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Regionalsport Ausgabe Februar 2018

200 Meter geht es hier

200 Meter geht es hier in die Tiefe zum Gletscher. Alle Fotos: Max Draeger - Mountain Visuals Letztendlich ist der Gipfel aber immer nur die halbe Besteigung und nach rund einer Stunde Rast, war es an der Zeit die Abfahrt in Angriff zu nehmen. Der knüppelharte Schnee lies auf dem Rückweg zum Colle della Brenva nicht gerade Glücksgefühle aufkommen und der Gegenanstieg samt Hangquerung zur Abseilstelle verlangte auch einiges an Konzentration, da die Schneebrücken bereits stark an Stabilität eingebüßt hatten und wir das Seil anlegen mussten. Nach dem Abseiler, fanden wir glücklicherweise noch einige herrliche Tiefschnee-Meter zum Col du Maudit vor, ehe wir für den letzten Gegenaufstieg zur Tacul-Schulter noch einmal auffellen mussten. Ab jetzt ging es nur noch bergab. Und zwar ganze 3.000 Höhenmeter. Natürlich nicht ohne Zwischenstopp – denn nach einem eh schon intensiven und kräftezehrenden Tag und einer langen Abfahrt durch das Vallée Blanche in schwerem Nassschnee, entschieden wir uns für eine weitere Übernachtung auf dem Refuge du Requin, wo wir vom Hüttenteam warmherzig empfangen wurden. Doch im Gegensatz zu unseren vorherigen Nächten, konnten wir dieses Mal in Ruhe den Abend ausklingen lassen und mussten uns am Morgen beim Frühstück nicht beeilen. Da die Temperaturen weiter anstiegen, waren wir gezwungen die letzten Gletscherspalten am Seil zu überfahren, um einen Absturz zu verhindern. Dann war es geschafft – nur noch ein zweistündiger Fußmarsch trennte uns von einer warmen und ausgiebigen Dusche. Noch einmal werden wir diese Route auf den Mont Blanc mit Sicherheit nicht wählen, vielleicht war es auch das erste und letzte Mal am höchsten Alpengipfel. Wer weiß? Zum Nachdenken hat uns der Gipfeltag schon gebracht: „Muss das sein? Wieso gehen wir nicht an die Berge, die auf andere weniger attraktiv wirken und einsam sind? Vielleicht weil sie nicht 4.000 Meter hoch sind oder nicht der Höchste Berg einer Region sind?“ Gelohnt haben sich alle Anstrengungen trotzdem auf jeden Fall und nicht der Gipfel, sondern unsere gemeinsame Zeit in dieser atemberaubenden Landschaft wird uns allen sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Maximilian Draeger ist so etwas wie „bergsüchtig“. Schon in seiner Kindheit entdeckte er die Fotografie für sich und mittlerweile arbeitet er als selbständiger Bergfotograf in einer perfekten Symbiose aus beiden Leidenschaften. Dass die Kamera somit zum ständigen Begleiter auf dem Trail und in Fels und Eis geworden ist, versteht sich wohl von selbst. Mehr von Max könnt ihr auf www.maxdraeger.com sehen.