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E_1928_Zeitung_Nr.001

E_1928_Zeitung_Nr.001

Dl© Adminlstratlonii Aasgabe: Deutsche Schweiz. BERTI; Dienstag, 3. Januar 1928. Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang. — N° 1 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „(Hlbe List«*' Hsfbjlhrllcb Fr. 6.—, jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozuscnlag, sofern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung Im ADMINISTRATION: Brcltenralnstrasse 97, Bero In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuns 111/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevu«, Bern Dem. •3SSRS- 'AC_#JLJ- Mit dem neuen Jahr sind wir in die Zeit einmal vertreten waren, und schliesslich eine der planmässigen Vorbereitungen für den fünfte unter denjenigen, welche dieses Frühjahr ihren Einzug am Genfer Salon halten. Genfer Salon eingetreten. Zwei Tage vor Sylvester wurden die Stände ausgelost, und Diesem Verteilungsmodus ist die volle Berechtigung nicht abzusprechen. Die Aus- zwar — wie alljährlich zu Beginn— die Wagenstände. Wenn auch die Zahl dieser Stände steller der ersten Verlosung sichern sich so — sie springt um 80 herum — keine spürbare einen Stand in der grossen Halle, die übrigen Zunahme gegenüber derjenigen des letzten werden sich mit dem restlichen Ausstellungsraum zufrieden geben müssen, oder — im- Jahres zeigt, so ist doch der Raum jedes einzelnen Standes erheblich vergrössert worden. Aus diesem Grunde mussten nicht nur Anbau von ca. 1000 Quadratmetern mer noch im Parterre — mit dem diejenigen, welche den Termin — und sei es auch nur um einen Tag — überschritten hatten, fast unberücksichtigt bleiben, sondern es musste auch erstmals eine Verlosung der Stände nach dem Alter vorgenommen werden, analog wie dies in England zu geschehen pflegt... e:rLi;£j-O£j"^:rx welcher, wie wir schon früher andeuteten, gegen die Arve hinaus errichtet wird. Was wir erwähnen, bezieht sich übrigens nicht auf die sogenannten «grands Stands», wovon sich nur deren zwei im Anbau befinden werden. 18 «petits Stands» werden den Raum dieses Anbaues belegen, angrenzend an die Karosserien. Der übrig bleibende Platz wird vollständig durch die Lastwagen beansprucht. Die Galerien bleiben wiederum den Motorrädern und Zubehörständen reserviert. Mehr Platz war mit dem besten Willen nicht herauszuholen. Immerhin konnte etwas Raum an der Balustradenseite der Galerie gewonnen werden, indem nun die Stände nicht mehr in Gruppen zu zwei und zwei und durch einen Zwischenraum getrennt, aneinandergereiht werden, sondern sich wie auf der Mauerseite in einer fortlaufenden Kette hinziehen werden. Auf diese Weise wird das Total von 80 Zubehörständen des letzten Jahres am diesjährigen Salon mit 220 überschritten. Verschiedene Zubehörfirmen, welche noch innerhalb des Termins an die Türen der Organisatoren geplopft hatten, mussten leider unverrichteter Dinge abziehen, da sie gleich zu Anfang denjenigen Gruppen zugeteilt waren, auf die im Falle von Platzmangel, so schwer es den Organisatoren auch fiel, verzichtet werden musste. Das Grundübel unseres Genfer Salons ist der Platzmangel. Von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Aussteller an, immer wieder gelang es, noch mehr Raum beanspruchen zu können — dieses Jahr stehen wir nun wohl an der Grenze des Möglichen. Diesem Uebel kann wohl auch der erwähnte Anbau nicht steuern. Es