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Handbuch der Mythologie

Geburt

Geburt der Athene aus dem Kopf des Zeus scheint im Kumarbi-Mythos ein Vorbild zu haben. Hurritische Einflüsse verrät auch der Harab-Mythos, den wir nur aus einer assyrischen Niederschrift des 8. oder 7. Jh. kennen. Das Sukzessionsmotiv ist hier noch breiter ausgeführt: Insgesamt sieben Göttergenerationen lösen einander durch Vatermord und inzestuöse Verbindungen mit Mutter oder Schwester ab. Das erste Götterpaar sind Ḫarab, der personifizierte ‚Umbruchpflug‘, und die Erde. Durch das erste Pfügen werden das Meer und Šakkan, der Gott der Steppentiere, geschaffen, der seinen Vater tötet und sich mit seiner Mutter vereinigt. Grundthema des komplexen ugaritischen Baal-Zyklus ist die Vorherrschaft des Wettergottes Baal, um die er mit dem Meeresgott Jamm und dem Todesgott Mōt ringt. Von einer Auseinandersetzung unter Göttern handelt schließlich auch das Erra- Epos (oder Išum und Erra). Der Dichter des wohl im 8. Jh. entstandenen Werkes, Marduk-kabti-il(an)i, stellt sich im Epilog namentlich vor und gibt dieses als Aufzeichnung einer nächtlichen Vision aus. Erra, der Unterwelts-, Pest- und Kriegsgott, ruht bei seiner Gemahlin, als sich in ihm unter dem Eindruck der funkelnden Waffen seines Wesirs Išum der Drang zu kämpfen regt. Die dämonischen „Siebengötter“ stacheln ihn endgültig dazu auf. Er überredet den Götterkönig Marduk, die Insignien seiner Herrschaft abzulegen und erneuern zu lassen und ihm für diese Zeit die Regierungsgeschäfte zu übertragen. Erra verursacht nun blutige Kämpfe und Zerstörungen, denen sogar die Heiligtümer der Götter zum Opfer fallen; er droht sogar, die Menschheit zu vernichten. Išum, der ihn tadelt, dass er unterschiedslos Gute und Böse dahinrafft, vermag ihn jedoch zur Besonnenheit zu bringen. Erra zieht sich zurück und trägt Išum auf, für die Wiederherstellung und das Gedeihen Babylons zu sorgen. Der Dichter allegorisiert möglicherweise historische kriegerische Ereignisse als Wutanfall des Unterweltsgottes, der sich unter dem Einfluss seines Wesirs wieder beruhigt. Zum Schluss deklariert er sein Lied als eine Art apotropäischer Beschwörung: „Der Sänger, der es erklingen lässt, wird nicht an der Plage sterben, dem König und dem Fürsten werden seine Worte gefallen. Der Schreiber, der es lernt, wird im Feindesland überleben und in seinem Land geehrt werden!“ Mit Zitaten aus dem Erra-Epos beschriftete Amulette zeigen, dass man tatsächlich auf seine segensreiche Wirkung vertraute. LITERATUR Mark S. Smith: The Ugaritic Baal Cycle. Leiden Vol. I. 1996. Vol. II 2009 Götterhochzeiten und -zeugungen

Zwei Dichtungen berichten von Enlils Hochzeit mit Ninlil bzw. der mit ihr identifizierten Sud. Enlil und Ninlil erzählt, wie Enlil das Mädchen Ninlil beim Baden im Fluss seiner Stadt Nippur mit dem Mondgott Nanna/Sîn schwängert. Nach dem Beschluss der Götterversammlung muss er daraufhin die Stadt verlassen. Ninlil folgt ihm, und er zeugt mit ihr noch den Unterweltsgott Nergal/Meslamta’ea, den Vegetationsgott Ninazu und den Kanalgott Enbilulu, die ebenfalls chthonische Züge besitzen. Enlil wird so zum Herrscher über Himmel, Erde und Unterwelt, wobei sein am Ende der Dichtung gepriesener fruchtbarkeitsspendender Aspekt im Vordergrund steht. Im Gegensatz zu Enlil und Ninlil schildert Enlil und Sud eine konventionelle Brautwerbung Enlils bei Suds Eltern, der Getreidegöttin Nissaba und ihrem für Kornspeicher zuständigen Gemahl Ḫaja. In Martus Hochzeit heiratet Martu, der Gott der amurritischen Nomaden, die Tochter des Stadtgottes von Kazallu (in Nordbabylonien). Im Hintergrund steht das komplementäre und zuweilen spannungsvolle Nebeneinander von Nomaden und Sesshaften. Wie Enlil, so bricht auch Enki sexuelle Tabus, Enki und Ninḫursaĝa kann man geradezu als mythologische Begründung des Inzestverbots lesen. Enki zeugt mit Ninḫursaĝa eine Tochter, und mit dieser eine weitere. Der Vorgang wiederholt sich zweimal. Als sich Enki der vierten Tochter nähert, überträgt die Muttergöttin seinen Samen auf acht Pflanzen, die Enki aufisst – eine allegorische Wiederholung seines Inzests –, worauf er erkrankt und von der Muttergöttin verflucht und verlassen wird. Der Fuchs findet die verschwundene Göttin und bringt sie zurück. Enki zeugt mit ihr acht weitere Gottheiten, die seine erkrankten Glieder heilen, ihre Namen werden zu diesen jeweils etymologisierend in Beziehung gesetzt. Die Unterwelt ist in Mesopotamien mit einer weiblichen und einer männlichen Gottheit besetzt, was vermutlich auf regional unterschiedliche Vorstellungen zurückgeht. Nergal und Ereškigal erzählt, wie beide zu einem Paar wurden: Als die Boten der Unterweltsherrscherin Ereškigal in der Götterversammlung erscheinen, um ihren Anteil vom Mahl zu holen, lässt es Nergal an Respekt fehlen, woraufhin Ereškigal seine Auslieferung fordert. Nergal gelingt es mit Hilfe Eas, unbeschadet in die Unterwelt zu gelangen und Ereškigal zur Frau zu gewinnen. Thematisch verwandte Mythen sind auch aus Ugarit überliefert: Jariḫ und Nikkal erzählt von Brautwerbung und Hochzeit des Mondgottes Jariḫ, Šaḫar und Šalim von der Zeugung dieser Götter (‚Morgen-‘ bzw. ‚Abendrot‘) durch Il. LITERATUR A. Zgoll: Fragmente des Lebens. Vom Potential altorientalischer Mythen. In: Dies., R. G. Kratz (Hg.): Arbeit am Mythos. Tübingen 2013, S. 79–107 [zu Enlil und Ninlil]

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