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profi-03-2018

Fahrbericht Keenan

Fahrbericht Keenan bringt einen selbstfahrenden Futtermischwagen auf den Markt, der selbstfahrende und Siloentnahme-Teil stammt allerdings von Storti. Fotos: Fone Da der MechFiber-Aufbau umgekehrt auf dem Selbstfahrer-Chassis sitzt, sind die wichtigsten Kettentriebe gut zu erreichen. Selbstfahrender Futtermischwagen Keenan MechFiber 345 SP: Italien mischt mit Selbstfahrer gewinnen auf wachsenden Milchviehbetrieben mehr und mehr an Bedeutung. Das hat auch der irische Hersteller Keenan erkannt und entwickelte einen eigenen Selbstfahrer. Dafür waren die Iren aber auf „Entwicklungshilfe“ aus Italien angewiesen, wie unser englischer Kollege Nick Fone berichtet. Alltech übernahm Keenan nach dem Konkurs 2016 und entschied, fortan in Zusammenarbeit mit der italienischen Firma Storti einen Vertikalmischer anzubieten. Genau diese Zusammenarbeit bedingt das neueste Produkt der Iren: den selbstfahrenden Paddelmischer 345 SP. Dabei setzte das Unternehmen einen konventionellen Freifallmischer von Keenan (profi 08/11) auf ein Selbstfahrer-Chassis von Storti. Den Vortrieb leistet ein Iveco-Vierzylindermotor mit 170 PS unter dem Fräskanal neben der Kabine. Beim Antrieb des Mischbehälters unterscheidet sich Keenan bzw. Storti von den Mitbewerbern: Statt eines Hydraulikantriebs wird die Kraft über ein Getriebe auf eine Gelenkwelle übertragen, die unter dem Fahrzeug zum Getriebe des Haspelmischers führt. Der mechanische Antrieb arbeitet laut Keenan deutlich sparsamer. Der Freifallbehälter hat sich kaum verändert. Die sechs Paddel drehen mit gemächlichen 8 U/min und werden beim Mischen durch feste Gegenschneiden (48 Stück) unterstützt. Angetrieben wird die Haspel mit 6 Paddeln im 16 m³ großen Behälter, wie üblich über ein großes Kettenrad, das aber mittlerweile über eine Ölbadschmierung verfügt. Damit das Kettenrad trotzdem gut zugänglich ist, hat man den Mischbehälter andersherum auf das Chassis vom Storti- Unterbau gestellt. Das hat aber zur Folge, dass das Futter mit der üblichen Austragsschnecke nach vorne aus dem Mischbehälter gefördert wird. Ein Querförderband verteilt das Futter wahlweise links oder rechts. Stichfuttergänge sind somit nicht komplett zu füttern. Die 2,10 m breite Entnahmefräse ist mit 84 gekröpften und geraden Klingen bestückt. Damit wird das Futter aus dem Silo aus maximal 5,25 m Höhe sauber abgefräst, auch lose Futterkomponenten können geladen werden. Die Fräse dreht hydraulisch in beide Richtungen, damit kann die Zerkleinerungswirkung des Futters beeinflusst werden. Hinter der Fräse arbeitet eine Schnecke, die das Futter zum rechts verlaufenden Elevator führt, der außermittig montiert ist. Bei unserem Einsatz konnten pro Fräsgang bis zu 8 cm dicke Schichten aus dem Silo entnommen werden. Über eine Klappe am Elevator können Mineralstoffe direkt eingetragen werden. profi 3/2018 38 www.profi.de

