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Regionalsport Ausgabe Februar 2018

Christina Sautner:

Christina Sautner: „Das ist mein Weg 30. Juli 2017. Gefühlte 38 Grad Celsius , weit und breit kein Mensch zu sehen. Lediglich der Trail, die Berge, die Hitze und meine Wenigkeit. Bereits fast acht Stunden ist es her, dass der Startschuss zum Walser Ultra Trail gefallen ist. Pünktlich um sechs Uhr, als noch keine Salzkrusten mein Gesicht zierten, begaben sich mit mir zahlreiche Athletinnen und Athleten aller Nationen und Altersklassen auf eine lange Reise. Eine Reise, die 64 Kilometer und 4.200 Höhenmeter lang sein soll und über die schönsten Trails des Vorarlberger Kleinwalsertal führt. Eine Reise, die einem offenbart, ob der neue Trailrunschuh wirklich passt und der Energieriegel, der im Starterpaket inkludiert war, wirklich was taugt. Aber auch eine Reise, die einem offenbart, wie stark man mental wirklich ist und wo die eigenen Grenzen liegen. Apropos Grenzen - Zurück zur Hitze. Ich schaue auf meine Uhr. Um die 40 Kilometer sind bereits erledigt, um die fehlenden auszurechnen, fehlt mir jedoch Sauerstoff, Zucker und Motivation. Auf gut Tirolerisch murmele ich „Hardigatti, is des no weit!“ vor mich hin, während ich mich einen steilen Anstieg hinauf schleppe. Für einen Moment stelle ich mir dieselbe Frage, welche ich von verschiedensten Leuten, die meine Leidenschaft verfolgen, gehört habe. „Warum tuat ma sich des u?“ Als Tochter zweier extrem sportlicher Menschen, bin ich von klein auf mit Sport konfrontiert worden, wobei ich aber nie richtig verstehen konnte, was daran so toll sein kann, sich stundenlang auf einen Berg zu quälen, um dann oben zu stehen und anschließend wieder runter zu laufen. Ich verbrachte meine Zeit währenddessen lieber im Bett oder vor dem Fernseher. Dieses Freizeitprogramm, welches in der Jugend noch mit zahlreichen Discobesuchen ergänzt wurde, zog sich jahrelang so dahin. Auch mein Äußeres hat sich an den faulen und trägen Lebensstil angepasst und meine Bauchmuskeln wurden von Fettgewebe begraben. Als dann eines Tages noch der Knopf einer Jacke ausriss, weil sich diese gegen meine Gewichtszunahme wehrte, wurde mir erst deutlich, was da gerade mit mir abgeht. Ich überwand mich und fragte meinen Vater, ob er wohl mit mir eine kleine Bergtour machen würde. Gefragt, getan. Nach ca. 200 Höhenmeter im (für ihn) Schneckentempo, erlitt ich dann mein erstes Nahtoderlebnis. Maximalpuls, Atemnot und Beine wie Blei. Doch in dem Moment, als wir endlich das Gipfelkreuz erreichten, war ich so unheimlich stolz und vergaß all das Leiden. Seit diesem Tag verbringe ich beinahe jede freie Minute in den Alle Fotos: Christina Sautner Bergen. Ich bin süchtig nach diesem Gefühl der Freiheit. Die Natur im Zusammenhang mit der Bewegung gibt mir jene Zufriedenheit und inneren Frieden, den ich jahrelang vor dem Fernseher gesucht habe. Sich selbst zu spüren, seine eigenen Grenzen zu erfahren und über diese hinauszugehen – es gibt wohl nichts, das mir mehr positive Energie schenkt. Jeder Schmerz, jedes Leiden und jede Unlust über das frühe Aufstehen ist vergessen, wenn du mit den ersten Sonnenstrahlen am Gipfel den Tag beginnen kannst. Ich liebe es, alleine stundenlang von Berg zu Berg laufen, immer auf und ab. Ich lebe dabei voll im Moment, denke nicht an jegliche Termine oder stressige Situationen. Wie könnte ich glücklicher sein? Also – warum tua i ma des u? Die Antwort auf meine Frage habe

der jegliches Leiden vergessen lässt.“ ich mir soeben selbst gegeben. Ich drehe mich wieder um, blicke auf den Gipfel, der als nächstes Ziel ansteht und beginne wieder zu laufen. Es ist mein Weg, den ich mir selbst ausgesucht habe. Der Weg ist manchmal schwierig und hart aber ich weiß, dass er mich zu meinem Glück führt. In diesem Fall stellt sich als „mein Glück“ ein riesen Teller Nudeln im Ziel dar, welches ich nach 12 Stunden und Klassensiegerin (6. Dame gesamt) erreichen konnte. Dies ist nur einer von unzähligen Tagen, bei denen ich lächeln muss, wenn ich zurück denke. Egal ob mit oder ohne Startnummer, mit Ski oder Trailrunningschuhen - die Berge sind mein Leben und werden es auch immer bleiben. Von Christina Sautner „Der Weg ist manchmal schwierig und hart aber ich weiß, dass er mich zu meinem Glück führt.“ REGIONALSPORT | 81