Aufrufe
vor 3 Monaten

sportFACHHANDEL 04_2018 Leseprobe

28 | SERVICE | Recht

28 | SERVICE | Recht 4.2018 Mitschnitt von Personalgesprächen Nach einem Urteil des Hessischen Landesarbeitsgerichts kann einem Arbeitnehmer, der zu einem Personalgespräch eingeladen wird und dieses heimlich mit seinem Smartphone aufnimmt, fristlos gekündigt werden. Der heimliche Mitschnitt eines Personalgesprächs sei grundsätzlich geeignet, sowohl eine ordentliche verhaltensbedingte als auch eine außerordentliche Kündigung „an sich“ zu rechtfertigen. Dabei komme es nicht entscheidend auf die strafrechtliche Würdigung an (das Anfertigen von heimlichen Tonbandaufzeichnungen kann nach § 201 StGB strafbar sein). Maßgeblich sei, dass das heimliche Mitschneiden das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Gesprächsteilnehmer verletze. Dieses gewährleiste das Recht auf Wahrung der Unbefangenheit des gesprochenen Wortes und damit auch, selbst zu bestimmen, ob Erklärungen nur den Gesprächspartnern, einem bestimmten Kreis oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. (mj) Über aktuelle Entwicklungen aus den Bereichen Recht & Steuern informieren wir Sie in Kooperation mit den Kanzleien Wessing & Partner (Düsseldorf) und DWF Germany (u.a. Köln) WETTBEWERBSRECHT BGH entscheidet über „Hochzeitrabatte“ Konditionen-Rosinenpickereien sind nach Übernahmen tabu. KARTELLRECHT Der BGH hat entschieden, dass sogenannte Hochzeitsrabatte, die Edeka im Zuge der Plus-Übernahme vor zehn Jahren von den Lieferanten gefordert hat, gegen Kartellrecht verstoßen. Damit bestätigte der BGH eine Entscheidung des Bundeskartellamts. Dieses hatte entscheiden, dass angesichts der starken Marktstellung auf den Beschaffungsmärkten seine Nachfragemacht durch diese unangemessenen Forderungen missbrauche. Der BGH bestätigte, dass zum Beispiel bei den Lieferkonditionen das sogenannte Rosinenpicken im Rahmen eines „Bestwertabgleichs“ nicht zulässig sei. So sei es missbräuchlich, die Anpassung der Edeka-Konditionen an einzelne, günstigere Konditionsbestandteile von Plus zu fordern, ohne das Gesamtpaket zu berücksichtigen. (mj) Bundeskartellamt zeigt CTS Eventim die rote Karte! CTS Eventim ist nach den Feststellungen des Bundeskartellamts der größte Anbieter von Veranstaltungstickets in Deutschland. Über das Ticketsystem von CTS Eventim würden ca. 60 Prozent bis 70 Prozent aller Tickets vertrieben, die in Deutschland über Ticketsysteme verkauft werden. Dies umfasst neben Karten für Konzerte, Theater, Oper oder Musicals auch Sportveranstaltungen und viele weitere Angebote. Das BKartA hat nun CTS Eventim die Verwendung von sogenannten Exklusiv- Vereinbarungen untersagt, die Eventim mit Veranstaltern aus dem Bereich des „Live Entertainment“ sowie mit Vorverkaufsstellen geschlossen hat. Die betreffenden Vereinbarungen sahen vor, dass die Vertragspartner Karten (nahezu) ausschließlich über das CTS-System „eventim.net“ vertreiben dürfen. Das BKartA wertete dies als einen kartellrechtlich unzulässigen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von CTS Eventim. Die betreffenden Verträge müssen nun binnen 4 Monaten angepasst werden. Hierbei ist sicherzustellen, dass die betreffenden Vertragspartner mindestens 20 Prozent ihres jährlichen Ticketvolumens nach ihrem freien Ermessen über die Ticketsysteme von Drittanbietern vermitteln können, sofern die Verträge länger als zwei Jahre oder unbefristet geschlossen sind. (dw) ONLINEBESCHRÄNKUNGEN I BGH entscheidet über Preissuchmaschinenverbot Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 19. Januar 2018 entschieden, dass Hersteller (in diesem