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Handbuch der Mythologie

Erdoberfläche gleichsam

Erdoberfläche gleichsam schon voll ausgerüstet mit allem nötigen kulturellen Inventar und sie waren den einzelnen Clanen bereits zugeteilt. Über die Beschaffenheit der Unterwelt und den Zustand der Menschen dort schweigen die Ursprungsmythen. b) Kulturmythen. In diesen Mythen geht es um urzeitliche Ungeheuer und ihre Überwinder, zur Hauptsache den Kulturheros Tudava. Es geht ferner um menschliche Kulturstifter als Begründer bestimmter Gebräuche und Kulturzüge und um den Ursprung bestimmter Institutionen. Eine der wichtigsten Institutionen ist der Anbau von Nahrungspflanzen. Von den ‚Ältesten Mythen‘ unterscheiden sich die Kulturmythen insoweit, als sie die Zeit behandeln, in der die Menschen schon auf Erden weilten, wogegen die ‚Ältesten Mythen‘ den Moment des Aufstiegs aus der Unterwelt behandeln. c) Mythen, die nur von normalen menschlichen Wesen handeln. Von den vorausgehenden Mythen unterscheiden sich diese durch den Umstand, dass keine Ungeheuer und übermenschliche Wesen mehr darin erscheinen. Die menschlichen Wesen dieser Mythen sind allerdings mit besonderen ‚magischen‘ (d.h. liturgischen) Fähigkeiten ausgestattet. In diesen Mythen wird ferner über die Ursprünge verschiedener besonderer Institutionen und Kulturzüge berichtet, z.B. den Ursprung der Hexerei und des Liebeszaubers – also der magischen Kenntnisse, im Unterschied zu den kultischen. Auch die Kula-Mythen zählen zu dieser dritten Gruppe. LITERATUR Maurice Leenhardt: Do Kamo. Die Person und der Mythos in der melanesischen Welt. Frankfurt a.M. 1984 Bronislaw Malinowski: Argonauts of the Western Pacific (zuerst 1922). New York 1961 Mikronesien Das kulturelle Erscheinungsbild Mikronesiens ist nicht so diversifiziert wie dasjenige Melanesiens, aber es ist bei weitem nicht so einheitlich wie dasjenige Polynesiens. Das hängt mit den verschiedenen Herkunftsgebieten der Gründerpopulationen zusammen, die zwischen 2000 und 1000 v. Chr. in die Region gekommen sind. Indonesien und die Philippinen werden genannt, aber auch Vanuatu. Dennoch ist es möglich, einige allgemeine Aussagen über die mythisch geprägte Weltanschauung der Mikronesier zu machen. Die Weltanschauungen der Gesellschaften Mikronesiens verfügen über die allgemeinen Merkmale mythischer Ontologie, die mit mythisch geprägten Weltanschauungen anderer Gesellschaften in anderen Weltgegenden übereinstimmen. Makrokosmische Strukturen bilden sich auch im gesellschaftlichen Mesokosmos ab, also im menschlichen Zusammenleben,

dem politischen und wirtschaftlichen Handeln. Man denkt sich die Erde als flache Scheibe, auf der sich die Inseln und das Meer befinden. Darüber wölben sich mehrere Himmel. Das Blaue gilt als Bodenfläche des höchsten Himmels, in dem ein höchstes Wesen – mal männlich, mal weiblich gedacht – mitsamt seinen Söhnen und Töchtern wohnt. Diese sind die Herren bzw. Herrinnen der verschiedenen menschlichen Tätigkeitsbereiche – Fischerei, Bodenbau, Flechten, Haus- und Bootsbau. Die Toten sind weiterhin als Geistwesen auf der Erdoberfläche, in den verschiedenen Schichten des Himmels oder an Orten unterhalb des Ozeans anwesend. Hier befinden sich parallele Welten und Landschaften, die nach dem Bild der irdischen Landschaften gedacht werden, diese jedoch in jeder Hinsicht übertreffen. Diese mythischen Landschaften und ihre Orte tragen Namen, sie sind fischreicher als die irdischen Meere, die Früchte sind wohlschmeckender. In den zentralkarolinischen Sprachen wird eine dieser mythischen Regionen ‚Sonnenuntergang‘ genannt; sie liegt im Westen und ist der von den Toten bevorzugte Aufenthaltsort. Diese Region entspricht dem westpolynesischen ‚Pulotu‘, dem Totenreich der Samoaner. Einige besonders mächtige Totengeister veranstalten abends die farbenreichen, prächtigen Schauspiele, wenn die Sonne im Meer versinkt. Eine weitere mythische Landschaft, das ‚Südland‘, entspricht unseren Vorstellungen vom ‚Schlaraffenland‘. Die dort residierenden göttlichen Wesen stiften Fischreichtum und Bodenfruchtbarkeit. LITERATUR Lothar Käser: Die Besiedlung Mikronesiens. Eine ethnologisch-linguistische Untersuchung. Berlin 1989 Lother Käser, Petra Steimle: Grundzüge des Weltbilds in Gesellschaften Mikronesiens. In: Hermann Joseph Hiery (Hg.):Die Deutsche Südsee 1884–191/1. Ein Handbuch. Paderborn 2001, S. 475–507 Polynesien Die Kulturen des polynesischen Dreiecks gehen, anders als diejenigen Mikronesiens und Melanesiens, auf eine gemeinsame Gründerkultur zurück, die sich im Samoa- Tonga-Gebiet im ersten Jahrtausend v. Chr. herausgebildet und von dort aus über ganz Polynesien verbreitet hat. Daher kann man im Falle Polynesiens von einer gemeinsamen Grundkultur und Grundsprache ausgehen, dem Proto-Polynesischen, das aus den verschiedenen gesprochenen Sprachen rekonstruiert wird. Mythische Themen und die Namen von Göttergestalten sind über ganz Polynesien verbreitet, so dass es gerechtfertigt ist, von polynesischer Mythologie zu sprechen. Polynesische Gesellschaften sind stark aristokratisch geprägt; Statusrivalität der Häuptlinge und Könige bestimmt das politische Geschehen. Der soziale Rang wird in väterlicher und mütterlicher Linie vererbt und spielt eine große Rolle bei der

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