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E_1928_Zeitung_Nr.006

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN; Freitag, 20. Janoar 1928. Nummer 20 Cts. 24. Jahrgang. — N° 6 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentraiblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint leden Dleastati und Freitag . Monatlich „Gelbe Liste'* Halbjihrllch Fr. 8.—, Jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, sofern nicht postamtlich bestellt Zuschlag für postamlliche Bestellung im ADMINISTRATION: ürclteuralnstrasse 97, CcrD In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuns !II'414 Telephon Bollwerk 39.84 , l'elegremm-Adresse: Autorevue. Bern 22 Millionen Benzinzoll im Jahre 1927! Der Strassenverkehr bildet für den Bund eine von Jahr zu Jahr ergiebigere Einnahmequelle: Einfuhrzölle auf Automobile, Motorräder, Fahrräder, Reifen und Benzin. Das alles zusammen machte im Jahre 1924 ungefähr so viel aus wie im Jahre 1927 der Benzinzoll allein — der Benzinzoll, der nach der öffentlichen, nicht wegzudiskutierenden Erklärung von Herrn Bundespräsident Musy «keine egoistische, fiskalische Massnahme zum Nutzen des Bundes» sein sollte. 1927 sind dem Bunde 16,5 Millionen Franken als Taschengeld davon verblieben. Sehen wir uns die genaue Liste der Benzineinfuhr im Jahre 1927 an: Benzineiniuhr 1927. Doppelzentner Wert in Fr Deutschland 1.282.09 52.885 Oesterreich 181.23 9.036 Frankreich 4.195.52 200.729 Belgien 9.443.12 4S0.121 Grossbritannien 3.39 1.050 Polen 2.585.68 85.667 Rumänien 56.355.79 1.589.641 Russland 15.505.13 485.212 Aegypten 525.65 13.110 Mesopotamien 250.269.76 6.470.583 Niederländisch Indien 292.10 8.603 Vereinigte Staaten 463.856.75 12.075.906 Mexiko 61.507.54 1.592.694 Venezuela 85^545,00 L? 6 A§ 9 -± Zusammen 1927 Zusammen 1926 951.408.75 761.079.86 24.930.129 27.738.645 Aus dieser Tabelle ist folgendes lesen: - """*"'•-'-"-=—'" 1. Von 76,000 Tonnen im Jahre 1926 ist der Benzinimport auf 95,000 Tonnen im Jahre 1927 gestiegen, der Wert dieser Menge aber von 27,7 Millionen Franken im Jahre 1926 auf 24,9 Millionen Franken im Jahre 1927 zurückgegangen. Das Benzin ist in Jahresfrist also erheblich billiger geworden. 2. Fast die Hälfte des in der Schweiz für Motoren verbrauchten Benzins stammt aus den Vereinigten Staaten. Die nächsten 25 Prozent lieferte Mesopotamien, und ihm schliessen sich der Reihe nach an die Länder Venezuela, Mexiko, Rumänien, Russland, dann merkwürdiger Weise Belgien (was natürlich nicht der Erzeuger ist), vor Frankreich, Polen, Deutschland, Aegypten und Niederländisch Indien. 3. Dem Bund sind an Einnahmen aus dem Benzinzoll im Jahre 1927 zugeflossen: Aus den Memoiren eines Automobilisten. Meinen ersten Wagen kaufte ich um das Jahr 1910 herum. Er war nicht neu, nein, beim Kuckuck nicht, denn es waren damals schon viele alte Wagen vorhanden. Mein Juwel von einem Automobil war aber sicher eines der ältesten. So etwas würde als Rarität angestaunt werden... und bei einem einigermassen bescheidenen Eintrittspreis wäre sicher ein Geschäft zu machen. Als ich den Handel abgeschlossen hatte, führte der Garagist den Wagen auf die Landstrasse, und im Vollgefühl meines Besitzes setzte ich mich hinter das Steuerrad. Jetzt sollte die Fahrschule beginnen. Der Garagist plauderte mir etwas von Wechselgetriebe, Konuskupplung, Zündung, etc vor, dass mir vor den Augen ganz schwarz wurde — es kann auch grün oder rot gewesen sein, ich kann mich nicht mehr genau erinnern! Ich hatte nämlich kurz vorher den Wechsel eines Lieferanten nicht pünktlich eingelöst und derselbe machte mir auch eine «Zündung» vor, viel ärger als das vielgenannte «Für z'Baasel». Nach diesen notwendigen theoretischen Erklärungen, zu welchen ich intelligent dreinzuschauen