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E_1928_Zeitung_Nr.003

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14 Das moralische

14 Das moralische Automobil Das Schwerste für die Autofahrerin ist lange nicht die Prüfung. Trotz ihrer unbelasteten Vergangenheit, was technische und praktische Kenntnisse betrifft, hat sie mit bewundernswerter Schnelligkeit die ungewohnten Dinge begriffen. Was tut man nicht alles aus Liebe — und die Liebe zum Auto ist leidenschaftlich und beständig, im Gegensatz zu anderen Abarten desselben Gefühls. Das Schwerste ist auch nicht das Aufpassen im Strassenverkehr, obwohl es schon ein bisschen nervös machen kann, dauernd fluchtbereiten Kutschern von Rollwagen usw. auszuweichen. Schwerer ist schon die Unmöglichkeit, während des Fahrens die Schaufenster zu betrachten. Es gehört immerhin moralische Stärke dazu, mitten im Gewühl der Strasse eine auffällige Schaufensterdekoration zu erblicken und in leuchtenden Lettern die Worte: niemals wiederkehrende Gelegenheit — einmaliges Angebot in Crepe Georgette — zu erhaschen. Und ohne näheres zu erfahren wieder ausschliesslich auf das Steuer aufzupassen. Aber am allerschwersten ist es doch, nicht auf Blicke reagieren zu können. Da fährt man nun im kleidsamsten Wagen, in kleidsamster sportlicher Ausrüstung und fühlt sich äusserst vorteilhaft zur Geltung gebracht. Trotz Ueberhandnehmens weiblicher Selbstfahrer weiss man auch, dass Unzählige einem nachblicken. Man kann von einer Frau nicht verlangen, dass sie annimmt, diese Blicke würden nur ihrem neuen Beruf gelten. Warum nicht auch dem besonders fesch gekniffenen beige Filzhut, den höchst aparten Stulpenhandschuhen, na, und überhaupt ... Unter den Hunderten, die sie fixieren, während sie vorbeifährt oder im Gewühl stoppen muss, sind vielleicht einige, denen sie auch gern nachgeguckt hätte. Vielleicht, vielleicht, der grosse Unbekannte... Vergebens. Sie darf nicht rechts noch links schauen — oder nur so weit, als es sich um andere Fahrzeuge handelt —, sie muss sich angestarrt fühlen und darf nicht wissen von wem. Der einzige Mann, dem sie ins Auge blicken kann und soll, ist der Schupo. Es gehört Seelengrösse dazu, Sclbstfahrerin zu sein. Vielleicht auch, dass das einsame Steuern inmitten eines Kreuzfeuers unerwiderter Blicke die Treue gegen irgendeinen einzelnen wieder zu erhöhter Geltung bringt. Somit wäre das Autofahren nicht nur ein Vergnügen, sondern auch etwas Hochmoralisches. Nicht einmal Englisch können sie... * sagt Shaw. Die beiden einfachsten Worte der englischen Sprache sind «Yes» und «No», aber diese beiden einfachsten Worte wurden von den Mitgliedern des Ausschusses, der über die Frage der korrekten Aussprache des Englischen im Rundfunk beriet, grundverschieden ausgesprochen. So versichert wenigstens Bernard Shaw bei zwei Grammopbonaufnahmen über die Aussprache eines korrekten Englisch, die im Interesse des Linguaphon- Instituts gemacht wurden. Das ideale Englisch ist, wie Shaw ausführte, ein Traum, der unerfüllt bleibt. Es gibt nicht zwei Engländer, deren Aussprache restlos dieselbe wäre. Wenn einer in der Absicht, England zu besuchen, Englisch lernt, so möge er von vornherein auf den Versuch, ein reines Englisch zu sprechen, verzichten, weil ihn in diesem Falle kein Mensch in England verstehen würde. Von tausend Londonern sprechen 999 nicht nur ein unreines Englisch, sie sprechen dieses unreine Englisch