Fietje und Arti an den Zauberflüssen

federsammler

Fietje und Arti an den Zauberflüssen


Impressum

Die Federsammler

Fietje und Arti an den Zauberflüssen

1. Auflage 2017

©KlangbildVerlag, Jena

Herausgeber: Goethe-Institut Sarajevo, Goethe-Institut Zagreb, Goethe-Institut Belgrad, Jugend will ... gGmbH

Konzept: Antje Hübner (Jugend will ... gGmbH)

Projektleitung: Jakob Konrath, Dr. Bernd Schneider (Goethe-Institut Belgrad); Aida Mujezinovic (Goethe-Institut

Sarajevo); Antje Hübner (Jugend will ... gGmbH)

Autorinnen und Autoren aus Bosnien und Herzegowina:

Arijana Dekanović; Lejla Ćosić; Melina Kadić; Merisa Mušić; Amra Handanović; Edina Sivić; Hana Šahinović;

Lejla Mesić; Sihada Kržalić; Anja Telalović; Amila Kahriman; Belma Ibrahimagić; Dzenah Ahmetspahić; Elma

Dedić; Elmar Musaefendić; Emina Halilović; Hamza Luzić; Harisa Kovacević; Kenan Berbić; Lamija Kahriman;

Mirža Valentić; Adnan Sabanović; Amila Kadrić; Arijana Sendro; Ažra Zukić; Hanan Memić; Mehmed Solak;

Nejla Selimović; Vedad Delić; Sabrina Bešlagić; Belma Nurskić; Ahmed Bešić; Maid Junuzović; Elma Kahvedžić;

Elma Mehmedović; Amin Omerašević; Dženan Dedić; Lejla Skopljak; Dragana Stjepanović; Ivana Pijetlović;

Jelena Radman; Monika Abadžić; Nikolina Miholjcić; Adela Prasko; Adna Ganibegović; Adna Muslić; Adna

Šestić; Amina Pojskić; Berina Telalović; Edna Tufekčić; Emina Rušidović; Emina Šehić; Enaze Źević; Iman

Karabeg; Kanita Isaković; Lamija Hibović; Lejla Šabić; Merjem Bajramović; Nejra Omeragić; Zerina Spahić

Autorinnen und Autoren aus Kroatien:

Bruno Stolnik; Ivana Kolačko; Leo Šobak; Patrick Stanko; Valentina Kanjir; Ana Čalo; Ana Karavidović; Ana

Martina Vračić; Ana Štimac; Anja Rotim; Antoaneta Taslidžić; Barbara Pisačić; Bruna Vujičić; Helena Borzan

Iva Mamić; Jan Zima; Karlo Kraljik; Leonarda Lozančić; Lorena Krajnović; Nika Važić; Petra Selthofer; Tara

Kovačević

Autorinnen und Autoren aus Serbien:

Filip Nikolić; Mihajlo Ćirić; Milica Pantelić; Miloš Ćirić; Nevena Vićić; Nina Gračanin; Nina Katić;

Anastasija Stamenković; Angelina Popadić; Katarina Radovanović; Milena Župljanić; Milica Popadić; Tamara

Milosavljević; Ana Tomić; Andrea Ocokoljić; Draga Tušup; Ivana Bajkić; Jana Nedeljković; Katarina Stojić;

Ksenija Todorović; Lola Lazović; Milica Božović; Milica Manojlović; Nevena Pantić; Simona Vujačić; Vasilije

Mitrovski; Vera Drašković; Vida Gajić; Aleksandar Pekurar; Doroteja Zarev; Marijana Curguz; Mihajlo

Marjanović, Mihajlo Tirnanić; Milan Miletić; Mina Delić; Nevena Milošavljević; Sofija Tomić; Vladana Plavšić,

Milica Milinković

Co-Autorinnen und Co-Autor aus den 3 Ländern (begleitende Deutsch-Lehrkräfte):

Melita Barišić; Edisa Ćosić; Vajka Đukić; Vesna Milivojević; Selma Mumdzić; Jasmin Mujkić; Hanadi Nalić;

Vesna Nikolovski; Jadranka Petrač; Selina Popaja; Sonja Stojanović; Ivana Vitorović

Fietje und Arti an den

Zauberflüssen

Redaktion/Seminarleitung: Antje Hübner, Tanja Schwarzmeier, Annika-Susann Leicht (Jugend will ... gGmbH)

Lektorat: Antje Hübner (Jugend will ... gGmbH)

Satz: Annika-Susann Leicht (Jugend will ... gGmbH)

Illustration & Umschlag: Maria Suckert, Weimar

Der Abdruck der Geschichten erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Urheber und ihrer

Erziehungsberechtigten. Die Handlungskulissen der Geschichte sind reale Orte. Die Handlung selbst sowie in

Verbindung stehende Personen und Namen sind frei erfunden. Alle Rechte vorbehalten.

ISBN 978-3-9819213-0-4

www.jugend-will.de


inhaltsverzeichnis

1. Wie alles begann

2. Hallo Drau

3. Falsche Freunde

4. Bunte Federn überall

5. Der magische Baum

6. Danke Miljacka!

7. Unterwegs in Sarajevo

8. Gute Freunde

9. Jasminas Geschichte

10. Die Macht der Freundschaft

11. Valjevo, wir kommen!

12. Auf Kragujs Spuren

13. Rätselhafte Nachrichten

14. In Pancevo ist was los!

Feder-Schatz

12

24

46

66

88

98

116

144

158

166

200

232

244

276

290


6 7

Fietjes Tagebuch

Fietje erzählt seinem Tagebuch, wie er und

Arti von einer Stadt in die nächste gelangten.

Dies ist jeweils die Eingangsgeschichte eines

jeden Federsammler-Bandes.

Wie cool!

Feder-Schätze

Dein Buch ist nicht „nur“ ein Buch!

Auf manchen Seiten fliegen Federn.

Das sind Wörter oder Wortgruppen, die dir

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8

WER IST WER?

Sprachlos-Land

Wort-Reich

Fietje ist ein ganz normaler

Junge. Er ist 12 Jahre alt und

kommt aus Jena.

Zusammen mit seinem Papagei

Arti erlebt der Skater viele Abenteuer.

Der Vogel und seine Federn

brauchen oft seine Hilfe.

Gemeinsam mit Arti ist Fietje auf

der Flucht vor den Männern aus

Sprachlos-Land.

Arti ist ein Graupapagei. Er

ist 1439 Jahre alt. Der König von

Wort-Reich spricht 100 Sprachen.

In jeder grauen Feder steckt ein

Wort. Trotzdem sucht der Papagei

nach dem großen deutschen

Sprachschatz. Überall sammelt er

deutsche Wörter für sein Wort-

Reich. In seinen roten Federn sind

seine Lieblingswörter oder ganze

Sprachen versteckt. Er ist sehr

klug und weiß über Vieles bescheid.

Fietjes Skateboard

ist ein Zauber-Board. Es hört auf

seine und Artis Befehle. Arti kann

sich in dem Skateboard verstecken.

Der Papagei kann hinein

verschwinden, wenn Fietje es nass

macht. Erst, wenn es trocken

gerieben wird, kann Arti wieder

herauskommen.

Das Skateboard kann fliegen.

Herr Keinwort &

Mister Mundzu

kommen aus Sprachlos-Land. Dort

kann man keine Sprache sprechen.

Sie sprechen nur eine Sprache aus

Gedanken. Die beiden Männer sind

hinter Arti und seinem Sprachschatz

her. Sie versuchen, ihn für

ihr Land zu fangen. Jedes Wort,

also jede Feder, die sie von Arti

stehlen, sprechen sie laut aus.


10

FIETJES TAGEBUCH

11

Liebes Tagebuch,

so viel ist in letzter Zeit passiert!

Ich habe dir doch schon von meiner

Freundin Jasmina erzählt, die ich hier in

Jena in der Schule kennengelernt habe.

Sie ist mit ihren Eltern wieder zurück

nach Sarajevo gegangen. Jetzt wohnen

sie wieder dort.

Ich habe mich spontan dazu entschlossen,

sie zu besuchen.

Aber Tagebuch, das ist noch längst

nicht alles, was passiert ist!

In Sarajevo bin ich diesem süßen

Mädchen Aziza begegnet.

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Schreibe online mit!

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Lehrerfortbildung

März 2017, Sarajevo

Serbien

12

13

"Die Federsammler - Kooperatives Schreiben"

Vajka Đukić

Serbien

Vesna Nikolovski

01

"Wie alles

begann..."

Sonja Stojanović

Kapitel 1

Serbien

Sarajevo, Bosnien

Melita Barišić

Kroatien

und Herzegowina

Jasmin Mujkić

Bosnien und Herzegowina

Ivana Vitorović

Serbien

Selma Mumdzić

Bosnien und Herzegowina

Jadranka Petrac

Kroatien


14

WIE ALLES BEGANN...

15

Aziza ist ein arabisches Mädchen und verbringt die Ferien

in Ilidža, einem Stadteil von Sarajevo, mit ihren Eltern. Sie

ist bildhübsch, exotisch mit langen lockigen dunkelbraunen

Haaren und dunklen Augen.

Sie ist modern angezogen: ein kariertes Hemd, zerrissene

Jeans, viele Freundschaftsarmbänder und rote

Converse-Schuhe. Sie trägt eine Tasche mit Abzeichen

von Rockbands. Sie ist rebellisch, offen und schließt leicht

neue Bekanntschaften.

Eines Tages fährt sie mit der Straßenbahn Nr. 3 ins

Stadtzentrum. Bei der Haltestelle Avaz steigt Fietje mit

Arti auf seiner Schulter und dem Skateboard unter dem

Arm ein.

Aziza bemerkt den Jungen und denkt: „Was für ein

süßer Typ. Was mache ich bloß, damit er mich bemerkt?“

Sie fahren weiter, bis zum Stadtzentrum. Beim Aussteigen

stolpert Aziza absichtlich und Fietje hilft ihr auf.

„Hey, bist du ok?“, fragt er und reicht ihr die Hand.

Aziza tut so, als ob sie verletzt wäre und sagt: „Ich bin

so tollpatschig. Ich glaube, mein Bein ist verletzt. Kann ich

mich an dir festhalten?“

Fietje sagt: „Ja, natürlich. Mein Freund Arti und ich helfen

dir gerne.“

Aziza: „Cool. Ich bin übrigens Aziza.“

Fietje: „Ich heiße Fietje.“

Sie bummeln zusammen durch die Einkaufsstraße

Baščaršija, schauen sich die

Schaufenster an und sprechen

über Mode und Musik.

Fietje fragt Aziza, ob sie etwas

trinken möchte.

Sie lächelt ihn an und sagt träumerisch:

„Ja, danke."

01

tollpatschig =

ungeschickt

tollpatschig


16

WIE ALLES BEGANN...

17

Fietje kauft eine Limo und teilt sie mit Aziza. Für Aziza ist

das wie ein Kuss. Die leere Flasche behält Aziza als

Erinnerung.

Sie gehen weiter zum Park, wo Fietje noch skaten möchte.

Aziza schaut ihm gerne dabei zu.

Dabei denkt sie: „Er ist der Hammer! Wie er geschickt mit

dem Skateboard umgehen kann. Er ist so sportlich begabt

und passt so gut zu mir. Ach wenn ich meinen Freundinnen

von ihm erzähle...“

Nach einer Weile bemerkt Arti Herr Keinwort und

Mister Mundzu, wie sie aus einer dunklen Ecke des Parks

sie beobachten.

„Ohje, ich muss das dem Fietje sagen!“, denkt Arti und fliegt

zu ihm.

Fietje, wir müssen uns schnell auf den Weg machen!“

Fietje fragt: „Warum denn? Was ist los?“

Arti: „Die Zwei sind hier.“

Fietje ist erschrocken, packt Aziza an der Hand, sie fühlt

sich wie im siebten Himmel, und sie laufen zum Sebilj

Brunnen, den Taubenplatz. Die zwei Männer verfolgen sie.

Auf dem Weg stoßen sie auf Azizas Eltern, die sehr

überrascht sind. Aziza macht sie mit Fietje bekannt.

„Papa, das ist mein deutscher Freund Fietje. Fietje, das ist

mein Papa Abdul und das ist meine Mutti Layla.“

Fietje reicht ihnen die Hand und sagt lächelnd: „Freut mich,

Sie kennenzulernen.“

Standpauke

Azizas Eltern sagen nichts und schauen nur Aziza an. Die

Mutter nimmt Aziza zur Seite und hält ihr eine Standpauke:

„Sag mal, Aziza, was denkst du dir dabei? Dich schon wieder

mit einem Jungen herumzutreiben? Warte bloß, bis wir

nach Hause kommen. Du kennst den Papa!“

Arti fliegt schnell zum Brunnen, wo sich die Tauben

aufhalten und schreit: „Hey, versteckt mich! Diese Zwei sind

hinter mir her!“

Die Tauben geben ihm den Schutz und nehmen Arti in ihre

Vogelschar auf.

Aziza ist verzweifelt und ratlos. Sie läuft mit Fietjes Flasche

in der Hand durch die Stadt und landet am Ufer von Miljacka,

wo sie zusammen mit ihren Eltern auf die Straßenbahn

wartet.

Sie setzt sich auf die Bank und denkt

noch: „Sehe ich ihn bloß wieder?

Wo ist er jetzt hingegangen?“

Hilfe!

Versteckt

mich!

02

Standpauke,

die, -n =

eine Ermahnung,

mit jemanden wird

geschimpft


18

WIE ALLES BEGANN...

03

türmen =

weglaufen

Die Miljacka

Die Miljacka ist ein 36 Kilometer

langer FLuss in Bosnien und

Herzegowina und fließt durch Sarajevo.

Durch Miljackas häufig rotbraune Färbung

nennt man sie auch "Roter Fluss".

Aziza türmt. Außer Atem kommt sie zu einer Brücke.

Darunter fließt die Miljacka. Unter der Brücke stehen zwei

barfüßige Männer. Sie stehen im Schatten, sodass das

Mädchen sie kaum sehen kann. Sie vergisst sie gleich wieder.

Aziza betrachtet sehnsüchtig den Fluss und beneidet ihn

um seine Freiheit.

„So gern wäre ich so wie du, Miljacka. So schnell, wild,

unberechenbar. Du lässt dich von niemanden bändigen.“

Zu ihrer großen Verwunderung hört sie eine rauschende

Stimme: „Mädchen, was bedrückt dich? Sag mir doch, was

dir auf dem Herzen liegt.“

türmen

19

Das Mädchen sieht sich erschrocken um. Sie kann nicht

verstehen, woher die Stimme kommt.

„Wer spricht denn da?“

Wieder hört sie die rauschende Stimme: „Ich bin’s, Miljacka.

Du hast mich zuerst angesprochen.“

„Ein Fluss kann sprechen?!“

„Natürlich, was hast du denn gedacht? Glaubst du etwa,

dass nur Menschen diese Fähigkeit besitzen? Ich spreche

sogar drei Sprachen. Bosnisch, Serbisch und Kroatisch!“

„Dann sag mir, was ich machen soll“, erwiderte das Mädchen

störrisch. „Mein Glück war greifbar nahe, aber man hat es

mir genommen!“

„Gedulde dich, nichts ist verloren. Wo ein Wille ist, ist immer

auch ein Weg.“

„Ich bin in Fietje bis über beide Ohren verliebt. Meine Eltern

haben aber vergessen, wie es ist, wenn man so starke

Gefühle für einen anderen Menschen hat.“

„Dann schreib eine Botschaft an Fietje, steck sie in eine

Flasche und ich bringe sie zu ihm.“

„Das würdest du für mich tun? Soll ich einen Gegendienst

für dich leisten?“

„Sag den übermütigen Menschen, dass sie mit ihren Flüssen

behutsamer umgehen sollen. Auch wir leben und auch wir

haben Geburtstag. Auch wir können sterben.“

„Kein Problem, das mache ich gern. Warte mal, ich schreibe

gleich die Botschaft.“

04

störrisch=

stur, starrsinnig

störrisch


20

WIE ALLES BEGANN...

Sie wirft die Flasche mit ihrem Liebesbreif in den Fluss

und schaut zu, wie sie langsam auf den Wellen treibt und

in der Ferne

verschwindet.

Die zwei Männer, die im Schatten stehen, haben das

ganze Gespräch gehört. Sie laufen den Fluss entlang, in der

Hoffnung, die Flasche zu fangen.

Der Fluss bemerkt das und beschützt die Flasche.

Fietje und Arti sitzen am Flussufer neben dem früheren

Sportzentrum Skenderija.

„Psst! Hörst du diese wunderbar

rauschende Stimme?“ Fietje wird auf

einmal stutzig.

Er erinnert sich an ihre

Aufgabe und schaut Arti

aufmerksam an.

Dieser sitzt lauschend

und gespannt da.

Eine Gruppe von Kindern

sitzt wortlos am Ufer.

Sie hören dem Fluss zu.

„Was ist das für eine Veranstaltung?“, fragt Fietje.

„Sie haben Geschichtsunterricht, den außergewöhnlichsten

in der Welt. Zu dieser Abendstunde erzählt Miljacka von

der reichen Geschichte der Stadt Sarajevo, von allen

Menschen, die hier miteinander gelebt haben“, Arti strahlt

vor Begeisterung.

„Während du in deine Gedanken vertieft bist, lerne ich

sogar drei Sprachen und die ganze Geschichte der Stadt!“

In dem Moment hört Miljacka auf zu rauschen und zu

erzählen. Auf einmal herrscht vollständige Stille und

nur Fietje kann eine Botschaft vernehmen.

„Folge mir, finde die Flasche und dein Glück...“

„Welche Flasche soll ich finden? Eine Flaschenpost?"

Fietje ist gespannt.

21


22

FIETJES TAGEBUCH

23

Liebes Tagebuch,

diese Flaschenpost lässt mir einfach

keine Ruhe. Ich muss wissen, was darin

geschrieben steht!

Gemeinsam bin ich mit Arti zurück nach

Jena geflogen, um noch einige Sachen

zu packen. Die Saale hat mir den

Hinweis gegeben, wo ich mit der Suche

beginnen muss.

Deshalb mache ich mich jetzt auf den

Weg nach Kroatien!

Dort werde ich den geheimen Brief

bestimmt finden, sagt die Saale.

Arti begleitet mich natürlich. Ich bin so

gespannt, auf die Reise.


Kroatien

24

25

Bruno Stolnik

02

"Hallo Drau!"

Kapitel 1

Ivana Kolačko

Donja Voca,

Valentina Kanjir

Leo Šobak

Patrick Stanko


26

HALLO, DRAU!

27

„Folge mir, finde die Flaschenpost und dein Glück!“, hört

Fietje schon wieder.

„Du, Arti, hast du das eben gehört?“, fragt Fietje erstaunt.

„Ich weiß nicht, wovon du redest“, erwidert Arti

ahnungslos und nähert sich der Drau.

„Wir müssen dem Fluss folgen. Irgendetwas sagt mir

das. Los, komm Arti“, ruft Fietje und zeigt Arti mit einer

Armbewegung den Weg.

Die beiden laufen am Ufer entlang.

Der Fluss fließt an manchen Stellen wirklich schnell und

alles herum ist laut. Dann wird es wieder ganz leise und

man hört kaum ein Geräusch – außer Fietjes Schritte und

Artis Flattern.

Doch auf einmal wird Fietje still und denkt, er hört das

Echo seiner Schritte. Er dreht sich um, sieht aber nichts.

Da fliegt Arti ein Stück zurück und stellt erschrocken fest:

„Oh je, das sind die Zwei!“

Er fliegt schnell zu Fietje und sagt leise zu ihm: „Herr

Keinwort und Mister Mundzu sind hinter uns. Wir müssen

uns beeilen.“

05

Echo,

das, -s =

ein Geräusch oder

eine Stimme, die

man immer wieder

hört

Die Drau

Die Drau ist ein Nebenfluss der

Donau, der in Südtirol (Italien)

entspringt, dann durch Osttirol und

Kärnten (Österreich) sowie durch die

Untersteiermark (Slowenien), Kroatien

und Ungarn fließt.

Echo


28

HALLO, DRAU!

29

flott

06

flott =

schnell,

zügig,

flink

07

Beule,

die, -n =

durch Stoß

oder Schlag

entstandene

deutliche

Schwellung

Fietjes Schritte werden immer flotter. Er rennt, nimmt

sein Skateboard und fliegt zusammen mit Arti davon. Sie

fliegen ohne zu sehen wohin. Es ist nebelig und der Nebel ist

so dicht, dass sie kaum etwas erkennen. Auf einmal knallen

sie gegen einen Felsen und fallen.

Als Fietje seine Augen wieder aufmacht wird ihm klar, dass

er ganz nass ist. Da hört er eine wunderschöne zarte

Stimme, die liebevoll zu ihm spricht, während jemand seine

Haare streichelt.

„Dir geht es gut, mein Junge. Du bist nur nass und hast eine

Beule am Kopf. Das kommt davon, wenn man zu schnell

fliegt und einen Felsen nicht bemerkt. Ich habe dich in

meine warme Decke eingewickelt, damit du nicht erfrierst“,

sagt die Stimme beruhigend.

„Danke!“, ist alles, was Fietje in diesem Moment aussprechen

kann, bevor er seine Augen wieder schließt.

Beule


30

HALLO, DRAU!

31

Währendessen erkundet Arti die Umgebung. Ihm geht es

soweit ganz gut. Er hat auch gar nicht mitbekommen, dass er

beim Zusammenstoß mit dem Felsen einige Federn verloren

hat. Er fliegt herum, schaut sich die wunderschöne Landschaft

an und merkt, dass der Felsen eigentlich eine Höhle

ist. Er schaut hinein und sieht dort Frauen, die Kleidung nähen.

Eine von ihnen bemerkt Arti und kommt zu ihm.

„Hallo, ich bin die Fee Voćanka. Wer bist du denn?“, fragt sie.

„Eine Fee?“, staunt Arti.

Wie du siehst, leben hier viele von uns. Wir alle nähen die

Kleidung für die Bewohner von Donja Voća. Während wir

nähen, arbeiten sie auf dem Feld. Am Abend bringen sie uns

Nahrung und wir geben ihnen dafür Kleider und Hemden.

Wenn es im Örtchen still ist, ist es sehr schön und wir

genießen alles – die unberührte Natur, die wilden Tiere und

das Zusammenleben mit den Menschen. Doch die Menschen

werden manchmal sehr laut. Diesen Lärm vertragen wir

nicht und ziehen dann fort.“

„Ja, eine Fee. Schau mich an.

Ich trage ein weißes Seidenkleid und habe

goldene Flügel. So sieht eine echte Fee aus!

Und das, was du hier siehst,

ist unser Haus – die Höhle Vindija.

Eine Fee?

Höhle Vindija und Donja Voca

Die Vindija Höhle ist eine Fundstätte in Donja

Voca, im Norden von Kroatien. Die Höhle

befindet sich 20 Kilometer westlich der Stadtmitte

von Varazdin.

Sie wurde als Fundort der jüngsten Fossilien von

Neandertalern in Mittel- und Osteuropa bekannt.

Die Vindija-Höhle entstand aus Kalkstein, der sich vor

rund 10 Millionen Jahren gebildet hatte.

Donja Voca ist eine Gemeinde in Nordwestkroatien an

der Grenze zu Slowenien. Donja Voca hat ca. 2400

Einwohner, die in acht Siedlungen (Budinscak, Donja

Voca, Fotez Breg, Gornja Voca, Jelovec Vocanski,

Plitvica Vocanska, Rijeka Vocanska, Slivarsko)

wohnen.


32

HALLO, DRAU!

33

Arti hört aufmerksam zu. Dabei werden seine Federn auf

einmal immer leuchtender.

„Nanu, das ist mir noch nie passiert“, sagt Arti und schaut

die Fee fragend an.

„Wir sind auf der Flucht vor den Männern aus dem

Sprachlos-Land. Sie haben uns verfolgt, während wir dem

Fluss Drau folgten. Aber du hast mir nicht gesagt, warum

wir diesmal vor ihnen weggelaufen sind", antwortet Fietje.

„Wahrscheinlich passiert das, weil du gerade meine

Feensprache erlernst“, antwortet die Fee Voćanka.

Arti möchte so schnell wie möglich Fietje wecken und ihm

alles von der Fee Voćanka erzählen.

„Wach auf, Fietje! Ich muss dir etwas zeigen“, sagt Arti laut.

Fietje springt erschrocken auf und weiß gar nicht, wo er

sich befindet.

„Wir sind in Donja Voća, in Kroatien, Fietje. Und das hier ist die

Höhle Vindija, wo viele Feen leben“, berichtet Arti begeistert.

„Okay“, meint Fietje etwas verwundert und fragt: „Wie sind

wir denn hier gelandet? Was ist passiert?“

„Erinnerst du dich an nichts?“, erwidert Arti.


34

HALLO, DRAU!

35

08

erleichtert =

von Angst

befreit sein;

beruhigt,

entspannt,

gelassen

Voćanka schließt sich dem Gespräch der beiden an und

erklärt:

„Auf der Suche nach der Flaschenpost haben euch Herr

Keinwort und Mister Mundzu verfolgt. Ihr wolltet fliehen,

wurdet immer schneller und schneller und seid plötzlich

hier gelandet. Die Flasche habe ich gefunden, hier ist sie“.

Die Fee reicht Fietje die Flasche mit der Botschaft.

erleichtert

„Möchtest du die Botschaft lesen?“, fragt Voćanka.

„Ja“, antwortet Fietje erleichtert.

Er entrollt die Botschaft und liest: „Ich bin so unglücklich

und verzweifelt. Mein Leben ist traurig. Niemand versteht

mich. Fietje, mein lieber Fietje… Wo bist du jetzt?

Ich will dich wiedersehen. Bald verlasse ich Sarajevo

und gehe nach Hause zurück. Ich träume davon, dass

du mich mal in Dubai besuchst. Finde mich auf Facebook,

bitte! Für immer, Deine Aziza Khaled."

Arti schaut verwirrt.

außerordentlich

„Für immer Deine Aziza? Was soll das denn?", staunt

Fietje.

Die Fee Voćanka scherzt mit Fietje: „Oh, da ist jemand

außerordentlich in dich verliebt!“

09

außerordentlich=

ungewöhnlich,

übermäßig

Aziza?


36

HALLO, DRAU!

37

10

schwärmen =

begeistert oder

verliebt

von jemanden

sprechen

Fietje ist ahnungslos und versucht sich an Aziza zu

erinnern.

Er wendet sich an Arti: „Aziza…ist das nicht das Mädchen

aus der Straßenbahn, Arti?“

„Ja, das stimmt“, erinnert sich Arti

und setzt noch einen drauf: „Noch

ein gebrochenes Herz, Fietje.“

Arti fragt sich, warum Fietje nichts

mehr von ihr wissen will.

„Oh Mann…Was soll ich jetzt tun?“,

fragt Fietje und schaut Arti und die

Fee Voćanka an. Die Fee fragt: „Bist

du auch in Aziza verliebt?“

„Nein, ich kenne sie kaum“,

antwortet Fietje. Arti ergänzt:

„Unser Fietje schwärmt von

Jasmina!“

verwirrt

„Jasmina?“, fragt die Fee.

„Ja, aber das ist eine lange Geschichte“, sagt Arti.

„Also, wenn du nicht in Aziza verliebt bist, dann tu einfach

nichts, lass dir Zeit und finde sie erstmal auf

diesem Facebook...Was ist das eigentlich, ein Facebook?“,

fragt die Fee verwirrt.

Fietje mag

Jasmina!

11

verwirrt =

abwesend,

orientierungslos

schwärmen

„In meiner Welt ist Facebook alles“, gibt Fietje zurück.

„Und wie verlasse ich deine Welt, liebe Fee und komme

zurück in meine?“, fragt Fietje.


38

HALLO, DRAU!

39

„Das ist ganz einfach“, erklärt die Fee, „ich puste euch beide

mit meinem Zauberstaub weg nach Varaždin. Dort müsst

Schloss Varazdin

ihr den Weg zu der Drau finden. Am Ufer erwartet euch

12

pusten =

ein Boot, das euch bis zu Kopački Rit bringt. Denn da mündet

die Drau in die Donau.“

Das Schloss Varazdin befindet

sich nahe der Stadtmitte

von Varazdin.

