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profi-03-2018

Die Holm-Hagge GbR setzt

Die Holm-Hagge GbR setzt auf ihrem arrondierten Betrieb auf Drillingsreifen bei der Bodenbearbeitung und Aussaat. Management Plus und Minus Mehrfachbereifung B Niedrige Kosten B Schlepper flexibel nutzbar B Breite Rückverfestigung B Kein Erdwurf E Transportbreite E Transportgeschwindigkeit E Umbau zeitaufwändig E Zum Teil Deichselverlängerung notwendig Mehrfachbereifung Mehrfachbereifung oder Raupenlaufwerk: Kurz und breit oder lang und schmal? Diese Frage stellt sich, wenn zwischen Mehrfachbereifung oder Raupenlaufwerken entschieden werden soll. Welche Argumente für das eine oder andere System sprechen, haben wir auf zwei großen Ackerbaubetrieben herausgefunden. Lucas Colsman Sowohl Raupenlaufwerke als auch Zwillingsreifen gibt es schon seit der Frühgeschichte des Traktorenbaus. Und trotz modernster Breitreifentechnologie spielen beide mehr denn je eine Rolle. Traktion, Aufstandsfläche, Außenbreite, Kosten oder Wartungsaufwand sprechen mal für das eine, mal für das andere System, wenn hohe Lasten und Kräfte übertragen werden sollen. Beiden gemein ist die Reduzierung des Bodendrucks. Das sieht auch Michael Meier, landwirtschaftlicher Verwalter des gräflichen Rentamts Lütetsburg in Ostfriesland, so. Der Betrieb bewirtschaftet rund 1 000 ha auf 85 Schlägen, zwei Drittel davon junger, extrem schwerer Marschboden mit 65 bis 82 Bodenpunkten. Viele Jahre wurde dabei auf den Einsatz von Zwillingsreifen in der Bodenbearbeitung gesetzt. Für eine festgelegte Route über öffentliche Straßen lag dafür eine Sondergenehmigung vor, die das Fahren mit montierter Zwillingsbereifung in Verbindung mit einem Begleitfahrzeug erlaubte. Diese Genehmigung wurde vor zwei Jahren allerdings nicht weiter verlängert. Verminderter Bodendruck, bessere Traktion und der hohe Zeit- und Personalaufwand beim Umsetzen der Gespanne mit Zwillingsreifen gaben für den Betriebsleiter den Anstoß, sich mit Raupentraktoren als Alternative zu beschäftigten. Einen Umstieg zurück zur Einfachbereifung lassen die druckempfindlichen Marschböden bei den heutigen Lasten nämlich nicht zu. Gleichzeitig konnten auf dem Betrieb aber auch schon vorher Erfahrungen mit Raupentraktoren gesammelt werden: Für die schwere Bodenbearbeitung setzt Verwalter Michael Meier bereits auf einen Case IH Quadtrac. Zudem wurden probehalber ein Challenger- und ein John Deere profi 3/2018 100 www.profi.de

Gerade bei schweren Anbaugeräten sieht Michael Meier, Verwalter des gräflichen Rentamtes Lütetsburg, die Halbraupenschlepper im Vorteil. Fotos: Haase, Bassler, Colsman Plus und Minus Raupenlaufwerk B Konstante Traktion B Transportbreite B Transportgeschwindigkeit B Geringe Fahreranforderungen E Kosten E Verschleiß E Begrenztes Einsatzspektrum ... lesen Sie diesen und viele weitere Artikel komplett in der aktuellen profi Ausgabe. Bestellen Sie jetzt Ihr kostenloses Probeheft oder ein Abo von profi Raupenlaufwerk kostenloses Probeheft bestellen Abonnement bestellen 8RT-Raupenschlepper dazu gemietet. Als größter Nachteil bei den Vollraupenschleppern erwies sich aber die Lenkung bei feuchten Verhältnissen und schweren Zugarbeiten wie dem Onland-Pflügen. Bei Schlupf waren die Schlepper nur noch schwer bis gar nicht zu steuern. Seit zwei Jahren werden daher Halbraupenschlepper von New Holland eingesetzt. Zwischen 600 und 1 000 Stunden pro Jahr werden die beiden Schlepper vor Mulcher, Grubber, Onland-Pflug, 6-m-Kreiselegge, 6-m-Drillmaschine, Tiefenlockerer und Überladewagen eingesetzt. Ganz anders ist die Situation bei der Holm-Hagge GbR im mecklenburgischen Warnkenhagen. Hier wird voll auf Zwillings- bzw. Drillingsbereifung gesetzt. Für Wulf-Hinrich Hagge und seinen Mitarbeiter Timo Scupin hat diese Variante auf dem fast vollständig arrondierten Betrieb mit rund 1 000 ha bewirtschafteter Fläche einige bestechende Vorteile. Mit vier Standardschleppern wird der komplette Ackerbau bewältigt. „Wir achten sehr auf Bodenschonung und haben daher zwei unserer Schlepper sowie unseren Mähdrescher mit Zwillings- bzw. Drillingsbereifung ausgerüstet“, berichtet Wulf-Hinrich Hagge. Im Vergleich zum Raupenschlepper sind vor allem die niedrigeren Kosten der Mehrfachbereifung ein entscheidender Pluspunkt. Timo Scupin, Mitarbeiter der Holm-Hagge GbR, sieht insbesondere bei der Aussaat Vorteile der Drillingsbereifung. Die Zwillingsreifen werden auf dem besuchten Betrieb an der Steckachse des Schleppers befestigt, so wird die Hauptfelge geschont. Zwei der vier Schlepper laufen je rund 600 Stunden pro Jahr mit Zwillings- bzw. Drillingsbereifung vor Grubber, Saatbettkombination und Drillmaschine. Für Uwe Rabenstein, Mitarbeiter auf dem Rentamt Lütetsburg, haben die eingesetzten Halbraupenschlepper einen wichtigen Vorteil gegenüber der Vollraupe: „Die Maschinen fahren sich wie normale Standardschlepper. Gerade bei wechselnden Erntehelfern ist das einfachere Anlernen ein echter Vorteil.“ Die Schlepper reagieren nicht so abrupt, und die Anbaugräte schwenken weniger stark aus als bei den bisher genutzten Vollraupenschleppern − auch bei der Straßenfahrt oder am Überladewagen ein Vorteil. Beim Fahrkomfort liegen die Halbraupenschlepper ebenfalls nicht hinter den normalen Standardschleppern mit Zwillingsreifen, und das typische Nicken der Raupenschlepper entfällt. Und bei Überführungsfahrten ist trotz der Laufwerke dank 40-km/h- Zulassung eine höhere Geschwindigkeit als bei Zwillingsbereifung möglich. „Bei 25 km/h ist bei uns Schluss“, nennt Timo Scupin das Maximum für Schlepper mit Zwillingsbereifung. Gerade bei Unebenheiten sei die Belastung für die Achsen durch die Zwillings- und Drillingsbereifung sonst zu hoch: „Eine umsichtige und rücksichtsvolle Fahrweise ist natürlich grundsätzlich angebracht.“ profi 3/2018 101 www.profi.de