obendrein auch noch erschrecklich schlecht aus. Tempo... ! Das Zeichen unserer Zeit ist; Tempo ! Wir leben seit bald hundert Jahren in einer ausgesprochen auf das Technische, Dynamische, Mechanistische eingestellten Epoche. Immer schneller seit den letzten Jahrzehnten folgen sich die auf erhöhte Geschwindigkeiten abzielenden Rekorde dieser nur mit dem Qualitätssinn und den reizbaren Nerven fassbaren Sensationen der Zivilisation! Wann wird die geistige Kultur diesen ungeheuren Vorsprung einholen? Was die Tierwelt im Laufe von Jahrmillionen errungen hat, die Herrschaft über das Land, die Meere und die Luft, eroberte sich die Menschheit, damit verglichen, in einem Augenblick. Und dennoch sind ihr an Geschwindigkeitsleistungen die mechanische Natur und viele Tiere über. Man darf natürlich nur die Gesetze der Relativität gelten lassen, das heisst die Fortbewegung 1 eines toten oder lebenden Körpers im Verhältnis zu seiner Grosse. Wenn sich also unser ganzes Sonnensystem in einer Sekunde 20 Kilometer durch den Himmelsraum bewegt und die Erde 30 Kilometer in ihrem Lauf um die Sonne, so ist das verhältnismässig keine ausserordentliche Geschwindigkeit und wird relativ vom Fluge der Schwalbe, die 3,5 Kilometer in einer Minute zurücklegen kann, weit übertroffen. In der mechanischen Welt sind die Geschwindigkeiten die höchsten; der des Lichts, das bekanntlich 300,000 Kilometer in einer Sekunde zurücklegt, so dass eine drahtlose Depesche, heute abgeschickt, doch erst in zirka vier Jahren den nächsten Fixstern erreicht, folgt die Rotationsgeschwindigkeit in der Welt des Kleinsten, die der Elektronen im Planetensystem der Atome, so dass beispielsweise ein aus Madrid abgeschossenes Elektrom eher Moskau erreicht als em vom Tisch fallendes Geldstück den Fussboden, während die Elektrizität zehnmal in einer Sekunde den Erdäquator umlaufen kann. Der Schall pflanzt sich im Wasser 1525 Meter, in der Luft nur 300 Meter in der Sekunde fort. Ein Orkan legt 40 Meter, ein Sturm 25 Meter, ein gewöhnlicher Wind 15 Meter in der Sekunde zurück. Die vom Orkan getriebenen Wellen des Grossen; Ozeans erreichen von Japan aus in 121,4 Stunden die Küsten von Kalifornien, während die gewöhnlichen Wellen nur um das Vierfache die Geschwindigkeit eines Postdampfers übertreffen. Der Blitz durchschneidet in einer Sekunde 45,000 deutsche Meilen, und die Strahlendruckgeschwindigkeit an der Grenze der Atmosphäre ist imstande, ein einziges Stäubchen von 0,0015 mm Durchmesser in acht Tagen von der Erde zum Jupiter zu tragen. AUTOMOBIL-REVUE 1928 - N°3 Von den Tieren sind die Vögel natürlich am geschwindesten. Eine im Jahre 1925 von Compiegne bei Paris abgeflogene Schwalbe flog innerhalb einer Stunde nach Antwerpen und zurück (201 km). Die Brieftauben sind bedeutend langsamer. Der «König von Rom» brauchte 1913 von Rom nach Derby einen Monat. Die Haustauben fliegen in einer Sekunde nur 16 Meter. Die isländischen Falken gelten als die schnellsten Flieger. So wird berichtet, dass ein Falke Kaiser Barbarossas in drei Stunden Marseille von Köln aus erreichte, und ein anderer, den Heinrich IV. (1600) von Fontainebleau fliegen Hess, in derselben Zeit nach Malta kam. Ein Adler soll 24 Meter in der Sekunde zurücklegen. Von den Pferden gelten die kaukasischen als die schnellsten Renner (70—80 km in der Stunde), die Rennpferde laufen 50 km in der Stunde. Ein Reiter, der in Uli-Assatoi zu Pferde stieg, durchritt die 1800 