Im 16. Jahrhundert baute man die

blasen , kräftig

wehen

13

Festung,

die, -en =

eine gut

geschützte

Burg oder

ein Schloss

14

Erdwall,

der, Erdwälle =

aufgeschüttete

Erde

zum Schutz

der Festung

„Danke sehr!“, sagen die beiden und die Fee pustet sie fort.

Sie wünscht ihnen viel Glück dabei.

Jetzt befinden sich Fietje und Arti in Varaždin. Genauer

gesagt sind sie in der Altstadt Varaždin bei dem Schloss. So

etwas Schönes haben sie lange nicht gesehen. Hier gibt es

so viel Grünes um das Schloss herum.

Wie schön es

hier ist!

Burg Garestin zu einer modernen

Festung mit Wassergraben und

Erdwällen aus. Später wurde das

Schloss mehrmals umgebaut.

Das Schloss hatte viele Eigentümer.

Seit 1925 gehört die Burg der Stadt

Varazdin. Seitdem befindet sich dort

das Stadtmuseum.

Fietje und Arti spazieren durch die Stadt und schauen, was

um sie herum alles passiert.

Es gibt viele Straßenmusiker, Verkaufstische mit

Erdwall

verschiedenen Leckereien und

Souvenirs. Alles ist so bunt und es riecht gut. Es ist

Sommer und zur Zeit findet das Špancirfest statt.

pusten

Festung


40

HALLO, DRAU!

41

15

klarstellen =

erklären,

klar machen

In der Menschenmenge begegnen sie plötzlich Herrn

Keinwort und Mister Mundzu.

„So trifft man sich wieder!“, sagt Herr Keinwort.

Mister Mundzu ergänzt: „Wie klein die Welt doch ist.“

Fietje und Arti starren sie an, nicht, weil sie vor ihnen stehen,

sondern weil die beiden plötzlich sprechen.

„Das kann doch nicht wahr sein. Ihr sprecht? Warum?“, fragt

Arti verwundert.

„Dank dir, Arti, und deinen verlorenen Federn bei dem

Felsen. Wir sind euch gefolgt und haben deine Federn

gefunden. Wir wissen nicht, wie lange wir sprechen können.

Deswegen möchten wir klarstellen, dass wir nichts Böses

mit euch vorhaben. Wir wollen nur unbedingt sprechen

lernen. Deshalb sind wir euch auf der Spur“, erklärt Herr

Keinwort endlich. Fietje und Art sind jetzt viel entspannter,

was die zwei Männer angeht.

„Wohin wollt ihr?“, fragt Herr Keinwort.

„Wir wollen an die Drau. Wir kennen den Weg aber nicht“,

antwortet Fietje.

„Und warum gerade dorthin?“, will Herr Keinwort wissen.

„Naja, dort wartet ein Boot auf uns, mit dem wir in Richtung

Osijek fahren werden“, erklärt Fietje.

„Na gut, bestellen wir euch ein Taxi? Denn bis zum Ufer sind

es einige Kilometer und ihr habt bestimmt keine Lust zu

laufen“, schlägt Mister Mundzu vor.

„Oh ja, ich bin schon so müde“, sagt Arti und alle lachen.

„Gut, abgemacht!“, ruft Herr Keinwort.

Wohin

wollt

ihr?

klarstellen

Wir

wollen an

die Drau...


42

HALLO, DRAU!

43

acki Rit

Er dreht sich zu Fietje und sagt:

„Das Taxi holt euch in einer halben Stunde beim

McDonald's ab. So habt ihr noch Zeit, schnell etwas zu

essen.“

„Okay, danke!“, erwidert Fietje.

„Und was ist mit euch? Kommt ihr mit?“

„Nein, wir bleiben noch hier. Das Straßenfest dauert noch

einige Tage und wir möchten mehr davon sehen“, erklärt

Herr Keinwort.

Sie müssen an zwei Seen vorbei und fahren auch ein

bisschen durch Ungarn, denn die Drau bildet die Grenze

zwischen diesen beiden Ländern.

Die Reise ist nicht immer angenehm. Es ist kalt,

manchmal erschrecken sie. Doch dann merken sie, dass

sie nur die Stille der Nacht und die Tiergeräusche hören.

Vier Tage und circa 220 Kilometer später sind sie endlich

am Ziel, in Kopački rit.

Und immer schaut Fietje auf den Fluss. Er hofft die

Flasche mit der Botschaft zu sehen.

An der Drau angekommen, bemerken sie schon das Boot,

das die Fee Voćanka vorbereitet hat.

Sie setzen sich hinein und gleiten langsam den Fluss

entlang. Dabei beobachten sie die wunderschöne

Landschaft und einen schneeweißen Schwan.

Das Spancierfestfest

Das Spancirfest ist ein Straßenfest,

das seit 1999 in Varaždin stattfindet

und jedes Jahr 10 Tage dauert. Es beginnt

Ende August und endet Anfang September.

Es gibt ein großes Angebot an Konzerten

einheimischer und internationaler Künstler,

Vorstellungen, Straßenkunst, Souvenirläden

und traditionellem Handwerk

(u.a. Tischler, Töpfer, Schmiede)

Kopacki Rit

Kopacki rit ist ein Naturpark

in Ostkroatien

in der Nähe der Stadt Osijek.

In der Nähe befindet sich

auch die Drau-Mündung in die

Donau.

Er ist eines der größten

und wichtigsten erhaltenen

Sumpfgebiete in Europa.


44

FIETJES TAGEBUCH

45

Liebes Tagebuch,

die Fahrt auf der Drau war sehr

anstrengend, aber jetzt bin ich endlich

in Kopački rit angekommen.

Alles um mich herum ist grün und ich bin

schon sehr gespannt auf Osijek, da geht

es als nächstes hin.

Arti hat besonders das Špancirfest

gefallen, mit all den Buden, den bunten

Lichtern und der Musik.

In Osijek soll es eine tolle Brücke und

einen schönen Zoo geben.

Bald sind wir da! :)


46

47

Petra Selthofer

Tara Kovačević

Bruna Vujičić

Ana Čalo

Ana Karavidović

Barbara Pisačić

03

"Falsche Freunde"

Ana Martina

Vračić

Ana Štimac

Kapitel 1

Anja Rotim

Osijek,

Helena Borzan

Kroatien

Jan Zima

Antoaneta

Taslidžić

Nika Važić

Iva Mamić

Lorena Krajnović

Leonarda Lozančić

Karlo Kraljik


48

FALSCHE FREUNDE

49

eifersüchtig

Komarac fliegt über die Fußgängerbrücke und sieht

Der Mückenmann Komarac wohnt sein ganzes Leben in

Kopački rit. Er ist nicht wie die anderen. Er ist verbittert

und will fliehen. Eines Tages entschließt sich Komarac,

auch zwei ungewöhnliche Gestalten: Herrn Keinwort und

Mister Mundzu.

17

Fußgänger,

der, ø =

jemand, der

läuft

16

eifersüchtig =

jemanden

etwas nicht

gönnen,

neidisch sein

sein Haus zu verlassen. Er fliegt die Drau entlang, um das

Abenteuer seines Lebens zu beginnen. Die Drau führt

nach Osijek. Auf der Osijeker Promenade sieht er

Fietje und Arti. Komarac ist eifersüchtig, denn er hat keine

Freunde.

Er begrüßt sie. Sie antworten nicht, aber er spürt ihre

Gedanken. Die beiden sind wieder ganz die Alten.

Herr Keinwort denkt: „Wir müssen Fietje und Arti

erwischen.“

18

Gestalt,

die, -en =

komische

Figuren,

auffällige

Menschen

Mister Munzu fragt in Gedanken: „Wie machen wir das

nur?“

Gestalt

Die Mücke Komarac denkt nach.

Er spricht leise zu den Herren, die er als neue Freunde

Fußgänger

ansieht: „Die beiden, der Junge und der Papagei, sind

Gäste in meiner Stadt. Ich mache mit ihnen eine

Stadtbesichtigung.“

Ich habe

eine Idee!


50

FALSCHE FREUNDE

51

Osijek

Komarac beginnt mit dem schwersten Teil der Aufgabe. Er

geht zu Fietje und Arti, um sie kennenzulernen.

Osijek ist die

viertgrößte Stadt

in Kroatien und liegt am

Ufer der Drau.

16

Stadtbesichtigung,

die, -en =

Tour durch

eine Stadt,

Besuch von

Sehenswürdigkeiten

Er sagt: „Ich merke, dass ihr das erste Mal in der Stadt

Osijek seid! Wollt ihr eine Stadtbesichtigung mit mir machen?“

Fietje freut sich: „Hallo! Das ist eine gute Idee. Super! Danke!“

Arti sagt: „Danke! Danke!“

Danke,

danke!

Sie gehen in die Stadt, um Sehenswürdigkeiten zu

besichtigen. Sie haben viel Spaß. Sie lachen und erzählen.

Fietje sagt: „Ich habe gehört, dass ihr hier einen neuen

Skatepark habt. Kannst du uns dort hinführen?“

Komarac erwidert: „Mit Vergnügen!”

Im Stadtpark sehen Fietje und Arti ein Mädchen.

Stadtbesichtigung


zerrissen

52

FALSCHE FREUNDE

53

19

zerrissen =

kaputt, Gegenteil

von "heile"

Fietje fährt Skateboard und dann spricht er sie. Ihr Name

ist Legica. Sie ist lustig, freundlich, sportlich und sehr schön.

Sie mag auch Skaten. Legica trägt zerrissene Jeans und ein

blaues T-Shirt. Sie hat braune Haare und schöne blaue Augen.

Das ist Liebe auf den ersten Blick. Arti ist beleidigt und fliegt

weg. Die Mücke Komarac begleitet ihn.

Fietje will Freundschaft mit Legica schließen. Er fragt sie, ob

sie morgen mit ihm Eis essen will. Sie sagt zu. Fietje ist verrückt

nach Legica. Beide sind sehr aufgeregt.

Gehst du mit

mir ein Eis

essen?


54

FALSCHE FREUNDE

55

20

Promenade,

die, -n =

Einkaufsstraße,

Shoppingmeile

21

duften =

gut riechen

22

sauer sein =

auf jemanden

wütend sein,

eingeschnappt

sein

Am nächsten Tag treffen sie sich auf der Promenade. Die

Promenade ist sehr sonnig und wunderschön.

Die Blumen duften. Sie bummeln, halten sich an den

Händen und gehen in eine Eisdiele. Fietje nimmt Erdbeereis

und Legica nimmt Schokoladeneis. Am Abend gehen sie

auf die Fußgängerbrücke. Die Hängebrücke glüht im

Mondlicht. Sie betrachten die Sterne am Himmel. Das ist

sehr romantisch. Auf einmal küssen sie sich.

Arti sieht alles, da er allein oben auf der Brücke sitzt. Er

ist sehr traurig. Komarac kommt und sagt zu Arti, dass

Fietje ein Verräter und kein guter Freund ist.

Arti ist beleidigt. Er ist eifersüchtig und

fliegt in den Zoo mit der Mücke

Komarac.

sauer sein

Wir finden ihn

schon, Fietje.

Keine Sorge.

Promenade

Fietje sieht Arti wegfliegen. Er ist

erschöpft. Er erklärt Legica,

warum Arti sauer ist. Legica will Fietje

helfen und sie wollen ihn gemeinsam

wieder

zurückholen. Sie müssen Arti jetzt

schnell finden, da die Zeit läuft.

duften


56

FALSCHE FREUNDE

57

Fietje und Legica gehen zum Zoo von Osijek, doch er hat schon

geschlossen.

Am nächsten Morgen ist das Wetter sehr schön, die Sonne

scheint. Fietje ist im Zoo. Er sieht Giraffen, Löwen, Tiger, Affen

und Zebras. Sie gehen zu einem Papageienkäfig. Vor dem Käfig

sieht Arti ein tolles blau-weißes, kleines Papageienmädchen.

„Oh mein Gott, sie ist wunderschön! Jetzt bin ich auch verliebt“,

denkt Arti.

Er ist sehr nervös.

„Er heißt Arti,“ sagt Fietje.

„Und wie heißt du?“

„Ich bin Tvrđa."

„Dwörda?", fragt Fietje.

„Ja, so ähnlich. Es freut mich,

euch kennenzulernen. Möchtet ihr mit

mir an der Promenade

spazieren gehen und spielen?“

Zoo von Osijek

Der Zoo von Osijek ist der größte

Zoo in Kroatien und beheimatet 650

Tiere in über 100 Tierarten!

Das schöne Papageienmädchen sieht Arti und dann Fietje.

Sie fliegt zu Arti und fragt:

„Wie heißt du? Und du, junger Mensch?”

„Ja, natürlich! Es ist sehr schön hier.

Die Natur ist wunderbar!“, sagt Arti.

„Hallo! Ich bin Fietje.“

„Ich…ummm…hmm…“, stammelt Arti.


58

FALSCHE FREUNDE

59

23

Hängebrücke,

die, -n =

Brücke, die

über

einem Fluss

oder Tal

hängt

Sie gehen wieder über die Hängebrücke und bewundern

den breiten Fluss Drau. Auf der Promenade sieht Fietje

Legica.

„Hallo, Legica! Ich bin sehr glücklich, dass ich dich sehe!“,

freut sich Fietje.

„Ja, ich auch! Gehen wir wieder in die Eisdiele, so wie gestern?“,

fragt Legica.

„Ja, sehr gern! Tschüss Arti, tschüss Tvrđa!“

Hängebrücke

Hilfe!

Lasst mich

in Ruhe!

Herr Keinwort und Mister Mundzu“, sagt Komarac.

„Warum haben die so doofe Namen?”, fragt Tvrđa.

„Sie sprechen nicht“, sagt Arti.

Arti hört auf einmal ein ungewöhnliches Summen.

Tvrđa sagt: „Hallo Mücke, wie heißt du?“

„Ich bin Komarac und ihr?“

„Ich bin Tvrđa und das ist Arti.“

„Tvrđa, ja? Ich will in die Altstadt gehen, die

genauso heißt wie du. Möchtet ihr mit

mir gehen?“, fragt Komarac.

„Oh, das klingt interessant.

Natürlich!“, antwortet Tvrđa.

Entlang der Drau über die

Promenade kommen sie in

die Altstadt Tvrđa.

„Bald werden sie sprechen können. Wir haben sehr gute

Arbeit geleistet, nicht wahr, Komarac?“, sagt Tvrđa boshaft.

Schnell schließen Herr Keinwort und Mister Mundzu

Arti in einen Käfig.

„Was macht ihr? Tvrđa, ich dachte,

dass du meine Freundin bist!“, sagt

der aufgebrachte Arti.

„Da hast du falsch gedacht!“,

kichert Tvrđa.

„Guck mal, da sind meine guten Freunde,


60

FALSCHE FREUNDE

61

24

Fiesling,

der, -e =

jemand, der

böse und

gemein ist

Die Fieslinge wollen Arti an einen dunklen, schrecklichen

Ort mitnehmen.

Herr Keinwort und Mister Mundzu brauchen Artis magische

Federn, um Wörter zu bekommen. Aber nur Fietje

weiß, welche die richtigen Federn sind. Deshalb brauchen

sie auch ihn. Sie schicken ihm einen Brief.

In dem Brief steht: „Wir haben deinen Papagei.

zusammen! Sie haben Arti entführt!“, sagt Fietje

verzweifelt.

„Was?! Okay, ich helfe dir.“

Tvrđa ist nachdenklich: „Oh, was mache ich jetzt?

Es tut mir so leid. Arti ist ein sehr guter Papagei. Das ist

alles ein Fehler. Ich muss ihm helfen und alles

wiedergutmachen.“

Komm unter die Hängebrücke, heute um 10 Uhr. Tvrđa

wartet auf dich. Sie nimmt Arti mit."

Fiesling

Fietje liest geschockt den Zettel.

„Was?! Tvrđa?! Das gute Papageienmädchen?!“

Fietje ruft: „Legica, wir haben ein Problem. Ich brauche

deine Hilfe!“

„Was ist passiert?“, fragt Legica.

„Tvrđa arbeitet mit Herrn Keinwort und Mister Mundzu


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FALSCHE FREUNDE

63

Es ist 10 Uhr. Tvrđa wartet mit Arti auf Fietje.

Fietje kommt, aber nicht allein. Legica ust dabei!

Sie kommen um Arti abzuholen.

„Tvrđa, was ist mit dir passiert? Du bist doch unsere

Freundin! Jetzt sehe ich, dass du sehr böse bist“, sagt

Fietje.

Auf der Drau fährt jetzt ein Schiff Richtung Donau. Arti

und Fietje fahren glücklich mit dem Schiff weiter.

Die neuen Freundinnen Legica und Tvrđa winken ihnen

lange nach.

Der Mückenmann Komarac versteckt sich immernoch in

Kopački rit.

ausreißen

25

ausreißen =

rupfen,

herausziehen

„Erst sollte ich Arti mitbringen und dann solltest du, Fietje,

seine Federn ausreißen. Aber das will ich nicht mehr. Das

machen Freunde nicht! Ihr seid sehr gute Freunde.

Entschuldigung, ich hoffe, dass ihr mir verzeiht“, sagt

Tvrđa.

Legica antwortet: „Alles ist in Ordnung, Tvrđa.

Es ist wichtig, dass du das jetzt einsiehst.

Herr Keinwort und Mister Mundzu

bekommen keine Wörter! Sie sind sie

nicht wert!“

Bis bald, Freunde!

„Danke, ich bin sehr erleichtert!“, sagt Tvrđa


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FIETJES TAGEBUCH

65

Liebes Tagebuch,

Tante Marianne hat mich angerufen. Sie

macht gerade in Bosanska Krupa Urlaub.

Da ich gerade in der Gegend bin, fliege

ich einfach mit Arti zu ihr.

Ich bin schon ganz gespannt auf Bosnien

und Herzegowina!

Azziza und Jasmina haben mir ja schon

viel von der Region erzählt.

Aber irgendwie ist Arti im Moment

komisch drauf. Er wirkt immer so traurig

und lustlos...


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67

Lejla Ćosić

Amra Handanović

04

"Bunte Federn

überall"

Lejla Mesić

Kapitel 1

Arijana Dekanović

Bosanska Krupa,

Bosnien und

Herzegowina

Edina Sivić

Sihada Kržalić

Hana Šahinović

Melina Kadić

Merisa Mušić


68

BUNTE FEDERN ÜBERALL

69

Heute ist ein normaler Tag mitten in den

Sommerferien in der kleinen Stadt namens

Bosanska Krupa. Fietje ist zu seiner Tante zu Besuch

gekommen. Er hat seinen Papagei mitgebracht.

Vieles geschieht nach ihrer Ankunft und es ist wirklich

komisch. Nach einer längeren Zeit, die sie in

Krupa verbracht haben, hat Fietje Arti freigelassen,

damit er die Stadt erkunden kann.

Die anderen Vögel sind sehr überrascht von seinem

Aussehen. Vor allem Artur will es wissen.

„Möchtest du deine Farben zurückbekommen?"

Die Frage, die Arti nicht erwartet, stellt ihm eine Eule

namens Artur.

Arti verbringt sehr viel Zeit mit Artur in Krupa.

Dabei findet er endlich einen Weg, wie er seine

Farben zurückbekommen kann.

Er muss einfach neue bosnische Wörter lernen. Arti fängt

sofort mit seiner Arbeit an und fliegt zu Fietje

zurück. Er sagt seinem Freund, was er plant.

Nun beginnt er immer mehr mit anderen Vögeln

herumzufliegen. Das hat er die letzten Jahre viel zu

selten gemacht.

Meine Farben

zurückbekommen?


70

BUNTE FEDERN ÜBERALL

71

Doch obwohl er diese Wörter nun kann, hat er

immer noch nicht seine Farben zurückbekommen.

Er fliegt wieder zu Artur, der ihm sagt:

„Benutze die Wörter, wenn du die Möglichkeit

dafür siehst."

Arti fliegt jetzt durch Krupa auf der Suche nach einer

Gelegenheit, die Wörter zu benutzen.

Dabei macht er auf dem Marktplatz Halt, weil er dort

ein kleines Mädchen und einen kleinen Jungen auf

einer Bank sitzen sieht. Sie weinen bitterlich.

Durch die Flüge über Bosanska Krupa, die ein paar Tage

dauern, lernt Arti schon sehr viele bosnische

Wörter und zwar:

Die Hoffnung, Nada, die Vergebung, Oproštaj,

die Liebe, Ljubav, die Barmherzigkeit, Milost und

der Frieden, Mir.

Er fliegt zu ihnen. Sie erzählen ihm, dass ihr kleiner

Bruder im Krankenhaus liegt. Sie wissen nicht was sie

tun sollen. Arti hat nun die Möglichkeit, das Wort

„Hoffnung“ zu benutzen.

Er ruft ein paar Mal „Hoffnung! Nada!“.

Das Lächeln auf ihren Gesichter ist wieder

hergezaubert. Arti hat ihnen Mut

gegeben, die Hoffnung, ihren Bruder nicht zu verlieren.


72

BUNTE FEDERN ÜBERALL

73

Über seinem Mund trägt er 2 Pflaster, die wie ein „X“

aussehen. Unter seinem Arm trägt er einen kleinen

Computer, der für ihn Wörter schreibt.

Es ist Mister Mundzu!

Fietje schlägt ihm einfach die Tür vor der Nase zu.

In den nächsten Tagen verfolgt Mister Mundzu Fietje

unbemerkt, um so an Arti zu gelangen.

Auf einmal spürt er eine Wärme in seinem

Körper und sieht, dass ein Teil seiner Federn die

Farbe Gelb bekommt. Er fliegt gleich ganz stolz zu Artur.

Artur ist natürlich auch stolz auf ihn und sagt ihm,

dass er weiter nach Orten und Situationen

suchen soll, damit er auch die anderen Wörter

benutzen kann.

Die Hilfe kommt seltsamer Weise von Herrn Keinwort.

Herr Keinwort ist plötzlich ein junger Mann.

Er bietet Fietje seine Hilfe an.

„Wahrscheinlich haben sich Mundzu und

Keinwort verkracht", denkt sich Fietje.

Herrn Keinwort sind Artis Federn und

Farben nicht mehr wichtig. Nicht so

wichtig, jedenfalls, wie der Frieden,

der früher da war. Das sagt er.

Aber so leicht soll es für Arti nicht werden. Denn Fietje

bekommt Besuch von einem Mann, der sehr beängstigend

aussieht.


74

BUNTE FEDERN ÜBERALL

75

Arti versucht seit langem jemanden zu

finden, der ihm dabei hilft, die weiteren vier Wörter

zu benutzen. Da trifft er auf ein junges Paar,

das sich nach einem Streit getrennt hat.

Arti fliegt als erstes zu dem Mädchen und ruft ein

paar Mal das Wort „Vergebung“!

Dem Mädchen ist klar, dass sie den Jungen liebt und

sie rennt zu ihm zurück.

In der Zwischenzeit ist Arti schon bei dem Jungen

angelangt und ruft ihm das Wort „Liebe“ zu.

Als ihm klar wird, dass er einen Fehler

gemacht hat, will er zu dem Mädchen gehen.

Aber sie steht schon vor ihm. Sie nehmen

sich in die Arme und zusammen schauen sie dem

Sonnenuntergang zu.

Artis Federn bekommen die Farben Blau und Rot.

Mister Mundzu ist inzwischen sehr wütend und

versucht alles, damit Arti die zwei restlichen

Wörter nicht benutzen kann.

Falls er versagt werden seine Chefs in

Sprachlos-Land nicht zufrieden mit ihm sein.

Arti bleiben noch die Wörter:„Barmherzigkeit“ und

„Frieden“ übrig.

Wie und wo soll er sie benutzen?


76

BUNTE FEDERN ÜBERALL

77

Herr Keinwort sucht nach Möglichkeiten, dass Arti die

Wörter endlich benutzen kann. Aber es geschieht

nichts Passendes. Arti fliegt weiter über

Krupa... Auf einmal sieht er ein Mädchen im Hof einer

Schule, das sehr traurig ist.

Barmherzigkeit!

Frieden!

26

prügeln =

sich schlagen,

raufen

Der König von Wort-Reich hasst es Tränen in den

Augen der Menschen zu sehen. Als er zu dem

Mädchen fliegt, sieht er neben ihr eine Gruppe von

Kindern. Sie zeigen lachend mit den Fingern auf sie. Sie

wollen nicht akzeptieren, dass sie anders ist. Da kommt

ein Junge. Er fängt einen Streit mit den Kindern an:

„Was macht es für einen Unterschied, dass sie nicht

dieselbe Hautfarbe hat wie wir? Wir sind alle

Menschen! Wir entscheiden nicht, wie wir geschaffen

werden!“, schimpft er.

Nach seinen Worten prügeln sich die Kinder.

Arti ruft drei Mal: „Barmherzigkeit! Frieden!“

In diesem Augenblick stoppen die Kinder die

Prügelei. Ihnen ist klar, dass sie ungerecht zu dem

Mädchen sind. Sie rennen zu ihr und umarmen sie.

prügeln

Artis Federn werden grün und lila.

Herr Keinwort ist seitdem aus der Stadt weg.

Mister Mundzu ist auch verschwunden.

Und Arti? Arti ist glücklich, weil er etwas

geschafft hat, was noch keinem aus Wort-Reich vor ihm

gelungen ist.

Frieden ist in die kleine Stadt zurückgekehrt und Arti hat

enge Freundschaften mit den anderen Vögeln

geschlossen, vor allem mit seinem neuen

bosnischen Freund Artur.


78

BUNTE FEDERN ÜBERALL

79

tatsächlich

27

fantasieren =

sich in Gedanken

und Ideen

verlieren

In die wunderschöne

Stadt voller Brücken,

Bosanska Krupa, ist ein

Mädchen namens Una

gezogen. Sie ist sehr

schön und klug. Sie hat

immer neue Ideen und

liebt es zu fantasieren.

An ihrem zehnten

Geburtstag, haben ihre

Eltern ihr eine

Schreibmaschine gekauft.

Seitdem setzt sie sich

sofort an ihren alten

Schreibtisch, wenn sie

neue Ideen hat.

Jede Nacht lässt sie das

Fenster offen stehen,

als ob die Sterne ihre

helfen eine Geschichte

zu schreiben. Sie ist sehr

gut darin.

Heute, in dieser warmen

Nacht, stürmt ein Papagei durch das offene Fenster.

Una erschrickt sehr und ruft laut:

„He, das ist doch ein Papagei!"

Es ist aber kein gewöhnlicher Papagei. Dieser Papagei hat

graue Federn!

Una fragt sich, wie wohl sein Name ist.

„Na ja, ich kann ihn fragen", denkt sie sich und lächelt.

Der Papagei antwortet ihr tatsächlich: „Hallo, ich bin Arti!"

Er sagt immer wieder das Gleiche.

Daran erkennt Una, dass er keine anderen

Worte in ihrer Sprache Bosnisch kennt.

Sie nimmt den Papagei und setzt ihn

neben sich.

Jetzt schreibt sie weiter an ihrer Geschichte.

fantasieren

28

tatsächlich =

wirklich, sogar

Hallo, ich

bin Arti!


80

BUNTE FEDERN ÜBERALL

81

Arti setzt sich nun auf ihre Schulter und schaut, was

Una schreibt.

Nach einiger Zeit sind Artis Federn nicht mehr nur grau.

Sie nehmen immer mehr Farben an: rot, gelb, blau, grün

und sogar die goldene Farbe leuchet.

Una ist zwar überrascht, aber sie hat verstanden, was

los ist.

Der Papagei hat ihre Geschichte gelesen und dadurch

weiter neue Wörter auf Bosnisch gelernt.

Es ist nun sehr spät geworden und Una macht sie für

das Bett fertig.

Arti fliegt wieder durch das Fenster hinaus und klopft

an Fietjes Fenster. Der macht ihm sofort auf.

Arti sagt nicht einmal: „Hallo!".

Auf der Stelle beginnt er zu sprechen. Doch er sagt nicht

irgendetwas: Was er sagt, das sind die Sätze aus Unas

Geschichte.

Fietje hat in den wenigen Tagen viele Freunde gefunden.

Er nimmt Gitarrenunterricht und liebt es zu schreiben,

vor allem Gedichte, die er danach mit seiner Gitarre

begleiten kann.

In der Schule bemerkt er ein Mädchen, das sich an eine

Wand lehnt.

Hey, wer

bist du

denn?

Fietje sagt: „Eine wundervolle Geschichte, Arti, hast du

sie dir ausgedacht?"

Arti schüttelt den Kopf.

Am Morgen geht Fietje zur Schule und setzt sich auf

eine Bank am Ufer. Seine Gastschule ist direkt auf

einem Hügel.


82

BUNTE FEDERN ÜBERALL

83

Er fragt sie: „Wer bist du? Ich bin Fietje. Ich habe dich

hier noch nie gesehen."

„Hej, ja, ich bin neu an der Schule. Mein Name ist Una."

Fietje sagt: „Das ist ein schöner Name. Ich muss jetzt in

mein Klassenzimmer gehen. Es war schön, dich

kennenzulernen."

Una lächelt, dreht sich um und er ist weg. Sie geht in das

Klassenzimmer und setzt sich auf ihren Platz. Der Tag

vergeht sehr schnell.

Am Nachmittag setzt sie sich auf eine Parkbank und

schreibt ein paar Sätze in ihr Notizbuch. Sie legt es auf

die Bank, packt ihre Sachen zusammen und geht dann

nach Hause.

Am nächsten Tag in der Stadt, auf dem schönen „Ada",

einem Sportplatz, findet ein Musik- und Poesiefest statt.

Auf dem Weg dorthin fühlt sich Una etwas komisch.

Etwas fehlt. Sie hat ihr Notizbuch vergessen!

Jetzt erinnert sie sich, dass sie es auf der Bank liegen

gelassen hat. Ihr wird heiß und kalt zugleich.

Sie rennt zur Schule. Doch dort liegt das Buch nicht mehr.

Traurig macht sie sich wieder auf den Weg zum Fest.


84

BUNTE FEDERN ÜBERALL

einfallsreich

85

Als sie beim Fest ankommt, hat es bereits angefangen.

Zwei Personen auf der Bühne lesen etwas vor.

Im Vordergrund sieht sie ein Logo: „Herr Keinwort und

Mister Mundzu".

Una sagt: „Hm, das sind aber seltsame Namen. Na ja, wir

sehen, was weiter passieren wird."

Als Una besser zuhört bemerkt sie, dass die

Geschichten von ihr sind, jede einzelne! Die Geschichte von

einem verzauberten Wald, die Feen, Hexen. In den Händen

der beiden Männer sieht sie ein Buch. Sie kann es nicht

fassen! Da kommt jemand von hinten angelaufen. Es ist

Fietje, der Arti auf der Schulter trägt. Una ist zum

zweiten Mal sehr überrascht.

Fietje sagt: „Hej Una! Schön, dich hier zu sehen!" Sie nickt

nur und Fietje sagt: „Die Geschichten der beiden dort auf

der Bühne sind so einfallsreich und schön! Ich habe sie

auch schon einmal gehört. Arti hat sie mir erzählt!"

Jetzt ist Una schockiert.

Arti, hast du ihm etwa alle meine Geschichten, die ich

geschrieben habe, erzählt?"

Buch! Una geht auf die Bühne, nimmt das Mikrofon und

sagt dem Publikum, dass die Männer ihre Geschichten

vorgelesen haben. Die beiden laufen davon.

In ihrem Notizbuch steckt eine rote Feder, auf der

„Deutsch" steht. Sie hatten Artis deutsche Sprachfeder!

Deshalb konnten die beiden also reden!

Eine Frau kommt auf Una zu.

Sie sagt zu ihr: „Du hast ein großes Potenzial und viele

tolle Geschichten. Ich möchte dir den ersten Preis geben.

Jetzt gehört er dir. Du reist nach Berlin und dort zeigst du

deine Arbeit. Du kannst sogar einen Freund mitnehmen."

Una ist sehr glücklich und umarmt Fietje fest. Ist doch

klar, dass er zusammen mit Una nach Berlin reisen soll.

Una hat einen neuen Freund und Arti ist mit neuen

bosnischen Wörtern ein bunter und glücklicher Papagei,

der nun auch seine deutsche

Sprachfeder zurück hat.

29

einfallsreich =

kreativ, ideenreich

Arti nickt und ruft laut: „Unas Geschichten sind die

besten!"

Er fliegt zur Bühne zu den „Dieben" und schnappt sich das

UNas

Geschichten

sind die

besten!


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FIETJES TAGEBUCH

87

Liebes Tagebuch,

ich habe mich von Una verabschiedet und

bin jetzt mit meiner Tante weiter nach

Nemila gefahren.

Mal sehen, was da jetzt alles auf mich

zukommt.

Arti sagt, dass es dort einen ganz

besonders magischen Ort gibt...


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89

Anja Telalović

Belma Ibrahimagić

Mirza Valentić

05

Kenan Berbić

Amila Kahriman

"Das Geheimnis

des magischen

Baums"

Elma Dedić

Nemila,

Lamija Kahriman

Kapitel 1

Dzenah

Ahmetspahić

Bosnien und

Herzegowina

Hamza Luzić

Elmar Musaefendić

Harisa Kovacević

Emina Halilović


90

DAS GEHEIMNIS DES MAGISCHEN BAUMS

91

Fietje langweilt sich im Hotel. Er weiß nicht, was er tun

soll. Keiner seiner Freunde ist online und alleine

spielen ist nicht sein Ding. Wo sind denn nur alle?

Arti!", ruft er.

Er bemerkt nicht, dass Arti nicht mehr da ist.

Als Arti dann später nach Hause geflogen kommt,

bemerkt Fietje erst, wie schön das Wetter ist.

Die Sonne nimmt den Himmel ein und lässt alles

glänzen. Sogar Artis Federn scheinen ganz

andere Farben zu haben.

Fietje fragt ihn: „Was ist denn mit deinen

Federn passiert? Sie sehen anders aus."

Nemila

Nemila gehört zur Stadt

Zenica und ist davon 17 Kilometer

entfernt

Nemila liegt am Fluss

Bosna

In Nemila leben etwa

2.500 Menschen

„Hier in Nemila ist es so schön, die Luft ist so

gut, die Natur ist wundervoll und die

Kinder sind so nett und freundlich. Ich bin

einfach glücklich hier", antwortet Arti.

„Ich war vorhin auf dem Spielplatz vor der

Schule. Komm, gehen wir gemeinsam hin!"

Zusammen machen sie sich auf den Weg zur Schule.

Fietje nimmt sein Skateboard mit. Sie spielen mit den

anderen Kindern, doch nach einiger Zeit ist Fietje müde.

Er setzt sich und sieht plötzlich, dass ihn jemand

beobachtet.

„Komisch, die zwei Männer kenne ich doch!", denkt er sich.


92

DAS GEHEIMNIS DES MAGISCHEN BAUMS

93

30

gruselig =

unheimlich

Es sind Mister Mundzu und Herr Keinwort!

Sie verstecken sich in einem verlassenen Wald, auf

einem Berg, in einem alten, kleinen Haus, unweit von

Nemila.

Das Haus ist eine Ruine. Die weiße Fassade löst sich,

sodass das Haus sehr gruselig aussieht. Alles, was die

beiden stehlen, lagern sie in dem Haus. Ihre Beute

besteht aus vielen Büchern. Doch an lebendiger Sprache

fehlt es ihnen.

Eines Tages beschließen sie, einen magischen Baum zu

stehlen, der sprechen kann.

Der Baum wächst in der Festung „Vranduk". Diese Festung

ist schon über 600 Jahre alt. Von dort hat man

einen schönen Blick auf den Fluss.

Der Baum ist sehr besonders. Nur ein Blick auf ihn und

er zeigt dir wahre Schönheit. Er hat lange Wurzeln, die

bis zum Fluss reichen. Sein bester Freund ist der Fluss

Bosna, der ihm alle Geheimnisse der Welt verrät. Er

brachte ihm früher die Sprache bei und erzählte ihm die

Geschichte von Herrn Keinwort und Mister Mundzu und

ihrem Land, in dem keiner sprechen kann.

Die Geschichte macht den gutherzigen Baum traurig und

zugleich nachdenklich.

einfallsreich


94

DAS GEHEIMNIS DES MAGISCHEN BAUMS

95

Der Baum denkt lange darüber nach, wie man nach

Sprachlos-Land könnte.

Dabei ahnt er nicht, was Herr Keinwort und Mister

Mundzu planen.

Fietje ruft nach den beiden, doch sie laufen sofort weg. Er und

Arti folgen ihnen zu ihrem verlassenen Häuschen im Wald.

Mister Mundzu und Herr Keinwort führen sie allerdings an der

Nase herum und schleichen in die alte Festung.

Sie wollen den Baum fällen und

an die magische Kraft seiner

Sprache kommen.

Die Festung ist an

diesem Tag sehr kalt

und es regnet. Es

ist so dunkel, dass

Arti und Fietje fast

nichts sehen können.

Der Baum hört

die Männer und wirft

Was tut ihr

da?! Was habe

ich euch

getan?

Festung Vranduk

eine mittelalterliche

festung

befindet sich außerhalb der

stadt zenica auf einem Hügel, oberhalb

des Flusses Bosna

Vranduk war Sitz von vielen

bosnischen Königen

ein museum und eine kleine Gaststätte

gibt es dort

viele Samen ab. Schnell ergreifen die Männer die Flucht.

Fietje und Arti bemerken die Samen und pflanzen sie an

einem anderen Ort ein. Am Ende wachsen gleich mehrere

Zauberbäume aus den Samen heran und haben einen neuen

Platz am Ufer des Flusses, mit dem sie sich wieder über die

Welt unterhalten können.


96

FIETJES TAGEBUCH

97

Liebes Tagebuch,

das mit dem magischen Baum ist ja

gerade noch einmal gut gegangen.

Der Fluss Bosna hat mir verraten, dass

ich Azizas Flaschenpost in Sarajevo

finden kann. Er sagte mir auch, dass

ich einem Geheimnis auf der Spur bin.

Ich bin jetzt also auf dem Weg nach

Sarajevo!


98

99

Adnan Sabanović

Amila Kadrić

Arijana Sendro

06

"Danke

Miljacka!"

Mehmed Solak

Kapitel 1

Sarajevo und Umgebung,

Bosnien und Herzegowina

Azra Zukić

Nejla Selimović

Vedad Delić

Hanan Memić


100

DANKE, MILJACKA!

101

„Liebe Gäste, in 5 Minuten landen wir. Bitte

schnallen Sie sich an, das Wetter ist schön, die

Sonne scheint, es sind 28 Grad in Sarajevo.“

„Das wird mein bester Tag. Ich bin sehr

aufgeregt. Nur noch ein paar

Minuten und dann fängt mein neues Leben an. Mein

Leben in Sarajevo“, sagt ein Mädchen im Flieger laut.

Die Frau neben ihr fragt nach: „Was war denn mit

deinem Leben bis jetzt?“

„Ich heiße Aziza. Ich bin 14 Jahre alt, ich bin in

Kuwait als fünftes Kind geboren. Alle

meine Träume sind erfüllt worden, aber ich

wollte immer mehr... Ich könnte alles

werden, aber ich will eine Rapperin sein. Mein

Vater ist sehr traditionell. Er will, dass ich

Ingenieurin wie er werde. Deswegen hat er

mich in die internationale Schule in Kuwait geschickt.

Meine Mutter unterstützt mich, weil sie auch eine

Sängerin war, bis sie meinen Vater

kennengelernt hat.

Jetzt wohnen wir in Sarajevo. Mein Vater hat hier

Arbeit bekommen.

Zum Glück habe ich vor kurzem Fietje kennengelernt.

Was für ein Junge! Blonde Haare, blaue Augen,

Cap, Skateboard. Genau mein Typ!

Er ist ein sehr kommunikativer und offener Junge.

Wenn ich traurig bin, schafft er es, mich zum

Lachen zu bringen. Er hat mir beigebracht, wie

man skatet. Oft versteht ihn seine Mama

auch nicht. Er sagt, dass Bosnier gute

Rap-Musik machen.

Er hat mir besonders von

einem Rapper namens

Frenkie erzählt. Er

gefällt mir ganz

besonders, weil

seine Themen

sehr aktuell sind.

Naja, zum Glück ist

Fietje nicht alleine

in Bosnien. Er hat seinen

Vogel Arti mitgebracht.“


102

DANKE, MILJACKA!

103

So erzählt Aziza der Dame munter drauf los.

Fietje hat sie nicht gesagt, dass sie wieder in Sarajevo ist.

Sie möchte ihn überraschen. Sie hat ein Einzelzimmer im

Hotel Hills gebucht.

Sie nimmt ein Taxi zum Hotel und lässt ihre Sachen im

Zimmer liegen. Danach geht sie sofort in die Stadt.

Was sie heute überrascht ist die Zahl der arabischen

Menschen in Ilidza. Obwohl sie schon länger hier wohnt,

ist ihr das nie aufgefallen. Doch ihr erster Eindruck

von Sarajevo war, dass sie absolut hierhin gehört, dass

es ihre zweite Heimat ist. Aziza nimmt die Straßenbahn

Nr. 3, um in das Zentrum zu kommen. Die Menschen sind

sehr nett und freundlich. Aber, was für ein Verkehr...

So viel Stau in Sarajevo.

Die Straßenbahn ist sehr voll und Aziza muss raus.

Sie sucht in ihrer Tasche nach ihrem Handy,

doch es ist nicht da. Ihr wird ganz anders.

Sie steigt aus und kommt langsam zu sich.

Sie ist ganz alleine an der Haltestelle, als sie Lärm und

Musik hört. Gleich neben dem Fernsehsender ist ein

Zirkus mit vielen Zelten aufgebaut.


104

DANKE, MILJACKA!

105

„Ich gehe mal dahin“, denkt sich Aziza. Als das Mädchen

am Zirkus angekommen ist, sieht sie verschiedene

Menschen und Tiere, die für einen Auftritt proben.

Am Ausgang sieht Aziza verschiedene Vögel.

Ein ganz besonderer Vogel fällt ihr auf, weil er anders

ist und sehr gut sprechen kann.

„Wir können uns gegenseitig helfen“, sagt der Vogel zu ihr.

„Ich bin auch allein, so wie du. Ich bin Smarti. Schau mich

an, ich bin im Käfig, denn ich bin anders. Alle Vögel

sind grau, aber ich habe goldene Federn. Deswegen

halten sie mich im Zirkus fest. Ich muss jeden

Abend in die Show. Und ich weiß, dass ich irgendwo

da draußen einen Bruder habe. Er wird mich retten.“

„Wow, ich bin begeistert. Du kannst unglaublich gut

sprechen“, sagt Aziza überrascht.

Ich bin ein

besonderer

Vogel!

„Wieso kannst du nicht einfach nach der Show

fliehen?“

„Herr Keinwort und Mister Mundzu passen sehr gut auf.

Ich weiß ja auch nicht, wo mein Bruder ist.“

Aziza fragt: „Wer sind Mister Mundzu und Herr Keinwort?

Sind das die barfüßigen Männer hinter dem Zelt?“

„Ja, das sind sie. Sie sind die Chefs des Zirkus.

Sie sind Brüder und sie sprechen nur miteinander“,

sagt Smarti.

„Warum das denn? Warum sind sie so komisch?",

fragt Aziza weiter.

„Ich weiß es nicht“, sagt Smarti.

„Ich suche meinen Freund Fietje, mein Handy ist

verschwunden. Und ich weiß nicht, wie ich ihn finde“,

sagt Aziza unsicher.

„Vielleicht kann ich dir helfen.“


106

DANKE, MILJACKA!

107

Sie blicken zum Ausgang des Zirkuszeltes. Mister Mundzu

öffnet das Zelt und Aziza geht hinaus.

Sie machte sich auf den Weg durch die Stadt läuft,

einfach geradeaus. Jetzt geht sie durch die

Baumallee „Vilsonovo“.

Alles ist schön und die Natur ist traumhaft.

Viele Leute spazieren hier mit ihren Kindern lang.

„Ach, wie schön, hier kann ich Miljacka sehen“, denkt

sich Aziza. In diesen Fluss hat sie die

Flaschenpost für Fietje geworfen.

Aziza geht weiter und auf einmal sieht

sie ein Gebäude mit einem großen Display.

Sie ekennt, dass es sich um ein großes

Einkaufszentrum handelt. Sie verfolgt die

Gleise der Straßenbahn, die bis zum

Stadtzentrum führen.

„Vielleicht bekomme ich von jemanden

einen Tipp“, denkt sie sich.

Aziza schlendert weiter und sieht ein

wunderschönes österreichisch-ungarisches

Gebäude mit einer sehr interessanten und

modernen Brücke davor. Es ist die Kunstakademie,

das kann sie lesen. Sie geht über die Brücke

„Festina lente“, setzt sich auf eine Bank, schaut sich

wieder Miljacka an und denkt: „Wie schön der Fluss ist. Das

ist ein Zauberfluss. Mein erster Hip-Hop-Song wird 'Miljacka'

heißen. Da bin ich mir sicher... Und ich habe das Gefühl, dass

Fietje in der Nähe ist."


108

DANKE, MILJACKA!

109

31

Inspiration,

die, -en =

etwas, das

einen auf neue

Ideen bringt

Aziza sieht eine Gruppe von Touristen und einen Reiseführer,

der interessante Fakten über Sarajevo erzählt.

„Was? Sarajevo hatte die erste Straßenbahn?

Und der I. Weltkrieg hat in Sarajevo begonnen?“

Aziza entscheidet sich, der Gruppe zu folgen. Sie will

einfach noch etwas mehr erfahren.

Sie kommen bis zur Dariva Promenade.

„Wow, wunderschön!“

Aziza sieht zum Fluss Miljacka und wird sich heute

zum zweiten Mal bewusst, wie schön und zauberhaft er

ist.

„Das ist meine Inspiration. Ich muss sofort ein Lied über

Miljacka schreiben. Aber wo ist bloß Fietje? Ich brauche

ihn dafür.“

„Hallo Aziza, ich habe dich tagelang gesucht und Fietje

wartet auf dich“, sagt Arti.

„Ich weiß nicht, wo die Botschaft ist“, sagt Aziza

fast weinend.

„Dann komm und ich zeige dir die Botschaft, wir brauchen

nur 10 Minuten“, sagt Arti und zusammen machen

sie sich auf den Weg. Er fliegend, sie stolpernd.

Exakt 10 Minuten später sehen sie Fietje

vor der Botschaft, wie er skatet.

Auf einmal sieht sie einen Vogel auf sich zufliegen.

„Oh, mein Gott. Das ist Arti! Ich habe vergessen,

dass er die besondere Gabe hat, jede Stadt zu kennen.

Ich wusste, dass er mich findet. Endlich

habe ich eine Spur zu Fietje.“

Inspiration


110 DANKE, MILJACKA!

111

Ich muss

meinen Bruder

retten!!!

„Ach, ich habe in Kroatien interessante Menschen

kennengelernt, mein Handy ist verschwunden,

ich war in einem Zirkus und habe dort auch einen

sprechenden Vogel mit einer goldenen Feder

kennengelernt. Er heißt Smarti und ist wunderschön.

Er hat das schönste Federkleid, das ich je in meinem

Leben gesehen habe.“

„Waaaaas?“, schreit Arti laut, „Smarti? Das ist mein

Bruder. Ich muss weg!“

Arti fliegt durch das Fenster.

„Das muss mein Bruder sein. Das muss

er sein“, sagt er im Flug und verschwindet.

Aus der Luft sucht er wie wahnsinnig den Zirkus.

Botschaft

32

Botschaft,

die, -en =

ist der Sitz

eines

Landes im

Ausland

„Ach, da seid ihr, ich warte die ganze Zeit auf euch!“,

sagt Fietje und geht auf Aziza zu.

„Hallo Aziza, ich habe dich vermisst. Wo warst du?

Gab es noch viel Stress mit deinen Eltern?

Wieso hast du nicht angerufen? Und warst schon

wieder in der Stadt? Komm, erzähle mir von deinen

letzten Tagen“, sagt Fietje ohne Atem zu holen.

Die drei gehen in die Botschaft hinein.

Aziza kann es kaum glauben.


112

DANKE, MILJACKA!

113

Als Smarti Arti über sich in den Wolken sieht,

ist er überglücklich. Doch bevor Arti noch etwas sagen

kann, kommt Mister Mundzu herein.

„Guter Mann, können Sie mir helfen?

Das hier ist mein verlorener Bruder und ich will ihn

befreien“, sagt Arti traurig zu Mister Mundzu.

Er hofft, dass ihn der Mann aus dem Sprachlos-Land

nicht erkennt.

Denn dann wird er ihn auch in einen Käfig sperren.

In diesem Moment entschließt sich Mister Mundzu

einmal gut zu sein.

Ich fühle

mich wie ein

Rap-Biest!!!

„Für brüderliche Liebe tue ich alles.“

Arti ist baff. Damit hat er nicht gerechnet.

Seit wann ist er so menschlich?

Mister Mundzu öffnet den Käfig und Smarti fliegt

seelig in die Arme seines Bruders.

Nun fliegen sie gemeinsam zurück zur Botschaft.

Wieder vereint sitzen Fietje, Aziza, Arti und Smarti

zusammen und besprechen die ganzen Ereignisse.

„Jetzt werde ich in Sarajevo bleiben und Hip-Hop machen“,

sagt Aziza entschlossen. Sie beginnt leise zu rappen:

„Miljacka ist der Fluss, den

jeder sehen muss.

Egal, ob du Einheimischer bist oder nicht,

Du fühlst dich nie wie ein Tourist,

Wie Miljacka durch Sarajevo fließt,

So fühle ich mich wie ein Rap-Biest.“

33

baff =

erstaunt,

überrascht

baff


114

FIETJES TAGEBUCH

115

Liebes Tagebuch,

ich vermisse Aziza jetzt schon.

Sie ist wirklich talentiert.

Die nächsten Tage verbringe ich in der

Umgebung rund um Sarajevo.

Hier ist so viel Natur, alles ist grün und

so ruhig, so richtig zum Entspannen...


116

117

Amin Omerašević

Maid Junuzović

07

Ahmed Bešić

Belma Nurskić

"Unterwegs in

Sarajevo"

Sabrina Bešlagić

Kapitel 1

Sarajevo und Umgebung,

Bosnien und Herzegowina

Elma Kahvedžić

Elma Mehmedović

Lejla Skopljak

Dženan Dedić


118

UNTERWEGS IN SARAJEVO

119

Hvala!

Fietje und Arti sitzen auf einer Bank und überlegen,

wo ihr nächstes Abendteuer starten soll.

„Wohin sollen wir heute hinfliegen?“, fragt Fietje Arti.

„Heute fliegen wir einfach durch Sarajevo“, schlägt er vor.

„Das ist eine tolle Idee, Fietje!“, freut sich Arti.

Fietje springt auf sein Skateboard und fliegt zusammen

mit Arti los. Das Gespräch von Arti und Fietje haben

Mister Mundzu und Herr Keinwort aus Sprachenlos-

Land gehört.

Fietje und Arti laufen zuerst auf die

Bašcaršija, wo sie den Jungen Emil kennenlernen.

Emil möchte Arti helfen, noch mehr Bosnisch zu

lernen. Sie machen eine Tour durch Sarajevo

und Emil erklärt Arti alles

auf Bosnisch.

BASCARSIJA

Die Bascarsija ist ein Basar

und das historische Stadtzentrum

von Sarajevo

sie wurde im 15. Jahrhundert angelegt

Arti du hast eine neue Feder bekommen!“, sagt Fietje

und nimmt sein Wasser aus dem Rucksack.

„Wirklich? Das ist super! Hvala, Emil“, sagt Arti.

34

Hvala! =

Bosnisch für

"Danke!"


120

UNTERWEGS IN SARAJEVO

ja!

Emil muss leider

nach Hause gehen.

Sie verabschieden

sich von ihm.

Als sie sich umdrehen,

stehen hinter ihnen die Männer

aus Sprachlos-Land.

Einer schnappt Fietje an der Hand, wodurch er das Wasser

aus seiner Flasche über seinem Skateboard verschüttet.

Der andere Mann versucht Arti einzufangen.

Arti, versteck dich!", ruft Fietje.

121

Arti, schnell,

versteck

dich!

Arti versteckt sich ganz schnell im Skateboard, so kann

Mister Mundzu ihn nicht mehr sehen.

Als sie bemerken, dass der Papagei nicht mehr da ist,

lassen die Männer Fietje gehen.

Fietje wartet, bis sie ihn nicht mehr sehen können, dann

nimmt er ein Tuch aus seinem Rucksack und wischt sein

Skateboard trocken.

Arti kommt aus seinem Versteck hervor und sagt: „Das

war knapp. Sie haben mich fast gefangen. Danke Fietje!"

„Dafür sind Freunde da", sagte Fietje.


122

UNTERWEGS IN SARAJEVO

123

Kasten.

der =

35

Erstehilfe-

Verbandskasten

zum Verarzten

von

kleinen

Verletzungen

An einem anderen Ort in Sarajevo organisiert Professor

Mujkic mit seinen Schülern eine Radtour zu einem See, der

23 Kilometer von Sarajevo entfernt ist. Zuerst checkt der

Professor die Fahrräder, ob sie in Ordnung sind.

Die Schüler haben alles gepackt und fahren jetzt los.

Jeder von ihnen hat seinen eigenen Erstehilfe-Kasten und

ein Funkgerät mit dabei. Einige von den Schülern kommen

mit ihren eigenen Fahrrädern.

Als sie starten, fahren sie zuerst langsam durch die Stadt

und werden dann schneller. Doch auf einmal müssen sie

anhalten. Ein Fahrrad ist von irgendetwas getroffen

worden. Die Schüler halten an und der Professor macht

sich sofort ans Reparieren.

Arti und Fietje entdecken die Schüler in den gelben T-Shirts

und den Professor. Sogar Emil ist bei ihnen. Sie merken,

dass die Gruppe ein Problem hat und fliegen hin.

bin Arti und das ist Fietje."

„Es ist uns eine Freude, euch kennenzulernen. Ich bin Professor

Mujkic und das sind meine Schüler."

„Schön euch wiederzusehen!", sagt Emil fröhlich.

„Hey, Emil!", freuen sich Fietje und Arti

Erstehilfe-Kasten

„Hallo, können wir euch helfen?", fragt Fietje.

„Keine Hilfe nötig, ich bin schon fast fertig", sagt

Professor Mujkic freundlich.

„Wo fahrt ihr denn alle hin?", fragt Arti.

„Wir machen eine Radtour zum See. Möchtet ihr mit uns

kommen? Je mehr desto besser!", sagt Professor Mujkic.

„Ja, sehr gerne. Wir haben uns noch nicht vorgestellt. Ich


124

UNTERWEGS IN SARAJEVO

125

Das Fahrrad ist repariert. Sie fahren weiter. Aber sie haben

Herrn Keinwort und Mister Mundzu nicht gesehen, die für

das kaputte Fahrrad verantwortlich sind.

Fietje und Arti verstehen sich mit allen Schülern sehr gut

und haben sehr viel Spaß.

Allerdings ist jemand der Gruppe auf den Fersen: Die beiden

Bösewichte.

In Petrovo, einem Ort zwischen Sarajevo und dem

Goransko See, fahren die Kinder mit dem Lehrer an

eisernen Schienen vorbei.

Nach zwei Stunden Fahrt ohne Pause sehen sie aus der

Ferne den Goransko See, der in der Nähe von Doboj liegt

und von Bäumen umrundet ist. Es gibt keine Autos und

keinen Lärm.

An jeder Ecke gibt es etwas Neues zu sehen. Sie biegen

links ab und nach einer endlosen Fahrt durch die Wälder

kommen sie am See an.

Fietje ist sprachlos. Das Wasser ist klar wie ein Spiegel.

Doch plötzlich wird dieser Moment von Emil

unterbrochen: Er kann das Fahrrad nicht stoppen und fährt

geradewegs in den See.

Da Emil nicht der beste Schwimmer ist, gerät er so sehr in

Panik, dass er anfängt Italienisch zu sprechen.

„Aiutare! Aiutare!", schreit Emil, so laut er kann.

