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E_1927_Zeitung_Nr.099

E_1927_Zeitung_Nr.099

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERTI; Dienstag, 13. Dezember 1927. Nummt 3 23. Jahrgang. —* .**"*• irationen, ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Frtllag Monatlieh -Gelbe LUte" Halbjihrlicb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, colern nicht postaintlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Kechnuna HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Antorevue, Bern Pflichten Nicht nua* sondern «auch Rechtem! Es gibt noch immer sehr reparaturbedürftige Strassen. Gegenüber der starken Entwicklung der Eisenbahnen war bis vor wenigen Jahren die Bedeutung unserer Strassen für den Verkehr ziemlich stark in den Hintergrund getreten. Allerdings mussten die grossen Städte namentlich, ihrer rapiden Bevölkerungszunahme wegen, zum Aufschluss neuen Baugeländes ständig das Strassennetz vergrössern und bei der technischen Lösung der Aufgabe auch die inzwischen gesteigerten Ansprüche der Anwohner in hygienischer Hinsicht — Geräuschlosigkeit und Staubfreiheit — berücksichtigen. Bei den Landstrassen und kleinen Städten aber bewegte sich dagegen bis in die letzte Zeit hinein die Strassenbautechnik im althergebrachten Rahmen. Erst in letzter Zeit, namentlich nach dem Kriege, machte man sich an die Lösung dieser so verkehrswichtigen Aufgabe heran, und es ist zuzugeben, dass schon Bedeutsames getan worden ist Doch muss gleich beigefügt werden: es ist in dieser Hinsicht noch vieles, recht vieles zu tun! .Denn es gibt in unserem Lande immer noch manche Strasse, die sehr reparaturbedürftig ist. Man kommt gelegenlich noch in Gegenden, die nicht etwa abseits des grossen Verkehres liegen, wo man Strassen antrifft, 1 die diese Bezeichnung bestimmt nur aus Versehen tragen. Sie sind einfach nur andeutungsweise vorhanden. Kreuz und quer reiht eine Schlaglochkette sich au die andere. Und man findet oft Löcher ... Löcher, tief genug, um einen kleineren toten Hund darin zu begraben. Sicherlich kommt an solchen Orten gelegentlich auch ein Kantonsingenieur oder ein Wegmeister vorüber, besieht sich den fragwürdigen Zustand der Strasse, und vielleicht wird von Zeit zu Zeit einmal ein solches Schlagloch ausgesucht und ein wenig Dreck und Sand, zur Behebung des Uebel- ' Standes, hineingeworfen. Und dann wartet man wieder, oft recht lange Zeit. Wartet ... Andernorts kennt man andere famose Methoden « moderner » Strassenreparatur. In die Schlaglöcher, deren es überall noch viele gibt, giesst man einfach: Beton! Dabei ergibt die theoretische Erwägung das folgende Resultat: die Strassen werden immer noch weiter ausgefahren, und dann stehen bald, auf weite Strecken, mitten in der* Strasse — kleine Betonblöcke. Oder aber: diese braven Leute kriegen mit der Zeit die allerschönste und allermodernste Betonstrasse. Wir halten zwar den ersteren Effekt für wahrscheinlicher. Dass unsere Behauptung, wonach es bei uns in der Schweiz noch immer ziemlich viele Strassen in schlechtem Zustande gibt, richtig ist, werden uns die meisten vielreisenden Automobilisten bestätigen können. Und aus der Presse vernimmt man aus vielen Gegenden dasselbe. In der « Neuen Aargauer Zeitung » vom 9. Dezember schreibt ein Korrespondent folgendes « Lob » über den Zustand einer Strasse: Nun haben wir doch vorläufig etwas, nämlich das neue Strassenbauprogramm. Mit diesem ist uns jedoch nicht geholfen, die StrassenwaJze für einige Tage würde mehr befriedigen. Seht Euch jetzt einmal die Strecke Effingen-Bözen-Hornussen an, oder holpert mit dem Velo über diese Strassenruinen, und wenn Euch