Meilen nach Peking in neun Tagen, ein schwedischer Kurier (1733) ritt in acht Tagen von Warschau nach Versailles, um dem Exkönig von Polen seine Wiederberufung auf den Thron anzuzeigen, und der Kardinal Riario erreichte zu Pferde von Bologna aus in fünf Tagen die Ewige Stadt (1474). Auf Schlittschuhen vermag der Mensch 5,7 Meter in der Sekunde sich fortzubewegen. Ohne Hilfsmittel kann er auf kurze Strecken 35 km in einer Stunde zurücklegen. Seine höchste Marschleistung bleibt 120 km an einem Tage, die mit der eines Schnelläufers zusammenfällt. Philippides brachte in zwei Tagen von Athen nach Sparta die Siegesbotschaft von Marathon. Püiiius berichtet v on einem achtjährigen Knaben, der 75,000 Scnnttc an einem Tage machen konnte. Der Mensch hat aber verstanden, sich die mechanische Natur dienstbar zu machen und durch ingeniöse Erfindungen im wahrsten Sinne die (icschwindigkeilsleistungen der organischen Welt ZU «überflügeln». Mit Schncllzugseile könnte er in sechs Monaten den Mond, in 190 Jahrer die Sonne erreichen. Eine elektrische Lokomotive legt 200 km in der Stunde zurück. Das Automobil hat im Frühjahr 1927 den Rekord auf 333 km in der Stunde heraufgeschraubt — eine phantastische Leistung Segraves, mit seinem 1000-PS-Sunbeam-Motor. Diese Leistung, die demnächst von den Amerikanern noch überboten werden will, ist so brutal, dass ihr jeder eigentliche technische Wert abgeht. Das Flugzeug erreichte durch Bernardi eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gegen 510 Stundenkilometer. Wir werden schon noch die Zeit erreichen, wenn in Bern gefrühstückt wird, dass das Mittagessen in Konstantinopel und der Tee in Bagdad am selben Tage eingenommen werden kann. Aber diese Erfolge haben auch ihre weniger guten Seiten; durch die ungeheuren Raumverkürzungen lässt der Mensch seinen Planeten schneller zusammenschrumpfen, als die kosmischen Kräfte es tun, und bald wird er darauf sinnen müssen, den Raum unseres Sonnensystems verfügbar zu machen. Ein Pariser über die schonen Wienerinnen. Der französische Journalist Rene Bizct stimmt im «L'Intransigeant» ein Loblied auf Wien an, «eine Stadt von alter Schönheit und noch immer bezauberndem Reiz». Begeistert ist aber Bizet besonders von den Wienerinnen: «Im Königreich des Charmes und der Eleganz ist seit jeher die Wienerin eine Rivalin der Pariserin. Der Ruf der schönen Wienerin ist wohl begründet. Paris und Wien sind zweifellos die beiden einzigen Städte, in denen man Frauen trifft, die trotz bescheidener Geldmittel und trotz einfacher Stoffe sich so graziös und elegant zu kleiden verstehen, dass man sich unwillkürlich umdrehen und ihnen nachsehen muss, um sie zu bewundern. Die Wienerinnen haben in ihrer überwiegenden Mehrheit den Bubikopf eingeführt.. Nur einige tragen noch lauge Haare oder Locken, was ihnen ein rührend romantisches Aussehen verleiht. A.uch die Hutform ist den Modefrisuren geschickt angepasst. Ausser bei einigen Bäuerinnen, die mit dem Kopftuch auf die Wienermärkte kommen, sieht man nur hübsche Kopfbedeckungen. Was aber den Pariser am meisten frappiert, auch jene, die gewagte Moden gewöhnt sind, ist hier der kurze Rock. In Wien ist er nämlich sehr kurz und reicht oft nur knapp bis ans Knie. Die so gekleidete Dame kann sich nicht zur Erde bücken oder in der Strassenbahn die Füsse kreuzen. Geht heftiger Wind, muss sie ihren Rock fest an den Körper halten, beim Niedersetzen den Ruck herunterziehen, um