JoBo_11_02_2018

johaki

Grusswort des Stadtpfarrers

Wolfgang Schilling

10

Liebe Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde,

die Ouvertüre einer Oper oder die ersten Sätze eines

Romans tragen häufig das ganze Werk schon in sich.

So vielleicht auch die erste Frage und Antwort des berühmten

Heidelberger Katechismus von 1563:

Frage 1: Was ist dein einziger Trost im Leben und im

Sterben?

Antwort: Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im

Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen

Heiland Jesus Christus gehöre.

Der evangelische Pfarrer und Publizist Karl Rüdiger Durth meint, dass nicht wenige Menschen,

die nicht oder nicht mehr … glauben können, durchaus auf ein überzeugendes

Wort warten, „das quer steht zur Welt, die sich nur um sich selbst dreht und den Menschen

mit seinen grundlegenden Fragen allein lässt, eben jenen nach dem Leben und

dem Sterben.“ Die damalige Antwort müsse kraftvoll und innovativ in die Gegenwart

übersetzt werden und dafür sei es noch nicht zu spät. Das Land brauche „keine kirchlichen

Jubiläums-Events, sondern überzeugende neue Antworten auf jene erste Frage …

Das ist (ecclesia) semper reformanda.“

Das Gleiche gilt auch, wie ich meine, für die Thesen vom 31.Oktober 1517.

These 1: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße! … will er, dass das

ganze Leben seiner Gläubigen eine stete und unaufhörliche Buße sein soll.“

Heute heißt Buße für uns ein Um-Denken und Um-Kehren zum Evangelium Jesu Christi

hin, was die Bewahrung der Schöpfung und Schöpfungsordnung, die Fragen von Gerechtigkeit

und Frieden, den Dialog mit anderen Religionen und Kulturen, den Einsatz für

die Kranken, Schwachen und Fremden betrifft, gerade auch nach der Bundestagswahl

vom 24. September.

Zum Reformationstag wünsche ich Ihnen brüderlich, geschwisterlich und herzlich Gottes

reichen Segen und, zusammen mit uns, den Mut zur Umkehr.

Wolfgang Schilling, Stadtpfarrer in St. Martin und St. Magnus

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine