Darstellung zum Schreiben des Generalvikars

bruderclemens

Sehr geehrte Mitglieder der Pfarrgemeinde, liebe Freunde und Leser!

15. Februar 2017

Nach Wochen der Unruhe und Aufruhr, verworrener Informationslage und Darstellungsversuchen

in Form von Medienberichten und verschiedenen Treffen gibt es immer noch

offene Fragen. Fest steht nur: die Diözese trennt sich von Kaplan Weise als priesterlichem

Mitarbeiter. Nun liegt ein Schreiben vom Generalvikar (GV) an die Gemeindemitglieder

vor. Dennoch ist vieles unklar, und vor allem der Weg zu der Entscheidung des Bischofs

liegt nach wie vor völlig im Nebel. Liegt es an der Gemeinschaft der Kreuzbrüder? War

die Kommunionvorbereitung der ausschlaggebende Punkt? Hat ein stets im Verborgenen

stattfindender Informationsaustausch dafür gesorgt, dass ein rein negativ gezeichnetes

Bild beim Bischof ankam und das Zurückweisungsschreiben an einem Sonntag, dem

31.12.2017 - einen Monat nach der bischöflichen Anerkennung der „Gemeinschaft vom

Kreuz“ - provoziert hat?

Wie es wirklich war, kann wohl nur aus der Zusammenschau verschiedener Perspektiven

vermutet werden. Doch auch, wenn die Situation komplex ist (ein Priester im Ordenszusammenhang,

eine Gemeinschaft, die kein Orden ist) und mit einigen aufgeblähten

Worthülsen hantiert wird (Was ist Spaltung? Was ist Seelsorge? Wer ist verletzt?), gibt es

doch einiges, was objektiv gesagt und auch richtig gestellt werden kann und muss.

Zunächst die Fakten aus dem Schreiben:

Unter Punkt 1 wird gesagt, dass der Bischof einer neuen geistlichen Gemeinschaft von

Anfang an skeptisch gegenüber stand. Das legt der GV dem Bischof offenbar in den


Mund. Denn die tatsächlichen Worte des Bischofs klingen anders. Eine Mail des Bischofs

an Kaplan Weise vom 9. Februar 2014 hört sich im Wortlaut so an:

„Die geistliche Gemeinschaft, die Sie »ausprobieren« möchten, kann sich in dem

weitflächigen Haus um Sie und mit Ihnen sammeln, aber eben als ein zunächst ganz

privates Unterfangen, das mit dem Bistum nichts zu tun hat, d. h. nicht unter der

Jurisdiktion des Bistums steht. (Eine Jurisdiktion ist in einer solchen Experimentierphase

auch nicht nötig!) Ich persönlich bin aufgrund Ihrer Person und Ihrer geistlichen

Kompetenz durchaus vertrauensvoll und will mich nicht der Zukunft verschließen im Sinne

des Paulinischen: Das Gute behaltet!“

Und etwa ein Jahr später:

„Im Auftrag des Hochwürdigsten Herrn Bischof Gregor Maria Hanke OSB danke ich

Ihnen herzlich für Ihren ausführlichen Bericht aus Egweil.

Es ist schön zu hören, dass die Gemeinschaft in Egweil gut aufgenommen wurde und sich

wohl fühlt. Herr Bischof wünscht Ihnen für Ihre Arbeit weiterhin Gottes reichen Segen.“

(Mail vom 19. Mai, 2015)

Aus den Reihen des Ordinariats dagegen war von Beginn an erheblicher Zweifel

angemeldet worden. Zu Beginn war noch ein Bischofsvikar für das Personal der Diözese

zuständig und hat sich bemüht, dem Bischof ein Bild von den Situationen vor Ort zu

vermitteln – dieser wurde in seiner Funktion im Jahr 2014 durch den GV und den neuen

Personalchef ersetzt. (Die Stelle des Bischofsvikars wurde ersatzlos gestrichen.)

