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mk02/18

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1Herr Kepka, nach Ihrem Weggang bei<br />

Fissler haben Sie jetzt anderthalb<br />

Jahre eine operative Auszeit gehabt. Wie<br />

haben Sie diese genutzt?<br />

Markus Kepka: In dieser Zeit habe<br />

ich sehr intensiv meine unterschiedlichen<br />

Beirats- und Vorstandsfunktionen<br />

ausgeübt – etwa<br />

meine Mandate im Markenverband,<br />

dem Schneidwarenverband IVSH,<br />

oder beim EVL.<br />

Darüber hinaus habe ich mir international<br />

sehr viele Stores und<br />

interessante Handelskonzepte angeschaut,<br />

um Ideen für unsere<br />

Branche zu gewinnen.<br />

2Sind Sie dabei auch zu einer Bestandsaufnahme<br />

der Branche insgesamt<br />

gekommen?<br />

Markus Kepka: Die GPK-Branche in<br />

Deutschland ist nach meiner Beobachtung<br />

stark bedroht. Die Händler<br />

halten oftmals an der längst überholten<br />

Vergangenheit des Absatzmittlers<br />

und alten Erfolgsrezepten<br />

fest. Viele können nur deshalb noch<br />

am Markt bestehen, weil ihnen die<br />

Immobilien selbst gehören und sie<br />

keine Miete zahlen müssen. Das<br />

spricht aber sicher nicht für ein<br />

nachhaltiges Geschäftsmodell.<br />

Andererseits habe ich auch viele<br />

GPKler kennengelernt, die ganz<br />

neue Konzepte ausprobieren. Denken<br />

Sie nur an die vielen wunderbaren<br />

Kaffeeröstereien, die nicht<br />

nur Kaffee vermarkten, oder an<br />

Food- und Lifestyle-Konzepte wie<br />

das Kochhaus. Wenn ich GPK-<br />

Händler wäre, hätte ich schon<br />

längst eine Kaffeerösterei oder ein<br />

Prosecco-Lunch-Restaurant bei mir<br />

im Haus eingerichtet. Oder eine<br />

Kochschule? Leute, bewegt euch!<br />

Es gibt viele frische Ansätze und<br />

eine junge Unternehmergeneration,<br />

die ihre Handelshäuser als<br />

Points of Inspiration inszeniert. Das<br />

gilt natürlich leider weniger für die<br />

Provinz als für die Stadt, denn jedes<br />

GPK-Konzept benötigt eine gewisse<br />

Frequenz – aber auch auf dem Land<br />

gibt es einige Erfolgskonzepte.<br />

3Wie bewerten Sie den Anbietermarkt?<br />

Dort hat ja mit Fiskars, Zwilling, SEB<br />

und WMF eine große Konzentration Einzug<br />

gehalten.<br />

nerschaften und auch persönliche<br />

Freundschaften entstanden, die ich<br />

nicht mehr missen möchte. Es ist<br />

auch nicht selbstverständlich, wie<br />

konstruktiv Handel und Industrie<br />

hier zusammenarbeiten. Es ist<br />

schon eine Freude, in dieser Branche<br />

zu gestalten, zumal wir auch<br />

noch das Glück haben, dass wir uns<br />

tagtäglich mit schönen Produkten<br />

beschäftigen dürfen.<br />

5Werden Sie den Verbänden auch zukünftig<br />

als Vorstand erhalten bleiben?<br />

Markus Kepka: Ja! Auch bei Wüsthof<br />

werde ich meine Verbandsarbeit<br />

fortsetzen können. Die Gesellschafter<br />

haben selbst großes Interesse an der<br />

Arbeit in den Verbänden. So ist etwa<br />

Harald Wüsthof im Präsidium des<br />

deutschen Markenverbands und<br />

natürlich im IVSH. Wir glauben an<br />

die Verbände und die Informationen<br />

und das Wissen, welches wir aus<br />

dem Austausch gewinnen. Auch<br />

werde ich mit meiner Unternehmerberatung<br />

Experat weiterhin<br />

meine Beirats- und Beratungsmandate<br />

ausüben dürfen, in denen ich<br />

Unternehmer und Geschäftsführer<br />

der GPK- und Möbelindustrie berate<br />

oder als Beirat begleite.<br />

6Sie werden ab dem 1. Juli bei Wüsthof<br />

im Einsatz sein. Warum hat Sie diese<br />

Position gereizt?<br />

Markus Kepka: Aus mehreren Gründen.<br />

Zum einen ist Wüsthof ein<br />

Familienunternehmen und die Inhaber<br />

haben die Firma stets mit<br />

Sachverstand und Geschick geführt.<br />

Wüsthof ist als Marke eine wirkliche<br />

Perle, weil das Unternehmen<br />

es verstanden hat, den Versuchungen<br />

des Marktes zu widerstehen. Es<br />

ist der einzige deutsche Premium-<br />

Messerhersteller, der ausschließlich<br />

in Solingen produziert, konsequent<br />

im Premium-Bereich agiert und bei<br />

der Auswahl der Handelspartner<br />

selektiv vorgeht.<br />

Zudem ist Wüsthof sehr erfolgreich<br />

im Exportgeschäft – ins -<br />

besondere in den USA und Asien,<br />

aber auch den europäischen Kernmärkten.<br />

Hier reizt mich die Aufgabe,<br />

diese und andere Märkte<br />

