2018/09 - unternehmen [!]

suedwest.presse

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 61 | März 2018 | 3,00 €

4 197821 303000 6 1

Gesundheit ist

ihr Geschäft

Firmen kümmern sich zu wenig ums Wohlergehen

ihrer Mitarbeiter, warnt Dagmar Stange-Pfalz,

Vorstand der BKK Verbund Plus – und bietet Hilfe an.

Handwerk Nach Schicksalsschlag Firmenchefin wider Willen SEITE 32

Finanzen Warum es sich lohnt, Mitarbeiter zu beteiligen SEITE 38

Umfrage Wie Führungskräfte fit und am Ball bleiben SEITE 44


Überblick

ist einfach.

Weil die Sparkasse individuelle

Lösungen für einen

effizienten Zahlungsverkehr

im In- und Ausland bietet.

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Göppingen


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

Frühling 2018 – alles ist wie gehabt. Fast

möchte man meinen, die Unternehmen zwischen

Neckar und Bodensee ächzten unter

der Vollauslastung. Die lange Boomphase

hat aber auch Kehrseiten. Eine davon: Firmen

sind zu sehr mit dem Abarbeiten von

Aufträgen beschäftigt, sagt Dagmar Stange-

Pfalz, Vorstand der BKK Verbund Plus im

Titelinterview (Seite 10). Angesichts älter

werdender Belegschaften und des Fachkräftemangels

müssen die Betriebe ihrer

Meinung nach mehr in die Gesundheit ihrer

Mitarbeiter investieren. Wie berührend

Wirtschaft sein kann, zeigt die Geschichte

von Barbara Küpper, die nach dem Unfalltod

ihres Mannes die Leitung des Dachdeckerbetriebs

übernommen hat (Seite 32). Falls

Sie sich gute Vorsätze fürs Frühjahr vorgenommen

haben, in unserer Umfrage (Seite

44) verraten Führungskräfte, wie sie fit bleiben.

Ich wünsche Ihnen anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein

[spezial]

6 Diagnose: Akku leer Warum man nicht

alles der Karriere opfern sollte

27 Die Formel für Innovation

Der 19. Unternehmertag in Ulm

[titelthema]

10 Gesunde Mitarbeiter sind ihr Kapital

Dagmar Stange-Pfalz im Gespräch

[gründen]

22 Blech ist seine Welt Adrian Raidt aus

Stuttgart schafft in rostigem Ambiente

eine neue Metall-Ära

[machen]

24 High-Tech für mobile Daten ACD aus

Achstetten hilft bei der Vernetzung

36 Hochglanz-Rendite mit Dekor-Druck

Fast jeder Haushalt steht auf Surteco

[verantworten]

32 Eine Geschichte vom Weitermachen

Babara Küpper aus Salach meistert eine

schwierige Zeit

[finanzieren]

38 Mein Geld, meine Firma und ich

Warum Mittelständler ihre Mitarbeiter

am Unternehmen beteiligen sollten

[führen]

42 Talente für die eigene Firma Über

Werkstudenten-Jobs kommen Betriebe

an qualifizierte Nachwuchskräfte

[leben]

44 Immer am Ball Führungskräfte und

Sport

48 Gala-Abend zum Genießen

Der Neujahrsempfang der SÜDWEST

PRESSE

[namen & nachrichten]

4 Ulm wird zum digitalen Zentrum

4 11.000 Euro für jeden

Liqui-Moly-Mitarbeiter

5 Teva macht 13,3 Milliarden Euro

Verlust

20 Neuheit im Rettungswesen

aus Günzburg

26 Gemüseanbau ohne Erde

50 Mit Euro-5-Norm über die Piste

50 Impressum

36 38

06 22

32

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Ulm wird zum digitalen Zentrum

Die Verantwortlichen zwischen

Ulm und Biberach freuen sich.

Eines von zehn neuen Digitalzentren

in Baden-Württemberg soll

hier entstehen. Diese Zentren sollen

die technologische Kooperation

zwischen Start-ups und Unternehmen

fördern. Einer Studie

zufolge steht Baden-Württemberg

zwar bei dem Thema etwas

besser da als der Bundesdurchschnitt

– allerdings liegt das vor

allem an den großen Unternehmen

im Südwesten. Das Land investiert

insgesamt 10 Millionen

Euro. „Wir wollen als Standort

auch in der Fläche attraktiv bleiben“,

sagt Wirtschaftsministerin

Nicole Hoffmeister-Kraut.

Ulm gilt ohnehin als digitaler

Hotspot, zum einen wegen des

hochgradig digital affinen Oberbürgermeisters

Gunter Czisch,

zum anderen wegen der Unternehmer-Initiative

Ulm digital.

Deren Vorsitzender Heribert Fritz

freut sich, dass „wir mit unserem

Fachwissen das Projekt anstoßen

konnten“. Fritz lobt auch das Zusammenspiel

der 23 Akteure in

der Region. Dazu gehören neben

den Städten, den Landkreisen,

der Handwerkskammer und der

IHK auch die Hochschulen. Sie

waren mit dem Slogan „43.000

Unternehmen. 500.000 Einwohner.

Eine Anlaufstelle für Digitalisierungsfragen“

erfolgreich.

IHK-Hauptgeschäftsführer Otto

Sälzle rechnet damit, dass den eigenen

Investitionen von 1,2 Millionen

Euro rund 800.000 Euro

aus dem Topf des Wirtschaftsministeriums

gegebenüberstehen

werden. Im Zuge der Zusammenarbeit

soll das sogenannte Verschwörhaus

in Ulm, das schon

heute Treffpunkt für digital Interessierte

ist, ausgebaut werden.

Neben dieser Zentrale entstehen

in Ehingen und Riedlingen weitere

Standorte und ein Kompetenzzentrum

für Building Information

Modeling an der Hochschule

Biberach, die eng vernetzt zusammenarbeiten

sollen. [!] AMB

Schon heute ist das „Verschwörhaus“ Treffpunkt für digital Interessierte,

auch für Seminare zum Ulmer Niederfrequenz-Netzwerk.

11.000 Euro für jeden Liqui-Moly-Mitarbeiter

Der Ulmer Unternehmer Ernst

Prost macht Schlagzeilen. Weniger

wegen seines rasant wachsenden

Schmierstoff-Unternehmens,

sondern wegen seiner

sozialen Einstellung. Für das vergangene

Jahr, das Liqui Moly mit

einem Rekordumsatz von rund

532 Millionen und einem Gewinn

vor Steuern von 52 Millionen

Euro abgeschlossen hat, haben

die 835 Mitarbeiter in Ulm

und Saarlouis eine Sonderzahlung

von 11.000 Euro erhalten.

„Weil nicht nur ich, sondern die

ganze Mannschaft hart gearbeitet,

gut gewirtschaftet und deshalb

einen herausragenden

Mannschaftserfolg produziert

hat, kommt jetzt die Zeit, um – salopp

formuliert – die ‚fette Beute’

zu verteilen“, schrieb Prost in einer

Pressemitteilung. Die ursprünglich

angesetzte Pressekonferenz

hatte das Unternehmen

abgesagt. Auch schon vor diesen

Zeigt sich großzügig: Geschäftsführer Ernst Prost.

Geschäftszahlen hatte Prost für

Aufsehen gesorgt. Die Meldung,

wonach die Würth-Gruppe Liqui

Moly übernimmt, war der erste

Teil der Überraschung, der zweite

war, dass das Künzelsauer Großunternehmen

seit 19 Jahren stiller

Teilhaber bei Liqui Moly war

und stolze 66 Prozent der Anteile

hielt. Prost will nach seinen Worten

mit dem Verkauf seines

33-Prozent-Anteils die Zukunft

des Unternehmens und die Arbeitsplätze

sichern, bleibt aber

angestellter Geschäftsführer. Aus

dem Verkaufserlös spendet er

vier Millionen Euro an seine zwei

privaten Stiftungen: Drei Millionen

Euro fließen an die Ernst-

Prost-Stiftung, eine Million an

die Ernst-Prost-Foundation for

Africa. Er betreibt die Stiftungen

für in Not geratene Menschen

mit seinem Sohn Benjamin Orschulik

und seiner Lebensgefährtin

Kerstin Thiele. [!] KÖ/AMB

4


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[namen & nachrichten]

Teva macht 13,3 Milliarden Euro Verlust

„Verlust höher als der Umsatz“ –

Überschriften wie diese waren

während der Ära der New Economy

in Wirtschaftszeitungen

gang und gäbe. Dass dies einmal

beinahe auf den weltgrößten Generika-Hersteller

Teva zutreffen

würde, hätte bis vor kurzem niemand

für möglich gehalten.

Doch die Ratiopharm-Muttergesellschaft

aus Israel hat im vergangenen

Jahr 22,4 Mrd. Dollar

(18,3 Milliarden Euro) erwirtschaftet

und einen Verlust von

16,3 Milliarden Dollar (13,3 Milliarden

Euro) ausgewiesen. Weltweit

streicht der Konzern nun bis

zu 14.000 von 53.000 Stellen.

Hintergrund ist der teure Einkauf

des Generikageschäfts des Konkurrenten

Actavis, hohe Abschreibungen

auf das Generika-

Geschäft und das Auslaufen des

Patentschutzes für das Medikament

Copaxone in den USA. Die

Einschnitte des hoch verschuldeten

Pharmariesen treffen auch

Teva-Deutschland, obwohl das

Geschäft hier gut läuft. Der

Standort Berlin, zuständig für

Vertrieb und Vermarktung von

patentgeschützter Arznei sowie

der Spezialpräparate, wird geschlossen.

80 der 100 Mitarbeiter

sollen nach Ulm umziehen. Dort

verhandelt die Geschäftsführung

mit dem Betriebsrat über den Abbau

von rund 250 Stellen, auch in

IT und Forschung. Am Bau einer

500 Millionen Euro teuren Biotech-Anlage

in Ulm hält Teva jedoch

fest. [!]

AMB

Der Teva-Sparkurs trifft auch den Standort Ulm.

Umzug nach

Stockholm

Diesen Umzug hat sich Gardena-

Chef Sascha Menges selbst eingebrockt.

14 Jahre lang war der gebürtige

Haunstettener (bei

Augsburg) überaus erfolgreich in

Ulm für Gardena tätig, zuletzt leitete

er fünf Jahre die Husqvarna-

Tochter. Jetzt

ereilte ihn der

Ruf aus

Schweden.

Der studierte

Wirtschaftsingenieur

leitet

nun in der

Chefwechsel: Pär Konzernzentrale

Stock-

Åström löst Sascha

Menges ab. holm die

Husquarna-

Division, die die Hälfte des Konzernumsatzes

erwirtschaftet.

Sein Nachfolger wird Pär Åström.

Der 45-jährige war bisher Vorstandsmitglied

für die Geschäftsentwicklung

und Strategie der

Gruppe. [!]

AMB

Felix Braun

rückt auf

Mehr als vier Jahrzehnte hat Albrecht

Braun das gleichnamige

Amstettener Familienunternehmen

geprägt. Nun zieht sich der

67-Jährige zurück. Sein Sohn Felix

(31), der vor einem Jahr zunächst

die Vertriebsleitung übernommen

hatte, rückt

in die Geschäftsführung

auf. Der

Wirtschaftsingenieur

führt den

Steinehersteller

nun gemeinsam

mit

seinem On-

Führt den Steinehersteller:

Felix

Braun.

kel, dem langjährigen Geschäftsführer

Wilfried Braun (55). Die

Braun-Steine GmbH, die den

Fachhandel beliefert, beschäftigt

107 Mitarbeiter, davon 82 in

Amstetten und 25 an ihrem zweiten

Standort in Tübingen. [!]REF

Sorgen trotz

traumhafter Konjunktur

Das Handwerk zwischen Ostalb

und dem Bodensee steht unter

Volldampf. Etwa zwei Drittel der

Betriebe sind ausgelastet, sagt Joachim

Krimmer, Präsident der

Handwerkskammer Ulm. In Folge

erhöhen viele Betriebe auch

ihre Preise. Trotz der zuletzt um

zwei Prozent auf 3075 gestiegenen

Zahl neuer Lehrlinge macht

sich Krimmer Sorgen. Laut einer

Studie kann der zweitstärkste

Wirtschaftszweig – kammerweit

mit 13 Milliarden Euro Umsatz –

zwei Drittel der Mitarbeiter nicht

halten. Daher baut die Kammer

ein Zentrum für Fachkräfte mit

Personalberatern auf. [!] KÖ

Südwesten vorbildlich

in Sachen Integration

In Südwest-Betrieben arbeiten 22

Prozent aller in Deutschland beschäftigten

ausländischen Staatsangehörigen.

Damit ist ihr Anteil

im Deutschlandvergleich weit

überdurchschnittlich. Das ergibt

eine Studie des Instituts für Angewandte

Wirtschaftsforschung

(Tübingen). Auch in Sachen Integration

ist der Südwesten vorbildlich.

Vor allem große Betriebe

bieten häufiger Praktika, Trainee-

Stellen und Ausbildungsplätze

für Ausländer als Firmen im Rest

der Republik. Sie beschäftigen

auch überdurchschnittlich viele

Langzeitarbeitslose, vor allem

weil sie laut IAW diesen Menschen

die Chance eines persönlichen

Gesprächs geben. [!] AMB

5


[spezial] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Totale Erschöpfung: 60 Millionen

Fehltage pro Jahr gehen

auf psychische Belastungen

zurück.

Illustration: © Mary Valery/shutterstock.com

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unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[spezial]

Diagnose: Akku leer

Müde, erschöpft, ausgebrannt: In Deutschland arbeiten Millionen Menschen mehr als ihnen gut tut. Erst

gewöhnen sie sich an den höheren Stresslevel, dann brechen sie erschöpft zusammen – wie der 34-jährige

Familienvater Martin K. Doch das lässt sich vermeiden.

Martin K. (Name von der Redaktion geändert) führt ein Leben

auf der Überholspur – zumindest auf den ersten Blick.

Der 34-Jährige hat schnell Karriere gemacht. Nach seiner

Ausbildung in einem mittelständischen Unternehmen

wird er erst Team-, dann Abteilungsleiter. Auch die Azubis nimmt er

unter seine Fittiche. Es läuft super, auch privat. Seine langjährige

Freundin heiratet er 2010 und nur ein Jahr später wird er Papa einer

Tochter. 2013 folgt das nächste Highlight: die Geburt seines zweiten

Kindes – ein Sohn.

Martin K. ist ein Tausendsassa. Daheim auf dem Sofa rumsitzen, gibt

es für ihn nicht. So organisiert er neben seiner Arbeit im Schichtbetrieb

in seiner Freizeit Ausfahrten zu Musikevents und tritt auch selbst

als Alleinunterhalter auf. Als er 2015 von der Geschäftsführung die

Chance erhält, den Aufbau eines weiteren Firmenstandorts in Österreich

zu begleiten und federführend an der Entwicklung eines neuen

Vertriebssystems mitzuwirken, fühlt er sich „unbesiegbar“, wie er sagt.

Er will diese Chance nutzen und arbeitet fortan 65 Stunden die Woche.

DIE MANGELNDE WERTSCHÄTZUNG KRÄNKT IHN

Der Anfang vom Ende, wie sich herausstellen sollte. Da er nur noch

jedes zweite und manchmal auch nur jedes dritte Wochenende nach

Hause zu seiner Familie pendelt, beginnt es, in seiner Ehe zu kriseln.

Auch seine Freunde und seine Gesundheit vernachlässigt er zunehmend.

Für das Fitnessstudio – früher fast sein zweites Zuhause – bezahlt

er zwar weiterhin Beträge, von innen gesehen hat er es aber

schon fast ein Jahr nicht mehr.

Martin K. will viel, zu viel auf einmal. Er rennt mit mehreren Entwicklungsvorschlägen

bei der Geschäftsführung gegen die Wand: „Das

Schlimmste war, dass man sich wochenlang Gedanken zu einem Thema

gemacht, Präsentationen angefertigt hat und dann ein lapidares

‚Das funktioniert so nicht.‘ zurückbekam. Da gab es einfach keine

Wertschätzung mehr. Es zählte nur Umsatz, Umsatz, Umsatz und Gewinnmaximierung.“

Man hört ihm die Kränkung heute noch an.

Martin K. wuchs die Situation über den Kopf: „Ich fühlte mich, wie im

freien Fall und es gab keine Anzeichen, dass das irgendwann aufhört

oder es wieder aufwärts geht.“

Am 8. Mai 2017, ein Montag, konnte Martin K. morgens nicht mehr

aufstehen. Er war zu müde, zu erschöpft, zu ausgebrannt. Er schleppt

sich zu seinem Hausarzt und der drängt darauf, dass er sich zu einer

Behandlung in eine geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik

begibt.

Der Jobwechsel ins Ausland, die Entfernung zur Heimat mit Freunden

und Familie und dazu noch der ständige Druck auf der Arbeit. Das war

einfach zu viel. Martin K. hat inzwischen eine sechsmonatige stationäre

Therapie hinter sich. Seinen Job hat er verloren. Gemeinsam mit

seiner Frau und den beiden Kindern versucht

er nun, sein Leben neu zu ordnen.

Wie Martin K. leiden in Deutschland viele

Millionen Menschen an einem Burnout-

Syndrom. Einer Studie zufolge gehen in

Deutschland 60 Millionen Fehltage pro

Jahr auf psychische Belastungen zurück.

Dabei taucht der Begriff Burnout gar nicht

im Abrechnungskatalog der Krankenkassen

auf. Vielmehr beschreiben Ärzte und

Therapeuten damit einen psychischen und

körperlichen Erschöpfungszustand.

