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sportFACHHANDEL 04_2018 Leseprobe

38 | FACHHANDEL | Report

38 | FACHHANDEL | Report 4.2018 Seit gut 20 Jahren Platzhirsch in Greifswald: Intersport Mundt. Toller Online-Auftritt von Sport Schefe – und das ohne Onlineshop! Insgesamt scheint der Sportfachhandel in Mecklenburg-Vorpommern aber auch ohne Ski gut durch den Winter zu kommen. Das gilt auch fü r Sport Plagemann (Goldberg), einem Hä ndler, den es schon vor der Wende in der DDR gab. In dieser Zeit mit Sport und Camping ist die Leidenschaft fü r Outdoor und Trekking entstanden. Mittlerweile habe man das Thema Camping jedoch zurückgefahren. „Der Tourismus fehlt“, meint Händler Peter Plagemann, es müsste mehr gemacht werden, doch das Geld fehle in der Kommune. Goldberg ist symptomatisch für den Strukturwandel in vielen nördlichen Regionen und den damit verbundenen Problemen. Zwar kämen viele junge Leute übers Wochenende, weil es „bei uns so schön ist“, doch insgesamt ist die Einwohnerzahl von einst 7000 auf nur noch gut 3000 gesunken. Auch Hotels und Gaststätten verschwinden. Dabei ist die seenreiche und naturgeschützte Landschaft ein Juwel. Die Sportvereine sind gut besucht und sehr aktiv, es werde viel gemacht. „Das Potential ist eigentlich da.“ Die Infrastruktur müsse verbessert werden, davon würde auch der Sportfachhandel profitieren. Das Sporthändlerehepaar Plagemann bleibt und macht weiter. Im Dezember vergangenen Jahres wurde 30-Jähriges Jubiläum gefeiert. Von einst 45 Quadratmetern habe man sich mittlerweile nach mehreren Umbauphasen auf 120 Quadratmeter Verkaufsflä che vergrö ßert, erzä hlt Inhaber Peter Plagemann. Auch hier spielt der Bereich Teamsport ganzjährig eine große Rolle. Dazu gehö ren Sportarten wie Fußball und Handball, die auch im Winter ausgeü bt werden kö nnen. „Badminton ist ebenfalls sehr beliebt“, berichtet Plagemann. Im Tennissektor gä be es „leider“ nur Basic-Artikel. Im Winter aber sei alles rund um das Thema Schliftschuhe seht gefragt. „Wir verkaufen jedoch keine Ski, bei uns lä uft man auf dem Eis.“ Mittlerweile hat sich Sport Plagemann auf Freizeitsport und -mode spezialisiert. Man sei textillastiger geworden, man müsse sich eben anpassen. Plagemann ist Mitglied bei der Einkaufsgenossenschaft Intersport und freut sich darüber, sein eigenes Logo und seinen eigenen Namen führen zu können. Intersport Mundt in Greifswald allerdings ist seit gut 20 Jahren Platzhirsch in der Stadt. Thomas Mundt ist einer der größten Sporthändler entlang der Ostsee-Küste. Sein Stammhaus liegt in der Greifswalder Innenstadt und verfügt über 440 Quadratmeter Verkaufsfläche. Dazu betreibt der norddeutsche Händler zwei Märkte: einen in Greifswald und einen nahe Rostock. Insgesamt betreibt der Händler eine Sportverkaufsfläche von gut 1.600 Quadratmetern. „Das Wintergeschäft ist in vollem Gange“, freut sich ein Mitarbeiter, die Skiabteilungen seien alle gut besucht. Innerhalb der letzten Jahre wurden alle drei Sportgeschäfte um- und ausgebaut. Mittlerweile ist Wintersport bei Mundt ein fester Umsatzträger geworden. Sowohl bei Alpin-Ski als auch bei Langlauf-Ski seien die Umsätze von Jahr zu Jahr angestiegen, berichtet der Händler. Der Händler bietet ebenfalls Skimontage und Schlittschuhservice an. Das Geschäft läuft gut, zumal der Händler auch noch einen größeren Shop am Stadtrand nach dem Profimarkt-Konzept von Intersport verfolgt. Greifswald verfügt über eine der ältesten Universitäten Deutschlands und bietet seinen Studenten damit auch ein quirrliges, sportliches Leben. Dem Handel und der Nachfrage tut das gut. Das zieht natürlich auch Preistreiber und Großflächenanbieter im Norden an, die etwas abhaben wollen vom Kuchen. Der Kampf um Zahlen zur Ansiedlung eines neuen Décathlon-Ablegers etwa (bis zu 4.000 Quadratmeter) in Rostock schwillt seit Jahren. Ansässige Sporthändler gingen auf die Barrikaden. Zwischendurch schaltete sich die IHK ein und wollte die Zahlen nach mehreren Gutachten noch einmal prü fen und fü r die Stadt eine Empfehlung aussprechen. Denn die Rostocker Kommunalpolitiker befürworteten mehrheitlich die Ansiedlung des franzö sischen Billig-Discounters, der Sporthandel in der Stadt und in der Umgebung kä mpft vehement gegen Décathlon. Die Billig-Konkurrenz am Stadtrand wü rde kleine Geschä fte kaputtmachen, meint ein Vertreter aus dem Vorstand des © NPK, CARRÉ

