jetzt sagen: „Mensch Porsch, jetzt komm

mal runter. Wir leben in Deutschland, da ist

ziemlich zufrieden schon fast euphorisch.

Aber ehrlich, willst du auf deinem Grabstein

stehen haben: „Ich führte ein ziemlich

zufriedenes Leben?“

Wenn ich aber „ziemlich zufrieden“ fokussiere,

werde ich „richtig geil“ nicht bekommen.

Wir bekommen immer, was wir erwarten

im Leben. Unser Handeln folgt nun

mal unserem Fokus. Wenn du Probleme erwartest,

wirst du sie bekommen.

Wenn du denkst, das

wird doch

s o w i e s o

w i e d e r

nicht funktionieren,

wird es das

auch nicht.

Das ganze

Prinzip

funktioniert

aber zum

Glück auch

in die andere

Rich- tung. Wenn

du denkst: „Ich schaff das!

Ich krieg das hin!“ wirst du das auch tun,

früher oder später. Du musst nur durchhalten.

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich es

geschafft habe, mich aus zwei Pleiten wieder

raus zu holen und so erfolgreich zu werden.

Die Antwort ist simpel: Ich habe meinen

Fokus geändert. Nicht mehr und nicht

weniger. Oft investieren wir unsere Energie,

indem wir versuchen unser Umfeld, die

Menschen und die Umstände zu ändern.

Ein sinnloses Unterfangen. All das können

wir nur schwer beeinflussen. Was wir aber

beeinflussen können, sind unsere Gedanken,

sie entscheiden über unser Handeln

und damit über das Ergebnis.

Wenn ich „ziemlich zufrieden“ fokussiere,

werde ich „richtig geil“ nicht bekommen.

Jetzt kennst du die vier Gesetze, die du

verfolgen musst, wenn du erfolgreich oder

noch erfolgreicher werden willst:

1. Ändere Gedanken: Fokussiere dich immer

auf die Lösung, nicht auf das Problem.

2. Sei bereit Fehler zu machen: Fehler sind

ein notwendiger Schritt auf dem Weg zum

Ziel/Erfolg.

3. Finde Deinen Traum: Ohne Motor wirst

du dich nicht in Bewegung setzen.

4. Erwarte, dass du es schaffst: Nur wenn du

glaubst, dass du es schaffst, wirst du stark

genug sein, mit Niederlagen umzugehen

und immer wieder aufzustehen.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

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Einstellung

Udo Jürgens

52 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Einstellung

Nur dieser Weg!

» «

Entweder ich schaffe es mit der Musik oder ich gehe mit ihr unter.

Bild Jürgens: Pressebild, Klapheck: Goldeck

Viele Menschen könnten

deutlich mehr Erfüllung

in ihren Beruf bringen, als

das im Moment der Fall ist.

Nämlich dadurch, dass sie

sich auf ihre wahren Stärken besinnen und

den Mut finden, jetzt die richtigen Schritte

einzuleiten.

Wir beschränken unser Denken viel zu

häufig auf die klassischen Wege und lassen

unseren Verstand von vornherein viel zu

viele Optionen ausschließen.

So wie einst ein schottischer junger Mann.

Er arbeitete als Milchmann, Baggerfahrer

und Bademeister, bevor er sich auf das

Lackieren und Polieren von Särgen spezialisierte.

Erst als er sich auf einen Weg konzentrierte,

den sein Verstand zuvor ausgeschlossen

hatte, wurde er erfolgreich und

weltberühmt. 1999 wählte ihn das People-

Magazin zum Sexiest Man des Jahrhunderts.

Ich spreche von Sean Connery.

Nicht jeder hat das Zeug zu einer Weltkarriere

und nicht jedem würde sie Spaß

machen. Aber ich bin davon überzeugt,

dass sich viele Menschen deutlich verbessern

und deutlich mehr selbst verwirklichen

könnten, wenn Sie festgefahrene

Gedankenbahnen mutig verlassen.

Und Sie können mir eines glauben: Bei mir

klingelt auch niemand an der Tür, um eine

große Kiste abzuladen und mich aufzufordern:

»Hallo, Martin, hier ist ein ganzer

Karton voller höchst lukrativer Aufträge.

Greif kräftig rein und such ein paar Hände

voll aus.« Auch ich muss handeln und

brauche manchmal Geduld und einen langen

Atem.

Viele Musiker, die heute von Millionen

Fans umjubelt werden, haben mal ganz

klein angefangen – und in ihrer besch...

eidenen Lage alles an Aufträgen angenommen,

was sie kriegen konnten. Die US-

Sängerin Lana del Rey etwa, die mit ihren

melancholischen Songs inzwischen einige

ChartHits gelandet hat, musste erst mal

sieben Jahre durch die Provinz tingeln:

immer kurz vorm Abgrund, finanziell wie

künstlerisch. Bis 2010 endlich der Durchbruch

kam.

Paul Potts war Smartphone-Verkäufer für

die Einzelhandelskette The Carphone-

Warehouse und sang eher hobbymäßig.

Udo Jürgens (rechts), erzählte Martin

Klapheck (Mitte) bei einem Treffen 2010

von seinem langen Weg zum erfolgreichen

Musiker.

Martin Klapheck

„Der Piano-Referent“ ist Keynote-

Speaker, Buchautor, Unternehmer und

preisgekrönter Pianist. Er gehört zu den

führenden Experten für Erfolg und kreatives

Handeln.

Seinen großen Durchbruch erlebte er nach

seinem Auftritt bei der britischen Castingshow

»Britan‘s Got Talent« am 9. Juni 2007.

Allein in Deutschland verkaufte er 3,5 Millionen

Alben.

Oder Udo Jürgens, den ich 2010 persönlich

kennenlernte. Er erzählte mir, dass er

fast 15 Jahre lang ausschließlich Negativerlebnisse

hatte bei dem Versuch, bekannt

zu werden. Ursprünglich sang er während

Unterhaltungsshows Schlager anderer

Interpreten. Als er sich irgendwann weigerte,

das weiterhin zu tun, weil ihm seine

eigene Musik am Herzen lag, kündigte

seine Schallplattenfirma sogar den Vertrag

mit ihm. Er war sich unsicher, ob ihm der

Durchbruch gelingen würde. Aber er sagte:

»Ich schaffe es mit der Musik oder gehe

Sicherheit kann Sie

im Stich lassen –

Ihre Stärken hingegen

lassen Sie nie im Stich.

mit der Musik unter, aber das wäre immer

noch besser, als in einem Büro zu versauern.«

Udo Jürgens hat an seiner Musik festgehalten

und als er 1966 beim Grand Prix

Eurovision mit »Mercie Cherie« den ersten

Platz erreichte, folgte der lang ersehnte internationale

Durchbruch. Mit über 100

Millionen verkaufter Tonträger war er der

kommerziell erfolgreichste Unterhaltungsmusiker

im deutschen Sprachraum.

Müssen Sie für Ihr Geld nicht ohnehin

viel Engagement aufbringen? Oder vielleicht

sogar krampfhaft darum kämpfen?

Wie wäre es, wenn Sie diese Kraft gleich

da investieren, wo Sie im Gegenzug sofort

mit Freude und Erfüllung belohnt werden

– und nicht nur mit Geld? »Solide« Brotund-Butter-Jobs

vermitteln allenfalls eine

Scheinsicherheit.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

53


Wissen

Leon Windscheid

Gegen die Spirale

der Angst

Mein „Wer wird Millionär?“-Abenteuer

begann in Unterhosen und endete auch

mit Günther Jauch in Unterhosen.

Buchauszug aus „Das Geheimnis der Psyche“

von Leon Windscheid, Ariston Verlag

Der Kerngedanke bei der Spirale der

Angst ist, dass sich unsere Angstreaktion

aufschaukeln kann. Genau das hatte ich

bei meinem Referat in der Uni erlebt. Ein

kleines Anzeichen von Angst bringt uns

in Habachtstellung. Jetzt sind wir besonders

sensibel für alles, was eine Gefahr

sein könnte: Ich denke, dass ich schwitze.

