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1Herr Kepka, nach Ihrem Weggang bei<br />
Fissler haben Sie jetzt anderthalb<br />
Jahre eine operative Auszeit gehabt. Wie<br />
haben Sie diese genutzt?<br />
Markus Kepka: In dieser Zeit habe<br />
ich sehr intensiv meine unterschiedlichen<br />
Beirats- und Vorstandsfunktionen<br />
ausgeübt – etwa<br />
meine Mandate im Markenverband,<br />
dem Schneidwarenverband IVSH,<br />
oder beim EVL.<br />
Darüber hinaus habe ich mir international<br />
sehr viele Stores und<br />
interessante Handelskonzepte angeschaut,<br />
um Ideen für unsere<br />
Branche zu gewinnen.<br />
2Sind Sie dabei auch zu einer Bestandsaufnahme<br />
der Branche insgesamt<br />
gekommen?<br />
Markus Kepka: Die GPK-Branche in<br />
Deutschland ist nach meiner Beobachtung<br />
stark bedroht. Die Händler<br />
halten oftmals an der längst überholten<br />
Vergangenheit des Absatzmittlers<br />
und alten Erfolgsrezepten<br />
fest. Viele können nur deshalb noch<br />
am Markt bestehen, weil ihnen die<br />
Immobilien selbst gehören und sie<br />
keine Miete zahlen müssen. Das<br />
spricht aber sicher nicht für ein<br />
nachhaltiges Geschäftsmodell.<br />
Andererseits habe ich auch viele<br />
GPKler kennengelernt, die ganz<br />
neue Konzepte ausprobieren. Denken<br />
Sie nur an die vielen wunderbaren<br />
Kaffeeröstereien, die nicht<br />
nur Kaffee vermarkten, oder an<br />
Food- und Lifestyle-Konzepte wie<br />
das Kochhaus. Wenn ich GPK-<br />
Händler wäre, hätte ich schon<br />
längst eine Kaffeerösterei oder ein<br />
Prosecco-Lunch-Restaurant bei mir<br />
im Haus eingerichtet. Oder eine<br />
Kochschule? Leute, bewegt euch!<br />
Es gibt viele frische Ansätze und<br />
eine junge Unternehmergeneration,<br />
die ihre Handelshäuser als<br />
Points of Inspiration inszeniert. Das<br />
gilt natürlich leider weniger für die<br />
Provinz als für die Stadt, denn jedes<br />
GPK-Konzept benötigt eine gewisse<br />
Frequenz – aber auch auf dem Land<br />
gibt es einige Erfolgskonzepte.<br />
3Wie bewerten Sie den Anbietermarkt?<br />
Dort hat ja mit Fiskars, Zwilling, SEB<br />
und WMF eine große Konzentration Einzug<br />
gehalten.<br />
nerschaften und auch persönliche<br />
Freundschaften entstanden, die ich<br />
nicht mehr missen möchte. Es ist<br />
auch nicht selbstverständlich, wie<br />
konstruktiv Handel und Industrie<br />
hier zusammenarbeiten. Es ist<br />
schon eine Freude, in dieser Branche<br />
zu gestalten, zumal wir auch<br />
noch das Glück haben, dass wir uns<br />
tagtäglich mit schönen Produkten<br />
beschäftigen dürfen.<br />
5Werden Sie den Verbänden auch zukünftig<br />
als Vorstand erhalten bleiben?<br />
Markus Kepka: Ja! Auch bei Wüsthof<br />
werde ich meine Verbandsarbeit<br />
fortsetzen können. Die Gesellschafter<br />
haben selbst großes Interesse an der<br />
Arbeit in den Verbänden. So ist etwa<br />
Harald Wüsthof im Präsidium des<br />
deutschen Markenverbands und<br />
natürlich im IVSH. Wir glauben an<br />
die Verbände und die Informationen<br />
und das Wissen, welches wir aus<br />
dem Austausch gewinnen. Auch<br />
werde ich mit meiner Unternehmerberatung<br />
Experat weiterhin<br />
meine Beirats- und Beratungsmandate<br />
ausüben dürfen, in denen ich<br />
Unternehmer und Geschäftsführer<br />
der GPK- und Möbelindustrie berate<br />
oder als Beirat begleite.<br />
6Sie werden ab dem 1. Juli bei Wüsthof<br />
im Einsatz sein. Warum hat Sie diese<br />
Position gereizt?<br />
Markus Kepka: Aus mehreren Gründen.<br />
Zum einen ist Wüsthof ein<br />
Familienunternehmen und die Inhaber<br />
haben die Firma stets mit<br />
Sachverstand und Geschick geführt.<br />
Wüsthof ist als Marke eine wirkliche<br />
Perle, weil das Unternehmen<br />
es verstanden hat, den Versuchungen<br />
des Marktes zu widerstehen. Es<br />
ist der einzige deutsche Premium-<br />
Messerhersteller, der ausschließlich<br />
in Solingen produziert, konsequent<br />
im Premium-Bereich agiert und bei<br />
der Auswahl der Handelspartner<br />
selektiv vorgeht.<br />
Zudem ist Wüsthof sehr erfolgreich<br />
im Exportgeschäft – ins -<br />
besondere in den USA und Asien,<br />
aber auch den europäischen Kernmärkten.<br />
Hier reizt mich die Aufgabe,<br />
diese und andere Märkte<br />
weiterzuentwickeln. Mit Fissler<br />
