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Halbinsel Malaka - wilde Staemme

gO WILDE STAEMME VON

gO WILDE STAEMME VON MALÄKA. Zunächst suchte derjenige, den sie zum Penglima gewählt hatten, und der in seiner Stellung vom Batin bestätigt sein musste, einen Platz für sich selbst. Nördlich, südlich, östlich und westlich davon erhielten vier Männer, welche nach gemeinsamer Uebereinkunft am geeignetsten dazu schienen, Grundstücke angewiesen und dann wählten sich die anderen nach Belieben. Jeder Streit wurde durch den Pönglima geschlichtet. Jeder, vom Batin abwärts, hatte Land, auf die Weite eines Hahnenschreies: Die ersten vier Männer bauten ihre Häuser gerade einen Hahnenschrei entfernt von dem Hause des Penglima, und jeder folgende baute in ähnlicher Entfernung von dem nächstliegenden Hause. Die Hütten einer „Blandass"-Ansiedelung stehen also sehr weit auseinander. In den Dschangeln wird diese Sitte immer noch beobachtet, wenn nicht andere Gründe entgegenstehen. Eine eigenthümliche Sitte ändert diesen Gebrauch scheinbar, aber auch nur scheinbar. Wenn ein Mann Töchter hat und diese in das heirathsfähige Alter (14— 16 Jahre) kommen und einen Gatten erhalten, so muss dieser Mann, woher er auch stammen mag, sein Haus auf den Grund und Boden seines Schwiegervaters und in der Nähe von dessen Hause bauen, so dass auf dem Grund und Boden sehr alter Grosseltern wohl folgende J^äuser stehen können: i. die Häuser der alten Leute, 2. die der (vier bis fünf) Schwiegersöhne, 3. die einer grossen Anzahl von verheiratheten Enkelinnen. Aber wenn eine verheirathete Tochter oder Enkelin siirbt, pflegt der Wittwer noch einmal zu heirathen und zieht dann auf das Grundstück seines neuen Schwiegervaters. Dieser Aufenthalt mit den daran geknüpften Dienstleistungen währt solange, bis der Stammvater stirbt, worauf die Schwiegersöhne ihre Grundstücke sich wählen können. Wenn der Vater gestorben ist, muss die überlebende Wittwe zu einer ihrer verheiratheten Töchter ziehen und bei ihr wdhnen, oder, wenn mehrere Töchter verheirathet sind, kann sie erst bei der einen, dann bei einer anderen wohnen. Streitigkeiten kommen nicht vor, denn die Orang Hütan haben wenig Neigung mit einander zu zanken. Zudem wird eine Verpflichtung von der erwähnten Art gar nicht unangenehm empfunden. Stirbt die Mutter, so kann der überlebende Gatte ganz nach Gefallen handeln: entweder er bleibt für sich allein, oder er geht zu seiner Verwandtschaft, oder er heirathet wieder; in jedem Falle aber geht die kleine Familiengruppe auseinander. Der Grund und Boden des ganzen besiedelten Gebietes war Gemeingut, mit Ausnahme der Häuser und Obstbäume. Die Flächen für die Padi-Cultur waren für gemeinsamen Gebrauch vorbehalten, an welchem alle theilnahmen, an der Arbeit sowohl als auch am Nutzen. Der Penglima arbeitete wie jeder andre Mann des Stammes; der einzige Vorzug, welchen seine Stellung brachte, bestand darin, dass wenn er ein Haus bauen oder den Wald lichten wollte, seine Nachbaren, wenn er sie aufforderte, ihm helfen mussten, aber gegen Entschädigung des täglichen Unterhalts. So war die Rechtsauffassung; thatsächlich aber gestaltete sich das Verhältniss in der Regel so, dass Geschenke verschiedener Art freiwillig den Weg in das Haus des Penglima fanden. Kein örang Hütan spricht anders als mit Ausdrücken des Lobes von den alten Herrschern seines Stammes, so dass sie ihre Macht nicht gemissbraucht haben können. Wie das Land, so waren auch