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E_1927_Zeitung_Nr.103

E_1927_Zeitung_Nr.103

OCÖtSCufi Schwellt BERN; Dienstag, 27. Dezember 1927. Nummer 20 Cts. 23. Jahrgang. — N° 103 ERSTE SCH IZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Fteltaa * Monatlich -Gelbe Ust*** Halbjihrllcb Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozusehlag, sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben? In- und Ausland SO Rappen. Postcheck-Rechnuno 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Der Stand der Benzinzollverfeilung. Die Verhandlungen des Ständerates zeigen gewöhnlich ein ruhiges, oft allzu ruhiges Bild! Ganz im Gegensatz dazu haben sich die Tagungen der vergangenen Woche ziemlich lebhaft abgespielt. Das war eine Seltenheit, aber auch sehr wohl verständlich, wenn man bedenkt, dass es beinahe um die Existenz einiger Kantone ging. Budgetgleichgewicht im Bunde stand dem Budgetgleichgewicht der Kantone gegenüber Warum? — : Benzin und Benzol unterliegen seit 1923 einem Grundzoll von 10 Fr. per 100 kg brutto und einem Zuschlagszoll von 10 Fr. per 100 kg brutto, wobei der Zuschlag für die Tara inbegriffen ist. Der Zweck der damaligen Zollerhöhung war die Herstellung des Budgetgleichgewichtes im Bunde durch eine rein fiskalische Massnahme. Im Veriaufe der letzten Jahre sind die Ausgaben einzelner Kantone für ihr Strassennetz bis aufs Achtfache gestiegen. Die Begehren der Kantone nach Anteilen aus dem Benzinzoilertrag haben sich daher ; von Monat zu Monat verstärkt. Ihre Gesamtleistungen für das Strassenwesen betragen rund 43 Millionen Franken: -20 Millionen für Strassenunterhalt, 21 Millionen für Strassenverbesserungen, wovon 15 Millionen auf den Ausbau der Fahrbahn entfallen. Am 4. April 1924 wurde vorn Ständerat die Motion gestellt, der Bundesrat möchte baldmöglichst Bericht und Antrag über die Gewährung von Bundessubventionen an die Kantone zur Verbesserung und zum Unterhalt der dem Automobil verkehr dienenden Strassen einreichen. In der Botschaft und im Entwürfe zu einem Bundesbeschluss vom 23. September 1927 kam der Bundesrat diesem Auftrag endlich nach. Eigentlich hat erst die Motion von Nationalrat Keller (Aarau) die Ausarbeitung des Beschlusses erwirkt. Dem Ständerat wurde das Erstberatungsrecht eingeräumt. Die ständerätliche Kommission reiste in der Folge mit Car alpins in verschiedenen Landesgegenden herum und verschaffte sich einen Einblick sowohl über den Zustand der Strassen als auch über die Bedeutung der Durchgangsstrassen in den kleinen und Gebirgskantonen. Ihre Auffassung legten die Mitglieder der ständerätlichen Kommission in einem Entwürfe nieder, der nun in den wesentlichsten Teilen vom Rate auch angenommen wurde. Welches sind nun die Grundzüge desselben? Die Kantone erhalten aus dem Ertrage der Zölle auf Benzin und ähnlichen Stoffen einen Viertel zugesprochen. Sie haben diese Anteile für die Verbesserung und den Unterhalt der dem AutomobilveTkehr dienenden Onkel Krombachs Chauffeur. Heitere Erzählung von Max Böttcher. 2 (Nachdruck verbaten.) Strassen zu verwenden und sie sind auch verpflichtet, die verfassungswidrigen Durchgangsgebühren und andere verkehrshemmende Abgaben aufzuheben. Als Grundlage der Verteilung gelten die Aufwendungen der Kantone für das gesamte dem Automobilverkehr dienende Strassennetz. Die Anteilsummen aus den Jahren 1925 und 1926 betragen je etwa vier Millionen. Der Durchschnitt der Aufwendungen der Kantone von 1920 bis 1927 gilt als Verteilungsfaktor. Die Gebühren der Automobilisten und Radfahrer werden von den Aufwendungen abgezogen. Ein Fonds von 5 % der zu verteilenden Summe dient der Ausgleichung von ungerechten Zuteilungen. Hr. A. Dufcnir, Versoix (Genf), Zentralpräsident des A.C.S. Wie vorauszusehen war, erhitzten"^ich die Köpfe und erregten sich die Gemüter bei der Festlegung des Verteilungsmodus und bei der Abschaffung der Durchgangsgebühren. Wenn der grosse Kanton Graubünden nur den vierzigsten Teil des Ertrages erhält, d. h. ca. 80,000 Franken, und gleichzeitig ca. 230,000 Franken an ausfallenden Durchgangsgebühren verliert, so ist für ihn da- Und in gleicher Stunde, da Lore Ltndt kopfschüttelnd diese geheimnisvolle Depesche las, trat ihr Bruder Heinz bei Onkel Krombach in das Hotelzimmer. «Morgen Krombach! Gut geschlafen?» «Miserabel, Lindt! Ein Motor sitzt mir im Schädel, mindestens 45pferdig!