Die Entnahmefräse stammt von Storti, hat 84 Messer und wird hydraulisch angetrieben. Die Kabine ist zwar kein Raumwunder, aber funktional ausgestattet und wurde speziell für das Fahrgestell von Storti entwickelt. Durch die gekrümmte, tief nach unten gezogene Frontscheibe hat man die Entnahmefräse über den gesamten Hubweg perfekt im Blick. Die Kabine sitzt wie bei allen selbstbefüllenden Mischwagen direkt neben dem Fräskanal und fällt entsprechend schmal aus. Die Bedienung ist auf der rechten Konsole zusammengefasst und besteht aus teils altbacken wirkenden Schaltern und Anzeigeinstrumenten, die aber übersichtlich zu bedienen sind. Immerhin gibt es ein Farbdisplay mit 15 cm Bildschirmdiagonale, das die wichtigsten Informationen zu Motor und Fahrgestell anzeigt. Ein Joystick steuert die Befüll- und Austragfunktionen; Vorwärtsund Rückwärtsfahrt werden mit zwei Fußpedalen bedient — praktisch. Bei der Vorführmaschine befand sich an der rechten A-Säule über dem Keenan-Rationscomputer „InTouch“ das Display der optionalen Rückfahrkamera. Der Rationscomputer sagt dem Fahrer genau, in welchen Mengen die Futterkomponenten in den Behälter zu laden sind. Da dieses Terminal über ein Cloud-gestütztes Telemetriesystem gesteuert werden kann, lassen sich die Rationen von einem Fütterungsberater oder Herdenmanager standortunabhängig am PC anpassen. Wie beim Keenan-Konzept mit Pace-System (profi 8/2011) üblich, zählt der Bordcomputer während der Befüllung die Haspelumdrehungen und berechnet die genaue Drehzahl für das optimale Mischergebnis, ohne dass die Ration vermust. Laut Keenan ist die Ration meist schon entladebereit, wenn die Maschine am Futtertisch eintrifft. Bei unserem kurzen Test traf Der Motor ist unter dem Fräskanal eingebaut. Der Vierzylinder von FPT leistet 170 PS. Das mittig verlaufende Querförderband sitzt zwischen Mischbehälter und Motor und kann das Futter zu beiden Seiten austragen. Bei den Keenan-Maschinen erstreckt sich die Entleerungsschnecke auch weiterhin über die gesamte Länge des Aufbaus. Die Kabine nicht die geräumigste, aber die Bedienung gestaltet sich recht einfach. Datenkompass Keenan MechFiber 345 SP ... lesen Sie diesen und viele weitere Artikel komplett in der aktuellen profi Ausgabe. Motor FPT Vierzylinder 125 kW/170 PS Abgasbehandlung mit SCR und DOC Getriebe Hydrostat mit 25 km/h 40 km/h auf Wunsch Gewicht 13,9 t leer Mischbehälter 16 m 3 , Haspelmischer mit 6 Paddeln, 8 U/min Austrag Links und rechts Förderband mit 1,20 m Auswurfhöhe Fräse 2,10 m breit, 84 Messer, maximale Entnahmehöhe 5,25 m Fahrwerk hydropneumatisch gefedert Maße (L/B/H) 9,64/2,56/3,04 m Herstellerangaben. Bestellen Sie jetzt Ihr kostenloses Probeheft oder ein Abo von profi kostenloses Probeheft bestellen Abonnement bestellen das offensichtlich zu: Zum Befüllen, Mischen, Füttern brauchten wir pro 16-m 3 -Ladung etwa 20 Minuten. Weitere Details: ■ Hinter den Serviceklappen aus GFK wird die Kette mechanisch gespannt. ■ Der „irische“ Teil von Keenan verfügt über 13 gut gekennzeichnete Schmiernippel. Für den italienischen Teil von Storti gibt es eine Zentralschmierung. ■ Optional gibt es einen Umkehrlüfter, der bei trockenen, staubenden Komponenten zu empfehlen ist. ■ Das Wartungsintervall vom Motor beträgt 500 h, Getriebe- und Hydrauliköl sollen alle 2 000 h gewechselt werden. Fazit: Mit dem Keenan/Storti-Hybrid gibt es jetzt auch einen selbstfahrenden Haspelmischwagen. Noch vor einiger Zeit wurde diese Bauweise dafür kritisiert, langfaseriges gepresstes Futter nicht richtig verarbeiten zu können. Aber laut Keenan stellt solches Futter dank des Fräskopfes mit 84 Messern kein Problem mehr dar. Allerdings wird das Futter mehr zerkleinert als zuvor, was einer strukturreichen Fütterung bzw. dem MechFiber-Konzept widerspricht. profi 3/2018 39 www.profi.de