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2017_Vignau-Wilberg_Hofnagel

Einführung Dieses Buch

Einführung Dieses Buch befasst sich mit dem Werk zweier niederländischer Künstler: Joris und Jacob Hoefnagel. Ersterer, der Vater, ging dem Beruf des Kaufmanns zum Broterwerb nach und gelangte als Maler-Humanist aus Passion zu Ruhm. Sein ältester SohnJacob war ausgebildeter Maler sowie engagierter Politiker und Diplomat. Beide stehen jeweils exemplarisch für eine Epoche der europäischen Geschichte. Joris' Leben wurde bestimmt durch die Wirren des Achtzigjährigen Krieges, die die talentiertesten Niederländer in die Emigration trieben, Jacob agierte im Vorfeld und zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges als diplomatisches Bindeglied zwischen Böhmen und den Niederlanden. Das vorliegende Buch handelt in erster Linie von dem Miniaturisten Joris Hoefnagel, nimmt aber Leben und Werk vonJacob Hoefnagel mit in den Blick. Auf]oris, den hochbegabten Miniaturisten- als Künstler ein Autodidakt, der auch aus diesem Grund neue Wege zu beschreiten vermochte - und den europäisch vernetzten humanistischen Gelehrten, bezieht sich der Untertitel: Kunst und Wissenschaft um 1600. Egbert Haverkamp-Begemann trug sich in den frühen 1960er-Jahren mit der Absicht, eine Monografie zu dem damals noch unbekannten Joris Hoefnagel zu verfassen - ein Projekt, das in den Ansätzen stecken blieb. Meine eigene Begeisterung für die »erasmianischen« Mäuse in einer Kabinettminiatur in Amsterdam (Kat. Joris, C 17) war der Auslöser zu einer zweibändigen Studie über Hoefnagels Codices in Wien (Kat. Joris, A 2 und A 3), die 1969 erschien. Sie beschäftigte sich in erster Linie mit den ikonografischen Aspekten der Kunst Hoefnagels. Im Jahr 1984 erschien die Dissertation von Lee Hendrix, die, angeregt durch Thomas DaCosta Kaufmann, den inspirierenden Kenner der Kunst am Hofe Kaiser Rudolfs II., eine Analyse der Alben der Vier Elemente in Washington (Kat. A 6) unternahm, die nach wie vor größtenteils Gültigkeit beanspruchen kann. Seitdem sind zahlreiche größere und kleinere Teilstudien dieser und weiterer Autoren erschienen. Joris Hoefnagels Werk bildet eine Enzyklopädie, in der das gesamte Wissen seiner Zeit in den speziellen Facetten kaleidoskopartig aufleuchtet: Botanik, Zoologie, Topografie, Ethnologie, I!orträtkunst, klassisch-antike Literatur, Literatur der Renaissance - Letztere selbstverständlich auf Latein, eine Sprache, die Joris nach Auskunft Carel van Manders perfekt beherrschte. Diese Publikation ist der Versuch, durch eine Betrachtung des gesamten Werks Joris Hoefnagels nicht nur seiner Kunst, sondern auch seiner humanistischen Prägung gerecht zu werden. Mit ihren zahlreichen Abbildungen wird sie hoffentlich die Forschung zur Kunstkammer-Kunst und zur humanistischen Bildkunst zu weiteren Studien anregen und zu neuen Funden führen, besonders was die Vorzeichnungen zu den Kupferstichen der Civitates Orbis Terrarum (Kat. Joris, F) betrifft. Sicherlich werden mir Fehler oder Unvollständigkeiten unterlaufen sein, trotz der Sorgfalt, die ich über viele Jahrzehnte auf dieses Werk verwandt habe. Deshalb tröste ich mich mit dem Sinnspruch, den Hoefnagel selbst in seinen letzten Lebensjahren am Ende des Abecedarium (Kat. Joris, A 4) schrieb: »ln defectu valor« -im Bewusstsein der Unzulänglichkeit liegt der Wert. Thea Vignau-Wilberg II

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