Das ist peinlich. Alle sehen das. Jetzt steigt

mein Angstniveau. Sofort wird mir noch

wärmer. Jetzt sehe ich, dass

ich unter den Achseln schon

zwei Schweißpfannekuchen

auf dem Hemd habe. Die Mädels

in Reihe drei fangen an

zu kichern, oder? Für mein

Hirn sind das alles Gefahren.

Was tun bei Gefahr? Noch

mehr Angst! Ich fange an,

mich zu verhaspeln. Mein

Vortrag wird in einem Fiasko enden! Es

kommt zu einem Aufschaukeln zwischen

Reizen aus der Umgebung, die man als

Gefahr interpretiert, und unserem Hirn,

das uns mit Angst auf die Gefahren vorbereiten

möchte – und alles (anscheinend)

nur noch schlimmer macht. Sobald man in

den Strudel der Spirale gezogen wird, geht

es immer weiter nach oben, wie in einem

Tornado. Wenn man einem Spinnenphobiker

ein Krabbeltier auf den Kopf setzt,

schießt die Angstkurve Richtung Himmel.

Gefühlt wird diese Kurve nach oben

niemals abflachen und die Angst immer

schlimmer.

Nachdem unsere Dozentin die Idee hinter

der Spirale der Angst erklärt hatte, zückte

sie wieder den dicken Edding. Energisch

zog sie einen waagerechten Strich durch

Da sitzt man dann zu Hause

auf der Couch und denkt:

»Mensch, ist der doof!«

die gemalte Spirale. Was Psychotherapeuten

ihren Angstpatienten klarmachen,

ist, dass die Spirale der Angst ein natürliches

Ende hat. Irgendwann ist Schluss.

Angst flacht ab. Man gewöhnt sich an alles.

So unangenehm der Weg dahin auch

ist und so unmöglich es einem am Anfang

erscheinen mag. In der Therapie lernen

Angstpatienten, ein »Angstimmunsystem«

gegen die falschen Gefahrensignale aufzubauen.

Und das geht am besten, indem

sie mit der vermeintlichen Gefahrenquelle

konfrontiert werden.

Das nennen wir Psychologen Exposition.

Vereinfacht gesagt, wird einem der Auslöser

der Angst so lange vorgehalten, bis die

Angst von allein abnimmt. Dabei ist klar,

dass ein Profi jemandem mit Spinnenphobie

niemals unvermittelt eine Vogelspinne

auf den Kopf setzen würde. Im

Gegenteil. Die Exposition beginnt

ganz unten. Genau wie

die Spirale der Angst. Vielleicht

mit dem Foto einer Biene. Die

ist immerhin schon ein Insekt.

Schrittchenweise geht es dann

weiter bin zum Spinnenfoto.

Dann eine ganz kleine Spinne

im Käfig und irgendwann

vielleicht die Vogelspinne auf dem Kopf.

Bei jedem einzelnen Schritt lernt der Patient

seine Angst ein wenig besser kennen

und beginnt, mit ihr umzugehen. Dadurch

nimmt die Angst ab.

Für mich war die gemalte Spirale auf dem

Flipchart ein Psycho-Schlüsselmoment.

Und zwar aus drei Gründen. Erstens habe

ich hier zum ersten Mal richtig verstan-

54 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Wissen

Der Moment als Leon

Windscheid die Eine-

Million-Euro-Frage

richtig beantwortet.

Bilder: Stefan Gregorowius

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

55


Wissen

den, warum Psychologie den Leuten helfen

kann. Zweitens wurde mir klar, dass es

vollkommen egal ist, ob man tatsächlich

an einer psychischen Störung leidet oder

nicht. Die Grundideen vieler psychotherapeutischer

Ansätze kann man wunderbar

auch dann auf sich selbst anwenden, wenn

man seine Psyche in einem bestimmten

Bereich besser in den Griff bekommen

möchte. Und drittens, weil mir erstens und

zweitens zu einer Million Euro verholfen

haben.

Nachdem ich nämlich damals im Seminar

von der Spirale der Angst gehört hatte,

setzte sich ein Gedanke in meinem Kopf

fest: Man kann seine Ängste überwinden,

wenn man nur lange genug trainiert. Sie

können sich vorstellen, dass eine Kandidatur

bei Wer wird Millionär? auch mit extremer

Aufregung zu tun hat. Bevor ich mich

bei Günther Jauch auf den Stuhl setzen

würde, so hatte ich es mir fest vorgenommen,

würde ich mich auf diese Aufregung

vorbereiten. Etwas Adrenalin ist gar nicht

schlecht für unser Gehirn. Aber was meinen

Sie, warum Kandidaten oft schon bei

Fragen unter 500 Euro ihre Joker zücken

müssen oder im schlimmsten Fall rausfliegen?

Da sitzt man dann zu Hause auf der

Couch und denkt: »Mensch, ist der doof!«

Aber mit doof hat das (zumindest meistens)

gar nichts zu tun. Der wahre Grund

dafür, dass jemand

auf dem Schlauch

steht, ist Aufregung,

Ve r u n s i c h e r u n g

oder tatsächlich

blanke Angst. Dafür

kann Herr Jauch gar

nichts. Es ist die besondere

Umgebung

im Studio und die

Situation vor den

Kameras. Um mich also entsprechend

zu wappnen, bereitete ich mich schon im

Vorfeld auf diese Angst vor. Und zwar, gemäß

dem Ansatz der Angsttherapie, durch

Exposition. Zwar hatte ich keinen Schlüssel

zu einem Fernsehstudio und auch keine

Kameras oder Scheinwerfer zu Hause.

Aber ich hatte einen Stuhl. Einen Schreibtischstuhl

mit Armlehnen, so ähnlich wie

der bei Wer wird Millionär?. Es war aber

noch mehr erforderlich, um die Aufregung

auszulösen, mit der ich im Studio

fest rechnete.

Und so setzte ich mich vor die Mitbewohner

aus der WG meines Bruders auf den

Stuhl – in Unterhose. Die Jungs löcherten

mich dann mit typischen Wer wird Millionär?-Fragen.

Sie können sich vorstellen,

dass diese Situation unangenehm und irgendwie

peinlich war. Genau das war Ziel

der Freikörperübung.

Das Geheimnis der Psyche.

Wie man bei Günther Jauch

eine Million gewinnt und

andere Wege, die Nerven zu

behalten“ von Leon Windscheid,

Ariston Verlag

Natürlich gehören zum Millionengewinn

Fragen, die zu den eigenen Wissensstärken

passen, ein wohlgesonnener Günther

Jauch und nicht zuletzt eine ordentliche

Portion Glück. Bekommen Sie das alles

nicht, könnten Sie den ganzen Tag in Unterhose

durch die Stadt laufen, um Ihre

Nervosität abzubauen. Es würde nicht

helfen. Bei mir kam alles zusammen. Und

Etwas Adrenalin ist gar nicht

schlecht für unser Gehirn.

ich bin mir sicher, dass mir der »Unterhosentrick«,

wie ihn die BILD-Zeitung

nachher nannte, sehr geholfen hat. Wenn

Sie also demnächst bei Günther Jauch

sein werden, probieren Sie die Sache mit

der Unterhose einfach vorher aus. Der

Trick mit der Exposition funktioniert

aber nicht nur zur Vorbereitung auf Quizshows.

Wenn man eine Rede oder einen

Vortrag halten muss und schon vorher

Angst hat, rot anzulaufen und vor lauter

Aufregung keinen geraden Satz herauszubekommen,

sollte man einen Strich durch

die Spirale der Angst ziehen, indem man

seine Ängste kennenlernt und trainiert,

mit ihnen umzugehen. Sie müssen nicht

gleich in Unterhose vor anderen üben.

Fangen Sie mit Ihrem Spiegelbild an und

steigern Sie sich dann langsam. Egal, wie

gut das Training läuft, Sie werden sich

verbessern.

So verbinde ich meine Million besonders

eng mit Psychologie und zwei Unterhosen.