Kai-Uwe Dittmar, der Leitende Oberarzt

des medizinischen Leistungszentrums der

Klinik Alpenblick in Isny, sieht ein erhöhtes Risiko bei gewissen Berufsgruppen,

vor allem bei solchen Menschen, die in helfenden Bereichen

arbeiten, wie Psychologen, Ärzte, Lehrer, Sozialarbeiter, aber

beispielsweise auch Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit. Doch

vor der psychischen Erschöpfung und inneren Leere ist niemand gefeit,

sagt der Facharzt für Innere Medizin, Psychotherapeut und Psychoonkologe:

Jeder könne einen Burnout bekommen. „Dafür gibt es

keine genetische Grundlage. Es ist ein sozioökonomisches Problem in

Deutschland und Europa, dass viele Menschen aufgrund der Arbeitsverdichtung

und des Termindrucks schneller arbeiten müssen und

keine Möglichkeit haben gegenzusteuern“, erklärt Dittmar.

Der Fall von Martin K. ist ein Beispiel dafür,

wie die Spirale nach unten geht: „Je höher

die Ziele, umso mehr Energie muss ich aufwenden,

um sie zu erreichen. Das fällt immer

schwerer“, sagt Norbert Hüge, Vorsitzender

des Deutschen Bundesverbands für

Burnout-Prophylaxe und Prävention

(DBVB). Zunächst gewöhnen sich Menschen

an die höhere Belastung und stellen

sich auf den höheren Stresslevel ein. Doch

Dr. Kai-Uwe Dittmar,

Klinik Alpenblick in Isny.

Norbert Hüge, Vorsitzender

des Verbands DBVB.

auf Dauer lösen hohes Arbeitsvolumen,

Zeitdruck, paralleles Arbeiten an mehreren

Aufgaben und ständige Erreichbarkeit

chronischen Stress aus. Zur totalen körperlichen

und geistigen Erschöpfung kommt es, wenn ein Arbeitnehmer

nicht abschalten und sich in seiner Freizeit nicht mehr erholen kann.

7


[rubrik] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Illustration: © erhui1979/DigitalVision Vectors/Getty Images

Wer die Signale seines Körpers zu lange missachtet, fühlt sich wie im freien Fall und verliert die Hoffnung, dass es wieder aufwärts geht.

Besteht ein Verdacht auf Burnout, ist der erste Ansprechpartner der

Hausarzt. Dieser überweist den Patienten weiter an einen Spezialisten,

üblicherweise an einen Psychologen, einen Psychiater oder einen Psychotherapeuten.

Diese gehen den Beschwerden auf den Grund. Sie

nutzen standardisierte Fragebögen, die oft auf dem Maslach Burnout

Inventory (MBI) basieren. Entscheidend ist, ob der Zustand die Kriterien

einer psychischen Erkrankung, zumeist einer Depression, erfüllt.

Diese müsste dann spezifisch behandelt werden. Wichtig ist auch,

dass der Arzt eventuelle körperliche Ursachen ausschließt, die für

Symptome wie ständige Müdigkeit verantwortlich sein könnten –

zum Beispiel chronische Infektionen, eine Tumorerkrankung oder

eine Schilddrüsenunterfunktion.

„INSELN“ SIND UNABDINGBAR

Der beste Schutz vor Burnout ist, wenn die Anforderungen am Arbeitsplatz

zu den Fähigkeiten und Möglichkeiten des Einzelnen passen.

„Entwickelt ein Mensch in einer ungünstigen

Konstellation chronische seelische

oder körperliche Symptome, sollte die aktuelle

Lebenssituation mit etwas Abstand,

gegebenenfalls mit Hilfe einer professionellen

Beratung und mit Fragen wie: Was

ist mir wirklich wichtig?, beleuchtet werden“,

sagt Eva Rothermund von der Klinik

für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

in Ulm. Ihr Kollege Harald

Eva Rothermund,

Uniklinik Ulm.

Gündel ergänzt: „Arbeitsbedingungen bergen

einerseits Möglichkeiten der Selbstwirksamkeitserfahrung,

andererseits auch

krankheitsauslösende Stressoren. Moderne

Arbeitszeitmodelle bedingen beispielsweise Flexibilität aber auch

die Aufgabe, sich in einer zunehmend entgrenzten Arbeitsumgebung

selbst zu begrenzen. Um gesund zu bleiben sind dabei ‚Inseln‘ unabdingbar,

also Tätigkeiten, mithilfe derer wir auftanken können.“ Wissenschaftlich

belegt sind hier vor allem gute Beziehungen zu anderen

Menschen.

„Wann es für den Einzelnen zu viel wird, hängt sowohl vom Ausmaß

sozialer Unterstützung, als auch von den individuellen Möglichkeiten,

selbst Einfluss auf die Arbeitsprozesse zu nehmen, ab. Auch hier

können gute Arbeitsbeziehungen den Stress ‚puffern‘. Beschäftigte

bemerken oft früh, dass sie aus der Balance geraten sind. Schlafstörungen,

zunehmende Anspannung und innere Unruhe sind Warnzeichen.

Dann ist es höchste Zeit, die eigene Situation mit einem Experten

für seelische Gesundheit zu überprüfen“, sagt Michael Hölzer von

der Sonnenbergklinik Stuttgart. [!]

MATTHIAS JEDELE

Anlaufstellen und

Fachleute in der Region

Die „Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb“ ist eine

Kooperation zwischen Fachleuten für seelische Gesundheit,

zum Beispiel der Sonnenbergklinik in Stuttgart oder der Universitätsklinik

für Psychosomatik in Ulm, und Unternehmen der

jeweiligen Region und deren Gesundheitsdiensten. Forschungsergebnisse

belegen, dass Beschäftige, vor allem Männer, die

sonst eher spät Hilfe suchen, dieses Angebot bei Frühwarnzeichen

nutzen. Mit dem Ziel, die seelische und körperliche Gesundheit

am Arbeitsplatz praxisnah weiter zu erforschen und

zu verbessern, wurde 2017 das Kompetenzzentrum für seelische

und körperliche Gesundheit am Arbeitsplatz (Leadership

Personality Center Ulm, LPCU) an der Universität Ulm gegründet.

Durch die Karl-Schlecht-Stiftung finanziert, ist die Einrichtung

eine Kooperation der Klinik für Psychosomatische Medizin

und Psychotherapie Ulm, der Sonnenbergklinik Stuttgart und

damit des ZfP Südwürttemberg.

MJ

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unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[titelthema]

Gesunde Mitarbeiter

sind ihr Kapital

Viele Unternehmen vernachlässigen das Betriebliche Gesundheitsmanagement.

Das wird sich rächen, sagt Dagmar Stange-Pfalz, Vorstand der BKK Verbund

Plus aus Biberach. Ein Gespräch über Fehler von Firmen, Möglichkeiten von

Big Data, altbackene Vorstellungen und weibliche Karrieren.

Warum gibt es so wenige Frauen in der ersten Führungsreihe?

Ich glaube das ist historisch bedingt. Noch immer gilt

für die Frau: Sie muss Familie und Beruf unter einen

Hut bekommen. Gerade in Baden-Württemberg und

Bayern war das in der Vergangenheit sehr schwierig.

Wie war das bei Ihnen?

Meine Tochter ist jetzt 16 Jahre alt. Mein Mann und ich

hatten uns entschieden, dass er Erziehungsurlaub

nimmt. Das war außergewöhnlich. Er arbeitete – damals

wie heute – in einem großen Unternehmen. Die

erste Aussage seines Chefs war: „Männer können keinen

Erziehungsurlaub machen.“ Und auf die Frage

nach Teilzeit während des Erziehungsurlaubes erhielt

er die Antwort „es gibt keine halben Köpfe“ . Es gab immer

wieder solche Situationen.

Zum Beispiel?

Unsere Suche nach einem Ganztages-Kindergarten

glich einem Spießrutenlauf. Da hat sich Gott sei Dank

in der Zwischenzeit Vieles getan. Als meine Tochter in

die Grundschule kam, war der Rektor felsenfest davon

überzeugt, dass man in Neu-Ulm keine Ganztagesbetreuung

braucht, weil die Mamas ja Zuhause sind.

Und diese altbackenen Vorstellungen wirken sich

heute noch aus?

Ob Mann oder Frau, Sie brauchen einfach eine gewisse

Zeit, um sich eine Führungsposition zu erarbeiten. Also

müssen wir zehn bis fünfzehn Jahre in die Vergangenheit

gehen, um zu ergründen, warum heute wenige

Frauen im Top-Management sitzen. Damals war es einfach

sehr schwierig, Familie und Fulltime-Job zu vereinbaren.

Haben Sie bei Ihrem beruflichen Aufstieg, auch einmal

die gläserne Decke gespürt?

Nein. Das war für mich nie ein Thema. Ich habe auch

den Eindruck, dass sich etwas ändert. Jahrelang war ich

eine der wenigen Frauen in den Vorstandskreisen, noch

dazu meist die jüngste. Das hat sich geändert, Vorstandkreise

sind weiblicher geworden. Deshalb glaube ich,

dass wir auf dem richtigen Weg sind und es einfach nur

noch ein paar Jahre dauert, bis die Veränderung sichtbar

wird.

Worauf kommt es dabei an?

Das A und O dafür ist eine hochwertige Kinderbetreuung.

Sonst wird die Zukunft nicht weiblicher. In der

ganzen Diskussion um Pflegekräfte und -heime kommt

mir die Kinderbetreuung manchmal zu kurz. Natürlich

ist das auch ein wichtiges Thema. Aber ohne gute

Kinderbetreuung wird sich der Fachkräftemangel

nicht beheben lassen. Ganz davon abgesehen, dass

Qualität in der Kinderbetreuung auch essentiell für die

Gesellschaft ist. Denn nur so werden Kids sozial kompetent

und bekommen alles mit auf den Weg, was sie

benötigen.

Was macht eigentlich die Vorstandschefin einer

Krankenkasse?

Extrem viel. Im Prinzip ist die BKK Verbund Plus ein

mittelständisches Unternehmen. Daher habe ich ein

sehr breites Aufgabenfeld. Das Spektrum reicht von der

Organisation, über die Analyse von Prozessen, Finanzen,

Kontakt zur Selbstverwaltung, bis hin zum einen

oder anderen Kontakt zu Versicherten.

Im Markt der Krankenkassen herrscht starker

Wettbewerb. Die Zahl der Kassen schrumpft seit

Zur Person

Ihre Selbstdisziplin

hat Dagmar Stange-

Pfalz (52) schon in ihrer

Zeit als Leistungsschwimmerin

beim

SSV Ulm gut gebrauchen

können. Heute

macht sie im dortigen

Sportzentrum lieber

Yoga und Gerätetraining.

Nach dem Abitur

absolvierte sie eine

Lehre zur

Sozialversicherungsfachangestellten

und

sattelte berufsbegleitend

die Krankenkassenbetriebswirtin

und

die VWA-Betriebswirtin

obendrauf. Seit 18

Jahren steht sie an

der Spitze einer Betriebskrankenkasse,

zunächst bei

Schwenk Zement.

Seit 2016 ist sie Alleinvorstand

der BKK

Verbund Plus. Sie ist

verheiratet, hat eine

Tochter (16), fährt

gerne Ski, wandert

und reist mit der Familie,

bevorzugt nach

Afrika.

AMB

Dagmar Stange-Pfalz leitet die BKK Verbund Plus, bei der 86.000 Menschen versichert sind. Fotos: Marc Hörger

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[titelthema] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Um für Versicherte attraktiv

zu sein, vertraut Kassen-Chefin

Dagmar Stange-Pfalz auf

Zusatzleistungen wie Osteopathie

und Zahnreinigung.

Jahren. Wie viele gesetzliche Krankenkassen wird

es in zehn Jahren noch geben?

Aktuell sind es 110 Kassen. Diese Zahl wird weiter sinken.

Die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmid

meinte einst, 30 bis 40 Kassen reichten aus. Ich schätze,

dass es sich bei 60 bis 65 Kassen einpendeln wird.

Wäre eine stärkere Konzentration nicht von Vorteil?

Nein, eine Konzentration bringt nicht nur Positives mit

sich. Der Service für Versicherte wird nicht besser,

wenn es nur noch 30 Kassen gibt. Das Gleiche gilt in

punkto Preisverhandlungen für Gesundheitsanbieter.

Getrieben durch den Wettbewerb haben die Kassen

sich in Sachen Service und neue Leistungsangebote extrem

nach vorne entwickelt. Bleiben nur noch 30 Kassen

übrig, ist der Konkurrenzdruck geringer.

Wie groß muss eine BKK sein, um wettbewerbsfähig

zu sein?

Die BKK Verbund Plus sollte mittelfristig an die 100.000

Mitglieder herankommen. Wettbewerb hängt aber

nicht nur von der Größe ab. Kleine Schnellboote, die

zackig reagieren, sind oft mindestens genauso wettbewerbsfest

wie große, schwerfällige Tanker. Ein großer

Faktor ist derzeit die Digitalisierung – die unheimlich

investitionsintensiv ist. Da ist Größe von Vorteil.

Wie viele Mitglieder haben sie momentan?

Über die vergangenen drei Jahre konnten wir ein stetiges

Wachstum verzeichnen. Im Januar 2015, als wir mit

der BKK Kassana fusioniert haben, waren es 80.000 Versicherte,

mittlerweile sind es 86.000.

Woher kommen die fehlenden Mitglieder, planen

Sie weitere Fusionen?

Für eine Fusion sind zwei Seiten entscheidend. Einmal

die harten, rechenbaren Faktoren: Struktur, Finanzund

Mitgliedsdaten, Räume, Geographie, etc. Die wesentlich

größere Rolle spielen aber Faktoren wie die

Unternehmenskultur, Philosophie oder Anschauung

der Mitarbeiter. Diese Bereiche sind maßgeblich für das

Vorankommen einer Krankenkasse, gleichzeitig lassen

sie sich im Voraus kaum einschätzen. Aktuell planen

wir keine Fusion. Die 100.000 Mitglieder können wir

aus meiner Sicht aus eigener Kraft erreichen.

Was macht Sie so zuversichtlich?

Wir gehören zu den wenigen Krankenkassen, die zu

Jahresbeginn ihren Beitragssatz gesenkt haben. Dieser

liegt bei 15,3 Prozent (14,6 Prozent plus 0,7 Prozent Zusatzbeitrag).

Wir versuchen immer, 0,3 Prozentpunkte

unter dem Durchschnitt zu bleiben. Vor allem aber heben

wir uns durch unsere vielen Zusatzleistungen von

der Konkurrenz ab.

Inwiefern?

Das Thema Zahngesundheit ist uns als Krankenkasse,

aber auch unseren Mitgliedern wichtig. Wir erstatten

beispielsweise die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung.

Sehr gerne nehmen unsere Versicherten

auch Reiseschutzimpfungen und osteopathische Behandlungen

in Anspruch, ebenso alle Angebote um

die Themen Schwangerschaft und Familienvorsorge.

Mir persönlich ist die Patientenbegleitung besonderswichtig.

Was heißt das konkret?

Das ist ein Service für schwer erkrankte Versicherte.

Dazu bilden wir mit der Hochschule Heidenheim duale

Studierende aus. Diese helfen Patienten, sich im System

zu orientieren, ärztliche Zweitmeinungen einzufordern

oder Alternativen zur aktuellen Behandlung

zu finden. Versicherte haben neben dem zuständigen

Sachbearbeiter einen zweiten kompetenten Ansprechpartner.

Das Angebot richtet sich etwa an Krebs- oder

12


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[titelthema]

Suchtkranke, kann aber auch bei einem schweren

Bandscheibenvorfall zum Einsatz kommen.

Wie viele Versicherte nehmen dieses Angebot an?

In etwa die Hälfte der Versicherte, denen wir diese

Hilfsleistung ans Herz legen. Die vergangenen Jahre

zeigen, dass die Bereitschaft wächst.

Wie lassen sich Patientenbegleiter vereinbaren mit

dem Wunsch der Krankenkasse zu sparen?

Das eine schließt das andere nicht aus. Oftmals ist es

vielmehr so, dass wenn Kasse und Patient gemeinsam

eine zielgerichtete Behandlungsform suchen, sich

langfristig weniger Kosten ergeben. Mag sein, dass das

erste Jahr teurer ist, weil bestimmte Maßnahmen anstehen.

Allerdings ist das besser, als wenn Versicherte Jahre

lang viele Leistungen in Anspruch nehmen und

nicht die richtige Hilfe bekommen. Möglicherweise

ergeben sich auch Hilfsangebote anderer Sozialleistungsträger.

Manchmal hat man den Eindruck, dass Ärzte Leistungen

abrechnen, die nicht nötig sind – wie beispielsweise

Röntgen. Was meinen Sie dazu?

Genau aus diesem Grund sollten wir Versicherte gut

koordiniert durch unser Gesundheitssystem begleiten

– sektorübergreifend. Wir müssen versuchen, die Einzelkomponenten

besser zu verzahnen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Nehmen Sie die elektronische Patientenakte als Beispiel:

Ärzte müssen sehen können, was Kollegen bereits

verschrieben haben, welche Medikamente dauerhaft

eingenommen werden und welche

Patientenbegleiter sollen die

Behandlung von Versicherten

besser und günstiger machen.

„Das eine schließt das andere

nicht aus.“

Was zählt sind

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13


[titelthema] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Entwickelt mit ihrem Team

individuelle Gesundheitsprogramme

für Unternehmen:

Dagmar Stange-Pfalz.

Untersuchungen bereits vorgenommen wurden. Das

wird im Hinblick auf unsere alternde Gesellschaft für

alle gesetzlichen Krankenversicherungen ein großes

Thema sein.

Themenwechsel: Wie schärfen Sie Ihr Profil gegenüber

den Firmen, die mit Ihnen zusammenarbeiten?

