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IM KW 07

Kränkung macht krank

Kränkung macht krank 450 Interessierte bei Dr. Hallers Vortrag in Imst (IH) Die Arbeiterkammer Imst lud zu „Die Macht der Kränkung“. Das Thema des mehrfachen Bestsellerautors und Gerichtspsychiaters Dr. Reinhard Haller ging so unter die Haut, dass die Organisatoren, federführend Günter Riezler und Nadia Hackl, in den großen Imster Stadtsaal ausweichen mussten – es gibt Schlimmeres für einen Veranstalter. Kränkungen, oft als Kleinigkeiten und unvermeidliche Begleiterscheinungen auch des Arbeitsalltages abzutun, das ist geradezu üblich. Dabei tragen Kränkungen „Langzeitwirkung“ in sich und können zur Ursache von Krankheiten werden. In griffigen Ausführungen und erläuternden Beispielen brachte Haller seinem Publikum ein „Kränkungsverständnis“ näher, das er selbst während seiner gesamten Ausbildung zum Psychiater vermisst habe. Es gäbe, so Haller, nicht einmal eine wissenschaftliche Definition der Kränkung. Dass Kränkung aber real existiert, in Schule und Berufsleben als „Mobbing“ auftritt und die Lebensqualität des Betroffenen im Extremfall gegen null sinken kann, ist ein Erfahrungswert sehr vieler Menschen. Wie es nun darum steht, seelische Verletzungen überwinden zu können und sogar an Kränkungen zu wachsen, das war AK-Imst-Thema am vergangenen Donnerstag. UND WAS IST KRÄNKUNG? Haller: „Kränkung kennt zwar jeder, trotzdem ist dieses Phänomen schwer zu erklären. Wie das Wort sagt, hat Kränkung viel mit Verletzungen und Krankheit zu tun. Natürlich hat jeder eine andere Schmerzgrenze und andere wunde Punkte, an denen er besonders verletzlich ist. Was dem einen egal ist, kann für den anderen einen über Jahrzehnte bohrenden Schmerz bedeuten.“ KRÄNKEN UND GE- KRÄNKT WERDEN. Es sei, so Gerichtspsychiater Haller, gar nicht möglich, ein Leben lang nie zu kränken oder gekränkt zu werden, dass es dabei gelassenere und andererseits „dünnhäutige“ Vertreter gäbe, liege auf der Hand. Besonders „kränkungsanfällig“ seien hypersensible Menschen und der Typus des Narzisten, dem überhaupt die Fähigkeit mit Kritik umzugehen versagt ist. Dem einen ein kleiner Scherz, dem anderen ein großer Schmerz, sozusagen. Und Kränkungen halten an, oft über Jahrzehnte und können sich dann bis hin zum Amok „Luft verschaffen“ – man denke hier an völlig unkontrolliertes Morden in Schulklassen (Schulamok). Kränkung reicht demnach vom „Witzeln“ über systematische Kränkungen, oft via sozialer Netzwerke, bis zur Manipulation durch gesteuerte Demütigung, dann im Extremfall, am Beispiel der „Demütigungshypothese“, zum Ausbruch der beiden Weltkriege. KRÄNKUNG UND VERBRE- CHEN. Es verwundert nicht, dass Gerichtspsychiater Haller, der mit den Fällen des Bombenattentäters Franz Fuchs, Jack Unterweger und „Kränkungsbewusstsein“ zu schaffen ist auch, aber nicht nur, Thema des Individuums, sondern ebenso der Gesellschaft. Sprich: Enttabuisierung eines Gemütszustandes, der zu den heikelsten und auch gefährlichsten Gefühlslagen von Menschen überhaupt zählt. NS-Euthanasie-Arzt Heinrich Gross beschäftigt war, einen engen Zusammenhang zwischen Kränkung und Kriminalität sieht. Kränkung als Wurzel alles Bösen also? Für den 66 Jahre alten Vorarlberger „Paradepsychiater“ hat die Kränkung jedenfalls enormes destruktives Potenzial. Sie könne „Ehen zerstören, Amokläufe erklären, psychosomatische Krankheiten hervorrufen und sogar Kriege auslösen“. Haller betrachtet „moderne Verbrechen“ im Prinzip als typische Kränkungsdelikte. Aber nicht nur die Moderne spiegelt sich in Verbrechen aus Kränkung wider, man denke an in anderen Kulturen gar nicht seltene Ehrenmorde und Bluttaten aus Eifersucht. Übrigens