Durch Punkt 2 des GV-Schreibens wird das Debakel um die Kommunionvorbereitung

äußerst fragwürdig. Zwar behauptet Pfarrer Gluchowski weiterhin hartnäckig – zuletzt in

der Feier der Hl. Messe am vergangenen Sonntag – der Kaplan habe unter Beweis stellen

sollen, ob er eine Kommunionvorbereitung alleine hinbekommt. Das Bistum dagegen

hatte ihm zuvor bereits drei Jahre lang die Aufgabe als geistlicher Mentor für Studierende

anvertraut; nebenbei wird der Kaplan in der Schule von Fachleuten für seinen

Schulunterricht beurteilt, und das ausnehmend positiv. Auf diesem Hintergrund ist die

Begründung lächerlich, der Pfarrer habe dem Kaplan mit Blick auf die zweite

Dienstprüfung verboten, die Kommunionvorbereitung im Team durchzuführen.

Teamfähigkeit ist eher ein Zeichen von Kompetenz, die in der Regel zu höherer Qualität

führt, als wenn man alles allein machen will.

Als Nächstes behandelt der GV die Zuweisung von Kaplan Weise. Eigenartigerweise

erwähnt er dort nicht, dass die letzte Zuordnung mit dem 1. November 2017 eben erst in

Kraft getreten ist - und zwar ohne dass Fristen genannt wurden. Er wurde als

„priesterlicher Mitarbeiter auf den neu sortierten, gesamten Pastoralraum »Pfarrverband


Nassenfels« eingesetzt. Warum benennt der GV diese letzt Zuordnung in seinem

Schreiben nicht?

Vielleicht, weil man nachträglich das Bild zeichnen möchte, dass die Entscheidung eine

natürliche war? Offenbar hält der GV die letzte Zuweisung von November 2017 bewusst

zurück. Aber warum? Weil sie vielleicht entlarvt, dass die Entscheidung, den Kaplan des

Bistums zu verweisen, sich eben nicht schon lange angebahnt hat, sondern in kurzer Zeit

durchgedrückt wurde?

Gerade einmal zwei Monate nach der Zuordnung als priesterlicher Mitarbeiter vom

November 2017 und einen Monat nach der kirchenrechtlichen Anerkennung der

Gemeinschaft vom Kreuz am 30. November 2017 bekam Kaplan Weise jedenfalls die

Mitteilung, dass sein Dienstverhältnis beendet wird. Es drängt sich immer mehr die Frage

auf: Was ist in den Wochen vor Weihnachten passiert, um eine ganz frische

Zuweisung für den Pastoralraum „Pfarrverbund Nassenfels“ und eine aktuelle

Anerkennung der Gemeinschaft vom Kreuz in eine Ablehnung umzukehren?

Unter Punkt 3 des GV-Schreibens wird von einem „langen Austausch“ zwischen

Personalchef, GV, Bischof und P. Weise gesprochen. Das lässt viel Spielraum für

unterschiedlichste Deutungen. Eine ist: Es kann sich um eine andauernde Bearbeitung des

Bischofs gehandelt haben, der sich seit dem Wegfallen des Bischofsvikars nun auf die

Stimmen des GV und des Personalchefs verlassen musste. Diese haben offenbar jede

negativ erscheinende Regung gesammelt, um folgendes Gesamtbild zu konzipieren: dass

es unverantwortlich ist, den Kaplan samt Gemeinschaft im Bistum zu behalten. Eine Frau

aus Adelschlag hat den Bischof beim Pastoralbesuch dort direkt dazu gefragt – seine

Antwort lautete: „Ich habe seit einem halben Jahr nur Schlechtes von Egweil gehört.“

Freilich wurden, wie man in Eichstätt jetzt gern betont, auch die positiven Regungen

gesammelt - aber wurden diese auch an den Bischof weiter gegeben? Etlichen Initiativen

aus Egweil, den Kaplan samt Gemeinschaft positiv darzustellen, wurde sehr harsch

entgegnet. Sogar teils so unverschämt, dass der Personalchef persönlich nach Egweil zu

einer Familie kommen musste, um sich dafür zu entschuldigen. Der Bischof selbst war -

wie im Schreiben erwähnt - zuletzt im Dezember 2016 mit Kaplan samt Gemeinschaft im

persönlichen Kontakt. Das Gespräch damals war ausgesprochen freundlich und

konstruktiv, es gab keine Vorwürfe vonseiten des Bischofs auf uns hin und auch keine

Ankündigung, dass hier etwas auf Messers Schneide stünde.


