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E_1928_Zeitung_Nr.008

E_1928_Zeitung_Nr.008

Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERII, Freitag, 27. Januar 1928. Nummer 20 Cts. 2t. Jahrgang. — N° 8 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: EndMint Jeden Dienstag and Fr»Iu« Monatlich „G»lbe Liste" HalbJIhrllch Fr. 6.-, jährlich Fr. 10.—, Im Anstand unter Portoznsehlag, sofern nicht postamtilch bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung ua ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Ben* In- und Ausland 30 Rappen. Postcbeck-Rechnuna Hl/414 Telephon Bollwerk S9.84 Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grandzeile ; oder deren Raum 45 Cts. (ur die Schweiz: lur Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grötsere Inserate nach SeltentarU. bueratensehloss 4 Tarn vor Erscheinen der betreffenden Nummer Was auch bei uns zeifgemäss wäre Es ist ja nur zu bekannt, wie manchmal Urteile in Verkehrssachen ganz nach Paragraphen riechen, trotzdem schon mehrmals die Forderung aufgestellt worden ist, auch den Praktiker bei Beurteilung von Verkehrsunfällen herbeizuziehen. Aus demselben Grunde sind auch schon verschiedentlich durch schweizerische Automobilsektionen Orientierungsfahrten für Richter und Polizei zur besseren Würdigung der Verkehrsverhältnisse vom Standpunkte des Automobilisten aus organisiert worden. In Hamburg ist nun, nach Prüfung der Schaffung von Sonder-Dezernaten für Automobüstrafsacben, einem Vorschlage des Norddeutschen A. G. beigepflichtet worden, dass Richter und Staatsanwälte, welche für derartige Fälle in Frage kommen, automobilistisch auszubilden seien. N'ach einer Rundfrage an den hamburgischen Gerichtshof gingen die Anmeldungen von über 4000 Richtern und Staatsanwälten zu dem geplanten und demnächst durchzuführenden Kurse ein. Bei richtiger Kursleitung wird am Erfolg nicht zu zweifeln sein ... Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir ein Gleiches in der. Schweiz erleben können, wo nur zu oft noch rein nach dem Buchstaben des Gesetzes, ohne Sachkenntnis und ohne den Rat eines Sachverständigen einzuholen, ein Orteil gefällt oder besser noch... « gestraft » wird!! Die Redaktion. Nur zu oft noch kommt es vor, dass Motorfahrzeuglenker eines ihnen zugestossenen Unfalles wegen zu harten und ungerechtfertigten Strafen verknurrt werden, weil der Richter vom Motorfahrzeugwesen nichts versteht und auch keinen Sachverständigen beizieht. Wohl geschieht das gelegentlich bei grösseren Prozessen, aber bei kleineren, vielleicht weniger gefährlichen Angelegenheiten wird einfach drauflos gebüsst, werden Straien verhängt, meist auf die nur zu oft subjektiv eingestellte, Anzeige eines Dieners der öffentlichen Ordnung hin. Man weiss, wie oft diese Rapporte angezweifelt werden, in denen Klage wegen zu schnellen Fahrens erhoben wird, nach leichter, fast schematischer Kontrolle mit Armheben und meist zu spät eingestellter Stoppuhr. Aber was verschlägt's: der Landjäger zeigt an, der Richter spricht nach dem Paragraphen die Busse und der sonst schon stark mehr mit Pflichten als mit Rechten gegenüber dem Staat bedachte Autler kann die Börse ziehen und... «blechen >. In dieser sogenannten Bussenpraxis klappte manches nicht, wenn man es von Grund auf, rein objektiv, auf Recht und Gerechtigkeit hin prüfen könnte und wollte. Aber noch viel schlimmer steht es bei Unfällen! Denn es äst ganz undenkbar, sich von dem Hergang eines Unfalles eine zutreffende Vorstellung zu machen und die Massnahmen des Motorwagenführers, die zu einem gesetzlichen Verstoss , geführt haben sollen, verstehen zu können, wenn nicht wenigstens der Versuch gemacht wird, alle Eindrücke, die Oertlichkeit und Zeit hervorrufen,- auf sich wirken zu lassen. Für die Beurteilung der Sachlage macht es zum Beispiel einen gewaltigen Unterschied, ob Tageslicht, Dämmerung oder Dunkelheit herrscht, ob Beleuchtung vorhanden