dann das Schimpfen nicht ankommt, so seid Ihr Dickhäuter. Im Kreis Laüfenburg htrts wenigstens gewirkt, die Strecke ton Hornussen bis-zum Bernerstcin, also bis zur Banngrenze, wurde durch die Strassenwalze einigermassen verbessert. Den Strassenorganen empfehlen wir, nur ein. paarmal die Strecke' Hoinussei-^Effingen auf Schusters Rffppen oder per Velo zu pausieren. Ganz sicher werden, dann in kurzer Zeit auch diese miserablen Strassenzustände* beseitigt. Man wird nun gleich sagen, dass es finanziell unmöglich ist, alle Strassen neu aufzubauen. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an, sondern es genügt vielmehr* den zerstörten Strassen eine zweckentsprechende neue Deckschicht zu geben. MitBetpnstrassen zum Beispiel hat man anderwärts sehr gute Erfahrungen gemacht. In Amerika bestehen Normen für den Betonstrasseribau, die vom «American Concrete Institute» herausgegeben worden sind. Auch in England gibt es von den Ausführenden selbst aufgestellte Vorschriften für den Bau von Betonstrassen. Und auch in Deutschland sind über den Bau und die Unterhaltung von Betonstrassen in den Jahren 1925 und 1926 von dem « Betonstrassen »-Ausschuss der Studiengesellschaft für Automobilstrassen «vorläufige Merkblätter » herausgegeben worden. Zweifellos stützen sich alle darin enthaltenen Ratschläge auf die gemachten Erfahrungen. Für den Bau einer guten Strasse ist es notwendig, dass die verwendeten Baustoffe sich gegen die Einflüsse der Witterung widerstandsfähig erweisen. Es muss die Oberfläche möglichst dicht und eben sein. Und wenn möglich muss auch die Decklage eine gewisse Elastizität besitzen. Diese ist auch deshalb von gutem, damit die mit dem neuzeitlichen Verkehr verbundenen und namentlich in engen Strassen in oft sehr nachteiliger Weise auftretenden Erschütterungen der angrenzenden Häuser auf ein Mindestmass reduziert werden können. Im Interesse des Verkehrs liegt es, wenn der Belag für die verschiedenen Verkehrs- INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Ct». (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentarif. Insorateiuehhus 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Hammer gatturagen — wie tierischen und motorischen gen und für die Kostendeckung durch die Verkehr — geeignet ist; er soll den verschiedenartigen Angriffen des Verkehrs starken Auch kämen die Kosten des Strassenbaus Schädiger aufzukommen. Widerstand entgegensetzen können. Undund namentlich des Strassenunterhaltes weniger hoch zu stehen, wenn energisch für eine wichtig ist vor allem, dass sowohl die Herstellungs- als auch die Ausbesserungs- und Erneuerungsarbeiten keine bedeutenden Ver- würde. bessere Verwendung des Geldes gesorgt kehrsstörungen verursachen. Längere Strassenabsperrungen und Verkehrsumleitungen Auslagen der Kantone für das Strassenwesen, Man weiss z. B. aus der Tabelle über die lassen sich verhindern durch eine möglichst dass in den Gesamtposten alle möglichen beschleunigte Durchführung der vorzunehmenden Arbeiten. Darauf sollte man heutzutage sehr achten. Im volkswirtschaftlichen Interesse liegt es, wenn die Baustoffe aus dem Inland bezogen werden können. Das stärkt nicht nur die einheimische Industrie, sondern schafft auch viele Arbeitsgelegenheiten. Die Abnutzung der Strasse muss, in wirtschaftlicher Hinsicht, eine geringe und gleichmassige, die Haltbarkeit eine möglichst lange sein. Der Gesamtaufwand an kapitalisierten Anlage-, Unterhaltungs- und Erneuerungskosten sollen bei langer Lebensdauer mög L liehst gering bleiben. .Auch ist, vom Standpunkte .der öffentlichen Gesundheitspflege aus, eine möglichst undurchdringliche und wasserdichte, ebene und fugenlose, dazu ziemlich staubfreie und lärmdämpfende, dabei aber leicht zu reinigende Oberfläche geboten. ' : ! i Wir dürfen -dabei.