hat in diesem Zusammenhang auch das Alte Testament in seiner Geschichte von Abl und Kain einiges zum Thema „gekränkt sein“ und „Rache üben“ beizutragen. WEGE AUS DER VERLET- ZUNG? Bloßgestellt, entwertet, betrogen oder auch „nur“ mindergeschätzt, was lässt sich daraus Positives gewinnen? Haller vertritt die Ansicht, man könne im Umgang mit Kränkungen wachsen, denn sie vertiefen Selbsterkenntnis und ließen ebenso Schlüsse über den Kränkenden zu. So erkenne man seine eigenen Schwächen recht gut, wenn jemand an der „Wunde“ rührt und kränken macht auch eine zusätzliche Seite des (kränkenden) Gegenübers sichtbar, es gehe also um den Umgang mit eben der kränkenden Botschaft. „Kränkungsbewusstsein“ zu schaffen ist aber nicht nur Thema des Individuums, sondern auch der Justiz, der Medizin, der Psychologie und der Gesellschaft per se. Sprich: Enttabuisierung eines Gemütszustandes, der zu den heikelsten und auch gefährlichsten Gefühlslagen von Menschen zählt und trotzdem als hinzunehmender Kollateralschaden von Effizienz, perfekter Organisation und „Coolness“ abgetan wird. „Die Macht der Kränkung“: 450 Interessierte auf Einladung der AK bei Dr. Hallers Vortrag im Stadtsaal Imst. RS-Fotos: Bundschuh Dr. Reinhard Haller referierte auf Einladung der AK Imst im Stadtsaal über „Die Macht der Kränkung“. Im Bild mit AK Vizepräsident Reinhold Winkler (l.) und AK- Leiter Günter Riezler (r.). RUNDSCHAU Seite 46 14./15. Februar 2018

S PORT Silzbulls erfolgreichster Tiroler Eishockeyverein Nachwuchsprojekt HC Oberland stellt hierzulande alles in den Schatten Noch bevor die Eishockey-Saison vorbei ist, darf bei den Silzbulls respektive beim HC Oberland schon kräftig gejubelt werden. Obwohl der Verein in den letzten Jahren im Nachwuchsgeschehen bereits mit sehenswerten Leistungen aufzeigte, legte man heuer nochmals ein Schäuferl nach. Denn die U17-Mannschaft von Headcoach Werner „Pongo“ Strele holte sich kürzlich den Meistertitel. Vor allem im Nachwuchsbereich kann den Silzern ohnehin schon lange keiner mehr das Wasser reichen. Von Albert Unterpirker Es ist eigentlich unglaublich, aber wahr! Drei Runden vor Schluss sicherte sich das U17-Team den Meistertitel, außerdem stehen alle (!) Nachwuchsmannschaften – von der U7 bis eben hinauf zur U17 – in den Playoffs. Damit dürfte sich die bis dato wohl erfoglreichste Saison des HC Oberland bzw. der Silzbulls herauskristallisieren. Obendrein erreichten die Bullen nach fünf Jahren in der Tiroler Eliteliga wieder das Playoff – so what! Wie lassen sich diese immensen Erfolge, die in Tirol seinesgleichen suchen, erklären? „Natürlich machen viel vor allem im Bereich des Nachwuchses solche Früchte trägt“, sagt Obmann Erwin Althaller und fügt an: „Wenn man bedenkt, dass kein anderer Tiroler Verein in allen Nachwuchsklassen vertreten ist, dann zeigt das schon, wie gut wir in den letzten Jahren gearbeitet haben. Auch Jahrelang investierte man mächtig viel Herzblut in den Nachwuchs. Einerseits gibt Silz mit seinem Nachwuchsprojekt HC Oberland mittlerweile 120 Kindern eine (professionelle) Eishockey-Heimat, andererseits rücken aus dem Nachwuchs sukzessive Nachwuchsspieler in die Kampfmannschaft auf. Wie etwa der erst 15-jährige (!) Tobias Föger, der heuer schon mehrfach sein Talent in Volltreffer! Biathlonrennen am 17. Februar im Ötztal Wie liegt mir die Kombination aus sportlicher Aktivität auf der Loipe und Konzentration am Schießstand? Antwort auf diese Frage erhalten Langlaufbegeisterte beim Biathlonrennen in Oberried. Start ist um 14 Uhr. Der Längenfelder Ortsteil Oberried ist ein Hotspot für Nordic-Fans. Immerhin liegt hier Tirols längste Nachtloipe (täglich von 17 Uhr bis 21 Uhr beleuchtet) über 3,2 