> Und erhielt seinen Kopf unter die Kaltwasserleitung und Hess einen Niagarafall drüber stürzen. «Ah, da Sie gerade das Wort 45pferdig gebrauchen: ich gratuliere Ihnen zum neuen Wagen, Kromberg!» «Wagen?? — Wagen?? Wieso Wagen?!» « Aber Sie haben doch gestern abend einen prächtigen 45 PS erstanden, funkelnagelneu für 16 Mille!» «Was? Ich hätte.-. Donnerwetter,ja! Jetzt besinne ich mich wieder! — Dooonnerwetter, da habe ich ja einen kapitalen Blödsinn gelandet! Was soll ich bloss mit dem Wagen? Ich verstehe ja absolut nichts vom Autofahren!» «Ist ja auch nicht nötig, die Hauptsache, dass Sie einen ordentlichen, tüchtigen Chauffeur haben!» «Ha, wo soll unsereins einen brauchbaren Chauffeur herkriegen?» «Tausend für einen! Annoncieren Sie!» «Ausgeschlossen ! Einen x-beliebigen, stellenlosen Wagenführer. Fällt mir gar nicht ein! Lieber spanne ich ein paar Ochsen vor mein Auto und fahre so spazieren!» «Hm, Sie sind, wie es scheint, ein wenig ängstlich, bester Krombach! — Hm, was machen wir denn da? Haben wir Ihnen das Auto aufgeredet, gestern Abend, müssen wir Ihnen auch einen anständigen Chauffeur verschaffen! Halt, da habe ich eine Idee! Dass ich nicht gleich daraufkam! Also hören Sie: Ich borge Ihnen meinen Chauffeur!» «Das wollten Sie tun? Ja, brauchen Sie ihn denn nicht selbst?» «Bis Ostern nicht! Ich verreise morgen nach der Riviera zur Kur und in dieser Zeit können Sie meinen Franz gepumpt bekommen.» «Das wäre ja herrlich! In dieser Zeit sehe ich mich dann nach einem andern um, bin dann wenigstens kein Greenhorn mehr! Und er ist ein sicherer Fahrer, Ihr Franz??» klärt die Durchgangsgebühren als verfassungsgemäss, da der Automobilverkehr eine Ueberbenutzung der Strassen darstelle. Seiner Auffassung traten Bundesrat Häberlin und Professor Burckhardt entschieden entgegen. Auch aus der Mitte des Rates selbst wurde die Verfassungswidrigkeit der Gebühren nicht bestritten, da die Bundesverfassung schon 1848 dieselben abgeschafft hat, um den Strassenverkehr zu fördern. Mit Recht hat der Ständerat auf diese Gebühren verzichtet und durch eine jähriiche Ausscheidung von ca. 200,000 Franken in einen Ausgleichsfonds einen Gegenwert zu den wegfallenden Durchgangstaxen geschaffen. Der Verteilungsmodus wurde nach dem Vorschlag der Kommission angenommen. Der Automobilist runzelt aber seine Stirne, denn Ml glieder des neuen Zentralkomitees des A. C. S. Hr. Dr. E. Hemde, Bern. durch eine kritische Situation geschaffen. Obwalden würde an Stelle von 60,000 Franken Durchgangsgebühren nur noch 12,000 Franken erhalten. Das Gutachten Professor Blumensteins erdie Verdoppelung der Subventionen — im Sinne einer wertvollen Anpassung der Strassen an den Automobilverkehr — ist schon in den Kommissionsverhandlungen verschwunden. Wo bleibt die eigentliche Anpassung der Strassen an die Anforderungen des automobilen Verkehrs?' Der Ständerat hat das Referendum zugelassen. Inzwischen wird aber der Nationalrat den Entwurf nach seinem Empfinden ummodeln. Was wird uns die Frühjahrssession des Nationalrates darüber Neues bringen? Kann im nächsten Herbst vielleicht endlich der Benzinzoll verteilt werden? La. INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespartene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. (ur