Zu Punkt 4 des GV-Schreibens und der angeblichen Befristung kann man nur nochmals

auf die Zuweisung zum 1. November 2017 verweisen, in der keine Frist und schon gar

nicht für 2018 genannt wird. Das würde aber naheliegen, wenn es sich um eine

Zuweisung für nur wenige Monate gehandelt hätte. Woher kommt auf einmal eine Frist,

von der sonst niemand wusste - nicht einmal der Kaplan? Wird hier im Nachhinein etwas

zusammengestrickt, um die eigentliche Begründung nicht zu nennen? Oder soll ein

solcher, erst nachträglich mitgeteilter Sachumstand nur zur Beruhigung beitragen? Wenn

ja - warum hat man die Gläubigen vor Ort (und vor allem den Kaplan) darüber nicht von

vornherein informiert und die Sachlage vor einer Ausweisung aus dem Bistum

transparent gemacht?

Der 5. Punkt des Schreibens besteht aus zwei Sätzen, die nach mehr als fünf Wochen sehr

spät kommen. Der ein oder andere mag sich wundern, dass das Zurückweisungs-

Schreiben des Bischofs an den Kaplan der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.

Angesichts der Tragweite der Entscheidung des Bischofs (Zurückweisung von P. Weise;

„Beendigung“ der Kreuzbrüder-Gemeinschaft) gebot schon die Ehrlichkeit der Gemeinde

gegenüber, den Inhalt nicht fünf Wochen lang zu verbergen. Um ungebändigte

Spekulationen über die Gründe der Entscheidung einzudämmen, half nichts, außer das

Schreiben transparent zu machen. Jeder weiß, wie schnell sich sonst Gerüchte verbreiten.

Im 6. Punkt kommt der GV dann auf uns Kreuzbrüder zu sprechen: Dabei wird

- eine Kluft zwischen „Befürwortern“ und „Gegnern“ erwähnt,

- der Vorwurf gemacht, die Kreuzbrüder würden „wie eine kirchliche Ordensgemeinschaft“

auftreten,

- behauptet, Vorgaben des Bischofs seien vom Kaplan „negiert“ worden.

…aber eins nach dem anderen:

(a)

„Gegner“ und „Befürworter“

Wie viele bezeichnen sich selbst eigentlich als „Gegner“? Dass es mittlerweile eine

Initiative gibt, die sich für Kaplan Weise samt Gemeinschaft ausspricht, ist bekannt. Aber

die „Gegner“ … wie viele sind es und sind alle dagegen, die nicht aktiv dafür sind? Sicher:

Ohne „Gegner“ wäre die Entscheidung nicht zustande gekommen - aber wer sind sie,

wogegen sind sie und was haben sie dem Kaplan und der Gemeinschaft vorzuwerfen? Das

wird nicht öffentlich diskutiert. Ist es das Engagement bei der Kommunionvorbereitung?

Oder doch der Kerzen- und Stromverbrauch? Ist es die Benutzung des Pfarrhauses?

Fühlen sich womöglich manche durch das Engagement der Gemeinschaft hinsichtlich

ihres eigenen Einflusses in der Gemeinde an den Rand gedrängt?


Was sind die konkreten Vorwürfe der Gegner und warum werden diese nicht öffentlich

diskutiert? Können die Gegner ihre Vorwürfe in der Öffentlichkeit nicht rechtfertigen?