Das hört Arti. Er fliegt zu ihm, packt ihn beim Hemd und

zieht ihn mit großer Mühe aus dem See. Der nasse Emil

kann sich bei Arti gar nicht genug bedanken. Doch dafür

sind Freunde eben da.

Goransko See

Er ist 7 kilometer von doboj

entfernt

zu dem See gehört ein Flüsschen

er liegt mitten in einem wald voller

Fichten und ist ein beliebtes Ausflugsziel


126

UNTERWEGS IN SARAJEVO

Alle haben sich zusammen auf die Wiese gelegt und

genießen die Natur. Bald darauf springen einige von den

Schülern ins Wasser und kühlen sich ab, die anderen spielen

Fußball.

Wegen des Spaßes merkt keiner, dass die zwei Herren aus

dem Sprachlos-Land die ganze Luft aus den Fahrradreifen

lassen.

Am Abend wollen sich die Jugendlichen auf den

Heimweg machen. „Oh nein!“, schreit Emil, der zuerst zu den

Fahrrädern geht.

Alle rennen zu Emil und sehen, dass die Reifen platt sind.

„Wer hat das getan?“, fragt Arti.

„Wir wissen es nicht. Aber keine Sorge! Ich habe eine

Pumpe dabei“, sagt Professor Mujkic während er die Bücher

von der Wiese sammelt und zu seinem Fahrrad geht.

Er nimmt die Pumpe und fängt an, die Reifen mit Luft zu

füllen.

„Ich helfe Ihnen. So geht es schneller“, sagt Fietje.

Weil keiner mehr auf Arti aufpasst, fangen ihn die zwei

Männer und sperren ihn in einen Käfig.

„Hilfe! Fietje, Professor, Freunde – helft mir!“, schreit Arti

um Hilfe.

Alle drehen sich um und stürzen sich auf die zwei Männer.

Sie reißen Herrn Keinwort den Käfig aus den Händen und

lassen Arti raus. Die Männer rennen schnell weg.

„Danke meine Freunde! Ohne euch

würde ich alle meine

Federn verlieren“, sagt

Arti erleichtert.

127

Hilfe!

Keine Sorge!


128

UNTERWEGS IN SARAJEVO

„Aber Arti, was wollen die Männer von dir? Und wieso

würdest du deine Federn verlieren?“, fragt Emil.

„Wir sind Federsammler und in jeder von Artis Federn ist

ein Wort.

Die Männer, die gerade hier gewesen sind, kommen aus

Sprachlos-Land und wollen Artis Federn, weil sie nur mit

denen reden können. Artis Mission ist es, so viele neue

Wörter und Sprachen wie möglich zu lernen und meine

Aufgabe ist es, ihn zu beschützen“, sagt Fietje. „Können

wir dir helfen, Bosnisch zu lernen?“, fragt eine Schülerin.

Wir kommen

mit zu eurer

Schule!

„Ihr würdet mir helfen?“, fragt Arti.

„Natürlich!“, sagen alle zusammen.

Fietje, der Professor und Emil machen sich an die Arbeit

und pumpen die Reifen wieder auf. In der Zwischenzeit

helfen die Schüler Arti beim Lernen der bosnischen

Sprache.

Auf einmal bekommt Arti ein paar neue Federn. Alle sind

sehr froh, dass sie Arti helfen konnten.

Als die Räder wieder fahrbereit sind, treten alle den

Rückweg zur Schule an. Arti und Fietje haben den

Ausflug genossen und sind sehr glücklich, dass sie viele

neue Freunde kennengelernt haben.


130

UNTERWEGS IN SARAJEVO

Phantom

131

wackeln

36

wackeln =

sich hin

und her

bewegen

37

Halbmaske,

die, -n =

eine Maske,

die das

halbe Gesicht

verdeckt

Fietje und Arti sind nun schon seit zehn Tagen in Bosnien

und Herzegowina. Da sie sehr müde und erschöpft sind,

schlafen sie von dem einen auf den anderen Moment

auf dem Skateboard ein. Dieses fliegt ruhig über die

Landschaft.

Auf einmal bringt etwas das Skateboard zum Wackeln.

Sie fallen geradewegs vom Himmel.

„Was passiert hier?", fragt Arti.

„Mann, wir sind auf den Po gefallen", antwortet

Fietje.

Er steht auf und sieht ein großes

Gebäude.

Arti fliegt hin und liest die Überschrift

an der Tür.

„Da steht: Gymnasium Dr. Mustafa Kamarić.

Wir sind wieder in Gračanica.“ stellt Arti fest.

„Oh Mann! Wir müssen schnell

unser Skateboard reparieren“, sagte Fietje

und hebt das Board von der Erde auf.

Auf einmal erscheint ein Mann mit einer

Halbmaske an der Tür. er sieht aus

wie ein Phantom.

Fietje, schnell versteck dich! Hier ist ein

Monster!“, schreit Arti.

Aber Fietje hört ihn nicht und rennt direkt gegen

das Phantom. Er fällt hin und ist bewusstlos.

Der Mann nimmt ihn hoch und trägt ihn in die Schule.

„Ah, das kann nicht wahr sein. Ich muss etwas unternehmen.

Aber was? Denk, Arti, denk! Du musst Fietje irgendwie

retten! Du schaffst das, du bist ein mutiger Papagei.“

Gymnasium Dr. Mustafa Kamaric

Halbmaske

38

Phantom,

das, -e =

eine Art Gespenst

Das pasch-Gymnasium wurde

1959 gegründet

Es ist das erste und einzige Gymnasium

in Gracanica

es wird momentan von etwa 510 schülern

besucht, die etwa 14 - 18 jahre alt sind

Es werden viele freizeit-aktivitäten

angeboten, wie zum beispiel: Folklore, moderner

tanz, theater und journalismus


132

UNTERWEGS IN SARAJEVO

133

köpfen

39

köpfen =

jemanden

enthaupten, den

Kopf abtrennen

Arti nimmt seinen ganzen Mut zusammen und fliegt in die

Schule, um seinen Freund zu retten. Als er die Treppe

hinauffliegt, kommen ihm junge Leute mit Gewehren

entgegen.

„Ist der Krieg nicht schon lange zu Ende?! Wo ist Fietje? Wer

sind diese Leute?! Alles ist jetzt an mir, ich kann das! Ich bin

schön, klug, weise und gut aussehend!“

Und dann hört er auf einmal einen Schrei.

Arti eilt schnell ins dritte Stockwerk. Oben offenbart sich

ein Schloss und davor steht ein junges Mädchen. Vor dem

Schloss befindet sich eine Guillotine... Da ist auch Fietje!

„Was machen diese Menschen? Sind die denn alle verrückt?!

Los, Arti! Du musst der Held sein!“

Da kommt dem König von Wort-Reich eine Idee.

Er fängt an um die Köpfe der Leute herumzufliegen.

„Niemand wird hier meinen Freund köpfen! Fietje, ich werde

dich retten!“

Arti, hör auf! Hör auf, was machst du denn?!“

Die Stimme kennt Arti doch.

„Emil? Bist du das, mein Freund?“, fragt Arti verblüfft.

„Was machst du hier? Siehst du das nicht? Hier ist immer

noch Krieg. Junge Leute laufen mit Waffen herum. Und

hier gibt es sogar ein Phantom, das Fietje köpfen möchte!“,

krächzt Arti aufgeregt.

Die Guillotine

Die Guillotine, oder auch

das Fallbeil genannt, stammt aus

Frankreich

sie wurde vor allem in der

französischen Revolution benutzt

sie diente für die todesstrafe


134

UNTERWEGS IN SARAJEVO

135

40

Oper,

die, -n=

ein Theaterstück,

bei

dem man

singt

„Beruhige dich, Arti. Du verstehst das alles falsch!“

„Schau doch! Da ist Fiete auf der Guillotine!“

„Keine Sorge, das ist nur für ein Foto. Wir machen Fotos für

einen Wettbewerb.“

„Ach, wirklich? Oh Gott, ich habe das alles falsch verstanden!“

Auf einmal kommt von Fietje: „Arti, da bist du ja! Warum

hast du die Schüler angegriffen?“

„Ach, vergiss es einfach…“

„Die Schüler laden uns ein, mit ihnen in ein Dorf zu fahren

und die Oper Carmen nachzustellen. Wollen wir mitgehen?“

„Ja! Auf jeden Fall!“, freut sich Arti.

„Dann fahren wir los“, sagt Emil lächelnd.

Nach 15 Minuten kommen sie in Malešići an und bauen alles

auf. Alle sind auf ihren Plätzen, nur ein Schaf will einfach

nicht richtig stehen. Seine Augen sind nur auf Arti gerichtet,

der mit den Schülern das Wort „Heu“ lernt.

Plötzlich bringen Mister Mundzu und Herr Kennwort den Heuhaufen

zu Fall, fangen Arti ein und sperren ihn in einen Käfig

- schon wieder!

Als die Schüler das sehen, rennen sie schnell los, entreißen

den Männern den Käfig und lassen Arti frei.

Herr Keinwort und Mister Mundzu schleichen sich davon und

die anderen fahren wieder in die Schule zurück. Arti und

Fietje sind sehr froh, dass sie an dem Wettbewerb

teilgenommen haben. Es gat großen Spaß gemacht.

Carmen

Malesici

es ist ein kleiner

Ort in der Umgebung von

Gracanica

Carmen ist eine Oper von

Georges Bizet, von 1875

Carmen ist die am häufigsten

aufgeführte Oper aller Zeiten

es geht um die junge spanische

zigeunerin carmen, die sich in zwei verschiedene

Männer verliebt und am ende

durch den verlassenen José stirbt

Oper


136

UNTERWEGS IN SARAJEVO

137

Ein paar Tage später sind Fietje und Arti wieder

zusammen am Fluss Miljacka unterwegs. Der Fluss erzählt ihm,

dass Aziza eine dringende Flaschenpost für ihn geschickt hat.

Nun ist Fietje ganz verzweifelt, weil er sich nicht vorstellen

kann, was für eine Nachricht es ist. Sie haben sich ja erst vor

ein paar Tagen voneinander verabschiedet.

Er fragt Arti: „Hast du das gehört? Ich soll Miljacka

folgen, oder...?"

Darauf antwortet Arti ganz schnell: „Ja, natürlich, was

denn sonst?"

Sie folgen zusammen der leisen Stimme des Flusses, um die

Flaschenpost zu finden.

In der Zwischenzeit macht sich Aziza Sorgen, da sie nicht weiß,

ob die Flasche bei Fietje angekommen ist.

„Was ist, wenn jemand anderes die Flasche herausfischt und

dann die Nachricht liest? Meine Eltern könnten es erfahren

und dann bekomme ich großen Ärger", denkt sich Aziza.

„Oh bitte Miljacka! Bring Fietje und Arti schnell zu mir."

Am Ufer treffen Fietje und Arti auf Azizas Eltern, die ihre

Tochter bereits suchen, da sie nicht zuhause angekommen ist.

Sie sagen, dass sie keine Ahnung haben,m wo Aziza sein kann.

„Wo steckt sie nur?", fragt sich Fietje.

Er beschließt, mit seinem Zauber-Skateboard ein bisschen

über Sarajevo zu fliegen, um zu sehen, ob er Aziza finden

kann. Arti folgt ihm und neben dem großen Shoppingzentrum

SSC sehen die beiden ein Mädchen, das am Flussufer sitzt und

eine Flasche aus dem Wasser herausnimmt.

Sie erinnern sich an Miljackas Hinweis und landen vorsichtig in

der Nähe des Mädchens.


138

UNTERWEGS IN SARAJEVO

139

Aziza nimmt die Flasche aus dem Wasser und denkt: „Eine

blöde Idee mit der Flasche."

In diesem Moment taucht jemand hinter ihr auf und

fragt: „Aziza, bist du das?"

Sie erkennt Fietjes Stimme sofort und kann nicht glauben,

dass er wirklich gekommen ist.

„Was machst du hier? Deine Eltern machen sich Sorgen

um dich. Sie suchen dich, Aziza!"

Azizas Freude verschwindet wie ein Fisch im Ozean.

„Was ist das für eine Flaschenpost, kann ich sie sehen?",

fragt Fietje.

Aziza sieht ihn erschrocken an und versteckt die Flasche

hinter ihrem Rücken.

Sie fragt: „Warum willst du sie sehen?"

Arti erklärt ihr, dass Miljacka ihnen davon erzählt hat.

Aziza wird rot und gibt Fietje den Brief.

„Während ich den Brief lese, solltest du dir eine Erklärung

für deine Eltern ausdenken. Sie machen sich wirklich

große Sorgen."

„Komm, wir bringen dich schnell nach Hause", sagt Arti und

sie verabschieden sich von Miljacka.Während sich Fietje

den Brief durchliest, merkt Arti, dass sie von den beiden

Agenten aus Sprachlos-Land beobachtet werden.

Aziza! Wir

haben dich

überall

gesucht!

Lieber Fietje...

Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll,

aber ich glaube, ich habe mich ein wenig in

dich verliebt...

Ich kann die ganze Zeit nur an

unsere gemeinsamen Abenteuer denken.

Du fehlst mir so sehr, Fietje.

Ich werde am Ufer von Miljacka auf dich

warten, wenn die Sonne am höchsten steht.

Bitte finde mich.

Deine Aziza


140

UNTERWEGS IN SARAJEVO

141

Azizas Eltern sind ganz schön wütend auf sie.

Während sich Aziza mit ihren Eltern streitet, sagt Arti zu

Fietje: „Du magst sie, oder?"

Fietje wird ganz rot und lacht.

„Ach Fietje, mittlerweile glaube ich, dass du sie ganz schön

gut findest."

„Haha, halt den Mund, Arti...", sagt Fietje und geht zu Aziza

und ihren Eltern.

„Seien Sie bitte nicht wütend auf Aziza. Jeder macht mal

einen Fehler", sagt er zu ihnen.

Die Eltern bedanken sich bei Fietje, dass er ihre Tochter

nach Hause gebracht hat und lassen die beiden allein.

„Danke, Fietje", sagt Aziza.

„Ach, Aziza! Du brauchst dich nicht zu bedanken. Es hat mir

großen Spaß gemacht, mit dir unterwegs zu sein. Beim

nächsten Mal ruf mich einfach an und wir gehen

zusammen irgendwo hin. Allein bist du nicht sicher. So

werden sich deine Eltern auch keine Sorgen machen müssen."

„Ok, ich ruf dich an", antwortet Aziza und schreibt sich

Fietjes Nummer auf. Sie zittert etwas dabei.

Mit einer Umarmung verabschieden sich die beiden

voneinander.

Ich ruf

dich an!


142

FIETJES TAGEBUCH

143

Liebes Tagebuch,

ich sitze gerade am Fluss Miljacka und

genieße die Sonne. Der Fluss erzählt mir

dabei viele Geschichten, aber so ganz

kann ich mich nicht darauf

konzentrieren.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass

Aziza mir nicht alles gesagt hat.

Wann sehe ich sie wieder?

Miljacka flüstert mir gerade etwas von

den Flüssen Bosna und Sava.


144

145

08

"Gute Freunde"

Ivana Pijetlović

Dragana

Stjepanović

Kapitel 1

Monika Abadzić

Sarajevo, Bosnien und

Herzegowina

Jelena Radman

Nikolina Miholjcić


146

GUTE FREUNDE

147

Fietje sieht wieder zum Fluss. Er hofft, dass

Miljacka etwas über die Geschichte von Sarajevo

erzählt. Aber nein!

Miljacka spricht ihn mit viel Freundlichkeit und Mitgefühl an:

Fietje, du siehst sehr traurig aus. So, als ob du ein Problem

hast. Ich glaube, ich weiß, was dich bedrückt.

Mein Glück als Fluss ist es, dass ich durch dynamische

Städte fließe, dass die Leute auf den Bänken an

den Ufern sitzen und mir ihre Probleme erzählen.

Ich finde meistens einen Weg ihnen zu helfen."

Fietje antwortet Miljacka mit einem Hauch von Unglauben:

„Ich habe einige Probleme, aber ich denke nicht,

dass du mir helfen kannst. Ich werde das

Problem schon selbst lösen.“

„Aziza, nicht wahr?", sagt Miljacka plötzlich.

„Ja“, antwortet Fietje schneller als gewollt.

„Sie gefällt mir sehr und ich möchte sie wirklich

wiedersehen, aber ihre Etern sind sehr streng.

Das Schlimmste ist, sie soll bald wieder nach Arabien

zurück. Was soll ich tun?", jammert Fietje.

„Keine Sorge, alles wird gut. Ich kenne das Gefühl. Ich habe

ihr gesagt, dass sie dir einen Brief schreiben und

ihn mir als Flaschenpost übergeben soll. Ich habe ihr

versprochen, dass ich mich persönlich darum kümmere,

dass du die Flasche bekommst. Nun, die Flasche ist

schon im Fluss Bosna oder vielleicht in Sava. Du wirst sie

finden“, tröstet ihn Miljacka.

Fietje fragt sich: Wieviele Briefe in Flaschen verschickt

Aziza denn?


148

GUTE FREUNDE

149

Nach ein paar Minuten Stille sagt Miljacka weiter zu Fietje,

dass die Flasche jetzt in der Save ist, in der Nähe der Stadt

Bijeljina und die Reise dorthin nicht lange dauert.

„Bijeljina? Warte mal, da macht mein Freund David gerade

Urlaub! Wir kennen uns aus Frankfurt. Vielleicht kann er

die Flasche herausfischen und sie sicher aufbewahren, bis

ich ankomme!"

David, ist ein sehr guter Freund, obwohl er jünger ist als er.

Die beiden sehen sich sehr ähnlich und das war

entscheidend für den Anfang ihrer Freundschaft. Als

David die Nachricht von seinem Freund bekommt, geht er

sofort zur Save.

Fietje sagt David, dass die Flaschenpost von einem

Mädchen stammt und es vielleicht ein Liebesbrief ist.

David findet das sehr romantisch. Bis zum Fluss fragt er

sich, wie diese Aziza wohl aussieht. Mit kleinen Schritten

geht er an den Fluss heran, in dem die Nachricht wartet.

Er sieht die Flasche am Ufer liegen und macht sie auf.

Einige Sekunden zögert er, ob er die Nachricht lesen soll.

Es ist Fietjes Privatsache. Er nimmt das Papier trotzdem

neugierig heraus und ist schockiert von dem, was er

darauf liest. Er entscheidet sich, seinen Freund sofort

anzurufen.

„Ich glaube, du musst dringend kommen und das hier

ansehen. Etwas Ernstes ist passiert!", stottert David ins

Telefon.

Komm schnell

nach Bijeljina!


150 GUTE FREUNDE

151

Fietje wird von dem Anruf überrascht und sagt, dass er sofort

auf dem Weg ist. Sein Skateboard wird den Weg schon

finden.

David sagt noch: „Pass gut auf Arti auf! Wir sehen uns."

Fietje ist sehr besorgt. Er hat David nicht gefragt, was los ist.

Er denkt, dass man das besser dort klären kann. Die Fahrt

ist sehr lang.

Als Fietje und Arti die Bushaltestelle in Bijeljina erreichen, sind

Wir müssen

sie unbedingt

retten. Uns

fällt sicher

etwas ein!

sie sehr erleichtert. Arti ist im Skateboard versteckt. Er will

vorsichtig sein, nach Davids Warnung.

An der Haltestelle wartet David schon. Die Jungen freuen

sich, weil sie einander lange Zeit nicht gesehen haben. Aber

sie wissen, dass sie noch etwas zu erledigen haben. Zu Fuß

gehen sie in Richtung Stadtzentrum.

David gibt Fietje den Brief aus der Flasche. Der Inhalt ist

sehr klar: „Wenn du sie jemals wiedersehen möchtest, dann

gib uns den Vogel! H. K. und M. M."

„Nein!", schreit Arti.

„Warte, Arti! Aziza ist wegen uns in großer Gefahr. Wenn sie

uns nie kennegelernt hätte, wäre das nicht so. Wir müssen

dringend zurück nach Sarajevo und ihr helfen."

In diesem Moment sagt David zu Fietje: „Ich denke, dass es

nicht notwendig ist, nach Sarajevo zurückzugehen. Sie sind

schon hergekommen."

Fietje folgt Davids Blick in Richtung Gemeinde. Dort sieht er,

wie Aziza von zwei Männern festgehalten wird. Einer der

Männer gibt Fietje ein Zeichen, dass er ihnen folgen soll.

Die drei gehen durch eine schmale Straße in den Stadtpark.

Ihnen folgen Fietje, Arti und David.

Aziza sieht sehr erschrocken aus und es bricht Fietje das

Herz, sie so zu sehen. Er weiß, dass er sich schnell etwas

ausdenken muss.


152 GUTE FREUNDE

153

Als sie den Parkweg entlang gehen, sagt Fietje leise zu

David: „Wir müssen schnell sein. Arti, du musst die

Fähigkeit benutzen, die keiner von uns hat. Das Fliegen!

Ich werde so tun, als ob ich dem Angebot zustimmen will,

dass ich dich hergebe. Aber, wenn sie

Aziza freilassen, fliegst du weg, so schnell du kannst!"

Arti versteht seine Anweisungen. Als sie im Park

angekommen sind, nickt Fietje den Entführern als Zeichen

der Zustimmung zu. Dann umarmt er Arti, sodass es

aussieht, als ob er sich verabschiedet.

Arti gleitet langsam den Entführern entgegen, die in der

gleichen Zeit Aziza loslassen. Aziza läuft auf Fietje zu.

Als Fietje ihre Hand ergreift, schreit er: „Jetzt!"

Und Arti fliegt weg. David, Fietje und Aziza laufen aus dem

Park und gehen zu der Gemeinde. Die Entführer scheinen

sehr frustriert zu sein. Sie stampfen zum Ufer der Save.

Was haben sie vor? Wollen sie die Flasche etwa neu

befüllen oder versinken lassen?

Als Aziza, Fietje und David die Gemeinde erreichen,

fühlen sie sich gleich viel sicherer, weil es dort Polizisten

gibt. David versteht nun, warum sich sein Freund so um

Aziza gesorgt hat. Sie ist ein sehr hübsches Mädchen.

Fietje und Aziza schauen sich Bijeljina noch ein wenig an.

Doch dann wollen sie zurück nach Sarajevo fahren. Aziza

denkt, dass ihre Eltern sehr besorgt sind.

Es ist echt

schön hier!


154 GUTE FREUNDE

155

David begleitet die beiden zur Bushaltestelle und bald

kommt auch Arti geflogen. Sie steigen in den Bus und

David folgt ihnen mit seinem Blick.

Die Fahrt ist jetzt sehr schnell vorbei. Aziza und Fietje

haben sich besser kennengelernt und Arti ist sehr stolz,

weil sie Aziza gerettet haben.

Als sie in Sarajevo ankommen, eilt Aziza nach Hause. Doch

sie verspricht, dass sie Fietje morgen sehen wird. Fietje

kann es kaum erwartetn, dass der neue Tag anbricht und

dass er gemeinsam mit Aziza an Miljackas Ufer auf einer

Bank sitzen kann.

Am nächsten Tag kommt Aziza zu dem Ort, an dem sie

sich mit Fietje verabredet hat.

Fietje wartet schon auf sie. Als sie sich sehen, rennen sie

aufeinander zu und umarmen sich.

Aziza fühlt sich wie im siebten Himmel.

„Bitte sag mir, wie du es deinen Eltern erklärt hast, dass

du gestern neun Stunden nicht da warst", sagt Fietje zu

Aziza.

Kommt gut

zurück!

„Hm, ich bin irgendwie klargekommen. Ich habe

ihnen gesagt, dass ich auf der Trebevic war, dass ich mich

bei einem Wanderteam angemeldet habe. Ich weiß selbst

nicht, ob sie mir das geglaubt haben. Für uns Araber sind

Berge eine Sensation, weil es in Arabien meist nur

Wüsten gibt. Wir haben dort sehr viel Sand."

„Ja, das war eine sehr gute Idee. Aber in Zukunft keine

Flaschenpost mehr", lacht Fietje und Aziza wird rot.

Sie kniet sich zu Miljacka hinunter und sagt: „Danke, lieber

Fluss. Ohne dich hätten sie mich nicht retten können."


156

FIETJES TAGEBUCH

157

Liebes Tagebuch,

ich bleibe noch ein wenig in Sarajevo,

auch wenn Aziza sehr bald fliegen wird.

Sie und ihre Eltern haben bereits ihre

Sachen gepackt und sind auf dem Weg

zum Flughafen. Aber zum Glück bin ich

nicht alleine hier. Jasmina hat mich

angerufen. Doch irgendwie war sie

etwas komisch, vielleicht bekommt Arti

ja heraus, was mit ihr los ist!


158

159

09

"Jasminas

Geschichte"

Kapitel 1

Edisa Ćosić

Bosnien und Herzegowina

Sarajevo, Bosnien und

Herzegowina

Hanadi Nalić

Bosnien und Herzegowina

Vesna Milivojević

Serbien

Selina Popaja

Bosnien und Herzegowina


wichtigsten Einkaufsstraße

In den Gassen von

Bascarsija sieht man orientalische

Teehäuser, eisdielen und

restaurants mit bosnischer

Küche, geht man etwas weiter,

160

JASMINAS GESCHICHTE

161

Es ist fast Mitternacht, Vollmond. Arti kreist wieder

einmal über die Altstadt Baščaršija. Plötzlich bemerkt er

Jasmina in Eile. Sie kommt zu dem Punkt, an dem sich

Osten und Westen treffen.

Arti sieht sie und folgt ihr. Arti denkt: „Was tut sie hier?

Ist sie in Gefahr? Was ist ihr Geheimnis?“

Er hört sie schluchzen. Sie spürt, dass jemand da ist.

Jasmina ruft: „Wer ist das? Ist da jemand?“

„Hab keine Angst! Ich bin’s nur, Arti. Ist etwas

passiert?“

Sie seufzt tief und sagt: „Wenn du wüsstest...“

Sie beginnt zu erzählen: „Ich habe ein schweres

Schicksal. Seit meinem 13. Geburtstag, vor drei Monaten,

kann ich Gedanken lesen. In meinem Kopf schwirren

Geschichten über Geschichten... Ich kann das nicht mehr

ertragen. Mein Kopf platzt. Nur diesen Mauern hier kann

ich

meine Geschichten anvertrauen. Hier bin ich weit weg

von allem. Diese kalten, dunklen Mauern haben keine

Gedanken und der Ausblick auf die Stadt beruhigt mich.“

Arti bohrt weiter: „Erzähl mir die Geschichten. Ich bin

doch ein guter Zuhörer.“

Jasmina sagt: „Komm mit! Siehst du dieses Haus und das

Rathaus?“ Sie zeigt auf das Trotz-Haus.

Der Punkt an dem sich

Osten und Westen treffen

Das trotz-Haus Inat Kuca

Der Osten und der

das haus steht

heute auf der anderen

Westen treffen sich

auf der Ferhadija Straße, der

seite von Miljacka und ist ein

schönes restaurant

in Sarajevo, auf europäischen

Boden

die habsburger haben es

stein für stein abgebaut, um

es am anderen ufer wieder

aufzubauen

an seiner stelle steht

nun das Rathaus

kommt man sich vor wie in

Österreich


162

JASMINAS GESCHICHTE

41

Trachtprügel,

die =

eine

Schlägerei

„Es gab einmal einen alten Mann namens Benderija. An die

Stelle seines Hauses wollte die österreichische Regierung

das Rathaus bauen. Siehst du das wunderschöne Gebäude?

Für dieses Gebäude sollte der Mann sein Häuschen opfern.

Dickköpfig und trotzig, wie er war, lehnte er das ab. Nach

‚freundlicher Überredung’, also einer ordentlichen Trachtprügel,

gab er unter einer Bedingung nach. Er verlangte,

dass man sein Haus Stein für Stein auf das andere Ufer

des Flusses Miljacka trägt.“

Während sie erzählt, werden Artis Federn immer schöner,

bunter und leuchtender, weil sein Wortschatz wächst.

Er denkt an das Land, dessen Bewohner trost- und

sprachlos sind und die um jedes Wort kämpfen, die nur die

Gedankensprache haben. Jasmina und Arti sehen sich an

und entscheiden etwas zu tun.