-auch nicht vergessen,, dass -die '.wirteehäftlichen "Verhältnisse der. Gegenwart die Möglichkeit einer Anpassung der Strassendecke an die allmählich im Laufe der Zeit sich stark vermehrende Verkehrsentwicklung erfordern... Man weiss nun, wie viel die Automobilisten für die Verbesserung der Strassen dem Staate an Abgaben bezahlen müssen, man weiss, dass man immer noch ein Mehreres fordern, dabei aber weniger tun und dazu noch die Rechte der Motorfahrzeugbesitzer arg schmälern will. Da ist es dringend nötig, dass die Automobilisten ihre Kräfte vereinen und energisch und bestimmt fordern, dass auch die anderen Strassenbenutzer, insbesondere, soweit sie starke Strassenzerstörer sind, sinngemäss zu den Strassenbeiträgen mit herangezogen werden. Was hunderte normale Automobile täglich nicht fertig bringen, das bringt z. B. ein einziges Langholzgefährt mit den gewöhnlich zu schmalen Eisenreifen in einer Stunde an Strassenzerstörung fertig. Die Automobilisten müssen verlangen, dass solche Strassenschädigungen entweder vermindert oder dann aber von ienen, die sie verursachen, bezahlt werden. Der Automobilist hat sein Recht auf gute Strassen, und wenn sie zu seinem Schaden von anderen «verteufelt» werden, dann hat der Staat hier für sofortige Abhilfe zu sor- (aber recht unmöglichen!) Posten eingeschlossen sind. Da führt man in den Verwaltungskosten u. a. auch die Honorare für die Kantonsingenieure, die Löhne für das Bureaupersonal, die Kosten für Bureaumiete, Reisespesen, Unfallversicherungen und noch viele solche Ausgaben an, und in den Unterhaltungskosten figurieren Ausgaben für Schneebruch, Unfallversicherungsprämien für Wegmeister, Unterhalt von Kiesgruben und anderes mehr. Da sollte doch naturgemäss eine Vereinheitlichung eintreten. Der Bund hätte nun die Pflicht, bei der Verteilung des Benzinzolles ganz >bestimmte Vorschriften darüber aufzustellen, welche Arbeiten und Auslagen als subventionsberechtigt zu betrachten sind. Und zum vornherein, sollten von der Subventionsberechtigung die eigentlichen Verwaltungskosten, wie Honorare für ständige Beamte, Kosten für Bureaumiete, Bureaumaterial und defgl., ferner die Auslagen, für Reisespeseh,'Versicherungsprämien, Strassenbeleuchtüng, Kanalisation, söw-ie 11 4er normale Werkzeugbedarf für Wegmeister ausgeschlossen werden. Denn alle diese Ausgaben erwachsen den Kantonen auch voll und ganz ohne den Automobilverkehr. Die Benzinzollgelder sollen in erster Linie für die Strassenverbesserungen, die noch vielerorts so nötig sind, Verwendung finden! Das sei heute wieder einmal nachdrücklich gesaigt... denn die Strassen in unserem Lande sind, wie wir eingangs sagten, noch lange nicht überall so, wie sie sein sollten und wie sie zu fordern die Automobilisten ein Recht haben! R. Der neue Ford. Seit Wochen und Monaten kamen die verschiedensten Meldungen über den neuen Fordwagen vom Dollarland nach Europa. Auf Angaben, deren Richtigkeit verbürgt wurden, folgten ebenso prompt Dementis; ganze Legenden umhüllten das neue Modell, bis endlich, als der Wagen in London und Brüssel gezeigt wurde, die letzten Schleier über dem Geheimnis gelüftet wurden. Nun, da schon Zehntausende von neugierigen Europäeraugen das aufsehenerregende amerikanische Werk mit kritischen Blicken gemustert haben, wollen wir wenigstens den neuen Ford in Wort Die Benzinstation. Roman von Sinclair Levis. Uebertragnng a. d Amerikan. von Ciarisse Meitncr. (Copyright by J. Herz & Cie.. Verlag, Vienna.) (67. Fortsetzung) Sie flüsterte: «Machen Sie sich