scheint deshalb wieder einmal angebracht, zu Beginn dieses Jahres die indiskrete Frage aufzurollen: Wann werden wir den permanenten Anbau — wann das zweite Ausstellungspalais besitzen ? Eine Frage, welche wir, um zu beginnen, den allmächtigen Herren des Ehrenkomitees des Salons unterbreiten möchten. — So ehrend ihre Stellung auch sei, ist sie doch nicht frei von einer moralischen Verpflichtung: Mit der Macht ihres ganzen bedeutenden Einflusses die Entwicklung des schweizerischen Automobilsalons zu fördern! Wenn man bedenkt, welche immense Rolle dei Genfer Salon in unserem Wirtschaftsleben spielt, so sollte er in seiner Bedeutung nicht durch ungenügende materielle Konditionen INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 CU. (ür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif, Inserattnsehmss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Namme? eingeschränkt werden. Ja, wenn man sich vergewissert, welche Veranstaltungen der Genfer Salon neben der Automobilausstellung beherbergt hat- und in noch vermehrtem Masse beherbergen kann, wenn man weiss, in welchem Masse die Erwartungen der Unternehmer des gewaltigen, heute aber schon zu kleinen Gebäudes, erfüllt worden sind, sollte man nicht unschlüssig sein, das durch die Umstände geschaffene Problem energisch und richtig anzupacken!... Die Pläne sind fertig; die finanzielle Basis ist bereit! Es bleibt nur noch der Wille zum Handeln, die harmonische Entwicklung aller Kräite zur Ausgestaltung unseres Salons. Namens der Zahllosen, welche im Laufe der Jahre an der heutigen Grosse der Genfer Ausstellung gebaut, namens aller derjenigen, die auch dieses Jahr keinen Platz finden konnten und der Vielen, die zum Voraus auf Herr Bandespräsident E. Sohulthess wird das Ehren* Präsidium des Genfer-Salons 1928 übernehmen. Das Verfahren ist einleuchtend: eine erste Verlosung wurde unter den Firmen vorgenommen, welche schon vier Jahre und mehr zu den Kunden des Salons zählen; eine zweite unter denjenigen, die dtei Jahre ausstellen; eine dritte unter denjenigen, die schon zwei Ausstellungen auf ihrem Aktivum hatten: eine vierte unter denjenigen, die nur als ich am grossen Preis von Monza fuhr ... Als ich die Nachricht erhielt, war ich wie im Traume umhergegangen. Die Wirklichkeit schien verblasst und ein neues, herrliches Leben in ihre Bahnen zu treten. Mütterlicherseits hatte ich in Amerika einen Onkel gehabt. Für mich aber existierte er nicht, denn ich hatte ihn noch nie gesehen. Mutter sprach aber so viel von ihm, dass ich manchmal untertags bei der Arbeit innehielt und mich nach Amerika zu versetzen wünschte. Meine Mutter glaubte nämlich bestimmt, dass Onkel Dolf über'm grossen Teich ein riesiges Vermögen gemacht habe... Und als wie wahr hatte sich ihre Annahme erwiesen ! Ich kann nicht beschreiben, was ich in den nächsten Tagen tat, als ich die Nachricht von l Herr A. Dufour, Präsident des Autoinobilelubs Schweiz. der unermesslichen Erbschaft erhielt! Mutter und ich waren Onkel Dolfs einzige überlebende Verwandte und die findige amerikanische Polizei hatte uns in der kleinen Schweiz herausgefunden. Onkel Dolf hatte seine Millionen mit Hosenknöpfen gemacht. Bitte, ein ganz wichtiger, von Kultur zeugender Artikel! Mir konnte es schnuppe sein, wenn nur die Millionen.. .,^___ Die ersten drei Tage brauchte ich keinen Rappen, den ich in magern Tagen nicht auch gebraucht hätte. Nur