Die zweite Unterhose bekam ich nach

der Sendung zu sehen. In der Maske hatte

ich am Nachmittag eine lange Stange mit

unzähligen Jauch-Anzügen an Bügeln gesehen.

Die würden zum Großteil nur ein

einziges Mal in der Sendung getragen,

erklärte mir die freundliche Garderobendame

auf Nachfrage. Das fand ich doof.

Verschwendung ist nicht mein Ding. Kurzerhand

fragte ich den Quizmaster, nach

dem Feuerwerk zur gewonnenen Million,

ob er mir seinen Anzug nicht schenken

wolle, statt ihn wegzuhängen. Er sagte

zu.

Gegen alle Regeln der Wer wird Millionär?-Studios

in Köln durfte ich dann mit

in Günther Jauchs Wer wird Millionär?-

Büro. Ein bescheidener Raum mit einem

eher popeligen Schreibtisch, Kleiderständer,

Schrank und Raufasertapete. Überhaupt

nicht besonders. Da zog er sich

dann aus, als wäre es das Normalste der

Welt, während er mir Hinweise gab, was

mich nach dem Millionengewinn alles erwarten

würde, und schenkte mir Jackett,

Hemd, Krawatte, Gürtel und Hose. Seine

Unterhose behielt er an.

56 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


NACHHALTIGE INVESTMENTS

Gute Rendite mit guten Gewissen

Der Markt der nachhaltigen Geldanlage boomt – egal ob bei Aktien-, Renten- oder Mischfonds.

Nicht mehr nur Kirchen oder Stiftungen wollen ihr Geld ökologisch und ethisch korrekt anlegen

– auch immer mehr Privatanleger folgen diesem Trend. Und das aus gutem Grund: Neben dem

guten Gewissen bringen nachhaltige Fonds oftmals mehr Rendite als herkömmliche Investments.

Den drei klassischen Kriterien von Anlageprodukten – Rentabilität, Sicherheit und Liquidität – wird mit dem Thema Nachhaltigkeit

nun ein viertes hinzugefügt. Nachhaltigkeitsfonds sollen nicht nur eine gute Performance vorweisen, sondern bringen den

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Wissen

Der Philosoph Bertrand Russel

sagte eines Tages: „Man

sollte schon fähig sein, sich

eine Zeitlang zu konzentrieren.

Das ist unverzichtbar,

wenn man auch Schwieriges erreichen

will.“ Der Soziologe Robert Lynd bemerkte:

„Wissen ist Macht, aber nur wenn ein

Mensch weiß, um welche Fakten er sich

nicht zu kümmern braucht.“ Fokussiertes

Denken schiebt alles Ablenkende, alle geistigen

Abfallprodukte beiseite, damit man

sich auf ein Thema konzentrieren und klar

denken kann. Sehen Sie hier, was fokussiertes

Denken für Sie bewirken kann.

Fokussiertes Denken bündelt Ihre Energien

auf ein einziges Ziel hin

Konzentration kann Energie und Power

bringen, egal was man macht, ob es sich

um eine körperliche oder geistige Beschäftigung

handelt. Wenn Sie gerade

lernen, wie man einen Baseball richtig

schlägt und wenn Sie einen guten Kurvenball

hinkriegen wollen, erreichen Sie

durch konzentriertes Denken beim Üben

eine Verbesserung Ihrer Schlagtechnik.

Wenn Sie sich vorgenommen haben, den

Herstellungsprozess Ihres Produktes zu

optimieren, hilft Ihnen fokussiertes Denken

dabei, die beste Methode zu finden.

Wenn Sie ein schwieriges mathematisches

Problem lösen wollen, kommen Sie dank

fokussiertem Denken irgendwann auf die

richtige Lösung. Je komplizierter ein Problem

oder ein Thema ist, desto mehr fokussiertes

Denken und Zeit benötigen Sie,

um es zu lösen.

So denken

Erfolgsmenschen

Bilder: nikopress

Auszug aus

„So denken

Erfolgsmenschen“,

Books4Success

Verlag

58 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Wissen

Bild: Depositphotos/adrenalina, Maxwell: Lauren Liebermann

Fokussiertes Denken gibt Ideen ausreichend

Zeit, sich zu entwickeln

Ich liebe es, neue Ideen zu haben und sie zu

entwickeln. Ich hole mein Team oft zusammen,

wir machen miteinander Brainstorming

und kreatives Denken. Wenn wir zusammenkommen,

versuchen wir zunächst

einmal, so gründlich nachzudenken, dass

wir so viele Ideen wie möglich einsammeln

können. Oft ergibt sich ein möglicher

Durchbruch, wenn wir viele gute

Vorschläge miteinander diskutieren. Aber

wenn Sie einzelne Ideen auf die nächsthöhere

Ebene heben wollen, müssen Sie im

Geiste umschalten – vom expansiven hin

zum selektiven Denken. Ich habe herausgefunden,

dass aus einer guten Idee eine

hervorragende Idee werden kann, wenn

Sie ihr ausreichend konzentrierte Aufmerksamkeit

und Zeit einräumen.

Natürlich kann es sehr frustrierend sein,

sich über lange Zeit hinweg auf nur eine

einzige Idee zu konzentrieren. Ich selbst

habe schon ganze Tage damit zugebracht,

mich mit nur einem Einfall zu befassen

und ihn auszubauen, nur um festzustellen,

dass ich ihn irgendwie nicht verbessern

konnte. Aber manchmal hat sich meine

Hartnäckigkeit, bei einer Idee zu bleiben,

gelohnt. Das macht mich dann sehr glücklich.

Denn auf dem Höhepunkt des fokussierten

Denkens reift nicht nur meine Idee,

sondern ich selbst kann mich weiterentwickeln!

Fokussiertes Denken lässt das Ziel klarer

vor Augen stehen

Golf ist eines meiner liebsten Hobbys. Es

ist ein ebenso wundervolles wie anspruchsvolles

Spiel. Ich mag es auch deswegen,

weil die Ziele dieses Spieles so schön klar

sind. Professor William Mobley von der

Universität von South Carolina sagt über

das Golfspiel: „Eines der wichtigsten Dinge

an Golf ist die klare Zielvorgabe. Man

sieht die Nadeln, man kennt die Schlagzahl

– es ist alles andere als einfach, aber

es ist auch nicht unerreichbar, man kennt

seine durchschnittliche Punktezahl und es

gibt einen interessanten sportlichen Wettkampf

– gegen die Schlagzahl, gegen einen

selbst und die anderen Spieler. Diese Ziele

geben einem etwas, worauf man hinarbeiten

kann. In der Arbeit, wie beim Golfen,

sind Ziele dazu da, einen zu motivieren.“

Eines Tages traf ich auf dem Golfplatz einen

Spieler, der nach dem Putten immer

vergaß, den Flaggenstock wieder zurück

ins Loch zu stecken. Was war die Folge?

Weil ich mein Ziel nicht klar erkennen

konnte, konnte ich mich nicht richtig darauf

konzentrieren. Meine Konzentration

verwandelte sich bald in Frustration – und

ich spielte miserabel. Ein guter Golfer kann

nur sein, wer sein Ziel klar vor Augen hat

und sich voll darauf konzentriert. Dasselbe

gilt auch fürs Nachdenken. Konzentration

hilft Ihnen dabei, Ihr Ziel zu erkennen

– und es zu erreichen.

Fokussiertes Denken bringt Sie ein Niveau

höher

Niemand erreicht Großes, indem er ein Generalist

wird. Man feilt nicht an einer Begabung,

indem man seine Aufmerksamkeit

teilt. Die einzige Möglichkeit, die nächsthöhere

Ebene zu erreichen, ist Konzentration.

Egal ob es Ihr Ziel ist, ins nächsthöhere

Spielniveau eines Computerspieles zu gelangen,

an Ihrem BusinessPlan zu feilen, Ihren

Gewinn zu mehren, Ihre Untergebenen zu

schulen oder Ihre persönlichen Probleme

zu lösen, Sie müssen Ihre Konzentration

aufs Wesentliche beschränken. Der Autor

Harry A. Overstreet schreibt: „Ein unreifer

Geist hüpft von einem Gegenstand zum

nächsten; ein reifer Geist versucht, an einer

Sache dran zu bleiben.“

Worauf sollten Sie Ihr Denken

konzentrieren?

