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E_1928_Zeitung_Nr.005

E_1928_Zeitung_Nr.005

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERlt; Dienstag, 17. Januar 1928. Nummer 20 Ct». 2t. Jahrgang. — N« 5 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint jeden Dienstag und Freitag < Monatlich „Gelbe Liste" «.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, tolero nicht pottamtlich bestellt Zuschlag für postamtliche Bestellung Im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnun« HI/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorovue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hoho Grundzelle oder deren Raum 45 Ct». für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif* Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Die* 9 »sdhi Iedh#e Am 21. und 22. Oktober letzten Jahres tagte in Lausanne die Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz im Beisein von Herrn Bundesrat Häberlin und Prof. Delaquis, sowie einzelner kantonaler Baudirektoren.. Die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Zustände im Strassenverkehr beleuchtete damals eine Flut der heterogensten Forderungen und Eingaben, so dass man die Einsetzung einer Kommission der Polizei-, Justiz- und Baudirektoren beschloss, die prüfen sollte, welche Verbesserungen bis zum Erlass des Bundesgesetzes, ohne Aenderung der bestehenden gesetzlichen Grundlagen, möglich sind, um sodann das Ergebnis im Verlauf des Winters einer Gesamtkonferenz vorzulegen. In Luzern hat nun diese Studienkommission getagt und im Wesentlichen folgendes Programm aufgestellt: Regelung der Arbeitszeit für Berufschauffeure : Eidgenössische Spezialgesetzgebung, sobald über die Fragen des Benzinzolles und der Verkehrsinitiative entschieden ist. Vereinheitlichung der Automobilsteuern und -gebühren: «Aufwertung» nach dem Muster der Kantone mit hohen Ansätzen. Einheitliche Formel für die Berechnung der Pferdestärke: also wohl Verallgemeinerung der Formel mit 0,4, die das 0,3 so schmerzlos substituierte. Erhöhung des Lastwagenmaximums von 9 auf 10 Tonnen. Beibehaltung des jetzigen Systems für Schnelligkeitsvorschriften und Nummernverteilung. Anpassung der Strassenzeichen nach internationalem Muster. Ausschliessung des «groben Verschuldens» in den Versicherungspolizen. Die Vorschläge soll eine Gesamtkonferenz Ende Februar behandeln. Die Studienkommission äusserte sich in Luzern dahin, dass eine eidgenössische Gesetzgebung anzustreben sei. Sobald die Strassenverkehrsinitiative dem Volke vorgelegen habe, werde das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement bereit sein, dem Bundesrat eine neue Vorlage zuhanden der Bundesversammlung vorzulegen. Das der Strassenverkehrsinitiative gestellte Prognostikum sei ein sehr schlechtes! Wir erfahren also wieder einmal, dass von der Strassenverkehrsliga nichts Gutes kommen kann. Aber das tut nicht weh. Denken Wüstenfahrt. Von G. Stratil-Sauer." Am frühen Morgen begann ich meine Wüstenfahrt. Ueber eine kleine Brücke, vorbei an letzten Palmenhainen und durch eine breite Senke, deren Ende eine flache Hügelzone säumte, — so erreichte ich die tischebene Unendlichkeit. Selbst die Strasse hörte hier auf. Zwar wies eine bis zu fünfhundert Meter breite Zone von Fahrgeleisen die Richtlinien des Verkehrs, doch zweigten so oft Spuren zur Seite ab, dass man sich darauf nicht verlassen konnte. So stellte ich denn nach der Karte fest, in welcher Richtung Bagdad liegen musste, nahm den Kompass in die Linke und liess mich in die Unendlichkeit hinaustragen. Der Boden war hier anders als in der persischen Wüste, wo die Häufung lockerer Sand- und Steinkörnchen das Fahren zur Qual machte: Glimmerschüppchen von den Zagrosketten, abgeweht, waren mit den Sanden zu Lehm verwittert, so dass die Fahrzeuge auf dieser widerstandsfähigen, oft spiegelglatten Fläche in märchenhafter