war. Wie stark und wie weit sie vom Tatort war. Ob die Strasse nass oder trocken* gut, schlecht oder überhaupt nicht gepflastert war, die Fahrbahn breit oder schmal, stark gewölbt oder flach war, wo die Zeugen gestanden haben und dergleichen Dinge noch viel mehr..» Die sich mit dem Motorwagenverkehr beschäftigenden Vorschriften sind ziemlich umfangreich und mit der Zunahme des Motorwagenverkehrs wird sich ganz naturgemäss auch die damit beschäftigende Rechtssprechung noch erweitern. Nun ist bedauerlicherweise festzustellen, dass leider nur allzuoft noch die Gerichte von der Möglichkeit, sich ein ziemlich klares Bild von den technischen und historischen Vorgängen, die zu einem Unfälle führten, zu verschaffen, keinen Gebrauch machen, oder — wenn es einmal geschieht — es erst dann tun, wenn die Beteiligten mit einer manchmal recht aufdringlich wirkenden Beharrlichkeit die Herbeiziehung von Sachverständigen und, was meist noch wichtiger ist: die Augenscheinnahme verlangen. Tn der « Hanseatischen Rechtszeitschrift •** beanstandete jüngst H. Dr. Brodmeier mit Recht, dass in Tageszeitungen Verkehrsfragen oft nicht zutreffend behandelt werden, und dass fast jeder glaube, über eine gewisse Sachkenntnis auf diesem Gebiete zu verfügen. Oft werden Urteile gefällt, die sachlich falsch sind, und im Motorwagenverkehr ist die Zahl solcher verfehlter Entscheidungen noch grösser als sonstwo! Namentlich zu bedauern ist es, dass manche Gerichtspräsidenten den vielseitigen Anforderungen, die an die Entschlussfähigkeit eines Motorwagenführers im regen Stadtverkehr und auf der Landstrasse von einem leider nur zu oft unüberlegten, oft sogar recht böswilligen Publikum gestellt werden, infolge einer technisch verfehlten Auffassung nicht gerecht werden. Nur selten wird aber jemand dagegen Einspruch erheben, wenn ein Automobilist tüchtig bestraft wird, das nimmt man leider fast allgemein als ... richtig an! Wohl zu verstehen ist es deshalb, wenn immer mehr die Forderung laut wird, es möchten nur im Motorfahrwesen ausgebildete Richter zur Entscheidung in Automobilsachen bestimmt werden. Damit würde wohl auch ein von manchem Richter innerlich gehegter Wunsch in Erfüllung gehen, denn wir glauben, .dass jeder gewissenhafte Richter sich nicht wohl fühlt, wenn er über etwas urteilen soll, von dem er wenig oder gar nichts ver- steht!- Die Richter sollten überall im Motorfahrweseh unterrichtet werden können, wie man das nun in Deutschland plant, sei es durch die Justizbehörden oder durch den Gebrauch von Angebbten von Automobilverbänden, Wagen für Ihstruktionszwecke zur Verfügung zu stellen. Das sollte aber mit einer höchst notwendigen Eindringlichkeit geschehen, denn gelegentliche Unterrichtsfahrten schaden, wie Dr. Brodmeier findet, weit mehr als sie nützen, weil die betreffenden. Herren gar leicht zu der falschen Auffassung kommen, nunmehr verfügten sie über soviel Sachkenntnis, dass sie bei Urteilen des Beistandes der Sachverständigen nicht mehr bedürften. Leicht ist allerdings die Wahl der Sachverständigen nicht, aber sie ist sehr notwendig. Zu beherzigen sind die Ausführungen des Dr. Bretzfelder im «Deutschen Autorecht » (7. Oktober 1927), wonach der Richter die Unterstützung von Sachverständigen in rein technischen Fragen erwartet, in denen dem Sachverständigen einegrössere Vorbildung und ein besseres Wissen eignet. Auf solche Fragen muss sich der Sachverständige beschränken und in ihnen soll und muss er der Gehilfe, des Richters sein. Er soll sich .nicht auf das Gebiet wagen, das zu betreten allein Sache des Gerichtes ist, nämlich die Beantwortung der Schuldfrage. So wenig, wie der Richter imstande ist, technische Dinge zu beurteilen, so wenig ist der Sachverständige berufen, Rechtsfragen zu entscheiden, deren wichtigste und schwierigste eben' die Frage nach Ursache und Schuld ist! — Die stets noch zunehmende Entwicklung des Motorfahrzeugverkehrs wird auch in der Gesetzgebung