die Ströme Gemeingut und stand die Fahrt zu jeder Zeit durch das Grundstück eines jeden Mannes offen. Als die Orang „Blandass" so sich in neue Gegenden verbreiteten und die verlassenen Ansiedelungen — aber durchaus nicht die schlechtesten — den örang Malayu zur Besiedelung überliessen, begannen diese in dichten Schaaren das Land zu füllen und folgten den in den Urwald vordringenden örang Hütan ins Innere nach, so dass dieselben buchstäbhch vom Besitz des Kulturlandes ausgeschlossen wurden und ihnen nur die Möglichkeit offen blieb, weiter in den Dschangeln vorzudringen. So gingen die Dinge viele Jahre hindurch: die örang „Blandass" zogen sich in die Wälder zurück, die Bedüanda folgten ihnen immer auf den Fersen und hinter den Bedüanda die örang MalSyu. So zerstreuten sich die örang „Blandass" allmählich über die ganze Halbinsel: zwei Ereignisse traten hinzu, diese Zerstreuung zu vervollständigen. Bis die oben beschriebenen Verhältnisse sich entwickelt hatten (datiren lässt sich der Zeitpunkt nicht), hatte kein Vertreiben mit Gewalt stattgefunden. Die Bedüanda und die örang Malayu hatten sich ohne Gewaltthat die Situation zu Nutze gemacht. Der Angriff auf Pengkalan Tampüi war ein vereinzelter Zusammenstoss gewesen; systematische Befehdung, auf Rassenhass fussend, war noch nicht eingetreten. Die örang „Blandass" waren zufrieden, in ihrem friedlichen Leben im Dschangel nicht gestört zu werden, deshalb wichen sie den örang

WII.DE STAEMME VON MALÄKA. 91 Malayu aus, so zu sagen nach eigenem Wunsche und Gefallen und nicht vor Gewalt. Als aber auf diese Weise die örang ,,Blandass" zu einer Zeit, für die ich eine zuverlässige Datirung bis jetzt nicht erhalten konnte, sich bis zu dem Staate Perak im Nordwesten ausgebreitet hatten, entflammte der Verrath der Bödüanda, welche die „Rowar"-Muhammadaner') gegen die Blandass in's Land riefen, zum ersten Mal den Hass in den Seelen der Örang „Blandass" gegen die Örang-Islam. Dieser Bericht ist so allgemein verbreitet und die Erinnerung daran ist so lebhaft"), dass obgleich die örang Malayu sich so stellen, als wüssten sie nichts davon, die Darstellung der örang „Blandass" als im Wesentlichen richtig angenommen werden muss. Noch vor dem Kampfe mit den „Rowar", den Batak oder wie die örang „Blandass" sie zuerst nannten, von den Lubu') geschah auf die örang „Blandass" ein Angriff von aussen her. Die örang „Blandass" hatten sich bedeutend ausgebreitet neben den örang Malayu zu der Zeit, als die Angriffe der Batak begannen. Sie währten, soviel ich entnehmen kann, im Ganzen einige Jahre. Die äusseren Ansiedelungen in Perak trafen sie zuerst und die örang „Blandass" wissen zu erzählen, dass die Batak sie gefressen hätten. Sehr bald, aus Furcht vor diesem Feind, brachen sie auf in grosser Verwirrung und flohen hierhin und dorthin in die Dschangeln. Auf dieser eiligen Flucht vor den Batak, verband sich Stamm mit Stamm, Geschlecht mit Geschlecht, Familie mit Familie. Die verfolgenden Batak nahmen ihren Weg östlich bis hart an die Quellströme des grossen Pahang- Flusses. Hier lagen viele Ansiedelungen der örang Kenaboi und ihr Batin entschloss sich, die Eindringlinge, welche wie bezeugt wird, nicht dem Islam angehörten, zu verjagen. Er rief daher seine ganze waffenfähige Mannschaft zusammen, versteckte die meisten von ihnen in die Dschangeln, trat dann in Unterhandlung mit dem Führer der Batak und lud ihn und seine Begleiter zu einem grossen Schmause ein. Die Batak