163

Mister Mundzu und Herr Keinwort sollen die Legende und

weitererzählen. Dafür bekommen sie von Arti zwei Federn

mit Wörtern.

Fietje freut sich am nächsten Morgen auf die Schule, weil er

dort Jasmina sieht.

Er kommt in die Klasse: „Wo ist sie denn?“

Fietje wird unruhig und ungeduldig. Er kann den Schulschluss

kaum erwarten. Endlich klingelt es. Er greift nach seinem

Skateboard, das so viele Geheimnisse in sich birgt und flitzt

aus der Schule.

Unterwegs trifft er seine alten Bekannten, Keinwort und

Mundzu, aber diesmal singen sie!

Sie singen ein Lied über das Trotz-Haus und Benderija!. Und

auch Jasmina ist da.

42

in sich bergen =

verstecken

43

flitzen =

sich beeilen,

rennen

in sich bergen

flitzen

Trachtprügel


164

FIETJES TAGEBUCH

165

Liebes Tagebuch,

irgendetwas Merkwürdiges passiert im

Moment. Alle Leute sind so unfreundlich

und gemein zueinander. Ich verstehe gar

nicht wieso, selbst Jasmina verhält sich

komisch.

Aber ich komme dem Ganzen noch auf

die Spur, so viel ist sicher!

Ich bringe wieder Freude und Frieden

nach Sarajevo und Zenica, denn Bosna

hat mir gesagt, dass wir genau dort hin

müssen!


166

167

Adna Šestić

Amina Pojski¦ć

Adna Ganibegović

Edna Tufekčić

EnaZe¦ Źevi¦ć

Adela Prasko

Adna Muslić

Emina Šehić

10

"Die Macht der

Freundschaft"

Emina Rušidović

Kapitel 1

Iman Karabeg

Berina Telalović

Zenica, Bosnien und

Herzegowina

Kanita Isaković

Lamija Hibović

Zerina Spahic

Nejra Omeragić

Lejla Šabić

Merjem Bajramović


168

DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

Unterschlupf

169

44

offenbaren =

zeigen,

enthüllen

Es gibt so viele schöne Orte auf dieser Welt. Viele von ihnen

sind versteckt und wenige Leute wissen von dieser Schönheit.

Erbaut in der wunderschönen Natur in der Nähe der Stadt

Zenica, liegt die Altstadt Vranduk. Sie erzählt die Geschichten

von bosnischen Königen und Königinnen, die einmal Frieden

und Liebe unter ihrem Volk bewahrt haben. Vranduk ist

umgeben von geheinmisvollen Ketten von Flüssen und

versteckt viel mehr als wir auf den ersten Blick sehen

können.

Eine magische Welt der unterirdischen Gewässer offenbart

etwas ganz Neues. So wird geglaubt, dass alles, was in diese

Gewässer fällt, für immer unter der lebendigen Stadt Zenica

bleibt. Zwei Männer befinden sich auf der Festung von

Vranduk und versuchen einer Geschichte auf die Spur zu

kommen. Wenn sie das Geschöpf fangen, das die Liebe unter

Zenica und die Festung Vranduk

Zenica ist eine Stadt in Bosnien und

Herzegowina mit etwa 115.000 Einwohnern

Sie ist die viertgrößte Stadt des Landes

Vranduk liegt in einer Flussschleife der

Bosna und ihre Altstadt liegt auf einem Felsen

Die Festung liegt etwa 14 Kilometer

nördlich von Zenicas Innenstadt

offenbaren

den Menschen verbreitet, können sie sprechen.

Und so machen sie sich daran, das Geschöpf zu entführen.

Sie haben Erfolg und von nun an können sie sprechen.

Die bösen Männer streiten nun darüber, wer von ihnen das

gutmütige Geschöpf Ukiyo gefangen hat.

„Endlich haben wir es geschafft! Das Geschöpf ist gefangen!",

sagt Mister Mundzu.

„Ja, genau! Die Länder werden sich ohne die Liebe hassen",

antwortet Herr Keinwort, der aufgeregt ist.

„Aber, ohne mich wäre es natürlich nie hierher gekommen!"

„Hahahaha, das ist ja ein guter Witz! Ich habe das Wesen

selbst gefangen. Das war ziemlich schwer. Wenn ich es nicht

gefangen hätte, wäre es nicht hier!"

„Ja klar, aber ich habe es hierher gebracht. Das war definitiv

kein leichter Job!"

„Ich habe doch den Schlüssel gedreht!"

„Das ist falsch! Das habe ich gemacht!"

„Oh Gott! Ich kann mich doch gut erinnern! Den Schlüssel

habe ich gedreht!"

„Hast du nicht!"

„Habe ich doch!"

„Wie auch immer, ich gehe zurück in unseren Unterschlupf

und du bist nicht willkommen! Geh zurück zu deiner Mutter!",

sagt Mister Mundzu. Er nimmt den Schlüssel mit, der Ukiyo

aus dem Käfig befreien kann.

Geschöpf

45

Geschöpf,

das, -e =

Wesen, Tier

46

Unterschlupf,

der, -e =

Versteck


170

DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

schlichten

171

Mister Mundzu geht weg und lässt Herrn Keinwort allein,

Aber niemand kommt, bis zu einem Tag...

wütend und traurig zurück. Mundzu vergisst schnell, dass sie

jetzt die Macht der Wörter haben, die einen Streit schlichten

Am Himmel sammeln sich dunkle Wolken und der Wind

47

schlichten =

kann.

Ukiyo weint auch. Bittere Tränen fließen stundenlang aus

streichelt Jasminas Haare. Kühle Luft dringt in ihre Nase und

macht sie noch ungeduldiger, da Fietje schon wieder eine

48

sonderbar =

komisch,

merkwürdig

einen Streit

beenden, beilegen

seinen Augen. Ohne Ukiyo kann nie wieder Frieden zwischen

den drei Ländern herrschen. Die drei Länder werden sich

halbe Stunde zu spät ist.

Jasmina und Fietje haben eine ziemlich sonderbare

49

gewöhnlich =

normalerweise

hassen, solange Ukiyo im Käfig liegt.

Freundschaft. die man mit Worten nicht beschreiben kann.

Jemand muss ihm helfen, jemand muss es befreien.

Dieses Gefühl muss man zuerst selbst erleben, um es zu

„Dunkelheit, Einsamkeit. Keine Liebe, keine Freundlichkeit. Nur

ver-

stehen. Sie sind immer für einander

Liebe kann Hass besiegen, aber wenn ich hier bleibe, werden

da, egal wie weit sie von einander

die Flüsse der Freundlichkeit, die reinste Verbindung unter

entfernt sind. Deshalb ärgert sich

den Menschen, austrocknen und verschwinden. Ich frage

Jasmina nicht so sehr, wenn Fietje

mich, wie ich entkommen kann...", denkt sich Ukiyo.

wie gewöhnlich zu spät kommt.

Tagelang wartet Ukiyo in seinem Käfig

auf jemanden. Es

bereitet schon die

Nachrichten für

seine Retter vor.

Hilf

mir!

Sie ist verwirrt, denn als er

ankommt, sieht er besonders

besorgt aus.

gewöhnlich

sonderbar


172

DIE MACHT DER FREUNDSCHAFT

Jasmina!

Hochzeit

„Jasmina!", ruft Fietje schon von Weitem.

Dann erscheint ein Licht wie von einer Rasierklinge. Bevor

alles in einem kurzen Moment schwarz wird, hallt das Grollen

eines Donners durch die Straße. Fietje stößt einen Schrei

aus und ruft wieder nach Jasmina, aber er bekommt keine

Antwort.

Kurz darauf bricht Jasminas Stimme das Schweigen: „Fietje,

schau mal!"

Sie zeigt auf das glänzende Wasser unter der Brücke.

Sie sind beide erstaunt über das Wesen, das sie sehen. Es ist

etwas, das sie noch nie gesehen haben. Das Wesen hat einen

langen Körper mit weichen Schuppen. Es sieht die beiden

Freunde mit seinen treuen, weichen Augen an.

„Kein Grund, Angst zu haben", sagt das Geschöpf ruhig und

Jasmina und Fietje lächeln überrascht.

„Wer bist du?", fragt Fietje nach einem Moment der Stille.

„Es ist schwer zu erklären", antwortet das Geschöpf, „Ich

bringe Frieden und Freundlichkeit über die Menschen in

unserem Land."

„Toll! Aber wieso sind die Leute heute nicht mehr so nett?",

fragt Jasmina.

„Die meisten von ihnen sind es nicht, weil ich gefangen

genommen wurde. Aber ihr zwei seid anders. Es scheint mir,

dass ihr alle um euch herum verbinden könnt. Ich kann nicht

überall hingehen und die Liebe verbreiten, jemand muss mich

unterstützen und befreien."

173


174

DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

175

Eine Träne läuft Jasminas Wange hinunter.

„Wie kann jemand so grausam sein, dich gefangen zu halten?"

„Es ist jemand, der noch nie eine warme, liebevolle Berührung

gespürt hat", sagt das Geschöpf.

„Wie können wir dir helfen?", fragen Jasmina und Fietje.

„Ja, es ist möglich. Ich kann es euch nur nicht sagen. Ihr

müsst auf ein Zeichen im Kamberovića polje warten."

Nach diesen Worten verschwindet das Geschöpf im Wasser.

„Freundlichkeit und Zuneigung halten alle Menschen in der Welt

zusammen. Wenn sie verschwinden, werden die Menschen

nciht mehr mit einander verbunden sein", sagt Jasmina.

„Ja, wir müssen Ukiyo helfen!", sagt Fietje.

Doch dafür braucht Fietje den Schlüssel. Er ist bei Mister

Mundzu, aber der bewahrt ihn sorgfältig auf. Der Schlüssel ist

in der Festung Vranduk versteckt.

Arti fliegt über Kamberovića polje. Als er Mister Mundzu

sieht, weiß er, dass etwas nicht stimmt. Er fliegt auf ihn

zu. Aber als er Arti sieht, läuft er weg.

Plötzlich verschwindet Arti. Mister Mundzu ist verwirrt.

Arti hat im Sand eine Karte entdeckt, mit einem Rettungsweg

und einer Beschreibung des Ortes, an dem sich

der Schlüssel befindet. Schnell zeigt er sie Jasmina und

Fietje.


176 DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

50

heftig =

stark, intensiv

Jasmina überlegt: „Fietje, Arti und ich können das Geschöpf

befreien, aber dafür müssen wir einander unterstützen."

Fietje, ich habe eine super Idee! Zusammen können wir der

Welt helfen. Wir brauchen den Schlüssel und auch unsere

starke, besondere Freundschaft. Ich habe einen Plan!"

Fietje ist begeistert.

Keinwort und Mundzu streiten sich immer noch über Ukiyo.

Fietje, Jasmina und Arti wissen aber schon, dass Menschen,

die nie einer Meinung sind, nichts Gutes bewirken können,

egal welche Superkräfte sie haben. Das ist ihre Gelegenheit,

das Geschöpf zu retten und die nutzen sie.

Arti fliegt nach Vranduk und wirft Steinchen zwischen Heern

Keinwort und Mister Mundzu. Sie streiten so heftig, dass sie

nichts um sich herum mitbekommen.

Der kluge Arti nutzt das aus. Nur nach ein paar Sekunden

ist der Schlüssel bei ihm, mit dem er zu Jasmina und Fietje

fliegt, um mit ihnen das Glück zu teilen.

heftig

Herr Keinwort und Mister Mundzu haben es nicht geschafft!

Sie drohten immer wieder: „Du wirst sehen. Du bist die letzte

Spur des Guten, die wir mit uns nehmen werden. Endlich

wird das Böse gewinnen."

Es ist eine leere Drohung.

In seiner Gefangenschaft glaubte Ukiyo stets

daran, dass Güte noch existiert und in allen Menschen

liegt. Es muss nur dieses Gute in den Menschen wecken.

Mit Jasmina und Fietje, hat es die Möglichkeit, allen

Menschen den richtigen Weg zu zeigen.

177

Als die Freunde sich mit dem Schlüssel im Park versammeln,

sehen sie eine magische und zauberhafte Szene. Aus dem

Wasser taucht das Geschöpf auf.

In seinen schönsten Träumen hätte es nicht geglaubt, dass

es frei sein wird und auch noch drei richtige Freunde hat.


178

DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

179

Ukiyo will, dass es alle wissen.

„Ihr lieben Freunde! Bitte teilt unser Glück den Flüssen mit!

Sie sollen es allen berichten. Übergebt der Bosna eine

Flaschenpost, die von Liebe und Verständnis spricht."

Mithilfe des Flusses Bosna haben sie zusammen eine

Flaschenpost in die Welt weitergeschickt. So siegt das

Gute über das Böse.

Die Freunde gehen noch den ganzen Tag an der Bosna

spazieren.

Post von Ukiyo!

Schreibe den Menschen

eine Flaschenpost.

Es soll eine Nachricht

von Ukiyo sein, die ihren

Empfängern etwas über

deine Heimat erzählt!


180

DIE MACHT DER FREUNDSCHAFT

181

„Ich hatte einen Traum. Im Traum aß ich ein riesiges

Brötchen. Als ich aufwachte, war mein Kissen weg",

erzählt Fietje gerade Jasmina. Nach einer kurzen Pause

lachen beide.

Sie gehen im Park namens „Kamberović Feld" spazieren. Der

Tag ist wunderschön. Die Vögel und der Wind bewegen sich

wie in einer zauberhaften Symphonie. Die Harmonie um

Fietje und Jasmina herum ist beruhigend. Die Welt ist ihr

Märchen.

Plötzlich flüstert der Wind leise zu Fietje: „Jasminas Lächeln

ist nicht wie immer. Hast du das bemerkt?"

Da wendet sich Fietje unsicher an Jasmina: „Jasmina? Was

ist los? Ist etwas passiert? In der letzten Zeit bist du

nicht wie früher."

„Warum? Möchtest du sagen, dass ich nicht mehr so

unterhaltsam bin wie früher?", antwortet Jasmina.

„Nein, das möchte ich nicht sagen...", erwidert Fietje.

„Nein, Fietje. Ich weiß nicht, was mit dir los ist! Ich bin... Mir

geht es gut, aber.... Ach, lass mich einfach in Ruhe!"

„Aber..."

„Bye! Ich muss gehen!", sagt Jasmina und lässt ihn stehen.

Fietje bleibt im Park. Er sitzt am Fluss, aber seine

Gedanken sind bei Jasmina. Sie ist oft sehr traurig und

nachdenklich, das ist für ihn ganz seltsam. Noch seltsamer

ist, dass sie oft reagiert, als ob er etwas falsch macht.

„Mundzu und Keinwort sind sicher an allem schuld!", denkt er.

Plötzlich zeigt sich vor ihm wieder eine Flasche im Fluss. Er

ist überrascht, als er eine Nachricht in ihr sieht. Bald

versteht er, dass es eine Warnung ist.

„Keinwort und Mundzu haben mehr Macht über die

Menschen, als man denkt. Sie sind in ihren Köpfen."

Fietje ist erschrocken.

„Vielleicht beeinflussen die Agenten auch Jasminas

Gedanken! Ich muss sie retten!", denkt er laut.

Symphonie

51

Symphonie,

die, -n =

verschiedene

Klänge, die

zusammen ein

Lied ergeben


Hadzi-Mazica Haus

182 DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

Zögern

183

52

Zögern, das =

abwarten

Am nächsten Tag fährt Fietje mit dem Fahrrad, als er einen

wundervollen Vogel sieht. Dieser Vogel sieht ganz genau

so aus, wie der Paradiesvogel, den er aus Berlin kennt! Der

mgagische Vogel hinterlässt ihm eine Flaschenpost und fliegt

sofort wieder weg.

Fietje weiß nicht, ob ihn mehr die Flaschenpost oder der

Vogel erschreckt, aber etwas sagt ihm, dass es keine Gefahr

gibt. Nach einem kurzen Zögern öffnet er die Botschaft. Es

ist ein weiterer Brief.

„Das Opfer von Mundzu und Keinwort ist in deiner Nähe. Sei

sehr vorsichtig! Wenn du diesen Brief ignorierst, geht es

nicht gut für dich und deine Freunde aus!"

Jetzt ist Fietje ganz sicher, dass sich alles um Jasmina dreht!

Am nächsten Tag möchte Jasmina nach der Schule nicht mit

Fietje nach Hause gehen. Fietje ist sich sicher, dass etwas

nicht in

Ordnung ist. Gestern hat er sich entschieden, dass er alles

tun wird, um sie zu retten. Darum folgt er ihr. Jasmina geht

schnell zum Hadži-Mazića Haus, wo sie sich mit zwei Männern

trifft. Die ganze Zeit bleibt er dicht hinter ihr, ohne dass sie

ihn bemerkt.

„Ich werde auf dich warten, Jasmina", flüstert Fietje.

Während er wartet, sieht er wieder den Vogel. Er sitzt auf

dem Konjska Wasserhahn, der sich neben dem Haus

befindet. Als Fietje den Vogel beobachtet, weiß er,

dass eine neue Nachricht kommt.

Ein Zettel fliegt vor seine Füße.

Jasmina braucht

meine Hilfe und

zwar schnell!

das haus wurde um 1835 gebaut

es befindet sich in der nähe der

sultan ahmed moschee

heute ist es denkmalgeschützt

im erdgeschoss gibt es zwei zimmer mit

antiken türen, ein café und vier handwerksläden


Zauber brechen

184

DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

185

53

Zauber

brechen =

einen Fluch

aufheben

54

annullieren =

etwas

rückgängig

machen

„Deine Freundin ist in großer Gefahr. Mister Mundzu und Herr

Keinwort haben das Haus verzaubert. Hier sind die

Zauberworte, die den Zauber brechen:

Freundschaft ist wichtig,

Du musst Jasmina retten,

Die Zauberei annullieren,

Das ist dein großer Wunsch."

annullieren

Fietje liest die Zauberworte laut, aber nichts passiert.

„Habe ich die Worte nicht richtig ausgesprochen? Vielleicht

funktionieren sie nicht? Soll ich es noch einmal versuchen?",

fragt sich Fietje. Nach einiger Zeit versucht er die Tür zu

öffnen. Dieses Mal öffnet sie sich. Im Haus ist ein langer

Flur und Fietje hört Geräusche, deshalb versteckt er sich in

einem alten Kleiderschrank.

„Jasmina wird sehr böse sein, wenn unsere Chefs

Keinwort und Mundzu mit ihr fertig sind", sagt jemand im Flur.

Fietje kann zwei Männer in schwarzen Anzügen durch ein

Loch sehen. Bald gehen sie aus dem Raum und Fietje findet

endlich Jasmina.

„Jasmina, geht es dir gut? Haben sie dich verletzt?", fragt

Fietje angespannt.

„Nein. Mir geht es gut, aber ich habe Angst, dass ich böse

werde...", sagt Jasmina.

Tränen laufen über ihre Wangen.

Mir geht

es gut.


186 DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

187

55

geduldig =

mit jemanden

oder etwas

Geduld

haben

56

bemühen=

sich um

jemanden

kümmern

„Wir müssen uns irgendwo verstecken. Komm, wir

müssen schnell sein!", sagt Fietje und geht mit Jasmina raus.

„Alles, worum es hier geht, hat mit Freundschaft zu tun...

Jasmina, ich möchte dir helfen, aber ohne deine Hilfe ist das

unmöglich!"

Fietje ist jetzt ander als früher und Jasmina merkt das. Sie

hat immer das Gefühl, dass sie ihm nicht wichtig ist. Deshalb

hat sie nie gesehen, wie er sich bemüht... Bis jetzt. Als er

solche Angst um sie hat, sieht sie, dass er sie sehr mag und

respektiert.

„Wir müssen alles tun, was wir können. Ich möchte wieder

die alte Jasmina werden."

Obwohl sie nicht wissen, was sie jetzt machen

sollen, ist für Fietje sofort alles

leichter. Jasmina sieht wieder

nachdenklich aus.

„Was ist jetzt los?", fragt er sie.

„Du bekommst Briefe, richtig?"

bemühen

„Woher weißt du das? Das habe ich dir doch nicht erzählt!"

„Ach, bitte. Ich kenne Flumini länger als du. Einige Sachen

muss man mir nicht sagen."

„Flumini? Ist das dieser goldene Vogel?"

Arti kommt in diesem Moment auf sie zugeflogen und gibt

Fietje noch einen Brief. Er kann deutlich fühlen, dass das die

letzte Anweisung ist. Arti schaut ihm lange in die Augen und

fliegt dann weg.

„Du weißt jetzt, dass es eure Freundschaft braucht, um den

Zauber zu brechen. Alles, was du jetzt brauchst, ist ein

einzigartiger Platz. Setze alle Briefe zusammen und du wirst

es herausfinden!", lautet die Nachricht des Vogels.

57

nachdenklich =

sich Gedanken

machen, grübeln

Ich habe so

Angst, Fietje... Ich

will nicht böse

sein...

nachdenklich

geduldig


188

DIE MACHT DER FREUNDSCHAFT

189

Schnell setzen sie die Blätter zusammen. Sie sehen fast

wie eine Karte von Zenica aus. Diese Karte zeigt allerdings

mehr als nur Gebäude und Denkmäler. Die Orte, die voll

guter Magie sind, glänzen golden, die mit schlechter Magie,

wie das Hadži-Mazića Haus, sehen wie schwarze Löcher

aus. Am meisten glänzt die mittelalterliche

Festung Vranduk. Dorthin wollen sie gehen.

Sehr schnell kommen sie in Vranduk an. Der Platz ist

wunderschön. Sie glauben ihren Augen kaum und ihre

Herzen pochen schneller. Sie wissen, dass ihre Probleme

bald gelöst sind.

„Kommt!", sagte eine Frauenstimme in der Mitte der Festung.

„Ich bin sehr froh, dass ihr hier seid und ich kann fast

nicht glauben, wie stark eure Freundschaft ist. Jetzt weiß

ich, dass ihr die Agenten aus dem Sprachlos-Land

besiegen könnt. Die Welt wartet auf diesen Moment

seit vielen Jahrhunderten."

„Woher kennen Sie uns?", fragt Fietje.

Er und Jasmina sindgeschockt.

„Flumini ist meine Freundin. Früher ist mein Vater König in

Vranduk gewesen und als er starb, überließ er mir

seinen Thron. Am Anfang lebten die Menschen glücklich,

doch dann kam die Dunkelheit in die Stadt. Der Fluss half

mir, aber er konnte mich nur in einen Vogel verwandeln.

Als Vogel kann ich mich außerhalb der Festung bewegen.

Er hat mir gesagt, dass eure Freundschaft sehr stark ist

und dass ihr Keinwort und Mundzu besiegen könnt", erzählt

die Vogeldame, die auf einer Mauer sitzt.

„Was sollen wir machen?", fragt Fietje.


190 DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

191

„Es reicht, wenn ihr einen Wunsch aufsagt, sodass Keinwort

und Mundzu verschwinden", antwortet sie.

„Jasmina, bist du bereit?", fragt Fietje.

„Ja, natürlich! Machen wir das! Los!", antwortet Jasmina.

„Jetzt wünschen wir uns, dass die Dunkelheit

verschwindet und dass die ganze Welt für immer glücklich

ist!", sagt Fietje.

Er und Jasmina halten sich an den Händen.

Plötzlich pustet der Wind um Jasmina und Fietje und die

Sonne scheint noch heller. Sie taucht die Freunde in ein

goldenes Licht.. Nach einiger Zeit beruhigt sich alles wieder.

„Ihr habt es geschafft! Ihr habt Mundzu und Keinwort

besiegt. Ich danke euch so sehr!", sagt die glückliche

heimliche Königin von Vranduk.

Jasmina und Fietje sind sehr froh. Jetzt wissen sie, dass

ihre Freundschaft jede Dunkelheit besiegen kann.

„Was sollen wir jetzt machen... So als Helden?", fragt Jasmina

Fietje wieder.

„Gehen wir im Kamberovica Feld spazieren? Ah ja, gestern

hörte ich einen sehr guten Witz! Den muss ich dir

erzählen!", sagt Fietje.

Jasmina und lacht, als sie mit Fietje los geht.

Wir haben es

geschafft!

Wir sind Helden,

Fietje!


192

DIE RICHTIGE MACHT DER MISCHUNG FREUNDSCHAFT

193

Ein paar Tage später geht Fietje allein in Zenica spazieren.

Er fühlt, dass ein Sturm aufkommt, aber der Himmel ist

wolkenlos. Er ist angespannt. Etwas Großes und

Wichtiges passiert sicher, aber er weiß nicht, ob es gut

oder schlecht sein wird.

Jasmina hat auch schon ein paar Tage nichts von sich

hören lassen.

In diesem Moment kommt er am Kaufhaus Bosanka

vorbei und schaut auf die weiße Brücke hinaus.

Er geht den Fluss entlang und plötzlich bemerkt er

etwas Ungewöhnliches.

Von Wasser umspült glitzert etwas am Ufer. Er bückt

sich. Es sind Ohrringe und eine Kette! Sie sind sehr alt.

Fietje will erfahren, was hinter den Dingen steckt.

Mit den gefundenen Sachen geht er zuerst ins

Stadtmuseum um Informationen zu sammeln.

Im Museum sagt man ihm, dass ähnliche

Gegenstände in der Altstadt Vranduk gefunden wurden.

In Vranduk findet Fietje einen berühmten Archäologen.

Der sagt ihm, dass der Schmuck letztes Jahr aus dem

Museum gestohlen wurde.

Ungewöhnliches

58

Ungewöhnliche,

das =

etwas, das

man nicht

jeden

Tag sieht

59

Archäologe,

der, -n =

jemand,

der alte

Dinge untersucht

Archäologe

Minarett von Khiva

Gestohlen?!

Turm der Moschee

in Khiva, von

dem fünfmal am Tag

zum Gebet gerufen

wird

Verbrechen


194

DIE MACHT DER FREUNDSCHAFT

195

Fietje weiß nicht, was er tun soll. Er ruft bei Jasminas Eltern

an, doch die wissen nicht, wo sie steckt. Etwas sagt ihm, dass

er in der Nähe des Flusses Bosna suchen muss.

„Wie soll ich sie bloß finden?", überlegt Fietje.

Plötzlich sieht er die Antwort: Ein kleines Boot steht am

Flussufer. Er steigt in das Boot und schon fängt es von selbst

an zu fahren.

„Das muss ein magisches Boot sein", denkt Fietje.

„Vielleicht fährt es schneller, wenn du an Jasmina denkst",

sagt Arti.

Er ruft alle Erinnerungen wach. Und in der Tat, das Boot wird

schneller. So vergehen Stunden um Stunden und Fietje wird

müde. Er schläft ein und träumt von Jasmina. Sie ist so

wunderschön. Sie singen zusammen ihr Lieblingslied.

Fietje ist so glücklich. Aber dieser schöne Traum

verschwindet schnell. Fietje wacht auf und sieht, wo er sich

befindet. Er ist am Ufer der Bosna und es ist kalt und grau.

Er hat keine Angst, aber dieses Mal ist etwas anders. Er hört

jemanden. Er blickt nach rechts und nach links, aber niemand

ist da.

„Was ist nur mit dir los, Fietje? Du musst stark bleiben!", sagt

Arti, der genau sieht, was in seinem Freund vorgeht.

Fietje blickt noch einmal nach rechts und dann sieht er eine

Silberkette! Alles ist plötzlich so einfach.

„Jasmina! Ich werde dich finden!"

Er springt aus dem Boot und nimmt die Kette. Die Reise

kann weitergehen. Er kann Jasmina lachen hören.

Verloren und verwirrt findet sich Fietje in einer fremden

Umgebung wieder.

„Wo sind wir hier bloß?", fragt er Arti.

„Wo hat uns der Fluss hingebracht?"

Erschöpft steht er auf und sieht sich um.

Seine Aufmerksamkeit wird von einer großen Steinfestung

angezogen.

„Nein, das ist ja nicht möglich! Meine Augen spielen mit mir.

Das kann doch nicht Kalamegdan sein!", sagt er laut.

„Und ob es Kalamegdan ist, Fietje. Wir sind

in Belgrad, in Serbien", antwortet Arti.

Fietje ist sich sicher, dass das etwas mit

Jasmina zu tun hat.