nicht indezent zu wirken. In Wien wollen die Frauen niclTt jungen Mädchen, sondern Kindern gleichen. Man sieht nur Seidenstrümpfe oder Imitationen, Dazu trägt die Wienerin keine zu kleinen Schuhe, so dass man annehmen könnte, sie habe grosse Füsse. Das ist übrigens möglich, denn die Wienerin ist zumeist «solid gebaut». Man sieht keine hinfälligen Geschöpfe, dünn wie ein Faden. Die Wienerin will sicher nicht dick sein, aber sie martert sich auch nicht, um extra platt zu erscheinen. Eine Vorliebe, welche die Wienerin nicht mit der Pariserin teilt, ist die Freude an den Kaffeehausbesuchen. In den vornehmen, behaglichen Wiener Kaffeehäusern sieht man fast ebenso viel Frauen als Männer. Die Dame geht allein in das Kaffeehaus, trinkt ihre Melange, liest die ihr in grosser Auswahl gereichten Zeitungen und geht dann wieder. An gewissen Abenden kann man in einigen Ringstrassenkaffeehäusern die ganze Liebenswürdigkeit, das bestrickende Lächeln von Wien in einem Augenblick erfassen und verstehen. In Wien sieht man auch noch viele Blondinen. Hier ist vielleicht die letzte Heimat dieser zarten, reizvollen Hautfarbe und des rosigen Teints- Bei uns wird dieser Neiz zumeist nur auf dem Wege der Entfärbung und der Kosmetik hergestellt. Sie sind wirklich nicht die geringsten Zierden von Wien, diese sanften Blondinen mit den lieben, blauen Augen — oder auch dunklen, die schon durch die Tradition als Eigenart der grossen Donaustadt gepriesen werden. Sehr selten werden Illusionen auf der Reise durch die Wirklichkeit nicht enttäuscht •-.. hier werden sie sogar übertroffen.» Die Galanterie treibt auch im Zeitalter des Materialismus noch schöne Früchte. ^TITFTJ • • r» "1" Vi r " J.Gieller-mimiisiiacber A.-G, Basel Bern Ziirlch MITTAG- M. ABENDE'SS'im nach Menü oder Taaeskavte Währschafte Zvieri «Im Gegenteil — ich finde, du darfst das nicht — und es gibt dir jedenfalls eine vortreffliche Waffe für deinen Prozess.» Sie wandte ihm das Gesicht zu; «Was sie für furchtbare Augen machen kann,» dachte er ängstlich, « wahre Schlangenaugen. » Aber von seinem Grimm aller Ueberlegenheit beraubt, erzählte er nun: «Na ja — ich habe eine kleine Freundin. Habe mich ihrer angenommen, weil es ihr gar so schlecht ging — natürlich rein platonisch — ». « Heisst? » unterbrach ihn seine Zuhörerin. Einen Augenblick zögerte er, dann sagte er heftig: «Marie Kattern. » «Ach. die kleine Puppe. Hans kennt sie auch. Ich habe aus Gutmütigkeit sogar auch 'mal mit ihr gesprochen. » « Ja, dein Hans kennt sie wohl mehr als gut.» Seine Stimme war schneidend. «Er ist seit zwei Tagen mit ihr auf und davon. Sie hat mir einen Zettel hinterlassen, auf dem steht: «Adieu, mein ewig Geliebter, ich muss mit Hans van der Feldt nach Italien », und darin liegt eben, dass er sie so gut wie vergewaltigt hat.» «Natürlich,» pflichtete Gertrud ihm bei. Sie sah vor sich nieder. « Vor zwei Tagen — gleich nachdem er von Baden-Baden zurückgekommer. war —». Sie meinte den Zusammenhang besser zu verstehen als Alois: die Rache galt nicht ihm, sie galt ihr. « Und was willst du nun tun? » «Ihnen nachfahren. Ich ärgere mich zu sehr. Das hat noch keine Frau gewagt, mich so — und ausserdem weiss ich ganz genau, dass er Gewalt angewendet hat. » « Selbstverständlich, » unterstützte sie ihn von neuem in dieser Idee. « Ja und deshalb fahre ich ihnen nach. Ich will Marie befreien. Sie haben zwar einen Vorsprung, aber ich hoffe, ich