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E_1927_Zeitung_Nr.104

E_1927_Zeitung_Nr.104

Aasgabe: Deutsche Schweiz* BERR; Freiiaa, 30. Dezember 1927. Nummer 20 Cts 23. Jahrgang. — N° ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint leden Diennag und Freitag Monatlich „Gelbe LUU" Halbjährtlcn Fr. 5.—, lAhrlich Pr. 10.—. Im Ausland unter Portoznschlag, ••lern nicht postamtlich bestellt Zuschlag tttr postamtliche Bestellung Im ADMINISTRATION: Breltenrainstrasse 97, Ben? In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Hechrrans MI'414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm höh« Grundzelle odef deren Baum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Ct* Grössere Inserate nach Seitentaril. tnseratensehhus 4 Tage vor Ersnbelnen der betreffenden Rimm« Kreuzen und Hlntereinanderfahren. (Aus dem Bundesgericht.) Im Sommer 1925 fuhren auf der Landstrasse Derendingen-Subingen zwei Heufuder, welche mit je einem Pferde bespannt waren; von den Personen, welche die beiden Fuhrwerke begleiteten, ging die eine, Frau H., hinter dem zweiten Heufuder her. Dem zweiten Heufuder folgte ferner ein Möbeltransportauto in sehr geringer Entfernung, welche vom Gericht in der Folge auf sechs Meter angenommen wurde. Von Subingen her kam diesen drei Fahrzeugen ein Motorrad mit Seitenwagen entgegen, dessen Geschwindigkeit ungefähr 25 km betrug. Ohne merklich zu verlangsamen, fuhr der Motorradfahrer F. an den beiden Heufudern vorbei, wobei er, da die Strassenbreite nur 4,7 Meter betrug, nach rechts bis auf das grasbewachsene Wegbord ausweichen musste- Als er am zweiten Heufuder vorbeigekommen war, bog er scharf nach links gegen die Strassenmitte ein und überrannte mit dem Seitenwagen die hinter dem zweiten Heufuder gehende Frau H. Der dem zweiten Heufuder folgende Lastwagen fuhr über den linken Oberschenkel der am Boden Liegenden, stoppte dann ab und fuhr zurück. Frau H. erlitt schwere Verletzungen. Frau H. klagte auf Schadenersatz. Da die Klage vor den solothurnischen Gerichten hängig gemacht wurde, konnte sich der Lastwagenführer und dessen Arbeitgeber, die im Kanton Aargau wohnhaft sind, auf Art. 59 der Bundesverfassung berufen, wonach der solvente Schuldner für persönliche Ansprachen vor dem Richter seines Wohnortes (im vorliegenden Falle also vor den aargauischen Gerichten gesucht werden muss. Der Motorradfahrer F. wurde vom Amtsgericht Bucheggberg-Kriegstetten zu Fr. 2934 Heilungskosten, Fr. 20,000 Schadenersatz und Fr 1000 Genugtuungssumme verurteilt. Das Solothurnische Obergericht und das Bundesgericht (I. Zivilabteilung) haben der Klägerin Heilungskosten und Schadenersatz im gleichen Betrage zugesprochen, dagegen die Genugtuungsstimme auf Fr. 2000 erhöht. Als Verschulden wurde dem Motorradfahrer zunächst angerechnet, dass er nicht wesentlich verlangsamt habe, als er den beiden Heufudern begegnete. Nach Art. 34 des Autokonkordates hat der Fahrer zu verlangsamen oder nötigenfalls anzuhalten, wenn sein Fahrzeug Antass zu einem Verkehrshemmnis oder Unfall bieten könnte. Tm vorliegenden Falle Onkel Krombachs Chauffeur. Heitere Erzählung von Max Böttcher. 