Im Rahmen unseres Arbeitgeberservices ziehen wir neben

den Krankenversicherungsbeiträgen auch die Renten-,

Arbeitslosen- und Pflegeversicherungsbeiträge

ein. Zudem bieten wir Schulungen und beraten bei

Fragen rund um die Sozialversicherung. Das ist ein

klassischer Bereich, den wir seit Jahrzehnten bedienen.

Was gibt es an neuen Angeboten?

Das betriebliche Gesundheitsmanagement

(BGM) ist von vielen Firmen

jahrelang eher stiefmütterlich

behandelt worden. Derzeit tut sich

gerade hier sehr viel.

Woran liegt das?

An den älter werdenden Belegschaften,

der höheren Lebensarbeitszeit

und dem Fachkräftemangel. Früher

gab es vielleicht mal einen Rückenkurs

in der Firma oder ein Herz-Kreislauf-Screening,

das war‘s. Heute gibt es Gesundheitszirkel, Gesundheitsberichte

und Mitarbeiterbefragungen, auf deren

Basis wir mit den Unternehmen individuelle Gesundheitsprogramme

aufbauen.

Der Erfolg ist

messbar,

aber Firmen

brauchen

Geduld.

Was verbirgt sich hinter Gesundheitszirkeln?

Das ist ein Kreis von Zuständigen. Mit dabei sind meistens

ein Personalrat, der Betreuer des BGM, der Betriebsarzt,

wenn es einen gibt, und Vertreter der Unternehmensspitze.

Dieser Zirkel überlegt sich, was im

Gesundheitsmanagement innerhalb der nächsten Jahre

getan werden sollte – kontinuierlich und nachhaltig.

Aus meiner Sicht ist das der richtige Weg.

Haben Sie ein Beispiel für ein gelungenes Projekt?

Im Allmendinger Zementwerk der Schwenk-Gruppe

hatten Auswertungen ergeben, dass Rücken- und Gelenkerkrankungen

ein großes Thema bei der Belegschaft

sind. Daher haben wir mit dem Werksleiter eine

Trainingsinsel mit Geräten für die Rückenmuskulatur

aufgebaut. Jeder Mitarbeiter hat

einen Trainingsplan mit Übungen

bekommen, mit deren Hilfe die gesamte

Muskulatur gestärkt wird.

Einmal die Woche wird trainiert.

Ein Physiotherapeut begleitet die

Maßnahme, achtet auf die richtige

Ausführung und misst die Rückenkraft.

Zusätzlich machen viele

Mitarbeiter die Übungen auch Zuhause.

So sieht für mich ein nachhaltiges

Konzept aus.

Ist der Erfolg auch messbar?

Ja, wir evaluieren ob die Muskulatur stärker geworden

ist. Die beste Therapie bei Rückenleiden ist der Aufbau

14


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[titelthema]

der stützenden Muskeln. Der Vorteil einer betrieblichen

Maßnahme ist, dass man auch die Menschen ins

Boot bekommt, die nicht affin dafür sind. Denjenigen

der ohnehin ins Fitnessstudio geht oder Marathon

läuft, muss die Firma nicht zum Training motivieren.

Wie motiviert man die anderen?

Das BGM erleichtert den Einstieg: kein Fitnessstudiobeitrag,

keine Anfahrt. Das einzige was die Mitarbeiter

tun müssen, ist ein Termin planen und loslegen.

Oft ergibt sich eine Gruppendynamik. Zudem motivieren

die regelmäßigen Messungen viele Mitarbeiter, die

Übungen auch mal Zuhause zu machen. Denn eine

halbe Stunde pro Woche reicht natürlich nicht aus.

Verringern solche Maßnahmen den Krankenstand?

Es gibt bereits viele Studien, die die positive Wirkung

von BGM belegen. Bei Schwenk haben wir die Maßnahme

erst vor einem Jahr ins Leben gerufen, daher gibt es

noch keine Auswertung. Denn solche Maßnahmen

müssen langfristig, kontinuierlich und strukturiert angelegt

sein.

Ab welchem Zeitraum sind Ergebnisse messbar?

Erst etwa nach drei Jahren. Wer als Arbeitgeber etwas

für die Mitarbeitergesundheit tun will, braucht Geduld

und Durchhaltevermögen. Unverbindliche Maßnahmen,

wie mal ein Rückenkurs oder mal eine Ernährungsberatung,

sind per se nicht schlecht. Der Erfahrung

nach erreichen wir damit aber nur die, die sich

ohnehin schon mit Sport und Ernährung beschäftigen.

Wie viele Firmen unterstützen Sie bei dem Thema?

Das sind mindestens 50, in unterschiedlicher Intensität.

Müssen diese künftig mehr Geld in die Gesundheitheit

ihrer Mitarbeiter investieren, um als attraktiver

Arbeitgeber wahrgenommen zu werden?

Das steht für mich außer Frage. Von einem erfolgreichen

betrieblichen Gesundheitsmanagement profitieren

alle Beteiligten. Den größten Nutzen hat der Mitarbeiter

– Gesundheit ist ein hohes Gut. Gleichzeitig

können gesunde Mitarbeiter besser und länger arbeiten,

was wiederum der Firma zugutekommt. Bei der

Wahl eines Arbeitgebers, beziehungsweise der Entscheidung

zu bleiben oder zu gehen, sind solche weichen

Faktoren wie BGM für viele Mitarbeiter wichtiger

als das Gehalt.

Firmen sensibilisieren, ihnen

den Weg zeigen, sie überzeugen

und ein auf Dauer angelegtes

Konzept entwickeln:

„Von betrieblichem Gesundheitsmanagement

profitieren

alle.“

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[titelthema] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Außen schlichte, klare Formen – innen hell und transparent: der neue Firmensitz der BKK Verbund Plus in Biberach.

Mit Tradition und guten Noten

Die Wurzeln der BKK Verbund Plus reichen

in das Jahr 1889 zurück. Damals

gründete Schwenk Zement eine Betriebskrankenkasse.

2007 erfolgte die Fusion

mit der BKK Energieverbund, im Jahr

2015 mit der BKK Kassana. Seitdem ist

der Firmensitz der Kasse in München,

Sitz der Hauptverwaltung ist jedoch Biberach.

Trägerunternehmer der BKK Verbund

Plus sind neben Schwenk unter anderem

die Liebherr Verzahntechnik, der

ADAC, die Netze BW und die Energieversorgung

Sachsen Ost. Zu den sogenannten

Schwerpunktunternehmen, in denen

die Krankenkasse stark vertreten ist, gehören

Sparkassen, Verbände, Akademien

und Verbundunternehmen. Die BKK Verbund

Plus verfügt über ein Haushaltsvolumen

von 220 Millionen Euro. Der größte

Ausgabeblock sind die Kosten für stationäre

Behandlungen mit 63 Millionen Euro.

Sie beschäftigt rund 140 Mitarbeiter

an sieben Standorten in drei Bundesländern:

Biberach, Karlsruhe, Rheinfelden,

Stuttgart Ulm, Dresden (Sachsen) und

Bernburg (Sachsen-Anhalt). Die BKK Verbund

Plus erhält regelmäßig gute Noten

bei Krankenkassenvergleichen. Sie betreut

86.000 Versicherte, davon 21.000

in der Region Biberach-Ulm. AMB

Wo sehen Sie in Sachen Gesundheit die größte

Schwäche bei Unternehmen?

In dieser Wirtschaftsboom-Zeit ist das Abarbeiten von

Aufträgen viel wichtiger als das Wohlbefinden der Mitarbeiter.

Irgendwann wird sich das allerdings durch

höhere Fehlzeiten, Fluktuation oder Schwierigkeiten

bei der Mitarbeitergewinnung rächen. Deshalb sollte

BGM schon jetzt eine hohe Priorität genießen. Wir setzen

daher auf Information, wie beispielsweise

bei unseren BGM-Foren,

um die Verantwortlichen zu

sensibilisieren.

Ändert sich der Fokus im betrieblichen

Gesundheitsmanagement?

Bisher ist es meist auf Muskel- und

Skeletterkrankungen ausgelegt,

weil dies die häufigste Gründe für

Fehlzeiten sind. Künftig werden auch die psychische

Gesundheit und digitale Angebote in den Fokus rücken.

In einem aktuellen Projekt nutzen wir beispielsweise

Online-Kurse für Führungskräfte zum Thema

„Wie führe ich gesund?“

Das wird sich

rächen – mit

höheren Fehlzeiten

und

Fluktuation

Wie funktioniert das?

Die Module vermitteln, worauf Führungskräfte achten

sollten, wie sie zum Beispiel bemerken, dass Mitarbeiter

psychisch belastet sind. Solche digitalen Angebote

sind stark im Kommen. Parallel entwickeln wir derzeit

digitale Entspannungskurse.

Wie entspannt man sich digital?

Aktuell experimentieren wir mit

einem Stuhl namens Brainlight,

den wir Unternehmen zur Verfügung

stellen. Mitarbeiter setzen

sich 20 Minuten hinein, werden

massiert und bekommen durch eine

Maske optische und akustische

Entspannungsreize.

Zuletzt waren Sie nicht nur als

Krankenkassen-Chefin, sondern

auch als Baumeisterin tätig.

Der Neubau unseres Verwaltungssitzes in Biberach hat

mich in den vergangenen zwei Jahren in der Tat viel

Zeit gekostet, vor allem im vergangenen Jahr war der

Abstimmungsaufwand enorm.

16


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[titelthema]

Warum haben Sie neu gebaut?

Wir hatten in unserem früheren Domizil viel zu wenig

Platz. Das Gebäude war für 30 Mitarbeiter ausgelegt.

Nach und nach mussten wir alle Besprechungszimmer

in Büros umfunktionieren und noch eine alte Zahnarztpraxis

anmieten. Heute arbeiten 70 Mitarbeiter in

unserem neuen Verwaltungssitz. Unser Verwaltungsrat

hat dem Plan schnell zugestimmt.

Gab es trotzdem Schwierigkeiten?

Weil wir in mehr als drei Bundesländern vertreten sind,

musste die Aufsicht des Bundesversicherungsamts

(BVA) das Bauvorhaben bewilligen. Schließlich müssen

wir wirtschaftlich mit dem Geld der Versicherten

umgehen. Die Vorgaben waren auf 60 Seiten aufgelistet

waren. Alle Regularien zu erfüllen und die Genehmigung

zu erhalten, hat zwei Jahre gedauert.

Warum dauert das so lange?

Wir haben an unserem neuen Verwaltungssitz ein modernes

Konzept umgesetzt. In jedem Stockwerk gibt es

eine Mittelzone mit Kommunikationsfläche, links und

rechts davon sind die Büros. Die Mitarbeiter arbeiten

wandorientiert, schauen sich also nicht mehr an. Das

verringert die Geräuschkulisse. Diese Konzeption ist

mit den vor Jahrzehnten festgelegten Parametern, wie

groß ein Büro sein darf, schwer zu vereinbaren.

Sind die Kriterien so verkrustet?

Sie werden zwar regelmäßig überarbeitet, aber die Basis

ist Jahrzehnte alt. Heutige Raumkonzepte sind in

diesen Regularien bisher nicht berücksichtigt. Sie müssen

jedes Büro, jeden Quadratmeter mit dem BVA abstimmen.

Haben Sie Ihr Kostenbudget eingehalten?

Ja. Darauf sind wir stolz. Aktuell liegen wir noch unter

den veranschlagten acht Millionen Euro. Auch der

Zeitrahmen hat gepasst. Wir sind zum 1. Dezember

2017 umgezogen.

Welche Rolle spielt das Thema Big Data für die BKK

Verbund Plus?

Wir haben natürlich Datenbanken. Alles was früher

per Papier abgerechnet wurde, kommt heute digital zu

Musste bei dem acht Millionen

teuren Neubau jedes Detail

– bis zum Stehtisch – mit

dem Bundesversicherungsamt

abstimmen.

17


[titelthema] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Mit Kompetenz, Selbstdisziplin

und Selbstbewusstsein

kann man fast alles schaffen,

sagt Dagmar Stange-Pfalz im

Gespräch mit Alexander

Bögelein, dem Redaktionsleiter

unternehmen[!].

DAS INTERVIEW FÜHRTE

ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

MARC HÖRGER

uns. Diese Daten werten wir auch aus. Je größer der Datenbestand

umso besser werden die Prüf-Logarithmen,

mit denen wir etwa Abrechnungen von Ärzten und

anderen Anbietern kontrollieren können.

Wie viele Beanstandungen ergeben sich daraus?

Schwer zu sagen. Allein unser Volumen für ärztliche

Behandlung beträgt 43 Millionen, die Krankenhausausgaben

liegen bei 60 Millionen Euro. Wir haben jährlich

circa 18.000 Krankenhausfälle. Da läuft viel über

Datenroutinen, wobei längst nicht jede Beanstandung

eine missbräuchliche Handlung voraussetzt. Manchmal

muss man auch mit Krankenhäusern

in die Diskussion treten.

Welche Chancen bieten Big Data?

Ein großes Potenzial sehe ich bei

der Patientenbehandlung. Wenn

wir Behandlungsdaten in Datenbanken

eingeben, etwa zu seltenen

Krankheiten und Hilfsmöglichkeiten,

kann das unser System revolutionieren.

In den USA gibt es bereits

große Bestände. Lernende Programme wie Watson von

IBM können unstrukturierte Daten verarbeiten und

Muster erkennen. Ärzte könnten schwierige Diagnosen

oder Suchkriterien eingeben und diese mit erfassten

Daten abgleichen. Damit kann man Patienten möglicherweise

besser und schneller helfen.

Wird der Computer zum Arzt?

Die individuelle Beratung darf nicht verloren gehen.

Mit Big Data

kann man

Patienten

künftig

besser helfen

Patienten wollen nicht eine Diagnose vom Computer

erhalten. Sie wollen zu einem Menschen gehen, dem

sie vertrauen. Insgesamt halte ich solche Datenbanken

für eine große Chance. Viele Mediziner sehen das allerdings

noch ein bisschen anders.

Die Krankenkassen stecken in einem enormen

Wandel, was sind für Sie persönlich die größten Herausforderungen?

Dazu zählt die Digitalisierung, weil es hier gilt neue,

noch nicht dagewesene Lösungen zu finden. Krankenkassen

sind zudem sehr frauendominierte Unternehmen.

Da ist es herausfordernd, die

verschiedensten Teilzeit-Wünsche

mit unseren Geschäftszeiten unter

einen Hut zu bringen. Ich habe vor

18 Jahren bei der BKK Schwenk als

Vorstandsmitglied mit zehn Mitarbeitern

angefangen. Die BKK Verbund

Plus hat heute 140 Angestellte.

Da braucht es viele Gespräche

und viel mehr Koordination. Mir

macht das Spaß, jedoch kostet die

Abstimmung viel Zeit.

Was war für Sie bisher die wichtigste Erfahrung in

Ihrer Karriere?

Das man alles schaffen kann, wenn man fachlich und

sozial kompetent ist, es selbstbewusst angeht und sich

im Klaren darüber ist, dass es gerade am Anfang etwas

länger dauert. Mit Selbstbewusstsein und Selbstdisziplin

bekommt man fast alles hin.

18


15 x

Bankhaus Jungholz –

Vermögensverwaltung mit Auszeichnung

Das Handelsblatt Düsseldorf und die Elite Edition München haben die besten Vermögensverwalter 2018 im deutschsprachigen

Raum gekürt. Bereits zum 15. Mal in Folge erhielt das Bankhaus Jungholz, das Private Banking der Raiffeisenbank

Reutte reg.Gen.m.b.H, das Premium-Prädikat „Summa cum Laude“. Elite-Chefredakteur Hans-Kaspar von

Schönfels in seiner Begründung: „Dem Bankhaus Jungholz ist es gelungen, zu einer echten Beraterbank zu werden.

Alles aus einer Hand bis hin zur Erwirtschaftung von Rendite und natürlich einer gut geplanten Zukunft für den Vermögensinhaber

und die Familie.“

Im Bereich Private Banking, der Vermögensanlage für gehobene Anleger,

ist die Vermögensverwaltung eine Art „Königsdisziplin“. Angesichts

der außerordentlichen Komplexität und Zusammenhänge der

Finanzmärkte stellt sich für den Anleger die Frage, Anlageentscheidungen

selbst zu treffen oder diese kompetenten Spezialisten über

eine Vermögensverwaltung anzuvertrauen. Um solche professionellen

Lösungen anzubieten, hat das Bankhaus Jungholz 1997 eine eigene

Vermögensverwaltung aufgebaut: Experten mit langjähriger Investmenterfahrung

übernehmen dabei die Aufteilung und das Monitoring

der übertragenen Vermögensverwaltungsmandate.

Ziel der Vermögensverwaltung ist es, basierend auf den Erfahrungen,

der Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und Know-how der

Kunden, optimale Anlagestrategien für das Vermögen zu entwickeln

und entsprechend erfolgreich umzusetzen. Unabhängig, ob in einer

individuell konzipierten Vermögensverwaltung oder in vermögensverwaltenden

Fonds, die Portfoliomanager setzen immer ein breites

Spektrum von objektiv ausgewählten Top-Produkten ein und treffen

alle Anlageentscheidungen auf Basis umfangreicher eigener und externer

Finanzmarktanalysen. Das verwaltete Portfolio setzt sich

in der Regel aus Bausteinen der Anlageklassen Anleihen, Aktien,

Alternative Investmentanlagen und Rohstoffen zusammen.

Innerhalb gewisser Bandbreiten agieren die Vermögensverwalter

flexibel und setzen so aktive

Investitionsschwerpunkte. Das große Anlageuniversum

bietet auch in schwierigen Marktphasen

Chancen und ermöglicht eine breite Streuung

des investierten Vermögens. So gelingt es, höhere

Erträge zu generieren und die mit einzelnen

Kapitalanlagen verbundenen Risiken zu reduzieren.