Der PGR wurde mehrmals gebeten, sich mit den Anstrengungen der „Gegner“, die

Kreuzbrüder aus dem Pfarrhaus rauszubekommen, in einer Pfarrversammlung

auseinanderzusetzen. In ähnlicher Weise haben nicht wenige Ehrenämtler versucht, auf

eine Pfarrversammlung zu diesem Thema hinzuwirken… offensichtlich ohne Erfolg. Die

Gremien haben nicht auf Transparenz gesetzt, sondern in dem Glauben gelebt, dass sich

schon alles wieder beruhigen würde. Das Ergebnis ist bekannt: Dinge nicht transparent

zu machen gibt der Beschwerdementalität jede Möglichkeit, alles, was andere mit

Mühe aufgebaut haben, kaputt zu machen.

(b)

„Kreuzbrüder treten wie eine kirchliche Ordensgemeinschaft auf“

Der GV nennt dazu konkret „Ordensnamen, Ordenskleidung, Konventmessen, öffentliche

Professfeiern“. Dazu ist zu sagen:

- Ordensnamen zeichnen sich dadurch aus, dass sie am Ende das Kürzel eines Ordens

tragen, wie z. B. „Bischof Gregor Maria Hanke OSB“ (Ordo Sancti Benedicti) oder

„Anselm Grün OSB“, oder beim Papst „Jorge Mario Bergoglio SJ“ (Societas Jesu), oder

beim Dominikanerorden „P. Johannes Weise OP“ (Ordo Praedicatorum = Predigerorden).

Als Saulus zum Paulus wurde und Simon zum Petrus, hat es sich dagegen

natürlich nicht um Ordensnamen […] gehandelt. Es ist schlicht biblisch, eine auf

Christus bezogene Neuausrichtung mit dem Empfang neuer Namen zu ergänzen, welche

täglich daran erinnern, dass das Leben eine Wende vollzogen hat. Niemand von uns hat

vorgetäuscht, Mitglied in irgendeinem Orden zu sein. Sich „Bruder“ zu nennen ist,

anders als die Bezeichnungen „Orden“, „Institut“, „Kongregation“, „Priester“, „Pfarrer“

oder „Diakon“, nicht kirchenrechtlich geschützt. Nicht zuletzt nennt der Priester in der

Messe jeden Gottesdienstbesucher „Schwester“ oder „Bruder“. Ein berühmtes Beispiel

eines Heiligen, den man – ohne dass er Mitglied in einem Orden war – selbstverständlich

als „Bruder“ bezeichnet, ist Nikolaus von Flüe, der berühmte „Bruder Klaus“.

- Konventsmesse ist ebenso ein Begriff, der kein einziges Mal im Kirchenrechts-Codex

Erwähnung findet – Konvent heißt einfach nur „Zusammenkunft“; es spricht daher

nichts dagegen, das Zusammenleben der Kreuzbrüder als „Konvent“ zu bezeichnen. Auch

dieser Begriff ist kirchenrechtlich nicht geschützt, die Bezeichnung gibt es sogar ganz

außerhalb des religiösen Kontextes (z. B. der „Studentenkonvent“ als Zusammenkunft

von Studenten an der Universität). Dass ein Priester täglich die Hl. Messe feiert und das


nicht allein tut, sondern zusammen mit einer Gemeinschaft, welche den Gottesdienst

mitgestaltet, sollte eigentlich nicht verwundern, schon gar nicht verärgern – und ist

übrigens in keinerlei Weise exklusives Vorrecht von „Ordenspriestern“. Hinzu kommt,

was auch für die „Namen“ gilt: P. Weise feiert die „Konventsmesse“ regelmäßig seit über

drei Jahren, nämlich seitdem wir Kreuzbrüder in Egweil sind. Irgendwann im Sommer

2017 haben wir erfahren, dass sich jemand darüber in Eichstätt beschwert hat und haben

seitdem nicht mehr „Konventsmesse“, sondern „Hl. Messe“ auf den entsprechenden

Zettel geschrieben.

- Ordenskleidung: auch hier macht der GV einen ungerechtfertigten Vorwurf. Zur

Verdeutlichung ein paar Bilder: links Ordenskleidung (Clemens war zwei Jahre lang

Novize in einem niederländischen Orden) / rechts Kreuzbrüder-Shirts und -Pullis.


Besteht hier wirklich Verwechslungsgefahr?