Geschwindigkeit dahinfliegen können. So ist das Kraftfahrzeug zum modernen Aus dem im August Scherl-Verlaff (Berlin) erschienenen Buche « Fahrt und Fessel » l^vo^rioxe wir einwenig zurück, wie sozusagen die gesamte Tagespresse das Referendum gegen die Automobilgesetzvorlage eine Abfuhr prophezeite, wie stark das Referendum überzeichnet wurde, wie wuchtig die Volksäbstimmung trotz den krankhaften Anstrengungen der Tagespresse die unglückliche Vorlage verworfen hat, wie sodann die Tagespresse die Strassenverkehrsinitiative totgeschwiegen oder sabotiert hat. Wir sagen auch heute : «Posaunenstösse, die eitel Wind!» Die Anhänger der Strassenverkehrsliga,. SQllte man ihnen den Fehdehandschuh nochmals hinwerfen, werden ihn wieder aufnehmen. Selbst wenn die Automobilisten umfallen sollten werden die Radfahrer der Schweiz allein den Feldzug durchführen. Darauf können sich die Herren von der Obstruktion verlassen. Merkwürdig immerhin erscheint .die schlechte Prognose, wenn man sich an>eiiien von Bern aus inspirierten Artikel der «Thurgauer Zeitung» vom November 1927 erinnert. Dort hiess es u. a.: «Die Verkehrsinitiative enthält viel Gutes, über das man im Bundeshaus und in grossen Kreisen der Bevölkerung erfreut ist. Es fet nichts dagegen einzuwenden, dass die Gesetzesbefugnis über den ganzen Strassenverkehr dem Bunde übertragen werden soll .. Man weiss auch, dass die Strassenverkehrsliga auch schon einen Entwurf für ein solches Gesetz ausgeabeitet hat, der. wie Bundesrat Häberlin beabsichtigt hatte, auch die Füssgänger m das Gesetz einbezieht. Es gibt ängstliohe Gemüter, die jedem Gesetz ein Fiasko voiajJ&sagen, das irgendwo an die «wohlerworbenen Rechte» der Fus'g-- ganger rührt... Herr Bundesrat Häberlin hat im StändeTat im Jahre 1923 erklärt, dass man die Landstasse nicht wegen der Füssgänger gebaut hat, sondern dass für diese Fusswego genügt hätten, und wir haben auch nach der Abstimmung vom 15. Mai geschrieben, dass man keinen Grund habe, über das Abstimmungsergebnis allzu sehr den Kopf hängen zu lassen, wenn es' sich zeigen sollte, dass auch die Fussgänger eine allgemeine Verkehrsregelung wünschten. Wir hoffen das heute noch, denn die Erkenntnis wächst immer mehr, dass es ohne diese allgemeine Verkehrsregelung nicht mehr geht.» — Setzen wir nun den Fall, das Referendum wäre nicht zustandegekommen oder die Volksabstimmung anders ausgefallen und jene Gesetzesvorlage wäre in Kraft erwachsen: wie kläglich wäre es heute und auf Jahre hinaus um die schweizerische Strassenverkehrsregelung bestellt! Wenn jemand, so hat die Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz alle Ursache, über den bisherigen Verlauf der Entwicklung und das Zustandekommen der Strassenverkehrsinitiative erfreut zu sein. Erinnern wir uns übrigens daran, was für Schiff der Wüste geworden. Der Fahrende findet den Weg mit dem Kompass am Steuerrad; denn sonst gibt ihm die grenzenlose Leere nichts, das ihm die Richtung weisen könnte. — Meine Maschine flog jubelnd über die Weite, wie sie nie zuvor noch gefahren. Bald war jegliche Fülle von Formen, jede Spur von Leben und Bewegung, bald war mir selbst der Horizont entschwunden: die ungeheure Monotonie von Gelb und Violett hüllte mich völlig ein. Ein Hauch der Unendlichkeit weht den an, der von hohem Gipfel die weite Welt unter sich ermisst; eindringlicher spricht die Unendlichkeit zu dem, der einsam im fernen Weltmeer treibt; — am gewaltigsten aber ergreift die Unendlichkeit den Menschen in der Wüste. Denn unter dem höchsten Gipfel noch umspielen die ziehenden Nebel andere Höhen und zeigen zerreissend das Tal; über das fernste Meer rollen ruhelos die Wogen, vom Fluge der Wolken verfolgt; — die Wüste aber hat nichts als die grenzenlose Leere des Himmels und die grenzenlose Eintönigkeit des Sandes. Sie birgt keine Bewegung, keinen Wechsel, keine Gestaltung, — stumm u. leer ruht sie in