Die Philosophie der Produktneutralität – der Verzicht

auf hauseigene Produkte und die Auswahl der besten

Anbieter am Markt – hat beim Bankhaus Jungholz

höchste Priorität. Dies gilt auch für Fairness und

Transparenz gegenüber dem Kunden!

Alle Bonifikationen und Vergütungen von Fonds- und Zertifikate-

Partnern werden offen gelegt und mit dem Vermögensverwaltungshonorar

verrechnet.

Ein Vermögensverwaltungsmandat beim Bankhaus Jungholz ist

die ideale Lösung: Angesichts der Komplexität und Eigendynamik

der Finanzmärkte übernimmt das kompetente und mehrfach ausgezeichnete

Portfoliomanagement die Vermögensverwaltung. So

entlastet kann sich der Kunde ganz dem Beruf, der Familie und der

Freizeit widmen.

Kontakt: Bankhaus Jungholz

Haus 20, A-6691 Jungholz

info@bankhaus-jungholz.com

www.bankhaus-jungholz.com


[namen & nachrichten] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Ravensburger

Handel steigert

Umsatz

Die 538 Betriebe des Ravensburger

Einzelhandels (einschließlich

Lebensmittelhandwerk

und Tankstellen) haben ihren

Umsatz deutlich auf 602 Millionen

Euro gesteigert. 40 Prozent

der Einzelhändler sagen, dass

sie in den vergangenen drei Jahren

mehr Umsatz gemacht haben,

bei 30 Prozent blieb er stabil.

Keiner der befragten

Händler hat in diesem Zeitraum

mehr als 15 Prozent verloren.

Das geht aus der Fortschreibung

des städtischen Einzelhandelskonzeptes

hervor. Das oberste

Gebot lautet dabei: „Innen vor

Außen“ und damit auch kein

großflächiger Handel auf der

„grünen Wiese“, um das Zentrum

nicht zu schwächen. Sorgen

macht sich der Handel lediglich

um fehlende Parkplätze.

Mit Saugern und

Trocknern

erfolgreich

Die Electrostar GmbH (Reichenbach/Fils)

hat den Umsatz 2017

um 12 Prozent auf 34 Millionen

Euro gesteigert. Das Unternehmen

stellt zum einen Sauger für

Handwerk, Gewerbe und Industrie,

zum anderen Hände- und-

Haartrockner her. Die ebenfalls

zur Gruppe gehörende Haaga

Kehrsysteme GmbH legte um 6

Prozent auf 6,3 Millionen Euro

zu. Elektrostar beschäftigt an

den Standorten in Reichenbach/

Fils und Kirchheim unter Teck

rund 150 Mitarbeiter.

Erleichterung bei

Diehl Aircabin in

Laupheim

Der Bestellung von 36 A380-

Maschinen der Fluggesellschaft

Emirates hat auch bei Diehl

Neuheit im Rettungswesen aus Günzburg

Über ein Umsatzplus und vier Auszeichnungen

freut sich Ferdinand Munk, der geschäftsführende

Gesellschafter der Günzburger Steigtechnik

GmbH, die 2017 mit 300 Mitarbeitern

40 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. Besonders

stolz ist er über den ersten elektrisch

Aircabin in Laupheim für Freude

gesorgt. Der Flugzeugausrüster

gehört zur Aerosystems-

Sparte des Diehl-Konzerns

(Nürnberg). Er liefert für den

A380 unter anderem die Decken-

und Seitenverkleidungen

in der Passagierkabine, Gepäckfächer

sowie weitere Innen-Verkleidungen.

Wesentlich wichtiger

für Laupheim sei jedoch das

Geschäft mit dem A350, sagte

ein Sprecher. Diehl Aircabin

kam 2017 auf einen Umsatz von

rund 800 Millionen Euro und

beschäftigt in Laupheim, Hamburg,

Toulouse und Tianjin

rund 2100 Mitarbeiter.

IHK-Ulm:

Chefwechsel

steht im Juli an

Seit fast 15 Jahren steht Peter

Kulitz (65) an der Spitze der

IHK Ulm, nun endet seine dritte

Amtszeit. Der oder die Neue soll

am 24. Juli eingeführt werden.

Kulitz wird sich dann stärker

auf seine Aktivitäten als Vorsitzender

des DIHK-Außenhandelsausschusses

konzentrieren.

Die Wahlfrist zur IHK-Vollversammlung

geht bis zum 9. Mai.

Immer mehr

zulassungsfreie

Betriebe

angetriebenen Rollcontainer. Der revolutioniere

den Materialnachschub, sagt Munk. Damit

könne ein Feuerwehrmann bis zu einer Tonne

an Schaummittel, Geräten oder sonstigem

Material von A nach B bringen – selbst in unwegsamem

Gelände und über Hindernisse.

Im baden-württembergischen

Handwerk steigt die Zahl der

zulassungsfreien Betriebe. Von

den 132.700 Betrieben waren

2017 noch rund 80.000 zulassungspflichtig

(676 weniger als

im Vorjahr). Das größte Minus

mit 2,2 Prozent verzeichnete

das Nahrungsmittelhandwerk.

Die Zahl der Betriebe, für die

seit 20o4 keine Meisterpflicht

mehr besteht, wuchs um 635

auf 28.938. Beim Rest der Betriebe

handelt es sich um sogenannte

handwerksähnliche, für

die noch nie die Meisterpflicht

bestanden hat.

Wieland Werke

planen

Großeinkauf

Die Wieland Werke AG (Ulm)

will von ihrem Konkurrenten

Aurubis dessen Sparte Flachwalzprodukte

übernehmen. In

dieser erwirtschafteten die

Hamburger zuletzt mit 1700

Mitarbeitern einen Umsatz von

1,3 Milliarden Euro. Teil des Geschäfts

ist auch die Übernahme

der Schwermetall Halbzeugwerk

GmbH & Co. (300 Mitarbeiter),

an der Wieland bereits

50 Prozent der Anteile hält. Die

Wieland Werke (Jahresumsatz

2,5 Milliarden Euro, 6600 Mitarbeiter)

wird damit zum größten

Kupferverarbeiter Europas. [!]

20


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21


Adrian Raidt koordiniert im Stuttgarter „Wizeman-Space“, dem früheren Sitz eines Autozulieferes, den deutschen Blechmarkt.

Fotos: Fernando Iannone

Blech ist seine Welt

Manche sind überlastet, andere haben zu wenig Aufträge: In der Branche finden Kunden und Bearbeiter nicht immer

optimal zusammen. Das Stuttgarter Start-up Laserhub will das mit einem Online-Portal ändern.

Von der Decke hängt ein Lastenkran, in

der Ecke stehen rostige, grüne Spinde,

lange hölzerne Tische bieten Platz zum

Arbeiten. An einem Laptop sitzt der Stuttgarter

Existenzgründer Adrian Raidt (36). Das alte

Fabrikgebäude in Bad Cannstatt, das heute

als Coworking Space „Wizemann Space“ genutzt

wird, schaffe für ihn genau die richtige

Arbeitsatmosphäre, sagt er. Denn seine Geschäftsidee

stammt aus der Blechbearbeitung.

Als „virtuellen Blechbearbeiter“ bezeichnet er

das, was sein Start-up anbietet. Gegründet hat

Raidt die Laserhub GmbH im Juli 2017 nach

einer Vorlaufzeit von einem Jahr. Das Startkapital:

25.000 Euro. Virtuell findet die Blechbearbeitung

natürlich nicht statt – es handelt

sich um eine Online-Plattform.

DIGITAL UND VOLLAUTOMATISCH

Die setzt an der Schnittstelle zwischen Industriekunden

und Produzenten an und vermittelt

diese digital und vollautomatisch aneinander.

Der Kunde muss nur eine

computer-generierte Zeichnung seines Blechgegenstands

(CAD-Zeichnung) hochladen,

Material sowie Liefertermin bestimmen und

binnen weniger Sekunden wird auf der Homepage

ein Angebot erstellt. Mit fünf Blechbearbeitern

aus Süddeutschland kooperiert Laserhub.

Sie müssen sich nicht die Zeit nehmen,

selbst Angebote zu erstellen. Der geeignetste

Hersteller wird automatisch ausgesucht. Für

den ausgewählten Produzenten stellt sich

dann die Frage: Angebot annehmen oder

nicht? „Wir reichen die Kunden allerdings

nicht weiter“, sagt Raidt. Laserhub sei An-

22


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[gründen]

So funktioniert laserhub.de

Die Biegeteile sind manchmal einfach und so klein, dass sie in die Hand von Adrian Raidt passen.

Mitunter sind sie vier Meter lang und 25 Millilemter dick.

Der Kunde lädt eine computer-generierte

Zeichnung des Blechgegenstands

(CAD-Zeichnung) hoch. Er legt Liefertermin

und Material fest. Ein Algorithmus

prüft in wenigen Sekunden die Machbarkeit

des Auftrags und kalkuliert den Preis.

Erteilt der Kunde den Auftrag, wird eine

Rangliste der Produzenten erstellt. Wer

für die Herstellung des Blechteils am

besten geeignet ist, steht an erster Stelle.

Ausschlaggebend sind Maschinenpark,

Material, Qualität und Lieferzeit. Schlägt

ein Produzent das Angebot aus, geht der

Auftrag an den nächsten.

sprechpartner sowie Vertragspartner für die

Kunden, eine Art „Händler“ also. Man könne

sich das ein wenig vorstellen wie bei Amazon:

„Im Zweifel kümmern wir uns drum“, erläutert

Raidt. Im Zweifel? Zum Beispiel bei Reklamationen.

Die können bei den Blechteilen

auftreten, aber auch bei der Logistik. Denn

um die kümmert sich Laserhub ebenfalls. Dafür

kooperiert das Unternehmen mit dem Paket-Dienstleister

DPD; für größere Frachten

greift es auf den Online-Versandvermittler

Iloxx zurück.

DIE LOGISTIK UNTERSCHÄTZT

Auf die Idee für das Start-Up kam Raidt während

seiner neunjährigen Führungstätigkeit

bei der Trumpf-Gruppe in Ditzingen, einem

der weltweit größten Anbieter von Werkzeugmaschinen.

Immer wieder sei er dort mit einem

Missstand konfrontiert gewesen, sagt

Raidt. Der Blechmarkt sei sehr kleinteilig

strukturiert. Die Nachfrage nach dem Material

sei sehr heterogen. Privatmenschen, Handwerker,

Maschinenbauer, das Baugewerbe

und weitere Branchen verwenden es. Zugleich

gebe es in Deutschland etwa 4000 Blechbearbeiter.

„Dennoch kann das Überangebot die

Nachfrage nicht befriedigen“, sagt Raidt. „Das

ist, als ob man in Stuttgart im Stau steht und

weiß, dass es in Deutschland freie Autobahnen

gibt.“

In Deutschland gibt es zwei vergleichbare Portale.

„Aber nur Laserhub hat einen reinen Fokus

auf Blechteile“, betont Raidt. So ein Online-Portal

könne man sich nicht patentieren

lassen. „Wir sind zum Wachstum verdammt.

Es geht darum, sich im Markt als relevanter

Spieler zu platzieren.“ Auf dem Weg dorthin

befindet sich das Start-up bereits: „Die Resonanz

ist gut. Wir haben in den ersten Monaten

mehr als 100 Aufträge bekommen.“

Neben Raidt gibt es zwei weitere Geschäftsführer.

Für sie fallen verschiedene Aufgaben

an wie Vertrieb, Software-Entwicklung und

Lieferanten-Betreuung. Alles entwickelt das

Start-up aber nicht selbst: „Man muss das Rad

nicht immer neu erfinden. Wir greifen auch

auf viele bestehende Komponenten zurück,

zum Beispiel auf eine Preiskalkulations-Software.“

Am Grundkonzept seines Unternehmens

hat Raidt zwar nicht herumgeschraubt,

dafür müsse man ständig auf neue Kundenanforderungen

reagieren. „Das sind viele Kleinigkeiten“,

sagt er. Mit der Zeit sind Zusatzangebote

wie das Eingravieren einer

Seriennummer hinzugekommen. Unterschätzt

habe Raidt zu Beginn die Logistik.

„Manche unserer Blechteile wiegen unter einem

Kilo, andere dagegen mehrere hundert

Kilo. Wir decken also die komplette Logistikbandbreite

ab.“ Im Gegensatz zu kleineren

Sendungen ließen sich große Frachten aber

nur schwer nachverfolgen. „Es fehlt an Transparenz,

weil Frachtsendungen wenig digitalisiert

sind“, erläutert Raidt.

ROSTIGE ATMOSPHÄRE

Und die Zukunft? Raidt will expandieren. Eine

Kooperation mit 20 Herstellern bis Ende

2018 schwebt ihm vor. Die kommen mittlerweile

schon von selbst auf ihn zu: Seit Oktober

erhält Raidt etwa vier Anfragen von Blechbearbeitern

pro Monat. Auf die Suche nach

potenziellen Partnern will er aber auch selbst

gehen, um sich die qualitativ hochwertigsten

herauszupicken. Das Schöne daran: Auch

wenn Raidt expandieren sollte, könnte er im

Coworking Space in der rostigen Atmosphäre

des alten Fabrikgebäudes arbeiten – denn als

virtueller Blechbearbeiter braucht er hauptsächlich

seinen Laptop. [!] LUKAS WETZEL

23


Im oberschwäbischen Achstetten entwickeln ACD-Mitarbeiter unter anderem mobile Geräte zur Datenerfassung für Amazon, Rossmann & Co.

High-Tech für mobile Daten

In Sachen intelligenter Vernetzung und elektronischen Steuerungen spielt das inhabergeführte Unternehmen ACD in

der Weltliga. Die Größen aus Handel und Logistik setzen auf die smarte Technologie aus dem beschaulichen Achstetten.

Alles begann im Zeitalter des Übergangs

von mechanischen zu elektronischen

Steuerungen, also technikgeschichtlich

gesehen vor langer, langer Zeit. ACD aus

Achstetten (Kreis Biberach) firmierte damals

noch als Andes Elektronik GmbH. 1978, zwei

Jahre nach der Gründung, brachte das kleine

Start-up die erste frei programmierbare Mikroprozessorsteuerung

auf den Markt, die bevorzugt

bei CNC-sowie Steinbearbeitungsmaschinen

zum Einsatz kam.

Zeitsprung in die Gegenwart. Aus Andes ist

längst ACD geworden. Und aus der winzigen

Firma eine Gruppe mit rund 400 Mitarbeitern,

einem immer weiter verfeinerten Produktportfolio

– und einer Aufgabe, die zunehmend

Kopfzerbrechen bereitet, wie Andreas Zwißler,

Geschäftsführer der ACD-Tochter ACD

Elektronik GmbH ausführt. „Jetzt fängt gerade

die Verknappung an“, taxiert er den Stand

des konjunkturellen Zyklus. Das merke ACD

auch im Personalbereich und dort in allen Abteilungen.

Dies ist zum einen hausgemacht und hängt

unmittelbar mit den prall gefüllten Order-

Büchern zusammen. Auf der anderen Seite

liegt es aber auch am Weltmarkt für wichtige

Bauteile. Dort teilen sich in einigen Bereichen,

etwa bei bestimmten Prozessoren, wenige

Anbieter den Markt auf. „Da kriegen Sie

dann kurz und bündig mitgeteilt, die Lieferung

kann erst in zwei Monaten erfolgen“,

berichtet Zwißler.

Oder es wird, trotz

Auftragsbestätigung

storniert: Ein

Problem, das aus

der anhaltend guten

Konjunktur

resultiert.

Dass sich bei ACD

die Zahlen gut entwickeln,

ist nicht

zuletzt Folge der

strategischen Auf-

Andreas Zwißler, Chef der

ACD Elektronik GmbH.

stellung. Kundenspezifisch entwickelte Industrieelektronik,

etwa zur Steuerung von

Intralogistik-Fahrzeugen wie Gabelstaplern

24


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[machen]

oder die Auftragsfertigung von elektronischen

Systemen für die produzierende Industrie

zählen zu wichtigen Geschäftsfeldern.

Darüber hinaus hat sich ACD einen guten

Namen mit Eigenprodukten geschaffen: mobile

Geräten für die Datenerfassung.

Solche mobile Terminals, oft an die Kundenanforderungen

angepasst, sind speziell auf

zwei Bereiche ausgerichtet: auf den Handel

und den Bereich Lager und Logistik. Die Geräte

dienen etwa zur Erfassung, der Nachbestellung,

der Inventur oder der Kommissionierung

der Ware. Die Daten sind anschließend

auch online verfügbar. Zusätzliche Funktionen

wie die Temperaturmessung bei Tiefkühlwaren

werden laut Zwißlers gerade vorbereitet.

PER ULTRASCHALL ÜBERWACHT

Der Medizin-Bereich soll jetzt als weiterer

Markt für die mobilen Geräte ausgebaut werden.

Sie werden hier zur Wunddokumentation

und -überwachung eingesetzt. Per eingebauter

Kamera und Ultraschallsensor können

Wunden direkt vor Ort fotografiert, vermessen

und zur Dokumentation ins Krankenhaus-Informationssystem

eingepflegt werden.

Die hohen Anforderungen einer

medizinischen Zulassung seien bereits erfüllt.

ACD bewegt sich hier auf unterschiedlichen,

aber zugleich auf wachsenden Märkten.

Da Krankenhäuser überwiegend einem starken

Sparzwang unterliegen, soll es nicht bei

der Wundvermessung bleiben. In der Pipeline

seien bereits weitere Anwendungen für die

mobilen Terminals, etwa für die Essensbestellung.