weitere Aenderungen zur Folge haben. Deshalb ist es begrüssenswert, wenn in dieser Richtung Schritte zur Anpassung an die heutigen, veränderten Verhältnisse unternommen werden, und es ist wünschenswert, wenn auch bei uns Staatsanwälte, Richter und Verteidiger sich mit den in Automobilprozessen in Frage kommenden technischen Dingen befassen und möglichst selbst Motorfahrzeugfahrer sind, damit der oft objektiv unschuldige Automobilist auf ein verständnisvolles Begreifen seiner Lage zählen kann. Für objektiv richtige Urteile in Automobilstrafsachen wäre damit die denkbar grösste Gewähr geboten ... und solche Urteile sollten heute möglich-sein! R. Die erste Sitzung des neuen Zentralkomitees des A. C.S. in Bern. Zürich lässt sich vertreten! Wie wir bereits ankündigten, vereinigten sich die neugewählten Mitglieder, des Zentralkomitees letzten Dienstag in Bern, um das neue Komitee zu konstituieren. In einer längeren Sitzung, die von morgens 10 Uhr bis abends 6 Uhr dauerte, wurde mit grossein Optimismus die neue Aera des A.G.S. begründet. Herr A. Dufour leitete die Sitzung mit einer kurzen Ansprache ein, indem er allen Komiteemitgliedern den Willkommensgruss entgegenbrachte und seine Freude über das Zustandekommen der Wahlen zum Ausdruck brachte. Unverzüglich ging man dann zur Verteilung der Aemter über und brachte in voller Einstimmigkeit das nachfolgende Resultat zustande: Mitglieder des Direktionskomitees: Präsident: Herr A. Dufour; Erster Vizepräsident: Herr Dr. Mende (Bern); Zweiter Vizepräsident: Hr. A. Hofmann (Waadt); Dritter Vizepräsident: Herr Dr. Stadler (Zürich); Kassaführer: Herr do Ja Harpe (Genf): Mitglieder: die Herren Kofmehl (Solothurn), A. Serment (Waadt), H.Devaud (Genf) und Dr. Steinmann (Genf). Organisation der Kommission für Tourismus. Nach den neuen Statuten verbleiben die ständigen Kommissionen in der gleichen Zusammensetzung wie sie waren. Herr Dr. Hürlimann (Zürich) erhielt den Auftrag zur Aufstellung und zur Leitung einer Verkehrskommission, und Tourismuskommission, die sich auf zwei bewährte Bureaux stützen soll. Das eine Bureau ist dasjenige der» Sektion Zürich, dessen famose Organisation längst bekannt ist, und das andere ist das Bureau der Sektion Genf, das in der Westschweiz volle» Vertrauen geniesst. • - .. Ein Plan „zur allgemeinen Arbeitsorganisation wurde dem Komitee vorgelegt, Ton ihm diskutiert und letzten Endes einstimmig angenommen. Jedes Mitglied des Direktionskomitees erhält ein Snezäaldepartement zugeteilt, das von ihm kontrolliert und unter seiner Verantwortung geleitet wird. Das Komitee selber wird sich nur zum Anhören der Berichte der verschiedenen Departementsleiter voreinigen und auf Grund der Vorschläge scino Entschlüsse fassen. Somit können die Sitzungen nur alle drei Wochen stattfinden. Die Plenarsitzungen des Zentralkomitees können bei dieser Lösung auf grössere Zeitabschnitte verteilt werden. Voraussichtlich werden drei bis vier Sitzungen pro Jahr genügen. Die nächste Sitzung des Z. K. wurde auf Samstag den 4. Februar festgelegt, um dann vor allem die Departemente definitiv zu verteilen. Herr Grolimund, der Sekretär der Sektion Genf, der auch als Sekretär in der ersten wahrlich historischen Sitzung amtete, sprach m einem Schlusswort die Hoffnung aus, dass sich der Wille zur Einigkeit, wie er sich im Verlaufe dieser SifauDg offenbart hat, erhalten werden möge und dem A. C. S. ermöglichen werde, auf den Spuren der neuen Statuten eine neue Aera einzuleiten. Alle Wolken sind nun zerstreut, und der Himmel steht neuen Idealen wieder offen. fit. Die Sektion Zürich nimmt die Mitarbeit im A. C. S. au!! Der Vorstand der Sektion Zürich des A. C.S. hatte die Mitglieder auf Montag den 23. Januar 1928, 20 Uhr, zu einer ausserordentlichen General- In der Kurve von Eva von Baadissin. (13. Fortsetznnz) Sie brauchte wohl zu viel Aufmerksamkeit, um ihm auf das zu antworten, was sie vollkommen erschüttert hatte. Nicht dass