kamen. Der verschlagene Bätin hatte aber die giftigen Früchte des Perah-Baumes *) unter die Speisen gemischt, welche den Batak vorgesetzt wurden, so dass viele von ihnen sofort starben. Die übrigen erlagen einem Hagel von Wurfspeeren der im Hinterhalt liegenden örang Kenaboi. Der Rest der Batak verliess gelegentlich das Land. Der Batin wurde zur Erinnerung daran ßatin-Perah genannt. Der Bericht über das Auftreten der menschenfressenden Batak auf der Halbinsel ist allgemein verbreitet, und wiewohl manches, welches ich darüber gehört habe, übertrieben sein mag, so ist wahrscheinlich eine noch nicht lange '1 zurückliegende Thatsache die Grundlage der Berichte. Auf diese Batak- Invasion gehen möglicher Weise auch die Erzählungen vom Kannibalismus der wildesten örang Hütan zurück. Weder die örang „Tummeor", noch die örang „Pangghan" oder gar die örang „Blandass" und örang Djakun sind Kannibalen, auch haben sie keine Ueberlieferung, dass Menschenfresserei je bei ihnen stattgefunden hätte; von Interesse aber ist die weitere Notiz: „die Batak stachen grosse Löcher in ihre Ohrzipfel". ') Die zweiten Angreifer waren offenbar die Bügis (Wügi). Die örang ,,Blandass" nennen sie „Rowar" und erzählen, dass sie von einer nicht sehr fern gelegenen Insel stammten.") ') [Rowar: Mal. örang Räwah J. Str. Br. As. Soc. 19, 1887, lai.] ^) Herr Vaughan Stevens fährt hier fort: „Could you only see as I have often done, the look of undying hate on the faces of even the broken cowed and timed Blandass of the Western side, when I brought up the subject of the Rowar, you would feel convinced, that this is no mere dislike to a superseding race. I once asked some sixty Blandass (poor, miserable specimens too) I had called together in the jungle near Sungei Ujong, what they would do, if they met a Rowar. They very quietly replied: „Tacot" (frightened") I smoked on for a few minutes in silence and knocking the" ashes from my pipe, I asked: ,^pa fasal tacot?" „Why frightened?" (in not very good Malayl „Tacot tuan besar putih" (frightened of the English Resident); they replied: But if you met a „Rowar", say in the jungle in Kelantan; what would you do? I asked. Instantly the men near me sprang to their feet and the shouting: „Mati Mati" and the threatening postures, attitudes and expressions left no doubt as to their sincerity." ') Im Texte: Battak, Looboo. „Whether this Battak is the Sumatra-man or not I am not yet as certain, as 1 wish to be. From the description he appears to be so, but later on I shall no doubt be able to decide certainly". *) [Van derTuuk, Mal, Ned. Woordenboek kennt nur einen Perah-Baum mit essbaren Früchten vgl. J Str. Br. As. Soc. 44 '879, 49. Favre s. v. pSrah presse, jus extrait. Liegt der ganzen Erzählung vielleicht eine malaiische Erklärung des bekannten Titels Phra: siamesisch: Phrä, birmanisch: Pyd (geschrieben Bhurä) u. s.w. zu Grunde? vgl. H. Kern in Bijdragen tot de Taal L. V. K. Ned. J. 4d. V. D. 10, 529-31.] ') Natürlich nicht datirbar: „the Blandass cannot teil his ownage and has no idea of dates". ') [Dies passt sehr gut auf die Batak von Sumatra; vgl. z. B. B. Hagen, Die künstlichen Verunstaltungen des Körper» bei den Batta in Zeitschrift für Ethnologie 16. 1884 6, 217— 225.] ') The Blandass aver, that they wcre Mohammadans from an island not very far off and that they did not cut off the foreskin in circumcision, but only slit it up. 12*

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