- Öffentliche Professfeiern – wie steht es nun damit? Im Kirchenrecht heißt es: „Ein

Gelübde ist öffentlich, wenn es im Namen der Kirche von einem rechtmäßigen Oberen

entgegengenommen wird“. Unsere Gelübde sind private Gelübde. Ihre Erneuerung

haben wir im Rahmen des Stundengebets (meistens der Vesper) oder der

„Konventsmesse“ gefeiert und haben dazu am Anfang Bekannte und Freunde, später

auch in größerem Rahmen eingeladen. Ein Gelübde wird in der Kirche aber dann

„öffentlich“ genannt, wenn der Bischof oder ein anderer rechtmäßiger Oberer es

entgegennimmt; nicht deshalb, weil man Leute dazu einlädt oder es während einer

Gebetszeit ablegt. „Privat“ benennt hier also die Art der Gelübde und nicht der Rahmen,

innerhalb derer sie gefeiert werden. Eine „Profess“ hat aber nie stattgefunden! Woher

kommen die Informationen, auf die sich der GV fälschlicher Weise bezieht?

Suchen die Bistumsverantwortlichen hier nun das Haar in der Suppe? Warum freut es sie

nicht, wenn Gläubige vom Evangelium inspiriert sind und ihr Leben in Gemeinschaft der

Verkündigung des Evangeliums durch Wort und Tat widmen? Ist das nicht genau der

Auftrag von gefirmten Christen? Abgesehen davon, dass ein unrechtmäßiges Auftreten als

kirchlicher Orden nicht vorliegt…

sind das die Probleme, die das Bistum ernsthaft beschäftigt?

Es wurde keine falsche Lehre verkündet, niemand wurde genötigt oder bedrängt, kurz:

Worin liegt der Schaden, der durch die Gemeinschaft verursacht wurde?

…und es geht weiter: Im Schreiben des GV bleibt der Begriff „Seelsorge“ schwammig. Wo

beginnt Seelsorge und wo hört sie auf? Sind Besuche, bei denen über das Evangelium und

die Lehre der Kirche gesprochen wird, Seelsorge? Oder einen Gospelchor zu leiten?

Seelsorge, für die wir „eindeutig nicht […] beauftragt“ worden sind? Mit anderen Worten:

Kann eine Bistumsleitung wirklich solche Dinge verbieten?

Es wäre ehrlicher, wenn die Bistumsleitung erklärt hätte, dass sie tatsächlich Laien das

Ehrenamt verbieten wollte. Denn der Personalchef hat den Kaplan tatsächlich im Sommer

2015 aufgefordert, dafür zu sorgen, dass andere Mitglieder der Gemeinschaft keine

ehrenamtliche Tätigkeit ausüben. Damit stellte er sich nicht zuletzt wiederum gegen das

Kirchenrecht; vermutlich deshalb hat er sich auch nie schriftlich geäußert oder sich direkt

an die Mitglieder der Gemeinschaft gewandt. Dazu ein paar Auszüge aus dem Kirchenrecht:


Can. 211: Alle Gläubigen haben die Pflicht und das Recht, dazu beizutragen, daß die

göttliche Heilsbotschaft immer mehr zu allen Menschen aller Zeiten auf der ganzen

Welt gelangt.

Can. 215: Den Gläubigen ist es unbenommen, Vereinigungen für Zwecke der Caritas

oder der Frömmigkeit oder zur Förderung der christlichen Berufung in der Welt frei

zu gründen und zu leiten und Versammlungen abzuhalten, um diese Zwecke

gemeinsam zu verfolgen.

Can. 216: Da alle Gläubigen an der Sendung der Kirche teilhaben, haben sie das

Recht, auch durch eigene Unternehmungen je nach ihrem Stand und ihrer Stellung

eine apostolische Tätigkeit in Gang zu setzen oder zu unterhalten.