Verdient jeder Ihrer Lebensbereiche

dieselbe Aufmerksamkeit,

Zuwendung und Konzentration?

Natürlich nicht. Seien Sie wählerisch,

nicht verschwenderisch,

was Ihr fokussiertes Denken

angeht. Ich persönlich denke

nur über vier Bereiche meines

Lebens richtig intensiv nach: Über Führungskompetenzen,

Kreativität, Kommunikation

und bewusstes Networking.

Wahrscheinlich treffen Sie, liebe Leser,

eine ganz andere Wahl. Wenn Sie sich

noch nicht sicher sind, welche, finden Sie

John C. Maxwell ist

Autor von bis dato 70

Büchern, Redner und

Pastor. Sein Hauptthema

ist Führung.

im Folgenden ein paar Vorschläge.

Legen Sie Ihre Prioritäten fest

Überlegen Sie sich zunächst Ihre Prioritäten

– für Sie selbst, für Ihre Familie und

Ihr Team. Der Autor, Unternehmensberater

und preisgekrönte Denker Edward De-

Bono spöttelte einmal: „Immer wenn man

müde wird, über ein Thema weiter nachzudenken,

trifft man eine Entscheidung.“

Leider setzen nur allzu viele Leute ihre Prioritäten

an der Stelle, wo sie mit ihrer Energie

am Ende sind. Ich hoffe, Sie machen es

nicht so. Sie wollen doch nicht, dass andere

über Ihre Tagesordnung bestimmen, oder?

Es gibt viele Methoden, Prioritäten festzulegen.

Wenn Sie sich selbst gut kennen,

fangen Sie bei Ihren persönlichen Stärken

an, bei dem, was Ihre Fähigkeiten und

gottgegebenen Begabungen am

besten zur Geltung bringt. Sie

können aber auch das nehmen,

was Ihnen am meisten Geld

und/oder Anerkennung einbringt.

Tun Sie, was Ihnen am

meisten Spaß macht und was Sie

am besten können. Wie wär’s mit

der 80:20-Regel? Stecken Sie 80

Prozent Ihrer Kraft in die 20 Prozent

Ihrer Aktivitäten, die Ihnen

am wichtigsten sind. Eine andere

Möglichkeit ist, sich auf außergewöhnliche

Chancen zu fokussieren, die versprechen,

besonders einträglich zu werden. Letzten

Endes geht es nur um das Eine: Widmen

Sie Ihre beste Zeit denjenigen Projekten,

die am erfolgversprechendsten sind.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

59


Wissen

3

und

Das Thema Scheitern oder

Misserfolge ist gerade bei

uns in Deutschland nicht

gerne gesehen. Nur wie

will man ohne Rückschläge

erfolgreich werden? Ich spreche da aus

bester Erfahrung, nachdem ich 2007 mein

erstes Unternehmen in der Schifffahrt

gründete und wir binnen kürzester Zeit

Millionen Umsätze machten, kam es 2008

zum Lehmann Crash. Auch in der Schifffahrt,

hat diese Krise ihre Spuren hinterlassen

hat.

Als dann noch 2011 eine Bremer Großreederei

pleiteging und wir von einer

Sekunde auf die andere 400.000 Euro

verloren haben, war mein Tiefpunkt erreicht.

Viele hätten vielleicht damals das

Handtuch geworfen oder wären in die

Insolvenz gegangen. Wir haben einen

Tipps, die mich vor der

Firmenpleite bewahrten

Glauben an mich hatte, war ich damals

ziemlich niedergeschlagen. Dann

kam der Wendepunkt, der mich erkennen

ließ, dass es Zeit ist, wieder aufzustehen.

Durch einen Kollegen begann

ich, die Ereignisse noch einmal genauer

zu betrachten. Denn obwohl es klar ist,

dass man einen verlorenen Betrag von

400.000 Euro nicht so wegsteckt, habe ich

eingesehen, dass wenn ich besser aufgepasst

hätte und Sicherheitsmaßnahmen

ergriffen hätte, es vielleicht nicht so weit

gekommen wäre.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir

dieser Fall gutgetan hat. Dieser Moment

hat mir gezeigt, dass wenn man an die

Spitze will, es nicht immer einfach ist. Das

Leben verläuft nicht gradlinig und ganz

besonders nicht, dass jeder dein Freund ist

und dir nur Gutes will.

Oliver Kerner ist Unternehmer

und trainiert heute auch andere

Unternehmen im Vertrieb.

Streue das Risiko und versteife dich

nicht auf einen oder zwei Großkunden.

Wir haben uns damals

nur auf die Großkunden (Großreedereien)

konzentriert. Nun waren es aber

genau die, die bei der Weltwirtschaftskrise

richtig ins Wanken gerieten. Warum soll

ich mich von einem Kunden abhängig machen?

Ich streue lieber das Risiko und bin

gerne für Projekte da, die ich langfristig betreuen

kann. Damit ohne das Risiko haben

zu müssen, dass wenn der Kunde pleitegeht

oder sich ganz simpel anders orienteiert, ich

meine Existenz verliere.

1

Wer nicht plant, der plant sein

Versagen! Damit meine ich nicht,

dass man Alles bis ins kleinste

Detail zu planen hat. Damit meine

ich vielmehr, dass man genau wissen

muss, wo man steht. In finanzieller Hinsicht,

als auch in vertrieblicher Hinsicht.

Daher plane, wie viel Rücklage du für

Krisenzeiten aufbauen musst. Außerdem

plane, wie viele Calls oder Kundenbesuche

du haben musst. Definiere, wie hoch dein

Ertrag sein muss, um dein Unternehmen

nachhaltig am Markt zu platzieren.

2

anderen Weg gewählt. Wir hatten ca.

140.000 Euro Verbindlichkeiten und sahen

uns dazu in der Lage, dieses Problem

zu lösen. Obwohl ich immer den Willen

Drei Dinge sind es insbesondere, die ich

meinen Teilnehmern und Kunden, zu denen

auch zahlreiche Start-Ups gehören,

mitgeben will.

Setze dir Ziele! Es hört sich abgedroschen

an, ist aber so. Also fing

ich an, mit einem Tagesplaner zu

arbeiten und mich jeden Morgen

zu fragen: „Was sind meine drei Ziele

für den heutigen Tag, was würde den Tag

wundervoll machen und für was bin ich

dankbar?“ Monatlich und wöchentlich

werden dabei auch Zwischenziele gesetzt,

die mich zu den Jahreszielen bringen sollen.

Diese setze ich regelmäßig für das Folgejahr.

Dies hilft ungemein dabei, sich zu

fokussieren und dank der Planung, seinem

Erfolg näher zu kommen. Deshalb ist eine

der größten Fragen: „Welche Ziele hast

Du?“ Definiere sie genau und vor allem,

warum du diese Ziele erreichen willst.

3

Das sind drei Punkte, die mir geholfen haben,

wieder aufzustehen. Ich hoffe, dass sie

auch dir helfen können.

60 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Wissen

„Wolf of Wall Street“

gibt‘s bei uns nicht

Die Bilder großer Finanzvertriebe, tanzend auf den Tischen und die Dollarzeichen in den Augen,

kennen viele. Alles egal, Hauptsache der Kunde unterschreibt. Diese Zeiten sind längst vorbei. Die

Finanzbranche hat einen krassen Wandel hinter sich, weiß Sönke Reintjes, der im Finanzvertrieb

finanziell unabhängig wurde. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Zeiten, wo jeder, der atmet,

mit auf ein Anwerbungsseminar

geschleift

wurde, sind lange vorbei.

Jeder 18 bis 80-jährige

wurde überredet, die Produkte zu kaufen

und zu vertreiben. Das geht heute professioneller.

Unsere Mitarbeiter sind zwischen

25 und 50. Schließlich investieren wir heute

viel Geld in eine gesunde Ausbildung – das

muss sich für unsere Seite ja auch rechnen.

