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beiserhausnews122011

Ich will

Ich will Zoo-Fachverkäuferin werden ! Wer gibt mir eine Ausbildungs-Chance ? Vor neun Jahren bin ich mit meinen Eltern aus St. Petersburg nach Deutschland übergesiedelt. In der Stiftung Beiserhaus fand ich vor zweieinhalb Jahren Aufnahme und lebe im Mädchenhaus in Melsungen. Dort habe ich das Berufsvorbereitungsjahr in der Berufsschule besucht und mit Abgangszeugnis verlassen. Im Anschluss habe ich auf Vermittlung der Agentur für Arbeit an einer berufsvorbereitenden Massnahme im Beiserhaus, ja so heisst das im Amtsdeutsch, teilgenommen. Hier hatte ich die Möglichkeit, mit auf die Hauptschulreifeprüfung vorzubereiten. Bei Lehrer Gompf erhielt ich Unterricht in Deutsch und Biologie, bei Lehrer Schlein in Mathematik und Gesellschaftslehre, Lehrer Altstadt unterstützte mich bei der Vorbereitung auf die Projektprüfung und bei Lehrer Haack nahm ich am Englisch-Unterricht teil. Englisch war irgendwie mein Angstfach und eigentlich wollte ich nicht am Unterricht teilnehmen. Aber schliesslich habe ich mich von den Lehrern überreden lassen und mich auch in diesem Fach zur Prüfung angemeldet. Ja, ich hatte lange Angst vor dieser Prüfung, die sich erst legte, als ich die guten Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen und der Projektprüfung erfuhr. Danach konnte ich es kaum erwarten, auch die mündlichen Prüfungen hinter mich zu bringen. Als die Vorsitzende des Prüfungsauschusses, Frau Rektorin Ingred Eckhardt von der Ohetal- Schule in Frielendorf, mir das Ergebnis mitteilte, war ich sehr glücklich. Hauptschulreifeprüfung mit der Note 2,0 abgelegt In Mathematik habe ich die Note gut, in Deutsch befriedigend, in Englisch befriedigend, in Mathematik gut, in Biologie und Gesellschaftslehre sehr gut erreicht. Das ergibt eine Durchschnittsnote von 2,0 – damit hätte ich locker auch den sogenannten „Qualifizierenden Hauptschulabschluss“ bekommen. Denn die Prüfungsaufgaben waren für beide Abschlüsse identisch. Der einzige Unterschied war, dass statt der mündlichen Prüfung in Englisch ich eine schriftliche hätte ablegen müssen – und das hätte ich, so mein Lehrer, „mit links“ gemacht. So steht auf meinem Zeugnis eben nur „Hauptschulabschluss“. Berufswunsch - unerfüllbar ? Natürlich habe ich gehofft, dass ich im Anschluss eine Berufsausbildung beginnen könnte. So habe ich versucht, einen Ausbildungsplatz als Tierpflegerin oder als Zoo-Fachverkäuferin zu bekommen, habe aber nur Absagen erhalten, ich war eben einfach zu spät mit den Bewerbungen. Nur ohne Abschlusszeugnis wäre eine Bewerbung eh zwecklos gewesen. Leider hat dann die Arbeitsagentur meinem Wunsch, eine Ausbildung im Beiserhaus beginnen zu können, abgelehnt. Angeboten wurde mir lediglich, die Berufsvorbereitungsmass- nahme nochmals zu durchlaufen, dieses Mal aber in der Jugendhilfeeinrichtung Karlshof in Wabern. Dies entsprach keineswegs meinen Vorstellungen, aber ich stand ohne Alternative da. Jetzt muss ich täglich morgens um 5 Uhr aufstehen. Es sind acht Stunden Arbeit in der Hauswirtschaft, manchmal auch in der Wäscherei angesagt. Und nach Hause ins Mädchenhaus komme erst gegen 18.30 Uhr zurück. Unterricht erhalte ich auch im Karlshof: Jeweils eine Stunde Deutsch, Mathematik und Erdkunde in der Woche. Das ist ganz nett, denn hier sprechen wir oft russisch, die Sprache, mit der ich aufgewachsen bin. Meinen Berufswunsch werde ich weiter verfolgen. Gegen- wärtig arbeite ich meine Bewerbungen aus, die ich für das kommende Ausbildungsjahr frühzeitig mit Abschlusszeugnis verschicken werde. Polina Reut