3 (Nachdruck verboten.) (Sohluss) Erst wollte Lore wütend werden, aber dann lachte sie plötzlich herzlich auf und rief: «Ist gemacht! Du, das ist grossartig! Erstens ist das ein Mordsulk, und zweitens lerne ich so meinen mir zugedachten Eheherrn glänzend kennen und er mich! —Aber, aber — Heinz, ist es nicht möglich, dass dabei für mich als Dame recht heikle Situationen entstehen können, wenn ich auch Kammerdienste mit übernehmen muss?! Ich meine im Schlafzimmer oder im Bad!» «Keine Sorge! Ist bereits alles geregelt!» Lore Lindt in ihrer jünglingsharten Schlankheit und in dem feschen Bubikopf war ein äusserst herrschaftlicher Chauffeur. Die Hosenrolle meisterte sie ausgezeichnet, zumal sie schon seit Jahren bei alkn erdenklichen Sports, die sie trieb, Hosen zu tragen gewöhnt war. Punkt sechs Uhr brachte Lindt seine Schwester, den Chauffeur, zu Krombach in Unsere Arbeit im kommenden Jahr. Für den AutomobiJfahrer war das Jahr 1927 ein Jahr des Kampfes um sein Recht; mit der Beseitigung des «Bundesgesetzes für den Automobilverkehr» haben wir uns vor einem Rückschritt im Verkehrsleben bewahrt; Verbände, Fachpresse, jeder einzelne von uns war in diesem Kampf um unsere Existenz ein zuverlässiger Fechter. Bereits tauchen neue Schwierigkeiten am automobilistischen Horizont auf; das veraltete Automobil-Konkordat — darüber ist sich jedermann einig — bedarf einer gründlichen Revision; diese Revision erblicken wir in einem modernen schweizerischen Verkehrsgesetz, das allen Benutzern der Strasse gleiche Rechte und gleiche Pflichten bringt. Einige möchten aber zunächst ein kantonales Flickwerk zustande bringen; was dabei herauskommt, haben wir vor wenigen Wochen miterlebt, als der Kanton Bern dem Konkordat eine «zeitgemässe» Erweiterung durch ein Dekret gab, das neben sonstigen wirtschaftlichen Einschnürungen den Lastwagenverkehr nächtlicherweile lahmlegen will. Wir erinnern am Jahresende an den Kampf um den Benzinzoll. Während von höchster behördlicher Seite aus seinerzeit feierlich erklärt wurde, « der Benzinzoll ist keine fiskalische Massnahme des Bandes», müssen wir Fahrer feststellen, dass dieser gewaltige Zoll zu drei Viertel in den unergründlichen Taschen des Bundes verschwindet und dass die Kantone um den einzigen Viertel sich von Parlament zu Parlament balgen müssen, bis ein kleiner Teil der Benzin-Millionen auf die Strasse kommt. Der Automobilfahrer muss mit allen Mitteln des Gesetzes und des Rechtes dafür kämpfen, dass dieser Zoll restlos für den Ausbau der Strassenverkehrs-Interessen herangezogen wird. Dort trägt er, wirtschaftlich gesprochen, die besten Früchte, kommt den schweizerischen Gesamtinteressen am ehesten gugute. «Auto und Bahn» ist zum Schlagwort im schweizerischen Verkehrsleben geworden. Die Bahn erblickt im Automobil den unerwünschten Konkurrenten, dessen wirtschaftliche Ueberlegenheit sie gewaltsam zu bekämpfen sucht. Offen und geheim wird an der Schmälerung der Rechte der Automobilfahrer gearbeitet; mit dem Schreckgespenst der Bahndefizite sucht man .vielfach das Volk gegen die gesunde Fortentwicklung des Automobilverkehrs zu stimmen. Einzelne Kantone, zahlreiche Gemeinden und Behörden landauf, landab sind immer mit dabei, wenn es gilt, dem Automobilisten neue Lasten und Steuern aufzubürden; kann man demselben nicht auf loyalem Wege beikpmmen, so versucht man vielfach mittels kleiner Schikanen den Fahrer tropfenweise abzuzapfen; jeder von uns kennt jene mehr oder weniger regelmässigen Verkehrsteuern, die wir als Ergebnis sog. «Kontrollen» leisten müssen. An keiner Kategorie von Bürgern dürfte man sich derartige Abzapfungen erlauben, wie sie den Autlern gegenüber in vielen Gegenden als selbstverständlich gelten. All diesen Erscheinungen gilt unsere Arbeit, unser Kampf im neuen Jahr; Schulter an Schulter mit Gleichgesinnten wollen wir ihn führen, als unabhängiges Zentralblatt für das schweizerische Automobilwesen, das alle Verbände nach besten Kräften unterstützt. Wie unser Blatt der eigenen Fortbildung jedes Lesers dient, ist bekannt; der Automobilbesitzer hat in seinem Fahrzeug ein wertvolles Gut zu verwalten, wie man dasselbe hegt und pflegt, wie wir unsern Automobilbetrieb rationell einrichten, wo wir in den neuzeitlichen Erscheinungen der Praxis und Technik Anregung und Belehrung finden können, zeigt unser Blatt auf jeder Seite. Der Automobilist braucht eine starke, machtvolle Presse; in 24jähriger rastloser Arbeit hat es die «A.