4.2018 Report Report | FACHHANDEL | 39 Intersport Carré in Rostock setzt auf Wintersport und greift am meisten Laufkundschaft ab. City-Kreises. „Die Waffen sind unfair.“ Man habe nichts gegen Konkurrenz, aber die Startbedingungen mü ssten gleich sein“, meint ein Mitarbeiter von Intersport Carré , gegen eine Flä che von 1.000 Quadratmeter hä tte man nichts. „So aber geht es klar um Verdrä ngung“, ergä nzt ein Hä ndlerkollege (City Sport). Die Sporthä ndler bezweifeln die Neutralitä t der Zahlen in dem zweiten Gutachten, das ihrer Meinung nach zu Décathlon-freundlich ausfalle. Décathlon-Verantwortliche halten dagegen, dass das Konzept des Fachmarktes diese große Flä che erfordere. Die soeben eingesetzte Arbeitsgruppe der IHK soll nun unabhä ngig alle Zahlen und Argumente ü berprü fen. Angeblich besitzt Décathlon bereits ein Baugrundstü ck am Stadtrand von Rostock, in Schutow. Wenn nicht dort, dann Schwerin, so die Aussage der Franzosen. Der französische Sportartikel-Riese will sich nun offenbar doch in Schwerin ansiedeln. „Wir möchten gerne in die Landeshauptstadt kommen“, bestätigte der Expansionsleiter Nord, Rafael Burckhard unlängst der lokalen Stadtpresse. Derzeit sei man in Gesprächen mit einem Investor. Über ein mögliches Ergebnis wollte Burckhardt nicht spekulieren. Nach Informationen hartnäckiger Reporter vor Ort wäre ein eventueller Standort des neuen Sportmarkts am Haselholz in der Neuen Gartenstadt. „Wenn es dort nicht klappt, bleiben wir trotzdem dran“, so Rafael Burckhardt. „Wenn die Verhandlungen an einer Stelle nicht zum Erfolg führen, heißt das nicht, dass der Standort Schwerin für alle Zeit passé ist.“ Décathlons Anlauf nach Schwerin ist nicht neu. Sportfachhändler vor Ort seien auch hier massiv gegen das Vorhaben Sturm gelaufen. Im Sommer hatten die Franzosen zunächst abgesagt. Davor hat Jens Heysel, Teamsporthändler in der Kreisstadt Parchim und in Schwerin, weniger Angst. Der norddeutsche Händler ist mit seinem Kollegen ständig unterwegs zu Vereinen, Schulen, Trainern. Aber auch das kleine Stadtgeschäft mit 130 Quadratmetern in Parchim ist ständig gut besucht. „Am Ende wünschen Käufer und Kunden die Beratung im Laden“, weiß der Händler. Der Aufwand, um immer am Ball zu bleiben, ist immens groß, doch Heysel ist Vollbluthändler und macht seinen Job gerne. Er war lange Geschäftsführer in einem Sportverein. Über Zahlen und Tendenz kann sich Heysel nicht beklagen, auch wenn der größte Mitbewerber, das Internet, zu spüren ist. Doch die Vereine, so der Händler, „wollen unsere Betreuung“. Die Margen sind teilweise zwar geringer geworden, doch das Business mache Spaß, auch wenn das Teamsportgeschäft oft mit ständigen Rabatt aktionen zu tun habe. Heysel bietet im Laden fast alle gängigen Ballsportarten an. Zulauf gewinne der Schulsport, den der Händler auch mit aufbauen will, freut er sich. Natürlich müsse man den Fokus immer noch auf große Marken legen, doch inzwischen arbeite man ebenso mit den typischen Teamsportmarken wie Jako, Kempa, Uhlsport, Erima oder Hummel zusammen. Marken, die über die besten Lieferfähigkeiten verfügen. Das ist extrem wichtig im Vereinsgeschäft. Die Kataloge dieser Anbieter seien sehr umfangreich und würden interessante, spannende und neue Linien anbieten, „wo man sich Gedanken gemacht hat.“ Während die großen Sportgeschäfte viel auf Laufkundschaft setzen, „fahren wir zu den Kunden hin.“ Der Service sei aufwendig, aber es lohnt sich. Jens Heysel jedenfalls sieht entspannt in die Zukunft.