versuchte, kam die praktische Lektion. Er zeigte aui ein Pedal am Boden und 21,882,401 Franken und 25 Rappen. Sagen wir rund 22 Millionen. Das Benzinzollviertel für die Kantone, wird es dereinst ausbezahlt, beträgt also für 1927 5,5 Millionen, und dem Bunde verbleiben, wie gesagt, 16,5 Millionen, ein ganz nettes Honorar für die Verwaltungskosten bei der Erhebung des Zolles. Damit man uns nicht einen Rechungsfehler aufmutzt — der Benzinzoll beträgt bekanntlich 20 Franken für 100 Kilo —, müssen wir beifügen, dass wir in Wirklichkeit nicht 20 Franken Zoll zahlen, sondern 23 Franken, da bei der Verzollung ein 15prozentiger Tarazuschlag berechnet wird. 23 mal 95,140,8775 ergibt die genannte Einnahme. 4. Die Ware, die franko Schweizergrenze 24,9 Mill. Fr kostet, wird mit einem Zoll von 21,8 Mill. Fr. belegt, das sind 87 Prozent "ad valorem. Wir wissen nicht, ob es im gesamten Zolltarif einen Luxusgegenstand gibt, der so stark belastet wird wie das Benzin. Wir glauben es nicht. Aber wenn der Luxus in der Weise bestraft werden soll, so fällt jedenfalls das Benzin nicht unter diesen Begriff. Es ist volkswirtschaftlich ein Nonsens, irgend einen für das Volkswirtschaftsleben unentbehrlichen Stoff mit einer solchen Strafsteuer zu belegen. Erträglich wäre die Last, sobald der Ertrag uneingeschränkt auf die Strasse zurückflösse, was wir allerdings einmal Herrn Bundespräsident Musy geglaubt haben. Derweil stritt man sich in der Dezembersession mm die fünf oder zehn Prozent des Benzinzollv/erfete, die zum Ausgleich von Härten reserviert werden sollten. Werden die Vertreter der geschädigten Alpenkantone dem Problem von Soll und Haben nicht einmal von dieser Seite zu Leibe rücken? 5. Mittelbar lässt sich ferner aus unserer Aufstellung herauslesen, dass wir zu Beginn des Jahres 1927 an den Verteilersäulen für den Liter Benzin 29 Rappen hätten bezahlen müssen, wenn der Benzinzoll in der Schweiz derselbe geblieben wäre wie noch in den ersten Kriegsjahren. Ja, ja, der achttausendprozentige Aufschlag macht sich fühlbar. Wer in Zukunft nicht mit allen Mitteln für die Forderungen der Strassenverkehrsinitiative eintritt, die das Sündengeld wenigstens auf die Strasse zurückleiten will, muss von allen guten Geistern verlassen sein. # bedeutete mir, mal draufzudrüeken. Der Wagen fuhr vorwärts. «Jetzt drücken Sie mal da drauf», hörte ich den Garagisten wie aus weiter Ferne sagen. Ein Ruck... und Wagen und Motor standen still. Da ich von Hause aus nicht gerade der Düriimste bin, merkte ich, dass dies fraglos die Bremse sein müsse. Nach einem Druck auf ein drittes Pedal ging der Wagen, zu meinem grössten Entzücken, sogar noch rückwärts. Ich fragte den Garagisten der Vorsicht halber gleich, ob man sich beim Einfahren in eine Linkskurve mit 90 km'St. nach rechts oder links lehnen soll, worauf er mir treuherzig versicherte, mit diesem Wagen seien solche Sachen ganz und gar ungefährlich, da er höchstens 50 km per Stunde mache und dies nur, wenn er ganz neu sei; aber mein Wagen war ja alt. Damit war die Fahrschule beendigt. Sie hatte genau 120 Sekunden gedauert (es können auch 119 oder 121 gewesen sein!). Wegen Zeitverschwendung konnte ich dem braven Manne beim besten Willen keinen Vorwurf machen. Ich hatte zehn bis nach Hause und kam bei einbrechender Dunkelheit dort an. Die Heimfahrt dauerte... ich will nicht mehr sagen ais: ziemlich lang, denn sonst könnte der geneigte Leser denken, dass ich damals noch kein sicherer Fahrer war oder gar, der Wagen hätte nicht tadellos funktioniert. Wir zwei, der Wagen und ich, waren aber «in Form»; es haperte also irgendwo anders, aber ich weiss heute noch nicht wo. Meine Gattin hatte Freudentränen in den Augen, als ich ausstieg, und für die nächsten acht Tage war ich der populärste Mann im