ihrem ewigen Tod, dass der Wandernde fest glaubt, die Welt habe aufgehört zu kreisen. In all ihrer Armut, in ihrer ungeheuren Negation doppelt rein, als die schlichteste und grösste Form der Erde, so löscht sie jedes stolze Selbstgefühl aus. Und doch sang mir der Motor dazwischen sein Lied vom Menschenwerk, das selbst diese Unermesslichkeit zu meistern weiss. eine-Resolution diese Konferenz vom 21. und 22. Oktober 1927 in Lausanne gefasst hat. Damals hiess es: «Da der gegenwärtige Stand im Automobilverkehr durchaus unbefriedigend ist und die öffentliche Sicherheit gefährdet, kann nur auf dem Wege der eidgenössischen Gesetzgebung eine befriedigende Lösung herbeigeführt werden. Die Konferenz wünscht daher, dass die Verkehrsinitiative möglichst bald dem Volke und den Ständen zur Entscheidung vorgelegt werde-» Dass die frühere Gesetzesvorlage hinter den* Anforderungen des heutigen Verkehrs zurückstand, das wird heute nur noch der bestreiten, der von den Verkehrsverhältnissen keine blasse Ahnung hat! Wenn nun heute der Weg offen steht zu einer allgemeinen Strassengesetzgebung mit Einschluss aller Srrassenbenützer, so verdanken wir das der Tätigkeit der Strassenverkehrsliga. Ihre Initiative weist den Weg, der gegangen werden muss, sollen wir erträgliche Zustände erhalten. Wer ihr eine schlechte Prognose stellt, hat nichts gelernt und alles vergessen. Die Strassenbenützer bilden eine geschlossene Front, deren Linie glücklicherweise von keinen parteipolitischen Erwägungen durchbrochen wird. .Ihre Forderungen werden so sicher durchdringen, wie die letzte Vorlage verworfen wurde. Soll es nochmals auf den Kampf ankommen,, nun gut! Ist er nötig, so wird leider die Zeit des Tohuwabohu verlängert werden 'und das Ziel später erreicht! Aber erreicht wird es werden!! 0 Ausbau einer Zürcher Ausfallstrasse. Gleichzeitig mit dem Vorschlag zur Umgestaltung des Paradeplatzes tritt der Stadtrat mit einem weiteren wichtigen Strassenbauprdjekt vor den Grossen Stadtrat. Es handelt sich um die Verbreiterung der Universitätsstrasse, welchem Projekt vom verkehrstechnischen Standpunkt aus mehr als nur lokale Bedeutung zukommt. Dieser Strassenzug ist nämlich nur ein Teilstüek einer bedeutenden Ausfallsroute nach Winterthur und der übrigen Ostschweiz. Die bisherige Anlage der Universitätsstrasse war besonders für den Motorfahrzeugverkehr sehr hindernd. Die Fahrbahn, in welche ein Doppelgeleise der Strassenbahn eingelassen ist, weist nur eine Breite von sechs Metern auf. Durch das gänzliche Fehlen von Seltsam zu denken, dass. hier, in diesem Glutreich des strengsten und einsamsten Todes, einmal blühendes, fruchtbares Leben geatmet haben soll! Als letzte spärliche Zeugnisse davon traf ich ab und zu zerfallene Kanäle, deren Trümmer mir keinen Eindruck mehr von der ehemaligen Grossartigkeit der Bewässerungsanlagen erwecken konnten. — Wo sie den Sand durchschnitten, einten sich die weiten Fahrspuren in engem Strahlenbündel auf einen Punkt hin, an dem dann auch unfehlbar eine Brücke oder ein bequemer Uebergang den Kanal kreuzte. — Bald werden auch diese Gräben vom Sande verschüttet sein wie das ganze fruchtbare Kulturland, bald werden auch diese letzten Spuren von Menschenhand besiegt sein von dem grossen Nichts, das mich nun gähnend wieder umfing. Noch musste Bagdad weit sein; noch konnte also das Auge nichts anderes treffen als glattgelben Sand. Aber leuchtete dort nicht ein lebendiges Grün am Horizonte auf? Nein, es war ja unmöglich, dass der Tigris .schon so nahe sein sollte. — Nun verlachte ich mich selbst; so viel schon hatte ich von Reisenden über Luftspiegelungen gehört, so genau v/usste ich darüber Bescheid, welche physikalischen Gesetze unserem Auge diese verlockenden Trugbilder erscheinen lassen, — und dennoch hatte mich beim ersten Anblick eine heisse Freude über das nahe Ziel durchzuckt! Also weiter, nicht ablenken lassen! Doch