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Halbinsel Malaka - wilde Staemme

[28 WILDE STAEMME VON

[28 WILDE STAEMME VON MA.LÄKA. Der Zusatz von „Berar Keejang" hat einen besonderen abergläubischen Zweck. Wenn der örang Möntera ein Thier oder einen Vogel mit einem Pfeil tödtet und nachher irgend eine saure Frucht isst, so wird der Rest seiner Pfeile in dem Köcher an seiner Seite durch das Essen kraftlos gemacht und tödtet nicht mehr. Aber wenn er die Spitzen derselben mit dem Saft aus dem Blattstiel der „Berar Keejang" berührt, so wird ihre Kraft zu tödten wiederhergestellt. Fraglich scheint mir, ob das reiner Aberglauben ist, oder ob in Folge einer auflösenden oder sonstigen Kraft das „Berar Keejang" wirklich das Gift unterstützt. Der Örang MSntera betupft nicht vor, sondern nur nach dem Essen einer sauren Frucht die Pfeilspitzen mit dem Saft und sogar, wenn während des Essens der sauren Frucht alle die Pfeile auf einmal betupft worden wären, würde das seiner Meinung nach ihre Wirkung zerstören und eine andere Anwendung nothwendig machen. Der Zusatz der „Pfefferschote" geschieht, um das Gift vor einem „Hantu" oder bösen Geist zu schützen, der sich in dasselbe hineinmischt und seine Kraft vernichtet, denn man nimmt an, dass die Hantu's den Pfeffer hassen. Das Mentera-Gift ist sehr klebrig und trocknet selten hart ein, wenn nicht Ipuh darin ist. Ein anderer Punkt, welcher in Hinsicht des Ment6ra-Giftes nicht übersehen werden darf, ist der, dass, wenn ein Mann im Traume irgend ein Thier mit irgend einer Substanz, so unschädlich wie dieselbe auch an dem Pfeile sein mag, zu tödten denkt, er dieselbe den Ingredienzien, die er früher gebraucht hatte, hinzufügt; jedoch nehmen seine Gefährten das nicht als Regel an. Daher ist es nicht gut, nur einen oder zwei Mann eines Stammes danach zu fragen, woraus das Stamm-Gift gemacht J^ des Originals. Holzplatte mit getrocknetem Pfeilgift, Orang „Tummeor" wird, weil eine sehr irrthUmliche Auffassung das Resultat davon sein könnte. Noch schlimmer wäre es, einen Malaien zu fragen, wie das viele der europäischen Beamten hier gethan haben. Der örang Hütan wird, auch wenn er sein eigenes persönliches Gift macht, was nicht immer der Fall ist, dem verhassten Malaien nie die Wahrheit sagen. Auch macht er oft ein schwaches Gift zum allgemeinen Gebrauch für Vögel, Eichhörnchen u. s. w., aber gleichzeitig kauft er einen Tubus starken Giftes von den professionellen Giftmachern, welches nur dort gebraucht wird, wo die gewöhnliche schwächere Sorte ohne Erfolg sein würde. Daher die ganz allgemeine Gewohnheit, die Enden an den Pfropfen der Pfeile zu punktiren, um sofort mit einem Blick das Gift wählen zu können, welches gerade nothwendig ist. Die Malaien sagen, dass „Jagong"') oder Mais in gekautem Zustande auf die Wunde gelegt, wenn Jemand von einem Pfeil getroffen wurde, jede nachtheilige Wirkung verhindere; Andere sagen, dass es eine besondere schwarze Art von „Jagong" ist, aber sie wissen nicht, wo er zu bekommen ist. Ich bin der Meinung, dass möglicher Weise ein oder zwei Malaien einmal von einem dieser schwach vergifteten Pfeile getroffen worden sind, und dass das schnelle Herausziehen des gefürchteten Geschosses, nicht aber irgend eine Anwendung von „Jagong" eine, wenn auch nur leichte Nachwirkung verhinderte. Gewiss ist, dass der Bestunterrichtete der örang Hütan aller Stämme mir mit Emphase versichert hat, dass es für gut gemachtes Gift kein Heilmittel gebe, ausser dass die getroffene Stelle augenblicklich herausgeschnitten wird, was nicht oft möglich ist, da ein Örang Hütan auf 20 bis 3o Ellen Entfernung den Pfeil bis zu dem Pfropfen in das Fleisch hineintreiben kann. Eine der eigenthümlichsten Wirkungen des Giftes wird bei den Affen beobachtet. In der Regel springt ein aufgeschreckter Aff'e, etwa ein Gibbon, von Baum zu Baum in den dichten Wald hinein. ' ') [Mal. Djägong, Mais.]