weiterzuentwickeln. Mit Fissler<br />

haben wir ja insbesondere in Asien<br />

Markus Kepka: Ich glaube, dass die<br />

genannten Gruppen bei Gelegenheit<br />

weiter dazukaufen werden. Allerdings<br />

glaube ich auch, dass sich<br />

vorerst keine weitere derart große<br />

Gruppierung formieren wird. Zumal<br />

auch kartellrechtlich der Handlungsrahmen<br />

allmählich enger wird.<br />

Ich glaube vielmehr – wahrscheinlich<br />

auch geprägt durch<br />

meine Gremienarbeit im EVL –, dass<br />

das Angebot bunter und vielseitiger<br />

werden wird. Denn in Zeiten der<br />

Globalisierung strömen neue Waren<br />

und Marken von anderen Konti -<br />

nenten auf den deutschen Markt.<br />

Insbesondere aus Asien kommen<br />

zunehmend weniger Billigprodukte<br />

und dafür mehr kreative Markenprodukte.<br />

Kaum zu glauben, aber<br />

wunderbare Wahrheit.<br />

4Sie waren auch schon in anderen<br />

Branchen aktiv – beispielsweise in<br />

der Food- und Getränkebranche. Warum<br />

sind Sie dem GPK-Sektor treu geblieben?<br />

Markus Kepka: Ganz ehrlich? Die<br />

GPK-Branche ist mir einfach ans<br />

Herz gewachsen! Ich hatte nach<br />

meiner Zeit bei Fissler auch gleich<br />

ein sehr verlockendes Angebot aus<br />

der Lebensmittelindustrie, aber die<br />

GPK-Branche ist nun mal meine<br />

Heimat geworden. Ich habe in meiner<br />

Zeit bei Leifheit und bei Fissler<br />

einen Erfahrungsschatz aufgebaut,<br />

der einen Mehrwert hat. Außerdem<br />

schätze ich sehr, dass es durch die<br />

mittelständische Struktur der GPK-<br />

Industrie nach wie vor einen ungeheuren<br />

Gestaltungsspielraum sowohl<br />

auf Hersteller- als auch auf<br />

Handelsseite gibt. Das ist in anderen<br />

Industrien längst nicht mehr der<br />

Fall. Denken Sie an die Lebensmittelbranche,<br />

wo sich Kolosse aus<br />

Industrie und Handel gegenüberstehen.<br />

Dort werden wenige Entscheidungen<br />

mit weitreichenden<br />

Folgen getroffen. Bei uns werden<br />

viele kleine Entscheidungen getroffen,<br />

die vielleicht weniger Wirkung<br />

entfalten, aber dem Management<br />

deutlich mehr Gestaltungsspielraum<br />

bieten.<br />

Last, not least hat mich das persönliche<br />

Netzwerk in der Branche<br />

gehalten. Im Laufe der letzten zwölf<br />

Jahre sind viele geschäftliche Partsehr<br />

großen Erfolg gehabt. Meine<br />

dort gewonnenen Erfahrungen im<br />

Premium-Segment werden mir in<br />

meiner neuen Aufgabe sicher sehr<br />

nützlich sein.<br />

Die wohl größte Aufgabe wird<br />

aber darin bestehen, die Marke stärker<br />

zu emotionalisieren. In diesem<br />

Punkt war Wüsthof bisher eher<br />

zurückhaltend und hat sich in der<br />

Kommunikation überwiegend auf<br />

die hervorragende Messerqualität<br />

konzentriert. Aber wie immer:<br />

Genau solch eine Aufgabe macht<br />

mir einfach Spaß.<br />

7Welche Rolle spielt in Ihren Plänen<br />

der Möbelhandel als Vertriebskanal?<br />

Markus Kepka: Der Möbelhandel<br />

wird – soweit ich bisher weiß –<br />

von Wüsthof bislang nicht oder nur<br />

sehr ausgewählt bedient. Wer aber<br />

bestimmte Bedingungen akzeptiert,<br />

mit dem kann ich mir durchaus<br />

vorstellen, ins Geschäft zu kommen.<br />

Dabei geht es um bestimmte<br />

Ansprüche an das Präsentations -<br />

niveau, an die Beratungsqualität<br />

und an den Willen des Händlers,<br />

echte Messerkompetenz zu zeigen.<br />

Wer diese Voraussetzungen erfüllt,<br />

dem werden bei mir alle Türen für<br />

Gespräche offen stehen.<br />

8Was wird für Sie bei Wüsthof anders<br />

sein als bei Ihren Stationen Fissler<br />

oder Leifheit?<br />

Markus Kepka: Die Marke ist unbefleckt.<br />

Sie ist sauber positioniert<br />

und kann ohne Reparaturarbeiten<br />

weiterentwickelt werden. Das ist<br />

anders als bei meinen bisherigen<br />

Stationen. Auch ist Wüsthof sehr<br />

viel eindeutiger im Premium -<br />

Segment positioniert als die etwas<br />

größeren Generalisten Leifheit<br />

und Fissler.<br />

Außerdem wird die enge operative<br />

Zusammenarbeit mit den<br />

Gesellschaftern, die etwas von den<br />

Märkten verstehen und insbesondere<br />

die Ländersehr gut kennen, in<br />

denen Wüsthof vertreten ist, neu<br />

für mich sein. Auf unseren gemeinsamen<br />

Gestaltungswillen freue ich<br />

mich sehr.<br />

SASCHA TAPKEN<br />

www.wuesthof.com<br />

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