jetzt schien ich ihm näher gekommen genügend breiten Fahrstreifen ausserhalb der Geleisebänder war eine flüssige Verkehrsabwicklung unmöglich, da die übrigen Fahrzeuge ständig die Fahrbahn der Tramways benützen mussten und sich bei einem regen Verkehr in beiden Richtungen mangels genügenden Raumes zum Ausweichen vielfach Stockungen ergaben. Die Fahrbahn soll nun symmetrisch beidseitig der Geleise von 6 auf 11 Meter verbreitert werden, wodurch ausserhalb der Schienen freie Fahrstreifen von je 3,65 Meter Breite geschaffen werden. Die Strasse soll einen Belag in Granitkleinstein- Pflästerung erhalten. Das Bauamt hat die Gelegenheit wahrgenommen, um die Beseitigung der für den Verkehr recht gefährlichen Ecke an der Kreuzung der Tannen- und Universitätsstrasse in das Projekt einzubeziehen. Durch Abschrotung der Gebäudeecke soll das Trottoir erheblich zurück verlegt werden, wodurch sich eine bessere Ausfahrt aus der Tannenstrasse ergibt und zugleich die Übersichtlichkeit dieser Kreuzung bedeutend erhöht wird. Der Strassenzug Rämi-, Universitäts- und Winterthurerstrasse ist seinem weitem Verlauf nach eine typische Ausfallstrasse, die aber bis anhin gerade wegen ihrer ungünstigen Anlage im mittleren Stück nicht die Frequenz aufwies, wie sie sonst bei derartigen Hauptrouten üblich ist. Der Durchgangsverkehr nach Winterthur und weiter ostwärts wählte grösstenteils die Route vom Hauptbahnhof über die Walehebrücke nach der neuen Beckenhofstrasse und Schaffhauserstrasse. Diese Variante war mit der Zeit so populär geworden, dass selbst die Fahrzeuge aus den an die Seeufer grenzenden Quartieren und darüber hinaus diese Route der für sie nahe liegenderen vorzogen. Die Bestrebungen der Bau- und Polizeibehörden gehen aber mit Recht darauf aus, den ganzen Verkehr, der nicht unbedingt die Bahnhofstrasse benützen muss, von der Hauptverkehrsader abzuleiten, um diese, sowie auch den Bahnhof- und Paradeplatz weitgehend zu entlasten. Das vorliegende Projekt muss deshalb besonders auch von diesem Standpunkt aus bewertet werden und erhält dadurch erhöhte Bedeutung. Es darf mit Recht angenommen werden, dass der Verkehr nach der Ostschweiz aus der Seegegend sich bestimmt der Route über Rämi- und Universitätsstrasse bedient, sobald die Anlage dieser Strassenflucht den Motorfahrzeugen, trotz dem vorhandenen Strassenbahn-Betrieb, eine freie Durchfahrt ermöglicht Z. zu sein. Verschwommen hoben sich vom Grün die Konturen weisser Häuser ab, silbrig hell schimmerte es an ihrem Grunde wie ein Wasserlauf. Konnten das noch Luftspiegelungen sein? Die plastische Klarheit des Bildes liess mich an meinen vernünftigen Ueberlegungen irre werden. Vielleicht war ich doch ein wenig von der Richtung abgewichen und musste nun die ersten Oasen von Bagdad schräg zur Seite auftauchen sehen? Schon war ich von dieser Lösung überzeugt; ich fuhr in eine flache Mulde hinab, wo ich das Rad umlenken wollte, — und in diesem Augenblick zerflatterte das schöne Bild in Nichts. Und wieder dehnte es sich endlos leer vor mir. Doch da, zur linken der Stelle, wo mich eben die Fata Morgana genarrt, tauchte es wieder auf, Palmen, ein breiter Fluss, ein Streifen Rasen oder Buschwerk, — diesmal konnte es keine Sinnestäuschung sein, es war zu nah. Ich riss freudig das Rad zur Seite, auf den Lauf des Tigris zu. Schon konnte das Auge die dunklen Stämme vom hellen Grün- und Silbergrunde unterscheiden, schon hoben sich die Umrisse der langen Schwertblätter vom tiefblauen Himmel ab, — da entglitt alles wieder dem Blick, als ich eine kleine Sandschwelle überfuhr. In der Mulde wollte ich umkehren, doch nun tauchte es wieder auf, näher und farbiger, wie mir schien, vollste körperliche Wirklichkeit. In rasendem Tempo fuhr ich darauf zu, und wieder zerrann es, wieder grösste es mich winkend, — nach einer Viertelstunde gab ich die Jagd nach dem schönen Phantom ermüdet auf.