Fall Asics) ihren Händlern nicht generell verbieten dürfen, Preissuchmaschinen zu nutzen. Das Gericht befand sogar, dass der Kartellverstoß „so offensichtlich“ sei, dass die Frage keiner weiteren Klärung in einer mündlichen Verhandlung bedürfe. Das Gericht hebt hervor, dass den Preissuchmaschinen im Hinblick auf das große Produktangebot im Internet und die Vielzahl der Anbieter eine erhebliche Bedeutung für den Verbraucher zukomme. Sie ermöglichten es gerade denjenigen, die sich bereits für ein konkretes Produkt entschieden haben, gezielt nach Händlern und guten Konditionen zu suchen. Verhindere ein Markenhersteller, dass seine Händler mit Preissuchmaschinen kooperieren, sei dies ein besonders offensichtlicher Kartellverstoß (eine sogenannte Kernbeschränkung). Mit dieser Entscheidung bestätigt der BGH eine Verfügung des Bundeskartellamts gegen Asics aus dem Jahre 2015. Insgesamt wird damit das BKartA in seiner Auffassung bestärkt, dass der Schutz des Wettbewerbs in Deutschland vor allem den Schutz kleinerer und mittlerer Händler verlangt. Zugunsten des Verbrauchers und eben dieser Händler seien die Märkte für diese offen zu halten (dw). ONLINEBESCHRÄNKUNGEN II EuGH entscheidet zum Marktplatzverbot Nach der mit Spannung erwarteten Entscheidung des EuGH im Fall „Coty“ kann ein Anbieter von Luxuswaren autorisierten Händlern verbieten, seine Waren im Internet über Online-Marktplätze wie Amazon zu verkaufen. Die Qualität von Luxuswaren beruhe Coty-Urteil des EuGH: Luxusmarken dürfen Plattformverbote aussprechen. nicht allein auf materiellen Eigenschaften, sondern auch auf ihrem Prestige-Charakter. Eine Schädigung der luxuriösen Ausstrahlung könne daher die Qualität der Waren selbst beeinträchtigen. Das Urteil wirft eine Reihe von Fragen auf, etwa wo die Grenze zwischen echten Luxusmarken und sonstigen hochwertigen Markenprodukten verläuft. Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, warnte bereits davor, dass Marken-Hersteller außerhalb des Luxusbereichs weiterhin keinen Freibrief dafür hätten, ihre Händler bei der Nutzung von Verkaufsplattformen pauschal zu beschränken. (mj) © GERICHTSHOF DER EUROPÄISCHEN UNION, EDEKA

4.2018 Szene | FACHHANDEL | 29 © MESSEE MÜNCHEN, ANWR ABSCHLUSSBERICHT DER ISPO Weniger deutsche Fachbesucher Noch vor Messeschluss verkündete die Messe München ihr ISPO-Fazit. Digitalisierung, Internationalisierung und ein „gesteigertes Interesse“ an Wintersport hätten die Messetage bestimmt. „Über 84.000 Besucher aus 120 Ländern“ hätten an den vier Messetagen die Produktneuheiten der 2.801 ausstellenden Unternehmen begutachtet. Damit sinken die offiziellen Besucherzahlen der ISPO im Vergleich zum Vorjahr moderat. 2017 fanden noch 86.841 Fachbesucher den Weg nach München. Der Anteil internationaler Fachbesucher sei hingegen nochmals gewachsen, wofür vor allem Besucher aus Österreich, Japan, der Türkei, Tschechien, Großbritannien und den USA sorgten. „Gut besucht“ sei dabei das Segment Wintersport gewesen. Zukünftig wolle die Messe München deshalb „die Zusammenarbeit mit den Skiherstellern intensivieren“. Mit einer eigenen Digitize-Area stellte die ISPO gemeinsam mit Messe-Rückkehrer Adidas das Thema Digitalisierung in den Mittelpunkt. Es gelte für die Branche, die positiven Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um mehr Menschen für den Sport zu gewinnen. Für die nächste Auflage der ISPO im kommenden Jahr, die vom 3. bis 6. Februar 2019 stattfinden wird, stehen der Messe München mit den neu zu bauenden Hallen C5 und C6 zwei weitere Messehallen zur Verfügung. Wachstum würden vor allem die Bereiche