Auf der Kundenliste stehen auch Amazon,

Rossmann, Liebherr, Handtmann sowie große

Einzelhandels- und Discount-Ketten im Lebensmittelbereich,

viele von ihnen expandieren

gerade ins Ausland. „Dieser Trend ist unser

Trend“, betont Zwißler. Künftig werde es

Grundmodule geben, die sich mit Zusatzmodulen

erweitern lassen, gibt der Geschäftsfüh

Rasantes Wachstum mit Elektronik

ACD produziert seit 2015 in Tschechien, aber überwiegend am Firmensitz in Achstetten.

Die Wurzeln der heutigen ACD-Gruppe

haben Karl-Heinz Andes, Johann Bolkart

und Fritz Guther im Jahr 1976 gelegt. Aus

denen ist ein familiengeführter Elektronik-

Spezialist gewachsen. Dieser besteht aus

der ACD Elektronik GmbH, der ACD Systemtechnik

GmbH, der ACD Antriebstechnik

GmbH, der ACD USA und der ACD

Czech. Bolkart und Guther sind als deren

rer einen Ausblick auf die nächste Generation.

Auch der Stapler, der sich mittels Sprechbefehl

steuern lässt, ist längst keine Utopie

mehr; die entsprechenden mobilen Terminals

seien bereits im Pilotbetrieb.

Gefertigt werden sie übrigens, so wie die zahlreichen

weiteren elektronischen Produkte

und Komponenten, am Stammsitz in Achstetten

oder im vor vier Jahren eröffneten Werk in

Tschechien. Dort werden die einfacheren und

manuellen Arbeitsgänge erledigt. Auslagerung

der Produktion sei noch nie Thema gewesen.

Denn diese würde auf Kosten der Flexibilität

und der schnellen, kurzen Wege gehen,

Geschäftsführer nach wie vor an Bord.

Seit dem Jahr 2015 fertigt das Unternehmen

auch in Tschechien. ACD wächst rasant

und hat sich beim Thema „Industrie

4.0“ einen Namen gemacht. Im Jahr 2016

erwirtschafteten rund 400 Mitarbeiter einen

Jahresumsatz von knapp 72 Millionen

Euro, 2017 standen mit 425 Mitarbeitern

bereits 81 Millionen Euro zu Buche. THV

erklärt Zwißler. „Hidden Champion“ ist ACD

spätestens seit Mai 2016 nicht mehr. Seit damals

ist ACD Elektronik einer von „100 Orten

für Industrie 4.0 in Baden-Württemberg“, ausgezeichnet

im Rahmen des gleichnamigen

Wettbewerbs für „Smarte Produkte – smarte

Prozesse“. „Smart“ übersetzt der Duden mit

„modisch-elegant“, „schneidig“ und „clever“

und wurde zum Lieblingswort all derer, die

mit Digitalisierung zu tun haben. Für Zwißler

liegt des Wortes tiefere Bedeutung in der Fähigkeit

von entsprechenden Geräten, Daten

einfach zu erfassen und sich intelligent zu

vernetzen. [!]

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[aus den hochschulen] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Das E-Auto

startet nicht

durch

Das E-Auto ist nicht alltagstauglich.

Das ergab eine Umfrage

der Studierenden der DHBW

Ravensburg unter 500 Deutschen.

Nur vier Prozent der Befragten

könnten sich vorstellen,

innerhalb der nächsten zwölf

Monate ein E-Auto zu kaufen.

Die wichtigsten Gründe für die

Zurückhaltung sind laut Studie

die fehlende Ladeinfrastrukur

und knappe Reichweiten. Auch

der Preis ist 80 Prozent von den

Teilnehmern zu hoch. Einige sehen

durch die neue Technologie

zudem Arbeitsplätze und

Werkstätten in Gefahr. Die

DHBW Ravensburg will die repräsentative

Langzeitstudie im

nächsten Jahr fortsetzen.

Kontakt: Elisabeth Ligendza, ligendza@dhbw-ravensburg.de

Studenten

der HfWU

wollen zu Daimler

Studierende und Absolventen

der HfWU Nürtingen küren

Mercedes-Benz zum attraktivsten

Arbeitgeber im Automotive-

Bereich. Im Rahmen der TopCareer

Awards konnten

Hochschulangehörige online

abstimmen. Unter Automobil-

Zulieferbetrieben überzeugt

Bosch, der Automobilhandel dagegen

spricht nur wenige an.

Das Gros der Young Professionals

gibt an, mehr Wert auf die

Work-Life-Balance zu legen, als

auf Karriereperspektiven.

Weitere Infos: www.ifa-info.de.

Holzbau-

Stammtisch in

Biberach

„Viele Holzwürmer für ein hölzernes

Netzwerk.“ – Drei Mal

pro Jahr laden Absolventen und

Foto: © CC7/shutterstock.com

Gemüseanbau ohne Erde

Gemüse ziehen, aber ohne Sauerei: In der HyFarm der DHB

Heidenheim werden die Pflanzen über einen Wasserkreislauf

mit Nährstoffen versorgt. „Spezielle LED-Lampen optimieren

das Wachstum der Pflanzen“, erklärt Projektleiter Fabian Hofmann.

Das Team arbeitet derzeit an der Markteinführung.

Studierende der Hochschule Biberach

zum Treffen für fachlichen

Austausch ein. Der „Holzbau-

Stammtisch“ richtet sich

an alle Mitglieder des Biberacher

Modells, das die HBC mit

dem Biberacher Kompetenzzentrum

Holzbau&Ausbau anbietet.

Studierende aus allen Semestern,

Meisterschüler,

Unternehmer, Professoren, Ingenieure,

Ausbilder und Handwerker

sind beim Stammtisch

willkommen. Zuletzt stand das

Thema Digitalisierung im Holzbau

auf dem Programm. Der

nächste Stammtisch soll im

Frühjahr stattfinden.

Kontakt: w.schafitel@zimmererzentrum.de

Oma und Opa

werden zum

Forschungsobjekt

Sturzsensoren im Boden, selbstöffnende

Schränke in der Küche

und eine Badewanne, die Vitalwerte

misst: Um Senioren ein

selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen,

hat die Hochschule

Kempten eine Forschungwohnung

in einer Seniorenwohnanlage

angemietet. „Das AAL Living

Lab ist zugleich ein

zentrales Instrument der Forschung,

Entwicklung und Vernetzung

an der Schnittstelle

von Pflegewissenschaft, Gerontologie

und Sozialer Arbeit einerseits

sowie Mechatronik,

Elektrotechnik und Ergonomie

andererseits“, sagt Hochschulpräsident

Robert Schmidt. .

Neubau mit

positiver

Energiebilanz

Zwei Jahre hat es gedauert, aber

jetzt hat der baden-württembergische

Landtag den geplanten

Neubau der Hochschule Ulm

bewilligt. Für 38,4 Millionen

Euro soll bis 2020 ein Energie-

Effizienzhaus mit positiver

Energiebilanz entstehen, das

Energietechnik als Reallabor

lehr- und erlebbar macht. Das

Gebäude wird interaktiv gestaltet.

So ist etwa im Foyer ein digitales

Info-Board geplant, das

sich je nach aktueller Energieproduktion

des Gebäudes

selbstständig an- und abschaltet.

Noch in diesem Frühjahr

soll ein feierlicher Spatenstich

stattfinden.

Preise für

Nachhaltigkeit an

Nürtingen

Beim „Campus WELTbewerb“

freuten sich HfWU-Studierende

gleich zweimal. Den ersten vom

Ministerium für Wissenschaft,

Forschung und Kunst verliehenen

Preis strich das Projekt DigiSDG

ein, eine Plattform, die

den Transfer von Nachhaltigkeitsideen

zwischen in- und

ausländischen Studierenden

vereinfacht. Die Initiative

„Nachhaltig und fit an der Hf-

WU“ räumte die zweite Trophäe

ab. „Mithilfe eines Hometrainers

können Studierende

den Akku ihres Handys aufladen

und erfahren dabei, wieviel

Energie dafür nötig ist. Das hält

fit und schärft das Umweltbewusstsein.“,

so Prorektorin Carola

Pekrun.

Kontakt: Udo Renner, udo.renner@hfwu.de

[!]

26


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[rubrik]

Foto: © Sergey Nivens/shutterstock.com

Lässt sich die Innovationskraft eines Unternehmens berechnen? Ja, sagen Wirtschaftsmathematiker der Uni Ulm, die einen Algorithmus entwickelt haben.

Die Formel für Innovation

Beim Ulmer Unternehmertag geht es um Zukunftsfähigkeit. Wirtschaftsmathematiker der Universität Ulm haben einen

Algorithmus entwickelt, der diese messbar macht. Zudem bauen die Forscher eine spezielle Datenbank auf.

Erfolgreiche Unternehmen hinterfragen

sich und ihre Produkte. Sie arbeiten

nicht nur stetig daran, besser zu werden,

sondern auch darum, sich neu zu erfinden.

Denn nichts ist gefährlicher, als es sich im Gefühl

des Erfolgs bequem zu machen, warnt

Leo Brecht, Professor für Technologie- und

Innovationsmanagement an der Universität

Ulm. Doch weil die deutsche Wirtschaft seit

mehr als acht Jahren wächst, wächst die Gefahr,

dass Firmenlenker die Früchte der zurückliegenden

Anstrengungen einsammeln

wollen und sich auf der erfolgreichen Strategie

der Vergangenheit ausruhen.

Zu den Unternehmen, die sich in Boom-Zeiten

hinterfragen, gehört nach Brechts Worten

auch der Gase-Konzern Linde (München). Er

verhalte sich beispielhaft, denn er ruhe sich

nicht auf dem Erfolg aus, sondern habe bereits

die Zukunft im Blick, erläutert der Uni-Professor.

Das Besondere an der Situation von Linde:

Die Innovationspotenziale des börsennotierten

Technologie-Konzerns in Sachen Technologie

sind bereits weitgehend ausgeschöpft.

SUCHE NACH RISIKEN

Was würde passieren, wenn plötzlich und unerwartet

ein sogenannter „Game Changer“

um die Ecke käme? Einer, der auf eine andere

Technologie setzt, die ihm eine höhere Wettbewerbsfähigkeit

bringt? Das Risiko, und war

es auch noch so klein, schien dem Linde-Konzern

jedenfalls zu groß. Mit Unterstützung

von außen begann er mit Recherchen. So seien

schließlich acht mögliche alternative

Technologien identifiziert worden, berichtet

Brecht. Die waren

aber noch nirgends

in der praktischen

Erprobung.

Zwei davon

habe Linde

schließlich als

chancenreich ausgefiltert.

„Mittlerweile

sind zwei

entsprechende

Produktionsanlagen

Prof. Leo Brecht,

Universität Ulm.

als Prototypen

in Bau“, ergänzt Brecht.

Der Universitätsprofessor hat auch Beispiele

aus den Bereichen Automobil, Kommunikation

und Mobilität. Soziale Medien, Elektroautos,

3-D-Drucker – alles das kann im Kern die

27


[spezial] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Ein Paradebeispiel für Brecht ist Lindt &

Sprüngli. Der Schokoladenhersteller benötige

nur sechs Wochen von einer Idee bis zum fertigen

Produkt auf dem Markt. Er erkenne früh

Trends, habe einen Vorsprung in seinen Herstellungsprozessen,

etwa was die Rückverfolgung

seiner Produkte betrifft. Auch das Design

der Verpackungen überrasche immer

wieder. Brecht nennt ebenso den Getreidemühlenhersteller

Bühler AG, der Innovationspotenziale

in internen Wettbewerben zu

heben verstehe und dabei auch branchenfremde

Ideen gelten lasse. Beide Firmen kommen

aus der Schweiz und mussten etwas tun,

um trotz der starken Aufwertung des Franken

zukunftsfähig zu bleiben.

Sucht und arbeitet stetig nach neuen Technologien: die Linde AG.

Kraft haben, bisher gut funktionierende Geschäftsmodelle

innerhalb kürzester Zeit zu

verdrängen und zu ersetzen.

NEUARTIGER ANSATZ

Den Wettbewerber, der scheinbar aus dem

Nichts kommt, hätten schon viele Firmenverantwortliche

unterschätzt, sagt Brecht. Er ist

ein gefragter Mann. Denn in dem von ihm geleiteten

Institut für Prozess- und Innovationsmanagement

an der Uni Ulm analysieren er

und seine Mitarbeiter, wie innovationsfähig

Unternehmen sind.

Dazu haben die Forscher am Oberen Eselsberg

in Ulm ein Raster für Innovationschampions

entwickelt. Wer darin aufgenommen wird,

erfüllt zwei Kriterien: Zum einen ist ein solches

Unternehmen in der Lage, seinen „Innovationsinput

sehr effizient in kommerzialisierbare

Produkte zu transferieren“. Zum

andern liefern diese Produkte „einen substanziellen

Beitrag zum Betriebsergebnis“. Anspruch

von Brecht ist es, die Innovationskraft

eines Unternehmens in messbarer Form darzustellen.

Daher haben die Wirtschaftsmathematiker

eine Formel entwickelt. Diese stützt

sich auf eine riesige Menge an Daten.

„Wir bewegen uns in wissenschaftlichem

Neuland, sagt Brecht. Besagter Algorithmus

setzt zwei – quantitative und messbare – Größen

in Relation: die Inputgrößen wie etwa die

Foto: Lina Nikelowski

Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen,

die Anzahl von Kooperationen und der

geleistete Aufwand für das Ideenmanagement.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung

allein machten ein Unternehmen

noch nicht wettbewerbsfähig, sagt Brecht.

„Daher messen wir auch Größen wie den Grad

der Kommerzialisierung, der mit den eingereichten

Patenten erzielt wird, ebenso deren

Wert sowie den Anteil neuer Produkte am Betriebsgewinn.“

AUFBAU EINER DATENBANK

Insgesamt seien es knapp 40 Messgrößen, die

erfasst würden, generiert aus Unternehmensanalysen,

aus Fragebögen, aber vor allem „Big

Data“ und somit von so ziemlich allem Daten-

Material, das Relevanz besitzen kann. Im Aufbau

ist eine riesige Datenbank. „Das macht

weltweit sonst niemand“, betont Brecht.

Schlussendlich soll dies immer exaktere Aufschlüsse

über den erreichten Grad der Innovationsfähigkeit

liefern.

Nicht in jedem Fall zeige sich diese in Gestalt

von neuen Produkten. Brecht führt das Softwarehaus

SAP an, dem es vor einigen Jahren

gelungen sei, den Produktentwicklungsprozess

von 17 auf sieben Monate zu straffen.

Beim „Ideen-Thinking“ hätten sich gemischte,

interdisziplinäre Teams als besonders effektiv

erwiesen.

TROTZ KRISE FORSCHEN

Aus wissenschaftlicher Perspektive eröffnete

dies ein weiteres Untersuchungsfeld. Schlussendlich,

so Brecht, sei seinem Team der Nachweis

gelungen, dass Unternehmen, die in krisenhaften

Zeiten ihr Budget für Forschung

und Entwicklung nicht herunterfahren, stärker

vom Aufschwung profitierten als solche,

welche diese kürzten. Ebenfalls bestünde ein

Zusammenhang zwischen Innovation und

Aktienkurs-Entwicklung. Dabei spiele ein guter

Mix an stufenweisen und „radikalen“ Innovationen

eine Rolle. Seit 2009 werde gemäß

der von Brecht mitentwickelten Methode der

„Innovations Capability Index“ geführt, der

Top-Unternehmen listet und sich weitaus besser

als ein Vergleichsindex entwickelt.

Was aber sind Haupthemmnisse der Innovationsfähigkeit

von Unternehmen? Brecht zögert

nicht lange: Ein zu langer Prozess der

Produktentwicklung bremst Firmen, aber

auch wenn diese Entwicklern zu wenige Freiräume

lassen. Oder die Suche nach neuen Ideen

zu unstrukturiert betrieben werde. Mitunter

komme ein Produkt auch einfach zum

falschen Zeitpunkt auf den Markt.

Während Unternehmen, die ihre Produkte an

Verbraucher verkaufen, das Verhalten der

Kunden bei ihren Entscheidungen berücksichtigen,

sei das im B2B-Geschäft weit weniger

ausgeprägt. Dort wüssten die Firmen oft

nicht, warum Kunden zu Konkurrenten abgewandert

sind. Dabei trete immer wieder Überraschendes

zu Tage, erzählt Brecht aus der

Praxis. So habe ein Hersteller von Traktoren

registrieren müssen, dass für Kunden die

rechtzeitige und vollständige Lieferung von

Ersatzteilen eine wichtige Rolle spiele. [!]


THOMAS VOGEL

28


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[spezial]

Bessere Hilfe für kleine Betriebe

19. Auflage des Ulmer Unternehmertages in der Donauhalle: In diesem Jahr stellt Organisator Karl-Heinz Raguse die

Themen Wissenstransfer und Innovationskraft im Mittelstand in den Fokus.

Viele innovative Firmen wurden von

Leuten gegründet, die zuvor als Angestellte

ihre Ideen nicht hatten durchsetzen

können“, beobachtet Karl-Heinz Raguse.

Der Gründer und Organsiator des

„Unternehmertags“ sieht die Defizite aber

nicht allein auf der Seite der mittelständischen

Unternehmen. Dort werde das Themenfeld

Innovation häufig vernachlässigt.

Die Folge: Die Betriebe verlören qualifizierte

Mitarbeiter, die sich nicht durchsetzen konnten,

erklärt Raguse, der die Neu-Ulmer Geschäftsstelle

des Bundesverbands mittelständische

Wirtschaft (BVMW) leitet und rund

200 Firmen betreut.

ZU WENIG FÖRDERUNG

Nicht nur die die Firmen selbst richteten mitunter

zu wenig Augenmerk auf Produkte und

Dienstleistungen der Zukunft, auch die Politik

habe hier noch einige Hausaufgaben zu

Modern geht es auf dem Unternehmertag seit jeher zu. Unser Bild zeigt Organisator Karl-Heinz Raguse,

den stellvertretenden Ministerpräsident Thomas Strobl ( 2.v.r.) und Ulms OB Gunter Czisch (re.).

erledigen. Raguse kritisiert in dem Zusammenhang

eine weitgehend „fehlende Innovationsförderung

für den Mittelstand“, etwa

durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten

für Ausgaben in Forschung und Entwicklung.