-R.» verstanden, die Mehrzahl der schweizerischen Automobilbesitzer als seine regelmässigen Leser zu begrüssen; wir dürfen uns der Sympathie und Anerkennung der meisten derselben erfreuen. Deshalb wird auch am Schluss des Jahres eine persönliche Bitte, die wir mit unseren herzlichen Neujahrswünschen verknüpfen, von unsern Lesern kaum verübelt, sie lautet: Automobilisten, bleibt Eurem Blatt, dem Verteidiger Eurer Interessen, auch im neuen Jahre treu; zahlt den Fünfliber für die Halbjahres-Nachnahme gern, er ist gewiss eine bescheidene Gegenleistung für das jede Woche zweimal bei Euch einkehrende interessante und vielseitige Blatt. Wir suchen Eure Anhänglichkeit durch energische Anstrengungen für unsere gemeinsame Sache zu lohnen. Bern, Zürich. Genf, Ende 1927. das Hotel. Sofort wurde eine Probefahrtim neuen Wagen angetreten, und Lore, die von jetzt ab Franz heisst, fuhr glänzend. Weich in den Kurven, beim Bremsen ohne Stoss, dabei sicher im Ausweichen und Durchschlüpfen, absolut firm in der Verkehrsordnung — so war Franz das Ideal eines Chauffeurs. — Und als am nächsten Tage Krombach in seinem neuen Auto heimfuhr, sicher gelenkt von Franz, war er aus tiefster Seele dem guten Lindt dankbar, dass er ihm seinen Chauffeur geliehen hatte. Auch im Nebenamte als Diener zeigte sich Franz als äusserst brauchbar. Er war gewandt im Servieren, geräuschlos, sah dem Herrn gewissermassen alle Wünsche von den Augen ab, umhegte und verwöhnte ihn, wie er bisher in seinem Jungesellendasein noch nie erlebt hatte. Und da der Zufall wollte, dass Trine, die alte Köchin an Grippe erkrankte und in das Spital gebracht werden musste, übernahm die Perle von Chauffeur sogar noch den Kochdienst. Mit grandioser Umsicht schaltete und waltete er in der Küche, brachte die beiden Hausmädchen tüchtig in Schwung, und sie gehorchten dem hübschen, jungen Kerlchen nur gar so gern, denn binnen wenigen Tagen waren sie, wie auch alle anderen weiblichen Wesen auf dem Gute, bis über die Ohren in den neuen Chauffeur verliebt. — Lore beobachtete in diesen Taeen den Onkel Krombach genau. Sie hatte bald seine und uerN üer j schwachen Seiten entdeckt, aber fand zu ihrer Freude, dass er wirklich ein lieber, netter Mensch war. Sie mochte ihn bald gut leiden — und er sie oder besser: ihn, den Chauffeur- — An den stürmischen Märzabenden rief Krombach Franz zum Schachspiel in das behagliche Zimmer. Dann sassen sie bis um Mitternacht am Brette, unterhielten sich, spielten, manchmal musste Franz auch etwas vorlesen, und Onkel Krombach wunderte sich von Tag zu Tag mehr, wie gebildet sein Chauffeur war. Und noch eine besondere Beobachung machte er. Das zarte, fast mädchenhafte Gesicht von Franz fiel ihm auf, die schmalen, gutgeformten Hände gaben ihm ebenfalls zu denken, die grossen, dunklen Augen mit den langen Wimpern erinnerten ihn an südländischen Typus, die kleinen Ohren erschienen ihm geradezu klassisch, und so platzte er eines Tages heraus: «Sagen Sie, Franz, haben Sie denn noch keinen