Kicker der Ortenau Winter 2004/2005

KickerderOrtenau

Ortenauer Jugendtrainer leisten gute Arbeit

Kicker der Ortenau sprach mit dem U19 Trainer des Sportclub Christian Streich

Kk: Die Nachwuchsarbeit ist im Vorfeld

zur WM 2006 zu einem großen Thema

geworden. “Fördern und Fordern”

schreibt sich der DFB auf die Fahne.

Können Sie diese These unterschreiben?

Streich: Mit den Mißerfolgen der Nationalmannschaft

ist die Talentförderung immer

mehr in den Mittelpunkt gerückt. Gewaltige

Anstrengungen wurden in den letzten beiden

Jahren unternommen um die Talente zu

finden und zu fördern. Verstärktes Training

über Stützpunkte, wie auch fördernde Maßnahmen

bei Bundesligisten wurden installiert,

wobei dem Dualen System ( Schule &

Verein) große Beachtung geschenkt wurde.

Kk: “Du mußt geil auf den Ball sein,

Bock haben den Ball in den eigenen Reihen

zu halten”, ist das eine Prämisse

zum erfolgreichen Spiel?

Streich: Das Spiel bestimmen wollen, das hat

was mit Selbstbewustsein zutun. Wenn Du

viel trainierts und ballsicher bist und weißt

dass Du technisch gut bist, dann willst du

auch den Ball, wenn zwei Gegner auf Dich

zukommen und Pressing spielen. Deshalb

heißt es bei uns: Mit dem Ball arbeiten und

arbeiten. Man kann nie genug üben. Die Südamerikaner

kommen nicht mit dem Ball am

Fuß auf die Welt, aber sie spielen viel,viel

mehr Fußball als unsere Kinder.

Kk: Seit drei Jahren gibt es die Fußballschule.

Hat in dieser Zeit die Erwartung

zugenommen messbare Erfolge zuhaben.

Sind Sie mit dem bisherigen Erfolg

zufrieden ?

Streich: Natürlich steht die FFS heute mehr

unter dem Focus, wie noch vor ein paar Jahren.

Ich denke, dass sich generell das Niveau

in der Breite erhöht hat und Verbesserungen

erkennbar sind. Mit Dennis Aogo und Jürgen

Gjasula ( 1.FC Kaiserslautern), haben

bisher 2 Absolventen der FFS Bundesligaspiele

absolviert. Ich bin mit der Entwicklung

zufrieden, Wenn in 2-3 Jahren pro Jahr

ein Spieler den Sprung in den Profikader

schafft, das wäre schön.

Kk: Die U19 steht zur Winterpause auf

einem 6. Rang in der Bundesliga Südwest.

Bei 6 Niederlagen eine befriedigende

Bilanz ?

Streich: Mit der Platzierung bin ich nicht

ganz zufrieden. Realistisch zur Spielstärke

gesehen, haben wir 3 - 4 Punkte zu wenig auf

dem Konto. Ich denke wir können uns noch

in der Rückrunde verbessern und zur Spitze

aufschließen.

Kk: Wie sehen Sie das Leistungspotential

der Mannschaft ?

Streich: Läuferisch und technisch ist die

Truppe recht stark. Was fehlt, ist die Konzequenz

und Klarheit im Zweikampfverhalten.

Individuelle Fehler bringen uns oft um die

Früchte unserer Arbeit. Vor allen Dingen

von der erfahrenen Spielern erwarte ich, dass

sie sich besser einbringen, dann wird auch

inder Gesamtheit das Spiel besser.

Kk: Derzeit spielen drei Talente aus der

Ortenau in der U19 Mannschaft.

Wie sehen Sie ihre Entwicklungsmöglichkeiten

?

Streich: Timo ,der jüngste, hat sicherlich die

größten Möglichkeiten. Er ist sehr ergeizig,

trainingsfleißig und lebt für den Fußball.Was

er noch lernen muß ist, dass er noch feiner

werden muß, dh. filegraner werden, technisch

noch zulegen, einfach die Feinabstimmung

mit dem Ball verbessern. Auch ist er

manchmal noch etwas zu ungestüm und will

zuviel. Weniger ist da manchmal mehr.

Felix, ist auch sehr ergeizig und spielt meist

über die linke Seite. Er ist schlau und kann

überraschende Aktionen einleiten oder

umsetzen. Durch sein Alter (17) hat er

sicherlich noch Möglichkeiten sich mit und

ohne Ball zu verbessern.

Axel: Bei Axel sehe ich Licht und Schatten.

Mit der Vorrunde war er selbst sicherlich

selbst nicht ganz zufrieden. Aber Axel ist

trainingsfleißig und ergeizig und weiß an sich

zu arbeiten. Er hat Talent, spielt immer gut

mit und hat die Voraussetzungen für einen

guten Totwart.

Kk: Steht der Erfolg der Mannschaft über

der Entwicklung des Einzelnen?

Streich: DieEntwicklung des Einzelnen steht

über dem Erfolg der Mannschaft, allerdings

ist es so, dass eine Mannschaft mit guten Einzelspielern

zwangsläufig auch erfolgreich ist.

Folglich wächst der Einzelne mit der Aufgabe

und profitiert von der Mannschaftsleistung.

Wohnort:

Alter:

Beruf:

Laufbahn:

Steckbrief

Christian Streich

Freiburg

39 Jahre

Fußballlehrer,

sportl. Leiter der FFS

U19 Trainer

FC Homburg (1.Liga)

Stuttg.Kickers (2.Liga)

FFC, SC Freiburg

seit 10 Jahren beim

Sportclub Freiburg

Kk: Was zeichnet einen guten Jugendtrainer

aus, wo sollte er in erster Linie die

Schwerpunkte seiner Arbeit sehen?

Streich:Ein Jugendtrainer muss bereit sein,

die individuelle Förderung auch mal gegen

die Widerstände von Eltern und Zuschauern

durchzusetzen. Man muß das Selbstbewustsein

und die Qualität haben, das zu erkennen

und im richtigen Maß zu steuern. Er muß

einen Spieler dahin bringen, dass er taktisch

schon sehr viel gelernt hat, wenn er in den

Aktivenbereich wechselt.

Danke für das Interview

Kicker der rtenau 27

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