Deswegen kommen heute auch sehr viel

ernsthaftere Kandidaten zu uns. Früher hat

man die Leute schließlich dazu gebracht,

ihren Bekanntenkreis abzugrasen. Das läuft

heute rein über Empfehlungsmarketing.

Zufriedene Bestandskunden beginnen ganz

von selbst, den Service weiterzuempfehlen.

Das ist in uns Menschen so drin. Wir haben

zudem ein VIP-Statussystem entwickelt,

das scheinbar einzigartig ist. Die Vergünstigungen

und Anerkennungen – wie bei

Lufthansa Miles&More – haben bei uns gar

nichts mit unserem Produkt zu tun. Sondern

der Kunde erhält beispielsweise Vergünstigungen

in Geschäften und Restaurants.

Oder wir schicken den Kunden eine

Woche in den Urlaub. Ganz ohne Hintertür.

Früher hat man den Kunden gedrängt,

die Namen seiner Freunde aufzuschreiben.

Wir haben aber in den letzten Jahrzehnten

festgestellt, dass uns ein glücklicher Kunde

lange erhalten bleibt und uns ganz freiwillig

weiterempfiehlt. Wenn Ihre Freunde fragen,

warum Sie so braun sind, und Sie ihnen

antworten „weil mein Finanzberater mir einen

Urlaub geschenkt hat“, dann macht das

automatisch die Runde.

Der Ausbildungsstandard ist heute sehr

hoch. Das haben wir auch dem Gesetzgeber

zu verdanken, der heute klare Qualifikationen

von Finanzberatern fordert – den

Sachkundenachweis. Die interne Ausbildung

ist dadurch sehr viel intensiver geworden.

Auf den Tischen tanzen ist heute

vorbei. Da rauchen richtig die Köpfe, da-

Sönke Reintjes ist Generalmanager

beim FBDD-Finanz

Beratungsdienst in Deutschland.

Er ist seit 30 Jahren

im Geldgeschäft und gilt als

Top-Speaker seiner Branche.

Er arbeitet in Flensburg.

mit der Kunde letztlich optimal beraten

werden kann. Andererseits war es auch

dem Marktumfeld geschuldet. Früher im

Strukturvertrieb ist man mit einem Produkt

losgerannt und hat es jedem aufs

Auge gedrückt. Der Kunde heute soll nur

noch bekommen, was er wirklich gebrauchen

kann. Da er uns als umfassenden

Ansprechpartner haben möchte, müssen

wir extrem viel Fachwissen aufbauen. Der

Gesetzgeber verlangt es sowieso. Im Beratungsprotokoll

muss genau angegeben

werden, zu welcher Risikoklasse der Kunde

zählt und warum er nun explizit diesen

fondsgebundenen Rentenplan oder jene

Versicherung wünscht.

Menschen wollen nach wie vor Karriere

im Finanzsektor machen. Ein wichtiger

Mehr Informationen unter anderem zu

aktuellen Karrieremöglichkeiten finden

Sie unter www.fbdd.de

Bild: Trendwerk- Fotografie

Grund ist, dass es noch immer die best

bezahlte Branche ist. Zwar muss man hart

arbeiten und viel Wissen aufbauen – aber

es lohnt sich eben auch. Wer zusätzlich zur

Beratung einen Mitarbeiterstamm aufbaut,

schafft sich ja auch einen Vermögenswert.

Denn er wird nicht mehr nur auf die eigene

Leistung bezahlt, sondern auch auf die

seiner Mitarbeiter. Für solch eine finanzielle

Unabhängigkeit muss jemand normalerweise

viel Geld in z.B. eine vermietete

Immobilie investieren, um ein dauerhaftes

Einkommen zu erhalten. Generell ist Geld

natürlich auch ein spannendes Spektrum.

Wer sich für Finanzen, Steuernsparen oder

Immobilienfinanzierung interessiert, fühlt

sich von diesem Geschäft angezogen.

Auch das Thema Persönlichkeit ist ein

Grund, warum sich viele für unsere Branche

entscheiden. Man weiß ja, dass wir

erfolgreiche Mitarbeiter auf die Bühne

stellen. Vor anderen zu sprechen und

Menschen zu begeistern ist ein großes Geschenk.

Viele wünschen sich das, anderen

etwas mit auf den Weg zu geben.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

61


Wissen

Gary Vaynerchuk

Komm ins hand

Das Interview führte Julien Backhaus.

Gary, trotz all deiner Bücher und Videos

neigen die Leute dazu, dir immer wieder

die gleichen Fragen über Erfolg und Social

Media zu stellen. Leben wir in einer

Welt, in der wir gerne alles auf einem Silbertablett

serviert bekommen und nicht

selbst die Zeit und die Arbeit investieren

wollen?

Ich denke, dass die Welt schon immer so

war. Harte Arbeit ist weder lustig, noch

fällt es den meisten Leuten leicht. Ich glaube

nicht, dass dieser Aspekt etwas Neues

ist oder wir damit heutzutage häufiger

Probleme haben, als vor 50 oder 70 Jahren.

Wir hatten immer Leute, die nur zu reden

wussten und welche, die faul waren und

sich beschwert haben. Also ja, ich denke,

das ist die menschliche Natur, da es sehr

schwierig ist, erfolgreich zu sein.

Ist es ein Problem, dass Social Media uns

suggeriert, dass wir viel Erfolg mit wenig

Arbeit erreichen können?

Klar, aber die Medien waren schon immer

so. Heutzutage präsentieren eine Menge

Leute Lamborghinis und Uhren auf Instagram.

Das war einst der Lifestyle für die

reichen, berühmten Menschen und gleichzeitig

Inhalt der Dauerwerbesendungen.

Wieder hat sich nichts verändert, die Menschen

tun immer noch das gleiche. Das

Medium hat sich zwar verändert, aber das

Verhalten ist gleichgeblieben.

ein unterhaltsamer Ort und ich habe viel

Respekt vor der europäischen Union und

deren Märkte. Ich bin gespannt darauf, in

Zukunft mehr Geschäfte in Europa zu machen.

Kommunikationswertes aufzubauen,

welcher sich in einem Jahr schon ändern

könnte?

Sie sind beide wichtig. Alles ist wichtig.

Wenn du keine Werte hast, hast du nichts.

Aber wenn du kein

Bewusstsein für diese

Werte hast, hast

du ebenfalls nichts.

Und wenn Sie nicht

nach diesen Werten

handeln, dann bist

du ein Heuchler.

Deswegen ist alles

bedeutend. Jeder ist

auf der Suche nach

dem, was am wichtigsten

ist. Ich rede

immer wieder über

die Wichtigkeit des

Handelns. Aber

weißt du was? Wenn

du keine gute

Strategie

Bilder Interview: Backhaus, Bild groß: Vaynerchuk

Dein Hauptfokus ist offensichtlich VaynerMedia

und Sie haben gerade Ihr Büro

in London eröffnet. Ist Europa ein interessanter

Markt für Sie?

Ja, denn es gibt eine große Menge von

Menschen in Europa. Es ist einer der

wichtigsten und stabilsten Kontinente und

auch der Ort, wo ich geboren wurde. Ich

stamme aus Weißrussland und Osteuropa.

Und nicht zu vergessen, dass ich im Weingeschäft

aufgewachsen bin. Deswegen war

es Westeuropa, wo ich Geschäfte gemacht

habe. Es ist ein sehr wichtiger, aber auch

Gary Vaynerchuk und Verleger Julien Backhaus trafen sich am

Rande der Hamburger Online Marketing Rockstars 2017.

Die Welt verändert sich ständig und bewegt

sich schnell. Das erschwert es, eine

Marketing- oder Kommunikationsstrategie

zu entwickeln. Ist es heute wichtiger,

einen Firmenwert anstelle eines

hast und nur unnötige

Dinge tust, dann ist das genauso

schlecht. Der Grund, warum ich mich

darauf konzentriere, ist die Tatsache, dass

die Menschen nichts tun. Aber am Ende ist

alles entscheidend.

