Südostschweiz Sonderbeilage – 125 Jahre Klinik Waldhaus Chur

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Erschienen am 10. Oktober 2017 als Sonderbeilage in der Tageszeitung "Die Südostschweiz"

125 JAHRE KLINIK WALDHAUS

Der Baron und

Menschenfreund

Da er in Graubünden Linderung seiner angeschlagenen Gesundheit gefunden hatte, entschloss sich Baron

Clément de Loë (18361892), sein Vermögen für die Armen und Kranken in diesem Kanton einzusetzen.

Der Beginn der Geschichte vom Churer «Waldhaus». von Franco Brunner

Zum Gedenken an die Gönner

der Klinik Waldhaus Chur

Baron Clément de Loë und Dr. Johann Friedrich

Kaiser haben Wesentliches zum Bau der

psychiatrischen Klinik Waldhaus Chur beigetragen.

Baron Clément de Loë stiftete im Jahre 1883 dem

Kanton Graubünden sein gesamtes Vermögen für

den Bau eines Spitals.

Dank dieser grosszügigen Spende und des

Entgegenkommens von Baron Clément de Loë

konnte der seinerzeit von der Bündner Regierung

als dringend erachtete Bau einer «Irrenanstalt»

realisiert werden. Das heutige imposante

Hauptgebäude, die herrliche Parkanlage und die

charakteristischen Nebengebäude sind Zeitzeugen.

Dr. Johann Friedrich Kaiser darf als Pionier der

medizinischen Versorgung psychisch kranker

Menschen im Kanton Graubünden genannt werden.

Im Jahre 1877 gründete er zusammen mit den

Herren Dr. med. Paul Lorenz und Dr. med. Eduard

Killias den «Hilfsverein für Geisteskranke».

Dieser Verein stellte, nach dem überwältigenden

Abstimmungsergebnis der Bündner Bevölkerung

vom 9. April 1889, das gesamte Vereinskapital für

einen Klinikbau zur Verfügung.

Diese Tafel steht an der Loëstrasse, Abzweigung Waldhaus, zu Ehren von Baron Clément de Loë.

Zudem ist eine Steintafel beim Eingang des Klinikareals zu finden, auf der den Gönnern des Waldhauses gedacht

wird (siehe Kasten).

Dank des beherzten Engagements dieser Männer

konnte am 29. Mai 1892 die Klinik Waldhaus

eröffnet und ihrer Bestimmung übergeben werden.

Ala Memoire du Baron Clément

de Loë. Bienfaiteur

de la Ville d’Annemasse du

Canton des Grisons. Die Inschrift

auf dem schlichten

Grabstein auf dem Friedhof des ostfranzösischen

Städtchens Annemasse, ist

nur noch schlecht zu lesen. Witterung

und der Zahn der Zeit haben daran genagt

und lassen die Grabstätte zurückhaltend,

ja fast schon etwas vergessen

erscheinen. Ein Bild, das irgendwie nur

allzugut zu der Lebens- und Leidensgeschichte

dieses Baron Clément de

Loë passt, der hier seine letzte Ruhestätte

gefunden hat. Die Geschichte

eines Mannes, der Gutes tat und damit

nicht überall auf Wohlwollen, geschweige

denn Dankbarkeit gestossen ist.

Kompromiss zu Beginn

Baron Clément de Loë kam 1836 als

Sohn einer reichen preussischen Adelsfamilie

aus Savoyen auf die Welt. Sein

Vermögen erstritt er sich in zahlreichen

Prozessen, nachdem ihn gesundheitliche

Probleme zwangen, den Militärdienst

schon früh zu quittieren. Wie

Jean-Claude A. Cantieni in seiner Broschüre

«Baron Clément de Loë Von

und zur Churer ‚Schönhöhe‘, dem ‘Waldhaus’,

wo auch die liebe Natur zur Vernunft

komme‘» schreibt, machte sich

der Baron alsbald auf Reisen durch die

Welt und kam so hauptsächlich in Indien

und Madagaskar erstmals mit

grosser, sozialer Not in Berührung. Eine

Erfahrung, die den Humanisten zutiefst

traf und fortan beschäftigte. Er, der Zeit

seines Lebens nie etwas entbehren

musste, entschloss sich, sein Vermögen

zukünftig für etwas Gutes einzusetzen.

Und da er nach seinen Reisen unter anderem

in Graubünden zu Kuraufenthalten

weilte, fiel seine Wahl dahingehend,

sich für die Armen und Kranken in

Graubünden einzusetzen. Demnach

sollte sein Geld für den Bau eines Spi-

Dienstag, 10. Oktober 2017 | Südostschweiz

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