bekomme noch heute den Pass für Italien — ». Aha, daher die Aufregung! Hans besass eine Dauereinreise-Erlaubnis, weil er so oft wegen des Geschäftes und der Wettfahrten hin und her musste. Und für seine Begleiterin — ach, sie beide kannten ja die Wege, wie man so etwas schnell machte, ihnen wurden auch alle Erleichterungen gewährt. Sie überlegte rasch: ihr Weg war ihr vorgezeichnet. Alle Sentimentalität darüber, dass dieser Mann sie schon betrog, warf sie beiseite. Auch dass Hans sich getröstet haben sollte. Ihm nach, ihm die Kette abjagen — nun wurde es Sport. Und dann die Niederlage für ihn, wenn Marie Kattern mit vollen Segeln wieder ins feindliche Lager überging. Wie gern würde sie sich diese kleine Galoppade von dem reichen Manne verzeihen lassen. Was würde aber aus ihr selbst?! « Bis heut' gegen Abend kann ich alles bereit haben,» überlegte sie, «also ich fahre noch heute, Alois,» sie hob den Kopf und sah ihn an, « du bist freundlichst eingeladen, mitzukommen. » « Wohin denn? » fragte er halb ängstlich. « Ich will ja nach Italien, sobald ich —». «Dahin fahre ich auch,» sagte sie mit einem merkwürdigen Lachen. « Denn wie du dir Marie zurückholen willst — ». «Wenn das auch nicht grade — ». « Na, oder retten — das bleibt sich gleich — so habe ich auch eine kleine Auseinandersetzung mit meinem eher mari. Ausserdem, wie du schon sagtest, es ist eine herrliche Waffe für mich, ihn jetzt schon vor der ausgesprochenen Scheidung mit einer andern zu treffen. » « Ja, aber mein Billet — ». « Bestell' es nur wieder ab, mein Freund. Du glaubst wohl nicht im Ernst, dass ich mich in einen Zug setzte, bei diesem köstlichen Wetter.» « Und wenn es schlecht wird —». «Das gibt's überhaupt nicht! Wenn man im Auto sitzt, so ist es immer schön — ein bisschen Regen oder Sturm, die machen es ja nur interessant — ». «Ich danke.» richtig zu widersprechen wagte er nicht: sie hatte solch eine eigentümliche Art, ihn anzusehen, in der die stumme Frage lag: «Feige? » Und sie nahm die ganze Sache wirklich riesig vernünftig, über alle Erwartung vernünftig. Er fühlte eine Verbündete in ihr. Sie dachte nicht an Szenen. Sie war eine dieser neuen Frauen, die sich mit den Tatsachen abfinden. Stolz und aufrecht stand sie vor ihm. Ihr feingeschnittenes Gesicht war wie zu einer Maske erstarrt. Sie gefiel ihm sehr. Er griff nach ihrer Hand. « Dass man das alles erst durchmachen muss, ehe man zu einanderkommt,» sagte er nicht gerade glücklich. Aber sie sah ihn an, ais höre sie ihn gar nicht. Das Telephon ging und seine ganze Sehnsucht, fortzukommen, erwachte sofort: er stürzte hin und empfing mit Freuden die Nachricht, dass man seinem Diener den fertigen Pass ausgehändigt habe. « Also, » sagte Gertrud von Wcrtlm ruhig, «es steht fest! Ich hole dich mit meinem Wagen ab. Nimm nicht zu viel Gepäck mit, ich werde mich auch beschränken. Ich gehe nach Hause und packe. » Wie war es doch gestern Nacht und heute früh noch gewesen? Hier bleiben im geliebten München. Keinen Koffer mehr sehen — zu Hause sein. Aber wo war sie zu Hause? Nicht mehr in den bunten Zimmern, seit Hans ausgezogen war. Noch weniger bei diesem Mann, der einer andern, einer Marie Kattern, nachjagte. Männer, Männer — sie verachtete den einen wie den andern. Und sie würde es ihnen zeigen. Wenn sie sich beide gegenüberstanden, dann sollte ihre Stunde der Genugtuung schlagen. Sie sass schon wieder im Auto. Hatte sie Alois eigentlich Lebewohl gesagt? Ach, sie würde ja genug von ihm sehen, in der nächsten Zeit. Es war alles so gleichgültig neben dem brennenden Wunsche, Hans einzuholen — seine Beschämung zu erleben. (Fortsetzung folgO

