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Handbuch der Mythologie

Körper Satīs in

Körper Satīs in Stücken von [Śivas] Kopf … Als der tanzende Śambhu seine beiden Füße auf die Erde setzte, da schleuderte er den Diskus und zerschnitt so den Körper Satīs. Deren … abgeschnittene Körperglieder fielen einzeln an verschiedenen Orten auf die Erdoberfläche nieder (Mahābhāgavatapurāṇa 11,76– 84). In ihren Gliedmaßen, die „sofort Stein wurden, als sie niederfielen“, ist Satī gleichermaßen an verschiedenen Orten präsent. Und da Śiva immer bei seiner Gattin weilt und daher dort auch anwesend ist, genießen diese Śaktipīt.has besondere Verehrung. Von besonderem Interesse im Hinblick auf die Arbeit am Mythos ist, dass die zitierte Textfassung das Problem, das sich aus der Teilung der einen Śakti – dies ein theologisches Postulat – ergeben hatte, durch die Einführung einer ‚zweiten‘ Satī zu lösen suchte. Denn – so der Text – Satī schuf eine ‚Schattengestalt‘ namens Chāyā, und es war diese, die sich ins Feuer stürzte und dann von Viṩṇu zerstückelt wurde. Die Themen der Mythen Die Themen der hier betrachteten Mythologie unterscheiden sich nur wenig von denen der Mythen anderer Völker: Weltschöpfung und Weltuntergang, Einrichtung der Ordnung der Welt und Störung dieser Ordnung, Entstehung von Göttern und Menschen, Kämpfe und Siege, Liebe und Leidenschaft, Alter, Tod und Todüberwindung, Entführung und Befreiung – um nur wenige zu nennen. Da etliche bereits gestreift wurden, sollen im Folgenden lediglich die Kosmo- und die Anthropogonie etwas näher betrachtet werden. Dabei gilt im Falle der Kosmogonie das Augenmerk weniger den Entwürfen eines allerersten Ursprungs, sondern denen, die sich mit der Einrichtung der Ordnung der Welt und der Gesellschaft beschäftigen. Wie diese Vergangenheit rekonstruieren und welches Verhältnis zwischen derart rekonstruierter Vergangenheit und deutungsbedürftiger Gegenwart hergestellt wird, kann hier allerdings nur kurz gestreif werden. Ursprung und Ordnung der Welt Die Entstehung der Welt und die Einrichtung der Ordnung in ihr und als Gegenstücke ihr Untergang und die Störung der Weltordnung sind Themen unzähliger Mythen des Hinduismus. Der Blick wird dabei meist auf die Ursprünge gerichtet, aus denen sich die Gegenwart erklärt, und zwar – jedenfalls in den weit überwiegenden Fällen – als etwas, das genau so sein muss, wie es ist. In einer fernen Urzeit, „noch ehe die Welt erschaffen war“, herrschten in ewiger Finsternis die Asuras. Gegen sie nimmt das Geschlecht der jüngeren Götter den Kampf auf, der mit ihrem Sieg endet. Mit der Trennung von Himmel und Erde, die platt aufeinander liegend die Unwelt der Asuras gebildet hatten, und dem Einziehen eines riesigen Balkens zwischen beide beginnt die Einrichtung der Ordnung der

Welt. Zunächst wird die Erde, die zur Wohnstätte der Menschen gemacht wird, befestigt: Die älteste Nachkommenschaft des Prajāpati sind die Berge. Die waren ehemals geflügelt. Wo immer sie wollten, da flogen sie auf und ließen sich nieder. Auch die Erde war damals noch flatterhaft. Indra schnitt den Bergen die Flügel ab. Mit ihnen, den Bergen, beschwerte er die Erde. Die Flügel wurden zu Wolken. Deswegen fliegen die immer nach den Bergen hin. Da stammen sie ja her. Deswegen regnet es auch im Gebirge am meisten (Kāt.haka XXXVI 7: 74.5–8). Dann musste „die Sonne, die hier auf der Erde war und dort alles versengte, an den Himmel gesetzt werden“ (Kāt.haka XI 4: 148.23–149.2). Die Götter, die diese Tat vollbrachten, „fürchteten aber, dass sie wieder vom Himmel falle. Da befestigten sie sie mit Hilfe eines rituellen Gesanges“ (Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa IV 5,9). So blieb sie am Himmel, um aber dort täglich unter- und aufzugehen, wodurch schließlich die regelmäßige Abfolge von Tag und Nacht entsteht. Der gleichmäßige Lauf des Monds über den Himmel war diesem durch einen Schwur abgetrotzt worden: Prajāpati gab König Soma seine Töchter, die Mondhäuser. Er [aber] wohnte nur der Rohin.ī bei. Da kehrten die [anderen], denen er sich nicht zum Beischlaf genähert hatte, [zu ihrem Vater Prajāpati] zurück. … Ihnen ging [Soma] nach und bat sie zurück. [Prajāpati] aber gab sie ihm nicht zurück, sondern sprach zu ihm: „[Schwöre, dass] du allen gleichmäßig beiwohnst. Dann werde ich sie dir zurückgeben“ (Kāt.haka XI 3: 147.1–5). [Da Prajāpati ihn mit einer bösartigen Krankheit heimgesucht hatte], schwor er, allen gleichmäßig beizuwohnen. Deshalb verweilt der [Mond] bei allen [Mondhäusern] gleich lang (Maitrāyaṇī Saṃhitā II 2,7: 21.8–10). Auch die Himmelsrichtungen waren zu ordnen, da die Welt der Asuras solche nicht besessen hatte: Diese Erde hier war im Besitz der Asuras. Da sprachen die Götter [zu ihnen]: „Gebt uns [Anteil] an ihr.“ Diese entgegneten: „Nennt [euren Anteil] selbst.“ Da gewann sich Agni den Osten, die Vasus den Süden, die Rudras den Westen, die Adityas den Norden. [So] gewannen sich die Götter diese [Erde] der Asuras (Kāt. haka XXXI 8: 10.13–16). Wichtig ist, die Erscheinungen, und dies vor allem in ihrer Regelmäßigkeit, auf göttliches Wirken zurückzuführen. Dadurch zeichnet der Mythos eine gottgewirkte ‚Urgeschichte‘ nach, die bis in die Gegenwart hineinreicht und dieser ihre Richtigund damit Verbindlichkeit sichert. Zwar wurden die Ordnungen der Welt und der Gesellschaft immer wieder gestört. Doch göttliches Eingreifen stellte stets die alte Ordnung als die neue wieder her: Svarbhāṇu aus dem Geschlecht der Dämonen durchbohrte die Sonne mit Finsternis [, den Sonnenflecken]. Da schlugen die Götter diese seine Finsternis weg (Maitrāyaṇī Saṃhitā II 5,2: 48,11). Einher mit der Einrichtung der Ordnung der Welt geht die der Gesellschaft. Hier hatte der Mythos eine ausgeprägte hierarchische Schichtung, die Indien quer durch alle Zeiten prägte, zu begründen und abzusichern. Dass an deren Spitze Brahmanen und Kṩatriyas stehen, folgt daraus – so der Mythos –, dass sie aus

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