Er möchte sie finden, weiß aber

nicht wie. Kein Mister Mundzu und

kein Herr Keinwort in der Nähe.

Er läuft und läuft, Arti auf

seiner Schulter.


196

DIE MACHT DER FREUNDSCHAFT

Doch gar nichts, keine Hinweise, keine Jasmina.

Er gibt auf und möchte zurück nach Zenica.

So steht er nun gegenüber der Kalemegdan, schließt die

Augen und wünscht sich, dass der Fluss ihnen hilft.

Er öffnet die Augen und vor ihm steht der Schatten des

Mädchens mit dem schönsten Lächeln. Das ist ein sehr

kurzer Moment, denn gleich verschwindet sie auch schon

wieder.

Aber etwas bleibt von ihr zurück: Eine antike Taschenuhr.

Fietje ist verwirrt.

Auf der Rückseite ist etwas eingraviert.

Fietje weiß endlich, wo er Jasmina findet.

„Jetzt können wir zurück Arti! Sie wartet sicher schon auf

uns."

Fietje umklammert die Taschenuhr mit den Händen. Der

Fluss hört ihn und schickt ihn nach Zenica zurück. Er führt

Fietje und Arti auf eine große Wiese. Fietje sieht sich um: Er

ist im Stadion Bilino Polje!

Nachdem er sich mehrmals umdreht, sieht er die braunen

Locken einer jungen Frau. Zuerst denkt er, dass es ein Traum

ist, wie zuvor der Schatten. Aber nein, dieses Mal ist sie es

wirklich.

Jasmina lächelt, als er sie umarmt.

„Die gehört dir", sagt Fietje, als er Jasmina die Taschenuhr

in die Hand drückt.

„Ich wusste, dass du mich findest, Fietje. Ich weiß gar

nicht, wie ich hierher gekommen bin."

Jetzt gehen Jasmina und Fietje Hand in Hand und

verbringen gemeinsam ihre Zeit.

Kalemegdan und das Stadion Bilino

Polje

Kalemegdan ist eine Parkanlage auf

dem Gelände der ehemaligen Festung von

Belgrad

197

„Ich habe dich gefunden!", ruft er.

Das Stadion Bilino Polje ist ein Fußballstadion

in Zenica und hat 13.632 Plätze


198

FIETJES TAGEBUCH

199

Liebes Tagebuch,

Arti und ich verabschieden uns schweren

Herzens von Jasmina, denn die Reise

geht weiter.

Wir verlassen jetzt Bosnien und

Herzegowina und reisen weiter nach

Serbien. Unser kurzer Ausflug nach

Belgrad war ein Hinweis, das ist ja klar!

Miljacka hat uns gesagt, dass wir uns

unbedingt Valjevo und den See Brana

Stubo-Rovni angucken sollen.

Ob da wieder eine Nachricht auf uns

wartet?


Miloš Ćirić

200

201

Miloš Ćirić

11

"Valjevo, wir

kommen!"

Filip Nikolić

Kapitel 1

Valjevo, Serbien

Milica Pantelić

Nina Gračanin

Nevena Vićić

Nina Katić


202

VALJEVO, WIR KOMMEN!

203

Arti hört ein Geräusch, dreht sich um und sieht, wie die

beiden Fieslinge aus dem Sprachlos-Land auf einem

Motorrad hinter ihnen auftauchen.

Das Motorrad ist grau, groß und sehr laut.

Fietje und Arti rennen in Richtung Valjevo, aber die

Agenten sind schneller auf ihrem Motorrad und holen sie ein.

Arti ruft: „Fietje, da ist ein See, da ist ein See!"

Fietje biegt mit dem Skateboard vor dem Dorf Kunice in

Richtung See ab.

Weil das Motorrad nicht auf Wasser fahren kann, fliegen der

Junge und der Papagei mit ihrem Skateboard über die

Wasseroberfläche.

Herr Keinwort und Mister Mundzu halten am Seeufer an.

Sie setzen ihren Weg nach Valjevo auf der Straße fort.

Fietje und Arti kommen am Damm an. Leider sehen sie von

hier aus nicht, wie es weiter nach Valjevo geht.

Da sieht Fietje einen Jungen, der am großen Stausee fischt

und erkundigt sich bei ihm nach dem Weg: „Hallo, wir sind

Fietje und Arti. Kannst du uns den Weg nach Valjevo zeigen?"

Der Junge sagt: „Ja, natürlich!"

Er springt auf, um ihnen den Weg zu zeigen und führt sie die

lange Straße hinunter.

Auf dem Weg fragt

Arti ihn: „Kraah, Kleiner,

wie heißt du?"

„Nenad, ich heiße

Nenad", antwortet der

Junge.

Damm

Brana Stubo-Rovni

60

Damm,

der, Dämme=

der Damm ist

eine Mauer,

durch die

das Wasser

steigt und in

einem

Stausee

gesammelt

wird

er ist ein Stausee, 15 Kilometer stromaufwärts

des Flusses Jablanica

an seiner tiefsten Stelle ist er 67 Meter tief

er dient der wasserversorgung, dem schutz

vor überschwemmungen und der energieproduktion


204

VALJEVO, WIR KOMMEN!

205

61

heizen =

rasen

So setzen sie ihren Weg fort. Doch auf einmal hören sie

wieder das laute Motorengeräusch. Die beiden Bösewichte

sind ihnen schon wieder auf den Fersen.

Nenad sagt: „Lasst uns in den Wald abbiegen, so können wir

sie vielleicht abschütteln und bis nach Valjevo kommen."

Gesagt, getan. Sie biegen ab und setzen ihren Weg durch den

Wald fort. Mister Mundzu und Herr Keinwort haben nichts

bemerkt und heizen mit dem Motorrad weiter geradeaus.

Fietje, Arti und Nenad sind inzwischen schon auf der

Wiese angekommen, wo der Wald endet. Dort halten sie vor

dem Denkmal von Stjepan Filipović an.

„Das ist aber eine schöne Statue. Wer war dieser Mann?",

fragt Fietje interessiert.

Der weise Arti antwortet: „Kraaah, das ist ein Denkmal zur

Erinnerung an Stjepan Filipović, ein Nationalheld aus dem ehemaligen

Jugoslawien."

Die Gruppe wendet ihren Blick von der Statue ab und Fietje

sieht zum ersten Mal die Stadt unter ihnen, deren Panorama

von der Wiese, auf der sie stehen, gut zu

betrachten ist.

„Und das ist Valjevo!", sagt Nenad lächelnd.

62

Panorama,

das,

Panoramen =

ein weiter

Blick über

die Stadt

oder eine

Landschaft

heizen

Wow!

Panorama

Valjevo

Valjevo liegt im

westen serbiens

die stadt hat etwa

59.000 einwohner und ist der

Hauptort der gleichnamigen

gemeinde, die etwa 90.000

einwohner hat

valjevo ist etwa 100

kilometer von der hauptstadt

belgrad entfernt

in valjevo fließen drei

flüsse: gradac, jablanica

und obnica, die zu dem großen

fluss kolubara zusammenfließen

Stjepan Filipovic

stjepan filipovic war ein

kommunist und widerstandskämpfer

er wurde während des 2. weltkriegs

hingerichtet und nach seinem tod am

14.12.1949 zum volkshelden jugoslawiens

erklärt

1960 baute die Stadt Valjevo ein

Denkmal für ihn und zeigt ihn kurz vor

seiner hinrichtung


206

VALJEVO, WIR KOMMEN!

Tricks

63

Trick,

der, -s =

Figuren und

Bewegungen

beim Skaten

herausfordernd

Arti hebt ab und fliegt sehr hoch, um Valjevo besser sehen

zu können. Da sieht er die beiden Bösewichte, wie sie auf

ihrem Motorrad gerade in der Stadt ankommen.

Arti schreit: „Da sind sie, die Fieslinge! Sie fahren jetzt in die

Stadt hinein!"

Fietje nickt und schaut dann nach unten.

„Ist das da unten ein Skatepark?", fragt er Nenad.

„Genau!", bejaht dieser.

„Dann los, dorthin!", sagt Fietje entschlossen.

Er steigt auf sein Skateboard, fordert Nenad und Arti auf,

zu ihm zu kommen und die drei machen sich gemeinsam

auf in Richtung Skatepark. Als sie dort ankommen, sehen sie

dutzende Typen, die bereits am Skaten sind. Fietje fordert

die beiden auf, vom Skatebord zu steigen, damit er ein paar

Tricks machen kann. Er fährt los, springt und macht einen

coolen Kick-Flip. Einer der Skater schaut beeindruckt.

Der Skater sagt herausfordernd zu Fietje: „Hm, das war

schon nicht schlecht, aber kannst du auch wiederholen, was

ich jetzt mache?"

Der Skater fährt los und zeigt eine Reihe von schweren

Tricks. Fietje wird klar, dass die Herausforderung kein Scherz

war und sobald der Skater fertig ist, fängt Fietje an alles zu

wiederholen. Fietje schafft alle Tricks mit Bravour und zeigt

sogar noch mehr Tricks, die viele Skater im Park noch nie

zuvor gesehen haben.

„So macht man das!", sagt Fietje mit

einem breiten

Grinsen im Gesicht.

Mittlerweile hat

sich eine kleine

Menschenansammlung

gebildet. Alle sind begeistert

von Fietjes beeindruckenden

Fähigkeiten.

mit Bravour

64

herausfordernd

=

auffordernd,

frech

207

65

mit

Bravour =

geschickt,

meisterhaft


208

VALJEVO, WIR KOMMEN!

209

sama =

Serbisch für

allein

rakija =

Serbisch für

Branntwein

Die drei Freunde setzen ihren Weg fort, da fragt Nenad:

„Wollen wir in die Tešnjar Straße gehen?"

Fietje erwidert: „Ja, das ist eine gute Idee."

Sie gehen in die Tešnjar Straße und vor allem Arti ist sehr

glücklich darüber. Dort treffen sie viele Leute, die in der

Straße wohnen oder es einfach mögen, dort Zeit zu

verbringen. Sie hören viele Geschichten über die Entstehung

Valjevos und finden alles sehr spannend. Die Tešnjar Straße

ist nicht groß, aber es gibt dort viele alte Häuser und

Geschäfte. Eine Frau ist sehr nett und gibt ihnen ein wenig

Honig zum Probieren aus ihrem Geschäft.

Sie schlendern weiter durch die Gassen. Plötzlich erinnert

sich Naned daran, dass seine Serbischstunde in 10

Minuten beginnt. Deswegen gehen sie gemeinsam zum

Gymnasium, Nenads Schule. Aber als sie vor der Tür sind,

fällt ihnen auf, dass es ein Problem gibt. Tiere dürfen die

Schule nicht betreten.

Nenad sagt: „Wir könnten Arti und das Skateboard im

Keller verstecken, weil dort sowieso niemand hingeht."

Fietje fragt: „Ist es dort auch sicher?"

Nenad erwidert: „Ja, vertrau mir!"

Das Valjevoer Gymnasium ist sehr groß und schön und es

ist in der Nähe des Stadtzentrums. Es gibt dort etwa 600

Schüler. Die Serbischstunde ist für Fietje sehr interessant,

weil er dort neue Wörter, wie zum Beispiel „sama", „rakija"

oder „kolo" lernt. Das sind traditionelle serbische Wörter.

Vor der Mathestunde lernt Fietje noch viele Freunde von

Nenad kennen. Er mag sie sehr.

kolo

rakija

kolo =

Serbisch für

Kreis

sama


210

VALJEVO, WIR KOMMEN!

211

In der Mathestunde lernt Fietje Trigonometrie, was sehr

schwer ist. Im Klassenzimmer ist es ruhig und alle

Schüler sind seh konzentriert.

„Klopf, klopf!", jemand klopft an die Tür.

Ein schönes Mädchen mit blonden Haaren kommt herein und

sagt: „Es tut mir leid, dass ich zu spät bin."

Der Lehrer erwidert: „Emilija, das ist gegen die Regeln. Als

Strafe bekommst du mehr Hausaufgaben."

Fietje ist von ihr fasziniert und kann sich auf nichts mehr

konzentrieren. In der Pause kommt Emilja zu ihm und stellt

sich Fietje vor. Er lächelt nervös und fühlt sich unsicher, da

Emilija so hübsch ist.

Doch da fragt Nened ihn auch schon: „Fietje, willst du mit mir

Basketball spielen?"

„Ja, gern", antwortet er.

So fangen die beiden Jungen auf dem Hof ein Basketballspiel

an.

Allerdings bemerken sie nicht, dass Mister Mundzu und Herr

Keinwort sie beobachten. Die beiden Sprachlosen verstecken

sich hinter einem Baum. Sie schleichen sich von hinten an

Emilija heran, die den Jungs beim Spielen zuschaut.

Als Emilija die beiden Bösewichte sieht, erschrickt sie, allerdings

geben die beiden ihr schnell einen Zettel.

Darauf steht: „Wir sind gute Menschen, aber wir können nicht

sprechen. Wir wollen diese fantastische Schule besuchen und

sehen, was es dort alles gibt. Wirst du uns helfen?"


212

VALJEVO, WIR KOMMEN!

Emilija macht es traurig, dass sie nicht sprechen können.

Deshalb möchte sie ihnen helfen. Nenad sieht, wie die

Agenten am Eingang des Gymnasiums stehen.

Er ruft: „Fietje! Schnell, Herr Keinwort und Mister Mundzu

sind da! Was sollen wir machen?"

Fietje sagt: „Ich glaube es nicht. Arti und das Skateboard sind

noch immer im Keller!"

Sie warten, bis die Agenten in das Gymnasium hineingehen.

Dann laufen sie schnell in den Keller. Sie erreichen gerade die

Treppe, als jemand das Licht ausschaltet.

Unten im Keller herrscht eine unheimliche Atmosphäre. Sie

hören komische Stimmen. Trotzdem versuchen sie, den

Raum zu finden, in dem Arti und das Skateboard sind. Da

stolpert Fietje plötzlich über etwas. Es ist eine Lampe. Sie

nutzen sie, um besser sehen zu können.

„Die Tür ist hier! Ich warte, damit die beiden nicht

hereinkommen und du schnappst dir das Skateboard und

Arti!", flüstert Nenad.

„In Ordnung", antwortet Fietje.

Fietje geht in den Kellerraum und nimmt seinen Freund und

das Skateboard mit. Da hört er draußen Nenad rufen: „Sie

sind hier, schnell!"

213

In Ordnung


214

VALJEVO, WIR KOMMEN!

Fietje läuft los, aber es ist überall dunkel´. Er springt auf sein

Skateboard, um schneller zu sein und kann den beiden

Bösewichten entkommen. Vor der Schule angelangt, nimmt er

sich ein Taxi und sagt dem Fahrer, dass er sie nach

Petnica bringen soll.

Fietje und Arti nähern sich ihrem Ziel, Nenad hatte ihnen von

Petnica erzählt und dass es dort sicher ist. Es handelt sich um

die Petnička Pećina Höhle.

Sie überqueren die kleine Brücke, steigen aus dem Taxi und

eilen hinein. Neben ihnen sind der kleine aber feine Fluss Banja

und sehr viele Bäume. Verschiedene Vögel sind zu hören. Auf

dem Boden der Höhle kann man kleine Frösche sehen.

Arti erzählt: „Ich kenne diese Höhle! Das ist das erste

Höhlenzimmer und es ist heller als der Rest. Oben an der

Decke sind viele Tauben und ihre Nester. Wir sollten durch

diese Tür gehen und in die obere Höhle klettern. Dort sind wir

sicher, weil es dunkler ist."

Arti fliegt schnell zur Tür, Fietje läuft ihm nach. Im Durchgang

zum anderen Raum kann man nichts sehen, man härt nur ein

Echo.

Fietje ruft: „Hallo-allo-lo-o!"

Arti lacht: „Das ist eine große Höhle, wir können uns hier unten

verstecken. Weiter vorn erstreckt sich die Höhle in die Tiefe.

Aber dort sollten wir nicht hingehen, weil wir keine passende

Ausrüstung zum Klettern haben."

215

Petnicka Pecina

die höhle liegt 7,5 kilometer von

valjevo entfernt

am nördlichen Hang, den osoj-Hügeln,

gibt es zwei eingänge in die höhle, davon ist einer

gut sichtbar, der andere führt durch ein langes

verzweigtes netz aus höhlenkanälen mit einer

gesamtlänge von 580 metern

der eingang zur unteren höhle hat eine

dreieckige form

hinter dem eingang gibt es eine 27 meter

lange und 22 meter breite konzerthalle


216

VALJEVO, WIR KOMMEN!

Stalaktiten und stalagmiten

beide sind Tropfsteine,

die durch tropfendes Wasser

entstehen

Die Stalaktiten hängen von der

Decke herab

Die Stalagmiten wachsen vom

nach oben

Manchmal treffen sich beide formen

der Tropfsteine in der mitte

„Ach so?“, sagt das Mädchen und springt von einem Felsen

zu ihnen hinunter.

Fietje gibt sie einen Helm und ein Seil.

Arti sagt zu den Schülern: „Ihr seht ja komisch aus. Ich

muss keinen Helm tragen, ha ha!"

„Ein gesprächiger Papagei!”, sagt der Junge, der in der

Zwischenzeit auch heruntergekommen ist und Fietje

217

66

gesprächig =

jemand, der gerne

und viel redet

gerade den Helm aufsetzt.

gesprächig

„So ist es besser! Der steht dir gut, Höhlenforscher!”

Fietje, Arti und die Schüler bemerken nicht, dass Mister

Mundzu und Herr Keinwort jetzt in kurzer Entfernung vor

ihnen stehen.

„Guten Tag!”, hört man aus der Tiefe

„Oh nein! Da sind sie!“, ruft Arti.

der Höhle.

Die Männer in Grau versuchen auf sie zuzurennen, aber

Arti hat Angst, er hat diese Stimme

beide

noch nie zuvor gehört.

rutschen aus.

Arti, das sind Höhlenforscher!“, sagt

„Kommt! Wir gehen hier entlang. Habt keine Sorgen, hier

Fietje.

können sie nicht durch”, sagt das Mädchen.

Der Junge und das Mädchen rufen

„Sie sind weg. Wie schön diese Höhle doch ist!”, ruft Fietje

hinunter:

begeistert.

„Huhu! Ihr dürft hier aber nicht

„Das ist sogenannter Höhlenschmuck, Stalaktiten und Stalag-

ohne Ausrüstung sein.“

miten“, erklärt Arti ungefragt.

„Wir sind nur durch Zufall hier”, sagt

Fietje.


218

VALJEVO, WIR KOMMEN!

219

67

Schwarm,

der,

Schwzärme =

eine große

Gruppe oder

Familie von

Fledermäusen

Fietje richtet seine Lampe auf Arti. In diesem Moment fliegt

eine Fledermaus an ihnen vorbei.

„Wow“, staunt Fietje.

„Ja, passt auf. Hier lebt ein Schwarm Fledermäuse. Sie sind

sehr gesellig, aber sie können euch erschrecken, wenn sie

sich nähern“, sagt der Junge.

„Uh, es ist dunkel. Aber schaut euch das an!“, ruft Fietje.

„Das ist Aždajino jezero, ein Bergdrache. Kann man das

Wasser tropfen hören?“

Alle schweigen. Kap-Kap-Kap...

„Jaa!“, rufen nach einer Weile alle im Chor.

Arti erzählt daraufhin: „Die Legende besagt, dass hier Blasen

rauskommen, wenn der Drache seinen Schwanz bewegt.

Wenn er Wasser trinkt, zieht sich der See zurück. Er ist acht

Meter tief!“

Schwarm

„Der muss sehr

groß sein!“, sagt

Fietje vergnügt.

„Jetzt gehen wir

zurück in die

Konzerthalle.

Das ist die mit

den Öffnungen an der Decke“, sagt Arti.

So gehen sie dorthin und zum Glück sind die grauen Männer

nirgendwo zu sehen.

„Bestens!“, ruft Fietje erleichtert.

„Ich habe eine Idee. Fietje, setze dich auf das Skateboard

und flieg durch die große Öffnung an der Decke nach

draußen, ich komme nach“, sagt Arti.

„Wuhuuuu! Was für ein Spaß!“, ruft Fietje, während er durch

die Höhle fliegt.

Die Freunde gehen in Richtung Kirche. Neben ihr liegt der See.

Arti beginnt zu erklären: „Das hier ist ein Tempel. Der Hof ist

wunderschön. Da befindet sich ein alter Baum, der so alt ist

wie ich, also sehr alt. In dieser Eiche findet man Kugeln aus

den letzen Kriegen."

Sie treffen einen netten Priester, der sie freundlich begrüßt.

„Wer sind diese Leute?“, sagt er auf einmal und zeigt auf

zwei schwarz-weiße Gestalten, die schnell näherkommen.


220

VALJEVO, WIR KOMMEN!

221

„Schnell, lass uns hier entlanggehen!“, ruft Fietje.

„Wohin?“, fragt Arti.

„Durch dieses Tor."

Um sie herum sind ein paar schöne Gebäude. Das Gebäude,

das an dem Kirchhof liegt, hat verschiedene bunte Bücher

im Regal. Einige Kinder lesen diese.

Sie sind in dem Hof der Forschungsstation Petnica

angekommen.

Sie gehen zu den Kindern, die auf einer Bank sitzen.

„Wie toll dein Skateboard ist!“, staunt eines der Kinder.

„Flieg, Skateboard!“, ruft Fietje und das Skateboard erhebt

sich von der Erde.

„Erlaubst du uns, dein Skateboard zu untersuchen?“, fragt

das Kind.

„Ja du musst es uns geben!“, sagt ein anderes Kind.

Fietje antwortet: „Natürlich.“

„Tu das nicht! Das ist unser Geheimnis“, ruft Arti

dazwischen.

Fietje stellt Arti den Kindern vor: „Das ist mein Kumpel, Arti.“

„Oh, er redet genauso wie wir. Unglaublich! Wollt ihr mit uns

an den See, um Wasserproben zu nehmen?“, fragt ein Kind.

Arti und Fietje willigen ein.

Forschungsstation Petnica

Petnica ist ein

außerschulisches

Bildungszentrum

Im Grundstein des neuen

Foschungszentrums ist eine Zeitkapsel

versteckt


222

VALJEVO, WIR KOMMEN!

223

„Gehen wir als erstes in die Kantine, damit ihr etwas zum

Mittag essen könnt. Ihr seid bestimmt sehr hungrig“,

sagt ein Kind.

Sie betreten die Kantine und betrachten die Bilder, die an

den Wänden hängen.

„Mmmh, die Bohnensuppe ist köstlich“, sagt Fietje.

„Ja, das sind die berühmten Bohnen von Petnica“, sagt

ein Kind.

„Schaut mal, wer da kommt“, sagt ein Mädchen.

„Wer sind diese Leute?“, fragen die Kinder.

„Das sind Mister Mundzu und Herr Keinwort. Sie können

nicht sprechen und deswegen wollen sie Artis Federn

klauen. Damit können sie nämlich sprechen.“

„Keine Sorge, ich werde sie in eine andere Richtung locken“,

sagt ein Mädchen und rennt zu ihnen.

Sie spricht die beiden an: „Hey ihr! Sicher sucht ihr den

Papageien und den blonden Jungen?“

Die beiden grauen Männer nicken.

„Sie sind in Richtung des Waldes gegangen. Nehmt diesen

Weg und wenn ihr schnell seid, werdet ihr sie einholen!“,

sagt das Mädchen.

Die Männer denken sich: „Sehr gut, bald haben wir sie

endlich!“

Sie rennen, stolpern und fallen aufeinander.

„Sie sind sogar tollpatschig!“, sagt Fietje, der durch das

Fenster schaut.

„Jetzt können wir zum See gehen. Ich gehe die

Instrumente holen, die wir zum Messen brauchen und

ihr könnt hier warten“, sagt das Mädchen.

köstlich

68

köstlich =

etwas ist sehr

lecker,

schmeckt besonders

gut


224

VALJEVO, WIR KOMMEN!

225

Ein paar Kilometer weiter begreifen Mister Mundzu und

Herr Keinwort, dass sie getäuscht wurden und kehren

schnell wieder um. Da sie den Lärm hören, wissen sie,

wohin sie gehen müssen.

69

Röhrchen,

das =

ein Gefäß aus

Glas

70

analysieren =

etwas genau

untersuchen

Röhrchen

Als die Instrumente da sind, macht sich die kleine Gruppe

auf den Weg zum nahe gelegenen See.

Dort angekommen, gibt ein Mädchen Fietje Anweisungen,

wie man eine Wasserprobe nimmt.

Eines der Kinder erklärt: „Das ist ein Röhrchen. Nehmt

damit ein bisschen Wasser und stellt es in den Halter

zurück. Wenn das Wasser unter dem Mikroskop analysiert

wird, kann man darin winzige Lebewesen sehen.“

„Hey, lasst uns schwimmen!“, schlagen die Kinder vor.

„Nein, nein, das ist nicht klug“, sagt Arti.

„Na komm Arti!“, sagt Fietje und springt mit den anderen

ins Wasser.

„Nicht gut…“, murmelt Arti vor sich hin.

„Ich habe gesagt, dass es keine gute Idee ist“, sagt Arti,

als er sie ankommen sieht.

Herr Keinwort und Mister Mundzu folgen weiter dem

Lärm. Sie kommen bis zu dem See und verstecken sich

hinter einem Gebüsch am Seeufer. Sie beobachten die

Kinder.

analysieren


226

VALJEVO, WIR KOMMEN!

227

71

Schilfrohr,

das =

Schilf ist eine

Art

der Süßgräser

und steht oft

an Seen

72

Bruchlandung,

die.

-en =

eine missglückte,

schiefgegangene

Landung

Arti fliegt über den See. Er fällt vor Schreck in ein paar

Schilfrohre hinein und verliert dabei zwei rote und eine

graue Feder, die bei seiner Bruchlandung ins Wasser

fallen.

Arti versucht zu den Federn zu kommen, die auf der

Wasserfläche schwimmen, kann sie aber wegen der

Schilfrohre nicht erreichen. Fietje ist auch zu weit weg

von den Federn.

Mister Mundzu springt ins Wasser und schnappt sich die

Federn. Er gibt sie Herrn Keinwort. Der steckt sie in eine

Glasflasche und zusammen laufen sie weg.

Arti schreit: „Fietje, geh raus aus dem Wasser,

Keinwort und Mundzu klauen meine Federn!"

Bruchlandung

Schilfrohr


228

VALJEVO, WIR KOMMEN!

Fietje pfeift sein Skateboard heran. Das Skateboard fliegt über

die Wasseroberfläche zu ihm. Fietje zieht sich hinauf und das

Skateboard hebt ihn aus dem Wasser in die Luft.

Jetzt stellt er sich auf das Skateboard und nimmt

gemeinsam mit Arti die Verfolgung der beiden Diebe auf. Die

Fieslinge sehen einen Bus an einer Bushaltestelle. Sie merken,

dass Fietje und Arti sie schon fast eingeholt haben und

springen hinein. Genau in diesem Moment schließt der Bus die

Türen und fährt los.

Fietje fragt einen Mann an der Haltestelle:

„Wo ist die erste Haltestelle, an der dieser Bus hält?“

Der Mann antwortet: „Geht geradeaus und an der ersten

Kreuzung links, bei der großen Kirche ist die Haltestelle.“

Sie machen sich auf den Weg, um ihren Feinden eine Falle zu

stellen.

Sie fliegen bis zur Kirche und kommen sogar früher an als der

Bus. Ein Versteck finden sie hinter einem geparkten Auto

gegenüber.

Der Bus hält, die Fieslinge steigen aus und schauen sich um, ob

sie von jemandem verfolgt werden.

In diesem Moment springen Arti und Fietje aus ihrem

Versteck heraus und gehen auf die Fieslinge los. Diese rennen

vor ihnen weg in Richtung der Mündung der Flüsse Gradac und

Kolubara.

Arti holt neben der Mündung Herrn Keinwort, der die Flasche

mit Federn trägt, ein. Er versucht mit dem Schnabel die

Flasche zu schnappen, aber der tollpatschige Herr Keinwort

stolpert mal wieder und fällt hin. Die Flasche fällt aus seinen

Händen und rollt in Richtung Flussmündung. Fietje und Mister

Mundzu springen beide, um die Flasche zu fangen, doch sie

stoßen zusammen. So schaffen sie es nicht, die Flasche zu

fangen und sie fällt ins Wasser.