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[spezial] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Karl-Heinz Raguse organisiert

den Unternehmertag.

teilungen zur Akquise

von Forschungsmitteln

leisten, sei dies

kleineren Firmen

kaum möglich. Bürokratische

Hindernisse

sieht er

als einen weiteren

Grund, warum Innovationspotentiale

nicht ausgeschöpft

werden.

Für dringend verbesserungswürdig hält er

den Wissenstransfer aus den wissenschaftlichen

Einrichtungen und Instituten in die mittelständische

Wirtschaft. „Natürlich gibt es

immer wieder Beispiele, wo dieser gelingt“,

sagt Raguse. Was jedoch fehle sei eine gemeinsame

Plattform, die Forscher und Produzenten

zusammenführe. Gerade aus Sicht von

Mittelständlern stelle sich die Forschungslandschaft

als ausgesprochen intransparent

Impressionen des Unternehmertags 2017: Treffpunkt und Möglichkeit zum Austausch.

und verschlossen dar. Im Gegenzug gebe es in

der freien Wirtschaft zweifelsohne Defizite

beim Innovationsmanagement. Nicht nur,

dass man mehr auf die Kunden hören und sie

nach ihren Erfahrungen mit Produkten befragen

sollte. Raguse sieht auch Defizite in der

internen Innovationskultur, erkennbar an

fehlenden Spielräumen für Entwickler, denen

es so an kre ativen Erprobungsmöglichkeiten

mangele. [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[spezial]

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann eröffnet den Unternehmertag, auf

dem unter anderem die Deutsche Post ihren Street-Scooter als Nutzfahrzeug vorstellt.

Eröffnung mit

Minister Hermann

„Innovationen für die Zukunft“ lautet

das Motto des diesjährigen Unternehmertags.

Seine 19. Auflage geht am

Donnerstag, 22. März, auf dem Ulmer

Messegelände über die Bühne. Organisator

der ausgebuchten Veranstaltung

ist die Raguse & Partner GmbH. Deren

Hauptgesellschafter Karl-Heinz Raguse

ist zugleich Regionalvertreter des Bundesverbands

mittelständische Wirtschaft

(BVMW). Das Konzept der Veranstaltung

kombiniert klassische

Messeauftritte von Unternehmen mit

Fachvorträgen und einer Podiumsrunde

zum Thema „Innovative Stadtentwicklung“.

Zur Eröffnung spricht der badenwürttembergische

Verkehrsminister

Winfried Hermann (Grüne) zum Thema

„Mobilität der Zukunft – Zukunft der

Mobilität“. In den vier sogenannten

Speakers‘ Corners finden 36 halbstündige

Fachvorträge statt. Thematische

Schwerpunkte der Aussteller sind Elektromobilität,

Software, neue Produkte,

Marketing sowie Betriebs- und Mitarbeiterführung.

Besonders hebt Raguse

den Auftritt der Deutschen Post hervor,

die zwei ihrer elektrisch betriebenen

Street-Scooter mitbringt, wovon einer

für Probefahrten auf dem Messegelände

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Barbara Küpper und ihr Sohn Jonas (26) meistern eine für die Familie extrem schwierige Zeit.

Foto: Hendrik Stüwe

Eine Geschichte vom Weitermachen

Es ist eine Tragödie: 2015 stirbt Ludger Küpper bei einem Segelunfall. Urplötzlich trägt seine Frau Barbara die

Verantwortung für den Betrieb, die Dach Werkstatt. Sie muss vieles lernen und erfährt nicht nur Unterstützung.

Barbara Küpper schaut nachdenklich

und lächelt: „Wenn ich zurückschaue,

bin ich selbst erstaunt, was ich geschafft

habe.“ Seit zweieinhalb Jahren ist die

53-Jährige Geschäftsführerin der Dach Werkstatt

in Salach (Kreis Göppingen). Geplant

war das nie. Doch eine Tragödie krempelt ihr

Leben von einer auf die andere Sekunde um:

Ihr Ehemann Ludger Küpper kommt 2015 bei

einem Segelunfall ums Leben. Die zierliche

Katholikin überlegt nicht lange. „Dass ich

mich der Verantwortung stelle, wusste ich

schon am Grab meines Mannes“, erzählt sie.

Seit 107 Jahren ist die Dach Werkstatt in Familienbesitz.

Schon als Jugendlicher hatte Ludger

Küpper im väterlichen Dachdecker-Betrieb

mitgearbeitet und 1986 – mit 26 Jahren

– schließlich die Führung übernommen. „Mit

einem Unternehmen kommt Verantwortung“,

sagt die Mutter von drei Kindern. Nicht

nur gegenüber Kunden und der eigenen Familie,

sondern vor allem auch für die Mitarbeiter

und deren Angehörige. Selbst im Angesicht

einer solchen Tragödie. Deshalb informiert

die Chefin noch am Unglückstag ihre Bauleiter

von Kroatien aus. Sofort nach ihrer Rückkehr

nach Deutschland ruft sie die Belegschaft

zusammen, trifft sich mit dem

Steuerberater und informiert Kunden, Lieferanten

und Freunde.

32


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[verantworten]

Ein Kraftakt für die Trauernde, die sich bis

2015 ums Personal und Finanzen in dem

Handwerksbetrieb gekümmert hat. „Natürlich

haben wir uns Zuhause oft über Geschäftliches

unterhalten. Allerdings musste ich nie

entscheiden, das war die Aufgabe meines

Mannes“, erklärt die gelernte Erzieherin.

Nach dessen Tod ist sie nun mit einem Schlag

für alle Geschäftsabläufe verantwortlich –

trotz fachlicher Defizite. Plötzlich muss die

Witwe Personalentscheidungen treffen, mit

Kunden und Lieferanten verhandeln und Preise

festlegen. „Ich musste die Mitarbeiter sehr

viel fragen, was diese oft als Kontrolle wahrgenommen

haben“, beschreibt Küpper den

Lernprozess. Auch Machtkämpfe seien damals

an der Tagesordnung gewesen: „Im

Handwerk tun sich heute noch viele schwer,

wenn eine Frau das Sagen hat.“ Ein Mitarbeiter

habe ihr etwa geraten, sich erst einmal herauszuhalten

und Zuhause ihre Trauer zu

verarbeiten.

Mehr als 100 Jahre Tradition

Der Firmensitz der Dach Werkstatt in Salach.

TIEFSCHLÄGE WEGGESTECKT

Trotz der Widerstände gibt Küpper nicht auf:

„Selbst wenn ich im Auto noch geschluchzt

habe, sobald ich durch die Firmentür trat,

funktionierte ich.“ Sie arbeitet hart – oft von 6

Uhr morgens bis spät in die Nacht, auch am

Wochenende. „Das hohe Arbeitspensum war

nötig, mitunter aber auch eine Art Flucht, vor

dem leeren Haus und meiner Trauer“, sagt sie

heute. Für Betriebsangelegenheiten holt sich

Küpper Hilfe von externen Beratern und setzt

sich in langen Mitarbeitergesprächen mit deren

Trauer, Sorgen und Ängsten auseinander.

„Transparenz war letztlich der Schlüssel“, ist

sich Küpper sicher. Auch wenn nicht alle Gespräche

ein positives Ende finden. „Einer unserer

langjährigen Mitarbeiter konnte kein

Vertrauen in mich setzen und kündigte überraschend“,

erinnert sich Küpper an einen Tiefschlag.

Gleichzeitig versuchen Mitbewerber

hemmungslos, weitere Facharbeiter abzuwerben.

Die meisten Angestellten und Kunden

Foto: Werkfoto

Die Dach Werkstatt Küpper GmbH ist

mit 33 Mitarbeitern als Dachdecker-,

Zimmerer- und Klempnerbetrieb im

Raum Göppingen aktiv. Kerngeschäft

sind Dacharbeiten an Flachdächern (80

Prozent) und Ziegeldächern (20 Prozent).

So hat das 1911 gegründete Familienunternehmen

vergangenes Jahr beispielsweise

das 4000 Quadratmeter große

Dach der Kultur- und Sporthalle in Süßen

gedeckt. Ludger Küpper, der 2015 tödlich

verunglückte, war neben seiner Geschäftsführertätigkeit

auch als Vorstandsmitglied

der Dachdecker-Innung

aktiv. Seit August 2015 leitet seine Ehefrau

Barbara Küpper die Geschäfte. GYS

halten dem Betrieb die Treue. „Ludgers Verlust

war eine wahnsinnige Belastung für jeden

von uns“, sagt Barbara Küpper. Letztlich

habe jeder seinen eigenen Weg finden müssen,

das Geschehene zu verarbeiten. „Für den

einen heißt das gehen, für den anderen bleiben.“

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33


[verantworten] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Barbara Küpper und ihr Sohn Jonas (26). Einen Tag nach dem Bachelorabschluss stieg er ins Unternehmen ein.

Foto: Hendrik Stüwe

Die 53-Jährige weiß, wovon sie spricht. Was

sie durch lange Arbeitstage zeitweise unterdrückt,

bricht am Wochenende oder an Feiertagen

umso härter über sie herein. Die Trauer

um ihren Mann, um den Vater ihrer Kinder

und ihren Seelenverwandten. Erst allmählich

kann sie die Situation annehmen. Ihre Emotionen

bringt die Hobby-Künstlerin, die in der

alten Werkstatt ein Atelier betreibt, in ihren

Bildern zum Ausdruck.

Lange Waldspaziergänge mit Hund Tilda

schenken ihr außerdem Ruhe zum Nachdenken

und Verarbeiten. „Im Zwielicht der Bäume

fühle ich mich Ludger nahe, werde ganz

ruhig oder spreche sogar mit ihm“, beschreibt

sie die heilende Wirkung der Natur.

DIE KINDER BIETEN HALT

Den größten Halt findet die Unternehmerin

aber bei ihren Kindern Franziska (28), Jonas

(26) und Lena (21). „Die drei waren mir von

Anfang an eine riesige Stütze, sowohl emotional

als auch organisatorisch“, sagt Küpper.

Seit etwa einem Jahr unterstützt Sohn Jonas

auch ganz praktisch – als Bauleiter in der

Dach Werkstatt. Der studierte Bauingenieur

mit Fachrichtung Projektmanagement, der

auch ausgebildeter Dachdecker ist, steigt bereits

einen Tag nach seinem Bachelorabschluss

ins Familienunternehmen ein. Wenige

Monate zuvor hat Barbara Küpper ihm

noch freigestellt, eigene Wege zu gehen. Doch

der heute 26-Jährige zögert keinen Moment

und stellt sich der Aufgabe und der Verantwortung.

„Jonas ist seinem Vater sehr ähnlich,

er steht morgens immer als erster auf der Matte“,

berichtet seine Mutter stolz.

EIN LEBEN WIE IM ICE

Nach und nach normalisieren sich die täglichen

Abläufe: Erst die Mails checken, dann

auf zum Team-Meeting, Aufträge durchsprechen

und schließlich Organisatorisches wie

Personalentscheidungen. Aktuell ist die Auftragslage

sehr gut, was auch der guten Konjunktur

geschuldet ist. Küpper: „Mein Mann

hat oft gesagt: ‚Eigentlich muss ich nur anwesend

sein, dann ergibt sich der Tagesablauf‘.“

Diese Gelassenheit hat auch Barbara Küpper

nach zweieinhalb Jahren als Geschäftsführerin

verinnerlicht. „Vieles regt mich heute

nicht mehr auf“, sagt sie. Und: „Es gibt immer

einen Weg, den man Schritt für Schritt bewältigen

kann.“ Manchmal besteht dieser darin,

Aufgaben und Kontrolle abzugeben und dadurch

den Überblick zu behalten. „Das erste

Jahr nach Ludgers Tod habe ich wie im ICE

verbracht – mit einem Affenzahn raste alles

an mir vorbei, ich musste unheimlich viel lernen

und erledigen“, sagt sie rückblickend. Sie

habe in keiner anderen Phase ihres Lebens so

viel in so kurzer Zeit gelernt. Doch das hat

Spuren hinterlassen, körperlich und seelisch.

„Jetzt ist es Zeit, wieder achtsamer mit mir

umzugehen“, weiß die 53-Jährige.

Inzwischen hat sie sich entlastet. Sie hat einen

kaufmännischen Leiter eingestellt und vertraut

auf die Fähigkeiten ihres Sohns. So hat

die Chefin Zeit, die Organisationsstrukturen

der Dach Werkstatt auf Zukunftsfähigkeit zu

trimmen. So sorgt eine neue Software etwa für

eine effizientere Planung, Verwaltung und Finanzierung,

während einheitliche Standards

eine hohe Qualität und Kundenzufriedenheit

über alle Baustellen hinweg sicherstellen.

Küpper freut sich: „Es war und ist ein langer

Weg, doch heute kann ich sagen: Wir sind auf

Kurs!“ [!]

RONJA GYSIN

34


seit

35


Eine Mitarbeiterin im Surteco-Werk Buttenwiesen schaut genau hin und prüft ein Holzdekor nach dem Druck aller Farben bei der Aufwicklung.

Hochglanz-Rendite mit Dekor-Druck

Das bayerisch-schwäbische Unternehmen Surteco ist in fast jedem Haushalt vertreten: von Laminatböden bis zu

Möbeloberflächen. Der Zulieferer wächst durch Übernahmen, zum Beispiel von Süddekor, und aus eigener Kraft.

Fast jeder hat ein Produkt der Firma in seiner

Wohnung und seinem Büro. Ob Laminatböden,

die Beschichtungen von

Möbeloberflächen, Kantenbänder für Möbel

aller Art oder Sockelleisten: Die Wahrscheinlichkeit

ist groß, dass sie von Surteco

im bayerisch-schwäbischen Buttenwiesen bei

Donauwörth stammen. Das börsennotierte

Unternehmen ist dank starkem organischen

Wachstum und mehrerer Übernahmen wie

der Laichinger Süddekor zu einem der großen

Spezialisten für Oberflächenmaterialien geworden.

HOCHMODERNE FERTIGUNG

Dass im Umsatz und Ertrag im vergangenen

Jahr zeitweise rückläufig waren, bringt Konzernchef

Herbert Müller nicht aus der Ruhe.

Grund dafür seien „temporär rasant gestiegene

Preise für den bei der Fertigung von Oberflächenbeschichtungen

verwendeten Kunststoff

ABS“. Für 2017 erwartet Müller einen

bereinigten Umsatzzuwachs von 1 bis 3 Prozent

und einen operativen Gewinn von 42 bis

46 Millionen Euro (Vorjahr: 41). 2016 hatte

Surteco 640 Millionen Euro umgesetzt.

Die Kunststoffsparte ist der kleinere Geschäftsbereich.

Es handelt sich um Beschichtungen

für Möbel, Sockelleisten und Profile.

Umsatzstärker sind die Dekorpapiere. Sie werden

für die Produktion von Laminatböden

und Möbeln benötigt und auf Pressholzplatten

aufgezogen. „Unsere Fertigung in Butten-

36


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[machen]

wiesen ist die modernste Produktionsstätte

für Dekordruckpapiere in Europa“, sagt Müller

stolz.

SCHWIERIGE INTEGRATION

Müller sieht Surteco als „Qualitäts- und Technologieführer“.

Neben organischem Wachstum

setzt er auf

Übernahmen. Als

schwierig erwies

sich die Integration

der 2013 übernommenen

Süddekor.

Erst mit der

Verlagerung der

Druckerei von Laichingen

nach Buttenwiesen

wurde

Vorstandschef

sie Ende 2016 abgeschlossen.

Die

Herbert Müller.

Fertigung im Laichinger

Werk 2, wo Spezialprodukte gefertigt

werden, „ist und bleibt in Betrieb und steht

nicht zur Disposition“, versichert Müller. „In

den letzten Jahren haben wir viele kleinere

Maßnahmen an den Lackieranlagen zur Steigerung

der Produktivität durchgeführt sowie

den Standort auf das Wachstumsprodukt Releasepaper

spezialisiert.“ Aktuell laufe auch

ein Projekt zur Installierung eines neuen Lackierwerks

für die Elektronenstrahlhärtungsanlage.

„Damit können wir dieses profitable

Produktsegment deutlich ausbauen und den

Standort nachhaltig stärken“, fügt er hinzu.

Mit Heroldstatt (Imprägnate) und Dunningen

(technische Profile und Rolladensysteme für

Möbel und Caravans) hat Surteco zwei weitere

Werke in Baden-Württemberg. Weltweit

Mehrheitlich in Familienhand

Surteco ist Spezialist für Oberflächen und Folien. Der Firmensitz ist im Kreis Dillingen.

Die Surteco SE ist ein börsennotierter

Hersteller von Oberflächenmaterialien

auf Papier- und Kunststoffbasis. Entstanden

ist das Unternehmen, das zu 55,4

Prozent von drei Familien kontrolliert

beschäftigt das Unternehmen 3300 Mitarbeiter

an 25 Produktionsstandorten.

wird, im Jahr 2000 aus dem Zusammenschluss

der Firma Bausch und Linnemann

mit der Döllken-Gruppe. Der Oberfranke

Herbert Müller, Jahrgang 1955, ist

seit 2015 Vorstandsvorsitzender. GB

EXPANSION IN EUROPA

In diesem Jahr hat Surteco zwei Akquisitionen

getätigt, „die uns geografisch und produkttechnisch

voranbringen“, wie Müller betont.

Die britische Nenplas verstärkt die

Position in Großbritannien und im Caravan-

Segment. Die portugiesische Probos verschafft

Zugang auf die iberische Halbinsel

und nach Lateinamerika.