n 3 - 1928 J?^"O.@ Todesstrahlen. Ucbcr die unheimlich anmutenden Strahlen, deren Entdeckung durch den Physiker D. W, Coolidge in der gesamten Presse sensationell autgebauscht wurde, berichtet man folgendes: Vor noch nicht langer Zeit hat man aus Amerika die Entdeckung der sog. Todcsstrahlen durch den Physiker D. \V. Coolidge gemeldet. Die Meldung gab \nlass zu allerhand grusligen, phantastischen Vorstellungen. Wie verhält es sich damit? Bei diesen Strahlen handelt es sich um Elektroströme, wie sie in den Vcrstärkerrölircu unserer Radio- Empiangsapparate wirksam sind. Im Grunde genommen sind die «Todcsstrahlcn» Coolidges keine neue Erfindung, sondern der Ausbau einer Entdeckung, die schon Ende des letzten Jahrhunderts durch den deutschen Physiker Lcnard gemacht wurde. Die Leitfähigkeit der Luft für Elektrizität ist unter gewöhnlichen Verhältnissen sehr gering. Sie nimmt zu, wenn die Luft verdünnt wird. Das Experiment lässt sich mit den bekannten Geisslcr-Röhren bewerkstelligen. Die Ausstrahlung der Elektrizität vom negativen Pol (Kathode) zum positiven Pol (Anode) vollzieht sich unter verschwommenen Lichterscheimmgen. Diese Kathodenstrahlen können bei aussergevv'öhulich verdünnter Luft in der Röhre nicht wieder Durchlass finden, treter: dagegen durch ein angebrachtes Aluminiumplättchen in die Luft hinaus und- bewegen sich darin noch eine Weile fort. Die Todesstrahlen des Amerikaners Coolidge sind im Grunde solche Kathodenstrahlen. Als Spezialist im Bau von Röntgenröhren, worin er sich grosse Verdienste erworben hat, war es ihm ein Leichtes, die alten Lenardschen Veisuche mit Erfolg aufzunehmen. Es ist ihm gelungen, den Elektronen (so nennt man die kleinen Dingerchen, die in diesem Falle das sog. Licht verursachen) eine grössere Geschwindigkeit und gerade Richtung zu geben auf das Aluminiumfenster zu, das in der Röhre angebracht ist, Das Anbringen eines solchen Fensters ist schwierig, da es vollkommen luftdicht auf der Röhre aufsitzen muss und ausserdem einen sehr hohen Luftdruck auszuhalten hat, weil das Innere der Röhre nahezu luftleer ist. Durch die Spannung von 250,000 Volt erreichen die Elektronen eine solche Geschwindigkeit, dass sie sich auch nach Durchqueren des Aluminiiunfensters in der äussern Luft noch sehr weithin bewegen. Lenard erzielte nur eine Reichweite von einigen Zentimetern, während Coolidge mit seinen vervollkommneten Hilfsmitteln bis zu einem halben Meter gelangen konnte. Man kann also keine Personen auf Kilometerentfernung töten, wie dies kriegerische Phantasten angenommen haben. Tatsache ist aber, dass diese Kathodenstrahlen eine vernichtende Wirkung haben. Kleine Lebewesen, Fliegen und Mücken, die in den Bereich der Strahlen gelanget:, werden augenblicklich getötet. Wird eine behaarte Körpersteile von den Strahlen getroffen, so fällt das Haar aus. Es wächst wohl wieder nach, doch bleibt es schneeweiss. Selbst Haut- und Fleischpartien können derart hergenommen werden, dass sie absterben. Die Luft rings !ör die Bessere Fimiüe zirka 12 Sorten, nur das Besto von rem Eier und Naturbutter hergestellt. Makrönü, Waffeln, Haselimssb"i.;kuits, Basierleckerli usw., versendet in Büchsen von 2 kr; gegen Nachnahme v. Fr. 10.— franko. Wer einmal bezo