62 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Wissen

eln!

Gary Vaynerchuk

ist ein amerikanischer Unternehmer,

Speaker und internationaler Internetstar.

Als Autor wurde er viermal

New York Times bestselling author.

Im Sommer erscheint sein erstes Buch

in Deutschland „#ASKGARYVEE“ im

Finanzbuchverlag.

»Wenn du keine

Werte hast,

hast du nichts.«

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

63


Wissen

Brian Tracy ist einer der größten

Erfolgslehrer der Welt.

Er ist der meistverkaufte

Buchautor zum Thema Ziele

weltweit. Insgesamt hat Tracy

70 Bücher geschrieben. In 70 Ländern erreichte

er bisher fünf Millionen Menschen

mit seinen Vorträgen. Zu seinen Beratungskunden

zählen die größten Unternehmen

der Welt.

Was ist der wichtigste Grund, warum

Menschen ihre Ziele nicht erreichen?

Den meisten Menschen wurde die Wichtigkeit

von Zielen nie beigebracht. Mit

dem Ergebnis, dass sie auch niemals Ziele

setzen. So wie die meisten nichts über Vitamine

wissen. Deshalb nehmen die meisten

Leute niemals welche zu sich. Manchmal

haben sie auch Angst vor dem Scheitern.

Sie setzen also keine Ziele, um nicht zu versagen.

Manchmal haben Menschen auch

Angst vor Zurückweisung. Sie setzen also

keine Ziele, um nicht kritisiert zu werden.

Aber Fakt ist: Menschen, die Ziele setzen,

erreichen immer viel mehr, als die, die keine

Ziele setzen. Und die Kosten, sich Ziele

zu setzen, sind null. Es kostet nichts.

Heute dreht es sich überall um Effizienz.

Das Resultat ist aber oft Stress. Können

wir effizient sein, ohne Stress dabei zu

empfingen?

Es gibt zwei Arten von Stress. Es gibt gesunden

und ungesunden Stress. Bei gesundem

Stress hast du klare Ziele, und

du bist motiviert, deine Ziele zu erreichen

bzw. deine Arbeit fertig zu stellen.

Das ist gesund! Es gibt dir Energie und

vergrößert deine Vorstellungskraft. Negativer

Stress macht dich unglücklich

bei dem, was du tust. Und du erzielst

keine Resultate. Du fühlst dich fremd

gesteuert, statt selbst Kontrolle zu haben.

Das ist negativer Stress. Also stelle

immer sicher, dass du eine Arbeit

machst, die dir selbst wichtig ist. Das

wird zwar auch für Stress sorgen, aber

für gesunden Stress.

Überall wollen Leute mehr Geld verdienen.

Warum erreichen die meisten

Menschen trotzdem nicht ihre finanziellen

Ziele?

Die Leute verstehen nicht, dass hinter

dem Geldverdienen ein System steckt.

Seit Tausenden von Jahren haben Menschen

gelernt, wie man Geld verdient.

In einer freien Gesellschaft wie der unseren

verdient man Geld, in dem man

Produkte oder Dienstleistungen anderen

Menschen anbietet, die ihnen helfen,

ihr Leben zu verbessern. Und du

verbesserst deine Produkte und Leistungen

ständig, damit sie besser sind, als die der

Konkurrenz. Und du wirst permanent

besser darin, diese Produkte und Dienste

»Die meisten w

wie man Ziele

anzubieten. Und das ist immer schon der

Schlüssel. Der Grund, warum Leute ihre

finanziellen Ziele nicht erreichen: Sie sind

Brian Tracy

Im Rahmen der österreichischen LEADX University

sprachen Veranstalter Karl Michael Pilsl, Millionärscoach

Paul Misar und Verleger Julien Backhaus

mit Trainerlegende Brian Tracy, der zum Thema

Ziele und Führung einen Vortrag hielt.

»Sorge für gesunden Stress«

rät Brian Tracy, oben im Gespräch mit Karl

Michael Pilsl von LEADX und Paul Misar, unten

mit Julien Backhaus.

nicht besonders gut in dem, was sie

tun. 90 Prozent deines Erfolges im

Leben wird bestimmt durch die Qualität

deiner Arbeit. Im Geschäftsleben

werden 90 Prozent deines Erfolges

bestimmt durch die Qualität deiner

Produkte und Dienstleistungen – im

Vergleich zu deiner Konkurrenz. Das

ist es.

Was ist der Unterscheid im Erfolgsdenken

zwischen den USA und

Deutschland?

Das ist interessant. Übrigens sind die

Deutschen sehr ehrgeizig. Vielleicht

sogar mehr als alle anderen Länder

in Europa. Ich arbeite schon 20 Jahre

mit den Deutschen und habe in 150

Auftritten zu einer Million Menschen

gesprochen. Und haben eine sehr

positive Einstellung zum Erfolg. Die

verbinden Erfolg mit guten Dingen

– gutes Familienleben, schönes Zuhause.

Es gibt andere Länder, in denen

verbinden die Menschen Erfolg – insbesondere

finanziellen Erfolg – mit etwas

Schlechtem. Alle wollen finanziell

erfolgreich sein. Aber wenn dann mal

jemand finanziell erfolgreich ist, dass

wird er kritisiert. Also fürchten sich viele

vor der Kritik von Freunden und Familie

und versuchen gar nicht erst, erfolgreich

zu werden.

Bild: Brian Tracy, Backhaus

64 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


SuperFrauen Wissen

issen nicht,

setzt«

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

65


Wissen

Warum

Stress

sein

muss

Vor ein paar Tagen hatte ich ein interessantes

Gespräch über Stress, Ärger und

Unzufriedenheit.

Die Haltung meines Gesprächspartners:

Anstrengung, Ärger, negative Gefühle

etc. seien Hinweise auf ein schlecht geführtes

Leben. Wer darunter litte, müsse

unbedingt etwas verändern, sonst drohten

schlimme Langzeitfolgen.

Meine Haltung hingegen: Stress, Ärger,

Unzufriedenheit etc. gehören zum Leben

dazu. Wer ernsthaft versucht, sie dauerhaft

zu vermeiden, ist ein neurotisches Weichei.

Ups! „Neurotisches Weichei“? Ja, genau so

meine ich es. Denn hinter dem Anspruch,

das Leben möge bitteschön bequem sein,

stecken oft tief sitzende Ängste: vor dem

eigenen vermeintlichen Unvermögen mit

Herausforderungen klarzukommen, mit

Mitbewerbern, Stress, Niederlagen und so

weiter. Das „Lebensprinzip Bequemlichkeit“

ist also im Kern von Angst vor Anstrengung

getrieben und die eigene Stimmung

somit in höchstem Maße abhängig

von der Außenwelt:

„Ist da draußen alles okay, geht es mir gut.“

„Ist es da draußen unbequem, geht es mir

schlecht – WEIL es da draußen unbequem

zugeht.“ Bemerken Sie den Denkfehler?

Nicht neurotischen Menschen geht es in

der Regel gut. Und zwar UNABHÄNGIG

von der Welt „da draußen“. Sie sind emotional

stabil, ruhen in sich. Dem Neurotiker

geht es selbst dann schlecht, wenn es „da

draußen“ nur ein wenig ruckelt.

Könnte es also sein, dass unsere ach so gemütlichen

Lebensansprüche massenhaft

Neurotiker produzieren? Ziele müssen

heute realistisch sein, Boni gut, Lehrer

fair, Chefs nett, Bezahlung gerecht, Urlaube

perfekt, Kinder pflegeleicht, Straßen

sicher, Körper schön und gesund, Aufgaben

machbar, Lebensläufe gerade, Arbeitszeiten

geregelt, … Die Liste ließe sich fortsetzen.

Das Problem dabei: Wenn wir ernsthaft

erwarten, dass uns stets gebratene Tauben

in den Mund fliegen, konstruieren wir einen

systematischen Grund für dauerhafte

Unzufriedenheit und Leid. Denn im Leben

geht es nun mal oft holprig zu! Wer das

verleugnet, wird chronisch unzufrieden –

ein neurotisches Weichei. Er konzentriert

sich auf das was fehlt, statt auf alles was da

ist. Er lebt im Zustand von Mangel, Leid,

Verlust und ständiger Begrenzung. Er ist

immer arm dran.