nichts draus, mein Lieber. Mir ist es egal. Aber ich kann mir vorstellen, wie Ihnen zu Mute ist. Schämen Sie sich, ein Prairie-Pirat gewesen zu sein?» . «Nein. Wir waren wilde Buben — aber ich bin froh, dass wir es waren.» «Ich auch. Ich möchte nicht, dass Sie sich 'dessen schämen. Hören Sie mich an, und erinnern Sie sich der weisen Worte der kleinen Ciaire. Diese Narren dort bemühen sich, mir begreiflich zu machen, dass Sie für Fräulein Boltwood von Brooklyn Heights ein Fremder sind. Nun, es gelingt ihnen, mich davon zu überzeugen, dass sie selbst mir fremd sind !> «Ciaire! Liebste! Bill macht Ihnen nichts?» «Oh ja! Und Ihnen auch. Sie sind ihm entwachsen.» «Ich weiss nicht, aber — Das heute war eine harte Probe.» «Ja. Das war es. Denn wenn ich Ihren Freund, Herrn Mc Golwey, vertragen kann.. •» «Dann haben Sie mich lieb !» «Vielleicht. Ich will Ihnen nur umsomehr helfen.» «Nein, nein! Ich brauche Ihnen nicht leid tun! Das kann ich nicht vertragen! Schliesslich war es eine ganze Stadt und gute Leute...» «Nein! Sie tun mir nicht leid ! Ich meine nur, dass es nach Ihrem achtzehnten Jahr nicht gar so lustig für Sie gewesen sein kann dort. Dieses Geschwätze über den Reiz der kleinen Dörfchen — die Leute, die darüber schreiben, scheinen hübsch darauf bedacht zu sein, in ihren Villen in Long Island zu leben!» «Ciaire!» flüsterte er verzweifelt. «Der Tee ist beinahe fertig Oh, hören Sie, Liebste. Ich werde verrückt, wenn ich, statt um Sie zu freien, um den ganzen Gilson- Stamm freien muss. Kommen Sie, laufen wir davon!» «Nein. Zuerst will ich Ihnen zeigen, dass Sie das sind, was Sie sind!» «Aber, das können Sie nicht.» «Ha, warten Sie nur ! Ich hab mir den verteufeltsten, grausamsten Plan ausgedacht, um soziale Ueberhebung zu bestrafen ...» Dann kündigte sie vergnügt an; «DerTee ist fertig. Jeff, Sie bekommen den Becher vom Waschtisch hier. Ist das nicht lustig?» «Ja. Oh ja. Sehr lustig!» Jeff war sehr gönnerhaft, aber Ciaire sah nicht beleidigt aus. Sie gab allen den sauren Tee zu trinken und das kalkähnlich schmeckende Gebäck zu kosten. Sie veranlasste Bill, weiter Geschichten zu erzählen und als Frau Gilson beharrlich die beiden von der höheren Gesellschaft Ausgestossenen nochmals zum Abendessen einlud, versetzte Ciaire Milt und noch mehr Frau Gilson in Erstaunen durch ein stürmisches: «Oh ja, bitte, Milt, kommen Sie.» Er willigte wütend ein. «Aber zuerst,» fügte Ciaire zu Frau Gilson hinzu, «will ich, dass wir die Beiden nach — Oh, ich habe eine herrliche Idee. Kommt alle! Wir machen eine lustige Fahrt.» «Eh — wohin —?> fragte Herr Gilson zögernd. «Das ist mein Geheimnis. Kommt!» Ciaire stolzierte zur Türe und brachte alle in der Limousine unter und flüsterte dem Chauffeur eine Adresse zu. Milt kümmerte sich nicht viel um die Fahrt. Bill war einlgermassen offensichtlich nicht an Limousinen gewöhnt. Er wischte seine kotigen Schuhe an der Polsterung ab und entschuldigte sich schwitzend. Als der Wagen von einer der Hauptstrassen in ein kotiges Seitengässchen bog, in dem sich seit den Pionier-Tagen von Seattle wenig geändert hatte, rief Frau Gilson jammernd aus: «Du lieber Himmel, Ciaire, du führst uns doch nicht vielleicht zu Tante Hatty auf Besuch?» «Oh ja, wirklich, ich dachte, die würde den beiden Burschen hier gefallen.» «Nein aber, ich glaube nicht...» «Eva, mein Liebling, Jeff und du, Ihr habt unseren Besuch zum Tee bei Milt ausgeheckt und habt mir versichert, dass mich seine Junggesellenwohnung interessieren dürfte... nebstbei gesagt, war ich übrigens schon einmal dort und daher nicht so überrascht. Jetzt bin ich an der Reihe, die Gesellschaft zu führen.» Fortsetzung folgt.