die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. GrOssere Inserate nach Seitentarit. Insemtensehlnss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer über die Deckung der Schäden bei Autounfällen. Das Korrektionelle Amtsgericht in Bern beschäftigte sich letzter Tage mit einem sehr interessanten Versicherungsfall. Der Angeklagte B. ist bei einer Versicherung gegen Haftpflicht bei Autounfällen versichert. Di© Gesellschaft hat durch den Vertrag dem Versicherungsnehmer denjenigen Schaden zu ersetzen, der ihm dadurch entsteht, dass er bei einem, von seinem Auto verursachten Unfall einen Personen- oder Sachschaden vergüten muss. Vor mehreren Monaten stiess er mit seinem Wagen gegen ein Lastauto und verursachte Schaden. Seine Versicherungsgesellschaft nahm an, er sei im Fehler und sie schickte ihm den Schadenersatz von 478 Hr. Dr. W. Fässler. St. Gallen. Franken zu, damit er das Geld dem Weinhändler auszahle. Er nahm das Geld in Empfang, tilgte aber eigene Schulden damit, statt das Geld dem geschädigten Weinhändler auszuzahlen- Nun war aber dieser seinerseits gegen Schaden bei Autounfällen bei einer anderen Gesellschaft versichert, und zwar durch eine Kaskoversicherung. Er bekam den Schaden durch seine Gesellschaft ersetzt. — Hätte der Angeklagte ihm die 478 Franken noch ausbezahlt, so hätte er den Schaden doppelt ersetzt gehabt. In diesem Falle- aber hätte er das Geld an seine Gesellschaft zurücksenden müssen. Da er dies nicht «Absolute Garantie! Glänzender Fahrer, tadelloser Reparateur und im Nebenamte ein erstklassiger Kammerdiener, Koch, spielt Schach, Host leidlich gut vor, reitet, kurz, er ist das Ideal eines Chauffeurs, aber Sie müssen ihn mehr kameradschaftlich behandeln, so gewissermassen Familienanschluss, verstehen Sie. Er hat früher bessere Tage gesehen, hat prima Bildung und ist dankbar, wenn man ihn nicht fühlen lässt, dass er Autokutscher ist! » «Der Kerl muss ja eine Perle sein! Na, bei mir soll er es gut haben, das verspreche ich Ihnen. Er soll mit mir essen, ausreiten, die Abende mit mir verbringen, wenn er nur halbwegs gute Manieren hat!» «Die hat er, und ich wette, Sie werden ihn zu Ostern gar nicht wieder abgeben wollen! Sein Aeusseres ist sehr adrett, er hat etwas Mädchenhaftes an sich, wie so'n kleiner Aristokrat. Aber damit Sie sehen, dass ich auch seine schwachen Seiten nicht verschweige: Franz ist wasserscheu! Unheilbar wasserscheu!» «Aha, das Ferkel wäscht sich nicht!» «Ach, sauber ist er trotzdem, aber er badet nicht! Ist absolut nicht dazu zu kriegen, ja, er kann nicht einmal andere baden sehen.. Er wird sofort seekrank, waschecht seekrank! Also zu Dienstleistungen, wenn Sie baden, bester Freund, oder sich auch nur etwas weitherzig waschen, können Sie ihn unbedingt nicht heranziehen!» «Keine Sorge, dazu brauche ich ihn nicht!» «Dann wäre ja die Sache komplett, Krombach! Er kommt heute nachmittag hier an und bringt mir meine Koffer für meine Reise. Punkt sechs Uhr bringe ich ihn in das Hotel und stelle ihn Ihnen vor!» «Sie sind doch ein prächtiger Kerl, Lindt! Diese Gefälligkeit mit dem Chauffeur vergesse ich Ihnen mein Lebtag nicht!» «Na, wollen erst mal sehen, ob Sie zufrieden sind! Sollten Sie sich etwa Ostern durchaus nicht von ihm trennen wollen oder können, nun, dann bin ich auch kein Unmensch, dann behalten Sie ihn in Gottes Namen weiter!» lachte aus tiefstem Herzen Lindt und verabschiedete sich. 3 Uhr 27 nachmittags. — Bahnhof Bern. «'tag Lore! Fein, dass Du kommst!» «Servus, Heinz! Was gibt's denn so eilig?» «Einen Mann für Dich!» Sie bestiegen einen Taxi, und während der Fahrt erklärte Heinz seiner Schwester den Plan. «Wenn Du je Aussicht gehabt hast, einen netten begüterten Mann zu bekommen, den Du um den Finger zu wickeln vermagst, so ist es heute!»