Umkreise von 100 Kilometern. Der Zürcher Kantonsrat und die Gebühr für die Führerbewilligung. Die Budgetberatung im Kantonsrat gab Herr Gassmann, der im Laufe seiner politischen Carriere schon manche Lanze für den Automobilisten brach, erneut Gelegenheit, auf einen -bestehenden Uebelstand hinzuweisen. Es handelt sich um die jährliche Erhebung einer ungerechtfertigt hohen Gebühr von 10 Franken anlässlich der Erneuerung der Führerbewilligung. In 'der letzten Nummer unseres Blattes berichteten wir über die Eingabe der Zürcher Verkehrsverbände an den Regierungsrat, welche sich mit der nämlichen Angelegenheit befasste. Bekanntlich kam die Behörde auf Grund des Berichtes der kantonalen Polizeidirektion zu einem abschlägigen Bescheid. Trotz der Ausführlichkeit der Begründung vermisst man beweiskräftige Argumente, und hat sich Herr Kantonsrat Gassmann wohl auch aus diesem Grunde veranlasst gesehen, im Schosse des Rates auf die Angelegenheit zurückzukommen. Im Voranschlag für das laufende Jahr werden als Einnahme aus dieser Gebühr 150,000 Franken eingesetzt und lautete der Antrag Gassmann auf Reduktion des-Postens um die Hälfte. Er. führte mit Recht aus, dass die Gebühr nur als.eine Entschädigung für vollbrachte Arbeit und Mühewaltung aufgefasst werden darf, und sofern ein Mehrbetrag erhoben wird, kommt er in seiner Atiswirkung nur einer verkappten Steuer gleich. Die mit der Erneuerung der Bewilligungen zusammenhängenden Arbeiten der betreffenden staatlichen Abteilung nehmen im Höchstfalle einige Wochen in Anspruch. Dem Budget ist aber zu entnehmen* dass die Totalausgaben des nämlichen Ressorts für Salair und Bureauauslagen mit etwas über 150,000 Franken veranschlagt sind, so dass allein die Einnahme aus der Gebühr für den ganzen Jahresunterhalt aufkäme. In der Antwort an die Verbände heisst es zwar, dass die Gegenüberstellung von Gebührenerträgen und Mass der staatlichen Beanspruchung nicht angängig sei, da die vielen für Aussenstehende nicht sichtbaren Zusammenhänge innerhalb der Verwaltung mit berücksichtigt werden müssen. Auch im Kantonsrat bemerkte Herr Regierungsrat Maurer, von einer Reduktion Meine ersten Erfahrungen mit dem Automobil machte ich schon am nächsten Tag. Hier lernte ich die grossen Gefahren des damaligen «Autosportes» kennen. Ich rangierte mit meinem «Tourenwagen» im Hofe herum mit dem Ziele, rückwärts in die Garage einzufahren. Ich muss noch bemerken, dass ich, obwohl ich nun Autobesitzer war, immer meinen Spazierstock im Auto hatte, also auch damals, denn eine tägliche Fusstour war mir vom Arzte verordnet und der W 7 agen sorgte dafür, dass ich diese Vorschrift nicht umging. Dieses teure Andenken meines Grossvaters, welcher den Stock auf einer Expedition von einem Indianerhäuptling als Abschifcdsgeschenk — wohlverstanden in die Hand gedrückt — bekam, sollte mir zum Verhängnis werden- Trotz dem genialen Einfall zu bremsen trat ich auf das falsche Pedal, und der Wagen rannte gegen einen Benzintank. Ich wollte noch bremsen, aber der Stock hatte sich in der Stoppvorrichtung verfangen, Gott weiss, wie er sich gerade in diesem Moment dort befinden musste. Ganze 1000 Kilogramm krachten gegen den Benzintank und dementsprechend war auch der Kostenpunkt: 1000 Liter Benzin, ein Tank und noch Reparaturen an den «Scheinwerfern». Und all dies wegen einem Stock, den übrigens der Indianer von einem Nachkommen der Inkas erbte und mit weichem Pizzaro verprügelt worden sein soll. Es sollte gar nicht lange gehen, bis ich wieder etwas falsch machte, denn am ersten Unglück war doch auch nicht der Wagen schuld und auch das zweite Missgeschick ist nur meiner Unerfahrenheit in Autosachen zuzuschreiben. INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mra hoho Grundzeile oder deren Raum 45 