Weitere Übernahmen schließt Müller nicht

aus. Voraussetzung sei, „dass sie strategisch

passen und zusätzliches Know-how bringen

sowie kein Sanierungsfall sind“. Surteco fertigt

auch in Indonesien, Amerika und in Australien.

Auch in China müsse man auf Dauer

präsent sein. Das Thema sei derzeit aber nicht

aktuell. [!]

GERHARD BLÄSKE

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[finanzieren] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Illustration: © sentavio/shutterstock.com

Anders als viele börsennotierte Aktiengesellschaften

scheuen sich Mittelständler,

ihre Belegschaft am Unternehmen

zu beteiligen. Dabei

profitieren davon alle Seiten.

38


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[finanzieren]

Mein Geld, meine Firma und ich

Trotz Fachkräftemangels zaudern viele Unternehmen: die Beteiligung am eigenen Betrieb ist jedoch eine gute

Möglichkeit, um Mitarbeiter zu halten und neue zu gewinnen – wie das Beispiel des Mittelständlers Hewi zeigt.

Wenn Burkhard Stempfle morgens zu seinem Arbeitsplatz

in Spaichingen kommt, gibt es einen Punkt, der ihn von

vielen seiner Kollegen unterscheidet: Der Entwicklungsingenieur

für Metall- und Befestigungstechnik ist

nicht nur Angestellter bei der Hewi G. Winker GmbH, einem Spezialisten

für Muttern- und Verbindungstechnik. Stempfle ist auch sein

eigener Chef – zumindest ein kleines bisschen. Seinem Betrieb nämlich

hat der 45-Jährige regelmäßig die jährliche Erfolgsprämie, die Hewi

seinen Mitarbeitern zahlt, als so genanntes Genussrechtskapital

zur Verfügung gestellt. Über die Jahre hinweg

summiert sich das mittlerweile auf

mehrere tausend Euro.

Stempfle hat als Genussrechteinhaber

zwar kein Mitspracherecht bei geschäftlichen

Entscheidungen in der Gesellschafterversammlung

des Zulieferers für die

Automobilindustrie, aber er ist direkt am

Erfolg der Firma beteiligt. Immerhin bis zu

acht Prozent kassiert der 45-Jährige auf den

Nennwert seiner Einlage in Jahren, in denen

die Geschäfte von Hewi florieren und

Hewi-Geschäftsführer

Markus Hänssler.

das Unternehmen gut verdient. Läuft es

weniger gut, gehen die Inhaber der Genussrechte

leer aus. Im schlechtesten Fall sind sie mit ihrer Einlage sogar

an einem Verlust beteiligt. „Das ist seit der Einführung dieses Beteiligungsinstruments

glücklicherweise aber noch nicht vorgekommen“,

sagt Hewi-Geschäftsführer Markus Hänssler.

Der Mittelständler ist einer von mehr als 4000 Unternehmen in

Deutschland, die ihren Angestellten die Möglichkeit bieten, sich direkt

oder indirekt an ihrem Betrieb zu beteiligen. Genaue Zahlen gibt

es aufgrund fehlender Daten nicht. Schätzungen gehen jedoch davon

aus, dass zwei bis drei Prozent aller Betriebe hierzulande ihren Mitarbeiter

die Option bieten, sich am eigenen Betreib zu beteiligen.

DEUTSCHE FIRMEN HABEN NACHHOLBEDARF

Im europäischen Vergleich haben deutsche Unternehmen damit erkennbaren

Nachholbedarf. Diesen Schluss lässt eine Studie der European

Federation of Employee Share Ownership (EFES, Brüssel) zu, die

im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Demzufolge ist in Europa

die Zahl der Unternehmen, die ihren Mitarbeitern regelmäßig Belegschaftsaktien

anbieten, stetig gestiegen. 2009 machten 39 Prozent der

europäischen Aktiengesellschaften ihre Mitarbeiter auf diese Weise

zu Miteigentümern. Bis zum Jahr 2016 stieg diese Quote auf 53 Prozent.

In Deutschland dagegen

hatten 2016 nur 39

Prozent der Aktiengesellschaften

ein Belegschaftsaktienprogramm

aufgelegt.

„Das zeigt: Die Firmen hierzulande

haben noch Potenzial“, sagt

Oliver Schmidt, Fachanwalt für

Steuerrecht und Partner bei Menold

Bezler Rechtsanwälte Partnerschaft

in Stuttgart. Auch Joachim

Rupp, Finanzierungsexperte

bei der IHK Ulm weiß: „In unserer Mitgliederstruktur

– mehr als 98 Prozent kleine und mittlere Unternehmen,

fast 90 Prozent mit weniger als 20 Mitarbeitern – sind Mitarbeiterbeteiligungsmodelle

bislang gering verbreitet.“

Dabei sind solche Modelle ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel,

mit dem viele Firmen zu kämpfen haben. „Die Beteiligung ist

ein wichtiges Instrument zur Mitarbeitergewinnung und -bindung“,

ist Fachanwalt Schmidt überzeugt. Entsprechende

Modelle sind für jedes Unternehmen

umsetzbar – unabhängig von der

Größe oder der Rechtsform. Denn die Möglichkeiten

in der Konzeption sind vielfältig,

die Ausgestaltung flexibel. „Dazu sind

solche Beteiligungsmodelle ein Baustein in

der Unternehmensfinanzierung und sie

können sogar die Vorbereitung einer geplanten

Unternehmensnachfolge durch

die Mitarbeiter sein“, ergänzt Rupp. Hewi-

Chef Hänssler indes bemerkt als zusätzlichen

Vorteil ein ausgeprägteres unternehmerisches

Denken: „Von Mitarbeitern, die

Illustration:

© moj0j0/shutterstock.com

Joachim Rupp, Finanzexperte

der IHK Ulm.

an dem Programm teilnehmen, werde ich viel häufiger darauf angesprochen,

wenn wir irgendwo im Betrieb Ressourcen verschwenden

oder Potenziale ungenutzt lassen.“

Dennoch bleiben die Verantwortlichen in vielen Firmen in Sachen

Mitarbeiterbeteiligung zurückhaltend. „Insbesondere bei Familienunternehmen

gibt es häufig die Sorge, dass die Mitarbeiter zu viel Mit-

39


[finanzieren] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

spracherecht bekommen“, weiß Schmidt aus seiner Beratungspraxis.

„Dabei gibt es mittlerweile viele Beteiligungsmodelle, bei denen diese

Sorge unbegründet ist.“

Das Spektrum an Instrumenten ist breit. Es reicht von klassischen

Darlehen über Genussrechte bis zu stillen Einlagen. Am anderen Ende

der Skala stehen direkten Beteiligungsformen wie Aktien oder Geschäftsanteile

bei einer GmbH. „Bei diesen beiden Instrumenten haben

die beteiligten Mitarbeiter Mitsprache- und zum Beispiel Einsichtsrechte

in den Jahresabschluss, was vor allem viele Mittelständler

häufig vermeiden wollen“, sagt Schmidt.

Fachanwalt

Oliver Schmidt.

SORGE VOR ZUVIEL MITSPRACHERECHTEN

Aus diesem Grund haben sich auch die Eigentümer von Hewi für ein

Konzept auf Basis von Genussrechtskapital entschieden. Auslöser für

die Einführung war die Krise in der Autoindustrie 2008. In deren Folge

musste der Mittelständler Urlaubs- und Weihnachtsgeld für seine Belegschaft

streichen. „Als es dann zwei Jahre später wieder bergauf

ging, haben wir mit dem Betriebsrat entschieden,

statt den festen Sonderzahlungen

eine Erfolgs- und Leistungsprämie einzuführen“,

erzählt Hewi-Geschäftsführer

Hänssler. „Für Mitarbeiter, die sich darüber

hinaus an der Finanzierung des langfristigen

Wachstums beteiligen wollten, gab es

aber zunächst keine Möglichkeit. Daher

haben wir die Genussrechte aufgelegt, die

mittlerweile recht gut angenommen werden.“

Jahr für Jahr nehmen 40 der 500 Vollzeitbeschäftigen

das Angebot wahr und

zeichnen ein oder mehrere Anteile im

Nennwert von 500 Euro.

Die Anteile haben eine Laufzeit von fünf Jahren und können verlängert

werden. Für die Mitarbeiter bedeutet das: Sie kommen in regelmäßigen

Abständen an ihr angelegtes Geld heran – was wichtig ist, wenn

sie zum Beispiel das Unternehmen verlassen, in Ruhestand gehen oder

unter Umständen eine Immobilie erwerben. „Genauso ist es aber auch

möglich, dass die Einlagen zunächst unbefristet dem Unternehmen

zur Verfügung stehen, dann aber mit Fristen vom Arbeitnehmer gekündigt

werden können“, erläutert Experte Schmidt. Auch bei Belegschaftsaktien

nicht-börsennotierter Firmen oder GmbH-

Anteilen gibt es fast immer ein Ausstiegsmodell.

Sie werden häufig vom Unternehmen oder

anderen Mitarbeitern zurückgekauft.

Für Mitarbeiter, die bei dem Beteiligungsmodell

mitmachen, hat Hewi

ein zusätzliches Bonbon parat: Die

Firma zahlt für bis zu zehn Genussrechten

zusätzlich einen Zuschuss

in Höhe von 36 Euro je

Genussrecht. Der Zuschuss ist

steuer- und sozialversicherungsfrei

– damit ist der Förderungsmaximalbetrag

von 360

Euro ausgeschöpft. Zusätzlich

kann der Arbeitnehmer auch

seine vermögenswirksamen

Illustration: © sentavio/shutterstock.com

Wie Mitarbeiterbeteiligungen

gefördert werden

Eine Beteiligung erhöht oft die Motivation der Mitarbeiter.

Die MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg

unterstützt die Finanzierung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen

im Rahmen ihres Programms „Mittelstand

CSR“. Dazu investiert die MBG in ein Unternehmen mit

einer stillen Beteiligung zu besonders günstigen Konditionen.

Gleichzeitig verpflichtet sich das entsprechende Unternehmen,

eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung umzusetzen. Die Idee

dabei: Das Unternehmen schont seine Liquidität und erhält eine

solide Kapitalbasis. Mit Hilfe der Investition der MBG entsteht

ein Kapitalpuffer. Während der zehnjährigen Laufzeit der

MBG-Beteiligung wird das Beteiligungskapital der Mitarbeiter

angespart und lässt sich dann für die planmäßige Rückzahlung

der MBG-Beteiligung nutzen.

TLU

Leistungen in betriebliche Beteiligungen investieren, soweit das Modell

des Arbeitgebers diese Option vorsieht. Wenn bestimmte Einkommensgrenzen

nicht überschritten werden, zahlt der Staat darauf

dann noch einmal Arbeitnehmersparzulage.

ANREIZ IM BUHLEN UM FÜHRUNGSKRÄFTE

Dennoch: Für viele Experten sind die vergleichsweise bescheidenen

staatlichen Förderanreize der zweite Grund dafür, warum es bei der

Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland hakt. Zuletzt hat der Gesetzgeber

im Jahr 2009 die steuerlichen Frei- und Förderbeträge für die Mitarbeiterbeteiligung

angehoben. „Hier gibt es Nachholpotenzial“,

sagt Schmidt. „Zumal seit Beginn des Jahres die Fördermöglichkeiten

bei der betrieblichen Altersvorsorge durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz

erhöht wurden.“ Bei den Kapitalbeteiligungen

bestehe damit Anpassungsbedarf. Auch

würden sich zunehmend Firmen mit dem Thema

beschäftigen: „Das betrifft insbesondere Mittelständler,

die Führungskräfte von Konzernen abwerben

wollen. Um diese zu gewinnen, müssen sie über

das übliche Gehalt, Dienstwagen und Altersvorsorge

hinaus auch eine Erfolgskomponente zahlen, um mithalten

zu können.“ [!]

THOMAS LUTHER

Illustration: © youak/DigitalVision Vectors/Getty Images

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[führen] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Talente für die eigene Firma

In Zeiten des Fachkräftemangels sind Werkstudenten-Jobs für Arbeitgeber eine gute Gelegenheit, Nachwuchs zu

gewinnen. Die Kosten für die jungen Leute sind gering, doch Betriebe müssen die Regeln peinlich genau beachten.

Werkstudenten einzustellen, ist für

Arbeitgeber in mehrfacher Hinsicht

interessant. Die jungen Leute

sind flexibel einsetzbar und in der Regel hoch

motiviert. Für sie ist es schließlich eine gute

Möglichkeit, Erfahrungen im Berufsleben zu

sammeln und Kontakte zu knüpfen. Das kann

sich auch für Arbeitgeber lohnen. Häufig rekrutieren

Betriebe aus Werkstudenten künftige

Arbeitskräfte – ein Argument, das man in

Zeiten des Fachkräftemangels nicht unterschätzen

sollte. Auch aus einem anderen

Grund ist ein solches Arbeitsverhältnis für

Arbeitgeber attraktiv. Dank des Werkstudentenprivilegs

sind diese Mitarbeiter teilweise

von der Sozialversicherungspflicht befreit.

KAUM NEBENKOSTEN

Für Werkstudenten sind weder Beiträge zur

Krankenversicherung, noch zur Pflege- und

Arbeitslosenversicherung zu entrichten. Zur

Rentenversicherung zahlen Arbeitgeber und

Arbeitnehmer jeweils 9,35 Prozent des Arbeitsentgelts.

Dazu kommen für den Arbeit-

geber Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung

und Umlagen nach dem

Arbeitgeberausgleichsgesetz sowie eine Insolvenzgeldumlage.

Besondere Regeln gelten im Hinblick auf die

Arbeitszeit. Sie darf während der Semesterzeit

20 Stunden pro Woche nicht überschreiten.

Dazu müssen alle Beschäftigungsverhältnisse

berücksichtigt werden. Für begrenzte Zeiten,

etwa während einer Messe, am Abend oder an

Wochenenden, darf mehr gearbeitet werden.

Ausnahmen gelten auch während der vorlesungsfreien

Zeit, also während der Semesterferien.

Zu diesen Zeiten dürfen die Werkstudenten

auch mehr als 20 Stunden wöchentlich

arbeiten. Allerdings ist Vorsicht geboten: Im

Laufe eines Jahres dürfen Studenten maximal

26 Wochen mehr als 20 Stunden pro Woche

arbeiten. Sonst geht das Werkstudentenprivileg

verloren und sie werden versicherungspflichtig.

„Der Werkstudent sollte seinem Arbeitgeber

schriftlich bestätigen, ob und

wieviel er für andere Arbeitgeber arbeitet“, rät

Christian Goetze. Er ist Steuerberater bei Ecovis

in Ulm.

NACHTEILE AB 450 EURO

Eine Einkommensgrenze gibt es nicht. Generell

gilt auch für Werkstudenten der gesetzliche

Mindestlohn. Studenten, und damit letztlich

auch die Arbeitgeber, sollten beachten,

dass bei einem Verdienst ab 450 Euro monatlich

die Möglichkeit der Familienversicherung,

also der Mitversicherung bei den Eltern,

entfällt. Der Student muss sich dann selbst

über die studentische Krankenversicherung

absichern. Das schlägt monatlich mit einem

Beitrag von etwa 75 Euro zu Buche. Dazu kommen

18 Euro für die Pflegeversicherung. Zu

beachten ist aus studentischer Sicht, dass sich

bei Überschreiten bestimmter Hinzuver-

Foto: © stokkete/shutterstock.com

Zeit zum Studieren muss bleiben: Werkstudenten

dürfen während des Semesters nur 20 Stunden

pro Woche arbeiten.

42


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[rubrik]

dienstgrenzen Bafög-Leistungen verringern

könnten. Hierbei kommt es auf den Einzelfall

an. Auch für Werkstudenten gelten generell

die gesetzlichen Kündigungsfristen, es sei

denn, diese werden – zugunsten des Arbeitnehmers

– vertraglich anders geregelt. Vorsicht:

Bei Nichtbefristung der Vertragslaufzeit

setzt sich das Beschäftigungsverhältnis nach

Beendigung des Studiums fort.

In diesem Fall handelt es sich nicht mehr um

ein Werkstudentenverhältnis.

Denn dafür gelten

strenge Regeln.

Die Versicherungsfreiheit

endet in

dem Monat, in

dem das Abschlusszeugnis

verliehen wird. Ob

der Betroffene

Steuerberater Christian

Goetze von Ecovis in Ulm.

noch als Student

an der Universität

Foto: © goodluz/shutterstock.com

Bei einer Nichtbefristung der Vertragslaufzeit wird aus der Werkstudentin eine Mitarbeiterin.

immatrikuliert ist, spielt keine Rolle. Das

Werkstudentenprivileg gilt zudem nicht für

Promotionsstudenten, Studenten im Urlaubssemester,

Studierende an dualen Hochschulen,

Langzeitstudenten vom 25. Semester an

sowie Fern- und Teilzeitstudierende und junge

Menschen, die sich zwischen dem Bachelor-

und dem Masterstudium befinden.

In anderer Hinsicht sind Werkstudenten wie

normale Teilzeitbeschäftigte zu behandeln.

Auch für sie gelten die Lohnfortzahlung im

Krankheitsfall und Urlaubsansprüche. „Ich

rate daher dringend, einen Werkstudentenvertrag

abzuschließen und einen Studenten

nicht aufgrund einer mündlichen Absprache

einzustellen“, sagt Steuerberater Goetze.

Arbeitgeber sollten generell genau darauf

achten, dass alle Unterlagen und Nachweise

rechtzeitig und jederzeit vorliegen. „Die Arbeitgeber

müssen jedes Semester Studienbescheinigungen

vorlegen. Wenn die Unterlagen

nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt

da sind, wird der Mitarbeiter voll sozialversicherungspflichtig.