Wer hingegen akzeptiert, dass Stress,

Frust, Ärger, Unzufriedenheit zum Leben

dazugehören, hat die Chance, sich mit

ihnen zu arrangieren. Er integriert sie in

seine Vorstellung vom Leben, nimmt sie

66 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Wissen

Dr. med. Stefan Frädrich

ist Psychiater und hat sich u. a. mit

Verhalten, Coaching, Rhetorik,

Verkaufen, Kommunikation und

Management beschäftigt. Als Trainer,

Speaker und Moderator gibt er wertvolle

Erfolgstipps, die auch in seinen

Büchern nachzulesen sind.

Bild: Depositphotos/oneinchpunch, Frädrich: Privat

als unveränderliche Bestandteile an – und

hat deshalb keinen Grund, unter ihnen zu

leiden: „Wozu jammern? Gehört doch alles

dazu.“

Wer so denkt, gibt Problemen keine Macht,

weil sie nur Hinweise sind, wo etwas noch

verbessert oder akzeptiert werden muss.

Er weiß was noch entstehen kann, sieht

daher Chancen, Fülle und Aufgaben – und

ist somit immer reich.

Vielleicht denken Sie jetzt: „Was, wenn

man unter einer Situation dauerhaft leidet?

Soll man dann seine schlechten Gefühle

ignorieren?“ Stichworte Burnout, Traumata,

Sinnkrisen. Nein, natürlich nicht!

Wem es dauerhaft schlecht geht, weil es

dafür einen wichtigen Grund gibt, muss

sich seinen Gefühlen stellen: Was wollen

sie sagen? Was ist zu verändern? Aber der

Fokus sollte auf der eigenen Macht sein,

statt auf Leid und Hilflosigkeit.

Sind Sie

ein neurotisches

Weichei?

Im Prinzip kann man recht simpel unterscheiden:

Dauerhafter Stress und Unzufriedenheit

machen uns krank: Wir entwickeln körperliche

uns psychische Störungen und

können ernsthaft aua und gaga werden.

Zwischenzeitlicher Stress und Unzufriedenheit

aber halten uns fit: Sie trainieren

unsere Frustrationstoleranz und erweitern

unsere Komfortzone. Wir entwickeln unsere

Resilienz weiter und werden körperlich

und psychisch gesünder.

Ständige Reizarmut und Stressfreiheit hingegen

lassen uns körperlich und psychisch

verkümmern. Wir werden – genau! – zu

neurotischen Weicheiern.

In diesem Sinne: Wo erfahren Sie zurzeit

Stress, Ärger und Unzufriedenheit? Dann

versuchen Sie doch mal, dafür auf tiefstem

Herzen dankbar zu sein! Schließlich ist

klar: Nur die Harten kommen in den Garten.

Amen.

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

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Wissen

Warren Buffet

Der nette Onkel

aus Omaha

Die Erfolgsgeheimnisse des

Investment-Milliardärs

68 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Wissen

Bild: Flickr/Stuart Isett/Fortune MPW

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

69


Wissen

Er ist der erfolgreichste Investor aller

Zeiten und einer der reichsten Männer des

Planeten. Seine Anlagephilosophie ist eher

schlicht: Er beteiligt sich nur an Firmen,

wenn er deren Geschäft versteht und wenn

die langfristigen operativen Aussichten gut

sind. Sein Mantra: »Sei ängstlich, wenn andere

gierig sind, und sei gierig, wenn andere

ängstlich sind.« Damit machte er ein

Vermögen von 66,7 Milliarden Dollar.

Was hat man ihm nicht schon für Namen

gegeben. »Mozart der Finanzwelt« etwa.

Oder »Orakel von Omaha«, »Superstar

des Kapitalismus«. Für viele seiner Fans

ist er schlicht der »Guru«. Er wird mit

dem Papst und mit dem Dalai Lama

verglichen, mit einem Propheten oder

mit König Midas, dem König der griechischen

Sage, der alles, was er anfasste,

in Gold verwandelte.

Bei Amazon sind 3400 Bücher über ihn

gelistet, wer bei Google seinen Namen

eingibt, stößt auf fast 16 Millionen Einträge.

Der Buffett-Kult treibt manchmal seltsame

Blüten: Ahnenforscher wollen sogar

herausgefunden haben, dass US-Präsident

Barack Obama und Warren Buffett über

einen französischen Vorfahren aus dem

17. Jahrhundert entfernte Cousins sind.

Zu den Aktionärsversammlungen seiner

Investmentholding Berkshire Hathaway

im Kongresszentrum von Omaha pilgern

jedes Jahr Zehntausende, um ihm zu lauschen.

Von der Hausfrau bis zum Hedgefonds-Manager.

Um aus seinem Munde

zu vernehmen, wie es weitergeht an den

Märkten. Es ist eine Mischung aus Gottesdienst,

Bergpredigt, Wallfahrt und Popkonzert,

ein Woodstock für Kapitalisten.

Hier in Omaha, wo Buffett lebt und sich

das Hauptquartier seiner Holding befindet,

ist die Wall Street ganz weit weg. Wogende

Maisfelder statt Häuserschluchten.

Hier, im »Heartland«, schlägt das Herz

des konservativen Amerikas. Warren Buffett,

inzwischen 86 Jahre alt, sitzt dann auf

der Bühne, ein freundlicher, netter Herr

in einem meist schlecht sitzenden grauen

Anzug, der Cherry Cola trinkt (er hält Anteile

an Coca-Cola in Milliardenhöhe) und

seine Erkenntnisse verkündet. Dazwischen

»Sei ängstlich,

wenn andere gierig sind,

und sei gierig, wenn

andere ängstlich sind.«

gibt er auch schon mal ein Ständchen und

er spielt, begleitet von einer Country-

Band, auf seiner Ukulele, singt traurige

Western-Balladen von vergangener Liebe

und gebrochenen Herzen. Und gelegentlich

spielt er eine öffentliche Runde Bridge

mit seinem Freund Bill Gates.

Geduldig beantwortet Buffett die Fragen

der Aktionäre, würzt seine Antworten immer

wieder mit seinen längst in die Börsengeschichte

eingegangenen Lebensweisheiten.

Etwa: »Wer sich nach den Tipps

von Brokern richtet, kann auch einen Friseur

fragen, ob er einen neuen Haarschnitt

empfiehlt.« Oder: »Investiere nie in eine

Firma, die nicht auch von einem Vollidioten

geführt werden könnte. Denn früher

oder später wird es dazu kommen.« Sein

wohl berühmtestes Zitat: »Sei ängstlich,

wenn die anderen gierig sind. Sei gierig,

wenn die anderen ängstlich sind.« Kein

Vertrauen hat er in Derivate (»Massenvernichtungswaffen«)

oder Gold (»Nutzen hat

es keinen«), und auch von Luftfahrtaktien

hält er nichts (»Wie wird man Millionär?

Man fängt als Milliardär an und investiert

in eine Fluggesellschaft«). Sein wichtigster

Rat an die Anleger: »Regel Nummer 1:

Verliere dein Geld nicht. Regel Nummer 2:

Vergiss Regel Nummer 1 nicht.«

Niemand würde in dem netten Onkel

mit der dicken Brille einen der reichsten

Menschen des Planeten vermuten, den

erfolgreichsten Investor aller Zeiten.

Seit über 40 Jahren ist er der Chef bei

Berkshire Hathaway (wer 1965 tausend

Dollar in den Fonds investierte, besitzt

heute über sieben Millionen Dollar).

Wer von Buffett zu einem Power-Lunch

im New Yorker Steakhaus Smith & Wollensky

eingeladen werden möchte, muss

tief in die Tasche greifen. Die Einladungen

werden versteigert, regelmäßig werden

mehrere hunderttausend Dollar geboten.

