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Weinblattl 2018

Die Koralm und ihr

Die Koralm und ihr weltberühmtes Kraut 62 Weinblattl • Speikkraut Über Jahrhunderte florierte der Handel mit der Speik- Pflanze von der Koralm. Stolze Preise wurden bezahlt. 1936 endete jäh das Geschäft. Die Seife gibt es aber heute noch. Valeriana celtica Die Römer nannten ihn „Nardus“, den Botanikern ist er als „Valeriana celtica“ ein Begriff. Heute tragen noch einige Bergspitzen seinen Namen. Die Rede ist vom Speik. Im Koralmgebiet zwischen Steiermark und Kärnten war die Pflanze stark verbreitet. Ihr Duft ist unverkennbar. Man findet den Speik in Höhenlagen ab 1.800 Metern. Seine kleinen Sommerblüten sind gelb, manchmal rotbräunlich. Er wird nicht größer als 15 Zentimeter und zählt zu den Baldriangewächsen. Einsatzzwecke des Speiks Mehr als zwei Jahrtausende lang war der Speik weltweit gefragt. Er diente sowohl als Medizin als auch zum Parfümieren von Seifen und Salben. Der griechische Arzt Galen soll das Magenleiden von Kaiser Marc Aurel mit Speik gelindert haben. Man würzte den Wein damit oder verbrannte ihn als Räucherwerk. Als Mottenmittel erwies er ebenfalls gute Dienste. In hoher Konzentration war sein starker Duft beinahee unerträglich. Dies nutzte man auch als Strafmaßnahme. So mancher Übeltäter musste das „Schaffen auf dem Speik“ erdulden, indem man ihn in die Trockenkammer sperrte. Der Speikhandel florierte Bis in den Orient und nach Afrika reichte er. In Syrien und Ägypten parfümierte man die Bäder mit Speik. Die Bräute nordafrikanischer Stämme wurden für die Hochzeit damit gesalbt. Meist fand der Speik Verwendung als ätherisches Öl, das aus der Wurzel gewonnen wurde. Bis heute ist sein Duft nicht synthetisch herstellbar. Über die großen Handelsplätze wie Venedig oder Nürnberg gelangte das aromatische Pflänzchen in die ganze Welt. Wichtige Lieferanten: die Steiermark und auch Kärnten. 1460 erhielt Judenburg durch Kaiser Friedrich III. das Monopol auf den Fernhandel mit Speik. Allein daran lässt sich die enorme wirtschaftliche Bedeutung der unscheinbaren Pflanze bemessen. Die Stadtväter gaben das Recht an einzelne Kaufleute weiter. Wie die Judenburger Orts-Chronik berichtet, wäre der damalige Warenwert für ein halbes Kilo Speik heute mit rund e 140,– zu beziffern. Beim Weiterverkauf konnten die Kaufleute einen vierfachen Gewinn erzielen. Kein Wunder also, dass der Speik lange Zeit hoch im Kurs stand.

Die Speikgräber Für die Ernte war ein eigener Berufszweig zuständig. Die Speikgräber holten die stark duftende Pflanze zwischen 15. August und 8. September von den Bergen. Dazu benutzten sie das sogenannte Speikkramperl. Mit dem krallenförmigen Werkzeug ließ sich die Pflanze samt Wurzel leicht aus dem Boden ziehen. Ein Bericht aus dem Jahr 1888 gibt dazu einen Einblick: „Die Speiksammlungszeit dauert im besten Falle zehn Wochen in der besten Jahreszeit, die aber oft so ungünstig ist, dass der Speiker tagelang, ja wochenlang nicht einen Heller verdienen kann, weil Nebel, Regen, Schnee, Wind und Kälte den mehrstündigen Aufstieg zu den Regionen verhindern. Die Speiker rekrutierten sich aus der armen Volksklasse, nämlich Keuschlern, alten Sennern. Die Wohnung haben sie gewöhnlich über einem Kuh-, Ziegen- oder Schafstall. Viele steigen ohne Frühstück oder höchstens mit einer Mehlsuppe erwärmt zu den Höhen hinan. Das Mittagsmahl bestand nur aus Brot und Wasser.“ Das Ende des Speikhandels Im 20. Jahrhundert fand der Speikhandel ein jähes Ende. 1936 stellte man die Pflanze unter Naturschutz. Damit endete eine mehr als zwei Jahrtausende andauernde Kultur. Einzige Ausnahme: Die Firma Speick Naturkosmetik mit Sitz in Deutschland darf die Gebirgspflanze verarbeiten. Firmengründer Walter Rau sicherte sich eine eigene Lizenz. Seit 89 Jahren stellt das Unternehmen Speik-Produkte her. Der Rohstoff kommt vorwiegend aus den Kärntner Nockbergen. Die Ernte ist immer noch Handarbeit und wird von lizenzierten Almbauern durchgeführt. Quelle: Kleine Zeitung (18. 6. 2017) Autorin: Dr. Alexandra Kofler Die vermutlich älteste Darstellung des Langobardischen Dioskurides (Planzenkunde aus dem 10. Jhdt.) 63 Weinblattl • Speikkraut

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