Outdoor, Health & Fitness und innovative Textilien versprechen. Insgesamt sinkende Besucherzahlen und gleichzeitig steigende Internationalität bedeuten: Immer weniger Fachbesucher aus Deutschland finden den Weg zur ISPO. JAHRESZAHLEN ANWR Group wächst 2017 um 2,4 Prozent Günther Althaus sieht in dem moderaten Wachstum eine Bestätigung der „erfolgreichen Entwicklung“ der ANWR. JETZT 48 FILIALEN Die ANWR Group konnte das Geschäftsvolumen im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2017 in den Kernbereichen Handel und Finanzdienstleistungen insgesamt um 2,4 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro steigern. Demnach konnte das Abrechnungsvolumen in den Handelsbranchen Schuhe, Sport und Lederwaren im Jahr 2017 international um 0,7 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Schuhbereich verzeichnete dabei bei einem Volumen von 1,6 Milliarden Euro leichte Einbußen (- 1,1 Prozent). Auf internationaler Ebene konnte die Sport 2000 ein Plus von 3,2 Prozent verzeichnen und wuchs auf 1,1 Milliarden Euro. Das Geschäftsvolumen im Bereich Lederwaren stieg um 4,1 Prozent auf 107 Millionen Euro. Wichtigstes Standbein bleibt der Bereich Finanzdienstleistungen mit der DZB Bank und der Aktivbank. Die Spezial-Finanzdienstleister konnten ihr Geschäftsvolumen mit Unternehmen außerhalb der ANWR Group um insgesamt 3,2 Prozent auf „über 6,1 Milliarden Euro“ steigern. Für Günter Althaus, Vorstandsvorsitzender der ANWR Group bedeutet das moderate Wachstum eine Bestätigung der „erfolgreichen Entwicklung“. Die ANWR werde ihre Investitionen in die Digitalisierung und die Entwicklung zukunftsfähiger stationärer Konzepte weiter ausbauen. Sport-Tiedje wächst zweistellig Die Sport-Tiedje Gruppe vermeldet ein zweistelliges Wachstumsplus. Dazu eröffnete das Unternehmen europaweit elf neue Filialen. Der Fitness- Filialist steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 12,3 Prozent auf 121,9 Millionen Euro. „2017 stand der organische Ausbau unseres Filialnetzes im Fokus“, erläutert Christian Grau, Inhaber und Geschäftsführer von Sport-Tiedje. „Die neuen Stores in Duisburg, Bochum, Saarbrücken, Bonn und Würzburg mitgezählt, sind wir bundesweit an insgesamt 48 Standorten vor Ort präsent, in Deutschland nahezu flächendeckend.“ Sport-Tiedje profitiere dabei nach eigener Aussage vom weiter steigenden Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung. Der eigene Multichannel-Ansatz biete den Kunden die Möglichkeit, sich über den persönlich bevorzugten Kanal zu informieren oder einzukaufen. Gallery mit positiver Bilanz Die Besucherzahlen der Schuhmesse Gallery in Düsseldorf blieben im Vergleich zur Sommerausgabe Juli 2017 mit ca. 6.000 europaweiten Facheinkäufern stabil. „Wir schließen die aktuelle Ausgabe der Gallery auf allen Ebenen mit einer positiven Bilanz ab“, resümierte Ulrike Kähler, Project Director Gallery & Gallery SHOES sowie seit Januar 2018 auch Managing Director des Messeveranstalters Igedo Company. Décathlon plant dritte Dortmund-Filiale Dortmund entwickelt sich zur Décathlon-Hauptstadt. Nach den Filialen in Kley und Aplerbeck zeiht es den französischen Sporthändler nun in die Innenstadt. Zum Jahresende soll in der Kampstraße 5 aus dem jetzigen Modehaus Boecker eine Décathlon-Innenstadtfiliale mit 3.800 qm Verkaufsfläche werden. Vor 30 Jahren eröffnete in Dortmund die erste internationale Filiale des Sportartikelherstellers außerhalb von Frankreich. Vergangenes Jahr wurde außerdem das 32.400 qm große Logistikzentrum im Garbe Logistik-Park Westfalenhütte eingeweiht. Tagesaktuelle News: sport-fachhandel.com APP-STORE & GOOGLE PLAY