Ct». tür die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inscratenschluss 4 Tage vor Erseheinen der betreffenden Nummer der Gebühr könne nicht die Rede sein, da es sich u. a. um «vielverzweigte Zusammenhänge » handle, die im Rat nicht erörtert werden können. Nachdem aber unseres Wissens die ganze Arbeit von der Motorfahrzeugkontrolle allein bewältigt wird, scheinen uns die Zusammenhänge innerhalb der Verwaltung nicht derart kompliziert zu sein, auf alle Fälle nicht in einem solchen Umfange, um das rechnerische Bild, das sich im Voranschlag wiederspiegelt, stark zu beeinflussen. Wenn dies aber der Fall ist, so wären die zahlenmässigen Angaben im Budget ja geradezu irreführend, oder hätten auf alle Fälle keinen praktischen Wert. Man wird sich aber wohl mit voller Berechtigung auf die genügend detaillierte Aufstellung im Budget berufen können, deren Studium für den objektiven Leser einfach einem Rechenexempel gleichkommt, aus welchem hervorgeht, dass die erhobene Gebühr von Fr. 10.— nicht nur eine Entschädigung für den Arbeitsaufwand darstellt, sondern darüber hinaus eine gewaltige Mehreinnahme bedeutet, deren Berechtigung mit allen Künsten der Rhetorik und Stilistik nicht bewiesen werden kann. Der Antragsteller forderte eine Reduktion aber auch mit dem Hinweis darauf, dass die Motorfahrzeugbesitzer in Form von Verkehrssteuern im letzten Jahr allein 3 Mil- -lionen Franken an den Staat ablieferten und man,dieses Jahr sogar mit einer Einnahme von 3,5 Millionen rechnet. Dieser gewaltige Beitrag an die Strassenausgaben des' Kantons belastet jeden einzelnen Automobilisten und Motorradfahrer neben dem Benzinzoll und anderen Gebühren schon derart, dass man füglich die weiteren von ihm verlangten Nebenabgaben auf ein Mindesrmass reduzieren sollte. Der Antrag fand leider nicht das nötige Verständnis im Rat; wohl zum grossen Teil wegen dem ungenügenden Interesse, das zahlreiche Ratsmitglieder dem Traktandum entgegenbrachten, wahrscheinlich weil es sie als Nichtautomöbilisten nicht direkt berührte. Bei der Abstimmung kam so recht die Ansicht zum Ausdruck, der Automobilist könne zu allem andern noch ganz gut «die zehn Fränkli» bezahlen. Wenngleich wir uns nicht in politische Betrachtungen in diesem Zusammenhang einlassen können, so darf doch erwähnt werden, dass die freisinnige Eines schönen Morgens, bei Winteranfang, hatte ich die Absicht, meine Glorie (ich meine natürlich meinen Tourenwagen und speziell mich als Führer) auch fernen Landen kund zu tun, indem ich eine grössere Ueberlandfahrt auf meinen Reise-, resp. Autoplan setzte. Meine Garage war gerade gross genug, um den Wagen aufzunehmen. Um den Motor anzudrehen, musste ich ihn immer von Hand in den Hof befördern. Nachdem ich an jenem denkwürdigen Morgen diese muskelstärkendö Tätigkeit vorgenommen hatte, wollte ich ankurbeln. Ich war ja daran gewöhnt, dass diese Ouvertüre zu einer Automobilfahrt nicht leicht ging, aber so schwer wie heute war es noch nie zu bewerkstelligen; ich konnte die Kurb'e! um keinen Zoll drehen. Von dem Lenkrade abgesehen, war der Wagen überhaupt nicht mehr zu bewegen, er war total eingefroren. Nun war dies eben nicht mehr ein Automobil, sondern die Statue eines Autos, aber doch so, wie sie kein Bildhauer fertiggebracht hätte: bis ins kleinste Detail naturgetreu! In meiner Verzweiflung lief ich zum Garagisten, der mir aufwärmen half. Nach Beendigung dieses Kapitels lagen gebrochene Stahl- und Eisenstücke herum und zwar nicht wenig, ca. 20 % des Wagens. Der Garagist — ich hatte den Wagen nicht bei ihm gekauft — schaute mich bedauernd an und sprach in einem Tone, welcher eine Nuance von Schadenfreude hören liess, folgende drei Worte zu mir: «Der erste Wagen?»... Ich musste bejahen, und sein Blick drückte Vergebung aus.