Schatz gefunden auf dem Gute oder im Dorfe?» «Aber Herr Krombach!» «Na, was denn? Sie sind doch ein verteufelt hübscher Kerl, und so apart in allem! Das kann ich Ihnen ehrlich sagen: Wenn ich ein Mädel wäre, verdammt, ich wäre längst verliebt in Sie!» Da sprang Franz auf, ganz unkommentmässig, wurde über und über rot und wollte zur Tür hinaus. musste der Beklagte erkennen, dass die Gefahr eines Unfalles bestand, sobald er der beiden breiten Heufuder auf der schmalen Strasse ansichtig wurde, was ihn um so mehr zum Langsamfahren hätte veranlassen sollen, als er mit der Möglichkeit rechnen musste, dass hinter den Heufudern, für ihn noch unsichtbar, Fussgänger oder andere Fuhrwerke folgen könnten. Ein weiteres Verschulden liegt darin, dass der Beklagte kein Signal gab, obschon er dies gemäss Art. 31 des Konkordates hätte tun sollen, sobald die Sicherheit es erforderte. Die Signalgebung wäre einmal geboten gewesen wegen der beiden Heufuder, an denen er vorbeiiahren wollte, sodann auch zur Warnung der den Heuwagen allfällig nachfolgenden Personen, denen sein Nahen unbemerkt bleiben konnte. Sodann liegt zweifellos ein -schweres Verschulden des Motorradfahrers in dem scharfen Einbdegen gegen die Strassenmitte zu nach Passieren der Heuwagen; denn er musste damit rechnen, dass er hinter denselben Fuhrwerke oder Fussgänger vorfinden konnte. Durch das Urteil ist der Beklagte für die gesamten Schadensfolgen verantwortlich gemacht worden, da die anderen Personen, die allfällig als mitverantwortlich in Frage kommen, nicht Prozesspartei waren. Das Amtsgericht hatte festgesetzt, dass der Beklagte Vs, der Führer des Lastwagens % der Schadensfolgen zu tragen habe. Das Obergericht nahm an, diese Feststellung- sei nicht zulässig, erklärte aber, dass den Lastwagenführer, da er zu nahe aufgeschlossen habe, gleichfalls ein Verschulden treffe. Dem Bundesgericht ging auch diese Feststellung noch zu weit, da der Lastwagenführer nicht Prozesspartei war; es beschränkte sich auf die Erklärung, dass dem Beklagten F. offen stehe, auf den Lastwagenführer Regress zu nehmen für den Fall, dass im Prozess gegen diesen dessen Verschulden festgestellt werde. W. An die Leser! Der Neujahrsfeiertage wegen erscheint die nächste Nummer der «Automobil-Revue» am Dienstag, den 3. Januar 1928. Die Redaktion. «Halt! Halt! Dageblieben! Mensch, Franz, seien Sie doch nicht so empfindlich! Hergesetzt und weitergespielt! Ich glaube, Sie haben tatsächlich noch kein Mädel geküsst!» «Auf Ehrenwort, nein, Herr Krombach!» rief Franz und musste jetzt mit Mühe ein Lächeln unterdrücken. «Na, dann passen Sie ja zu mir, ich bin nämlich auch noch so ziemlich unberührt, trotz meiner 38 Lenze!» «Soll ich das glauben, Herr Krombach! Sie sind doch wirklich ein recht netter, lieber Mensch!» meinte sie leise und blickte dabei verlegen nieder. «Glauben Sie das getrost, Franz! Ich bin all mein Leben zu zaghaft und schüchtern, besonders dem weiblichen Geschlecht gegenüber, gewesen. Ich brächte gern eine liebe, tüchtige Herrin in mein Haus, so eine umsichtige Hausfrau, wissen Sie, die alles so aus den Aermeln schüttelt, wie Sie, Franz! Aber ich finde keine und mich mag wohl auch keine!» «Vielleicht gibt es doch jemand, der Sie von Herzen gern hat, Herr Krombach!» «Ich glaube es nicht! Oder wissen Sie es besser, Franz?» Lore nickte und sah ihn mit ihren grossen, schwarzen Augen dabei schelmisch und kokett an. «Donnerwetter, er ist wirklich ein verdammt hübscher Kerl!», dachte Krombach, und laut sagte er: «Dann heraus mit der