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Regionalsport Ausgabe Februar 2018

mann Edler. Denen

mann Edler. Denen möchte ich an dieser Stelle zutiefst meinen Dank aussprechen. Sie haben mich immer wieder namentlich erwähnt, mich gelobt und mich motiviert. Die Zeit möchte ich nicht missen, es war super mit ihnen zusammenzuarbeiten. RSP.: Hast du mit den Fotos etwas verdient und wie bestreitest du deinen Lebensunterhalt? Walter Andre: Ich bin selbstständiger Raumausstatter und die Fotografi e war und ist nur mein Hobby. Wenn meine Fahrtkosten ersetzt wurden und auch etwas zum Essen und Trinken inkludiert war, war das oftmals alles was bezahlt wurde. Du weißt selber, die Zeit, die wir zu Hause aufwenden, mit aussortieren, bearbeiten usw. bezahlt uns keiner. Nur das ist für mich die eigentliche Arbeit. Oft habe ich 700 Bilder und mehr von einem Rennen online gestellt. Zuvor musste ich aber rund 3.000 Bilder aussortieren, was oft stundenlang gedauert hat. RSP.: Kannst du beziffern, wie viele Stunden du für die Rennen investiert hast? Walter Andre: Das ist schwer zu sagen. In den letzten Jahren habe ich nicht mehr so viele Rennen besucht. Zuvor waren es an die 20. Meistens war es der Renntag an sich und dann nochmals 15 bis 20 Stunden Nacharbeiten. RSP.: Und das neben der Familie? Walter Andre: Genau, die dann oftmals sagten, „oje, du bist das Wochenende eh wieder nicht da...“. RSP.: Was bedeutet für dich das Radfahren im Allgemeinen? Walter Andre: Ich fi nde es einen tollen Sport. Ich spielte vorher Tennis und startete irgendwann einen Versuch mit dem Radfahren. Das gefi el mir dermaßen gut, dass ich damit anfi ng. Vor allem die Aufopferung, die Anstrengung und die Qualen die die Sportler bei einem Rennen auf sich nahmen faszinierte mich. RSP.: Was hat dich dann zum Rennen fahren motiviert? Walter Andre: Die Aussage von ein paar trainierten Fahrern, die es mir bei einer Achenseerunde sprichwörtlich „zeigen“ wollten, dass ich zu wenig fi t wäre und ohnehin nicht mithalten könnte. Daraufhin trainierte ich enorm viel und nach ein paar Monaten konnte ich sie abhängen. Das motivierte mich sehr. RSP.: Was kommt dir spontan in den Sinn, wenn du dich an diese Zeit zurückerinnerst? Walter Andre: Der Ötztaler Radmarathon den ich gefahren bin und mich während der Fahrt auf das Timmelsjoch fragte, warum ich mir das antue? Bin ich blöd? Und dann stand ich am Gipfel und ich fragte mich: „Gibt es etwas Schöneres?“ RSP.: Was war oder ist dein Lieblingsrennen aus fotografi scher Sicht? Walter Andre: Der Reiz galt den Bundesligarennen. Das Eröffnungsrennen in Leonding habe ich immer geliebt, nur das Hinfahren war nicht immer einfach. Die Ö-Tour war auch ganz toll, wie auch die Etappe auf das Kitzbühler Horn. Nur war es oft schwer eine Akkreditierung für diese Rennen als „Hobbyfotograf“ zu bekommen und eigentlich als Zuschauer die geeigneten Fotoplätze unter den Menschenmassen zu fi nden, dies war eine Herausforderung. RSP.: Die Weltmeisterschaft 2018 wäre doch der geeignete Abschluss für dich oder? Walter Andre: Das habe ich mir am Anfang auch gedacht, nur habe ich es aufgegeben, eine Akkreditierung zu bekommen. Auf der einen Seite verstehe ich es, dass nicht jeder einen Ausweis bekommen kann, andererseits denke ich mir, ich habe sehr viel für den Radsport getan, da sollte eine Genehmigung kein Problem sein. Für mich ginge es nur darum, dass ich etwas näher am Geschehen sein kann. RSP.: Welcher Fahrer hat dir in den zehn Jahren an meisten imponiert? Walter Andre: Stefan Denifl , den habe ich schon lange verfolgt und immer hoch eingestuft. Mich hat es immer geärgert, dass die Leute meinten, er solle es doch endlich lassen, aufgrund seiner Verletzungen . Doch meiner Meinung nach hatte gerade er ein enormes REGIONALSPORT | 86