sie fürchten musste, in dem Kampf mit dem Doktor eher zu unterliegen als mit Hans: aber das Ganze sollte eine Wiederholung werden. Auch er wollte sich ihrer wahllosen Teilnahme an Wettfahrten widersetzen. Es würde dieselben Aufregungen und nutzlosen Auseinandersetzungen geben, denn sich zu unterwerfen, daran dachte sie nicht. Niemals war ihr in den Sinn gekommen, dieser schwache und etwas weibische Mann könnte solch starken Willen haben. Und er präzisierte ihn sogar schon vor der Ehe. Sie musste das in sich verarbeiten. Ihr Mund schloss sich hart, und wenn sie gestern doch dann und wann noch ein freundliches Wort gewechselt hatten, heute schien sie gar nicht gesprächig, und er fand es immer unbegreiflicher, dass sie an allem vorüberraste, was doch wirlich des Ansehens wert gewesen wäre. « Trient, > sagte er bedeutungsvoll. Das reiche untere Etschtal mit seinen Maisfeldern und den Maulbeerbäumen in den Rebengärten erschloss sich nun und all die Herrlichkeit machte ihm Appetit. «Wie wär's mit einem kleinen Frühstück in Rovereto? > schlug er harmlos vor. « Hier sieht's ja ganz verlockend aus.» « Wir fahren durch bis Modena.» « Und wann ist das? •» «Ich kann jetzt nicht so genau rechnen. Ich weiss nur, dass wir das, was wir gewöhnlich in zwei Tagen gemacht haben, in einem hinter uns haben müssen, sonst holen wir sie nie ein.» «Ich fühle aber mein Ischias heute gerade sehr stark.» « Kann sein. Autofahren soll gar nicht gut dafür sein. Später will ich dir nie mehr zureden zu grossen Touren —» Aha! Sie sorgte vor. Er lächelte heimlich: sie wollte das Widersetzen klug anfangen, aber er würde sie schon zähmen. Die Aufgabe begann ihn zu reizen. In Mantua schrie er so laut Halt, dass die Leute stillstanden und sich dann um den Wagen versammelten «Was ist dir nur?» fragte Gertrud erschreckt, die wirklich gebremst hatte. «Das wirst du gleich sehen! > Er wickelte sich aus und entstieg humpelnd dem Auto. «Ihr guten Leute,» erklärte er den Neugierigen, « diese Signora lässt mich verhungern. Seit Wochen fahren wir rastlos durch die Lande — seht, ich kann schon gar nicht mehr gehen. Darum zeigt mir den nächsten, aber besten Gasthof — » Die Einwohner, von seinen Klagen amüsiert, sahen sofort ein, dass er dringend der Stärkung bedürfe und geleiteten ihn unter Gelächter und fröhlichen Erklärungen an Neuhinzukommende zum gewünschten Ziel. Gertrud blieb nichts übrig, als ihm langsam im Resedafarbenen zu folgen. Alois winkte ihr aus dem Fenster, doch hereinzukommen, aber sie schüttelte den Kopf und wies auf die Strassenjugend: denen wollte sie ihr armes Fahrzeug doch nicht ausliefern! Dann kam ihr selbst die Idee, einen der grösseren Knaben mit der Obhut über ihren Schatz zu beaxiftragen und ihm gleich ein tüchtiges Trinkgeld im voraus zu geben, mit dem Versprechen auf ein noch besseres, wenn er gut aufpasse ... « Na, das zweite brauchst du ihm ja nicht zu geben,» meinte der Doktor, als sie endlich erschien und ihm von ihrem Ausweg erzählte. Gertrud sah ihn ganz erstaunt an: sagte er das im Ernst? « Ja, gewiss — er ist reichlich belohnt. > « Aber wenn ich es ihm versprochen habe! Ich würde doch nie das Vertrauen eines Kindes täuschen.» «Du kannst eben nicht geschäftlich denken. » Das warf auch Hans ihr vor, aber aus andern Gründen. Nie würde er auf solch eine Kleinlichkeit gekommen sein. «Es ist nicht wert, darüber ein Wort zu verlieren, Alois! Jeder muss mit seinem Gewissen fertig werden.» Eine unbequeme Frau — kein Zweifel! Das kam davon, wenn Frauen selbst über Geld verfügten; er war durchaus dagegen, und war Gertrud erst unter seinem Dach — nein, schon früher, er wollte auf einem Ehekontrakt bestehen — so wollte er ihr zwar ein anständiges Taschengeld bewilligen, aber sonst — Unwillkürlich passte er auf, was sie bestellte. Sie sah weder nach dem Preis, noch fragte sie danach. Das Beste war gerade recht. Eine Languste und danach ein gebratenes Huhn. .Fortsetzung folgt.