WILDE STAEMME VON MALAKA. 129 WO er denn bald aus Sicht kommt. Aber von einem Pfeile in die fleischigen Theile getroffen, läuft er nur eine kleine Strecke weiter und hält dann still, bis er todt umfällt, im Durchschnitt in zwei- bis dreiundzwanzig Minuten. Dies geschieht noch rascher, wenn Opas oder Ipuh dem Gift beigemischt ist, und ich bin ganz sicher, dass die Behauptung vieler alten Orang Hütan richtig ist, wenn sie sagen, dass der Gebrauch des Ipuh deshalb so gross ist, weil es das Gift „schnell fliessen" macht. Ipuh löst sich im warmen Blute beinahe augenblicklich auf, auch selbst wenn es hart und trocken ist, aber eine Giftmischung (ohne Ipuh) nimmt viel längere Zeit in Anspruch. Ipuh allein tödtete nicht in 25 Fällen unter 3o, die ich versucht habe, und in den fünf Fällen, wo es tödtlich wirkte, da, denke ich, war es die Durchdringung einer grösseren Ader oder eines edleren Theiles, welches die Wirkung verursachte. Die Einschnitte in die Ipuh-Rinde, welche gemacht werden, um den Saft abzuziehen, bilden einen verhältnissmässig nur oberflächlichen Einschnitt in die Tiefe der dicken Rinde. Dies geschieht, wie die örang Mentöra sagen, absichtlich, weil sich unterhalb der äusseren Rindenschicht ein Gummi befindet, der, gleich einem Firniss, die schnelle Auflösung des giftigen Saftes verhindert, wenn er einmal ge- 1^ des Originals. Bambu zum Abziehen des Saftes aus dem Ipuh -Baume, kocht ist; daher sind sie sehr vorsichtig, nicht zu tief zu schneiden, wenn sie Ipuh für ein besonders starkes Gift erhalten wollen. So schnell löslich ist der Saft, dass in alten Zeiten das Rindenzeug, welches die örang MSntgra, wie andere örang Hütan jetzt, rund um die Hüften trugen, aus der Üpas-Rinde gemacht wurde (und nicht aus der Antiaris innoxia, sondern aus der echten toxicaria). Ich habe wiederholentlich gefragt, ob sie nicht die Haut reizte oder vergiftete, wenn dieselbe wunde Stellen hätte, und erhielt stets dieselbe Antwort, dass die ganze Menge des Giftes leicht herausgewaschen werden könnte und dass sie die Ipuh-Rinde wegen ihrer ausserordentlichen Dichtigkeit und Stärke vorzögen. Das kann vielleicht der Grund sein, weshalb die Ipuh-Bäume in dem früheren MgntSra-Distrikte nicht vorhanden sind, während sie in dem Hochwald anderer Gegenden ziemlich gewöhnlich sind. Ich spreche selbstverständlich von dem Walde in der Nachbarschaft des M6ntera-Distrikts, denn vieles von dem, was einst ihr Aufenthalt war, ist ietzt wüst: Lalang und Unterholz in Folge chinesischer und malaiischer Kultur, welcher die Bäume zum Opfer fallen mussten. Die örang Hütan fällen jetzt niemals einen Ipuh-Baum, wenn sie für Reis-Anpflanzungen u. s. w. eine Lichtung machen, aber da in früheren Zeiten die jungen Bäume zur Anfertigung von Rindenzeugen vorgezogen wurden, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieselben, mit der gewöhnlichen Sorglosigkeit der Rasse, bei passendem Bedarf vernichtet wurden. yerOflenllichungen JI. 3/4. 17