Potential. Dann folgte das Highlight: der Sieg bei der Ö-Tour, da wurde er wenigstens von ein paar Österreichern unterstützt, denn er hatte leider keine starke Mannschaft speziell für die Bergetappen zur Verfügung, wie auch bei der Vuelta-Bergetappe, in der er eine Etappe gewinnen konnte. Ich fi nde es toll, dass er die Chance nützt und eventuell als Kapitän bei der Tour de France starten kann. Wen ich auch noch hoch schätze ist Michael Gogl, der trotz seiner Erfolge Mensch geblieben ist, er ist offen, für seine Fans da und am Boden geblieben. Leider gibt es viele Fahrer in Österreich, die gut sind aber die Nase zu weit oben tragen. RSP.: Glaubst du, dass sich die Veranstalter zu wenig um Fotografen kümmern? Walter Andre: Ich denke, für sie ist das nicht ganz so wichtig, bis sie merken, dass sie doch Fotos gebraucht hätten. RSP.: Hättest du dir von Vereinen mehr erwartet? Walter Andre: Eigentlich schon, ja. Es war immer meine Initiative, den Fahrern und dem Verein die Fotos zu geben und da hätte ich mir gewünscht, dass mehr Informationen oder eine Art Gegenleistung von ihnen gekommen wäre. Nur bei manchen Vereinen war dies der Fall. RSP.: Also dass auch die Vereine Initiative ergreifen? Walter Andre: Genau und nicht erst nach mir rufen, wenn quasi der Hut brennt. RSP.: Betreffend Medienarbeit kam mir zu Ohren, dass es die Vereine irgendwann aufgegeben haben eine Presseaussendung zu machen, da nie oder selten etwas veröffentlicht wird? Alle Fotos: Walter Andre Walter Andre: Ich fi nde es traurig, dass nicht die Leistung sondern das Geld zählt, damit ein Bericht veröffentlicht wird. Das darf meiner Meinung nach nicht sein. RSP.: Wie war das Race across America für dich? Walter Andre: Das zählt natürlich auch zu den Höhepunkten. Es war die ultimative, positive Herausforderung für mich. Die sensationelle Leistung von Patrick, die tollen Motive, die großartige Landschaft, die einzigartige Hilfsbereitschaft der Menschen dort und deren Anerkennung bis hin zur Herausnahme waren für mich ein unvergessliches Erlebnis, welches ich nicht missen möchte. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Patrick bedanken, der es mir ermöglicht hat dabei zu sein. Das war ein tolle Sache, wovon ich heute noch zehre. RSP.: Gäbe es etwas was sich ändern müsste, damit du wieder zurück kommst oder weitermachen würdest? Walter Andre: Ich glaube, ich brauche jetzt erstmals Zeit für mich und meine Familie. Wenn jemand möchte, dass ich zurückkommen und Fotos machen soll, dann müsste es in der Art ablaufen, wie ich mir das vorstelle. RSP.: Also wenn es ein Konzept oder ein geschnürtes Paket gibt, dann würdest du wieder fotografi eren? Walter Andre: Nur privat und nur für mich! RSP.: Gibt es ein letztes Rennen bevor du dich zurückziehst? Walter Andre: Wer weiß, sag niemals nie! Rückblickend tut es mir sehr weh, dass ich den Radsport nun verlasse, möchte mich aber noch bei all meinen Sportfreunden bedanken und wünsche ihnen Gesundheit und viel Freude an diesem einzigartigen, tollen Sport. REGIONALSPORT | 87