Dem chinesischen Hedgefonds-Manager

Zhao Danyang war ein Platz am Tisch des

Star-Investors sogar 2,1 Millionen Dollar

wert. Die Erlöse spendet Buffett für die

Obdachlosenhilfe. Seine Karriere liest sich

wie das Drehbuch für einen Hollywood-

Film über den »American Dream«. Er war

in Omaha aufgewachsen. Sein Vater, ein

Aktienhändler, wurde in der Großen Depression

arbeitslos. Das Geld war so knapp,

dass die Mutter oft auf ihr Essen verzichtete,

um die beiden Kinder satt zu bekom-

Warren Buffetts fünf Regeln des Börsen-Erfolgs

Regel Nr. 1: Informieren Sie sich gut!

Beim Investieren sollte man sich immer

auf sein Wissen verlassen. Die »nackten

Fakten« sind entscheidend. Bei Fonds

und Zertifikaten die Website der herausgebenden

Bank studieren: Dort können

Anleger sehen, welche Strategie der

Fonds verfolgt, wie das Zertifikat funktioniert

und ob es zu den eigenen Vorstellungen

passt. Bei Aktien hilft immer ein

Blick auf die Website des Unternehmens

in dem Bereich »Investor Relations«.

Dort kann man viel über die Chancen

und Pläne des Unternehmens lesen.

Regel Nr. 2: Schwimmen Sie nicht mit

der Masse!

Kaufen Sie eine Aktie immer dann, wenn

sich die breite Masse nicht dafür interessiert.

Man kann nicht etwas kaufen, was

beliebt ist, und damit Erfolg haben – so verliert

man an der Börse. Beispiel Telekom-

Aktie: Als auf dem Höhepunkt des Hypes

jede Putzfrau die »Volks-Aktie« kaufen

wollte, war damit kein Geld mehr zu verdienen.

Regel Nr. 3: Haben Sie Geduld!

Anleger müssen einen langen Atem haben.

Eine Aktie, die man nicht zehn Jahre

zu halten bereit sei, solle man nicht einmal

zehn Minuten behalten. Der Anleger müsse

von den langfristigen Perspektiven des

Unternehmens, in das er investiert, überzeugt

sein.

Regel Nr. 4: Konzentrieren Sie Ihre Investments!

Buffett: »Wenn Sie über einen Harem mit 40

Frauen verfügen, lernen Sie auch keine richtig

kennen.« Aber lediglich auf ein oder

zwei Titel zu setzen, sei gefährlich. Denn

wer sich mit diesen Investments irre, der

riskiere viel Geld. Ideal sei deshalb der

»Arche-Noah-Ansatz«: Das Depot sollte

niemals einem bunt gemischten Zoo

gleichen, sondern aus Anlagen bestehen,

die sich ergänzen und das Risiko so gut

wie möglich minimieren.

Regel Nr. 5: Kaufen Sie nur, was Sie

auch verstehen!

Man soll nur in Firmen, Fonds, Zertifikate

und andere Papiere investieren,

wenn man diese Geldanlage auch

wirklich versteht. Der Anleger muss

sich zum Beispiel fragen, was die Firma

produziert, in die er investieren möchte,

womit sie ihr Geld verdient und wie die

Zukunftsperspektiven aussehen.

70 www.erfolgmagazin.de . Ausgabe 02/2017 . Erfolg magazin


Wissen

Buchauszug aus

„Die Erfolgsgeheimnisse der

Börsenmillionäre“, FBV

men. Warren handelte bereits als Sechsjähriger

mit Coca Cola-Flaschen, später trug

er Zeitungen aus, vermietete Flipperautomaten

und verkaufte gebrauchte Golfbälle.

Mit zehn Jahren hatte er fast alle Bücher

zum Thema Kapitalanlage gelesen, die er

in der Stadtbibliothek finden konnte. Ein

Jahr später kaufte er für 38,25 Dollar seine

ersten drei Aktien – Vorzugsaktien von Cities

Service (die spätere Citgo Petroleum)

–, die er für 40 Dollar verkaufte. Seine

erste Steuerklärung machte er mit

13. Er schrieb darin sein Fahrrad im

Wert von 35 Dollar als Betriebsausgabe

ab. Als Warren 17 war, kaufte er

zusammen mit zwei Freunden einen

gebrauchten Rolls Royce für 350 Dollar

und vermietete ihn für 35 Dollar

am Tag.

2003 hätte er beinahe noch die Finanzen

des Staates Kalifornien saniert. Gouverneur

Arnold Schwarzenegger holte ihn damals

als Berater in sein Team. Als Buffett

aber Steuererhöhungen zur Rettung des

maroden Staatshaushalts vorschlug, wollte

Arnie nicht mehr auf seinen Rat hören.

Buffett hatte an der Columbia University

in New York seinen Master in Finanzwissenschaft

gemacht. Einer seiner Professoren

war Benjamin Graham, der Vater

der Fundamentalanalyse. Buffett wurde

sein Musterschüler, er war der einzige Student,

dem Graham jemals zum Abschluss

»Ich lebe viel besser als

die Superreichen,

ich vermisse nichts«

die Bestnote verlieh.

Mit 25 machte sich Buffett als Fondsmanager

selbstständig. Von 1956 bis 1969 erreichte

er ein durchschnittliches jährliches

Anlageergebnis von 29,5 Prozent. 1969 bot

er seinen Investoren an, ihr Geld in Anteile

des von ihm gekauften Textilunternehmens

Berkshire Hathaway zu tauschen – die Firma

diente ihm als Investitionsvehikel, das

er in eine Holdinggesellschaft mit Schwerpunkt

im Versicherungsgeschäft umwandelte,

mit inzwischen 66 eigenen Unternehmen

und vielen Beteiligungen. Dieses

gewaltige Finanz- und Industriekonglomerat,

das Buffett in den vergangenen

Jahrzehnten zusammen mit ein paar Mitarbeitern

aufgebaut hatte, ist an der Wall

Street inzwischen mit über 200 Milliarden

Dollar bewertet. In den 1980er-Jahren

machte Buffett Schlagzeilen mit dem Kauf

größerer Aktienbestände von Coca Cola,

American Express und Gillette.

1991 rettete er das durch einen Skandal

in existenzielle Not geratene Wall-Street-

Unternehmen Salomon Brothers vor dem

Untergang. 2009 erwarb er für etwa 44 Milliarden

Dollar den US-Eisenbahnkonzern

Burlington Northern Santa Fe. Es war sein

bisher größter Deal. Der Aktienkurs seiner

Holding Berkshire Hathaway schlägt seit

Jahrzehnten den Vergleichsindex S&P 500

deutlich. Das hat viele seiner Aktionäre

reich gemacht – und auch Warren Buffett

selbst, dessen Vermögen auf 66,7 Milliarden

Dollar geschätzt wird. Zeitweise

war er der reichste Mann der Welt.

85 Prozent seines Vermögens will er

nach und nach für wohltätige Zwecke

spenden, den größten Teil an die Bill

& Melinda Gates Foundation.

Der Multimilliardär wohnt nach wie

vor in einem einfachen Haus in Omaha,

das er 1958 für 31.500 Dollar gekauft

hatte. Er lebt von einem Jahresgehalt

von 100.000 Dollar plus 100.000 Dollar

Aufwandsentschädigung. Jeden Morgen

um 8:30 Uhr fährt er in sein kleines Büro

in Downtown Omaha, liest fünf Zeitungen

und denkt nach. Einen Computer besitzt

er nicht. Gelegentlich kommt Bill Gates zu

Besuch, dann spielen sie zusammen Bridge.

Er ist ein Fan des örtlichen Baseball-Clubs

Omaha Royals (an dem er beteiligt ist) und

isst am liebsten Fast Food. Auf dem Nummernschild

seines Autos steht »Thrifty«

(geizig). »Ich lebe viel besser als die Superreichen«,

sagt er. »Ich vermisse nichts«.

Bilde: Flickr/AsaMathat, Fortune MPW

Erfolg magazin . Ausgabe 02/2017 . www.erfolgmagazin.de

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