Was ist also passiert? Ein Priester wird des Bistums verwiesen wegen seiner Verbindung

zu einer kleinen Gemeinschaft. Das Schreiben des GV legt nahe, dass die Bistumsleitung

der Entfaltung von Charismen und dem Aufbau von Gemeinschaften äußerst kritisch

gegenüber steht. Und das, obwohl der Bischof vor nicht allzu langer Zeit verkündet hat:

„‚Nicht nur Gottsuche, sondern auch die Bildung von Gemeinschaften und eine

Schule der Menschwerdung‘ gehört zu einem christlichen Aufbruch.“

– Kirchenzeitung vom 12. Juni 2016, Seite 2

Alle Beteiligten (Kirchenverwaltung, Pfarrer, Personalchef, GV) haben vielleicht nochmal

jeweils eigene Gründe, warum sie gegen die Gemeinschaft der Kreuzbrüder vorgegangen

sind. Aber gemeinsam haben sie wohl vor allem den einen Grund: es geht um die

Verteidigung der bestehenden Strukturen. Was diese Strukturen in Frage stellen könnte,

wird nun zu beseitigen versucht. Die Gespräche dazu fanden allesamt im Hinterzimmer

statt. Tatsächlich bestehende Vorwürfe, die im Raum stehen - sowohl dem Kirchenpfleger

wie auch dem Pfarrer gegenüber -, wurden und werden dagegen offenbar nicht verfolgt.

Vielleicht ganz einfach deshalb, weil diese Amtsträger fester Bestandteil der bestehenden

Struktur sind.

Nicht zuletzt ist auch der Kommunikationsweg aufs Äußerste zu bedauern. Da Kaplan

Weise ganz offensichtlich vor allem aufgrund seiner Verbindung mit den Kreuzbrüdern

gehen soll, ist es nicht zu verstehen, dass bisher ausschließlich der Bischof zu einem


Gespräch mit der kleinen Gemeinschaft bereit gewesen ist. So hat der Generalvikar in den

vergangenen drei Jahren nicht ein einziges Mal (!) das Gespräch mit uns Dreien gesucht.

Näher liegt, dass nur auf den richtigen Moment gewartet wurde, um dem Bischof ein

eindeutiges Bild vorzulegen und endlich ausrufen zu können: „Das haben wir von Anfang

an gesagt“.

Leider entspricht dieses Bild nicht der Wirklichkeit. Auch die aufgeführten Begründungen

sind teils objektiv falsch, teils wird ein Bild gezeichnet, das offensichtlich nur der

Beruhigung dienen soll. Tatsächlich wird vor allem Eines inszeniert: dass jede gelungene

Initiative, die nicht aus den bestehenden Strukturen hervorgeht, eine Gefahr darstellt. Da

wird das Gute, was entstanden ist, nicht einmal in die Waagschale gelegt. Stattdessen

werden alle Hebel der Macht in Bewegung gesetzt, um das Entstandene einzustampfen.

Und nun? Wir Kreuzbrüder wünschen uns eine Kirche der Vielfalt, in der jeder das in

den Dienst stellen darf, was er zu bieten hat. Wir wünschen uns Transparenz und Dialoge

im Vorfeld von solchen Entscheidungen - dann entstehen solche Verletzungen und

Spaltungen gar nicht erst, wie wir sie jetzt leider erleben müssen. Wir würden uns auch

wünschen, dass der Bischof erkennt, wie sehr P. Weise und mit ihm unsere Gemeinschaft

sich in der Einheit der Kirche und ihres Selbstverständnisses bewegen.

Die Kirche wünscht sich, dass das Vertrauen zwischen Gläubigen und Amtsträgern wieder

wächst. Sie möchte, dass das Gebet belebt wird, Gläubige an die Liturgie, vor allem an das

Stundengebet und die Hl. Messe, herangeführt werden und der Glaube der Menschen zur

Entfaltung kommt. Die Kirche will, dass ihre Botschaft wieder Gesprächsthema in den

Familien wird. All das haben wir die letzten drei Jahre mit viel Einsatz verfolgt.

Schade, dass das alles nun offenbar nicht zählt, ja ganz im Gegenteil die Grundlage für

eine zutiefst bedauerliche Entscheidung abgibt.

In Christus verbunden

Bruder Clemens

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