Kilometer, die bestens präpariert von Sportlern kostenlos genutzt werden kann. All jene, die sowohl Kondition als auch Treffsicherheit üben wollen, haben jeden Mittwoch von 18 Uhr bis 20 Uhr beim gratis „Biathlon Schnuppern“ Gelegenheit dazu. Weitere, längere Einheiten eröffnet das dichte Loipennetz im Längenfelder Talkessel bzw. in Gries. der Eliteliga zeigen konnte. Nina Tommasi strahlt – und der Stolz steht ihr ins Gesicht geschrieben. „Seit fünf Jahren sagen wir immer: Wir können die Vorsaison nicht mehr toppen – aber auch heuer gelang es uns wieder. Ein großes Dankeschön möchte ich hier unseren Trainern, Betreuern und auch den Eltern aussprechen – die Eltern haben auch die Ersthelfer-Ausbildung bei uns!“ Auch die U15 steht – wie alle anderen Teams – in den Playoffs. unsere Trainer aus“, nickt Nachwuchschefin Nina Tommasi, „außerdem haben alle, die sich um unsere Mannschaften kümmern, ein freundschaftliches Verhältnis zueinander.“ Auch beim Eishockey zählen Kommunikation und ein gutes Miteinander zu den Erfolgsfaktoren, zudem verlassen beim HC Oberland immer nur sehr wenige Kinder wieder den Verein. Das Rundherum funktioniert einfach blendend, die Eltern der Youngsters und Kids wissen das natürlich zu schätzen. „Ich glaube, dass man berechtigterweise stolz sein kann, wenn die jahrelange, konsequente Arbeit Der Beginn einer Titeljagd? Die U17 (gelb) ist bereits Meister! der Erfolg unserer Kampfmannschaft macht uns stolz, denn auch hier wurden wir jahrelang belächelt, weil wir immer auf unsere Jungen gesetzt haben. Heuer hatten wir die jüngste Kampfmannschaft und erreichten das Playoff in der dritten österreichischen Liga – das muss uns erst einer nachmachen. Es ist schon eine Freude, wenn man sieht, wie unsere Jungen gegen arrivierte Stars aufzeigen!“ TOP-SAISON. Freilich ist die Meisterschaft in den diversen Ligen noch nicht zu Ende, da kann ja vielleicht noch was draufgelegt werden – wie in der vergangenen Saison bei der U14. Althaller: „Wir werden alles geben, um möglichst viele Titel nach Silz zu holen. Und ich bin sicher, es werden ein paar sein!“ Nachsatz: „Und eines ist klar: Unser Weg wird uns auch in Zukunft noch weit bringen!“ Fazit: Kein anderer Tiroler Verein ist derzeit ähnlich erfolgreich und kann diese Bilanz vorweisen. JEDERMANN-BEWERB. Am Samstag, 17. Februar, laden die beiden Vereine Fortuna Längenfeld und der Langlaufclub Längenfeld zum Biathlonrennen. In der Herrenklasse warten fünf Runden à 500 Meter mit zwei Schießeinheiten. Die jüngeren Teilnehmer und Starterinnen der Damenklasse nehmen kürzere Distanzen in Angriff. „Das schöne beim Biathlonsport ist, dass nicht allein die Leistung in der Loipe zählt. So lebt die Chance, dass selbst nicht passionierte Loipengänger aufgrund ihrer Treffsicherheit gewinnen können“, so Mitorganisator Dietmar Biathlonrennen für jedermann am 17. Februar auf der Loipe in Längenfeld. Foto: Ötztal Tourismus/Matthias Schöpf Fleischmann. Bei der zweiten Auflage wird heuer erstmals ein Teambewerb abgehalten, wobei die Mannschaften auf verkürzter Strecke starten. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.fortuna-laengenfeld.at oder www.nordicracingteam.com. ANZEIGE NUR IM KÜHTAI FÜR DIE GANZE FAMILIE Ab 16. Februar: Aktzeichnungen im Mesnerhaus Mieming (tamt) Neun Personen bilden zusammen das Oberländer Künstlerkollektiv „MontAKTiv“. Wie die Versalien im Namen bereits nahelegen, hat sich die Truppe der Disziplin der Aktzeichnung verschrieben. Ein Querschnitt aus dem Schaffen wartet am Freitag, dem 16. Februar, ab 19 Uhr in den Räumlichkeiten des Mesnerhauses in Mieming (fortan samstags & sonntags von 14 bis 18 Uhr). www.kpark.at 14./15. Februar 2018 RUNDSCHAU Seite 47