haben wir ja insbesondere in Asien<br />
Markus Kepka: Ich glaube, dass die<br />
genannten Gruppen bei Gelegenheit<br />
weiter dazukaufen werden. Allerdings<br />
glaube ich auch, dass sich<br />
vorerst keine weitere derart große<br />
Gruppierung formieren wird. Zumal<br />
auch kartellrechtlich der Handlungsrahmen<br />
allmählich enger wird.<br />
Ich glaube vielmehr – wahrscheinlich<br />
auch geprägt durch<br />
meine Gremienarbeit im EVL –, dass<br />
das Angebot bunter und vielseitiger<br />
werden wird. Denn in Zeiten der<br />
Globalisierung strömen neue Waren<br />
und Marken von anderen Konti -<br />
nenten auf den deutschen Markt.<br />
Insbesondere aus Asien kommen<br />
zunehmend weniger Billigprodukte<br />
und dafür mehr kreative Markenprodukte.<br />
Kaum zu glauben, aber<br />
wunderbare Wahrheit.<br />
4Sie waren auch schon in anderen<br />
Branchen aktiv – beispielsweise in<br />
der Food- und Getränkebranche. Warum<br />
sind Sie dem GPK-Sektor treu geblieben?<br />
Markus Kepka: Ganz ehrlich? Die<br />
GPK-Branche ist mir einfach ans<br />
Herz gewachsen! Ich hatte nach<br />
meiner Zeit bei Fissler auch gleich<br />
ein sehr verlockendes Angebot aus<br />
der Lebensmittelindustrie, aber die<br />
GPK-Branche ist nun mal meine<br />
Heimat geworden. Ich habe in meiner<br />
Zeit bei Leifheit und bei Fissler<br />
einen Erfahrungsschatz aufgebaut,<br />
der einen Mehrwert hat. Außerdem<br />
schätze ich sehr, dass es durch die<br />
mittelständische Struktur der GPK-<br />
Industrie nach wie vor einen ungeheuren<br />
Gestaltungsspielraum sowohl<br />
auf Hersteller- als auch auf<br />
Handelsseite gibt. Das ist in anderen<br />
Industrien längst nicht mehr der<br />
Fall. Denken Sie an die Lebensmittelbranche,<br />
wo sich Kolosse aus<br />
Industrie und Handel gegenüberstehen.<br />
Dort werden wenige Entscheidungen<br />
mit weitreichenden<br />
Folgen getroffen. Bei uns werden<br />
viele kleine Entscheidungen getroffen,<br />
die vielleicht weniger Wirkung<br />
entfalten, aber dem Management<br />
deutlich mehr Gestaltungsspielraum<br />
bieten.<br />
Last, not least hat mich das persönliche<br />
Netzwerk in der Branche<br />
gehalten. Im Laufe der letzten zwölf<br />
Jahre sind viele geschäftliche Partsehr<br />
großen Erfolg gehabt. Meine<br />
dort gewonnenen Erfahrungen im<br />
Premium-Segment werden mir in<br />
meiner neuen Aufgabe sicher sehr<br />
nützlich sein.<br />
Die wohl größte Aufgabe wird<br />
aber darin bestehen, die Marke stärker<br />
zu emotionalisieren. In diesem<br />
Punkt war Wüsthof bisher eher<br />
zurückhaltend und hat sich in der<br />
Kommunikation überwiegend auf<br />
die hervorragende Messerqualität<br />
konzentriert. Aber wie immer:<br />
Genau solch eine Aufgabe macht<br />
mir einfach Spaß.<br />
7Welche Rolle spielt in Ihren Plänen<br />
der Möbelhandel als Vertriebskanal?<br />
Markus Kepka: Der Möbelhandel<br />
wird – soweit ich bisher weiß –<br />
von Wüsthof bislang nicht oder nur<br />
sehr ausgewählt bedient. Wer aber<br />
bestimmte Bedingungen akzeptiert,<br />
mit dem kann ich mir durchaus<br />
vorstellen, ins Geschäft zu kommen.<br />
Dabei geht es um bestimmte<br />
Ansprüche an das Präsentations -<br />
niveau, an die Beratungsqualität<br />
und an den Willen des Händlers,<br />
echte Messerkompetenz zu zeigen.<br />
Wer diese Voraussetzungen erfüllt,<br />
dem werden bei mir alle Türen für<br />
Gespräche offen stehen.<br />
8Was wird für Sie bei Wüsthof anders<br />
sein als bei Ihren Stationen Fissler<br />
oder Leifheit?<br />
Markus Kepka: Die Marke ist unbefleckt.<br />
Sie ist sauber positioniert<br />
und kann ohne Reparaturarbeiten<br />
weiterentwickelt werden. Das ist<br />
anders als bei meinen bisherigen<br />
Stationen. Auch ist Wüsthof sehr<br />
viel eindeutiger im Premium -<br />
Segment positioniert als die etwas<br />
größeren Generalisten Leifheit<br />
und Fissler.<br />
Außerdem wird die enge operative<br />
Zusammenarbeit mit den<br />
Gesellschaftern, die etwas von den<br />
Märkten verstehen und insbesondere<br />
die Ländersehr gut kennen, in<br />
denen Wüsthof vertreten ist, neu<br />
für mich sein. Auf unseren gemeinsamen<br />
Gestaltungswillen freue ich<br />
mich sehr.<br />
SASCHA TAPKEN<br />
www.wuesthof.com<br />
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