229


230

FIETJES TAGEBUCH

231

Liebes Tagebuch,

leider konnten wir Artis Federn nicht

zurückbekommen. Die Flasche ist mit der

Strömung davon geschwommen.

Jetzt reisen wir nach Kragujevac um

uns mit einer jungen Redakteurein der

"PASCH-Dschungel"-Zeitschrift zu treffen.

Sie sagte, dass ein echtes Abenteuer auf

uns wartet.

Auf geht's!

Moment, ich habe gerade ein Flüstern

gehört! Ah, es war der Fluss!

"Die Zeit fließt vorwärts und rückwärts."

Was soll das jetzt schon wieder heißen?


232

233

Anastasija

Stamenković

Tamara

Milosavljević

Milica Popadić

12

"Auf Kragujs

Spuren"

Kragujevac, Serbien

Kapitel 1

Katarina

Radovanović

Angelina Popadić

Milena Župljan


234

AUF KRAGUJS SPUREN

235

Dunja ist eine Schülerin des Zweiten Gymnasiums. Sie ist

Sie ruft laut von der Terrasse herunter: „Herzlich

73

ambitiös =

ehrgeizig

sehr ambitiös und jeden Moment benutzt sie, um

etwas Neues zu lernen. Als junge Redakteurin der

Willkommen! Dobar dan!"

76

Dobar dan! =

Serbisch für

"Guten Tag!"

74

Redakteur,

der, -e =

Autor einer

Zeitschrift

„PASCH-Dschungel" Zeitschrift will sie ein Interview mit

Fietje und Arti machen.

Fietje winkt ihr und erwidert: „Hallo Dunja, vielen Dank für

deine Einladung. Wir sind sehr neugierig, seit wir die

Geschichte über den Vogel Kraguj lasen."

„Das wäre spitze!“, sagt sie.

Lange denkt sie darüber nach, wie sie Arti und Fietje nach

Dunja kommt ihnen entgegen: „Los, wir gehen zur Bibliothek,

75

lotsen =

locken

Kragujevac lotsen kann. Dann fällt ihr ein, dass Kragujevac

nach dem Vogel Kraguj benannt ist. Sie setzt sich an den

dort gibt es viele Bücher darüber."

Computer und schreibt Fietje eine E-Mail. Vielleicht ist das

Thema Vögel für Fietje interessant.

Redakteur

Am Samstag steht

Dunja um 16 Uhr auf

der Dachterasse der

Schule und wartet auf

Fietje und Arti.

Dunja sieht die beiden

kommen.

Kragujevac

Kragujevac ist die viertgrößte

Stadt in Serbien

Die Stadt hat etwa 150.000

Einwohner, die gleichnamige gemeinde

sogar 180.000

1838 wurde in Kragujevac die

erste Universität Serbiens der

jüngeren Geschichte gegründet

Dobar dan!

Kragujevac liegt 140 Kilometer

südöstlich von Belgrad

ambiziös

in der Umgebung gibt es einige

mittelalterliche Klöster und Kirchen


236

AUF KRAGUJS SPUREN

237

In der Bibliothek versucht Arti ein Buch zu nehmen. Das

Buch fällt aber aus seinem Schnabel.

Fietje nimmt und öffnete es.

Auf der zweiten Seite sieht er eine Karte. Die Sprache ist

sowohl ihm als auch Dunja unbekannt.

Fietje sagt zu seinem Freund:

Arti, komm, übersetze, was hier steht!“

„Moment mal, die Karte zeigt den Weg zur

Zeitmaschine“, antwortet Arti etwas schockiert.

das hier ist doch alles etwas absurd.

„Zeitmaschine?"

„Ja, du hast richtig gehört!“, antwortet jetzt der König von

Wort-Reich. Für ihn ist eine Zeitmaschine nichts Besonderes.

Dunja, Fietje und Arti gehen in den großen Park.

Herr Keinwort und Mister Mundzu begleiten sie auf Schritt

und Tritt.

Dunja meint: „Das wird ein super Artikel für die Dschungel

Zeitschrift! Ich werde damit weltbekannt sein! “

77

absurd =

verrückt

„Hey, das ist toll! Eine Zeitmaschine?!“, entgegnet Fietje.

Dunja ist sprachlos. Sie weiß zwar über Arti bescheid, aber

absurd


238

AUF KRAGUJS SPUREN

Während viele Leute das schöne Wetter im Park genießen,

folgen Dunja, Fietje und Arti ihrer Neugierde.

Sie versuchen, den Weg zur Zeitmaschine zu finden. Es ist

nicht so leicht. Die Karte stammt aus einer Zeit, als es noch

keine Spielplätze und Straßen gab.

Der Baum auf der Karte, eine Eiche, steht aber so einsam,

dass sie sofort wissen, welcher Baum es ist. Dunja weiß, wo

er sich befindet. Sie führt die beiden Freunde dorthin.

Die Zeitmaschine ist hinter dem Baum versteckt. Das kann

man aus der Karte lesen. Als sie an der Eiche stehen sind sie

sehr aufgeregt.

„Eine Zeitmaschine! Wie wird das werden?", murmelt Dunja

leise vor sich hin.

Leider vergessen die drei, vorsichtig zu sein. Herr Keinwort

und Mister Mundzu sehen und hören alles, was sie sagen. Sie

stehen unweit entfernt. Mit Hilfe der Zeitmaschine reisen

Dunja, Fietje und Arti ins Mittelalter. Unterwegs dahin sehen

sie die Kirche, um deren Kuppel der Vogel Kraguj fliegt.

Dunja bemerkt den Vogel und ruft begeistert : „Fietje, schau

mal, da ist Kraguj.“

Fietje ruft den Vogel, in der Hoffnung, er versteht ihn: „Hey

Kraguj, komm zu uns! Wir möchten ein Selfie mit dir machen!"

239

Der Vogel kommt und redet lange mit den neuen Freunden.

Dunja hat viele Fragen für ihren Artikel. Kraguj spricht eine

alte Sprache und Arti übersetzt die ganze Zeit.

Inzwischen passiert in der Gegenwart was anderes. Herr

Keinwort und Mister Mundzu nehmen die Zeitmaschine an

sich. Sie wollen auch ins Mittelalter reisen. Doch sie sind nicht

so gewandt und statt ins Mittelalter zu kommen, machen sie

die Zeitmaschine unbrauchbar. In diesem Moment können

Dunja, Arti und Fietje nicht ahnen, dass ihre Verbindung mit

der realen Welt zerstört ist.


240

AUF KRAGUJS SPUREN

241

Wie in einem Traum sind sie von der alten Stadt fasziniert.

Dann nimmt Kraguj seine neuen Freunde mit und

zeigt ihnen auch die Brücke über dem Fluss Lepenica.

Fietje ist gerührt: „Dunja, ich bin froh, dass ich deine Einladung

angenommen habe. Das ist ein echtes Abenteuer.“

„Ohne dich und Arti wäre ich auch nicht hier. Jetzt können

wir in unsere Zeit zurück, nicht wahr?!", kommt es

hoffnungsvoll von Dunja.

Doch Arti, der Allwissende, bemerkt:

„Leider nicht. Die Zeitmaschine funktioniert nicht mehr!“

Dunja schreit fast: „Du machst Witze, oder?“

„Dunja, ich versuche jetzt die Zeitmaschine zu reparieren“,

sagt Arti weise.

Der Zauberfluss Lepenica hört in der Zwischenzeit alles

mit und entschließt sich, den Kindern zu helfen:

„Meine Lieben, das Geheimnis liegt in mir. Macht eure Augen

zu und öffnet sie dann wieder.“

Im nächsten Augenblick hören sie das Pfeifen eines

Zuges.


242

FIETJES TAGEBUCH

243

Liebes Tagebuch,

kann man sich das vorstellen?

Ein Zeitreise-Zug!

Wir sind jetzt auf dem Weg nach

Belgrad.

Dunja wird nie vergessen, was sie mit

uns erlebt hat. Und weißt du was, liebes

Tagebuch?

Wir haben sogar einige von Artis Federn

zurückbekommen, als wir in einem Fluss

die Flaschenpost entdeckt haben, die

Keinwort und Mundzu verloren haben!

Es war auch wieder eine Nachricht

dabei: "Euch erwartet ein rätselhaftes

Abenteuer."


Jana Nedeljković

244

245

Andrea Ocokoljić

Katarina Stojić

Ksenija Todorović

Ana Tomić

Draga Tušup

Ivana Bajkić

13

"Rätselhafte

Nachrichten"

Lola Lazović

Milica Božović

Kapitel 1

Belgrad, Serbien

Milica Manojlović

Vida Gajić

Vera Drašković

Vasilije Mitrovski

Simona Vujačić

Nevena Pantić


246

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

247

Fietje und Arti sitzen am Flussufer und genießen den schönen

Tag. Nach all den Abenteuern in letzter Zeit brauchen sie etwas

Entspannung und Ruhe. Der Fluss fließt langsam und träge,

das Wasser funkelt im Sonnenschein.

rätselhaft

Fietje steht träge auf und verdreht die Augen. Er

hebt einen Stock auf und versucht damit, die Flasche

aus dem trüben Wasser zu fischen. Aber so

tollpatschig wie er ist, landet er selbst im Wasser.

rätselhaft =

geheimnisvoll,

mysteriös

Auf einmal beginnt Arti aufgeregt mit den Flügeln zu flattern

und ruft: „Guck mal, Fietje! Da schwimmt uns wieder eine

Flasche entgegen!“

„Na und? Warum bist du so aufgeregt? Glaubst du etwa, dass

in der Flasche ein Schatz steckt? Vielleicht ein Schmuckstück?

Weißt du was? In deinem Alter könntest du dich ein bisschen

modernisieren. Wie wär's mit einem Piercing im Schnabel?“,

erwidert der Junge lachend.

Schlaumeier,

der =

jemand,

der alles

besser

weiß oder

"neunmalklug"

ist

„Sei kein Schlaumeier, hilf mir lieber mit dem Fangen“, sagt Arti

etwas genervt, „in der Flasche könnte ein neues Wort

stecken! Ich habe schon ein paar Tage kein neues Wort gehört.

Meine Federn verlieren langsam ihre strahlende Farbe. Schau

mal, jetzt kann ich es ganz genau sehen! In der Flasche ist ein

Stück Papier. Schnell, hilf mir! Ich will die Flasche haben, aber

nicht dabei ins Wasser fallen!“

Schlaumeier


248

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

249

78

Beute, die =

Belohnung

Als er klatschnass wieder herauskommt, hält er die Flasche

in der Hand. Arti lacht sich halb tot und ist sehr glücklich über

seine Beute. Er schaut in die Flasche und fischt das Stück

Papier heraus.

Ganz gespannt und neugierig liest er vor:

„Such die weiße Stadt, wo der eine Fluss den anderen

verschlingt. Da wirst du die größte Verwandlung erleben.“

Fietje sagt: „Weißenburg? Da gibt es eine Stadt in Bayern, eine

in Kanada und ein paar Städte mit dem slawischen

Namen Belgrad. Doch, ich habe es gefunden. Belgrad, die

Hauptstadt Serbiens, liegt an zwei Flüssen, an der Save und

an der Donau. Das muss es sein!“

Zufrieden setzen sie sich ins Gras und planen die Reise nach

Belgrad.

79

googeln =

etwas bei

Google

suchen

Kaum liest Arti die Botschaft vor, bemerkt er, dass Fietje

schon auf seinem Handy googelt.

Beute

Wir müssen

nach

Belgrad!

Belgrad

Belgrad ist Serbiens

Hauptstadt

googeln

Der Name bedeutet übersetzt "Die

weiße Stadt"

Die Stadt hat etwa 1,7 Millionen

Einwohner und gehört zu den größten

Metropolen Südosteuropas

Belgrad liegt an der Save und

der Donau

Belgrad wird oft auch als Tor

zum Balkan bezeichnet


250

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

251

In Belgrad angekommen, versuchen sie das Rätsel zu lösen.

Welche Verwandlung können sie wohl erleben? Und wo? In

der Botschaft ist nur die Rede von dem Fluss, der den

anderen „verschlingt“.

Sie tarnen sich als Touristen. Sie bummeln durch die Straßen

mit einem Stadtplan in den Händen, aber finden bisher

nichts...

80

verschlingen =

etwas

verschlucken

81

tarnen =

sich als etwas

anderes ausgeben

Sie entschließen sich dazu, an einer Schifffahrt

teilzunehmen. Das Schiff ist voll von Einheimischen und Touristen,

die viele verschiedene Sprachen sprechen.

Arti findet das sehr angenehm, er genießt die Vielfalt der

Sprachen. Das sieht man auch an seinen Federn. Er wird

immer strahlender und farbenfroher.

Auf einmal hört man ein „Plump“ als Fietje ins Wasser fällt.

Arti schreit..

„Tollpatsch...ehh, Mann über Bord! Haltet an! Mein Freund ist ins

Wasser gefallen!“

tarnen

verschlingen


252

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

253

Fietje hört Artis Schreie nicht. Er ist vom trüben Wasser der

Save umgeben, aber irgendwie empfindet er keine Angst. Er

versucht etwas zu sehen, auch wenn es schwierig ist. Auf

einmal erblickt er schöne, blaue, fast durchsichtige Augen

direkt vor sich.

Er erschrickt zuerst, aber dann hört er eine leise, sanfte

Stimme sagen:

„Hab doch keine Angst, du bist sicher mit mir! Ich bin

Savka, die Wasserfee. Sehr wenige können mich

sehen, aber ich habe gleich gespürt,

dass du ein besonderer junger Mann

bist. Komm, ich bringe dich zum Ufer!“

Und Savka, die schöne Fee mit Haaren

so blau wie das Wasser und mit den

blauen Augen, schwimmt mit Fietje

bis ans Ufer. Unterwegs lernen sie sich

kennen und stellen fest, dass sie viel

gemeinsam haben: Beide sind ein

bisschen rebellisch, manchmal kindisch,

aber immer hilfsbereit und freundlich.

Artis kreischende Stimme bringt Fietje

wieder zurück in die Wirklichkeit.

Fietje! Ich habe dich wiedergefunden.

Was für ein Tollpatsch bist du nur!“, ruft

Arti.

Verwirrt über so viel Aufregung sagt Fietje: „Keine Sorge, Arti.

Savka hat mich gerettet. Ich möchte dich gern mit ihr

bekannt machen.“

Arti sieht sich erschrocken um: „Hast du dir den Kopf

verletzt?! Wer ist Savka?

Von wem redest du?!“

Er kann Savka offensichtlich nicht

sehen. Sie erlaubt dies nur den

Auserwählten. Fietje will Savka

dazu bringen, sich auch für Arti

sichtbar zu machen.

Das lehnt sie ab, besonders

nachdem Arti etwas ironisch

sagt: „Wasserfeen?! In solch

schmutzigem Wasser! Dass ich

nicht lache!“


254

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

255

Es gibt aber etwas, das Savkas Anwesenheit verrät. Ihr bester

Freund Spatzko fliegt die ganze Zeit in ihrer unmittelbaren

Nähe. Er ist unscheinbar und grau wie alle Spatzen. Er ist ihr

treuer Begleiter seitdem sie ihn als Spatzenküken vor dem

Ertrinken gerettet hat. Überall wo Savka ist, ist auch Spatzko.

Erst dadurch beginnt Arti zu glauben, dass sie wirklich da ist

und dass Fietje nicht spinnt.

Arti und Fietje stehen am Ufer und sprechen mit dem Wasser.

Der kleine Spatz fliegt herum. Herr Keinwort und Mister

Mundzu beobachten sie. Sie stehen ganz oben, am Fuß des

Wahrzeichens Belgrads, der Statue des Mannes mit dem

Schwert in der einen und der Taube in der anderen Hand. Dort

betrachten sie verwundert die Szene.

Drei seiner neuen Federn – rote, blaue und weiße – fliegen weg

und verschwinden spurlos.

„Ahh, meine Federn!!! Was soll ich jetzt tun?!“, schreit der v

erzweifelte Arti.

Am anderen Ufer wird gejubelt. Herr Keinwort und Mister

Mundzu springen und tanzen vor Freude. Endlich haben sie

einmal die Chance, ein paar Federn, beziehungsweise Wörter

von Arti zu stehlen. Sie machen sich gleich auf den Weg zu ihrem

Versteck, das sich direkt in der Nähe befindet. Es ist der

alte Römische Brunnen, der wegen Renovierung zu dieser Zeit

für die Öffentlichkeit geschlossen ist.

82

Renovierung,

die, -en =

Erneuerung,

Reparatur

Sprechen die beiden etwa mit dem Spatzen? Was ist denn

los? Die Wasserfee können sie natürlich nicht sehen, sie will

für alle außer Fietje unsichtbar bleiben.

Auf einmal beginnt ein

starker Wind zu wehen. Der

Wind wird „Kosava" genannt

und ist der wahre Feind der

Damen in Belgrad.

Keine Frisur kann ihm standhalten.

Diesmal fällt Arti ihm zum Opfer.


256

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

257

83

Passant, der,

-en =

jemand, der

an etwas

vorbeigeht

Das Versteck ist mit der modernsten Technik

ausgerüstet.

Überall sind Bildschirme, mit denen man die Straßen

überwachen können. Man sieht die kleinste Bewegung,

alle Sehenswürdigkeiten, die Passanten, viele Autos.

Man hört sogar das Hupen. Die Belgrader sind leider

keine geduldigen Fahrer.

Und gerade sehen sie Arti und Fietje, die sich vom

Fluss entfernen, offensichtlich auf der Suche nach

Artis Federn.

Diesmal fliegt der kleine Spatz ihnen nach, auf

Savkas Bitte hin, will er den beiden helfen.

Von Savka, die jede Ecke Belgrads kennt, sehr viel von

Winden versteht und gerne in Rätseln spricht, haben

sie schon den ersten Tipp bekommen:

„Das, was ihr sucht, findet ihr im Gepäck, nicht weit

vom Fluss entfernt!“

Sie fügt noch hinzu: „Aber wer finden will, der muss

zweimal nachdenken und gut zuhören!“

Mehr kann sie nicht sagen, und auch nicht helfen,

weil sie das Wasser nicht verlassen darf.

Während sie die ganze Szene auf ihren Bildschirmen

betrachten, verstehen Herr Keinwort und Mister Mundzu,

dass die drei wissen, wohin sie gehen.

Passant


258

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

259

Auf keinem Bildschirm ist aber eine Spur von den

Federn zu sehen. Daher müssen sie schnell handeln. Sie

überlegen, welchen Weg die drei nehmen werden und

verstecken sich dann in einem alten Gebäude neben dem

Fluss. Sie lauern besonders auf den kleinen Spatzen. Er

muss die Lösung sein, denn er führt die zwei zu den

wertvollen Federn!

Und dann haben sie tatsächlich Glück:

Spatzko trennt sich von den anderen und zapp! Herr

Keinwort und Mister Mundzu schnappen ihn.

„Ha! Da haben wir dich! Und bald haben wir auch die

wertvollen neuen Wörter!“, denken sie sich.

Da die beiden aber nicht sprechen können, kommunizieren

sie miteinander so gut sie können mit Gedanken und

Gesichtsausdrücken.

Arti und Fietje stehen nun verwirrt auf der Straße und

sehen sich um.

„Wo ist denn Spatzko? Vielleicht will er uns nicht mehr

helfen?“, sagt der misstrauische Arti.

In seinem Alter hat er schon oft erlebt, dass ihn jemand

im Stich lässt.


260

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

261

84

unter-nehmungslustig

=

jemand, der

gerne

unterwegs ist

85

zur Tat

schreiten =

anfangen,

loslegen

„Weißt du was?“, erwidert Fietje schnell.

Er ist ein unternehmungslustiger Junge, der nicht

zweimal über etwas nachdenken muss, bevor er zur Tat

schreitet.

„Laufen wir zurück zu Savka, sie weiß sicher schon Bescheid!“,

schlägt er vor.

Und er hat Recht. Savka hat schon

herausgefunden, was mit Spatzko

passiert ist. Auch wenn Belgrad

relativ groß ist, verbreiten sich Neuigkeiten sehr schnell.

„Macht euch keine Sorgen um ihn,“ beruhigt sie die

Freunde, „er ist ein schlauer kleiner Kerl. Er wird die zwei

bestimmt auf den falschen Weg lotsen. Los, ihr müsst

aber schnell nach den Federn suchen.“

Sie erinnert den Jungen und den Papageien an das Rätsel

und wiederholt noch einmal die Warnung: „Wer finden will,

muss zweimal nachdenken und gut zuhören.“

Sie schickt sie nach Sava Mala, dem nahegelegenen

Viertel, das zwar etwas heruntergekommen, aber bei

Künstlern und Jugendlichen sehr beliebt ist.

86

heruntergekommen

=

alt, kaputt,

vernachlässigt

zur Tat schreiten

unternehmungslustig


262

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

263

Dort angekommen, konzentrieren die Freunde sich darauf,

zuzuhören. Direkt daneben ist der Busbahnhof.

Die Leute rufen laut nach Taxis.

„Hier, bitte. Mein Gepäck ist sehr groß. Es gibt Platz für viele

Taschen!“ ruft ein Taxifahrer.

„Wie, bitte?“, wundern sich Fietje und Arti, „der Taxifahrer bietet

Platz für ein großes Gepäck? Dahinter muss mehr stecken.“

Und sie schauen genauer hin und da ist die Lösung des Rätsels.

Im Serbischen heißt „Gepäck“ nicht das, was es im Deutschen

heißt, sondern „Gepäckraum“. Erleichtert und glücklich laufen

sie zum Parkplatz am Bahnhof und in einem Gepäckraum, der

zufälligerweise halb offen steht, finden sie tatsächlich die rote

Feder.

Inzwischen verwirrt Spatzko Herrn Keinwort und Mister

Mundzu.

Er sagt ihnen das Rätsel, aber ohne das Wissen über die

serbische Sprache können sie es nicht verstehen. Sie suchen

stundenlang unter dem Gepäck am Hauptbahnhof und finden

natürlich nichts.

Unterwegs streiten sie sich. Herr Keinwort hat großen Hunger

und überall riecht es nach leckerem Essen. Man kann überall

Pljeskavica, Cevapcici und süße oder salzige Palatschinken

kaufen. Aber Mister Mundzu ist sehr nervös und will keine Zeit

verlieren.

Erschöpft und mit leeren Händen kommen sie schließlich in ihr

Versteck zurück.

Fietje und Arti gehen sehr zufrieden zu Savka zurück.

Arti, der sich schon daran gewöhnt hat, mit Savka zu sprechen,

ohne sie zu sehen, bedankt sich.

„Vielen Dank, Savka, aber wir brauchen nun das zweite Rätsel“,

sagt er strahlend.


264

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

265

Floß

87

Floß, das, Flöße =

flache Boote

88

zuprosten =

mit Getränken

anstoßen

Er hat nicht nur eine Feder zurückbekommen, sondern

auch etwas Neues gelernt: Manchmal heißt das gleiche

Wort in einer anderen Sprache etwas Anderes.

Und sie hören wieder Savkas sanfte, rauschende

Stimme: „Volk ertönt von allen Seiten. Finde den richtigen

Ton und du findest das, was du suchst und noch mehr!“

Sie haben keine Ahnung, wie sie dieses Rätsel lösen

sollen. Sie setzen sich ans Ufer auf eine der vielen Bänke.

Der Abend ist mild und schön und die Uferpromenade ist

voll von gut gelaunten Menschen. Sie hören wieder

aufmerksam zu. Und tatsächlich hören sie Töne: von den

Flößen am Ufer, auf denen sich viele Bars und Restaurants

befinden, kommt laute Musik. Sie nähern sich einem dieser

sogenannten „Kafanas" und sehen Leute darin tanzen,

singen und einander zuprosten.

„Wie heißt denn diese Musik, die einen so zum Tanzen

zwingt?“, fragt Fietje Savka, die lustig daneben schwimmt.

verlieren. Sie zwingen den armen Spatzko, der die

ganze Zeit in einen Käfig gesperrt ist, ihnen das zweite

Rätsel zu sagen und machen sich anschließend auf den

Weg. Sie suchen nach dem Volk.

„Wo finden wir aber das Volk?“, will Herr Keinwort wissen.

„Die Menschenmengen sind bestimmt im Stadtzentrum.

Gehen wir dorthin“, denkt Mister Mundzu.

89

zwingen =

jemanden gegen seinen

Willen zu etwas bringen

„Das ist Turbo-Folk-Musik“, erwidert sie zufrieden.

zuprosten

Sie haben wirklich gut zugehört, laufen zum

nächstgelegenen Floß und finden dort die blaue Feder. Aber

auch Herr Keinwort und Mister Mundzu wollen keine Zeit

zwingen


266

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

267

deinetwegen

90

deinetwegen =

wegen dir

Und da gerade die „Lange Nacht der Museen" stattfindet, in

der die Museen bis spät abends geöffnet sind, sind in der

Innenstadt so viele Menschen, dass sie gar nicht

durchkommen. Sie versuchen, durch die Knez

Mihajlova-Straße Richtung Kalemegdan zu gehen, aber es

funktioniert nicht.

Auch diesmal bleibt ihre Suche vergebens. Und Herr

Keinwort jammert die ganze Zeit in sich hinein: „Lass mich

essen! Schau mal, hier ist ein Schlemmerparadies, alle kauen

etwas und mein Magen knurrt deinetwegen!“

Sprache?“, sagt Fietje etwas genervt.

Dass die vielen Germanismen ins Serbische

übernommen wurden, weil die österreichische Monarchie

sehr lange über die nördlichen Gebiete des heutigen Serbiens

geherrscht hat und deswegen die Einflüsse der deutschen

Kultur sehr stark waren, weiß er natürlich nicht.

91

Germanismus,

der,

Germanismen

=

in andere

Sprachen

übernommenes

deutsches

Wort

Er fühlt, dass ihre Freundschaft langsam zerbricht, weil

Mister Mundzu seine Wünsche ignoriert, aber er kann nicht

darüber sprechen, ihm fehlen die Worte. Der eine hungrig

und der andere wütend, kehren sie in ihr Versteck zurück.

Fietje und Arti bekommen von Savka nun schon das dritte

Rätsel:

„Einen Zimmer suchst du, achte auch auf den Löwen, aus

dem das Wasser fließt!“

„Ohje, ich werde langsam müde und die Rätsel immer

komplizierter. Haben die Serben denn keine normale

Germanismus


268

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

269

„Finden wir zuerst den Löwen!“, schlägt Arti vor.

Sie bummeln langsam durch das Stadtzentrum, bis sie

auf einmal zu einem Brunnen mit vier Löwenköpfen

kommen, die Wasser spucken.

„Das muss es sein! Aber wo ist hier ein Zimmer? Und

wieso ist das Wort männlich?“, ruft Arti.

„Psst, hör zu! Wir müssen auf dem richtigen Weg sein!“,

sagt Fietje.

Direkt am Brunnen auf dem Platz Terazije liegt ein sehr

schönes Hotel namens „Moskau“.

Im Straßencafé des Hotels hören sie auf einmal einen

jungen Studenten zu seinem Freund sagen: „Hör mal, ich

brauche einen neuen Zimmer, mein alter Mitbewohner

studiert jetzt in Münster und ich kann nicht alleine in der

Wohnung leben, sie ist zu teuer für mich alleine.“

„Ach, darum geht es. Im Serbischen heißt das Wort

Zimmer eigentlich Mitbewohner. Es ist kein Raum

gemeint“, kapiert Fietje schnell.

„Ich bin stolz auf dich, mein Freund. Du bist wirklich ein

kluger Junge. Aber kein Wunder, wenn du schon so lange

mit mir zusammen bist!“, sagt Arti beeindruckt.

„Ja, ja, das muss es sein, mein alter Freund. Komm,

suchen wir lieber deine letzte, die weiße Feder. Schau

mal, sie liegt auf der Speisekarte, dort auf dem Tisch!“


270

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

271

Und er schnappt sich schnell die Feder, bevor der Wind Kosava

sie noch einmal wegbläst.

Aber auch Herr Keinwort und Mister Mundzu

schlafen nicht. Auch wenn ihre Freundschaft nicht mehr so

stark ist wie früher, sind sie immer noch Partner auf der

Suche nach den Wörtern.

Spatzko verrät ihnen auch das dritte Rätsel, sie glauben ihm

aber nicht und nehmen ihn deshalb mit. Den Brunnen mit

den Löwen finden sie leicht, aber auf der Suche nach dem

Zimmer und nicht nach dem „Zimmer“ verschaffen sie sich

Zutritt zum Hotel. Dort versuchen sie in ein paar Zimmer zu

ahnen

gelangen, aber der Wachdienst entdeckt sie und wirft sie raus.

Er ist dabei überhaupt nicht zärtlich! „Ich beschwere mich bei

unserer Botschaft!“, ruft Mister Mundzu aus vollem Hals, aber

keiner hört ihn, denn er ist ja sprachlos und seine Gedanken

kann keiner ahnen.

„Lass uns doch weiter suchen“, erklärt er seinem Freund und

Begleiter.

Herr Keinwort verliert nun seine Geduld: „Was? Du willst nie auf

mich hören. Dabei benimmst du dich so, als ob ich dein Diener

wäre! Geh du nur deinen Weg, ich bleibe hier, wo das Essen so

herrlich ist und werde Grillmeister. Ich will endlich, dass die

Leute mich mögen. Als Koch kann ich mich auch ohne Worte

ausdrücken!“

92

ahnen =

erraten

So viel auf einmal hat er bisher noch nie „gesagt“, er muss sich

sehr anstrengen, sich auf solche Weise ohne Worte

verständlich zu machen. Aber es ist offensichtlich, dass er

seine Entscheidung getroffen hat. Und tatsächlich wird er

später zu einem der besten Köche Belgrads werden.

Mister Mundzu wollte er nie mehr sehen. Jener verlässt mit

hängendem Kopf Belgrad.

93

jener =

dieser, Genannter

erraten


272

RÄTSELHAFTE NACHRICHTEN

273

Während die beiden streiten, wartet

Spatzko nicht auf die nächste

Gelegenheit. Er vermisst seine

Freundin Savka sehr und fliegt weg.

Es ist schließlich das erste Mal, dass

er und Savka so lange getrennt sind.

Traurig stehen Fietje und Arti auf

der neuesten und schönsten Brücke

Belgrads und schauen in die Donau.

Savka winkt ihnen aus dem

Wasser zu. Obwohl sie auch wegen

des baldigen Abschieds traurig ist,

weiß sie, dass die beiden wieder

nach Belgrad kommen werden.


274

FIETJES TAGEBUCH

275

Liebes Tagebuch,

Savka hat uns noch ein ganzes Stück

weiterbegleitet.

Jetzt geht es nach Pančevo.

Da sollen merkwürdige Dinge vor sich

gehen.

Ich habe gerade wieder eine mysteriöse

Flaschenpost gefunden, in der stand:

Fietje, Arti, eine alte Feindin lauert auf

euch. Nehmt euch in Acht,

die schwarzen Männer sind nicht die

einzige Gefahr."

Ich frage mich noch immer, wer all die

Nachrichten schreibt...


276

277

Doroteja Zarev

Aleksandar

Pekurar

Marijana Curguz

14

"In Pancevo

ist was los!"

Pancevo, Serbien

Mihajlo Marjanović

Kapitel 1

Mihajlo Tirnan

Sofija Tomić

Mina Delić

Vladana Plavšić

Nevena

Milošavljević

Milica Milinković

Milan Miletić


278

IN PANCEVO IST WAS LOS!

Arti und Fietje machen in Pančevo eine Stadtbesichtigung.

Arti genießt es, auf der Schulter seines Freundes zu sitzen.

Sie spazieren gerade am Tamis Quai entlang, da hören sie

ein wohlklingendes Lied, das ein Mädchen in der Seidenfabrik

singt. Sie sind neugierig und gehen hinein.

deinetwegen

Pancevo

Pancevo ist eine Stadt mir

über 76.000 Einwohnern

sie liegt im südnlichen Banat an

der Mündeung der Temesch in die Donau

Pancevo liegt 14 Kilometer nordöstlich

von belgrad

im Nationalmuseum von Pancevo

kann man viele Fundstücke aus der

Bronzezeit, der Römerzeit und der

Völkerwanderungszeit bestaunen

279

94

währenddessen=

zur gleichen

Zeit

In der Zwischenzeit finden Herr Keinwort und Mister Mundzu

auf dem Quai eine Flasche mit einem Brief. Sie sind ganz

begeistert. In großer Überraschung stolpert einer von ihnen.

Die Flasche fällt herunter und zerbricht. Die beiden

versuchen den Brief festzuhalten.

Doch in der Aufregung zerreißen sie ihn. Ein Stück des Briefes

fliegt mit dem Wind weg.

Fietje und Arti erkunden währenddessen die Seidenfabrik.

Sie lernen, wie man Seide herstellt. Auf einmal bemerkt Arti,

dass etwas neben ihm fliegt. Er schnappt es mit seinem

Schnabel.

„Schau mal, ein Zettel!”, sagt Arti.

Fietje fragt: „Was steht denn drauf?”

„Nur zwei Namen: Mundi und Worti. Da stimmt was nicht”,

ruft Arti besorgt.

Plötzlich beginnen Artis Federn zu leuchten.

„Pass auf, deine Federn! Du weißt schon, was das

bedeutet”, sagt Fietje.

Arti sieht, wie Herr Keinwort und Mister Mundzu

auf ihn und Fietje zukommen.

„Ja, die Gefahr ist nahe. Komm, wir müssen weg!”,

schreit er.

Sie fliegen schnell auf Fietjes Zauberskateboard

in Richtung Volksgarten, wo sich eine Clique bei

schönem Wetter trifft. Fietje und Arti gehen zu

ihnen und machen sich bekannt.

95

Clique, die,

-n =

eine Gruppe

Freunde

Clique


280

IN PANCEVO IST WAS LOS!

Hinter einem Baum im Volksgarten versteckt,

ergänzen

281

beobachten Herr Keinwort und Mister Mundzu die

Herr Mundzu spricht in Gedanken mit Herrn Keinwort:

Jugendlichen, die auf dem Rasen Picknick machen. Einige

„Hey, ich habe gehört, dass das Gymnasium einen

joggen oder machen Übungen.

Kostümball organisiert. Wir müssen hingehen. Das ist

eine fantastische Gelegenheit, um Federn zu sammeln.“

„Bis heute Abend”, sagt Fietje zu seinen neuen Freunden.

96

ergänzen =

hinzufügen,

anmerken

„Wir sehen uns noch ein wenig die Stadt an", ergänzt Arti.

Und so machen sich die Freunde auf den Weg zum

Keinwort antwortet: „Ja, gute Idee. Aber was machen

wir? Sie dürfen uns nicht erkennen!“

Museum, wo sie ihre Verkleidung für den anstehenden

Maskenball aufbewahren. Sie möchten die anderen

Herr Keinwort denkt einen Moment nach und hat dann

überraschen.

eine Idee: „Ich weiß es. Wir können unsere Kostüme aus

Frankfurt nehmen. Weißt du noch?“

Auch Mundzu und Keinwort haben vom geplanten

Kostümball gehört. Sie finden,

dass das die ideale

Gelegenheit ist, Arti zu fangen.

Narodna basta, der Volksgarten

Im Volksgarten wurden

1905 ganze 26 Pavillons für

eine Industrie- und Landwirtschaftsausstelung

gebaut

2007 wurde der Park erneuert

der Park nimmt 14 Hektar Fläche

ein und bietet sogar 3 Kinderspielplätze


282

IN PANCEVO IST WAS LOS!

283

97

Gemälde,

das, ø =

ein altes gemaltes

Bild

Am Abend steigen Arti und Fietje in den Keller der Schule

hinab, um sich Masken zu holen. Der Keller ist voll mit alten

Sachen. Sie sehen verschiedene Gemälde.

Arti betrachtet sie und sieht ein bekanntes Gesicht: eine

Frau mit großen gelben Augen. Arti geht näher zu dem

Bild und berührt es mit dem Schnabel.. Bilder aus der

Vergangenheit erscheinen vor seinen Augen: die Schlange,

die Federn,

Keinwort und Mundzu. Arti ist jetzt in einer Art Traum.

Arti?", spricht Fietje ihn an und der König von Wort-Reich

kommt wieder zu sich.

Arti fragt erstaunt: „Wo bin ich? Oh, Fietje, hast du etwas

gesagt?.”

Fietje sieht seinen Freund nachdenklich an und sagt: „Es ist

besser, wenn wir von hier verschwinden.”

Als sie aus dem Keller kommen, bemerkt Arti, dass es in

der Schule genauso aussieht, wie in seinem Traum. Es wird

ihm klar, dass er nicht geträumt hat.

Das Gymnasium „Uros Predic“ organisiert heute Abend

einen Kostümball. Alle Schüler werden interessante

Kostüme tragen. Sie können sich auch als historische

Persönlichkeiten verkleiden. Fietje will als Ritter gehen.

Natürlich geht Arti mit ihm.

Gymnasium "Uros Predic"

Das Gymnasium “Uros

Predic” im Pancevo wurde 1863

gegründet

Viele beutende Menschen aus der

serbischen Wissenschaft und Kultur

haben diese Schule besucht: Uros

Predic, Mihajlo Pupin, Milos Crnjanski,

Jovan Bandur, Miroslav Antic, Stojan

Trumic

Seit 1958 trägt die Schule den

Namen Uros Predic

Gemälde

Arti, lass

uns lieber

verschwinden...


284

IN PANCEVO IST WAS LOS!

285

Es ist sechs Uhr und der Kostümball beginnt. Fietje kommt

mit Arti an. Einige von Fietjes Freunden sind auch hier. Es

gibt verrückte und farbige Kostüme und Arti will alle sehen.

Arti fliegt herum und wird dabei müde. Jetzt kann er Fietje

nicht mehr finden. Er setzt sich ans Fenster. Keinwort

und Mundzu haben nun die Gelegenheit, Arti zu fangen. Sie

nähern sich dem Fenster. Arti bemerkt nichts. Keinwort

entreißt ihm zwei Federn. Der Papagei erschrickt und fliegt

panisch davon. Erst jetzt begreift er, dass die verkleideten

Männer Herr Keinwort und Mister Mundzu sind.

Er holt Fietje.

Fietje!


286

IN PANCEVO IST WAS LOS!

287

98

Brauerei,

die, -en =

Fabriken, in

denen zum

Beispiel Bier

hergestellt

wird

99

Kessel,

der =

ein großer

Topf

Die beiden fliehen vor Keinwort und Mundzu in Richtung

Tamischer Quai. Arti erklärt Fietje auf dem Weg, was

passiert ist. Fietje dreht sich um und sieht die beiden

Agenten, die jetzt wieder ihre Anzüge tragen.

Fietje taucht sein Skateboard ins Wasser und sagt zu Arti:

„Da sind sie! Schnell, Arti versteck dich im Skateboard!“

Fietje geht mit Arti im Skateboard vom Quai zur Weiferts

Brauerei. Keinwort und Mundzu verfolgen sie. Fietje versteckt

sich hinter einem sehr großen Kessel und lässt Arti wieder

aus seinem Board.

Herr Keinwort denkt: „Wir

müssen Arti unbedingt

erwischen!!“

Brauerei

Weiferts Brauerei

Weiferts Brauerei ist die

älteste im Balkan

Sie wurde 1722 gebaut als

Pancevo Teil des österreichischungarischen

Reiches war.

Die Brauerei produzierte zu

Zeiten von George Weifert 40000 Hektoliter

Bier pro Jahr

Dieses Bier gewann auf der Weltausstellung

in Paris 1889 und 1900 eine

Goldmedaille

Kessel

Mundzu teilt diesen Gedanken: „Ich stimme zu. Bellatrix

könnte jederzeit kommen. Vielleicht versteckt sie sich jetzt

irgendwo und beobachtet uns.“

Herr Keinwort und Mister Mundzu gehen in die Brauerei

hinein. Sie klettern auf die Leiter, damit sie den Raum von

oben besser betrachten können. Doch da verliert Herr

Keinwort das Gleichgewicht und fällt in den großen

Kessel. Arti sieht das und fliegt zu ihm, um ihn zu retten.


288

IN PANCEVO IST WAS LOS!

289

Da wird Arti plötzlich schwarz vor Augen und er sieht ein

lächelndes Mädchen vor sich. Es ist Artis Schwester Bellatrix

und sie ruft nach ihm. Er will antworten, doch sie hört ihn

nicht.

„Pass auf, Bellatrix! Hinter dir ist Marti, die Schlange!", ruft

er seiner Schwester zu, doch da ist es schon zu spät, die

Schlange hat das Mädchen auch schon gebissen..

Da kommt Arti wieder zu sich und ist plötzlich ganz

benommen vom Biergeruch.

„Was war das denn? Bellatrix? Wieso ist sie hier?", krächzt er.

Arti sieht die goldene Biermischung unter sich, in der noch

immer Herr Keinwort schwimmt. Er streckt die Krallen aus

und schafft es, den Agenten aus dem Kessel zu ziehen. In

der Nähe ertönt eine Sirene. Der Papagei erschrickt und fällt

nun selbst in den Kessel hinein. Er flattert mit den Flügeln,

aber er schafft es nicht, herauszufliegen.

Herr Keinwort beobachtet das und hat Angst um Artis

Leben. Er greift nach seinem Flügel und zieht den nassen

Arti heraus, der jetzt ganz benommen auf dem Boden sitzt.

aufrichtig

Arti und Fietje begreifen, dass Herr Keinwort und Mister

Mundzu nicht böse sind. Bei den Federn liegt ein Zettel, auf

dem steht: „Pass auf, Arti, Bellatrix will dich holen!"

Fietje ist verwirrt: „Wer ist Bellatrix?"

Arti ist aufrichtig: „Bellatrix ist meine Schwester! Sie wurde

vor sehr vielen Jahren von einer giftigen Schlange gebissen

und wurde

dadurch böse! Sie muss ganz in der Nähe sein!"

Und das ist sie auch, sie beobachtete Fietje und Arti durch ihr

Fernrohr vom Leuchtturm aus.

Hilfe!

100

aufrichtig =

ehrlich, offen

Als Arti wieder zu sich kommt sind Herr Keinwort und Mister

Mundzu verschwunden. Doch vor Arti liegen die verlorenen

Federn. Fietje, der von all dem nichts mitbekommen hat, ruft

nach seinem Freund und findet ihn endlich.


290

FEDER-SCHATZ

291

Redewendungen und ein kleines Mehr

für Deinen aktiven Wortschatz

Redewendungen und Sprichwörter sind so etwas wie “Sprachbilder“.

Das können vollständige Sätze sein oder nur Teile von Sätzen. Die einzelnen

Wörter haben dabei oft eine andere Bedeutung als zuerst gedacht.

Sie geben meist Lebensweisheiten wieder und sagen in bildhafter Sprache

etwas, das allgemein bekannt ist.

S. 36 | Nr. 10 schwärmen Verb | begeistert oder verliebt von jemanden sprechen

S. 37 | Nr. 11 verwirrt Adjektiv| abwesend, orientierungslos

S. 38 | Nr. 12 pusten Verb | blasen, kräftig wehen

S. 39 | Nr. 13 die Festung, -en Substantiv | eine gut geschützte Burg oder ein Schloss

S. 15 | Nr. 1 tollpatschig Adjektiv | ungeschickt

S. 39 | Nr. 14 der Erdwall, Erdwälle Substantiv | aufgeschüttete Erde zum Schutz der Festung

S. 17 | Nr. 2 die Standpauke, -n Substantiv| eine Ermahnung, mit jemanden wird geschimpft

S. 40 | Nr. 15 klarstellen Verb | erklären, klar machen

S. 48 | Nr. 16 eifersüchtig Adjektiv | jemanden etwas nicht gönnen, neidisch sein

S. 18 | Nr. 3 türmen Verb | weglaufen

S. 49 | Nr. 17 der Fußgänger, ø Substantiv| jemand, der läuft

S. 19 | Nr. 4 störrisch Adjektiv | stur, starrsinnig

S. 49 | Nr. 18 die Gestalt, -en Substantiv | komische Figuren, auffällige Menschen

S. 27 | Nr. 5 das Echo, -s

Substantiv | ein Geräusch oder eine Stimme,

das / die man immer wieder hört

S. 52 | Nr. 19 zerrissen Adjektiv | kaputt, Gegenteil von "heile"

S. 54 | Nr. 20 die Promenade, -n Substantiv | Einkaufsstraße, Shoppingmeile

S. 28 | Nr. 6 flott Adjektiv | schnell, zügig, flink

S. 28 | Nr. 7 die Beule, -n

S. 35 | Nr. 8 erleichtert

Substantiv | durch Stoß oder Schlag entstandene deutliche

Schwellung

Adjektiv | von Angst befreit sein; beruhigt, entspannt,

gelassen

S. 54 | Nr. 21 duften Verb | gut riechen

S. 54 | Nr. 22 sauer sein Redewendung | auf jemanden wütend sein, eingeschnappt sein

S. 58 | Nr. 23 die Hängebrücke, -n Substantiv | Brücke, die über einem Fluss oder Tal hängt

S. 35 | Nr. 9 außerordentlich Adjektiv | ungewöhnlich, übermäßig

S. 60 | Nr. 24 der Fiesling, -e Substantiv |jemand, der böse und gemein ist


292

FEDER-SCHATZ

293

S. 62 | Nr. 25 ausreißen Verb | rupfen, herausziehen

S. 134 | Nr. 40 die Oper, -n Substantiv | ein Theaterstück, bei dem man singt

S. 76 | Nr. 26 prügeln Verb | sich schlagen, raufen

S. 162 | Nr. 41 die Trachtprügel Substantiv | eine Schlägerei

S. 78 | Nr. 27 fantasieren Verb | sich in Gedanken und Ideen verlieren

S. 162 | Nr. 42 in sich bergen Verb | verstecken

S. 78 | Nr. 28 tatsächlich Adverb | wirklich, sogar

S. 162 | Nr. 43 flitzen Verb | sich beeilen, rennen

S. 84 | Nr. 29 einfallsreich Adjektiv | kreativ, ideenreich

S. 168 | Nr. 44 offenbaren Verb | zeigen, enthüllen

S. 92 | Nr. 30 gruselig Adjektiv | unheimlich

S. 169 | Nr. 45 das Geschöpf, -e Substantiv | Wesen, Tier

S. 108 | Nr. 31 die Inspiration, -en Substantiv | etwas, das einen auf neue Ideen bringt

S. 169 | Nr. 46 der Unterschlupf, -e Substantiv | Versteck

S. 110 | Nr. 32 die Botschaft, -en Substantiv | ist der Sitz eines Landes im Ausland

S. 170 | Nr. 47 schlichten Verb | einen Streit beenden, beilegen

S. 113 | Nr. 33 baff Adjektiv | erstaunt, überrascht

S. 171 | Nr. 48 sonderbar Adjektiv | komisch, merkwürdig

S. 119 | Nr. 34 Hvala! Bosnisch | "Danke!"

S. 171 | Nr. 49 gewöhnlich Adverb | normalerweise

S. 122 | Nr. 35 der Erstehilfe-Kasten, -Kästen

Substantiv | Verbandskasten zum Verartzten von kleinen

Verletzungen

S. 176 | Nr. 50 heftig Adjektiv | stark, intensiv

S. 130 | Nr. 36 wackeln Verb | sich hin und her bewegen

S. 181 | Nr. 51 die Symphonie, -n

Substantiv | verschiedene Klänge, ide zusammen ein Lied

ergeben

S. 130 | Nr. 37 die Halbmaske, -en Substantiv | eine Maske, die das halbe Gesicht verdeckt

S. 182 | Nr. 52 das Zögern Substantiv | abwarten

S. 131 | Nr. 38 das Phantom, -e Substantiv | eine Art Gespenst

S. 184 | Nr. 53 Zauber brechen Redewendung | einen Fluch aufheben

S. 132 | Nr. 39 köpfen Verb | jemanden enthaupten, den Kopf abtrennen

S. 184 | Nr. 54 annullieren Verb | etwas rückgängig machen


294

FEDER-SCHATZ

295

S. 186 | Nr. 55 geduldig Adjektiv | mit jemanden oder etwas Geduld haben

S. 224 | Nr. 70 analysieren Verb | etwas genau untersuchen

S. 186 | Nr. 56 bemühen Verb | sich um jemanden kümmern

S. 226 | Nr. 71 das Schilfrohr

Substantiv | Schilf ist eine Art der Süßgräser und steht oft

an Seen

S. 187 | Nr. 57 nachdenklich Adjektiv | sich Gedanken machen, grübeln

S. 226 | Nr. 72 die Bruchlandung, -en Substantiv | eine missglückte, schiefgegangene Landung

S. 192 | Nr. 58 das Ungewöhnliche Substantiv | etwas, das man nicht jeden Tag sieht

S. 234 | Nr. 73 ambitiös Adjektiv | ehrgeizig

S. 193 | Nr. 59 der Archäologe, -n Substantiv | jemand, der alte Dinge untersucht

S. 234 | Nr. 74 der Redakteur, -e Substantiv | Autor einer Zeitschrift

S. 203 | Nr. 60 der Damm, Dämme

Substantiv | der Damm ist eine Mauer, durch die das Wasser

steigt und in einem Stausee gesammelt wird

S. 234 | Nr. 75 lotsen Verb | locken

S. 204 | Nr. 61 heizen Verb | rasen

S. 235 | Nr. 76 Dobar dan! Serbisch | "Guten Tag!"

S. 205 | Nr. 62 das Panorama, Panoramen

Substantiv | ein weiter Blick über die Stadt oder eine

Landschaft

S. 237 | Nr. 77 absurd Adjektiv | verrückt

S. 206 | Nr. 63 der Trick, -s Substantiv | Figuren und Bewegungen beim Skaten

S. 248 | Nr. 78 die Beute, ø Substantiv | Belohnung

S. 207 | Nr. 64 herausfordernd Adjektiv | auffordernd, frech

S. 248 | Nr. 79 googeln Verb | etwas bei Google suchen

S. 207 | Nr. 65 mit Bravour Redewendung | geschickt, meisterhaft

S. 250 | Nr. 80 verschlingen Verb | etwas verschlucken

S. 217 | Nr. 66 gesprächig Adjektiv | jemand, der gerne und viel redet

S. 250 | Nr. 81 tarnen Verb | sich als etwas anderes ausgeben

S. 218 | Nr. 67 der Schwarm, Schwärme

Substantiv | eine große Gruppe oder Familie von

Fledermäusen

S. 255 | Nr. 82 die Renovierung, -en Substantiv | Erneuerung, Reparatur

S. 222 | Nr. 68 köstlich Adjektiv | etwas ist sehr lecker, schmeckt besonders gut

S. 256 | Nr. 83 der Passant, -en Substantiv | jemand, der an etwas vorbeigeht

S. 224 | Nr. 69 das Röhrchen, ø Substantiv | ein Gefäß aus Glas

S. 260 | Nr. 84 unternehmungslustig Adjektiv | jemand, der gerne unterwegs ist


296

FEDER-SCHATZ

297

S. 260 | Nr. 85 zur Tat schreiten Redewendung | anfangen, loslegen

S. 289 | Nr. 100 aufrichtig Adjektiv | ehrlich, offen

S. 261 | Nr. 86 heruntergekommen Adjektiv | alt, kaputt, vernachlässigt

S. 264 | Nr. 87 das Floß, Flöße Substantiv | flache Boote

S. 264 | Nr. 88 zuprosten Verb | mit Getränken anstoßen

S. 264 | Nr. 89 zwingen Verb | jemanden gegen seinen Willen zu etwas bringen

S. 266 | Nr. 90 deinetwegen Adverb | wegen dir

S. 266 | Nr. 91

der Germanismus,

Germanismen

Substantiv | in andere Sprachen übernommenes deutsches

Wort

S. 270 | Nr. 92 ahnen Verb | erraten

S. 270 | Nr. 93 jener Pronomen | dieser, Genannter

S. 278 | Nr. 94 währenddessen Adverb | zur gleichen Zeit

S. 279 | Nr. 95 die Clique, -n Substantiv | eine Gruppe Freunde

S. 280 | Nr. 96 ergänzen Verb | hinzufügen, anmerken

S. 282 | Nr. 97 das Gemälde, ø Substantiv | ein altes gemaltes Bild

S. 286 | Nr. 98 die Brauerei, -en Substantiv | Fabriken, in denen z.B. Bier hergestellt wird

S. 286 | Nr. 99 der Kessel, ø Substantiv | ein großer Topf


298

Im März 2017 haben 12

Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer

aus Kroatien, Bosnien und

Herzegowina sowie Serbien an

einer 2-tägigen Fortbildung zum

Thema "Kooperatives Kreatives

Schreiben" vor dem Hintergrund

medienpädagogischer und

interkultureller Anforderungen in

Sarajevo teilgenommen.

Im Anschluss haben ihre Schüler

unter Anleitung der Teilnehmer

eine Geschichte geschrieben, die

weit über Landesgrenzen

hinausgeht.

Hier geht es zu

unseren Fortbildungen!


300

Insgesamt haben sich 125 Schüler

auf die große Federsammler-

Abenteuerreise begeben und hart

daran gearbeitet, einmal ein

richtiger Autor zu werden.

Alle haben ihre Ideen mit viel

Feingefühl für interkulturelle

Hier geht es

zur Community!

Belange in eine spannende

Geschichte über Mut,

Freundschaft und jugendliche

Schwärmereien gepackt.

Sie können stolz darauf sein, ein

Teil der internationalen

Kinder- und

Jugendbuchreihe

zu sein.


302

303

Unser herzlichstes Danke!

Diese Comic-Novelle ist etwas ganz Besonderes. Sie hat nicht nur 125 Autorinnen und Autoren.

Diese gehören zudem noch zu den jüngsten Novellisten überhaupt.

Erstmalig wurde über beim Geschichtenschreiben über Landesgrenzen gemeinsam gearbeitet.

Das ist eine Weltneuheit!

Allen voran gilt deshalb unser Dank den Jung-Autorinnen und -Autoren, die mit ihrer Fantasie

der Geschichte ihre ganz eigene Handschrift verliehen haben und ihre wertvolle Arbeit an das

kommende Autoren-Team aus München weitergeben. Wir sind gespannt auf alle Erlebnisse von Fietje

und Arti, die aus euren Geschichten noch erwachsen werden!

Dicht darauf folgen die Personen und Institutionen, die mit Vertrauen und Tatendrang die Entstehung

der Novelle über Landesgrenzen von Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien unterstützt

haben.

Danke für die Organisation der Lehrer-Fortbildung im März 2017 in Sarajevo:

Goethe-Institut Belgrad (Projektleitung): Jakob Konrath (Experte für Unterricht der Initiative: “Schulen,

Partner der Zukunft”(PASCH); Dr. Bernd Schneider (Stellv. Institutsleiter und Leiter der Spracharbeit)

Goethe-Institut Sarajevo: Aida Mujezinovic (Projektkoordinatorin "Schulen: Partner der Zukunft")

Jugend will ... gGmbH: Antje Hübner (Projektleitung/Seminarleitung), Tanja Schwarzmeier;

Annika-Susann Leicht (Buchsatz); Maria Suckert (Illustration)

Danke für die Motivation und Anleitung der Schüler beim Schreiben:

Bosnien und Herzegowina: Edisa Ćosić; Vajka Đukić; Jasmin Mujkić; Selma Mumdzić; Hanadi Nalić;

Selina Popaja

Kroatien: Melita Barišić; Jadranka Petrač

Serbien: Vesna Milivojević; Vesna Nikolovski; Sonja Stojanović; Ivana Vitorović

Ganz persönlich:

Den Eltern der Jung-Autorinnen und -Autoren, die so zahlreich hier nicht namentlich aufgeführt

werden können, möchten wir unseren allerherzlichsten Dank ausdrücken! Begleitet uns auch weiterhin

und lasst euch auf die Schatzsuche unserer Helden mitnehmen!

Das Federsammler-Team


Werde Teil der Buchreihe!

Ein Federsammler-Buch schreiben, gestalten und

veröffentlichen - so geht es:

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