der, welcher eine Erbschaft macht, die in die Millionen geht, versteht, welche Gefühle und Pläne so ein armes Menschenherz durchjagen, im Sturm durchwühlen! Am Abend ging ich in die Garage hinaus. Da stand mit zwei Laternen wie verliebte Augen ein lieber, alter Kampfgenosse. Ein Tealwagen aus dem Jahre 1903. Mit einer Träne im Knopfloch nahm ich Abschied von ihm. Dann schlich ich mich ins Bett, das Chekbuch mit unbeschränktem Kredit der Nationalbank neben mich auf das Nachttischchen legend. Diese Nacht fand ich keinen Schlaf. Oh, Jammer! In spiesserischer Gewohnheit hatte ich den Wecker gerichtet. Schlag 5 Uhr rasselte der Unselige herunter. Ich drehte mich nochmals, krampfte die Augen zu... der Herr Henneberg, Präsident dos T. C. S. Um 8 Uhr weckte mich die Mutter. Meyer sei draussen. Er wolle mir auf den Ersten nächsten Monats kündigen, wenn ich nicht sofort käme. Ich rieb mir die schlaftrunkenen Augen aus und bat die Mutter, Meyer solle an mein Bett kommen. Da kam er, mein Prinzipal, langsam, bedächtig. Streng, wie immer, fixierte er mich. Es war ein Montag. Ich hielt ihm das Chekbuch entgegen. Mein Prinzipal wurde bleich vor Wut und ging klein und hässlich aus der Kammer. Ich raffe mich auf. Ich habe Grosses vor. In einigen Tagen wird man von mir reden. Nicht vom schnöden Mammon, sondern von Energie — Mut — Waghalsigkeit ohnegleichen Monza!' Welcher Wohlklang für ineine Ohren ! Reichtum geht doch über alles. Gibt mir, dem Sportmenschen, die Mittel, Energie und Mut zu zeigen. Der Grosse Preis von Monza!! Ich lasse mir von meiner Bank 300,000 Franken nach Turin anweisen. Gottfried Berger ist mein Begleiter. Er soll mit mir die Fahrt machen, die über mein ferneres Leben entscheiden soll. Sieg oder Tod ist meine Devise! Die Nerven zittern beim blossen Gedanken Herr A. Moriaud, Präsident des gentenschen Staatsrates. ein Gesuch verzichteten, da sie dessen Nutzlosigkeit einsahen, ermutigen wir die führenden Persönlichkeiten, zu handeln! Wir richten unsere Wünsche an das Ehrenkomitee! Sollte der Plan, dank tatkräftiger Initiativ^, in nächster Zukunft seiner Verwirklichung entgegengehen, werden wir — auch wenn wir es nie gehabt hätten — ein Ehrenkomitee des Genfer Salons besitzen! d. v. an den Grossen Preis, an Ehre, Macht — Glück! Ich habe Anfälle. In Zürich besteigen wir das Flugzeug. In zwei Stunden sind wir in Turin. Die Werke der riesigen Automobilfabrik kommen uns entgegen. Im Auto fahren wir vom Flugplatz in die Fabrik. Dann werden die Modelle vorgeführt. Erste Renner, die je ein Menschenherz, ein Sportherz entzückten! Achtzylinder, riesige Pferdestärke. Gottfried handelt, wirft Tausender um sich, brüllt Fachausdrücke, liegt unter der Haube der Motoren. Der Generaldirektor hält ihm lächelnd eine Zeitung hin. Die «Gazetta dello Sport» bringt schon mein Bild! Wortlos zahlt Gottfried 110,000 Franken. Der Direktor legt die Stirne in den Staub. Wir zwei fliegen im Wagen davon; Konstruktion und Bedienung des Wagens sind ein Kinderspiel. Der Monsterwagen reagiert auf den leisesten Druck des Ringfingers. Am gleichen Abend sind wir in Mailand. Wir haben keine Zeit noch zu trainieren. Alles weiss, dass wir starten wollen. Die Journalisten sind ecklig wie die Bremsen. Wie ich fiebre! Mein Kopf hämmert. Gottfried hat sich eine Pfeife angesteckt. Eine unabsehbare Menge sporthungriger Menschen drängt sich auf der Tribüne der Rennbahn. (Schluss folgt.)