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Handbuch der Mythologie

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Seite (eine Anspielung auf den ▸ Walhall-Mythos), wohingegen Thor nur die Knechte bekomme. Man hat daraus geschlossen, dass Odin der Gott der Krieger-Eliten, Thor dagegen der niederen Schichten und Bauern war. Johann Heinrich Füssli: Thor im Kampf mit der Midgardschlange, 1788, London, Royal Academy of Arts In den Sagen von dem König und Missionar Olaf – er wirkte um das Jahr 1000, die schriftlichen Überlieferungen stammen aus dem 12. bis 14 Jh. (Óláfs Saga Tryggvasonar, Die Geschichte von Olaf Tryggvissohn) – dient Thor als Gegner, der von der Christianisierung besiegt wird: indem die Neubekehrten seine Statue zerstören, die sich dabei als von Mäusen zerfressener Hohlkörper erweist. Auch er selbst tritt noch auf, doch so geschwächt, dass seine alten Anhänger ihn anfeuern müssen, was freilich ohne Erfolg bleibt. Dass gerade Thor das Heidentum exemplifiziert, belegt auch im Moment der Austreibung noch seine Popularität.

Plakat zum Film Thor, 2011 (Regie: Kenneth Branagh) Im wiedererwachenden Interesse an der germanischen Mythologie ruft Friedrich Gottlob Klopstocks Ode Wir und sie (1766) Thor als patriotische Symbolfigur an, um den gegenüber England und Frankreich kulturell wie politisch rückständigen Deutschen dennoch Selbstbewusstsein zu geben. Die im Zuge der Romantik entstehende germanische Altertumskunde widmet Thor die erste wissenschaftliche Abhandlung, die überhaupt zur nordischen Mythologie geschrieben wird: Der Mythus von Thôr nach nordischen Quellen (1836) von dem Dichter und Germanisten Ludwig Uhland. Auch in der wirksamsten Popularisierung, in Richard Wagners Oper Der Ring des Nibelungen (1852), fehlt er – unter dem Namen „Donner“ – nicht, tritt jedoch hinter den Figuren Wotan und Loge (Loki) zurück. Trotzdem gewinnt sein Auftritt größte Prägnanz: „Donner: (sich vor die beiden Riesen stellend): Fühltet ihr schon/meines Hammers harten Schlag?“ (Das Rheingold, 2. Szene). Die romantisch-patriotische Germanen-Konjunktur bringt auch imposante Thor-Statuen hervor: von dem dänischen Bildhauer Hermann Ernst Freund (1821/22) und dem Schweden Bengt Erland Fogelberg (1844). 1977 hat der österreichische Schriftsteller Hans Carl Artmann das Thrymlied unter dem auch für dieses Edda-Lied gebräuchlichen Titel Die Heimholung des Hammers nacherzählt und als buchkünstlerische Ausgabe mit Illustrationen von Uwe Bremer herausgebracht. In der modernen Popkultur hat Thor seine einstige Popularität offenbar wiedergewonnen: Seit 1962 ist er als Comic-Superheld im amerikanischen Verlag der Marvel Comics präsent und hat sich bis heute in viele weitere Comic- und Fantasy-Serien (u.a. von J. Michael Straczynski, Olivier Coipel, Robert Rodi) verbreitet. 2011 entstand auf dieser Grundlage der Action- und Science-Fiction-Film Thor, unter der Regie des durch seine Shakespeare- Verfilmungen bekannt gewordenen Kenneth Branagh. 1973 gründete der Kanadier John Mikl Thor die Heavy-Metal-Band Thor, mit der er selbst in der Verkleidung des germanischen Donnergottes mit Hammer auftritt. Auch die 1980 gegründete, US-amerikanische True-Metal-Band Manowar verwendet die Thor-Figur. 2010

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Die Religion und Mythologie der Griechen
Handbuch der germanischen Mythologie
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