Bildungschancen für Menschen auf der Flucht Berufsschule öffnet ihre Bildungsangebote für minderjährige Flüchtlinge Im vergangenen Schuljahr 2010/11 fanden nach einem Intensiv-Deutschkurs im Beiserhaus, der von den Dozenten Elvira Steinbrecher und Jürgen Hoge durchgeführt wurde, zwölf junge Menschen, die aus Afghanistan und Somalia, stammen, Aufnahme in der Reichpräsident Friedrich-Ebert- Schule in Homberg. Elvira Steinbrecher Die jungen Menschen sind vor Krieg und Verfolgung aus ihren Heimatländern geflohen und manche haben dabei ihre Eltern verloren. Sie haben viele Entbehrungen auf sich nehmen müssen, manche wurden von der Polizei aufgegriffen, eingesperrt und nach einiger Zeit wieder freigelassen: Sie sind in Europa angekommen, ohne Kenntnisse der Sprache des jeweiligen Aufnahmelandes. Sie bitten um Asyl, um eine Aufenthaltsgenehmigung, sie wollen sich bilden, wollen arbeiten. Die Verfahren dauern lange, sie verunsichern, machen Angst – die jungen Menschen haben aber keine Alternative, sie können nicht zurück, es gibt niemand mehr, der sie erwartet, dem sie vertrauen können, der ihnen helfen könnte. Hauptschulabschlüsse Die Heranwachsenden wurden von ihren Lehrern als sehr lernwillige, angenehme und höfliche Schüler erlebt. Im Juni 2011 stellten sich zehn von ihnen der Hauptschulreifeprüfung. Sieben von ihnen haben diese Prüfung bestanden, zwei mit sehr gutem Ergebnis. Jürgen Hoge Leider ist es nicht allen gelungen, ihre Kenntnisse der deutschen Sprache so weiter zu entwickeln, dass auch komplexere Texte und Zusammenhänge sprachlich differenziert erfasst und reproduziert werden können. Insbesondere Textinterpretationen und Charakterisierungen erweisen sich als grosse Hürde. Zwei Heranwachsende wiederholen deshalb das Berufsvorbereitungsjahr, um sich im Sommer erneut der Hauptschulabschlussprüfung zu stellen. Einer hat sich entschlossen, am Unterricht zur Vorbereitung auf die externe Hauptschulreifeprüfung im Beiserhaus teilzunehmen und will diese im Dezember ablegen. BVJ - Klasse Im Schuljahr 2011/12 wurden in den Beruflichen Schulen Fritzlar und Homberg 15 junge Flüchtlinge aufgenommen. 14 von ihnen besuchen die Berufsvorbereitungsklassen. Aufnahmeprüfung bestanden Ein Heranwachsender hat das Aufnahmeverfahren für einen weiterführenden Bildungsgang bestanden. Auch diese jungen Menschen eigneten sich in einem knappen Jahr Grundkenntnisse der deutsche Sprache im Unterricht von Frau Steinbrecher und Herrn Hoge an und bemühen sich jetzt um Mitarbeit in der Berufsschule. Das Beiserhaus hält auf Anraten der Berufsschullehrer ein Nachhilfeangebot bereit, denn nicht alle hatten vor ihrer Flucht eine schulische Bildung in ihren Herkunftsländern erhalten, andere haben nur wenige Jahre die Schule dort besuchen können. Ihnen muss daher besondere Unterstützung zuteil werden, damit auch sie eine realistische Chance haben, einen Schulabschluss in der Berufsschule zu erreichen. „Der Fremde, der sich bei Euch aufhält, soll Euch wie ein Einheimischer gelten, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst.“ 3. Mose 19, 33+34

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