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Handbuch der Mythologie

entspricht sein Name dem

entspricht sein Name dem Wort ‚Donner‘. Dazu passt die Auskunft des Geschichtsschreibers Adam von Bremen (Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum, Taten der Hamburger Kirchenfürsten, 1074–1076), dass die Skandinavier Thor als den Gott ansahen, der über das Wetter, insbesondere auch Donner und Blitz gebiete. Das Donnergrollen wird auf die Räder des Wagens zurückgeführt, mit dem Thor unterwegs ist. Für Uppsala erwähnt Adam einen Tempel, in dem Thor im Zentrum throne, Wotan an seiner Seite. In dieser Funktion und in diesem Rang kommt Thor der ▸ Zeus- und Jupiterfigur gleich, was dadurch bestätigt wird, dass die Germanen den römischen ‚Tag des Jupiter‘ (frz. jeudi, ital. giovedi) als ‚Tag des Donar‘ (Donnerstag, engl. thursday) übernahmen. In den altnordischen Götterliedern ist er jedoch Wotan als Sohn untergeordnet. Seine Mutter ist die Göttin Jörd (die ‚Erde‘ ). Seine Attribute sind der Hammer Mjöllnir (der ‚Zerstörer‘), der nach jedem Wurf in die Hand des Gottes zurückfliegt, seine Eisenhandschuhe, um den Hammer zu fassen, sowie ein Kraftgürtel, der Thors Stärke noch verdoppelt. Vorgestellt wird er als starker Mann mit langem roten Bart. Thors Hammer war als religiöses Symbol (in vergleichbarer Funktion wie das christliche Kreuz) auf Bildsteinen und auch als Amulett weit verbreitet und diente als Requisit zu rituellen Handlungen, z.B. zur Segnung der Toten oder der Bräute. Mit seiner Frau Sif, der Personifizierung ehelicher Treue, gilt Thor als Schutzherr der Ehen. Als Kultobjekt waren ihm auch einzelne Eichen (‚Donar-Eichen‘) zugeordnet, was vor allem durch die Lebensgeschichte des Missionars Bonifatius überliefert ist. In Geismar (der heutigen hessischen Stadt Fritzlar) soll Bonifatius eine solche Eiche gefällt haben, um die Bevölkerung vom Thor-Kult weg zum Christentum zu bekehren (Willibald von Mainz, Vita sancti Bonifatii, um 760). Im Vergleich zu den anderen Götterfiguren entfallen auf Thor die meisten in der Edda überlieferten Erzählungen. Sie handeln in der Regel von seinen Auseinandersetzungen mit den Riesen, gegen deren unheilvolle Stärke er sich siegreich durchsetzt. Die meisten dieser Geschichten sind in der Prosa-Edda des Snorri Sturluson (1220–1225) zusammengetragen. Von den 15 Götterliedern der Edda (Handschrift aus dem 13. Jh.) ist er in vieren die Hauptfigur (im Harbard-, im Hymir-, im Thrym- und im Alwisslied). In den anderen ist er als wichtige Nebenfigur dabei oder wird erwähnt und durch Anspielungen mit seinen Taten erinnert. Die längste, episodenreichste Erzählung handelt von dem Wettstreit mit dem Riesen Utgardaloki, in dem Thors Kräfte zunächst durch Zauber und Blendwerk verhöhnt werden, um am Ende umso glanzvoller zu erscheinen. Seine Schläge auf den Riesen will dieser kaum spüren (sie seien so leicht wie ein auf den Riesen herabfallendes Blatt), im Wetttrinken kann Thor das Trinkhorn nicht leeren, sein sonst unfehlbar treffender Hammer prallt ab, und selbst eine alte Magd des Riesen kann er nicht bezwingen. Am Ende muss der Riese seinen Betrug gestehen: Die Schläge hat er durch Zauber abgelenkt, wodurch ein neues Tal zwischen den Bergen geschaffen wurde; Thor hat tatsächlich so viel getrunken (in sein Trinkhorn floss das Meer), dass dadurch das Phänomen der Ebbe entstand; der Hammer prallte an einem unsichtbaren Berg ab, den der Riese zwischen sich und Thor errichtet hat, und die alte Magd war das personifizierte Alter, das niemand bezwingen kann. Die schwankhafte Kraftmeierei, die in dieser Erzählung steckt, zeigt sich auch sonst:

Dem Riesen Hymir (Hymirlied) gewinnt Thor den größten, zum Bierbrauen benötigten Kessel ab, indem er einen angeblich unzerstörbaren Kristallkelch doch zu zerschlagen vermag: und zwar am Schädel des Riesen selbst, der als Einziges noch härter ist als der Kelch. Den Hinweis darauf gab die Frau des Riesen. Manche dieser Abenteuer erlebt Thor zusammen mit ▸ Loki, der spiegelbildlich sowohl als Verursacher einer Notlage (gegenüber dem Riesen Geirrödr, gegen den Thor ohne seinen Hammer antreten muss) als auch als Retter in der Not erscheint (in der Wiedererlangung des vom Riesen Thrym geraubten Hammers, Thrymlied). In ernsteren Geschichten bestraft Thor den, der die Götter beleidigt: Den Riesen Hungnir tötet er, nachdem dieser betrunken geprahlt hat, er werde die Götter vernichten und die Göttinnen entführen. Doch fehlt auch hier das Schwankhafte nicht: Um sich Thor zu entziehen, lässt Hungnir eine Lehmkopie von sich anfertigen, wodurch sich Thor jedoch nicht täuschen lässt. Als er den richtigen Hungnir tötet, wirft ihn der umfallende Leichnam zu Boden und lastet so schwer auf ihm, dass nicht einmal Thor, sondern nur einer seiner Söhne ihn wegheben kann. Selbst als Bezwinger des größten Untiers, der Midgardschlange, die das Reich der Menschen (Midgard, im Unterschied zu Asgard, dem Wohnort der Götter, der Asen) als Meerungeheuer umlagert, zeigt Thor ein komisches Moment: Mit einem Ochsenkopf als Köder angelt er das Untier, bricht aber dann mit den Füßen durchs Boot, das der Kraft, die zum Heraufziehen der Schlange nötig ist, nicht standhält. In einer Variante dieser Erzählung schneidet ein mit im Boot sitzender Zwerg die Angelschnur durch, um nicht unterzugehen. Der Maler Johann Heinrich Füssli hat diesen Anglerkampf als Motiv für ein Gemälde gewählt (Thor im Kampf mit der Midgardschlange, 1788). In der Weltuntergangsvision der Völuspá, dem ältesten, wahrscheinlich um 1000 entstandenen Edda-Lied, tötet Thor die Midgardschlange, stirbt dabei aber seinerseits an ihrem Gift. Dass Thors Hammer zum religiösen Symbol und Kultrequisit geworden ist, hängt mit der Erzählung zusammen, in der Thor die beiden Böcke, die seinen Wagen ziehen, mit dem Hammer wieder zum Leben erweckt: Er hat sie zuvor selbst für sein Nachtmahl geschlachtet. Da Thjálfi, ein Bauernsohn, der mit beim Mahl saß, einen Oberschenkelknochen aufgebrochen hat, um an das Mark zu gelangen, hinkt indes einer der Böcke nach der Wiederbelebung. Zur Buße müssen Thjálfi und sein Bruder Röskva Thor in Zukunft als Diener begleiten. Einen ganz anderen Charakter zeigt Thor dagegen im Alwiss- und im Harbard- Lied. Im ersten besiegt Thor einen allwissenden Zwerg (Alwiss), den er als Bräutigam seiner Tochter loswerden will, nicht durch Kraft, sondern List. Er hält ihn so lange mit Fragen hin, die der Zwerg alle stolz beantwortet, bis plötzlich die Sonne aufgeht, deren Schein den Zwerg versteinern lässt. Im anderen wird er von einem Fährmann, von dem er sich übersetzen lassen will, abgewiesen und verhöhnt. Der Fährmann ist kein anderer als sein Vater Odin, der sich aber nicht zu erkennen gibt und sich stattdessen Harbard (Graubart) nennt. Dieses Lied konfrontiert die beiden Gottesfiguren: auf der einen Seite der handfeste, aufrichtige, auf seine Stärke vertrauende Thor, auf der anderen der verschlagene, wortgewandte Frauen-Verführer, Krieger und Magier Odin. Eine religionssoziologische Dimension scheint auf, wenn Odin höhnt, er selbst habe die Anführer und die Edlen auf seiner

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