Das kann teuer werden. Da

sind schnell 1000 Euro und mehr fällig“,

warnt Goetze. [!] GERHARD BLÄSKE

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Mai 2018

43


[leben] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Immer am Ball

Das perfekte Dribbling mit dem Ball, die erfolgreiche Hochsprung-Prüfung an der Uni, rhythmische

Sportgymnastik im Verein. Das war früher. Und heute? Sechs Führungskräfte verrieten Stefan Loeffler in unserer

Umfrage, wie sie sich für den Beruf fit halten.

1) Welche Sportart haben Sie früher ausgeübt/üben Sie

aus – und was macht deren Reiz für Sie aus?

2) Was war ihr größter sportlicher Erfolg?

3) Wie halten Sie sich heute für Ihren Beruf fit?

4) Welcher Sportler/Sportlerin bzw. welche Leistung

hat Sie am meisten beeindruckt oder tut es noch?

5) Welches Sportereignis hat bei Ihnen als Zuschauer

bleibenden Eindruck hinterlassen und warum?

Der unbändige Siegeswille von

Boris Becker hat René Mick

schon immer fasziniert.

Der 47-Jährige

leitet seit 20

Jahren als Geschäftsführer

die

im eigenen Familienbesitz

befindliche

Luible Logistik

GmbH in Leipheim.

1) Bei mir wurden die Bälle immer kleiner – erst

Fußball, dann Tennis und seit einigen Jahren

auch Golf. Im Winter fahre ich auch Ski. Gereizt

hat mich aber schon immer der Ballsport,

wenn möglich im Team.

2) Da gab es im Fußball und Tennis ein paar nicht nennenswerte

Meisterschaften, leider nicht in allzu hohen

Spielklassen.

3) Derzeit ist das schwierig, denn momentan kuriere ich einen

Kreuzbandriss aus. Ansonsten schwimme ich, jogge, golfe

und spiele Tennis.

4) Auch wenn er abseits des Platzes oft negative Schlagzeilen

macht, hat mich der Sportler Boris Becker mit seiner Einstellung

und seinem unbändigen Siegeswillen am meisten beeindruckt.

5) Der erste Wimbledonsieg von Boris Becker 1985. Der war für mich

als schon selbst Tennis spielender Teenager ein Idol. Als damals

17-Jähriger ist er bis heute jüngster Wimbledonsieger aller Zeiten.

Thomas Motzke kommt beim

Laufsport auf gute Ideen.

Der 49-Jährige, heute Senior

Berater bei einer Privatbank

in Stuttgart, war

früher aktiver Fußballer.

1) Fußball war früher aktiv meine Sportart. Fasziniert hat mich dabei

das Streben nach perfekter Ballbehandlung, dem perfekten Pass und

nach dem perfekten Dribbling. Und das im Team, unter Wettkampfbedingungen

und wenn möglich vor großem Publikum.

2) Für mich war mein größter Erfolg, dass ich mein Hobby Fußball

beruflich ausüben konnte.

3) Beruflich fit halte ich mich mit dem Laufsport. Dabei bekomme ich

unter anderem meinen Kopf frei, fühle mich für den Tag fitter und

belastbarer, komme in dieser Zeit auch auf gute Ideen und kann Probleme

lösen. Sehr zu empfehlen.

4) Im Fußball beeindruckt mich Lionel Messi, wie er mit einer faszinierenden

Leichtigkeit seine Gegenspieler umspielt und geniale

Spielzüge einleitet. Im Tennis ist es Roger Federer. Es ist imponierend,

wie er auch jetzt noch im höheren Alter die Tenniswelt

mitbeherrscht.

5) Die Fußball-WM 2006 in Deutschland. Vor allem das unheimlich

sympathische Miteinander der Fans und der gesamten Bevölkerung

war klasse.

Foto Bälle: © stockfoto-graf/shutterstock.com

44


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[leben]

Foto: © PAKULA PIOTR/shutterstock.com

Er kickte schon für den SSV

1846 in der zweiten Fußball-

Bundesliga. Der Diplom-Sportlehrer

und Journalist Markus

Ebner (53) ist seit 2015 Geschäftsführer

der SUN Sportmanagement

GmbH sowie Veranstalter

des jährlichen Einstein

Marathons.

1) Ausgeübt habe ich Fußball, Tennis, Basketball, Golf, Mehrkampf.

Aktuell spiele ich Tennis und gehe hin und wieder zum Joggen. Beide

Sportarten haben den großen Vorteil, dass ich sie betreiben kann,

wann, wo, wie oft und mit wem ich will.

2) In den Jahren 1984 bis 1986 hatte ich 23 Einsätze mit dem SSV Ulm

1846 in der 2. Fußball-Bundesliga.

3) Tennis, Fitness, Joggen, Langlaufen/Skaten und Entspannen.

4) Der US-Basketballer Michael Jordan und der Tennis-Profi Roger Federer.

Beide stehen wie kein anderer für eine Perfektion in ihrer Art

der Bewegung und der Ballbehandlung.

5) Der Olympiasieg von Dieter Baumann 1992 über 5000 Meter, den ich

in Peking zusammen mit meinem jetzigen Geschäftspartner Bernd

Hummel in einem Hotelzimmer im achten Stock verfolgt habe.

Für Iris Kümmerle waren

die Alpinisten der 50er-Jahre

wahre Helden. Die 47-jährige

Führungskräfte-Beraterin ist

Geschäftsführerin der

Göppinger klip GmbH.

1) In meiner Jugend war ich rhythmische Sportgymnastin. Im Sportstudium

habe ich eine Vielzahl von Disziplinen kennengelernt, zu

denen ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen wäre. Hierzu gehörten

Kajak fahren, Synchronschwimmen, Badminton. Heute ist

das eher Laufen oder Radfahren.

2) Dass ich die Hochsprung-Prüfung an der Uni Tübingen bestanden

habe, denn daran wäre fast mein Studium gescheitert.

3) Einmal am Tag raus an die frische Luft.

4) Ich war vor kurzem bei einem Vortrag von Reinhold Messner. Er

erzählte von den Alpinisten der 50er Jahre, die mit der damaligen

Ausrüstung und unglaublichem Mut die großen Gipfel im Himalaya

bestiegen – das waren echte Helden!

5) Die Turn-Weltmeisterschaft 2007 in Stuttgart, bei der ich als Volunteer

dabei war. Und 2019 findet die nächste Turn-WM auch in Stuttgart

statt.

Fotos Berge: © Mondadori Portfolio/Getty Images

Foto: Volkmar Könneke

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[leben] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Foto Drachenboot: Volkmar Könneke; Drachen: Matthias Kessler

Gerd Hofele,

Geschäftsführer

des Handball-Erstligisten Frisch

Auf! Göppingen, träumt noch

heute vom Wintermärchen des

Jahres 2007.

Antonija Scheible kann man

zwischen April und Oktober

oftmals auf der Donau treffen –

im SWU Drachenboot. Die

46-Jährige ist bei den Stadtwerken

Ulm/Neu-Ulm die strategische

Leiterin des gesamten IT-

Bereichs.

1) Früher habe ich selbst Handball gespielt – daneben habe ich auch

Wettkämpfe im Bereich der Leichtathletik und im Geräteturnen

auf Landesebene absolviert.

2) Die aktive Zeit als Spieler von Frisch auf! Göppingen in der 2. Bundesliga

hatte für mich einen besonderen Stellenwert. Darüber hinaus

stellt der Gewinn der inoffiziellen „Württembergischen Meisterschaft“

mit der D-Jugend meines Heimatvereins TV Wißgoldingen

als Trainer ein besonderes Highlight dar.

3) Ich gehe regelmäßig Joggen und spiele ab und an Tennis,

um einen gesunden Ausgleich zu meiner Tätigkeit

als Bundesligamanager zu erzielen.

4) Jede Sportart hat ihren besonderen Reiz und

produziert ihre „Mega-Stars“, so dass ich hier

nur beispielhaft Michael Jordan und Roger Federer

nennen möchte.

5) Der Besuch der Halbfinal- und Finalspiele bei

der Handball-WM 2007, weil ich dort das „Wintermärchen“

live mit meinen Kindern am Spielfeldrand

erleben durfte.

1) Wie bei vielen Kindern und Jugendlichen habe ich in meinen jungen

Jahren ein paar Sportarten „ausprobiert“. Vorrangig waren das

aber Volleyball und Handball. Damals war es nur wichtig, ein Teil

eines Teams zu sein und gemeinsam Erfolge und Niederlagen zu

erfahren.

2) Der größte sportliche Erfolg, den ich mitfeiern durfte, war der erste

Platz bei einer Schulmeisterschaft im Handball in meinem Land

Bosnien-Herzegowina.

3) Nach wie vor ist mir eine Team-Sportart wichtig. Ich paddle im

SWU Drachenboot-Team. Man kann uns zwischen April und Oktober

an der Donau treffen. Das ist der Ausgleich zu meiner

digitalen Welt bei der Arbeit.

4) Jeder, der einen Ironman-Triathlon mitgemacht hat, ist für

mich etwas Besonderes. Es geht dabei nicht nur um die

körperliche Ausdauer. Vielmehr ist es die mentale Stärke,

die mich sehr beeindruckt – auch wenn man am Ende ist.

5) Am emotionalsten waren für mich die Baden-Württembergischen

U12 Meisterschaften im Basketball der letzten

Saison, bei der meine Jungs mitgespielt haben.

46

Foto: © Muellek Josef/shutterstock.com


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Wahrgewordene Zelt(t)räume

Die Firma Pscheidl Veranstaltungsservice

und Zeltverleih hat sich in über zehn Jahren

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[leben] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Gala-Abend zum Genießen

Siebte Auflage des Winterleuchten: 350 Gäste feiern den Neujahrsempfang der SÜDWEST PRESSE im

Neu-Ulmer Passigatti-Werk: Stilvolles Ambiente, Musik vom Feinsten und das beste Spendenergebnis in der

Geschichte der Aktion 100 000 und Ulmer helft.

Bis weit nach Mitternacht feierten

viele der 350 Gäste aus Politik, Wirtschaft,

Kultur und Gesellschaft das

Winterleuchten. Zu dem Gala-

Abend hatte Thomas Brackvogel, der Geschäftsführer

der Neuen Pressegesellschaft,

zum siebten Mal eingeladen, zum zweiten

Mal in Neu-Ulm im festlich illuminierten Passigatti

Werk III, das viele der Gäste als coole

Location lobten. In seiner Begrüßungsrede

appellierte Brackvogel an die Gäste, wieder

mehr zu Mut zeigen. „Das sind nur drei Buchstaben,

aber sie stehen für Aufbruch, Energie,

Stolz, Charakter, Tapferkeit, für große Tugenden

und die Bereitschaft zum lohnenden Risiko“,

sagte Brackvogel.

Ulrich Becker, Chefredakteur der SÜDWEST

PRESSE erinnerte daran, dass die Berliner

Mauer mittlerweile länger gefallen ist, als sie

gestanden hatte. Heute sei es notwendiger

denn je Mauern niederzureißen und neuen

Mauerbauern entgegenzutreten. Für die Gäste

blieb beim Neujahrsempfang des Ulmer Medienhauses

viel Zeit, das „Flying Buffet“ von

Chefkoch Harald Laatsch (Wilken Gourmet),

die musikalischen Einlagen des Damen-Acapella-Quartetts

Les Brünettes und die rockigen

Stimmen der Musical Stars Sabrina Auer

und Mark Seibert zu genießen.

Traditionsgemäß wird auf dem Winterleuchten

bekannt gegeben, wie viel Geld die Aktion

100 000 und Ulmer helft für hilfebedürftige

Menschen eingesammelt hat. Das stolze Ergebnis:

985.000 Euro – so viel wie nie zuvor.

Die Bandbreite reicht von Einzelspenden über

Konzerterlöse, Aktionen von Schulen und

Auszubildenden bis hin zu Firmenspenden.

NPG-Geschäftsführer Thomas Brackvogel,

legte noch einmal 15.000 Euro drauf und

machte die Million voll. Den symbolischen

Scheck überreichten Aktionsleiter Karl Bacherle

und SWP-Chefredakteur Ulrich Becker

Ulms Alt-OB Ivo Gönner. Der vertrat seinen

auf Asienreise befindlichen Nachfolger an der

Stadtspitze und Schirmherr der Aktion, Gunter

Czisch. [!]

SWP

Begrüßte und appellierte an die Gäste,

Mut zu zeigen: Gastgeber NPG-

Geschäftsführer Thomas Brackvogel.

Fotos: Matthias Kessler und Volkmar Könneke

Hintergrund: © Natalia Klenova / Fotolia.com

48

Strahlendes Lächeln schon zum Auftakt

des Gala-Abends: die Zahnärzte

Margit und Michael Weiss.

Auf dem roten Teppich: Domenica

Schramm und Daniel Schallmo

(Hochschule Ulm)


unternehmen [!] Ausgabe 61 | März 2018

[leben]

Warten auf Trüffel-Penne: Petra

Matkovic und Wolfgang Brauchle (Reisebüro

Honold).

Begeisterten das Publikum: die

Musical Stars Sabrina Auer und

Mark Seibert.

Gut drauf: Marcello Danieli (Harder

Logistics), Andreas Oettel (BBU , 01),

Hans-Joachim Endress (Husqvarna).

Ulms Alt-OB Ivo Gönner, Aktionsleiter

Karl Bacherle und SWP-Chefredakteur

Ulrich Becker.

Festlich und doch locker: Beim Winterleuchten

kommen die Gäste gut

ins Gespräch.

Kleiner Hauptgang charmant serviert

für Dekan Ernst-Wilhelm Gohl.

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[namen & nachrichten] Ausgabe 61 | März 2018 unternehmen [!]

Mit Scheider soll

bei ZF Ruhe

einkehren

Der Auto-Zulieferriese ZF Friedrichshafen

wurde selten in seiner

Geschichte

so

von Machtkämpfen

durchgeschüttelt

wie zuletzt.

Vorstandschef der

ZF: Wolf-Henning

Scheider.

Vorstandschef

Stefan

Sommer

musste gehen,

weil

seine ehrgeizige Expansionsstrategie

beim Hauptanteilseigner,

der Zeppelin-Stiftung und

deren Hauptanteilseigner der

Stadt Friedrichshafen, auf Kritik

stieß. Mit Wolf-Henning

Scheider, den ZF bei Mahle abgeworben

hat, soll Ruhe zurückkehren.

Aus seiner Zeit bei

Bosch und Mahle weiß er, wie

Stiftungsunternehmen ticken.

Neue Führung

bei Ulmer

Wilken-Gruppe

Die Personalie hatte damals eine

pikante Note: Vor knapp drei

Jahren war Eberhard Macziol,

Mitgründer des Hard- und Softwareunternehmens

Fritz & Macziol,

heute Axians IT Solutions,

beim IT-Unternehmen

Mit Euro-5-Norm über die Piste

Auch auf den Skipisten gibt die europäische

Union Abgaswerte vor: Die Kässbohrer Geländefahrzeug

AG (Laupheim) hat daher einen

neuen Pistenbully entwickelt, der die Abgasnorm

Euro-5 erfüllt. Rund 600 Pistenraupen

verkauft das Unternehmen jährlich (520 PS,

Wilken eingestiegen. Jetzt haben

sich die Wege wieder getrennt.

Für die Bereiche Vertrieb

und Marketing ist der geschäftsführende

Gesellschafter Folkert

Wilken verantwortlich. In die

Geschäftsführung sind Peter

Heinz und Jörg Vogt aufgerückt.

Zumindest

die Marke

Passigatti bleibt

Dumpingpreise und die Konkurrenz

im Online-Handel haben

dem Schalhersteller Passigatti

zugesetzt. Firmenchef

Alexander Passigatti schloss die

67 Jahre alte Firma mit 50 Mitarbeitern

zum Jahresende, um

eine Insolvenz zu vermeiden.

Die Markenrechte hat er an die

hessische Firma Fashion Accessoires

and Bodywear verkauft.

IHK lädt zum

Logistiktag

nach Ulm ein

Die Digitalisierung verändert

die Logistik in einem rasanten

Tempo. Doch wie geht das in

Kaufpreis rund 370.000 Euro netto) und

kommt damit auf einen Marktanteil von 60

Prozent. Die Firma beschäftigt 540 Mitarbeiter,

davon 340 am Stammsitz. Die Geschäfte

laufen gut, heißt es. Den Umsatz beziffert die

Firma seit ihrem Börsenrückzug nicht mehr.

der Praxis? Beim 9. Ulmer Logistiktag

der IHK Ulm am Donnerstag,

12. April, von 9 Uhr bis

16.30 Uhr, in der Donauhalle

Ulm, gibt darauf Andreas

Froschmayer von der Dachser-

Gruppe Antworten. Weitere

Themen sind unter anderem

Servicerobotik in der Intralogistik,

Datensicherheit und wie

man als Logistiker das Personalmarketing

richtig anpackt. Weitere

Informationen und Möglichkeit

zur Anmeldung zum

Branchentreff gibt es unter

www.ulm.ihk24.de und

allmendinger@ulm.ihk.de [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Andreas Simmet

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Antje Meyer (Bild)

Fotos Marc Hörger (Titel + Titelinterview),

Matthias Kessler,

Volkmar Könneke, Werkfotos,

PR, Privat, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-356

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Auflage: 18.000 Exemplare

Nächste Ausgabe

14. Mai 2018

Die Themen

· Energie-Contracting. Was verbirgt

sich hinter diesem Begriff?

· Dienstwagen – beliebte Motivationsanreize

für Arbeitnehmer

· Saubere Sache – Reinigung von

Gebäuden und Betriebsmitteln

u. v. m.

Anzeigenschluss

17. April 2018

www.swp.de/unternehmen

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